Offizielles Protokoll der Sitzung - Stuttgart 21 Wiki

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Offizielles Protokoll der Sitzung - Stuttgart 21 Wiki

Ausschuss für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung, 22. Sitzung, 10.11.2010

München herausgreifen, dann ist die Verbindung

zwischen München und Paris in der Zukunft in

fünf Stunden möglich. Das brauchen wir heute

auch von Stuttgart nach Berlin oder sogar ein

bisschen mehr. Das heißt, hier rückt Europa

zusammen. Das sind große Zentren, die damit

miteinander verbunden werden und dies ist ein

großer wirtschaftlicher Vorteil auf der einen

Seite, aber auch ein großer Mobilitätsvorteil für

Menschen, die im Freizeitbereich unterwegs sind

– es werden ja immer mehr, auf der anderen

Seite. Es heißt also, wenn dieses Angebot nicht

gemacht wird, dann wird sich diese Entwicklung

stärker auf den Luftverkehr konzentrieren und

wenn dieses Angebot nicht im Stuttgarter Bereich

gemacht wird, wird es sich auf andere

Zentren in Europa konzentrieren. Man darf also

nicht so tun, als sei Stuttgart der Nabel der Welt,

der nun verschont wird, wenn in Stuttgart nichts

passiert, sondern wenn nichts passiert, wird es

ein wirtschaftlicher und möglicherweise auch ein

sozialer, kultureller Rückschritt werden und

darauf kommt es an. Das sind Projekte, die für

die nächsten Jahrzehnte von den nächsten

Generationen genutzt werden. Das darf man

nicht auf Grundlage von Tatsachen beurteilen,

die wir in den letzten Jahrzehnten beobachtet

haben, etwa im Bereich des Güterverkehrs.

Hierauf, denke ich, sollte man in der Diskussion

stärker abheben: Dass dieses ein Zukunftsprojekt

ist und nicht ein Projekt, das gegenwärtige

Engpässe nur abbauen hilft. Dankeschön!

Vorsitzender: Vielen Dank, Professor Rothengatter!

Als nächstes für DIE LINKE. Frau Leidig!

Wir sind in der Fragerunde im Themenbereich

Nutzen, Nützlichkeit. Bitteschön!

Abg. Sabine Leidig: Ich würde gerne noch

einmal Hannes Rockenbauch nach den

Schwächen und Schwierigkeiten fragen, die die

bestehende Infrastruktur aus Sicht der Bevölkerung

und auch aus Sicht derjenigen, die sich in

der Bewegung engagieren, hat. Ist es so, dass

dort überhaupt keine Zukunftsfähigkeit gegeben

ist oder haben Sie andere Zukunftsvorstellungen?

Wie konkret sollen die Alternativen aussehen

– das wäre jetzt der zweite Teil meiner

Frage – bzw. was wäre nötig, um die Alternativen

zu konkretisieren? Weil ja ein Vorwurf ist, dass

diese irgendwie alle nicht stimmig sind. Was

wäre nötig, um dort mehr auf den Tisch legen zu

können?

Vorsitzender: Herr Rockenbauch!

Hannes Rockenbauch (Sprecherkreis Aktionsbündnis

gegen Stuttgart 21): Vielen Dank!

Erst einmal muss man feststellen und wir erleben

das auch heute: Der Stuttgarter Hauptbahnhof,

wie er schon heute ist, ist einer der pünktlichsten

Hauptbahnhöfe, die es überhaupt gibt. Er ist

einer der Übersichtlichsten, Komfortabelsten und

von der Behindertengerechtigkeit her wirklich

durch seine Ebenerdigkeit einzigartig. Aber nicht

nur deswegen, sondern weil wir hier ingenieurkunstmäßige

Bauwerke haben. Es ist eben nicht

so wie im Vergleich zu anderen Hauptbahnhöfen,

dass wir hier diese von der Bahn AG stets

behaupteten Fahrwegsausschlüsse haben,

sondern wir haben hier schon weitgehend

kreuzungsfreie Einfahrten zu diesem Bahnhof.

Ich sage das jetzt noch einmal: Dieser Bahnhof

hat schon mal 810 Züge pro Tag geschafft und

das ist keine Fiktion, da müssen Sie nicht rechnen,

Herr Martin, und irgendwie mit irgendwelchen

Fahrtzeiten, sondern das ist so gewesen.

Das war noch zu einer Zeit, wo wir ganz andere

Schalttechniken, ganz andere Weichentechniken

hatten. Da muss man sich einfach nur die

Fahrpläne angucken, die Zugbewegungen zählen.

Dann sieht man das. Das ist keine Fiktion,

das ist Realität! Heute sind wir da weiter, heute

könnten wir beschleunigen, heute könnten wir

mehr machen und wir könnten auch mit K21

mehr machen. Ich möchte noch eines zu der

Zukunft sagen: Wir diskutieren über Stuttgart 21

nicht nur verkehrsmäßig. Und das möchte ich

noch einmal sagen: Dass es hier diese bundesweite

Aufmerksamkeit bei dem Projekt gibt,

ist das, was hier an Bewegung in Stuttgart stattfindet,

dass jeder nach seinem Teil einen Beitrag

leistet. Das erste Mal nicht um Geld zu verdienen

oder sonst etwas. Es ist eine Lebendigkeit, eine

Bürgergesellschaft, auf die nur jede Stadt stolz

sein kann. Weil genau die Lebendigkeit einer

Stadt, der Bürgerinnen und Bürger wird über die

Zukunftsfähigkeit entscheiden, doch nicht

irgendwelche Tunnelkilometer, sondern wie die

Leute bereit sind, sich für den Dienst der Allgemeinheit

einzusetzen und das tun sie in Stuttgart

lebendig. Da mache ich mir um die Zukunftsfähigkeit

gar keine Sorgen! Die mache ich mir viel

lieber – und das muss man bahntechnisch sehen

– bei den volkswirtschaftlichen Ideen, die hinter

Stuttgart 21 bei diesen ganzen Orientierungen

auf europäische Magistralen und Wirtschaftsräume

oder sonst was stehen. Wir müssen doch

irgendwann mal im 21. Jahrhundert dazu kommen

zu sagen, es gibt auch ökologische Grenzen.

Da kann man nicht einfach immer nur

Wirtschaftsräume gerade wie es einem passt

ausdehnen, sondern darauf muss man Rücksicht

nehmen. Jetzt zu der Frage, was für ein intelligentes,

zukunftsfähiges und für die Zukunft

offenes System notwendig wäre. Sie verzweifeln

vielleicht daran, aber das ist doch gerade das

Tolle am Kopfbahnhof 21, dass wir ihn in Modulen

umsetzen können, dass wir nach Bedarf

umsetzen können. Wir können sofort anfangen

mit der Modernisierung des Bahnhofes, sofort

anfangen mit dem Gleisvorfeld und dann können

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