bne-Position zum download - Bundesverband Neuer Energieanbieter

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bne-Position zum download - Bundesverband Neuer Energieanbieter

ne-Positionspapier

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Reduzierung der Gasmarktgebiete ist dringend nötig!

Abgesagte Kooperationen haben verheerende Auswirkungen für den Wettbewerb

Die Aufteilung des deutschen Gasmarktes in derzeit 12 verschiedene Marktgebiete

ist die Ursache für eine Menge von Problemen – vor allem aber verhindert sie

wirksamen Wettbewerb. Am 1. Oktober 2008 sollte die Anzahl der Marktgebiete

durch Kooperationen von Netzbetreibern auf acht reduziert werden. Doch die

betroffenen Netzbetreiber weigerten sich, zusammen zu arbeiten. Derzeit verfolgt

die Bundesnetzagentur dieses Verhalten in einem Missbrauchsverfahren.

Für neue Lieferanten wirkt sich die Marktaufteilung an den verschiedensten

Punkten aus - die abgesagten Kooperationen benachteiligen neue Anbieter ganz

konkret. Der Bundesverband Neuer Energieanbieter e.V. (bne) zeigt im vorliegenden

Papier die grundlegenden Hindernisse auf:

Strukturelle Problematiken:

1. Das gesetzlich vorgeschriebene Entry-Exit-System ist nicht gewährleistet:

Transportkunden, die Gas in einem der Marktgebiete einspeisen und in einem anderen

ausspeisen, wird der Netzzugang nicht – wie in § 20 Abs. 1b S. 5 EnWG

vorgeschrieben – über zwei Verträge gewährt. Diese Kunden müssen vielmehr bei

jedem Eintritt in ein Marktgebiet einen Vertrag und bei jedem Austritt aus einem solchen,

einen erneuten Vertrag abschließen.

2. Marktmacht wird zementiert: Durch die Aufteilung des Gasmarktes in einzelne

Gebiete wird die Marktmacht der mit den Netzbetreibern verbundenen Vertriebe zementiert.

Weil in lediglich zwei der 12 Marktgebiete ein annähernd liquider Gas-

Handel existiert, besteht die konkrete Gefahr, dass einzelne große Marktakteure strategischen

Einfluss auf die Preisbildung nehmen können. Auch der Preis für

Flexibilitätsprodukte ist aufgrund der Marktgebietsaufteilung im Ergebnis überhöht.

Eine Zusammenlegung von Marktgebieten würde diese Marktmacht und damit die

Missbrauchsgefahr erheblich reduzieren.

3. Regelenergieumlage wird unangemessen erhöht: Die Marktgebietsaufteilung

verringert das Angebot an interner Regelenergie – dem sogenannten Netzpuffer –

sowie das mögliche Angebot an externer Regelenergie. Während interne Regelenergie

kostenlos oder zu geringem Aufwand bereitgestellt werden kann, muss der

Netzbetreiber eine größere Menge externer Regelenergie einkaufen. Das ist teuer

und unnötig. Außerdem besteht für die Preise für externe Regelenergie aufgrund der

wenigen konkurrirenden Anbieter stets die Tendenz zur Überhöhung. Die Kosten dafür

tragen alle Transportkunden über eine erhöhte Regelenergie-Umlage.


Konkrete Probleme für neue Anbieter:

1. Verlust des eingeplanten Portfolioeffektes: Mit der Zusammenlegung der

Marktgebiete wäre die Bildung eines gemeinsamen Portfolios möglich gewesen. Dadurch

hätte der Aufwand etwa für Regel- und Ausgleichsenergie verringert werden

können. Weil dieses eine große Portfolio aufgrund der gegenüber der BNetzA ausgesprochenen

Zusagen der Netzbetreiber bereits eingeplant waren, führt deren

Zersplitterung nun – wie im Folgenden ausgeführt – zu erheblichen Kosten:

2. Zusätzliche Kosten durch Nachbeschaffung von Erdgas: Statt – wie geplant –

in einem größeren Marktgebiet Erdgas beschaffen zu können, muss nun wieder in

jedem einzelnen Marktgebiet Erdgas bereit gestellt werden. Das bedeutet: Durch den

wegfallenden Portfolioeffekt und größere Prognoserisiken ist die Beschaffung zusätzlicher

Mengen notwendig. Langfristige Beschaffungsmöglichkeiten waren wegen der

Kürze der Zeit zwischen Bekanntgabe der Kooperationsabsagen und dem Beginn des

neuen Gaswirtschaftsjahres nicht mehr verfügbar. Stattdessen musste auf wenige

freie, kurzfristige Gasmengen zurückgegriffen werden. Die so verursachte erhöhte

Nachfrage führte hier gleichzeitig zu höheren Preisen, da mehrere Lieferanten zum

gleichen Zeitpunkt Mengen kurzfristig nachfragten.

3. Zusatzkosten durch Nachbeschaffung von Flexibilität: Neben Erdgas-Mengen

müssen auch sogenannte Flexibilitäten zusätzlich beschafft werden. Fatal ist dabei,

dass zum einen Verträge mit integrierter Flexibilität in den L-Gas-Gebieten so gut wie

nicht verfügbar sind – oder nur zu extrem hohen Preisen. Durch die Marktgebietszersplitterung

wird dieser Effekt noch verstärkt. Zum anderem stehen auch weniger

Anbieter von Flexibilitätsangeboten aus Ergasspeichern zur Verfügung, da die Marktgebietsaufteilung

die hierfür einsetzbaren Speicherstandorte räumlich begrenzt.

4. Zusatzentgelte durch zusätzliche Kapazitätsentgelte: Neben Mengen und Flexibilität

müssen auch Kapazitäten zugekauft werden, deren Buchung bei Einhaltung

der versprochenen Marktgebietszusammenlegung nicht nötig geworden wären. Die

Kapazitäten müssen nun an den weiter aufrecht erhaltenen marktgebietsüberschreitenden

Transportpunkten (MÜT) nachgebucht werden – und dies, obwohl die

Netzbetreiber in der Vergangenheit stets darauf hingewiesen hatten, dass eine solche

Buchung ab dem 1. Oktober 2008 (= ursprünglich geplanter Zeitpunkt der

Marktgebietsreduzierung auf acht) gar nicht mehr möglich sei.

5. Zusatzrisiken durch unterbrechbare Kapazitäten: Weil die Kapazitäten an den

MÜT-Punkten ausgebucht sind, müssen Transportkunden auf die Buchung unterbrechbarer

Kapazitäten ausweichen. Dabei tragen die Lieferanten das Risiko einer

möglichen Unterbrechung, obwohl sie bis zur Absage der Kooperationen davon ausgehen

konnten, dass in einem gemeinsamen Marktgebiet für den gesamten

Transportweg die Netzbetreiber verantwortlich sind, was für den Netznutzer vergleichbar

ist mit festen Kapazitäten (nur ohne die Zahlung von Entry- und Exit-

Entgelten).

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6. Zusatzrisiken durch Verzicht auf Vertragsanpassung gegenüber Kunden:

Teilweise haben bne-Mitglieder ihren Kunden Verträge unter der Bedingung angeboten,

dass sie in künftig zusammengelegten Marktgebieten – also Gebieten, in denen

sie zuvor, aufgrund der Marktgebietszersplitterung noch nicht tätig waren – kein eigenes

Portfolio einrichten müssen. Zwar enthalten die Verträge Anpassungsklauseln,

neue Anbieter entscheiden sich allerdings oft, den gerade neu gewonnenen Kunden

nicht mit einer solchen Anpassung zu konfrontieren – und tragen das Risiko selbst.

Berlin, 30. Januar 2009

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