1918: Revolution in Deutschland - SLP

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nale wurde durch diese Briefe als Spartakusbund bekannt und bildete den linken Flügel

der USPD. Mehrere USPD-Führer wurden verhaftet. Alle führenden Spartakisten

nahm man in Schutzhaft – nicht nur Luxemburg und Liebknecht, sondern später auch

Franz Mehring, Clara Zetkin, Wilhelm Pieck und Hugo Eberlein. Die Berliner Funktionäre

des Metallarbeiter-Verbandes, unter ihnen Richard Müller, der Chronist der

deutschen Revolution, wurden an die Front geschickt. Der Widerstand der deutschen

Arbeiter gegen den Krieg hatte so zugenommen, dass er von allen am Kriege beteiligten

Mächten in Rechnung gestellt werden musste. Die Entente beobachtete jedes Anzeichen

aufmerksam in der Hoffnung, mit den Pazifisten der Zentrumspartei und der

USPD zusammenarbeiten zu können. Ludendorff und der Generalstab waren nicht

weniger aufmerksame Beobachter; die Moral des deutschen Heeres wurde durch die

oppositionelle Strömung unter den Arbeitern gerade in dem Augenblick beeinträchtigt,

als die amerikanische Kriegserklärung unmittelbar bevorstand. Auch der Parteivorstand

war höchst betroffen von der wachsenden Rebellion gegen seine Autorität;

die Macht des Parteiapparats hing nunmehr, nach zwei vollen Kriegsjahren, von dem

Erfolg seines Bündnisses mit der kaiserlichen Regierung ab.

Die Friedenspropaganda fand ein offenes Ohr vor allem unter den Matrosen. Sie

führten unter sich eine neue Grußform ein: „Es lebe Liebknecht“ und formierten kleine

illegale Ausschüsse. Im März 1917 ballte sich die Unruhe zu einer Meuterei zusammen;

die beiden Führer, Reichpietsch und Köbis, wurden als warnendes Beispiel erschossen,-

die ersten politischen Todesurteile seit Kriegsausbruch -, die Unruhe in der

Marine jedoch blieb und nahm noch zu. Hunderte von Matrosen wurden zu Freiheitsstrafen

von einem bis zu fünfzehn Jahren verurteilt.

Nach der Protestkundgebung Liebknechts schossen überall revolutionäre Gruppen

auf, illegale Aktionsausschüsse der Matrosen, illegale Aktionsausschüsse in den Berliner

Fabriken. Die Gewerkschaften und die Partei hatten in den Fabriken ihre Betriebsvertrauensleute.

Diese, hauptsachlich Gewerkschaftsfunktionäre, übten einen

entscheidenden Einfluss innerhalb der Partei aus. Aus ihrer Mine entwickelte sich die

illegale Organisation der Betriebsobleute.

Die Betriebsobleute, die an ihre Fabriken gebunden waren, unterschieden sich deutlich

von den Arbeiter- und Soldatenräten, die sich 1918 formierten und Vertreter loser

Einheiten aus verschiedenen Ortsgruppen waren. Es handelte sich um eine neue Form

der politischen Organisation, unabhängig von den traditionellen Partei- und Gewerkschaftskörpern.

Die Widerstandsbewegung im Reich hatte nicht dieselbe Organisationsform

wie in Berlin, aber ihr Inhalt war in allen Industriegebieten ähnlich. Die

Vertreter der Arbeiter hatten regelmäßige Zusammenkünfte, um gegen den Parteiapparat

eine Bewegung zu organisieren, die den Krieg beenden sollte. Gemessen an den

Vorstellungen der Zeit, nahmen diese Arbeiter ein beträchtliches Risiko auf sich. Viele

dieser Männer mittleren Alters, die in der Kriegsproduktion arbeiteten, waren vom

Militärdienst befreit; sofortige Verschickung an die Front war der Preis, den sie für

ihre Kampfbereitschaft zahlten.

Die allgemeine Stimmung gegen den Krieg beschränkte sich nicht auf die sozialistischen

Arbeiter. Im Jahre 1917 traten die katholischen Arbeiter des Ruhrgebiets, des Rheinlands

und Oberschlesiens, die die breite Massenbasis des Zentrums bildeten, ebenfalls für unmittelbaren

Friedenschluss ein, - ein weiteres Anzeichen für das Bestreben der deutschen

Arbeiter, über den Rahmen der wilhelminischen Gesellschaft hinauszugehen.

Liebknecht und Luxemburg | Seite 15

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