1918: Revolution in Deutschland - SLP

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1918: Revolution in Deutschland - SLP

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6. November 1918: Die Matrosen meutern und marschieren nach Berlin

„Wenn der Kaiser nicht abdankt, dann ist die soziale Revolution unvermeidlich. Ich

aber will sie nicht, ja ich hasse sie wie die Sünde.“

- Friedrich Ebert, 7. November 1918 - 1

Seit vier Jahren tobt schon der erste Weltkrieg. Millionen haben bereits ihr Leben für

den Versuch einer radikalen Neuaufteilung der Welt lassen müssen. Verflogen ist die

anfängliche Begeisterung für den Krieg. Hunger, Angst und Elend haben sich stattdessen

überall breit gemacht. Es kommt wieder zu Demonstrationen, Streiks und kleinen

Revolten. Die Oktoberrevolution in Russland hat die Situation weiter beschleunigt. Im

Jänner 1918 überzieht eine große Streikbewegung Berlin und andere Teile Deutschlands.

Über eine Million ArbeiterInnen fordern bessere Lebens- und Arbeitsbedingungen,

Demokratisierung und Frieden und das mitten im Krieg! Zum ersten Mal

in der Geschichte werden in Deutschland ArbeiterInnenräte gewählt. In Wahrheit

bestimmt im deutschen Kaiserreich schon lange nicht mehr der Kaiser, sondern das

Militär. Die wahren Herren sind die Generäle Hindenburg und Ludendorff von der

obersten Heeresleitung. Der Jännerstreik wird schließlich in ganz Deutschland durch

das Militär und die Polizei niedergeschlagen. Revolutionäre ArbeiterInnen und die

AnführerInnen verhaftet und wie im Fall von Richard Müller, dem Vorsitzenden der

Berliner Streikleitung an die Front geschickt. Dabei ist der Krieg für Deutschland und

Österreich-Ungarn verloren. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis die Fronten zusammenbrechen.

In dieser Situation wird von der deutschen Admiralität die Entscheidung

gefasst, lieber „ruhmreich“ unterzugehen, als „ruhmlos“ die Kapitulation der

Obersten Heeresführung abzuwarten. Deswegen soll die deutsche Kriegsmarine noch

einmal zu einer letzten Schlacht ausfahren. Später wird argumentiert, dass damit die

Westfront entlastet werden hätte sollen. Eine Lüge!

Schon 1917 hatte es erste offene Meutereien innerhalb der Flotte gegeben. Seitdem hat

sich die Unzufriedenheit innerhalb der Mannschaften nicht gebessert, sondern noch

weiter zugespitzt. Viele wissen von der schlechten Situation zu Hause. Nach dem harten

Winter 1917/18 verhungern in Deutschland wieder Menschen. Jetzt soll die Flotte

vor Wilhelmshaven zusammengezogen werden. Von allen deutschen Häfen kommt

das letzte Aufgebot der deutschen Hochseeflotte zusammen. Am 30. Oktober verweigert

die Besatzung des Linienschiffes „Thüringen“ den Gehorsam. Mehrere andere

Besatzungen schließen sich der „Thüringen“ an und weigern sich auszulaufen.

Darauf folgen atemberaubende Minuten. Die aufständischen und die nicht aufständischen

Schiffe richten aus nächster Nähe die Bordgeschütz auf einander. Doch die

Meuterer beschließen, nicht auf ihre Kameraden zu schießen und geben auf. Sie setzen

sich jedoch insofern durch, als dass sich die Admiralität außerstande sieht diese

Seeschlacht mit unzuverlässigen Mannschaften zu riskieren. Die Geschwader werden

zu ihren ursprünglichen Flottenstützpunkten zurückgeschickt. Das dritte Geschwader

mit der „Thüringen“ kommt nach Kiel. Die über 1.000 verhafteten Matrosen kommen

in Militärgefängnisse. Auf sie warten Kriegsgerichte und Erschießungskommandos.

Schicksalstage einer Revolution | Seite 17

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