1918: Revolution in Deutschland - SLP

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1918: Revolution in Deutschland - SLP

der Durchsetzung revolutionärer Forderungen. Sie vertreten nicht mehr die Interessen

der Parteimehrheit sondern macht der SPD im Rat der Volksbeauftragten Zugeständnisse,

die letzten Endes die Konterrevolution unterstützen. Im Laufe der revolutionären

Ereignisse entfremden sich aber USPD und Spartakusbund immer weiter

von einander. Der Spartakusbund setzt auf einen vollständigen Bruch mit den Eberts,

Scheidemanns und Noskes. Er fordert einen Parteitag der USPD für spätestens den 25.

Dezember, was die USPD- Führung ablehnt. Daraufhin beschließen die Mitglieder des

Spartakusbundes den Austritt aus der USPD und die Gründung einer neuen, internationalistischen,

kommunistischen Partei.

Deswegen trifft sich am 29. Dezember die Führung des Spartakusbundes im Berliner

Abgeordnetenhaus. Es gibt eine Übereinstimmung sich von der USPD zu trennen

und die von Rosa Luxemburg in der Roten Fahne (Zeitung des Spartakusbundes) vom

29. November geforderte „sozialistische Partei, die der großen Stunde gewachsen ist“

zu gründen. Ein Streitpunkt bleibt der Name der neuen Partei. Leo Jogiches und Rosa

Luxemburg schlagen „Sozialistische Arbeiterpartei“ vor, letztendlich entscheiden sich

die Anwesenden aber für Kommunistische Partei Deutschlands (KPD). Neben dem

Namen gibt es noch einen Streitpunkt: die Beteiligung an den Wahlen zur Nationalversammlung

am 19. Jänner 1919.

Aus den Erfahrungen mit den Forderungen der SPD Führung, lehnen in einem ersten

Reflex viele Delegierte eine Kandidatur ab. Das Zentrum – oder besser die Führung

– des Spartakusbundes verteidigt mit allen Mitteln eine Kandidatur. Sie sehen in der

Beteiligung zur Wahl der Nationalversammlung eine Möglichkeit die Massen gegen

die Regierung zu mobilisieren. Die meisten jedoch vertreten den Standpunkt, dass es

jetzt nicht die Zeit für Wahlen sei, sondern dass der Kampf auch auf der Straße geführt

werden müsse. Sie sehen die Gefahr, dass die Wahlbeteiligung die ArbeiterInnen zum

Reformismus der Ebert und Scheidemanns führe. Schließlich setzen sie sich durch und

mit 62 Gegenstimmen wird die Kandidatur abgelehnt. Der Wahlboykott zur Nationalversammlung

stellt sich tatsächlich als schwerer Fehler heraus. Dadurch fällt für die

neugegründete KPD eine wichtige Möglichkeit sich zu vergrößern und auch mehr Einfluss

auf die ArbeiterInnen zu gewinnen weg.

Rosa Luxemburg schrieb schon für den 14. Dezember 1918 einen grundlegenden Artikel

mit dem Titel „Was will der Spartakusbund?“. Dieser Artikel wird zur Grundlage des Parteiprogramms

der KPD und wird am 31. Dezember einstimmig beschlossen. Der Haupttenor

darin ist die Stärkung bzw. Widereinsetzung der ArbeiterInnen- und Soldatenräte.

Ganz wesentlich ist auch der Punkt, das Monopol der bürgerlichen Gerichte in Frage zu

stellen und durch gewählte Gerichte zu ersetzen. Neben der Machtfrage wird auch die soziale

Frage ins Zentrum des Aktions- und Parteiprogramms der KPD gesetzt.

Eigentlich ist der Gründungsparteitag nur für zwei Tage geplant. Karl Liebknecht

verhandelt aber noch mit den Revolutionären Obleuten – den mitunter besten Elementen

des Berliner Proletariats. Deswegen wird der Parteitag um einen Tag verlängert.

Die Hoffnung bestätigt sich aber leider nicht und die Revolutionären Obleute verbleiben

weiterhin trotz aller Vorbehalte bei der USPD. Auf dem Parteitag entstehen dafür

die ersten konkreten Bindungen zum revolutionären Russland durch Karl Radek. Am

18. November 1918 ist bereits ein Artikel in der Roten Fahne über das Bekanntwerden

der deutschen Revolution in Russland erschienen: „Die Nachrichten aus Deutschland,

die den Sieg der Revolution und die Errichtung von Arbeiter- und Soldatenräten melden,

Schicksalstage einer Revolution | Seite 31

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