Wir feierten Firmung

rankweil

Wir feierten Firmung

Seite 2 Rankweiler Pfarrblatt

Lesung: Ez 17,22-24

So spricht Gott, der Herr: Ich selbst

nehme ein Stück vom hohen Wipfel

der Zeder und pflanze es ein. Einen

zarten Zweig aus den obersten Ästen

breche ich ab, ich pflanze ihn auf einen

hoch aufragenden Berg. Auf die

Höhe von Israels Bergland pflanze ich

ihn. Dort treibt er dann Zweige, er

trägt Früchte und wird zur prächtigen

Zeder. Allerlei Vögel wohnen darin;

alles, was Flügel hat, wohnt im Schatten

ihrer Zweige. Dann werden alle

Bäume auf den Feldern erkennen,

dassch der Herr bin. Ich mache den

hohen Baum niedrig, den niedrigen

mache ich hoch. Ich lasse den grünen-

den Baum verdorren, den verdorrten

erblühen. Ich, der Herr, habe gesprochen,

und ich führe es aus.

Evangelium: Mt 4,26-34

In jener Zeit sprach Jesus zu der Menge:

Mit dem Reich Gottes ist es so, wie

wenn ein Mann Samen auf seinen Akker

sät; dann schläft er und steht wieder

auf, es wird Nacht und wird Tag,

der Samen keimt und wächst, und der

Mann weiß nicht, wie. Die Erde bringt

von selbst ihre Frucht, zuerst den

Halm, dann die Ähre, dann das volle

Korn in der Ähre. Sobald aber die

Frucht reif ist, legt er die Sichel an;

denn die Zeit der Ernte ist da. Er sagte:

Womit sollen wir das Reich Gottes

vergleichen, mit welchem Gleichnis

sollen wir es beschreiben? Es gleicht

einem Senfkorn. Dieses ist das kleinste

von allen Samenkörnern, die man

in die Erde sät. Ist es aber gesät, dann

geht es auf und wird größer als alle

anderen Gewächse und treibt große

Zweige, so dass in seinem Schatten die

Vögel des Himmels nisten können.

Durch viele solche Gleichnisse verkündete

er ihnen das Wort, so wie sie

es aufnehmen konnten. Er redete nur

in Gleichnissen zu ihnen; seinen Jüngern

aber erklärte er alles, wenn er mit

ihnen allein war.

Das Reich Gottes und der Geist der Wahrheit

Im Evangelium zum Sonntag ist vom

Reich Gottes die Rede, das klein anfängt,

jedoch wächst und gedeiht. Der

Begriff "Reich Gottes" klingt schön,

erstrebenswert und faszinierend, hat

jedoch für viele von uns wenig konkreten

Inhalt. In das Reich Gottes

wird allerhand hineinprojiziert

und nicht selten beschleicht

mich Zweifel, ob alles

das, was wir uns unter dem

Reich Gottes vorstellen, auch

dem entspricht, was Gott für

uns vorbereitet hat. Auf jeden

Fall wird jedoch im Reich Gottes

der Geist der Wahrheit

herrschen, den Jesus seinen

Jüngern im Evangelium vom

Pfingstfest zugesagt hat. Dort

wo dieser Geist fehlt, wächst

ein anderes Reich! Bestand haben

wird aber nur das Reich

Gottes, weil allein der Geist

der Wahrheit Bestand haben

wird. Da bin ich mir sicher! Einigen

muss meine Predigt vom

Pfingstfest Anstoß zum Nachdenken

gewesen sein; sie wollten

nämlich meine damaligen

Gedanken nachlesen:

Der Geist von Pfingsten ist

der Geist von Wahrheit! Das haben

wir soeben im Evangelium gehört.

Das klingt schön, das klingt fromm

und lässt uns gleich mit Pilatus fragen:

Was ist Wahrheit? In der Tat: Viele

große und kleine Geister drängen auf

Menschen ein und erwarten, dass man

ihnen Gefolgschaft leistet, dass man

sie als Wahrheit anerkennt. Angesichts

der Vielzahl von Geistern, die uns

führen und leiten wollen, wird es

schwierig, Geister von Ungeistern zu

unterscheiden, sich führen und nicht

verführen zu lassen, kurzum den empfangenen

Geist der Wahrheit im Le-

ben zu erkennen und für sein Leben

fruchtbar zu machen.

Der Geist der Wahrheit - ein fürwahr

großes Wort, das Jesus uns Christen

verheißen hat. Vielleicht gelingt es uns

zu erkennen, wenn wir uns überlegen,

was das Gegenteil davon wäre: der

Geist der Lüge. Das klingt

hart! Wer lässt sich schon sagen,

dass er lügt, selbst wenn

man ihn dabei ertappt? Nehmen

wir andere Worte, die

harmloser klingen. Da ist der

Geist der Verschleierung.

Man lässt Menschen bewusst

im Dunkel der wirklichen

Ziele, weil man so leichter

das durchsetzen kann, was

man durchsetzen will. Man

baut Scheinwelten auf und

konstruiert Probleme, die

dann im Mittelpunkt des

Interesses stehen, um daneben

Entscheidungen zu treffen,

die wirklich das persönliche

und gemeinschaftliche

Leben beeinflussen. Sollten

wir meinen, dass eine solche

Taktik nur in der großen Politik

angewendet wird, irren

wir uns. Schauen wir aufmerksam

um uns. Vielleicht lassen uns manche

Vorkommnisse erblassen, weil wir

erkennen müssen, wie oft wir dem

Geist der Verschleierung begegnen.

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