Konstruktive Kunst aus Ungarn Tibor Gáyor István Haász István ...

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Konstruktive Kunst aus Ungarn Tibor Gáyor István Haász István ...

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# 269

Konstruktive Kunst

aus Ungarn

Tibor Gáyor

István Haász

István Harasztÿ

Katalin Hetey

Tamás Konok

Dóra Maurer

Judith Nem´s


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Konstruktive Kunst

aus Ungarn

Tibor Gáyor

István Haász

István Harasztÿ

Katalin Hetey

Tamás Konok

Dóra Maurer

Judith Nem´s

Ausstellung # 269

11. Okober bis 22. November 2008

Galerie St. Johann

Gesellschaft zur Förderung

aktueller Kunst m.b.H.

Beethovenstraße 31

66111 Saarbrücken

Telefon 0681/33473

Telefax 0681/30547

www.galerie-st-johann.de

Öffnungszeiten

Di - Fr 16.00 - 19.00 Uhr

Sa 11.00 - 13.00 Uhr


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Vorwort

Jo Enzweiler

Schon 1971 hat die Galerie St. Johann, damals

auf Vermitt lung von Prof. Dieter Honisch, dem

späteren Direktor der Nationalgalerie Berlin,

erstmals Künstler aus Ungarn im Saarland vor -

gestellt.

Im Jahr 2007 wurde mit großem Erfolg die

von der Galerie St. Johann zusammen gestellte

Ausstellung »Exemplifizieren wird Kunst« im

Vasarely Museum in Budapest gezeigt.

Die damals entstandenen Kontakte haben zum

Zustande kommen der Ausstellung »Konstruktive

Kunst aus Ungarn« bei getragen. Die Ausstellung

wurde kuratiert von István Haász, dessen Arbeiten

2006 in einer Einzel ausstellung in der Galerie

St. Johann gezeigt wurden.

Alle beteiligten Künstler sind Gründungs mitglie-

der der »Open Structures Art Society« (O.S.A.S.),

die sich zum Ziel gesetzt hat, im Rahmen des

Vasarely Museums in Budapest ein Zentrum für

aktuelle konstruktiv-konkrete Kunst in Ungarn

aufzubauen.

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Tibor Gáyor

1929 geboren in

Rákospalota, Ungarn

1951 Architekturdiplom an der

Technischen Universität, Budapest

1956 Emigration

wissenschafticher Assistent am

Institut für Baukunst der TU Wien

1964 Erste Ausstellung mit

lavierten Tuschstrukturen

1965 Entwicklung des WIENER

BAUKASTEN, modulare

Kinderspielplatzeinrichtungen

1970 Konzeptkunst mit

Dóra Maurer SUMUS Systema tische

Tektonik, seriale Faltungen

AMPHIGRAMME, d.h. zweiseitige,

gefaltete Objekte, Grafiken.

Postalische Kooperation mit

François Morellet

1985 Abschluss der Systematik –

gefaltete Schwebebilder

1989 Rückkehr nach Ungarn

2004 Farbige Raumgitter,

(DE)CONSTRUTIONES

2006 Gründung der »Open

Stuctures Art Society«, Budapest

mit Maurer, Molnar, Konok, Hetey,

Nádler, Harasztÿ, Nem’s

2007 Mitglied der Széchenyi

Akademie der Künste, Budapest

Das Phänomen Faltung charakterisiert meine

Arbeit seit den späten 1960ern bis heute. Mit

einem Stück flexiblem Material wie der weiß-

grundierten Malleinwand in der Hand, fühlt man

sich spontan aufgefordert auch die Kehrseite zu

betrachten, anzutasten, mit der Vorderseite zu

vergleichen, sogar eine Biegung, durch An -

drücken, in eine scharfe Kante zu verwandeln.

Solch ein gestalterisches Umgehen mit dem

traditionell für künstlerische Zwecke gebrauchten

Material erschien mir von Anfang an als natür-

lich, im Gegensatz zu dem konventionellen

Bemalen der Fläche, horribile dictu noch die

Illusion einer fremden Realität darauf zu werkeln.

Das Falten (Brechen) ist die primäre qualitative

Veränderung der blanken, planen Fläche. Es

ergreift auch das Zeitliche, indem der Moment

erschlossen wird, wo das Zweidimensionale in

Dreidimensionales übergeht. Werden die aus der

Basisfläche herausgehobenen Flächenteile in ihrer

Drehbewegung zwischen 0 und 180 Grad

im Raum gestoppt, entsteht ein Relief, – bei bei-

derseitigen Ausfaltungen eines in sich steifen

Materials, z.B. Stahlblech, sogar eine Rundplastik.

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Faltbau 2

1982

Holzplatte, Acryl,

grundierte Leinwand

65 x 65 cm

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István Haász

1946 geboren in Gönc / Ungarn

1964-68 Studium an der

Pädagogischen Hochschule in Eger

1975-79 Studium an der Akademie

für Bildende Kunst in Budapest

seit 1988 Dozent an der

Moholy-Nagy Universität für

Angewandte Kunst in Budapest

seit 1989 Mitglied der Alten

Künstlerkolonie in Szentendre

1990 Preis der Biennale Malych

Form Malarskich, Torun, Polen

1991 Stipendium der Pollock-

Krasner Foundation, New York

1992 DAAD-Stipendium,

Atelierhaus Worpswede

1994 Goldenes Verdienstkreuz

der Republik Ungarn

1994 Villa Waldberta Stipendium,

München-Feldafing

1996 Stipendium der Pollock-

Krasner Foundation, New York

1997 Preis der III. Pastell Biennale,

Esztergom, Ungarn

1999 Stipendium der Ungarischen

Akademie Rom

2002 Munkácsy-Preis

2004 Stipendium der Stadt

Frankfurt am Main

2005 Gastdozent der International

Academy of Arts, Bremen-Vallauris

Lebt und arbeitet in Budapest

Die Geometrie hilft mir als Formensprache, die

Welt zu deuten und die innere Gesetzmäßigkeit

der Dinge aufzudecken. Mich interessieren die

Axiome, die während des Arbeitsprozesses die

Möglichkeit und die Richtung der Materialisie-

rung bestimmen.

Die Sensibilität der Darstellung, die richtige Aus-

wahl der malerischen Mittel ist eben wegen der

geometrischen Ausdrucksweise von ausgespro-

chen großer Bedeutung. Letztlich gelangt das

Bild dadurch zum Einklang, gewinnt so an Stärke.

Bei den Kohlezeichnungen und den Pastellen

halte ich es für wesentlich, dass ich das Zusammen-

wirken der geometrischen Formen mit maleri-

schen Mitteln zum Ausdruck bringe; auch bei der

kalkulierten geometrischen Komposition ist mir

die Lebendigkeit des Materials, der Farbe wichtig.

Die Schönheit der Transparenz, die Harmonie

der Farbschichten mit den formalen Elementen

und etliche weitere Details machen die Bildfläche

lebendig und werden dadurch für den Betrachter

erlebbar. Das Unendliche kann ich so mit dem

Augenblicklichen verbinden und das ewig gesetz-

mäßige persönlich gestalten.

Ich habe für mich das Trapez und das Parallelo-

gramm entdeckt und konstruiere am häufigsten

aus diesen Formen. Sie tauchen in fast allen

meinen Arbeiten auf. Mich beschäftigt stark die

Proportion und wie man einzelne kompositori-

sche Elemente zueinander ordnen kann, ohne

dass die Spannung zwischen ihnen das Bild zer-

stört. Ich erstelle ein spezifisches System, das

das Bild nach seinen inneren Regeln ordnet und

deutet. Im Allgemeinen vertragen meine Arbeiten

proportionale Veränderungen gut. Ich arbeite

systematisch mit Maßstäben, die nicht empfind-

lich auf Änderungen der Formate reagieren und

in jeder Größe dieselben Stärken und Schwächen

haben. Deshalb benutze ich häufig das Quadrat.

Ich denke, die geometrische Formulierung ist nur

dann glaubwürdig, wenn sie über ein autonomes

Proportions- und Maßstabssystem verfügt.

In meinen Arbeiten beschäftigen mich eindeutig

die Oberflächen, die Räumlichkeit, die aus der

Beziehung der Flächen zueinander entsteht, die

Darstellung des Raumes anhand eines ausgewo-

genen Verhältnisses von kompositorischen und

malerischen Mitteln zu einander. Z.B. denke ich,

dass ein Fokussieren auf die Relation von Vorder-

grund und Hintergrund eine Zuordnung von

reduzierten formalen Elementen nicht zur Genüge

ausdrücken kann. Durch Farben steigern sich

meine Ausdrucksmöglichkeiten, und ein wahrer

Fortschritt ist die Integration der Licht-Schatten

Wirkung. Innerhalb der Grenzen der Fläche

besteht für mich die Möglichkeit einer Fortbewe-

gung des Raumes aus dem Realen in eine trans -

zendentale Richtung.

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Stanza XV.

1996

vierteilig

Acryl, Collage, Holz

100 x 100 x 10 cm

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István Harasztÿ

1934 Geboren in Pestszentimre,

Budapest. Lehre als Maschinen-

schlosser. Schüler des Meisters

Ferenc Laborz im Dési Huber Kör

(Kunstzirkel)

1975-76 Bühnentechniker am

Csiky Gergely Színház (Theater)

in Kaposvár. Kassák díj, Preis der

Avantgarde-Zeitschrift Magyar

Műhely, Paris

1984 Ehrenauszeichnung des kana-

dischen Bildhauerverbandes, Toronto

1987-88 DAAD Stipendium, Berlin

Munkácsy-díj (staatliche

Auszeichnung)

Ordentliches Mitglied der Széchenyi

Irodalmi és Művészeti Akadémia

Érdemes Művész, staatliche Aus-

zeichnung der Ungarischen Republik

Szobrászkoszorú, Auszeichnung

der Magyar Szobrász Társaság

1. Preis der XVI. Országos Kisplasz-

tikai Biennálé, Pécs

Kossuth-díj (staatliche Auszeichnung)

[…] István Harasztÿ nennt sich einen kinetischen

Bildhauer, da er mobile, sich bewegende Objekte

schafft. Sie bestehen aus Eisen, Stahl, Plexiglas,

Beleuchtung, etc. In Ungarn ist er Wegbereiter

des Mobiles. […] Der par excellence mobile

Harasztÿ hatte bei uns keine Vorläufer, es ist seit-

her auch keine Schule entstanden und es gibt

keine Nachfolger, beziehungsweise gibt es bei

uns Bewegungsobjekt-Künstler, aber – Gott sei

Dank – imitiert keiner von ihnen diesen kinetischen

Bildhauer; Inhalt und Ausführung derer Arbeiten

ist souverän.[…] Natürlich hat nicht Harasztÿ das

Mobile erfunden, jeder Springbrunnen ist an sich

ja schon ein (Hydro-) Mobile; und im Ausland

gibt es die moderne kinetische Kunst seit sieben

Jahrzehnten. Tatlin, Naum Gabo und Rodschenko

haben schon 1920 bewegliche Konstruktionen

gebaut, Moholy-Nagy hingegen 1928. Ende der

1920er Jahre prägte Calder neben dem Begriff des

Stabile auch den des Mobile, ihm folgte – dessen

Mobiles hatten nun schon einen eigenen Antrieb

– 1954 Tinguely und ein Jahr später Luginbühl.

Indes denken wir bei der Kunstgattung des

Mobiles auch automatisch an Nicolas Schöffer,

den Pariser ungarischer Herkunft. 1950 stellte er

sein erstes Mobile her, das in seiner technischen

Umsetzung der primitive Versuch eines unbemit-

telten Künstlers war. Und doch hat er es dann

zu Weltruhm gebracht. (Notabene: Schöffer hat

sowohl im persönlichen Gespräch als auch

schriftlich dem jungen Harasztÿ größten Respekt

gezollt.) So, wie im Verlauf der ganzen Kunstge-

schichte deren Tendenzen auch unser Land er-

reichten, erscheint es einleuchtend, dass Harasztÿ

ein Vorbild in der universalen modernen Kunst

gesucht und gefunden hat. Dem ist aber nicht

so. Ursprünglich waren die kinetischen Künstler

Maler und Bildhauer, die mit den Maschinen eine

neue Formsprache suchten.

Harasztÿs Position ist dem genau entgegenge-

setzt. Er ist Maschinenschlosser, die Mechanik ist

seine Muttersprache, und deshalb trägt er sein

künstlerisches und menschliches Anliegen sozu-

sagen in seiner Muttersprache vor. Das Gros der

herkömmlichen Mobile-Künstler steht in Opposi-

tion zum mechanischen Zeitalter und macht

gewissermaßen Karikaturen von Maschinen.

Harasztÿ näherte sich unter umgekehrtem Vorzei-

chen: »mit der Maschine«, sagte er, »wird ein

Gefühl von Müdigkeit und Schweiß assoziiert.

Ich möchte die Vorstellung erwecken, dass eine

Maschine nur Gutes bedeutet und Freude berei-

tet.« Deshalb ist ein wichtiger Ausgangspunkt

für seine Mobiles die Schönheit und Ästhetik.

Seit nunmehr drei Jahrzehnten beobachte ich die

Arbeit dieses kinetischen Bildhauers, und meine

Beobachtungen stimmen mit den Erinnerungen

seines Kollegen und Kameraden, des Malers

Attila Csáji überein: »›Édeske‹ (Harasztÿ) amüsierte

sich zunächst darüber, dass die Möglichkeiten der

kinetischen Kunst wie für ihn geschaffen seien. (…)

Aus Harasztÿ ist in kürzester Zeit eine heraus -

ragende Gestalt der ungarischen Avantgarde

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geworden, da er auf sein eigenes Talent und auf

seine speziellen Fähigkeiten vertraute.« […]

Eines möchte ich vorab sagen: In der Kunst von

Harasztÿ, sein Frühwerk mit einbezogen, ist neben

der Bewegung auch die Konzeptkunst von großer

Relevanz; und bislang habe ich in manchen seiner

Arbeiten die Vorrangigkeit des Gedankens fest-

stellen können, in anderen ist sie mir entgangen.

Ansonsten passen Harasztÿs Mobiles mit ihrer

ästhetischen Perfektion und Schönheit nicht so

ganz in den schlichten Kanon der Konzeptkunst.

[…] Obwohl István Harasztÿ, nun schon über 70,

ein Klassiker der ungarischen Avantgarde ist, hat

er jetzt erst eine groß angelegte und repräsenta-

tive Ausstellung in der Hauptstadt […], und zwar

in den pompösen Hallen der allzeit renommierten

Mücsarnok, bzw. in deren Apsis und den zwei, zu

der Achse des Hauptbaus rechtwinklig gelegenen

Seitenschiffen – einem Enterieur-Ensemble des

19. Jahrhunderts. Viele Kunstfreunde, Künstler

und Kunstkenner haben sie noch in Erinnerung:

vergessen wir daher nicht – noch zu Zeiten der

Diktatur – die beiden faszinierenden Harasztÿ

Ausstellungen, 1977 im István Király Múzeum

in Székesfehérvár und 1981 im Budapester

Iparmüvészeti Múzeum. Die Retrospektive in der

Mücsarnok ist somit im übertragenen Sinne seine

Rehabilitation. Diese Ausstellung von Harasztÿs

Lebenswerk ist unvollständig, weil zahlreiche

Arbeiten ins Ausland verkauft wurden oder eben

hierzulande in die Brüche gingen; und es gab

auch Arbeiten, die er in knappen Zeiten selber

demontiert hat, um an Material für sein nächstes

Mobile zu kommen. Demnach entspricht die

Harasztÿ-Ausstellung in Teilen dem imaginären

Museum von Malraux, in dem die Werke nicht

zugegen sind. […]

Auszug aus: Der kinetische Bildhauer.

Eine Studie von János Frank in der Monografie

von István Harasztÿ, 2005

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Nagy klütyü I.

2007

Chromstahl, elektrisch

ø 30 cm x 5 cm


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Katalin Hetey

1924 geboren in Miskolc, Ungarn

1942-47 Kunstakademie Budapest

mit Diplomabschluss

1947-56 Professor am Lyceum

für Schöne Künste, Budapest

1956-57 Aufenhalt in Italien

1957 Niederlassung in Paris

1963-64 Aufenthalt in den USA

seit 1970 Französische Staats -

bürgerschaft

1947 Preis der Jungen Künstler des

Ungarischen Kultusministeriums

1958 Preis für Bibelillustrationen der

National Bible Society of Scotland

1963 Stipendium der Huntington

Hartford Foundation USA

Lebt und arbeitet in Paris und

Budapest

Die Kunst von Katalin Hetey bezeugt eine ab -

geklärte, verfeinerte Form, konsequente

Problemlösung und philosophisches Denken.

Ihr umfassendes Themengebiet – das vollkommene

Universum als Ganzes, und seine organisch-

anorganischen Elemente wie eine Zergliederung

von zahllosen mutierenden Verbindungen –

verknüpft einheitlich die verschiedenen Kunst -

gattungen ihrer Werke.

Júlia N. Mészáros

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Teil und das Ganze II

Stahl

30 x 15 x 15 cm

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Tamás Konok

1930 geboren in Budapest,

wo er an der dortigen Hochschule

für angewandte Kunst von 1948

bis 1953 studiert. Erste Auszeich-

nungen sind der »Preis für junge

Künstler« und 1957 das Derkovits-

Stipendium. Auslandsaufenthalt im

Jahr 1958 in Paris. 1963 arbeitet

der Künstler als Gewinner der

Hartford Stiftung in New York und

Kalifornien.

Tamás Konok erwirbt 1970 die

Französische Staatsbürgerschaft.

Er wird 1992 zum Professor an der

Universität für technische Wissen-

schaften in Budapest ernannt.

1997 Verleihung des Ordens

»Chevalier de l’Ordre du Mérite«

durch den französischen Staats -

präsidenten

1998 Kossuth Preis

Lebt und arbeitet in Paris und

Budapest

Tamás Konok, 1930 in Budapest geboren, seit

1959 in Paris niedergelassen, hat ursprünglich im

Hauptfach Musik studiert, sich aber einige Jahre

später für die Bildende Kunst entschieden, der er

sich seither voll und ganz mit stetig wachsendem

Erfolg als Maler gewidmet hat und weiterhin mit

eminenter Begabung widmet.

Dennoch ist bei ihm mitunter noch heute eine

verbindende Brücke zwischen den Disziplinen

Malerei einerseits und Musik andererseits spür-

bar, so etwa wenn der Künstler versucht, seiner

Malweise ein System zugrunde zu legen, das sich

an vokal und instrumental etablierten Ordnungen

musikalischer Praxis zu orientierten scheint.

Hinzu kommt, dass neben den Ordnungen der

Orchestrierung auch Begriffe und Vorstellungen

bühnenbildnerischer Provinienz mit hereinspielen,

die das Netz der Überschneidungen weiterhin

verdichten und bereichern: und dies alles, ob-

wohl Konok jede Assoziation zum Gegenstand

seit Jahren hinter sich gelassen hat.

Aus dieser komplexen Art der Übermittlung las-

sen sich wichtige Schlüsse auf die den Werken

des Künstlers zugrundeliegenden Theorien und

Absichten herleiten. Der Begriff »Materie« ist bei

ihm so zu verstehen, dass Grundräume organi-

scher Natur zu lebendigen Mitträgern der daraus

erwachsenden »Gestalt« einschließlich aller

»Gestalteigenschaften« werden, mittels derer der

Mensch und Künstler Konok sein Fühlen und

Denken auf uns zu übertragen sucht.

Ergänzend ist die Bezeichnung »Form« unent-

behrlich für die Öffnung des Raumes, aus dem

die Gestalt innerhalb des vorgestellten Bildraums

auf uns zutritt, ohne den Abstand vom Grund-

raum zu verleugnen. Die malerische Funktion

dieser zunächst flächig konzipierten Gestalt wird

weiterhin durch ordnende Linien-Akzente erläu-

tert und geklärt, sowie im Hinblick auf die

Gesamtfunktion des Werkes mit zunehmender

Eindeutigkeit determiniert.

Die auf diese Weise geschlossene Totale des

malerischen Vorgangs, die auf jeder der drei

Stufen mit einer spezifischen Bildmission auftritt,

findet sich in ihrer Gesamtheit zu einer Konok –

eigenen Art der Bild-Architektur zusammen, die

auch gewissen, philosophisch bedingten Denk -

anstößen Spielraum gestattet. Eine Auseinander-

setzung mit TamásKonoks Kunst auf diesem oder

jenem Gebiet ist unvollständig, wenn sie nicht

auch einen Hinweis auf ihre ausgeprägt

philosophioschen Hintergründe enthielte.

Lucia Moholy

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Graphidion

2003

65 x 40 cm

Acryl, Leinwand

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Dóra Maurer

1937 geboren in Budapest

1955-61 Akademie der Bildenden

Künste, Budapest, Malerei, Grafik

1961 Beteiligung an Ausstellungen,

Einzelausstellungen seit 1965

1967 Arbeitsstipendium in Wien,

Heirat mit dem Künstler Tibor Gáyor

1973 Experimentalfilme, Mitglied

im Béla Balázs Stúdio

1973 Ausstellungsorganisation im

In- und Ausland, Schriften, Vorträge

1976 Buch: Radierung-Kupferstich,

Verlag Corvina, Budapest

1987-91 Gastprofessur an der

Akademie der Angewandten

Kunst, Budapest

1990 Dozentin an der Universität

der Bildenden Künste, Budapest,

Leitung einer interdisziplinären

Malklasse

1995 Mitglied der Ungarischen

Széchenyi Akademie der Künste

1999-2002 Széchenyi Professoren-

stipendium

2001 Korrespondierendes Mitglied

Sächsische Akademie der Künste

Buch: Fotogrammatika, über das

Fotogramm, Edition Fotomuseum

Kecskemét, Verlag Balassi Budapest

2003 Ernennung zur ordentlichen

Professorin der Universität für

Bildende Kunst, Budapest

2006 Gründungsmitglied des

»Open Structures Art Society«

(OSAS), Budapest

2008 Professor emeritus

Als Basis meiner heutigen Arbeit betrachte ich

das 1972 entwickelte System der Displacements-

Serienbilder. Es geht in diesen um fast quadra -

tische, mit 4 x 2 auf einander komplementär

bezogenen Farben gekennzeichnete Felder, die in

zwei Schichten übereinander, auf einem ebenen

Rasternetz von 10 x 10 Einheiten schrittweise

systematisch verschoben werden.

Auch die seither freiere Handhabung dieses

Systems bietet eine Fülle von Verzweigungen der

Möglichkeiten, in welche meine bildnerischen

Methoden, die ich je in anderen Werkgruppen

verwendet habe, einfließen können (u.a.

Superposition zweier Systeme, Verunsicherung

durch Teilung, Verzerrung durch Projektion,

phasenweise Veränderung).

Diejenigen perspektivisch konstruierten, aus den

Displacements-Serienbildern herausgehobenen

Quasi-Bilder bildeten die vorletzte Stufe meiner

Arbeit, die sich durch Konfrontation zweier

Raumsysteme, die Verunsicherung des umgeben-

den Raumes verursachten. Diese wurden später

quasi autonom als Körper, sie kippten optisch

nach hinten oder verdrehten sich, als ob sie

biegsam wären. Ich merkte, dass hier nicht mehr

die Perspektive dominiert, es gibt mehrere Sicht-

punkte. Meine gekrümmten Flächen orientierten

sich schließlich eher an einer übergroßen Kugel.

Die auf der Oberfläche der Kugel sich schicht -

weise übereinander bewegenden Elemente

nehmen dynamische Formen an und suggerieren

Schwerelosigkeit. Die Durchbiegung der Formen

erfolgt hier auch selbstverständlich, man »sieht«

ihre konkave und konvexe Seite gleichzeitig.

Das interessanteste ist jedoch für mich nicht das

formale, sondern das farbliche Problem:

wie durch die Abwandlung gegebener Farben

die Intransparenz oder die Transparenz der

Flächen und das zeitliche Zusammenkommen der

Schichten zu definieren sei.

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Quod libet 47

1998 / 2003

Holzplatte, Leinen, Acryl

106,5 x 121 cm

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Judith Nem’s

1948 geboren in Budapest

Nimmt teil am internationalen

künstlerischen Leben seit 1992 in

Paris. 1993-2000 redigiert sie die

von Joseph Kadar gegründeten

Zeitschriften Parisiens Hongrois,

Revue Enveloppe, Revue d’Art 90º.

Mit-Organisatorin von inter natio -

nalen Biennale-Ausstellungen.

Ihre geometrischen, abstrakten

Gemälde stammen von der waage-

rechen und senkrechten Permutation

einer begrenzten Anzahl visueller

Grundelemente. Die scheinbar ein-

fachen Permutationen verleihen den

Elementen jeweils neue Bedeutung,

deren Effekt durch die ungemischten,

reinen Farben verstärkt wird.

Die Papierwerke in ihrem Œuvre

balancieren zwischen Malerei und

Skulptur (Papier bemalt, auf Holz,

und als Relief befestigt). Aus der

Nähe gesehen geben sie die Illusion

von einem Gemälde, von weiter

weg, und in dreidimensionalem

Raum betrachtet, unter neuen

Licht- und Schattenverhältnissen,

gewähren sie jedoch ein neues

Erlebnis. Die musikalischen Titel

deuten auf die Suche nach Paaren

von Symmetrie und Asymmetrie,

Punkt und Kontrapunkt, Rhythmus

und Harmonie.

Ihre Applikationen wenden Collage-

Technik und Malerei an, und nehmen

daher erneut einen Grenzbereich

zwischen zwei- und dreidimensio-

naler Kunst ein.

Die Werke der Künstlerin sind

jüngst in einem Buch von zwei

Auflagen (in ungarisch-englischer

und in deutsch-französischer

Fassung) vorgestellt worden.

Judith Nem‘s lebt in Paris.

[..] Die vorherigen Absätze haben hoffentlich be-

reits angedeutet, woher der Titel dieser kurzen

Abhandlung stammt. Die Künstlerin selbst gab

ihrem kleinen Katalog von 2005 den schlichten

Titel Geometric Works, doch diese bescheidene,

zurückgezogene Ausdrucksweise rückt das Wun-

derhafte dieser Werke kaum ins Licht. Musik,

Mathematik und geometrische Visualität werden

nämlich von weiteren Bestandteilen dieser Kom-

positionen ergänzt. Wir leben in einer stark desa-

kralisierten Welt, und das Rituelle, das Mythische

der einstigen Welt der Toteme kommen nicht

mehr zur Deutung. Jedoch eben aus diesem

Grunde ist ein Bedarf nach dem Wunderhaften

spürbar: nicht mehr im alten, religiösen Sinne des

Wortes, sondern eher in intellektueller Weise,

aber wir lassen uns gerne in eine spielerisch wun-

derhafte, beziehungsweise wunderhaft spieleri-

sche Welt verführen.

Die Formen der Symmetrie sowie die der Geo -

metrie im allgemeinen in der Kunst von Nem‘s

beschwören weitere uralten Prinzipien des Ord-

nens herauf. Ebenfalls nicht außer Acht zu lassen

sind die einfachen, reinen Farben – durch deren

Anwendung bleiben die Werke von Nem’s den

aktuellen, auffallenden Tendenzen der heutigen

künstlerischen Welt fern. Nicht weniger von Be-

lang sind die Masse dieser sekulären Toteme: sie

reichen von sechzig Centimeter bis zu zwei Me-

ter, und erzielen dadurch jeweils verschiedene

Raumeffekte.

Den bislang beschriebenen zwei- beziehungs -

weise dreidimensionalen Werken folgten in

letzter Zeit auch andere Konstruktionen. Eine

solche Gruppe bilden die Objekte aus Plexiglas.

Hier wird durch Siebdruck-Verfahren das gleiche

Motiv auf mehreren Plexiglasflächen befestigt,

während die darunter liegende Fläche aus Holz

immer anders bemalt ist. Der Effekt ergibt sich

aus der Zusammensetzung der zwei Flächen:

wie verändert eine Ebene die andere?

Auszug aus:

Gábor Ébli: Permutations – Judith Nem’s Editions

La Ligne Zürich, 2006

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05/SIGMA/493.571.826

2005

Holz, Acryl, Plexiglas

50 x 50 x 6,3 cm

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Impressum

Herausgeber

Jo Enzweiler, Sigurd Rompza

Verlag:

Galerie St. Johann

Gesellschaft zur Förderung

aktueller Kunst m.b.H.

Beethovenstraße 31

66111 Saarbrücken

Telefon 0681/33473

Telefax 0681/30547

www.galerie-st-johann.de

Fotos:

Dirk Rausch S. 7

Alle übrigen Künstlerinnen und Künstler

Copyright:

Jo Enzweiler, Sigurd Rompza

Auflage: 1000

Druck:

Krüger Druck+Verlag GmbH & Co. KG, Dillingen

ISBN 3-938070-34-X

Saarbrücken 2008


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