A Grammatik A1 Syntax: Wörter im Satz ordnen

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A Grammatik A1 Syntax: Wörter im Satz ordnen

A Grammatik

Prüfung C2

A1 Syntax: Wörter im Satz ordnen

Der Stein von Rosette

Ordnen Sie bitte die Wörter in der richtigen Reihenfolge an.

Satz 1

schwarze • handelt • eine • um • sich • mit • Inschrift. • Basaltplatte • Es • einer

Es

Satz 2

zur • Schlüssel • war • der • Sie • der • ägyptischen • Hieroglyphen. • Entzifferung

Sie

Satz 3

Stadt • der • Nähe • wurde • Stück • gefunden. • in • Rosette • in • Das • der • 1799 •

Unterägypten • antike

Das

Satz 4

sich • im • heute • Der • Museum • in • befindet • British • Stein • London.

Der

Satz 5

abgefasst. • und • Hieroglyphen • in • war • Die • Schriftzeichen • Inschrift • in •

demotischen

Die


Satz 6

einer • mit • war • griechischen • sie • versehen. • Übersetzung • Außerdem

Außerdem

Satz 7

durch • demotischen • Deshalb • entschlüsseln. • Hieroglyphen • dem • Schriftzeichen •

mit • Gelehrte • griechischen • einen • die • Text • konnten • Vergleich • und

Deshalb

Satz 8

Physikers • des • französischen • François • die • Thomas • Leistung • britischen • Young •

im • und • Ägyptologen • Jean • des • war • Die • Entzifferung • Champollion. •

Wesentlichen

Die

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A2 Textkohärent und -kohäsion

Kombinieren Sie bitte die richtigen Satzhälften und markieren Sie Ihre Entscheidung

am Ende der Aufgabe deutlich.

Vorbemerkung: ZFU steht für Zentralstelle für Fernunterricht.

1) Mit Datum von Anfang März wurden zahlreiche E-Learning-Anbieter aufgefordert,

2) Wenn sich herausstelle, dass sie "Veranstalter eines Fernlehrgangs" seien, der nicht

von der ZFU zugelassen wurde,

3) Als die ZFU 1971 entstand,

4) Sie und ihre über 200 externen Gutachter überprüften die Vertragsbedingungen


5) Offensichtlich hatte die ZFU jedoch Probleme,

6) Viele E-Learning-Anbieter fühlten sich von Diktion

7) Ein wichtiger ZFU-Partner, der Deutsche Fernschulverband,

8) Die Entstehung zahlreicher Initiativen zur Qualitätssicherung von E-Learning-

Angeboten

9) Zahlreiche Bildungsanbieter, die über unbestrittene E-Learning-Kompetenzen

verfügen,

10) Die Stiftung Warentest richtete die Abteilung Weiterbildungstests ein,

11) Die ZFU, die zum Zweck des Verbraucherschutzes gegründet wurde,

12) Die räumliche Trennung von Lehrenden und Lernern ist das

13) Für die E-Learning-Anbieter stellt sich vor allem die praktische Frage,

14) Wenn sich der aufgewirbelte Staub nach der ersten Empörung gelegt hat,

15) Dies würde um so besser gelingen, je mehr die ZFU als zeitgemäße Servicestelle

und

A) müssten sie mit einem Bußgeld von bis zu 10.000 € rechnen.

B) und Selbstdarstellung der Behörde nicht angesprochen.

C) gerät dadurch unter Positionierungsdruck.

D) sich auf die neue Form des E-Learning einzustellen.

E) befasste sie sich allein mit Produkten des klassischen Korrespondenzunterrichts.

F) entscheidende Merkmal des Fernunterrichts, so die Behörde.

G) Vertragsunterlagen und Lehrgangsmaterialien sowie die Unterrichtskonzeption der

Zentralstelle für Fernunterricht (ZFU) zuzuleiten.

H) und ob die Kursangebote hielten, was den Lernern versprochen wurde.

I) je weniger sie als verstaubte Behörde auftritt.

J) dürften sich Konturen von Kompromissen und Modi Vivendi abzeichnen.

K) firmierte zur selben Zeit in "Forum DistancE-Learning" um.

L) haben dafür inzwischen eigene Strukturen geschaffen.

M) spielt vermutlich ebenfalls eine Rolle.

N) ob man sich dem Prozedere der ZFU-Zulassung unterziehen soll.

O) das DIN publiziert Qualitätsnormen.


Richtige Kombination

1 -

2 - 3 - 4 - 5 - 6 - 7 - 8 - 9 - 10 - 11 -

12 - 13 - 14 - 15 -

A3 Textkohärent und -kohäsion

Ulrich Schmitz: Schriftliche Texte in multimedialen Kontexten

Schrift verliert ihre Hegemonie

Ordnen Sie bitte die Absätze in der richtigen Reihenfolge an.

A) Alle drei Gründe spielen ineinander, verstärken sich gegenseitig und nähren ein

logozentrisches Vorurteil im abendländischen Denken (vgl. Derrida 1974; Brumlik

1994). Darin wird Rationalität hoch bewertet und an Sprache geknüpft, insbesondere

an Sprache in schriftlicher Form. Bilder gelten demgegenüber tendenziell als primitiv

(vgl. z.B. Postman 1983:87f).

B) Hinter dem Rücken der Schriftgelehrten haben sie dennoch die Macht ergriffen. Denn

die Wirklichkeit bewegt sich schneller als das Nachdenken über sie. Zeichen

wuchern, heute mehr denn je. Wenig Räume gibt es ohne Zeichen, und unter den

Zeichen sind reine Wort- oder Schriftkomplexe selten geworden: altmodisch oder

elitär. Das unbefangene Ohr hört Wörter immer häufiger im Zusammenhang mit

musikalischen oder anderen akustischen Zeichen oder auch nur noch als deren

untergeordnete Elemente. Der unbefangene Blick trifft im Alltag fortwährend auf Text-

Bild-Kombinationen vielfältiger Art, sei es auf Hinweistafeln, Werbeplakaten,

Verpackungen, Bildschirmen oder in Schaufenstern, Zeitschriften, Tageszeitungen

und mehr und mehr auch in Büchern.

C) Im folgenden konzentrieren wir uns auf die Position, die schriftliche Texte in

multimedialen Kontexten im Medium Computer einnehmen. Wie verändert sich die

Rolle der Schrift? Welche neuen Textsorten und Zeichenkomplexe entstehen?


D) Diese Differenzierungen im Zeichengebrauch waren von technischen Entwicklungen

getragen und von gesellschaftlichen Interessen genutzt. Foto, Film, Fernsehen,

verschiedene Tonaufzeichnungsverfahren und Vierfarbdruck rationalisierten und

industrialisierten die Produktion optischer und akustischer Zeichen, so wie es der

Buchdruck vorher mit Schriftzeichen erlaubt hatte. Gleichzeitig wandelte sich die

Öffentlichkeit von einer vornehmlich bürgerlich aufklärenden (vgl. Habermas 1962) zu

einer immer mehr massenhaft Aufmerksamkeit heischenden (vgl. Franck 1993).

E) Dafür gibt es drei Gründe. Zum einen ist es schwer, und es fehlt an geeigneten

Methoden. Zweitens stieg mit der Erfindung des Buchdrucks Schrift für einige

Jahrhunderte zum dominanten Kulturträger auf, demgegenüber Bild und Ton an

Ansehen verloren. Und drittens hat sich in der Folge erfolgreicher Wissenschaft ein

Paradigma ausgebreitet, das blind macht für unerwartete Entwicklungen. "Die

normale Wissenschaft strebt nicht nach tatsächlichen und theoretischen Neuheiten

und findet auch keine, wenn sie erfolgreich ist." (Kuhn 1967:79) Der Strukturalismus

und seine vielfältigen Nachfolger neigen dazu, mehr in Oppositionen als in

fließenden Übergängen zu denken; und derart systematisches Denken hat sich

überall dort etabliert, wo Normen und Regeln über eine gewisse Weile konstant zu

bleiben scheinen.

F) Wer an Sprache denkt, denkt meist an Wort oder Schrift, also an mündliche Dialoge

oder schriftliche Texte. Oft wird Schrift als ein sekundäres System gegenüber der

gesprochenen Sprache angesehen. "Denn in der Darstellung der

Verstandeshandlung durch den Laut liegt das ganze grammatische Streben der

Sprache." (Humboldt 1994b:58f) So meint Saussure (1967:28), Sprache und Schrift

seien "zwei verschiedene Systeme von Zeichen; das letztere besteht nur zu dem

Zweck, um das erstere darzustellen". Wechselwirkungen zwischen beiden werden

untersucht (ebd.28ff.; Günther/Ludwig (Hg.) 1994/1996), kaum aber zwischen

gesprochener und geschriebener Sprache einerseits und anderen semiotischen

Systemen anderseits.

G) Zuerst unterminierten die klassischen Massenmedien die Macht der Schrift:

Rundfunk und Fernsehen brachten "das Zeitalter der,sekundären Oralität’" (Ong

1987:136). Man braucht heute nicht mehr gründlich lesen und schreiben zu können,


um am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben (vgl. z.B. Postman 1983:94f). Die

Talkshow genügt. Dann diversifizierte das System der Massenmedien; heute gehört

jede Plastiktüte und jedes nicht sehr teure Kleidungsstück dazu. Schrift ist

keineswegs überflüssig geworden, im Gegenteil wird täglich immer mehr gedruckt,

geschrieben und gelesen. Doch sie verliert ihre vormalige Selbständigkeit, wie wir sie

aus dem prototypischen Buch, dem langen Schulaufsatz, der frühen Annonce oder

dem hergebrachten Geschäftsbrief kannten und teils auch noch kennen. Meist gehen

Schriftzeichen heute in komplexe Zeichengebilde ein. Werbefilme, Plakate und Texte

an Waren sind Schrittmacher dieser Bewegung. Doch selbst in ehemals rein

schriftlichen Texten wie etwa Geschäftsberichten, Gebrauchsanweisungen oder

Lateinbüchern spielen Grafik und Textdesign eine wachsende Rolle. Und das

zunehmend auch flüchtig gesprochene Wort, Töne, Geräusche, stehende und

bewegte Bilder tragen immer größere Teile gesellschaftlicher Selbstverständigung.

Schrift war nur für eine kurze Zeitspanne das dominante und gegenüber anderen

Zeichensystemen weitgehend autarke Medium abendländischer Kultur.

H) Das neue Medium Computer bringt einen neuen Entwicklungsschub. Die Integration

vormals eher getrennter Zeichensysteme wird noch einmal verstärkt und

beschleunigt. Der Strukturwandel der Öffentlichkeit könnte in andere (auch

demokratischere, Verantwortung teilende) Richtungen verlaufen. In den letzten zehn

Jahren wurde der Computer zur semiotischen Universalmaschine entwickelt. Zum

ersten Mal in der Weltgeschichte kann ein und dasselbe Gerät alle technisch

vermittelten Kommunikationsformen tragen. Schon eine einfache Computeranlage für

weniger als viertausend Mark vereint die herkömmlichen Funktionen von

Schreibmaschine, Radio, CD-Player, Fernsehen, Telefon, Faxgerät, Vierfarbdrucker

u.a. mit neuartigen Kommunikationsformen wie e-mail, Hypertext und Internet. Die

klare Trennung von Individual- und Massenkommunikation wird verwischt und

obsolet. Wie Menschen damit umgehen werden, ist genauso offen, wie die Nutzung

von Buch und Massenmedien offen war und teilweise noch immer ist.

Richtige Reihenfolge:


http://www.linse.uni-essen.de/linse/publikationen/text_in_multimedia.html (Auszug)

B Textverstehen und Textanalyse

B1 Textverstehen

DER SPIEGEL 12/2004 - 15. März 2004

URL: http://www.spiegel.de/spiegel/0,1518,290717,00.html

"Die Macht der bunten Bilder"

Jeden Tag werden über 30 Millionen Vorträge mit Hilfe der Präsentations-Software

"Powerpoint" erstellt. Die leicht verdaulichen Texthäppchen und Schaubilder,

warnen Kritiker, führten zu einer Verflachung des Denkens. Doch der Siegeszug des

Programms scheint nicht mehr aufzuhalten zu sein.

Das Ritual ist immer das gleiche: Der Vorhang wird zugezogen, das Licht gelöscht, ein

Computer an einen Beamer gestöpselt. Dann flackern bunte Schaubilder mit grob

vereinfachten Tortendiagrammen über die Leinwand, dekoriert mit unzitierbaren Satzfetzen

ohne Punkt und Komma, die der Referent im schlimmsten Fall einfach nur abliest.

Zwischenfragen wimmelt der Redner ab unter Hinweis auf irgendein späteres Schaubild, das

aber nie kommt oder einfach untergeht im lauwarmen Strom, der wie ein mediales

Betäubungsmittel wirkt. Wenn nach der hoch dosierten Berieselung die Vorhänge wieder

aufgezogen werden, stehen viele Zuhörer unter mentaler Narkose. Wovon war noch mal die

Rede?

So ergeht es Bankmanagern in Frankfurt, Studenten in Boston oder Ingenieuren in Tokio. Auch

als die Ministerpräsidenten Roland Koch und Peer Steinbrück vor einem halben Jahr ihren

Vorschlag zum Subventionsabbau vortrugen, taten sie das nach diesem Schema.

Tag für Tag werden weltweit über 30 Millionen Vorträge mit der Präsentations-Software

"Powerpoint" erstellt, der Marktanteil liegt bei 95 Prozent. Im Handumdrehen lassen sich unter

Zuhilfenahme des Microsoft-Programms Texte, Tabellen, Töne und Filme zu Schaubildern

zusammenfügen, die hinter dem Redner auf der Leinwand auftauchen.

Die Sache hat nur einen Haken: Komplexe Zusammenhänge werden dabei in leicht verdauliche

Häppchen atomisiert. Die Risiken und Nebenwirkungen dieses Powerpointilismus lassen sich

auf der Web-Seite businessplanarchive.org bewundern: Dort ist ein ganzes Kompendium

gescheiterter Businesspläne aus der Blütezeit der New Economy versammelt, die nicht zuletzt

wegen der eindrucksvollen Powerpoint-Präsentationen damals ihre suggestive

Überzeugungskraft entfalteten.

Die einstige Hippie-Software, bedauert einer ihrer Programmierer, "wurde zu einem

Rädchen im großen Getriebe".

Das blinde Vertrauen in Businesspläne ist zwar geschwunden, dafür werden neuerdings Fragen

von Krieg und Frieden mit Hilfe von Powerpoint verhandelt. Als US-Außenminister Colin Powell

vor einem Jahr den Vereinten Nationen seine "zwingenden Beweise" für die Existenz irakischer


Massenvernichtungswaffen vorlegte, zeigte er bunte Powerpoint-Bildchen. Die Waffen werden

noch immer im Wüstensand gesucht.

Haben Powerpoint-Präsentationen sogar zum Desaster der Raumfähre "Columbia" beigetragen,

die vor einem Jahr beim Landeanflug verglühte? Zu diesem Urteil kommt jedenfalls eine Nasa-

Untersuchungskommission in ihrem Abschlussbericht (www.caib.us). Shuttle-Ingenieure von

Boeing, so der Vorwurf, hätten ihre Analysen für die Nasa-Verantwortlichen im Powerpoint-

Format präsentiert, wodurch Warnungen in einem Meer aus Info-Häppchen untergegangen

seien.

Ursprünglich stammt diese vernichtende Analyse von Edward R. Tufte, der als Guru des

Informationsdesigns gilt. "Viele wahre Aussagen sind einfach zu lang, als dass sie auf ein

Powerpoint-Bild passen könnten", kritisiert Tufte, "aber das bedeutet nicht, dass wir die

Wahrheit verkürzen sollten."

Während eine Informationsgrafik in der Wissenschaftszeitschrift "Science" auf rund tausend

Einzeldaten basiere, so Tufte, zeige eine durchschnittliche Powerpoint-Grafik nur zwölf.

"Verglichen mit anderen internationalen Publikationen sind Powerpoint-Statistiken die dünnsten

- mit Ausnahme der ,Prawda' im Jahr 1982, als diese Zeitung das wichtigste Propaganda-

Instrument der sowjetischen kommunistischen Partei war."

Dabei lag den Vätern des Präsentationsprogramms nichts ferner, als eine

Gehirnwaschmaschine zu konstruieren. Im Gegenteil sahen sie den PC als subversives

Befreiungswerkzeug, um sich aus dem Korsett von Großverwaltungen zu befreien.

Die Vorgeschichte von Powerpoint beginnt mit Whitfield Diffie, einem ehemaligen Hippie aus

Kalifornien. Diffie misstraute Obrigkeiten. Er schrieb Computergeschichte, als er 1975 ein

bahnbrechendes Verschlüsselungssystem namens "Public Key" mitentwickelte, um den freien

Meinungsaustausch vor dem Zugriff von Schnüfflern zu schützen.

Das Telefonunternehmen Bell Northern wurde auf den langhaarigen PC-Freak aufmerksam und

beauftragte ihn, Sicherheitssysteme für Telefonnetze zu entwickeln. Dieser Job brachte es mit

sich, dass Diffie seine Ideen ständig auf allen möglichen Sitzungen vortragen musste, was ihn

gewaltig nervte: Um Folien für Overhead-Projektoren herzustellen, musste er stundenlang mit

Schreibmaschine, Schere und Tipp-Ex herumbasteln - oder aber die Hilfe professioneller

Schreibkräfte beanspruchen.

Um sich die Vortragsarbeit zu erleichtern, schrieb Diffie am riesigen Computer im

Forschungslabor ein kleines Programm und druckte seine Vortragsfolien aus. Damit hatte er

schon wieder Geschichte geschrieben - aber so beiläufig, dass er selbst es gar nicht bemerkte.

Sein Chef jedoch witterte eine Geschäftsidee: Bob Gaskins quittierte seinen Job als Leiter der

Forschungsabteilung, kaufte sich bei einer strauchelnden Programmierklitsche ein und schrieb

gemeinsam mit einem Kollegen ein ähnliches Programm, das er "Presenter" taufte. Weil dieser

Name schon vergeben war, taufte er es um: Powerpoint.

All dies ereignete sich im mythischen Jahr 1984. Computer galten damals vielen als

Inkarnation von George Orwells Großem Bruder. Gaskins dagegen, ein Bücherwurm mit einem

Faible für alte Musikinstrumente, sah die damals aufkommenden "Personal Computer" als

Befreiungsinstrument für Individualisten. Im April 1987 kam die erste Version von Powerpoint

auf den Markt - zunächst in Schwarz-Weiß und nur für Apple-Rechner.

Die Hippie-Software wurde sofort zum Verkaufsrenner. Noch im selben Jahr schluckte Microsoft

die Firma für 14 Millionen Dollar. 1990 erschien die erste Version für Windows. Powerpoint,

bedauerte Bob Gaskins später, war damit "zu einem Rädchen im großen Getriebe geworden".


Bald mauserte sich der Heimwerkerbausatz für Idealisten zum Handwerkszeug für Manager.

Frei übersetzt bedeutet der Name Powerpoint in etwa "starkes Argument". Tatsächlich stellten

Psychologen fest, dass das Programm nicht nur Texte, sondern auch Meinungen manipulieren

kann.

Ein Forscherteam um den US-Psychologen Robert Cialdini, eine Autorität für

Suggestionsforschung, unternahm 2000 an der Arizona State University ein Experiment.

Verschiedene Probandengruppen sollten einen fiktiven Sportler einschätzen, dessen Leistungen

auf drei Arten präsentiert wurden: als abgetippte Liste, als einfaches Balkendiagramm und als

Powerpoint-Animation, in der die Ergebnisse in Form bunter Balken emporwuchsen. Obwohl

dieselben Zahlen gezeigt wurden, wurde der Powerpoint-Sportler durchweg um mindestens 20

Prozent besser eingeschätzt.

"Das Ergebnis ist erschreckend", fand Cialdini damals - doch auch er hat seinen Widerstand

längst aufgegeben. Auf Drängen des Publikums sind auch seine Vorträge heute powerpointiert.

Hin und wieder sorgen heroische Widerstandskämpfer für Aufsehen: Scott McNealy, Chef des

Computerkonzerns Sun Microsystems, wollte Powerpoint aus der Firma verbannen. Ähnliches

wurde bei dem Technologiekonzern 3M versucht - weitgehend erfolglos, das Microsoft-

Programm ist nicht zu stoppen. Kulturpessimisten geißeln seither das Programm in wirren

Strafpredigten: "Powerpoint ist wie eine Krankheit", donnert der Wirtschaftswissenschaftler

David Beatty von der Universität Toronto. "Es ist das Aids der Geschäftswelt."

Als der Popsänger David Byrne "Powerpoint" in die Finger bekam, entlockte er ihm

psychedelische Farbexplosionen.

Die Software sei ein großer Gleichmacher, analysiert dagegen der

Kommunikationswissenschaftler Clifford Nass von der Universität Stanford: "Es hebt den Boden

und senkt die Decke." Während schlechte Redner ihre Schwäche kaschieren könnten, würden

packende Präsentationen seltener. "Bei den besten Seminaren während meiner Studentenzeit

konnte ich dem Professor beim Denken zusehen", so Nass. "Powerpoint dagegen präsentiert

nur die Resultate und unterschlägt den Prozess."

Die meisten Gelehrten allerdings akzeptieren Powerpoint heute als Fortsetzung der

Umgangssprache mit anderen Medien: nicht schön, aber einfach. "Ich bin sicher kein Fan des

Programms", sagt der Pädagogikprofessor Friedrich Schönweiss aus Münster, "aber richtig

dosiert kann Powerpoint durchaus sinnvoll sein."

Aus einer ähnlichen Motivation hat Informatiker Martin Wessner die Flucht nach vorn

angetreten und Powerpoint zu einem interaktiven Medium ausgebaut: Um die

Frontalberieselung aufzulockern, verteilt der Fraunhofer-Forscher an seine Zuhörer

Sendegeräte, mit denen sie kurze Verständnisfragen beantworten können. Weil das anonym

geht, brauchen Fehler niemandem peinlich zu sein. "Wenn ich an den Antworten sehe, dass ein

Punkt nicht verstanden worden ist, erkläre ich ihn noch einmal neu."

Am unterhaltsamsten schlug Kulturpessimismus in Kreativität um, als David Byrne, einst

Sänger der Popband Talking Heads, Powerpoint in die Finger bekam. Ursprünglich wollte er

sich über den digitalen Flachsinn lustig machen, doch je länger er herumspielte, desto skurriler

wurden die psychedelischen Farbexplosionen, die er dem Programm entlockte und die

mittlerweile sogar als Buch erschienen sind.

"Das Geniale ist, dass das Programm entworfen wurde, damit jeder Idiot es benutzen kann",

schwärmt Byrne. "Ich habe es in ein paar Stunden gelernt, und genau darum geht es doch."


HILMAR SCHMUNDT

Kreuzen Sie die richtige Antwort an. Beachten Sie, dass pro Aufgabe mehrere

Lösungen richtig sein können. Gehen Sie immer von folgender Fragestellung aus:

steht das wirklich im Text?

1. Die Leistung der Präsentations-Software PowerPoint:

Ο a) sie macht für alle auch komplexe inhaltliche Zusammenhänge leicht verständlich;

Ο b) sie kann Inhalte in Form von Grafiken, Texten, Audio-Files und Videoclips

transportieren;

Ο c) mit ihr lässt sich auch künstlerisch arbeiten;

Ο d) sie verfälscht automatisch Daten.

2. Seine Erfindung verdankt die Software...

Ο a) dem gigantischen Microsoft-Konzern, dessen Gründer Bill Gates sie programmiert

hat;

Ο b) einem Mitarbeiter einer Telefongesellschaft, der ein Hilfsmittel suchte, um die

lästige Arbeit mit Brennfolien und Tageslicht-Projektoren zu umgehen;

Ο c) einem schnell handelnden Geschäftsmann, der das Programm bei einem seiner

Angestellten gesehen hat und es dann ähnlich rekonstruierte und auf den Markt

brachte;

Ο d) dem US-amerikanischen Telefonunternehmen Bell Northern.

3. Wie verkaufte und verkauft sich noch heute dieses Präsentations-Programm?

Ο a) Von Anfang an phantastisch.

Ο b) Auch Kulturpessimisten benutzen es.

Ο c) Sogar Pädagogen und Psychologen kommen nicht ohne es aus.

Ο d) Es hält auf dem entsprechenden Sektor einen Marktanteil von 95% inne.

4. Was für einen Einfluss hat ppt auf das Publikum?

Ο a) Auch schwierige Inhalte werden sofort verständlich.

Ο b) Das Zerstückeln der Informationen bewirkt, dass die Miteilung nur scheinbar

vollständig verstanden wird.

Ο c) Den Interessierten können manipulierte Meinungen vorgelegt werden.

Ο d) Sie haben enorme Mühe, die eigentliche Mitteilung bzw. Information in einen

unfassenden und verständlichen Kontext zu bringen.

5. Was führen die Kritiker dieser Office-Anwendung an?

Ο a) Sie verflache das Denken der Zuhörer/Zuschauer.

Ο b) Politiker bzw. politische Einrichtungen benutzten sie, um die Meinung der

Bevölkerung zu ihren Gunsten zu beeinflussen.

Ο c) Sie könne die rhetorische Unfähigkeit eines Redners kaschieren.


Ο d) Der Denkprozess, beispielsweise eines Universitätsprofessors während einer

Lehrveranstaltung, ist nicht mehr anschaulich, d.h. er ist für die Studierenden nicht

mehr gut nachvollziehbar.

6. Heute ist PowerPoint...

Ο a) ein Handwerkszeug ausschließlich für Manager, Industrielle und Politiker.

Ο b) ein Rädchen im großen Getriebe.

Ο c) ein praktisches und effizientes Hilfsmittel für die Verbreitung von Meinungen.

Ο d) ein Medium, das praktische alle Leute benutzen können, die über einen PC und

das Betriebssystem Windows einschließlich der notwendigen Office-Komponenten

verfügen.

7. Zur Qualität von ppt:

Ο a) mit unfairen Absichten eingesetzt, kann es zu einer "Gehirnwäsche" der

Zuhörer/Zuschauer führen.

Ο b) unter dem Durchschnitt im Vergleich zu anderen guten Publikationsorganen.

Ο c) es trägt zur ungrammatischen Verwendung von Sprache bei.

Ο d) es ist extrem leicht zu handhaben.

8. Zur Wirkung von PowerPoint auf das Publikum:

Ο a) es benebelt seine Gedanken.

Ο b) es wirkt wie ein Narkotikum, das verhindern kann, dass die Anwesenden den

Vortrag richtig verstehen.

Ο c) Es führt sie in einen Trance-Zustand, in dem der/die Vortragende mit dem

Publikum machen kann, was er/sie will.

Ο d) Ein Vortrag mit diesem Programm kann dazu führen, dass von den Betroffenen

Entscheidungen getroffen werden, die nicht gründlich überlegt sind.

B1 Textanalyse

Geburtenrückgang – Ein demographisches Problem wächst

Land ohne Leute – Die vergreiste Republik

Was der demografische Wandel für Deutschland bedeutet, lässt sich mit einem

Radiergummi vorführen. Man stelle sich vor, auf einer Deutschlandkarte würde

ein Ort nach dem anderen ausradiert: erst Lübeck, dann Magdeburg,

schließlich Erfurt und Kassel. Ungefähr 200.000 Einwohner müssten die Städte

haben, denn so stark schrumpft nach Prognosen der Vereinten Nationen pro

Jahr die Bevölkerung Deutschlands. Am Ende der kleinen Vorführung wäre das

Jahr 2050 erreicht. Die Landkarte hätte 47 blanke Stellen. Wo Städte


eingezeichnet waren, sind jetzt nur noch weiße Flecken übrig. […]

Deutschland schrumpft und altert leise. Mit dem demografischen Wandel

verhält es sich wie mit einem Kind. Seine Familie sieht es wachsen, aber das

geschieht langsam und beständig, sodass es nicht auffällt. Es sind

Außenstehende, Besucher, die sagen: "Mein Gott, ist der aber groß geworden!"

Wer den Wandel täglich erlebt, hält ihn für selbstverständlich. Vielleicht ist das

der Grund dafür, dass die Deutschen so merkwürdig desinteressiert sind an

dem Prozess, der das Land in den kommenden Jahren radikal verändern wird.

[…]

Es gibt heutzutage nicht mehr viele Tabuthemen. Aber das Altern scheint eines

zu sein. Nach dem Geburtsjahr von anderen wird nicht gefragt, bei den

eigenen Daten wird gern geschummelt. Fast alle Rentner fühlen sich deutlich

jünger, als sie sind. Das lässt sich als Zeichen von Vitalität und Lebensfreude

deuten – oder als Zeichen kollektiven Realitätsverlusts. Alt sind immer nur die

anderen. Jeder will alt werden, keiner will alt sein. […]

Der Mittsiebziger engagiert sich für den Bau eines Seniorenwohnheims in der

Nachbarschaft, ohne auch nur eine Sekunde daran zu denken, dass er selber

dort einziehen könnte. […] Das gilt für den Einzelnen, und es gilt für das ganze

Land: Das Altern, das eigene und das der anderen, will niemand wahrhaben.

[…]

Doch schlagen sich diese Einsichten nicht in der politischen Praxis nieder. […]

Noch vor vier Jahren machte sich die SPD für eine "Rente ab 60" stark – trotz

aller Empfehlungen von Fachleuten, die Lebensarbeitszeit nicht zu verkürzen,

sondern zu verlängern. Noch im Hartz-Konzept für die Reform des

Arbeitsmarktes war ein "Brückengeld" vorgesehen, das Älteren den vorzeitigen

Ausstieg aus dem Arbeitsleben erleichtern sollte. […]

Das größte Versäumnis aber ist ein anderes: Keiner Partei, keinem Institut und

keinem Autor ist es bisher gelungen, ein Bild der Gesellschaft von morgen zu

entwerfen. In 20 Jahren werden die geburtenstarken Jahrgänge in Rente

gehen. Die Sozialsysteme werden dann bis aufs Äußerste strapaziert. Das ist

seit vielen Jahren bekannt.

Aber wie wird sich das Lebensgefühl ändern, was heißt das alles für die

Verteilungsdebatte, wie ändern sich Risikobereitschaft und Unternehmergeist,

wenn plötzlich mehr als ein Drittel der Einwohner Deutschlands über 60 Jahre

alt ist? Seit Jahren geben sich Experten ausgiebigen Debatten über die ideale

Rentenformel für die Zeit nach 2010 hin. Eine Vorstellung der Welt von morgen

entstand dabei nicht. […]

Von Elisabeth Niejahr

© "DIE ZEIT", 02/2003 http://www.zeit.de/2003/02/Demografie


1. Ergänzen Sie die folgenden Sätze im Sinne des Textes.

a) Die Zahl der Deutschen ____________ pro Jahr

__________________ Einwohner.

b) Die Deutschen haben kein großes _________________________,

dass die Bevölkerung sinkt, weil sie

___________________________________ erleben und ihn

________________________ halten.

c) Das _____________ ist für viele Deutsche ein Thema, über das

________________________________.

d) Viele deutsche Rentner haben möglicherweise

________________________ Realität des Alterns verloren, wenn sie ihr

________________________ verdrängen.

e) Die SPD ____________________, dass die Menschen schon

______________________ in Rente gehen sollen.

f) Fachleute haben aber __________________, die

____________________________________________

_______________________________.

g) Eigentlich weiß niemand, ________ man _________ die Welt von

morgen ________________________. (Abschnitt 6)

2. Sind die folgenden Aussagen richtig oder falsch?

a) Lübeck, Magdeburg, Erfurt und Kassel werden zuerst keine

Einwohner mehr haben.

b) Man sieht den demografischen Wandel genauso wenig, wie

man ein Kind wachsen sieht.

rich

tig

fals

ch


c) Ein Bevölkerungsrückgang wie in Deutschland ist

selbstverständlich und normal.

d) Der demografische Wandel wird in den nächsten

Jahrzehnten das Land stark verändern.

e) Die Deutschen sprechen nicht gern über ihr Alter.

f) Die meisten Rentner fühlen sich noch jung.

g) Wenn die Leute über 70 Jahre alt sind, kümmern sie sich

um einen Platz im Seniorenwohnheim.

h) Nach Vorstellung der Hartz-Kommission sollten die

Menschen nicht mehr so lange arbeiten.

i) In 20 Jahren werden diejenigen in Rente gehen, die viele

Kinder bekommen haben.

j) Im Jahr 2050 wird es große Probleme bei der finanziellen

Absicherung der Rentner geben.

3.

Die Sozialversicherung in Deutschland ist in erster Linie eine staatliche

Pflichtversicherung, die auf dem Gedanken kollektiver Gemeinschaftshilfe

beruht. Dadurch sind alle in diese Versicherung zahlenden Personen für

besondere Fälle (Alter, Krankheit, Arbeitslosigkeit u.a.) abgesichert. So trifft

jeder Versicherte Vorsorge für sich selbst und trägt gleichzeitig zur

Finanzierung von laufenden Leistungen, wie zum Beispiel zur Sicherung der

Renten der älteren Generation, bei. Die Folgegeneration wiederum finanziert

durch ihre Beiträge die Renten der heute noch arbeitenden Bevölkerung. Man

spricht hier vom Generationenvertrag.

Das deutsche Sozialsystem setzt sich aus vor allem aus folgenden wesentlichen

Versicherungen zusammen. Erklären Sie die Begriffe, indem Sie Relativsätze

verwenden.

a) Die Krankenversicherung ist eine Versicherung,

_____________________________________________

_____________________________ (Eintreten im Falle von Krankheit oder

Mutterschaft)

b) Die Rentenversicherung ist eine Versicherung,

_______________________________________________

________________________ (Absicherung des Lebensstandards im Alter)

c) Die Arbeitslosenversicherung ist eine Versicherung,


____________________________________ (Gewährleistung materieller Hilfe

bei Arbeitslosigkeit)

d) Die Pflegeversicherung ist eine Versicherung,

_______________________________________________

________________________________ (Aufkommen für Finanzierung

und Sachleistungen bei Pflegebedürftigkeit)

4.

5.

Den Begriff "Alterspyramide" hat von den unten stehenden Grafiken nur

eine verdient. Welche und warum?

aus: http://www.bronline.de/jugend/zuendfunk/themen/gesellschaft/generationen.htm

Vergleichen Sie die Alterspyramiden von 1910 und von 1999 / 2050.

Beschreiben Sie kurz die Folgen für das soziale System der Zukunft.

Verwenden Sie dazu auch die Informationen aus Übung 3.

Überlegen Sie, warum in Deutschland (und einigen anderen Industrienationen)

immer weniger Kinder geboren werden.

6.

Schreiben Sie zu einer der beiden Aufgaben eine kurze Stellungnahme.


a) Haben Sie schon einmal daran gedacht, wie Sie sich selbst auf das Alter

einstellen? Haben Sie vielleicht Angst davor?

Schreiben Sie einen kurzen Text darüber, was Sie tun oder auch wie Sie

wohnen möchten, wenn Sie nicht mehr arbeiten.

Vokabelhilfen

vergreist: sehr alt (sein)

vorführen: zeigen

schrumpfen: kleiner werden

beständig: gleichmäßig

schummeln: nicht die volle Wahrheit sagen oder sehen wollen, andere

täuschen

etwas nicht wahrhaben wollen: die Realität nicht gern sehen

sich niederschlagen in (+ Dat.): etwas hat Konsequenzen für etwas

sich stark machen für (+ Akk.): sich für etwas einsetzen / engagieren

das Hartz-Konzept: 2002 unter der Leitung von Peter Hartz erarbeitetes

Konzept zur Reformierung des Arbeitsmarktes

ein Bild von etwas entwerfen (hier): eine Vorstellung von etwas skizzieren,

eine (zukünftige) Situation darstellen

strapazieren (+ Akk.): beanspruchen, bemüht werden

C Schriftliche Produktion

C1 Leserzuschrift

Antworten Sie mit einem Leserbrief auf den Kommentar aus der Online-

Plattform der Deutschen Welle.

21.04.2004

Big Bang in Kopenhagen

Der Weg für die größte Erweiterung in der Geschichte der Europäischen Union

wurde auf dem Gipfel in Kopenhagen frei gemacht. Gerda Meuer kommentiert.

Es war ein historischer Gipfel. Ohne jede Debatte. 13 Jahre nach dem Fall der

Berliner Mauer, 13 Jahre nach dem Ende der kommunistischen Diktaturen

vereinigt sich der alte Kontinent. Die Europäische Union erweitert sich auf

einen Schlag um zehn Mitglieder. Es ist der versprochene "Big Bang", mit dem

die Union einen rund zehnjährigen Verhandlungs-Prozess abschließt.


Es begann in Kopenhagen und es endete in Kopenhagen, so könnte man die

Geschichte dieser Erweiterung beschreiben. Damals 1992 wurde den ost- und

mitteleuropäischen Reform-Staaten das Angebot gemacht, der damaligen

Europäischen Gemeinschaft beizutreten. Selbst wenn die letzten Stunden des

Gipfels von einem ungewöhnlich kleinkarierten Geschachere um ein paar

Millionen Euro bestimmt waren, so ändert das an einer Tatsache nichts: Der

13. Dezember 2002 wird in die Annalen der europäischen Geschichts-Bücher

eingehen.

Doch mit der Erweiterung um zehn neue Mitglieder kommen auf die Union

auch neue Probleme zu. Die EU - sie wird schwerfälliger. Sie wird langsamer.

Sie muss sich noch mehr als bisher um Kompromisse bemühen. Und der

Kampf um die Geld-Töpfe wird noch erbitterter geführt werden. Denn alle zehn

Neuen sind - gemessen an den anderen - eher arm, zumindest nicht so

wohlhabend. Also werden die Gelder in die andere Richtung fließen müssen.

Nicht mehr nach Spanien oder Ostdeutschland, sondern nach Polen, ins

Baltikum oder in die Slowakei.

Noch wichtiger aber ist: Die EU wird unbeweglicher, ihre Suche nach

Kompromissen noch mühseliger. Das aber weiß die EU selbst. Deswegen tagte

in Brüssel der Konvent monatelang, um eine europäische Verfassung

ausarbeiten soll. Es geht, wie es Romano Prodi, der italienische Kommissions-

Präsident gesagt hat, um die Seele Europas.

Dieser Gipfel aber war aus noch einem anderen Grund ein historischer: Die Tür

zur EU wurde für die Türkei so weit aufgestoßen wie nie zuvor in der

Geschichte des schwierigen europäisch-türkischen Verhältnisses. 2004 werden

die Reformen der Türkei geprüft, um zu entscheiden, ob konkrete

Beitrittsverhandlungen mit dem Land aufgenommen werden.

Autor: Gerda Meuer, Brüssel


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C1 Meinungsäußerung

Bitte nehmen Sie zur folgenden Aussage Umberto Ecos persönlich Stellung

(etwa 200 Wörter).

„Das Problem der zukünftigen europäischen Kultur liegt sicher nicht im Triumph der totalen

Vielsprachigkeit [...], sondern in der Herausbildung einer Gemeinschaft von Menschen, die

in der Lage sind, den Geist, das Aroma, die Atmosphäre einer anderen Sprache zu

erfassen. Ein Europa von Polyglotten ist kein Europa von Menschen, die viele Sprachen

perfekt beherrschen, sondern im besten Fall eines von Menschen, die sich verständigen

können, indem jeder die eigene Sprache spricht und die des anderen versteht, ohne sie

fließend sprechen zu können, wobei er, während er sie versteht, wenn auch nur mit Mühe,

zugleich ihren ‚Geist’ versteht, das kulturelle Universum, das ein jeder ausdrückt, wenn er

die Sprache seiner Vorfahren und seiner Tradition spricht.“

Aus: Eco, Umberto: Die Suche nach der vollkommenen Sprache. München 1994. S. 355

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