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Projet_Notre Vision DE 10/01/06 11:31 Page 104

JONATHAN EVANS

etwa drei Prozent anzuheben und uns vor allem auf die Förderung kleiner innovativer

Unternehmen zu konzentrieren, die der Motor für Wachstum und

Beschäftigung in der Zukunft sein werden. Umgekehrt müssen wir das Bestreben

aufgeben, Branchen zu schützen, in denen wir aufgrund der geringeren

Arbeitskosten in den Entwicklungsländern niemals konkurrenzfähig sein werden,

und wir müssen der Versuchung widerstehen, nicht lebensfähige

Unternehmen mit staatlichen Beihilfen retten zu wollen.

Schließlich gilt es unsere Wohlfahrtsstaaten zu reformieren. Dies wird eine

gewaltige Aufgabe sein, wobei kein einzelnes Land ein Wissensmonopol darüber

innehat, wie dieses Ziel am besten zu erreichen ist. Wenn wir nichts gegen

die ausufernden Kosten unserer nicht reformierten Wohlfahrtssysteme unternehmen,

so wird dies unvermeidlich zu einem wirtschaftlichen Desaster führen. Wir

können die Auseinandersetzung mit diesem Problem nicht der nächsten

Generation überlassen. Es sind nicht die Kosten des Wandels, nach denen wir fragen

müssen, sondern die Kosten, die ohne einen solchen Wandel auf uns zukommen

werden. Im letztgenannten Fall wird es unweigerlich zu einer wirtschaftlichen

Kernschmelze kommen. Ganz oben auf der Liste der Prioritäten für die

Regierungen der Mitgliedstaaten wird die Rentenreform stehen, insbesondere

diejenigen Änderungen, die der Notwendigkeit Rechnung tragen, sich weniger

auf den Staat und mehr auf private Rentensysteme zu verlassen. Darüber hinaus

müssen wir auch erkennen, dass wir nur dann Wirtschaftswachstum erzielen

und für unsere Renten, Gesundheits- und Sozialdienste aufkommen können,

wenn wir entweder mehr Kinder bekommen oder bereit sind, mehr gut ausgebildete

Wirtschaftsmigranten aufzunehmen.

Manch einem mag das Bild, das ich von Europa 2006 zeichne, allzu niederschmetternd,

düster und beängstigend erscheinen. Meine These basiert jedoch

nicht auf irgendeiner wissenschaftlichen Abhandlung, sondern auf dem, was

heute in Westeuropa weitgehend Realität ist. Um die Stimmung etwas aufzuhellen,

möchte ich meine Darstellung mit einer optimistischen Einschätzung dessen

ergänzen, was wir gut machen. Es gibt insbesondere drei Bereiche, in denen

wir der Zukunft hoffnungsvoll entgegensehen können.

Mitte des 19. Jahrhunderts forderte der große amerikanische Zeitungsherausgeber

und Politiker Horace Greeley einen Mitbürger auf: „Go west, young man,

and grow up with the country “. Wenn ich die Zukunft Europas betrachte, dann

schaue ich in zunehmendem Maße auf die neuesten EU-Mitgliedstaaten und

darauf, was sie zu bieten haben. Heute würde Greeley wahrscheinlich sagen:

„Go east.“

Der Teil der Europäischen Union, der das höchste Wachstumstempo aufweist,

ist Mitteleuropa, und wenn dies auch zum Teil zwangsläufig darauf zurückzuführen

ist, dass es den neuen Mitgliedstaaten schlechter geht und dass sie einiges aufzuholen

haben, müssen wir ihnen ihr innovatives wirtschaftliches Denken und

ihre Kühnheit bei der Annahme neuer Strategien hoch anrechten. Und sie sind

in keinem Bereich so kühn wie in der Steuerpolitik.

Zu lange schon hemmen einige europäische Länder die Wirtschaftstätigkeit

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