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Projet_Notre Vision DE 10/01/06 11:31 Page 109

EUROPA ALS GLOBALER PARTNER

licht uns aber, einen wichtigen Beitrag zur internationalen Kooperation zu

leisten.

Mehrere Grundphänomene werden die außenpolitische Landschaft bis 2020

wesentlich beeinflussen. Erstens sehen wir international vermehrt den Zerfall

staatlicher Strukturen, d.h. ein „Scheitern“ von Staaten, die dann als Inkubatoren

regionale Unsicherheit erzeugen. Diese Instabilität wirkt sich auch auf Europa

aus – politisch, wirtschaftlich, humanitär und ökologisch. Es ist daher essentiell,

schwache und rechtlose Gebiete durch aktives „State Building“ zu reformieren.

Der beste langfristige Schutz unserer Sicherheit sind die Demokratisierung von

Krisenregionen und die Schaffung wirtschaftlicher Entwicklungsmöglichkeiten.

Gerade hier kann die EU entscheidenden Mehrwert liefern. Es ist eine realistische

Vision, dass Europa in Zukunft noch effizienter als bisher als „Exporteur von

Stabilität“ fungiert, in seiner unmittelbaren Nachbarschaft und weltweit.

Eine zweite spezifische Herausforderung ist der neue Terrorismus, der sich

auch gegen Europas offene Gesellschaften und universelle Grundwerte richtet.

Der Terrorismus ist in seiner Substanz eine radikale Gegenbewegung zu einer

beschleunigten gesellschaftlichen Modernisierung. Wir brauchen deshalb eine

intelligente Verbindung von entschlossenem Handeln und sanftem Einfluss, von

„hard power “ und „soft power “, um die Wurzeln dieser Gefahr anzupacken.

Gleichzeitig dürfen wir uns nicht die Logik eines „Kampfes der Kulturen“ aufzwingen

lassen – gerade das ist ja ein Ziel des Terrorismus. Wir müssen dem

Terror die Grundwerte der Demokratie, der Menschenrechte und der Toleranz

entgegensetzen. Europa kann hier mit seinen Instrumenten und seiner außenpolitischen

Strahlkraft wichtigen Einfluss ausüben. Unsere Grundfreiheiten werden

auch in der Epoche bis 2020 und weit darüber hinaus ein weltweites Signal der

Hoffnung bleiben.

Zuletzt müssen wir noch stärker als bisher die Globalisierung gestalten und

uns vor allem den Problemen an der „dunklen Seite der Globalisierung“ widmen.

Wirtschaftliche Krisen, strukturelle Armut in einzelnen Regionen, die

Zerstörung natürlicher Lebensgrundlagen, Auseinandersetzungen um

Rohstoffreserven, das internationale organisierte Verbrechen, massive Migration,

Krankheiten und Epidemien, all das sind Faktoren, die sowohl schreckliche

humanitäre Folgen in den betroffenen Regionen als auch einen längerfristigen

Einfluss auf Europas Sicherheit und Wohlstand haben. Sich diesen Problemen

aktiv zu stellen, ist daher nicht nur eine Frage internationaler Solidarität, sondern

auch ein politischer Imperativ für Europa.

Europa hantiert deshalb einen weiten Sicherheitsbegriff, der die menschliche

Sicherheit ins Zentrum rückt und der seit langem ein Leitmotiv meiner politischen

Vision und konkreten Arbeit ist. Wir müssen vor allem die Risiken in den

Griff bekommen, die aus Verletzungen der Freiheit und Würde des Individuums

entstehen. Ich meine hier vor allem die Zerstörung gesellschaftlicher und wirtschaftlicher

Strukturen und das daraus folgende Aufflammen regionaler Konflikte, die

Rolle von Kindersoldaten, die organisierte Kriminalität und insbesondere das

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