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Projet_Notre Vision DE 10/01/06 11:31 Page 138

GUNNAR HÖKMARK

Die formale Erweiterung erfolgte nach einem langen Verhandlungsprozess,

während die reale Erweiterung erst jetzt beginnt, da die Wirtschaften und

Gesellschaften schrittweise verschmelzen sollen, da Ost und West nun in gemeinsamen

Strukturen, auch über Grenzen hinweg, in einer vereinten Wirtschaft und

auch auf zwischenmenschlicher Ebene zusammenwachsen sollen.

Wenn wir die Dynamik der neuen Mitgliedstaaten nicht nutzen und aus dem

Wissen und der Tradition der alten Mitglieder keine Dynamik entwickeln können,

besteht die Gefahr dass wir die alten Gräben in anderer Form als der Mauer und

dem eisernen Vorhang beibehalten.

Europas Sicherheit wird heutzutage nicht mehr von einem Konflikt entlang

einer geographischen Grenze zwischen Ost und West in der Mitte Europas

bedroht, sondern von Ereignissen um uns herum, die unabhängig von geographischen

Grenzen und Entfernungen eine Bedrohung für die zivilisierte

Gesellschaft darstellen. Die Entwicklung in Ländern wie Iran und Irak ist, ebenso

wie der Konflikt zwischen Israel und Palästina, von unmittelbarer Bedeutung

für unsere eigene Sicherheit und die Zukunft unserer Kinder. Im Moment ist eine

Tendenz zum Erstarken der Demokratie im Nahen Osten zu beobachten, was

unsere Verantwortung zur Unterstützung der demokratischen Entwicklung besonders

augenfällig macht. Dort steht die Geschichte an einer Wegscheide und kann

in Richtung auf mehr Demokratie und Stabilität gehen oder auch in Richtung

auf Zerfall und totalitärere Strömungen.

Im Kaukasusgebiet gibt es eine neue Welt von Ländern, die die meisten

Europäer kaum auf der Karte finden, denen aber eines gemeinsam ist, nämlich

dass ihre Stabilität die Grundlage für die zukünftige Sicherheit auf unseren Straßen

und Plätzen bildet.

Vor nur wenigen Monaten stand eines der größten Länder Europas vor einem

politischen Konflikt, der zu einem Bürgerkrieg mit direkter Einmischung Russlands

hätte führen können. Dies geschah nicht, doch es fällt uns schwer einzuschätzen,

inwieweit der Einfluss der europäischen Gemeinschaft dazu beigetragen hat, die

Entwicklung in friedliche und demokratische Bahnen zu lenken. Damit verdrängen

wir die Bedeutung der Tatsache, dass so viele Menschen in der Ukraine von

der Hoffnung angetrieben wurden, dass auch für sie eine neue Ära anbrechen

würde, in der die Perspektive Europa Teil der Zukunftsvision ist.

Wir erleben zurzeit ein schnelles Erstarken der europäischen Wirtschaft und

des Wettbewerbs als Folge der Erweiterung und des Binnenmarktes. Diese

Entwicklung von Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit in Europa hat mehr mit

der Erweiterung und dem Binnenmarkt zu tun als mit dem Lissabon-Prozess und

der Politik, die Europa zur wettbewerbsfähigsten Wissensgesellschaft der Welt

machen soll. Der tatsächliche Integrationsprozess zwischen den Ländern und

Völkern Europas findet tagtäglich statt, in Form von verstärktem Handel, Reisen

und Austausch. Eine visionäre Europapolitik muss diese Entwicklung sowie die

damit verbundenen Veränderungen bejahen und stimulieren.

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