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Projet_Notre Vision DE 10/01/06 11:31 Page 198

IVO SANADER

Beweis des guten Willens, denn Kroatien hat viel erreicht und tut alles in seinen

Kräften Stehende, um das Problem der Rückkehr der Serben zu lösen, die während

des Krieges Zuflucht in Serbien und Montenegro gesucht hatten.

Bemühungen um die Herstellung praktikabler Beziehungen in der Region

sind kein Nebenprodukt des kroatischen Integrationsprozesses in die EU, sondern

eine Priorität an sich. Auch wenn wir unsere Augen auf den Beitritt zur

Europäischen Union richten, bleibt unsere Heimat doch die Region. Das Ziel,

das wir uns setzen sollten und das auch mit der politischen Agenda der EU in

Südosteuropa in Einklang steht, besteht daher eher in einer starken und weniger

in einer formalen und oberflächlichen Zusammenarbeit. Wie auch im Falle der

EU-Integration liegt dem der Gedanke zugrunde, dass die Länder mit der Aussicht,

Wohlstand durch Zusammenarbeit zu schaffen, die Gefahr wirtschaftlicher Not und

geopolitischer Unsicherheit aus der Welt schaffen, die ihre individuelle soziale,

politische und kulturelle Entwicklung bedroht. Jetzt gilt es, Umfang und Form einer

Zusammenarbeit festzulegen, die der Entwicklung der Beteiligten dient.

Ein weiterer wichtiger Beitrag, den Kroatien als Mitgliedstaat der EU leisten

kann, ergibt sich daraus, dass es eines der wenigen europäischen Länder ist, die

über aktuelle Erfahrungen mit der Teilnahme an einer multinationalen Föderation

verfügen. Aufgrund dessen wissen wir genau, welche Konzepte und Maßnahmen

geeignet sind, um den Wunsch der Menschen nach Freiheit, Identität und

Wohlergehen in einem multinationalen Organismus wie der Europäischen Union

erfüllen zu können.

Jetzt, da wir am Anfang eines weiteren Projekts einer Gemeinschaft von

Nationen stehen, dürfen wir nicht vergessen, was uns die Vergangenheit über

andere und über uns selbst gelehrt hat. Dieses Wissen ist von größtem Wert

innerhalb einer Union, die zur Heimat einer stetig wachsenden und vielfältiger

werdenden Gruppe von Mitgliedstaaten wird. Daher muss die Union alles daransetzen,

das Gespräch zwischen ihren Mitgliedern in Gang zu halten, zuzuhören

und die Erfahrungen und die Weisheit jedes einzelnen Mitgliedstaats zu nutzen.

Der europäische Bürger des Jahres 2020 schließlich muss in verschiedenen

europäischen Kulturen und Sprachen arbeiten und leben und mit diesen Kulturen

und der Mentalität ihrer Menschen vertraut werden. In dieser Hinsicht besitzt

Kroatien bereits umfangreiche Erfahrungen. Ausgehend von Kroatiens historischen

Kontakten zu deutsch-, italienisch- und ungarischsprachigen Gebieten,

der starken Orientierung des Landes auf den Fremdenverkehr und insbesondere

einer großen kroatischen Diaspora im englisch- und deutschsprachigen Raum

gibt es bereits heute viele kroatische Bürger, für die Mehrsprachigkeit Teil ihrer

Identität ist.

In dieser Hinsicht kann Kroatien neben einigen anderen kleineren europäischen

Nationen, die ähnliche multilinguale Merkmale aufweisen, als Modell für

Europas Zukunft dienen.

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