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Projet_Notre Vision DE 10/01/06 11:31 Page 245

EINE GEMEINSCHAFT DER GEMEINSCHAFTEN

endgültige Zustand bereits erreicht sei. Aus diesem Grund ist der Begriff

„Geschwindigkeit“ zutreffend, denn die Mitgliedstaaten arbeiten auf ein und dasselbe

Ziel hin, das sie jedoch zu verschiedenen Zeitpunkten erreichen werden.

Auch das Konzept der „verstärkten Zusammenarbeit“ ist nicht weiter problematisch,

weil es in bestimmten Fällen den Integrationsprozess sogar anstoßen kann,

sofern bestimmte grundlegende Kriterien, wie beispielsweise Offenheit und

Motivierung der nicht beteiligten Länder zum Aufholen, eingehalten werden.

Allerdings kann das Konzept eines „harten Kerns“ zu einem grundlegenden

Problem führen. Denn bei einem „Europa der konzentrischen Kreise“ besteht

die Gefahr, dass interne Kräfte in der Auflösung der EU bestärkt werden. In

gewisser Weise würde dadurch die Gemeinsame Europäische Vision verloren

gehen. Das könnte schließlich den gesamten Vereinigungsprozess gefährden.

Stabilität stellt den wichtigsten Wert der Europäischen Union dar. Sie beruht

auf drei Pfeilern: demokratische Beschlussfassung, ausgewogene Außenbeziehungen

und ein durch das europäische System der Wirtschaftsvorschriften erzieltes

Gleichgewicht sowie das fortwährende Streben der Union nach einer politischen

Einheit. Aus diesem Grunde stellt die Europäische Union für uns gegenwärtig

eine Realität dar, die wir im moralischen Sinne verstehen können. Aus dieser

Überzeugung heraus nehmen wir schwere Lasten auf uns und ersuchen um Hilfe

bei der Überwindung unserer Schwierigkeiten, und genau dies ist auch der

Grund, weshalb eine erneute Teilung Europas, die vielleicht nach den Kategorien

alt und neu, sie und wir, schneller und langsamer oder ärmer und wohlhabender

erfolgen könnte, für uns nicht akzeptabel wäre. Die Erzielung eines Konsenses

über die Richtung und Qualität des Europäischen Integrationsprozesses ist ein mühsamer

und zuweilen frustrierender Prozess, und dies wird sich zweifelsohne auch

in Zukunft nicht ändern. Doch die Prämisse der Gründungsväter der Europäischen

Union, dass der weitere Weg nur gemeinsam und einvernehmlich zurückgelegt

werden darf, muss gewahrt bleiben.

Wettbewerbsfähigkeit und sozialer Zusammenhalt

Die schwierigste Aufgabe, mit der Europa gegenwärtig in sozialer und wirtschaftlicher

Hinsicht konfrontiert wird, besteht darin, die Wettbewerbsfähigkeit auf

dem globalen Markt zu verbessern und gleichzeitig den sozialen Zusammenhalt

zu bewahren. Eng verbunden damit ist die Frage, ob die Union in der Lage sein

wird, die Lissabon-Strategie umzusetzen. Gemäß dieser Strategie, die im März

2000 verabschiedet wurde, soll die Europäische Union zum wettbewerbsfähigsten

und dynamischsten wissensbasierten Wirtschaftsraum der Welt werden, wobei

ein dauerhaftes Wirtschaftswachstum mit mehr und besseren Arbeitsplätzen und

einem größeren sozialen Zusammenhalt verbunden werden soll.

Somit sollte der Schwerpunkt nicht auf dem Konzept der Wohltätigkeit, sondern

auf der Vermittlung von Wissen, der Schaffung von Arbeitplätzen und dem

Ausbau der Beschäftigungsfähigkeit liegen. Der Staat trägt zur Ausbildung der

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