Projet_Notre Vision DE

arc.eppgroup.eu

Projet_Notre Vision DE

Projet_Notre Vision DE 10/01/06 11:31 Page 252

IOANNIS M. VARVITSIOTIS

erfasst hat, fördert nicht nur die Entstehung neuer politischer Institutionen und

Funktionen, sondern hat auch Einfluss auf den Alltag der Unionsbürger.

Neben den wirtschafts- und sicherheitspolitischen Fragen und den Fragen

der Funktionalität trägt der Integrationsprozess zudem zur Entwicklung und

Förderung neuer Ideen und kultureller Impulse bei.

Wir erleben als Europäer am Beginn des 21. Jahrhunderts, wie sich unsere

Zivilisation bewusst darum bemüht, die Erfahrungen unserer langen Geschichte

zur Geltung zu bringen. Jetzt, in der neuen Epoche, in der das politische Denken

und Handeln in den Vordergrund tritt, darf sich dieses Bemühen nicht auf die

nationalen Grenzen beschränken. Wir müssen begreifen, dass wir nicht mehr

die historischen Erfahrungen eines Volkes durchleben, sondern die einer ganzen

Welt.

Die Thematik des „Raubs der Europa“ gewinnt in der Geschichte der westlichen

Zivilisation wieder an Aktualität, sie ist Ausdruck der Vielfältigkeit und

schafft die Grundlage für eine neue Mythologie. Die westliche Zivilisation, deren

Alterung bedrohliche Züge annimmt, sucht sich mithilfe eines „faustischen“ Ideals

zu erneuern, das den Menschen von seiner euklidischen Beschränkung auf den

überschaubaren Körper, den engen Begriff des Stadtstaates und seine nationalen

Grenzen befreit.

Durch die Bewahrung der kulturellen Werte, die in der heutigen Zeit mitunter

in Zweifel gezogen wird, können wir verhindern, dass unser Vorhaben scheitert.

Dazu müssen wir aber die Notwendigkeit akzeptieren, über die Grenzen

hinauszuschauen, andere Perspektiven zu verfolgen und in anderen Dimensionen

zu denken. Die Vision des zukünftigen Europas muss sich auf das Wesen des

Humanismus stützen, die Voraussetzung dafür besteht darin, dass wir durch unsere

Stellung in der Welt, durch Zweifeln und Forschen unsere Existenz begreifen.

Aufgabe der kommenden Generationen wird es sein, eine globalisierte

Gesellschaft zu schaffen, in der das Individuum, der Bürger, eine regulative Rolle

spielt. Das 21. Jahrhundert, die Ära nach dem Ende des Kalten Krieges, ist durch

eine neue globale Struktur gekennzeichnet, auf wirtschaftlicher Ebene sind die

Grenzen weggefallen, eine Flut von Informationen ergießt sich täglich über die

ganze Welt und durch die Entwicklung der digitalen Kommunikation ist der

Zugang zu noch mehr Informationen gewährleistet. In dieser neuen Realität spielen

die lokalen Gemeinschaften und die Bürger eine immer umfassendere Rolle,

denn sie sehen sich gemeinsam mit sozialen Problemen, wie der Arbeitslosigkeit,

der Entfremdung, der Kriminalität und der Unsicherheit, konfrontiert.

Gleichzeitig sollten wir nicht vergessen, welch hohen Wert die regionalen

Kulturen besitzen und welch besondere Bedeutung in diesem Zusammenhang

der Ökologie der Kulturen zukommt, so klein, so schwach und so wirkungslos

sie auch zu sein scheinen. Namhafte Historiker und große Visionäre stimmen

darin überein, dass die Wiedergeburt der „Metropole“ durch den Einfluss neuer

Gedanken aus den Regionen gestärkt wird. Es gibt in der Weltgeschichte zahlreiche

Beispiele mächtiger Reiche, die schließlich in dem Augenblick untergin-

252

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine