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Projet_Notre Vision DE 10/01/06 11:31 Page 98

CAMIEL EURLINGS

anzusprechen und bereitwillige Politiker dort kräftig zu unterstützen. Und wir

werden dabei hauptsächlich aus gemeinsamen Motiven heraus handeln müssen.

Auf der Grundlage eines konstruktiven Dialogs, bei dem die Interessen beider

Seiten berücksichtigt werden, kann die Europäische Union nämlich einen Erfolg

bei der Verbesserung der Menschenrechte zum Beispiel in Russland erzielen.

Aber wenn im gleichen Augenblick einzelne EU-Mitgliedstaaten ihren eigenen Weg

gehen, wie Bundeskanzler Schröder, der den russischen Präsidenten Putin mit den

Worten empfängt „Ihr Land ist eine lupenreine Demokratie“, dann reichen die

Anstrengungen Europas längst nicht für den optimalen Erfolg aus.

Was für unsere Nachbarländer im Allgemeinen gilt, gilt mit noch größerem

Nachdruck für die Länder, die die Absicht haben, irgendwann Mitglied der Union

zu werden. Während die größte Herausforderung in der Zukunft in einer Vertiefung

unserer Werteunion liegen sollte, wäre es nicht nur für die Einwohner der Türkei,

sondern auch für die zukünftigen Kandidatenländer selbst schlecht, wenn sie

nicht den Mut besäßen, an den Kopenhagen-Kriterien als nicht verhandelbaren

Bedingungen für den Beitritt festzuhalten. Ferner könnte dadurch die

Verwirklichung einer stärkeren und solideren Union selbst zu einer unrealisierbaren

Utopie werden.

Weiter in Europa zu investieren, bedeutet in uns selbst zu investieren

Es ist unglaublich, was der Traum bedeutender Christdemokraten wie Schuman,

Monnet, Adenauer und De Gasperi bewirkt hat. Dafür gebührt Ihnen Dankbarkeit.

Gleichzeitig müssen wir uns darüber im Klaren sein, dass Europa noch in weiter

Ferne liegt. Derselbe Mut, den die Gründerväter hatten, als sie die ersten

Schritte in Richtung einer Zusammenarbeit unternahmen, muss uns

Christdemokraten heute dazu veranlassen, die erweiterte Union weiter zu stärken:

sie stärker zu machen bei der Bewältigung grenzüberschreitender Herausforderungen;

sie eindeutiger darzustellen bei ihrer Positionierung gegenüber dem Rest

der Welt. Vor allem müssen wir mit diesen Taten gegenüber den Bürgern beweisen,

dass Bundeskanzler Kohl Recht hatte. Er hielt den Mitgliedstaaten der EU vor

Augen, dass Investitionen in Europa Investitionen in sie selbst und ihre eigenen

Einwohner sind.

Auf diese Weise können wir dafür sorgen, dass Europa nicht nur für die

Bürger existiert, die Zeiten des Krieges und einen Mangel an Demokratie in

Europa erlebt haben, sondern auch für die jüngeren Bürger, für die das Leben in

der EU selbstverständlich erscheint. Denn nur, wenn die Europäische Union in

den Herzen lebt, wird der Europäische Traum Wahrheit.

Ich halte es für ein Privileg, aus dem Europäischen Parlament ein Scherflein

dazu beizutragen. Ich bin stolz darauf, dies von einer Partei aus tun zu können,

die den Grundstein für das heutige Europa gelegt hat.

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September 2005

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