Theorien der Literatur VI - Narr

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Theorien der Literatur VI - Narr

THEORIEN

DER

LITERATUR

Grundlagen und Perspektiven

BAND VI

Herausgegeben von

Günter Butzer und Hubert Zapf

A. Francke Verlag Tübingen und Basel


Theorien der Literatur VI

Herausgegeben von Günter Butzer und Hubert Zapf


Theorien der

Literatur

Grundlagen und Perspektiven

BAND VI

Herausgegeben von

Günter Butzer und Hubert Zapf


Titel: Schmuckbuchstabe aus Hans Sachs:

(Das vierdt poetisch Buch) mancherley neue Stücke schöner gebundener Reimen.

Nürnberg: Heußler, 1576; Oettingen-Wallersteinsche Sammlung der Universität Augsburg

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek

Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet diese Publikation in der Deutschen

Nationalbibliografie; detaillierte bibliografische Daten sind im Internet über

http://dnb.dnb.de abrufbar.

© 2013 · Narr Francke Attempto Verlag GmbH + Co. KG

Dischingerweg 5 · D-72070 Tübingen

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Jede Verwer tung außerhalb der engen Grenzen des Urheberrechtsgesetzes ist ohne

Zustimmung des Verlages unzulässig und strafbar. Das gilt insbesondere für

Vervielfältigungen, Übersetzungen, Mikroverfilmungen und die Einspeicherung und

Verarbeitung in elektronischen Systemen.

Gedruckt auf säurefreiem und alterungsbeständigem Werkdruckpapier.

Internet: www.francke.de

E-Mail: info@francke.de

Druck und Verarbeitung: Laupp & Göbel, Nehren

Printed in Germany

ISBN 978-3-7720-8491-1


Inhaltsverzeichnis

Vorwort

S.7

Bernadette Malinowski und Michael Ostheimer

Ödipus zum Beispiel: Zur Komparatistik als Wissenspoetik

S. 9

Stephanie Waldow

Literatur und Mythos

S. 31

K. Ludwig Pfeiffer

Medienanthropologie

S. 49

Kaspar H. Spinner

Literatur und Empathie

S. 63

Saskia Wiedner

Theorie der Autobiographie im 20. und 21. Jahrhundert

S. 77

Timo Müller

Theorien des Sonetts

S. 101

Heide Ziegler

Wie man aus Wörtern eine Welt macht: Shakespeares Spiel im Spiel

S. 121


6

Inhaltsverzeichnis

Rotraud von Kulessa

Literarische Spieltheorien oder Literatur als Gesellschaftsspiel

S. 139

Günter Butzer

Theorie literarischer Unterhaltung

S. 159

Hans Vilmar Geppert

Von der „humanen Bestie“ zum „unbekannten Gott“?

Theorie eines Europäischen Naturalismus

S. 181

Serenella Iovino

Ecocriticism oder: Wenn die Literatur vom Anderen spricht

S. 205

Katja Sarkowsky

„Is this my own?“ – Zugehörigkeit, citizenship und Literatur

S. 217

Die Beiträgerinnen und Beiträger

S. 233


Vorwort

Literaturtheorie ist in den letzten Jahrzehnten national und international zu einem

der wichtigsten Bereiche der Literatur- und Kulturwissenschaften geworden. Ihr

kommt eine grundlegende, kritisch-reflektierende und systematisch-orientierende

Funktion für die gegenwärtige und künftige Lehre und Forschung zu. Literaturtheorie

in dem Sinn, wie sie von den Autorinnen und Autoren dieses Bandes verstanden

wird, ist nichts Abgehobenes oder nur Abstraktes, sondern stellt eine eigenständige,

transdisziplinäre Form des Nachdenkens über Texte, kulturelle Prozesse, Symbolsysteme

und Modelle menschlicher Selbstinterpretation dar. Sie ist daher in ihrer Bedeutung,

wie die Literatur selbst, nicht auf den innerakademischen Bereich begrenzt,

sondern potenziell von allgemeinerem Interesse. Das breite Spektrum von Fragen

und Aufmerksamkeitsrichtungen, das sich mit ihr seit jeher verbunden hat und das

sich im Repertoire klassischer Positionen von der Antike bis zur Moderne niederschlägt,

hat sich im ausgehenden 20. und beginnenden 21. Jahrhundert noch einmal

entschieden erweitert durch neuere Ansätze der Literaturtheorie, die sich im kritischen

Dialog mit der Geschichte der Literaturtheorie herausgebildet haben und die

mittlerweile zu wesentlichen Bezugspunkten eines zunehmend globalisierten literatur-

und kulturwissenschaftlichen Diskurses geworden sind.

Im Blick auf diese Situation wurde die Reihe ‚Theorien der Literatur’ konzipiert,

in der bislang fünf Bände erschienen sind. Auch die Beiträge des nun vorliegenden

sechsten Bandes beziehen sich auf beide im Untertitel angesprochenen Seiten der

literaturtheoretischen Debatte – auf ihre in lang zurückreichenden Reflexionsprozessen

herausgebildeten Grundlagen und auf die in den vergangenen Jahrzehnten formulierten

neuen Perspektiven, die oft unter Einbeziehung von Erkenntnissen anderer

Disziplinen ästhetische Zeichenprozesse beleuchten und in ihren verschiedenen

historischen, kulturellen, psychologischen und anthropologischen Dimensionen

herausarbeiten. Diese beiden Pole markieren ohnehin keinen binären Gegensatz,

denn einerseits bleiben auch die innovativen Ansätze der neueren Zeit noch im Gestus

des radikalen Neuaufbruchs auf die Geschichte der Begriffs- und Diskursbildung

angewiesen, die sich mit der kulturellen Evolution der Literatur und Literaturtheorie

entwickelt hat. Und andererseits entfalten die klassischen Positionen im

Rahmen neuer Fragestellungen und interdisziplinärer Impulse teilweise eine erstaunliche

Aktualität, die sie als unverzichtbaren Bestandteil auch gegenwärtiger Orts- und

Funktionsbestimmungen von Literaturtheorie erscheinen lässt.

Dieser Dialektik von Tradition und Innovation ist auch der sechste Band der

Reihe treu geblieben. Er beginnt mit zwei Studien, die das Spannungsverhältnis von

Wissen und Mythos in der Literatur ausleuchten. Anthropologische Themen fokussieren

die Beiträge zur Medienanthropologie sowie zu Literatur und Empathie. Daran

schließen gattungstheoretische Reflexionen über die Autobiografie und das Sonett

an. Auf Fragestellungen zur weltengenerierenden Potenz literarischer Texte und

zur Beziehung von Literatur und Spieltheorie folgen Entwürfe einer Theorie literarischer

Unterhaltung sowie einer Theorie des europäischen Naturalismus. Abhandlun-


8 Vorwort

gen über kultur- und sozialwissenschaftliche Konzeptionen des Ecocriticism und der

Beziehung von Literatur und Citizenship beschließen den Band. Wie die vorherigen

Bände der Reihe, sind auch die vorliegenden Beiträge aus einer Ringvorlesung hervorgegangen,

die im Wintersemester 2011/12 und im Sommersemester 2012 an der

Universität Augsburg stattfand. Zu den beteiligten Fächern gehören Anglistik und

Amerikanistik, Germanistik und Romanistik, Philosophie und Medienwissenschaft

sowie Europäische Kulturgeschichte und Vergleichende Literaturwissenschaft.

Der herzliche Dank der Herausgeber gilt den Beiträgerinnen und Beiträgern sowie

Bernd Villhauer und Karin Burger vom Francke Verlag für die vorzüglich Kooperation,

insbesondere auch Constanze Ramsperger und Eva Mahr für ihr Engagement

und die Sorgfalt, mit der sie das Manuskript für den Druck eingerichtet

haben, sowie der Kurt-Bösch-Stiftung zugunsten der Universität Augsburg für die

großzügige Gewährung eines Druckkostenzuschusses. Es ist beabsichtigt, die Reihe

sowohl als Vorlesung als auch in Publikationsform fortzusetzen.

Günter Butzer und Hubert Zapf


Ödipus zum Beispiel:

Zur Komparatistik als Wissenspoetik

Bernadette Malinowski und Michael Ostheimer

„Wir begreifen immer weniger, je mehr wir wissen. Das ist die Signatur einer Zeit,

die sich Wissensgesellschaft nennt, auf die das Theater mit seinem Rückbezug auf

die Antike reagieren könnte.“ 1 So urteilt der Theaterkritiker Dirk Pilz 2007 in einem

Artikel der Zeitschrift Theater der Zeit über die Konjunktur antiker Stoffe auf deutschen

Theatern. Seines Erachtens sind nicht nur die vielen Inszenierungen von griechischen

Tragödien auf deutschen Bühnen erstaunlich – Pilz nennt mehrere Inszenierungen

der Orestie sowie der Perser von Aischylos und der Medea von Euripides2 –,

auffällig sei auch ein zeitgeistiger Konsens:

Das deutsche Theater spielt antike Stoffe und lässt die Götter außen vor. Als wären sie alte

Onkels mit weißem Bart, die immer Bescheid wissen und das arme Menschenvolk gängeln.

Auf solche Götter kann durchaus verzichtet werden. Nur sind und waren sie das nie.

Die Götter gibt es vielmehr, weil es genug gibt, was sich unserem Verstand und Zugriff

entzieht.

Das Göttliche, so Pilz weiter, fungiere als Statthalter eines Wissens, das die menschliche

„Begreifungskraft“ übersteigt. Aber das „derzeit tonangebende deutsche Theater

hat für diese Götter kaum Sinn. Es hängt sein Herz an die Götzen eitlen Bescheidwissens.“

3

Dirk Pilz verknüpft in seiner kritischen Diagnose des Gegenwartstheaters zwei

Beobachtungen mit einem Urteil und einer Begründung. Erste Beobachtung: Das

Gegenwartstheater spielt viele antike Stoffe. Zweite Beobachtung: Die Götter spielen

bei den Inszenierungen antiker Stoffe keine bzw. keine maßgebliche Rolle. Urteil:

Das Göttliche in Gegenwartsinszenierungen auszusparen bzw. es zu marginalisieren,

ist unangemessen. Begründung: Das Göttliche als Instanz des überindividuellen

Wissens vermag auch noch Menschen des 21. Jahrhunderts die Grenzen des

menschlichen Begreifens zu offenbaren. Genau an dieser Begründung setzen wir an,

genauer gesagt, an ihrer unausgesprochenen Voraussetzung, die besagt: Griechische

Tragödien sind – in ökonomischer Metaphorik ausgedrückt – Verteilungskämpfe um

das knappe Gut ‚Wissen‘. Um unser Vorhaben in einem Satz zu formulieren: Wir

möchten König Ödipus von Sophokles sowie Hölderlins und Hofmannsthals Rezeptionen

des Stücks als Wissenstragödien, als Auseinandersetzungen um Wissen per-

1 Pilz 2007, S. 7.

2 Man könnte diese Reihe problemlos bis in die unmittelbare Gegenwart fortführen (siehe z. B.

die Antiken-Reihe am Hamburger Thalia-Theater).

3 Pilz 2007, S. 4.


10

Bernadette Malinowski und Michael Ostheimer

spektivieren. Auf diese Weise – also induktiv und exemplarisch – soll eruiert werden,

welche Untersuchungsgegenstände und Fragestellungen sich einer wissensgeschichtlich

orientierten Komparatistik eröffnen.

I. Zur Komparatistik als Wissenspoetik

Als Literatur- und Kulturwissenschaft interessiert sich die Komparatistik für den

Zusammenhang von Wissen und Literatur, um eine spezifische Form der kulturellen

Bedingtheit von Literatur zu reflektieren. Literarische Texte, so die erkenntnisleitende

Vermutung, können kulturspezifisches Wissen enthalten, veranschaulichen und

problematisieren. Als komparative Disziplin, die die Literaturen verschiedener Kulturen

bzw. Kulturkreise vergleicht und über ihre Austauschbeziehungen nachdenkt,

steht die Komparatistik vor der Aufgabe, den Zusammenhang von Kultur- und

Wissensspezifika einzubeziehen. Eine Reflexion der kulturellen Bedingtheit von

Literatur(en), die die von den poststrukturalistischen Ansätzen entscheidend beförderte

Fragestellung ‚Literatur und Wissen’ umfasst, beeinflusst mithin die Theorie

der literarischen Komparatistik.

Mit dem von uns gewählten induktiven Vorgehen wollen wir vor allem dem Umstand

Rechnung tragen, dass in der gegenwärtigen literaturwissenschaftlichen Debatte

um den Zusammenhang von Literatur und Wissen bzw. Wissenschaft kein auch

nur tentativer Konsens bei der Bestimmung des Zentralbegriffs ‚Wissen’ besteht. Die

Komparatistik als historisch und kulturvergleichend arbeitende Disziplin bedarf, so

unsere Grundannahme, eines wissensgeschichtlich und kulturkontrastiv variablen

Wissensbegriffs – den es eben nur im Plural gibt. So ist es

unstatthaft vom Wissen im Singular und damit von einer Wissensgeschichte zu sprechen,

vielmehr müsste von vornherein die Pluralität der Wissen unterstrichen werden, um den

Gegenstand angemessen zu bestimmen […]. Wenn sich also etwas überzeitlich Gültiges

über das Wissen aussagen lässt, dann dass es kein überzeitlich gültiges Wissen geben

kann. 4

Unter ‚Wissenspoetik‘ als einer ‚Poetik des Wissens‘ (mit objektivem Genitiv) verstehen

wir in einer ersten Annäherung den Versuch, Kriterien, Funktionsbestimmungen

und Verfahren dafür zu formulieren, Wissen in der Literatur darzustellen. Die

Komparatistik als ‚Wissenspoetik‘ umfasst demzufolge die wissenschaftliche Auseinandersetzung

mit denjenigen Autoren- oder Gelehrten-Poetiken, die sich auf den

Problemzusammenhang ‚Wissen‘ beziehen, sowie mit allen poetisch-literarischen

Formen metapoetischer Wissensreflexion. Der Ausdruck ‚Wissenspoetik‘ wird hier

identifiziert und synonym gebraucht mit ‚wissenschaftlicher Poetik des Wissens‘

bzw. ‚Wissenspoetologie‘ und hat alle Formen der literarischen Wissenspoetik zum

Gegenstand.

4 Landwehr 2007, S. 801.


Zur Komparatistik als Wissenspoetik

In einem erweiterten Sinn berücksichtigt die komparatistische Wissenspoetik auch

poetisch-narrative Formen und Strukturen der (Literatur-)Wissenschaften selbst;

indem sie die Poetik der Wissenschaft epistemologisch reflektiert, wird sie zur Poetologie

der Wissenschaft. 5

II. als Wissenstragödie

In der Beschäftigung mit der griechischen Tragödie nimmt die Interpretation des

König Ödipus seit der Poetik des Aristoteles einen wesentlichen Platz ein. Unter Einbeziehung

der aristotelischen Konzeption des tragischen Helden hat sich gerade an der

Figur des Ödipus eine kontroverse Diskussion über die Schuld des sophokleischen

Protagonisten herausgebildet. In letzter Zeit zeichnen sich vor allem zwei Deutungsrichtungen

ab: Eine mehr oder weniger deterministische, die die Ohnmacht des

Menschen und die Scheinhaftigkeit seiner Existenz betont, und eine das schuldhafte

Verhalten des Ödipus herausstellende, die im Sinne der aristotelischen hamartia-

Lehre Fehler erkennt, durch die der Held zu seinem Untergang beiträgt. 6 Schicksal

vs. Schuld, die Betonung eines unabwendbaren Ereignisses (Ödipus als „Paradeigma

der Nichtigkeit menschlichen Lebens und der Scheinhaftigkeit“ 7) widerstreitet dem

schuldhaften, aus Charakter und Denkhaltung resultierenden Fehlverhalten (Blindheit,

Überklugheit und Hybris des Ödipus).

Doch: Müssen sich beide Interpretationsrichtungen notwendigerweise ausschließen?

Könnte es nicht sein, dass ein Schuldanteil des Menschen mit dem von den

Göttern Vorgesehenen koinzidiert? 8 Es könnte, so denken wir. Weshalb? Weil wir

im Rekurs auf einen von Freud bereits sehr früh geprägten Begriff davon überzeugt

sind, dass die kontroversen Interpretationen des König Ödipus von Sophokles in der

Hauptsache der Überdeterminierung des Stücks geschuldet sind. 9 Demnach verweist

das tragische Scheitern des Protagonisten auf mannigfache determinierende Faktoren,

„die sich in verschiedenen Bedeutungsreihen anordnen, von denen jede auf

einem bestimmten Deutungsniveau ihren eigenen Zusammenhang hat“ 10. Das bedeutet

nicht, dass die verschiedenen Bedeutungen ein und desselben literarischen

5 Vgl. hierzu näher Bernadette Malinowski / Michael Ostheimer: Komparatistik als Wissenspoetik,

in: Rüdiger Zymner / Achim Hölter (Hrsg.): Handbuch Komparatistik: Theorien, Arbeitsfelder,

Wissenspraxis, Stuttgart: Metzler 2013 (im Druck). S. 256-261.

6 Vgl. Zimmermann 2011, S. 583, Fußn. 384, der die Positionen von Arbogast Schmitt und

Eckard Lefèvre (Schuld) denen von Bernd Manuwald und Michael Lurje (Schicksal) gegenüberstellt.

7 Manuwald 1992, S. 1.

8 Vgl. Kullmann 1994, S. 106.

9 Klaus Heinrich 1993, S. 185, zufolge besteht die „Realistik der Mythologie“ darin, „daß die

Rationalität mythologischen Stoffs die ‚Überdeterminiertheit‘ […] ist; und daß die rationalisierende

Zurichtung dieses Stoffs bereits darin besteht, daß einzelne Determinanten aus ihm herausgezogen

und zu allein geltenden Determinationsformen erklärt werden.“

10 Laplanche/Pontalis 1973, S. 544.

11


Die Beiträgerinnen und Beiträger

Günter Butzer, Professor für Vergleichende Literaturwissenschaft/Europäische

Literaturen an der Universität Augsburg. Arbeitsschwerpunkte: Kulturelles Erinnern

und Vergessen, Kanon und Massenkommunikation, Soliloquienliteratur, Symbolforschung,

Theorie literarische Unterhaltung. Veröffentlichungen: (Hg., mit Bettina

Bannasch) Übung und Affekt. Formen des Körpergedächtnisses, Berlin, New York 2007;

Soliloquium. Theorie und Geschichte des Selbstgesprächs in der europäischen Literatur, München

2008; (Hg., mit Hubert Zapf) Theorien der Literatur. Grundlagen und Perspektiven, Bd. 5,

Tübingen, Basel 2011; (Hg., mit Joachim Jacob) Berührungen. Komparatistische Perspektiven

auf die frühe deutsche Nachkriegsliteratur, München, Paderborn 2012; (Hg., mit

Joachim Jacob) Metzler Lexikon literarischer Symbole, 2., erw. Aufl., Stuttgart, Weimar

2012.

Hans Vilmar Geppert, Studium, Promotion und Habilitation in Tübingen. 1984 bis

2006 Inhaber des Lehrstuhls „Neuere Deutsche Literaturwissenschaft/

Vergleichende Literaturwissenschaft“ in Augsburg. Wichtigste Publikationen:

Der „andere“ historische Roman (Tübingen 1976), Achim von Arnims Romanfragment „Die

Kronenwächter“ (Tübingen 1979), Hg. Große Werke der Literatur Bd. 1ff. (Tübingen und

Basel 1990ff.), Der realistische Weg (Tübingen 1994), Hg. Theorien der Literatur Bd. 1ff.

(Tübingen und Basel 2003-2009), Literatur im Mediendialog (München 2007), Der historische

Roman. (Tübingen und Basel 2009), Bert Brechts Lyrik (Tübingen und Basel,

2011). Aufsätze zum deutschen, englischen, französischen Roman des 19. und 20.

Jahrhunderts, zu Literatur und Medien, Literatur und Werbung, Literatursemiotik,

wiederholt zu Brechts Lyrik.

Serenella Iovino ist Professorin für Ethik an der Universität Turin, Forschungsmitglied

der Alexander-von-Humboldt-Stiftung und ehemalige Präsidentin der Europäischen

Vereinigung für das Studium der Literatur, Kultur und Umwelt

(www.easlce.eu). Wichtigste Monographien: Filosofie dell'ambiente. Natura, etica, società

(2004) und Ecologia letteraria. Una strategia di sopravvivenza (2006). Ihre Publikationen

umfassen Artikel und Essays über ökokritische Theorie, Umweltsphilosophie, Bioregionalismus,

ökologischen Humanismus, Landschaftsethik, Umweltgerechtigkeit,

Ökofeminismus, italienische Literatur, und zwei Bücher über den philosophischen

Roman im Zeitalter Goethes. Mit Serpil Oppermann ist Prof. Iovino Mitherausgeberin

von Material Ecocriticism (i.E., Indiana University Press).

Rotraud von Kulessa, Studium in Freiburg, Paris, Berlin, Promotion und Habilitation

in Freiburg. Seit April 2011 Inhaberin des Lehrstuhls für Romanische Literaturwissenschaft

(Französisch/Italienisch) an der Universität Augsburg. Zahlreiche Publikationen

zur Frauenliteratur im 18. und 19. Jahrhundert, zum Kulturtransfer

zwischen Frankreich und Italien im 18. Jahrhundert. Arbeitet zur Zeit zum Thema


234

Die Beiträgerinnen und Beiträger

Spiel und Streit in der Literatur: Françoise de Grafigny: Lettres d’une Péruvienne. Interpretation,

Genese und Rezeption eines Briefromans aus dem 18. Jahrhundert. Stuttgart/Weimar:

Metzler 1997 (Ergebnisse der Frauenforschung, 46); Entre la reconnaissance et l’exclusion.

La position de l’autrice dans le champ littéraire en France et en Italie à l’Epoque 1900. Paris:

Honoré Champion 2011 (Bibliothèque de la littérature générale et comparée, sous la

direction de Jean Bessière, 90); „La Querelle de La Princesse de Clèves jadis et

naguère ou réflexions sur la notion de ‘Querelle’ en littérature“. In: Gröne, M./von

Kulessa, R. (Hrsg.): Urbanité et sociabilité dans la littérature française de la Renaissance jusqu’au

18e siècle. München: Peter Lang (in Vorbereitung); „Les Lettres d’une Péruvienne

de Françoise de Graffigny et la Querelle des femmes en Italie au 18e siécle.“.

In: Dubois-Nayt, A./Henneau, M.-E./von Kulessa, Rotraud (Hrsg.): Le discours sur

l‘égalité/l’inégalité des sexes à l’échelle européenne. Saint Etienne: PU (in Vorbereitung).

Bernadette Malinowski hat seit 1. April 2011 die Professur für Neuere Deutsche

und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Technischen Universität Chemnitz

inne. Von 1990 bis 1996 studierte sie Vergleichende Literaturwissenschaft, Philosophie

und Italienische Literaturwissenschaft an der Universität Augsburg sowie an der

Brandeis University (M.A., USA). Bis 2011 war sie als Wissenschaftliche Mitarbeiterin

und Wissenschaftliche Assistentin, zuletzt als Akademische Oberrätin an der

Universität Augsburg tätig. Im Jahr 2001 promovierte sie mit einer Studie zum Thema

„Das Heilige sei mein Wort“ – Paradigmen prophetischer Dichtung von Klopstock bis Whitman,

2008 erfolgte die Habilitation mit einer Arbeit über Scientia Poetica. Literarische

Wissenschaftsgeschichte und Wissenschaftstheorie. Bisher publizierte Aufsätze setzen sich

mit kulturanthropologischen (Erinnern und Vergessen, Bekennen, Krankheit) und

literaturtheoretischen Fragen (das Imaginäre, literarische Inszenierungen wissenschaftlicher

Diskurse) auseinander.

Timo Müller ist akademischer Rat a.Z. am Lehrstuhl für Amerikanistik der Universität

Augsburg. Dort 2009 Promotion zum Thema The Self as Object in Modernist Fiction:

James Joyce, Hemingway (Königshausen & Neumann, 2010). Mitherausgeber des

Kompendiums English and American Studies: Theory and Practice (Metzler, 2012) und des

Sammelbandes Literature, Ecology, Ethics (Winter, 2012). Daneben Aufsätze zu modernistischer,

afroamerikanischer und karibischer Literatur, zu Ecocriticism und

Literaturtheorie. 2012/13 Visiting Fellow am Du Bois Institute for African American

Research, Harvard University.

Michael Ostheimer ist nach Studium (Germanistik, Griechische Philologie und

VWL), Promotion (an der FU Berlin über Heiner Müller) und DAAD-Lektorat (an

der Peking-Universität) seit dem WS 2005 wissenschaftlicher Mitarbeiter an der

Professur Neuere Deutsche und Vergleichende Literaturwissenschaft der TU Chemnitz.

Habilitation 2012 („Ungebetene Hinterlassenschaften. Studien zur literarischen

Imagination über das familiäre Nachleben des Nationalsozialismus“). Wichtigste

Publikationen: „Mythologische Genauigkeit“. Heiner Müllers Poetik und Geschichtsphilosophie


Die Beiträgerinnen und Beiträger

der Tragödie, Würzburg 2002; Literaturtheorie – Ansätze und Anwendungen (zus. mit Arne

Klawitter), Göttingen 2008.

K. Ludwig Pfeiffer promovierte 1973 in Würzburg und habilitierte sich 1977 in

Konstanz. Er war Professor für Anglistik in Bochum 1978-1979, für Anglistik und

Allgemeine Literaturwissenschaft in Siegen (Emeritierung 2009). Von 2007 bis zur

erneuten Emeritierung 2011 war er Professor of Literature an der Jacobs University

Bremen. Zahlreiche Gastprofessuren und fellowships an deutschen, USamerikanischen,

japanischen und brasilianischen Universitäten. Neuere Publikationen:

Das Mediale und das Imaginäre, Suhrkamp 1999; The Protoliterary. Steps toward an

Anthropology of Culture, Stanford University Press 2002; Von der Materialität der Kommunikation

zur Medienanthropologie, Heidelberg: Winter 2009. Verfasser von ca. 135 Aufsätzen

und 30 weiteren Publikationen, (Mit-)Herausgeber von vierzehn Bänden zu

literatur-, kultur-, medienwissenschaftlichen und wissenschaftsgeschichtlichen Themen.

Katja Sarkowsky, seit 2008 Juniorprofessorin für Neue Englische Literaturen und

Kulturwissenschaft an der Universität Augsburg. Arbeitsschwerpunkte: Literaturen

ethnischer Minoritäten in Kanada und den USA, Kulturtheorie, Postkoloniale Theorie,

Citizenship Studies. Veröffentlichungen: AlterNative Spaces: Constructions of Space in

Native American and First Nations‘ Literatures, 2007; Travelling Concepts: Negotiating Diversity

in Canada and Europe, 2010, hrsg. mit C.Lammert; Geschlechterverhältnisse und Öffentlichkeiten.

Erfahrungen, Politiken, Subjekte, 2005, hrsg. mit Susanne Lettow und Ulrike

Manz.

Kaspar H. Spinner, Studium in Zürich und Berlin, Promotion bei Emil Staiger,

1968-1972 Assistent an der Universität Genf, 1972-1979 (Assistenz-)Professor an

der Gesamthochschule Kassel, 1980-1988 Professor an der RWTH Aachen, 1988-

2006 Inhaber des Lehrstuhls für Didaktik der Deutschen Sprache und Literatur an

der Universität Augsburg. Wichtigste Publikationen: Umgang mit Lyrik in der Sekundarstufe

I (4. Aufl. 2000); Kreativer Deutschunterricht. Identität – Imagination – Kognition (2.

Aufl. 2006); Kurzgeschichten – Kurze Prosa. Grundlagen – Methoden – Anregungen für den

Unterricht (2012). Hg. SynÄsthetische Bildung in der Grundschule (2002); Hg. Lesekompetenz

erwerben, Literatur erfahren (2006); Hg. Augsburger Studien zur Deutschdidaktik (seit 1998).

Stephanie Waldow, Studium, Promotion und Habilitation in Gießen und Erlangen.

Seit 2012 Professorin für Neuere deutsche Literaturwissenschaft mit dem Schwerpunkt

Ethik an der Universität Augsburg. Publikationen (Auswahl): Der Mythos der

reinen Sprache. Allegorische Intertextualität als Erinnerungsschreiben der Moderne. Studien zu

Walter Benjamin, Ernst Cassirer und Hans Blumenberg. Paderborn: Wilhelm Fink Verlag

2006; Ethik im Gespräch. Autorinnen und Autoren über das Verhältnis von Literatur und

Ethik heute. Reihe Lettre. Bielefeld: transcript 2011; (zusammen mit Moritz Baßler/Cesare

Giacobazzi/Christoph Kleinschmidt): (Be-)Richten und Erzählen: Verstehen

von Literatur als Praxis gewaltfreien Denkens und Handelns. Reihe Ethik –

235


236

Die Beiträgerinnen und Beiträger

Text – Kultur. Hg. v. Christine Lubkoll/Mathias Mayer/Claudia Öhlschläger/Joachim

Jacob. Paderborn: Wilhelm Fink Verlag 2011; (zusammen mit Simone Broders/Susanne

Gruß): Phänomene der Fremdheit / Fremdheit als Phänomen. Würzburg:

Königshausen & Neumann 2012; Sprache als Begegnung mit dem Anderen. Zum Verhältnis

von Ethik und Narration in philosophischen und literarischen Texten der Gegenwart. Reihe

Ethik – Text – Kultur. Hg. v. Christine Lubkoll/Mathias Mayer/Claudia Öhlschläger/Joachim

Jacob. Paderborn: Wilhelm Fink Verlag 2013.

Saskia Wiedner, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Europäische

Kulturgeschichte an der Universität Augsburg. Forschungsschwerpunkte: französischer

Existentialismus, französischer Roman im 20./21. Jahrhundert, jüdische Literatur

und Kultur im Frankreich des 20. Jahrhunderts, Autobiographie und Theorie der

Autobiographie, politische Theologie und Strategien der Herrschaftslegitimation in

der französischen Literatur und Bildpublizistik des 17. Jahrhunderts, kulturelle

Transferprozesse und Nationbildung im 18./19. Jahrhundert in Italien und Frankreich.

Veröffentlichungen: Die Konzeption der „situation“ in den Romanen Simone de Beauvoirs

1943-1954, Würzburg: Königshausen & Neumann 2009; Contacts: Le désir du

canon. L’esthétique de la citation dans le roman français / francophone post-soixante-huitard. /

Dossier der Zeitschrift Lendemains, 32 – 126/127 Tübingen: Verlag Gunter Narr 2007

(hrsg. mit Till R. Kuhnle); Orient lointain – proche Orient. La présence d’Israël dans la littérature

francophone, Tübingen: Verlag Gunter Narr (Lendemains 15), 2011 (hrsg. mit Till R.

Kuhnle und Carmen Oszi); Aufsätze zur französischsprachigen und italienischen

Literatur; Artikel in literatur- und kulturwissenschaftlichen Lexika.


Literaturtheorie ist in den letzten Jahrzehnten

national und international zu einem der

wichtigsten Bereiche der Literatur- und

Kulturwissenschaften geworden. Ihr kommt

eine grundlegende, kritisch-reflektierende und

systematisch-orientierende Funktion für die

gegenwärtige und künftige Lehre und

Forschung zu. Im Blick auf diese Situation

wurde die Reihe ‚Theorien der Literatur

konzipiert, in der bislang fünf Bände erschienen

sind. Auch der nun vorliegende sechste Band

behandelt sowohl unverzichtbare Grundlagen

als auch aktuelle Perspektiven der Literaturtheorie

und geht davon aus, dass diese beiden

Pole keinen Gegensatz, sondern einen

produktiven Zusammenhang bilden. Er beginnt

mit zwei Studien, die das Spannungsverhältnis

von Wissen und Mythos in der Literatur

ausleuchten. Anthropologische Themen

fokussieren die Beiträge zur Medienanthro -

pologie sowie zu Literatur und Empathie.

Daran schließen gattungstheoretische

Reflexionen über die Autobiografie und das

Sonett an. Auf Fragestellungen zur weltengenerierenden

Potenz literarischer Texte und zur

Beziehung von Literatur und Spieltheorie

folgen Entwürfe einer Theorie literarischer

Unterhaltung sowie einer Theorie des

europäischen Naturalismus. Abhandlungen

über kultur- und sozialwissenschaftliche

Konzeptionen des Ecocriticism und der

Beziehung von Literatur und Citizenship

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