Heimat-Rundblick Nr. 104

gtozp123

Frühjahr 2013

1/2013 · 26. Jahrgang

ISSN 2191-4257

Nr. 104

RUNDBLICK

AUS DER REGION HAMME, WÜMME, WESER

II N H A LL T

GESCHICHTE · KULTUR · NATUR

unter anderem:

Salzstock Lesum

Heinrich Schmidt-Barrien

Serie: Vor 100 Jahren

DGzRS – Rausfahren, wenn

andere reinkommen

Der große Brand von Lilienthal 1813

150 Jahre Männergesangverein Concordia

Einzelpreis € 4,50

Lach- und Torfgeschichten

Blume des Jahres 2013

Im Strom der Zeit

Sehens-/Lesenswertes

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stehen Ihnen zur Verfügung!

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Titelbild:

Die Truper Kapelle in Lilienthal.

Foto: Rupprecht Knoop

Foto: Erwin Duwe

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Aus dem Inhalt

Aktuelles

Tim Wöbbeking

Redaktionssitzung

Johannes Rehder-Plümpe

Seite 4

Schmidt-Barrien-Preis 2013 Seite 16

Lesenswertes Seite 30, 31

Termine der Heimatvereine Seite 35

Heimatgeschichte

Harald Steinmann

Das Schmiedemuseum Beckedorf Seite 4

Horst Plambeck

Salzstock Lesum Seite 5–7

Ralf Baur

Rausfahren, wenn

andere reinkommen Seite 8 + 9

Peter Richter

100 Jahre alt: Die Lilienthaler

Friedhofskapelle Seite 13

Rupprecht Knoop

Der große Brand in Lilienthal

von 1813 Seite 14 + 15

Impressum

Herausgeber und Verlag: Druckerpresse-Verlag UG (haftungsbeschränkt),

Scheeren 12, 28865 Lilienthal, Tel. 04298/46 99 09,

Fax 04298/3 04 67, E-Mail info@heimat-rundblick.de, Geschäftsführer:

Jürgen Langenbruch M.A., HRB Amtsgericht Walsrode

202140.

Redaktionsteam: Tim Wöbbeking, Lindenallee 25, 27726

Worpswede, Telefon 04792/95 21 48, Wilko Jäger (Schwanewede),

Rupprecht Knoop (Lilienthal), Dr. Christian Lenz

(Teufelsmoor), Ilse Mehnert (Grasberg), Peter Richter (Lilienthal),

Manfred Simmering (Lilienthal), Dr. Helmut Stelljes

(Worpswede).

Beratung und ständige Mitarbeit: Gerhard Behrens (Worpswede),

Prof. Dr. Hermann Cordes (Borgfeld), Hermann Giere

(Schlußdorf), Jürgen Lodemann (Ritterhude), Siegfried Makedanz

(Schwanewede), Rudolf Matzner (Bremen-Lesum), Dieter

Meisner (Worpswede), Hans-Jürgen Paape (Bremen), Johannes

Rehder-Plümpe (Borgfeld), Hans Siewert (Osterholz-Scharmbeck),

Erwin Simon (Ritterhude), Harald Steinmann (Lilienthal).

Für unverlangt zugesandte Manuskripte und Bilder wird keine

Haftung übernommen. Kürzungen vorbehalten.

Leserservice: Telefon 04298/46 99 09, Telefax 04298/3 04 67.

Korrektur: Helmut Strümpler, Harald Steinmann.

Erscheinungsweise: Vierteljährlich.

Bezugspreis: Einzelheft 4,50 €, Abonnement 18,– € jährlich

frei Haus. Bestellungen nimmt der Verlag entgegen; bitte

Scheck, Bargeld, oder Abbuchungsermächtigung beifügen.

Kündigung drei Monate vor Ablauf des Jahresabonnements.

Bankverbindungen: Für Abonnements: Kreissparkasse Lilienthal

(BLZ 291 523 00) Konto-Nr. 126 995, Volksbank Osterholz

eG (BLZ 291 623 94) Konto-Nr. 731 778 600.

Für Spenden und Fördervereins-Beiträge: Kreissparkasse

Lilienthal (BLZ 291 523 00) Konto-Nr. 122 150, Volksbank

Osterholz eG (BLZ 291 623 94) Konto-Nr. 732 737 400.

Druck: Langenbruch, Lilienthal.

Erfüllungsort: Lilienthal, Gerichtsstand Osterholz-Scharmbeck.

Der HEIMAT-RUNDBLICK ist in Bremen in der Böttcherstraße/

Ecke Andenkenladen zu bekommen, in Worpswede in der

Buchhandlung Netzel, außerdem liegt er im Philine-Vogeler-

Haus (Tourismus-Info) und dem Barkenhoff aus und ist im Fotoatelier

Dieter Weiser erhältlich, natürlich auch im Verlagshaus

Langenbruch in Lilienthal.

RUNDBLICK Frühjahr 2013

Harald Steinmann

Truper Wappen und Siegel Seite 15

Wilko Jäger

Heinrich Schmidt-Barrien Seite 17

Wilhelm Berger

Die Ortschaft Teufelsmoor

auf der Findorff-Karte Seite 21 – 23

Hermann Pelke

150 Jahre Männergesangverein

Concordia Worpswede Seite 24

Peter Kalmbach

Standgerichte in

Norddeutschland Seite 30

Rudolf Matzner

Ein Lesumer beim Tag der

Deutschen Einheit 2012 Seite 34 + 35

Kultur

Tim Wöbbeking

Im Strom der Zeit Seite 20

Dr. Helmut Stelljes

„Theater Alte Molkerei“

in Worpswede Seite 25

Beate C. Arnold

Willy Meyer-Osburg Seite 26

Natur

Prof. Dr. Hermann Cordes

Die Blume des Jahres 2012:

Das Leberblümchen Seite 28

Siegfried Makedanz

Himmelsziege im Sinkflug Seite 29

Serie

Prof. Dr. Hermann Cordes

Die Schulen in Borgfeld und Timmersloh

– Teil 2: 1891 – 1945 Seite 10 – 12

Peter Richter

Vor 100 Jahren Seite 18 + 19

Johann (Jan) Brünjes

Lach- und Torfgeschichten Seite 23

Mareike Haunschild

Jugendseite –

Kunst in Kinderschuhen Seite 27

Johannes Rehder-Plümpe

Blick in die Nachbarschaft: Wo die

dunklen Tannen ragen Seite 32 + 33

Redaktionsschluss für die nächste

Ausgabe: 15. Mai 2013

Neue

Abonnenten

Liebe Leserinnen

und Leser,

wie es damals vor 200 Jahren in Lilienthal

zur Zeit der französischen

Besatzung war, ist eines der Themen,

welches unser Redaktionsmitglied

Rupprecht Knoop für uns recherchiert

hat und das wir unseren Lesern

unbedingt präsentieren möchten.

Mit dieser Reportage haben wir

einen großen Schritt in die Vergangenheit

gemacht.

Aus der fast 150-jährigen Geschichte

der DGzRS berichtet für uns Ralf Baur

in der Reportage „Rausfahren, wenn

andere reinkommen“ und gibt Auskunft

über Geschichte und Arbeit des

ausschließlich mit Spenden finanzierten

Einsatzes der DGzRS.

Wo die Blume des Jahres 2013 mit

ihren wunderschönen blauen Blüten

zu finden ist, hat Hermann Cordes

für unsere Leser herausgefunden.

Ebenso berichtet er im 2. Teil über

die Schulen in Borgfeld und Timmersloh.

Hier lesen Sie auch, warum

ein Lehrer von Borgfeld nach Timmersloh

versetzt wurde.

Viele andere Berichte aus unserer

Heimat und die beliebten Serien finden

Sie wie gewohnt in dieser Ausgabe.

Wir wünschen Ihnen nun viel Spaß

beim Lesen.

Tim Wöbbeking

und Jürgen Langenbruch

Um das weitere Erscheinen unserer

Zeitschrift zu gewährleisten, sind wir

natürlich auf neue Abonnenten angewiesen.

Hiermit möchten wir Ihnen einen kleinen

Anreiz bieten, sich zum Abschluss

eines neuen Abonnements zu entschließen:

Die nächsten fünf neuen Abonnenten

erhalten jeweils zwei Eintrittskarten für

die Große Kunstschau Worpswede.

Die Redaktion Foto: Helmut Stelljes

3


Redaktionssitzung

Mit einer Besichtigung des Schmiedemuseums

Beckedorf begann die Redaktionssitzung

zur vorliegenden Ausgabe. Am

26. Januar 2013 trafen wir uns bei typischem

Winterwetter in der Bremer

Schweiz, in der historischen Schmiede,

welche sich ausschließlich durch Spenden

finanziert. Wir erfuhren vieles über den

Walfang, welcher in unserer Region und

besonders an der Weser damals eine große

Rolle spielte und vielen Menschen Arbeit

gab, sowie von den harten Bedingungen

an Bord der Schiffe, von der kräftezehrenden

Arbeit in den von Rudern angetriebenen

Harpunenschiffen und der oft einseitigen

Ernährung an Bord der Walfangschiffe,

welche oft wochenlang in der eisigen

See unterwegs waren. Anhand von

Harpunen, Filmen und einer Ausstellung

mit Schautafeln und Utensilien der Walfänger

konnten wir uns gut in die Zeit der

Walfänger versetzen. Die Kälte und der

Schneefall ließen uns etwas mehr nachempfinden,

wie hart der Einsatz in der eisigen

See damals war.

Vor Beginn der Redaktionssitzung trafen

sich die Redakteure im Schmiedemuseum

in Beckedorf. Die Anfahrt war gut beschrieben:

Nach dem Verlassen der B 74 auf der

Hammersbecker Straße am Zentralkrankenhaus

Nord vorbei, dann nach links in

die Löhstraße, die in „An der Waldschmiede“

übergeht. Und da liegt rechter

Hand schon das Schmiedemuseum, eine

wohlige Wärme beim Eintreten empfängt

zwanzig wissbegierige Redakteure. Mit

guter Fachkenntnis erläutert Norbert

Krause die ausgestellten Stücke, verbindet

seinen Vortrag mit dem Stummfilm aus

den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts,

der parallel dazu läuft. Man weiß überhaupt

nicht, an welcher Stelle die Spannung

am größten ist! Man hat das Werkzeug,

mit dem die Walfänger vor Grönland

auf die Jagd gingen, hier vor Augen. Die

Schaluppe, gerudert von sechs Männern,

Die historische Schmiede

Im Anschluss wurde uns die eigentliche

Schmiede gezeigt, die sich noch im Originalzustand

befindet und voll funktionstüchtig

ist. Wie hier gearbeitet wurde

und auch noch wird, konnten wir anhand

von Schaustücken und von den ehrenamtlich

arbeitenden Mitarbeitern der

Schmiede erfahren.

Die Schmiede ist freitags von 15–18 Uhr

geöffnet. Anmeldungen können bei Karl-

vom Harpunier im Bug lautstark angetrieben,

folgt dem Wal und nähert sich ihm

auf bis zu 6 m. Mit enormer Kraft schleudert

der Harpunier die Harpune in den Körper

des Grönlandwals, dessen Zunge allein

bis zu 900 kg wiegt. Der Wal hat seinen

Todeskampf beendet, liegt längsseits am

Schiff. Die großen Speckspaten treten in

Aktion, schälen die beim Grönlandwal bis

zu 60 cm dicke Speckschicht ab.

Der eigentlich noch ländliche Raum von

Grohn bis Rekum war Ausgangspunkt der

Hochseeschifffahrt mit Segelschiffen, für

den Bau auf den zahlreichen Werften und

als Heimathafen. Die kleine Dorfschmiede,

die Wilhelm Wildhack betrieb, der aus

Stuttgart als Wandergeselle hier sesshaft

wurde, profitierte davon. Neben den

benötigten Eisenteilen für die ganz aus

Holz gebauten Schiffe, waren es die

Ausrüstungsgegenstände der Walfänger,

Heinz Grube unter Tel. 0421/653281

abgestimmt werden.

Leicht durchgefroren begaben wir uns im

Anschluss in das Restaurant „Zum Rosenbusch“,

wo wir uns erstmal bei heißem Kaffee

und leckerem Kuchen stärkten.

Sehr positiv vermerken konnten wir,

dass alle Anwesenden ein Thema für den

Heimat-Rundblick Nr. 104 parat hatten,

sodass auch diese Ausgabe vielseitig und

abwechslungsreich geworden ist.

Verleger Jürgen Langenbruch bedankte

sich für den Einsatz und verkündete, dass

er mit großer Freude den Heimat-Rundblick

herausgibt. Besonders über Anzeigen

würde er sich freuen, denn damit könne

man auch zukünftig ein größeres Themenspektrum

durch eine weiterhin erhöhte

Seitenanzahl bieten. Motiviert durch die in

den letzten Monaten gestiegene Zahl der

Abonnenten haben wir uns entschlossen,

den nächsten fünf neuen Abonnenten je

zwei Freikarten für die Große Kunstschau

Worpswede zukommen zu lassen.

Text: Tim Wöbbeking

Fotos: Helmut Stelljes

Viele historische Werkzeuge und Techniken geben einen Einblick in die Arbeit des Schmiedes Die Dauerausstellung zum Thema Walfang

Das Schmiedemuseum in Beckedorf

die hier geschmiedet wurden. Natürlich

gehörten auch der Hufbeschlag, bei dem

man jeden Nagel noch einzeln herstellte,

und Reparaturarbeiten auf den Höfen zum

Alltag der Waldschmiede.

Karl Heinz Grube heizt die Esse noch einmal

an, zeigt mit geschickten Händen, wie

sich das warme Eisen formen lässt. Er

betätigt sich als Hufschmied, stellt die Stufen

vom Rohling bis zum fertigen Hufeisen

vor. An der Wand Werkzeuge, die vom

Team des Schmiedemuseums gefertigt

wurden. - Man bekommt ein Empfinden

dafür, wie dieser kleine Raum sich in sommerlicher

Hitze aufheizt.

Ein Besuch dieses kleinen aber feinen

Museums lohnt sich! Öffnungszeit freitags

von 15.00 bis 18.00 Uhr und nach Vereinbarung

mit Karl Heinz Grube unter Tel.

0421-653281.

Harald Steinmann

4 RUNDBLICK Frühjahr 2013


Verborgene Energiereserven im

„Salzstock Lesum“

Bremen-Burg-Grambke. In riesigen

unterirdischen Salzstockspeichern werden

im Nordbremer Stadtteil Burglesum ein

Teil der deutschen Dieselöl-Notvorräte

sowie Erdgas für die Region Bremen gelagert.

Am nordwestlichen Rand Bremens, im

Burglesumer Ortsteil Burg-Grambke, bestehen

drei verschiedene Untergrundspeicher,

in denen große Mengen an Öl und

Gas gelagert werden. Die benachbarten

Betriebsgelände der Speicheranlagen sind

alle in Grambke auf einem Areal zwischen

dem Brokkampweg und dem Lesumdeich

gelegen, nahe der Bundesautobahn 27. Im

geologischen Untergrund befindet sich

dort ein mächtiger Salzstock, der seit mehr

als vierzig Jahren für die Lagerung von

Energiereserven genutzt wird, anfangs für

Öl im Rahmen der gesetzlichen Mineralölbevorratung

für Krisenfälle und inzwischen

auch für Erdgas. Dazu wurden im Grambker

Salzstock seit Ende der 1960er Jahre

insgesamt neun sogenannte Kavernen –

riesige unterirdische, künstlich geschaffene

Hohlräume – gebaut, von denen

heute vier für die Lagerung von Erdgas verwendet

werden. Die Salzstock-Speicherkavernen

liegen in einer Tiefe von bis zu

1.650 Meter.

Der „Kavernenspeicher Lesum“, der von

der Nord-West Kavernengesellschaft für

den Erdölbevorratungsverband betrieben

wird, umfasst fünf Kavernen und dient der

Lagerung von etwa 1,1 Millionen Tonnen

Dieselöl als Teil von Deutschlands Notvorrat.

Die beiden Gasspeicheranlagen, die

jeweils gleichlautend als „Erdgasspeicher

Lesum“ bezeichnet werden, nutzen je zwei

Kavernen. Die größere Anlage hat ein

sogenanntes Arbeitsgasvolumen von etwa

158 Millionen Kubikmeter und wird heute

von der Storengy Deutschland, die zum

RUNDBLICK Frühjahr 2013

Schema einer Kaverne, die zur Zwischenlagerung

von Erdgas dient. Das angelieferte Gas wird komprimiert

und in de Kaverne eingepresst. Beim Entnehmen

findet eine sogenannte Entspannung statt

und das Erdgas muss vorm Einspeisen ins öffentliche

Netz getrocknet werden

französischen Energiekonzern GDF Suez

gehört, betrieben. Betreiber der kleineren

Gasspeicheranlage mit einem Arbeitsgasvolumen

von etwa 75 Millionen Kubikmeter

ist der Bremer Energieversorger swb.

Die Bezeichnung der örtlich in Grambke

und nicht etwa in Bremen-Lesum liegenden

drei Speicheranlagen mit „Lesum“ ist

darauf zurückzuführen, dass der Salzstock,

in dem die Kavernen geschaffen wurden,

Nur weniges lässt vermuten, welch riesige Speicher sich unter der Erde befinden

von den Geologen „Salzstock Lesum“

genannt wurde. Es handelt sich dabei um

die einzige große Ansammlung von festem

Steinsalz im geologischen Untergrund auf

Bremer Gebiet.

Lagerung von Öl und Gas

im Grambker Salzstock

Im Jahr 1969 wurde beim Grambker

Salzstock mit dem „Abbau von Salz“

begonnen und die erste Kavernenbohrung

vorgenommen. Anlass war die sogenannte

Mineralölpflichtbevorratung, die

1966 gesetzlich eingeführt wurde.

Neben dieser strategischen Ölreserve, mit

der für Krisenfälle vorgesorgt werden

sollte, wurde von 1974 bis 1981 zusätzlich

noch eine so genannte Bundesrohölreserve

aufgebaut, die bis 1997 bestand.

Hintergrund war der rapide Anstieg des

Ölpreises in den 1970er Jahren infolge

einer politisch motivierten Minderung der

Erdölförderung durch die Organisation

erdölexportierender Länder (OPEC), dem

entgegen gewirkt werden sollte. 1978

wurde der Erdölbevorratungsverband

geschaffen, dem als Pflichtmitglieder alle

deutschen Unternehmen angehören, die

Öl einführen oder verarbeiten, insbesondere

die großen Mineralkonzerne. Grundlage

war das Erdölbevorratungsgesetz, das

inzwischen mehrmals novelliert wurde. Es

besagt heute, dass der Verband für Krisenfälle

Rohöl, Ottokraftstoff (Motorenbenzin),

Dieselkraftstoff (Dieselöl), leichtes

Heizöl und Flugturbinenkraftstoff (Kerosin)

jeweils in einer Menge bevorraten muss,

die dem Verbrauch Deutschlands von 90

Tagen entspricht. Ein erheblicher Teil der

Vorratsbestände wird unterirdisch in

Kavernen gelagert, und zwar vor allem

Rohöl.

5


Eine der 58 Kavernen, die von der NWKG betrieben werden Die Anlage der Storengy Deutschland Weser GmbH

Nachdem Erdgas zuvor in den USA und

seit den 1960er Jahren auch in Europa

zunehmend an Bedeutung als Energieträger

gewonnen hat, werden Kavernen

inzwischen auch zur Speicherung von Erdgas

genutzt. Erdgas wird vor allem als Wärmeenergie

verwendet und hat deshalb

einen stark schwankenden Bedarf: Im Winterhalbjahr

ist er hoch, im Sommer deutlich

niedriger. Die Förderung von Erdgas

wird allerdings über das Jahr in der Regel

weitgehend konstant betrieben, sodass

eine Zwischenlagerung erforderlich wird,

die vor allem in unterirdischen Kavernen

erfolgt. In Zeiten mit niedrigem Verbrauch

wird es dort eingelagert und bei hohem

Verbrauch wieder in das Verteilernetz eingespeist.

Die Gaszwischenlagerung im

Untertage-Erdgasspeicher ermöglicht so

eine kontinuierliche Belieferung mit entsprechend

kostengünstigeren Lieferkonditionen

und kann zudem zur Überbrückung

von temporären Liefereinschränkungen

beitragen.

Die beiden Erdgasspeicher in Grambke

gehören zu den wenigen Speichern in

Deutschland, in denen sogenanntes L-Gas

(low-calorific gas) bevorratet wird. L-Gas,

das einen etwas geringeren Energiegehalt

als das inzwischen mehr verbreitete und

meist aus der Nordsee oder den GUS-Staaten

stammende, sogenannte H-Gas (highcalorific

gas) aufweist, hat in Deutschland

zurzeit noch einen Anteil von etwa 30 Prozent

am gesamten Gasverbrauch. Es

kommt vor allem in Niedersachsen, Bremen

und Nordrhein-Westfalen zum Einsatz.

Die Hauptfördergebiete liegen in Niedersachsen

und in den Niederlanden.

Die Herstellung von Kavernen in Salzstöcken

beruht auf der chemischen Grundlage

„Wasser löst Salz auf“ und erfolgt bei

jeder Salzkaverne, so auch bei der Grambker

Salzformation, nach dem gleichen Solprozess:

Zunächst wird eine Bohrung

gesetzt, in der zwei sogenannte, zementierte

Rohrtouren zur Stabilisierung oberflächennaher

Schichten und als durchgängige

Verbindung zum Salz eingebracht

werden. Über verschiedene, in den variablen

Rohrtouren eingebaute Rohre wird

dann kontinuierlich Wasser eingepumpt

und zugleich die entstehende Sole ständig

abgepumpt. Das feste Steinsalz wird dabei

allmählich vom Wasser ausgelaugt und

aufgelöst, sodass nach und nach ein

Hohlraum entsteht. Das Aussolen einer

Kaverne, wie Fachleute den Vorgang nennen,

dauert bis zu zweieinhalb Jahre. Die

Sole wird bei den in Norddeutschland liegenden

Kavernenspeichern meist über

Flüsse in die Nordsee abgeleitet. Bei den

Grambker Salzstock-Kavernen erfolgt dies

über eine acht Kilometer lange Solefernleitung,

die durch das Werderland zur Weser

führt und bei Lemwerder in den Fluss mündet.

Das Frischwasser wird in Nähe der drei

Betriebsplätze jeweils aus der Lesum entnommen

und in die Kavernen gepumpt.

Bei der Ölspeicherung wird das Öl dann

mit hohem Druck über ein gesondertes

Rohr in die Salzstock-Kavernen eingepumpt

und verdrängt die Sole nach unten.

Die daraufhin langsam in den Wasserrohren

aufsteigende Sole wird abgeleitet. Das

Öl verbindet sich weder mit der Sole noch

mit dem umgebenden Steinsalz, das wie

eine Tankwand wirkt, und es spült den

Salzstock auch nicht aus. Beim Auslagern

von Öl wird Wasser mit geringem Druck

durch den Befüllrohrstrang in die Kaverne

geleitet. Das „leichtere“ Öl schwimmt auf

und kann mit Hilfe von Pumpen über den

Entnahmerohrstrang an die Oberfläche

befördert werden, von wo aus es zu Tankund

Verteilungslagern weitertransportiert

wird. Bei jeder Öl-Befüllung wird die

Kaverne geringfügig mit der durch die

Wassereinleitung entstehenden Sole ausgespült

und erweitert sich etwas.

Bei der Erstbefüllung einer Salzstock-

Kaverne mit Erdgas, die bis zu einem halben

Jahr dauern kann, verdrängt hingegen

das unter hohem Druck eingepumpte Gas

die Sole, die dann abgeleitet wird. Die

Dichtigkeit und zugleich der Erhalt der

Kaverne wird durch sogenanntes Kissengas

erreicht, das ständig und mit einem

Druck von 30 bar in der Kaverne verbleiben

muss, damit der künstlich geschaffene

Hohlraum dem Gebirgsdruck standhalten

kann und nicht „sofort“ zusammengedrückt

wird. Dennoch schrumpft das Fassungsvolumen

von Erdgaskavernen kontinuierlich,

weil der Gebirgsdruck so hoch

ist, dass sich trotz des in der Kaverne verbleibenden

Kissengases der Hohlraum sehr

langsam wieder schließt.

Die in Grambke geschaffenen Kavernen

sind riesig; sie sind etwa 150 bis 300 Meter

hoch und haben einen Durchmesser von

etwa 30 bis 40 Meter. Ihr Rauminhalt

beträgt ja nach Größe 200.000 bis

300.000 Kubikmeter. Nur die sogenannten

Kavernenköpfe verraten, an welcher

Stelle auf den drei Betriebsgeländen die

Hohlräume liegen. Sie bestehen sowohl

bei der Ölspeicher- als auch bei den beiden

Erdgasspeicheranlagen aus zahlreichen

dicken Metallrohren, Ventilen, Reglern,

Druckpumpen und anderen technischen

Einrichtungen, die sich teils unter containerähnlichen

Abdeckungen verbergen

und teils offenliegen.

Insgesamt wurden neun Hohlräume in

den Grambker Salzstock gebaut. Gesehen

hat die unterirdischen Höhlen indes noch

kein Mensch, es gibt keine Zugänge. Vielmehr

sind die Kavernen komplett befüllt,

entweder mit Sole oder gemäß dem

Bestimmungszweck mit Öl bzw. Gas. Die

Kavernenspeicher unterliegen den Bestimmungen

des Bundesberggesetzes sowie

der Störfallverordnung.

Speicherkavernen

und Betreiber

Wer im Bereich des idyllischen Lesumdeiches

in Grambke einen Spaziergang

unternimmt, wird kaum vermuten, dass

sich tief unter ihm in einem Salzstock verborgene,

riesige Energiereserven befinden.

Zwischen einer Biegung des Flusses Lesum

und der Autobahn 27 liegen am Brokkampweg,

inmitten von grünen Wiesen

die eher unscheinbar wirkenden Betriebs-

6 RUNDBLICK Frühjahr 2013


Eines der unscheinbaren Gebäude

gelände der drei verschiedenen Speicheranlagen.

Außer jeweils einigen Flachbauten

und überschaubaren technischen

Anlagen geben nur die Firmenschilder an

den drei Zufahrten Auskunft darüber, was

sich dort unter der Erde verbirgt:

„Kavernenspeicher Lesum“ der NWKG

Das Betriebsgelände des Öl-Kavernenspeichers,

der von der Nord-West

Kavernengesellschaft mbH (NWKG) betrieben

wird, befindet sich am östlichen

Ende des Brokkampwegs, nahe der A 27.

Der Salzstockspeicher liegt bis zu 1.000

Meter unter der Erdoberfläche und besteht

aus fünf einzelnen Kavernen.

Im Kavernenspeicher Lesum werden

etwa 1,1 Millionen Tonnen Dieselkraftstoff

gelagert. Sie gehören zu den nationalen

Ölreserven, die vom Erdölbevorratungsverband

(EBV) als Selbstverwaltungskörperschaft

öffentlichen Rechts für Krisenfälle

vorgehalten werden. So weit diese

nationalen Notvorräte unterirdisch gelagert

werden, erfolgt dies entweder in

Eigentumskavernen des EBV oder in Kavernen,

die der EBV bei Partnern unter Vertrag

genommen hat. Betrieben werden die

eigenen Kavernen von der NWKG, bei der

es sich um eine 100-prozentige Tochtergesellschaft

des EBV handelt und die ihren

Sitz in Wilhelmshaven hat. Der Erdölbevorratungsverband,

der seinen Sitz in Hamburg

hat, unterhält insgesamt vier Kavernenspeicher,

die in Wilhelmshaven-

Rüstringen, „Bremen-Lesum“ (eigentlich

Bremen-Grambke), Heide in Schleswig-

Holstein und Sottorf bei Hamburg gelegen

sind. Diese Standorte umfassen zurzeit insgesamt

58 Kavernen, womit die NWKG

derzeit der größte Betreiber von Flüssigkeitskavernen

in Europa ist. Nach dem Vorratslager

in Wilhelmshaven-Rüstringen mit

mehr als sechs Millionen Kubikmeter Speichervolumen

ist der Kavernenspeicher

Lesum der zweitgrößte der NWKG.

Zur Entnahme des Öls können bei der

Grambker Speicheranlage durch das

Einpumpen von Wasser aus der Lesum bis

zu 400 Kubikmeter Dieselöl pro Stunde

nach oben befördert und über eine etwa

5,5 Kilometer lange Pipeline direkt zum

Hafenterminal von Weser Tanking an der

Hüttenstraße geleitet werden. In einem

RUNDBLICK Frühjahr 2013

etwaigen Krisenfall stünde das Öl so

schnell zur Verladung und zum Weitertransport

zur Verfügung. Indes sind die

Dieselölreserven in Grambke bislang noch

nie angezapft worden. Zuletzt wurde

Anfang der 2000er Jahre ein Teil des Öls

lediglich ausgetauscht, um die Ölreserve

an die damals geänderten Spezifikationen

für Dieselkraftstoff wie zum Beispiel den

verringerten Schwefelanteil anzupassen.

„Erdgasspeicher Lesum“ der Storengy

Unmittelbar neben sowie westlich von

der NWKG-Ölspeicheranlage liegt am

Brokkampweg das Betriebsgelände des

seit September 2011 zur Storengy

Deutschland gehörenden Erdgasspeichers

Lesum. Die zur Speicherung von L-Gas

genutzte Salzstock-Speicherkaverne verfügt

über 2 Kavernen, die 2002 in Betrieb

genommen wurden. Sie liegen in einer

Tiefe von bis zu 1.650 Meter unter der

Erdoberfläche und haben ein Gesamtvolumen

von etwa 205 Millionen Kubikmeter

Erdgas. Davon sind etwa 159 Mio. Kubikmeter

als Arbeitsgas nutzbar. Die übrigen

etwa 46 Mio. Kubikmeter sind Kissengas,

das zum Erhalt der Gaskaverne dient.

Der Erdgasspeicher Lesum wurde früher

von der ExxonMobil Gasspeicher Deutschland

GmbH (EMGSG) mit Sitz in Hannover

betrieben, die zur Mobil Erdgas Erdöl

GmbH und damit zum internationalen

Mineralölkonzern ExxonMobil gehörte.

2011 wurde die EMGSG an die Storengy

Deutschland Infrastructures GmbH veräußert,

eine Tochtergesellschaft der französischen

Storengy SA, die zum internationalen

Energieversorgungskonzern GDF

Suez SA gehört. Die EMGSG wurde im

September 2011 zur Storengy Deutschland

Weser GmbH umfirmiert, von welcher

der Erdgasspeicher Lesum an ein Tochterunternehmen

verpachtet wurde. Nach firmeninternen

Umstrukturierungen wird

der Erdgasspeicher heute von der Storengy

Deutschland GmbH mit Sitz in Berlin

betrieben, während die technische

Betriebsführung der Speicheranlage bei

der Storengy Deutschland Betrieb Nord

GmbH mit Sitz in Bremen liegt.

„Erdgasspeicher Lesum“ der swb

Westlich von der ExxonMobil-Gasspeicheranlage

und etwa in der Mitte des Brok-

kampwegs befindet sich das Betriebsgelände

der Gasspeicheranlage des Bremer

Energieversorgers swb AG. Die von

der swb genutzte Salzstock-Speicherkaverne

liegt in einer Tiefe zwischen 1.000

und 1.300 Meter unter der Erdoberfläche,

besteht aus zwei Kavernen und fasst etwa

92 Millionen Kubikmeter Erdgas. Davon

sind etwa 75 Mio. Kubikmeter als Arbeitsgas

nutzbar, was ungefähr acht Prozent

des jährlichen Bremer Gasbedarfs entspricht.

Die übrigen etwa 17 Mio. Kubikmeter

Gas dienen als Kissengas zum Erhalt

des Kavernenspeichers. Im Jahr 1987

wurde eine bereits vorhandene, in den

1970er Jahren für die Bevorratung mit

Erdöl geschaffene Kaverne von der swb als

Erdgaskaverne umgerüstet. 1991 wurde

eine weitere Gaskaverne gesolt, die 1993

in Betrieb ging. Betrieben wird der Untergrundspeicher

in Grambke von der swb

Netze GmbH & Co. KG, dem Netzbetreiber

der swb-Unternehmensgruppe in der

Stadt Bremen.

Die Unternehmensgruppe swb AG, die

1999 durch Umwandlung und Privatisierung

aus den früheren Stadtwerken Bremen

hervorging, versorgt über mehrere

Tochtergesellschaften die Städte Bremen

und Bremerhaven nicht nur mit Fernwärme,

Trinkwasser und Strom, sondern

auch mit Erdgas. Außerdem setzt die swb

selbst Erdgas für die Energieerzeugung ein,

wie in ihrem Heizkraftwerk in Bremen-

Hastedt, wo aus Steinkohle und Erdgas

Strom und Fernwärme produziert werden.

Zusätzlich wird das im Bau befindliche

Gas- und Dampfturbinen-Kraftwerk in

Bremen-Mittelsbüren, das so genannte

Gemeinschaftskraftwerk Bremen (GKB),

Strom aus Erdgas produzieren. Das GKB

wird von der swb gemeinsam mit vier Partnern

errichtet, die Inbetriebnahme ist

gegen Ende 2013 geplant. Das Erdgas

wird von der swb von verschiedenen

Vorlieferanten bezogen und stammt

hauptsächlich aus Erdgasfeldern in Niedersachsen,

dem Gebiet um das niederländische

Groningen und Norwegen.

Für die Zwischenlagerung nutzt die swb

ihre Erdgaskaverne in Grambke, wobei

ökonomische Gründe mit eine Rolle spielen.

Vor allem dient der unterirdische Erdgasspeicher

jedoch zur Sicherstellung der

Versorgung, wie dies auch bei den beiden

anderen „verborgenen Energiereserven im

Salzstock Lesum“ – der Erdgasspeicheranlage

der Storengy und der Ölspeicheranlage

der NWKG – der Fall ist.

Text: Horst Plambeck

Fotos: Tim Wöbbeking

Grafik: swb AG, Bremen

Quellenangabe:

Veröffentlichungen und Websites der im Artikel

genannten Unternehmen sowie des Bundesamtes

für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle

(BAFA), Eschborn – Berichte im Weser-

Kurier und in der Norddeutschen, Bremen.

7


Rausfahren, wenn andere reinkommen

Aus der 150-jährigen Geschichte der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS)

In der Elbmündung kollidieren im dichten

Schneesturm zwei Containerschiffe.

Nordöstlich von Rügen kentert im Orkan

eine Fähre in der aufgewühlten Ostsee.

Flensburger Förde: Ein Passagier auf einem

Fahrgastschiff erleidet einen Herzinfarkt.

Vor der Weser treibt ein Fischkutter

manövrierunfähig auf die gefährlichen

Untiefen der Nordergründe zu.

Hinter derartigen Fällen, die sich so oder

ähnlich Jahr für Jahr auf See zutragen, verbirgt

sich nicht selten unermessliches

menschliches Leid. Wann immer vor der

deutschen Nord- und Ostseeküste Menschen

in Gefahr sind, hilft die Deutsche

Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger

(DGzRS). Die DGzRS mit Sitz ihrer Zentrale

in Bremen ist zuständig für den Such- und

Rettungsdienst (SAR = Search and Rescue)

im Seenotfall. Die Gesellschaft führt diesen

SAR-Dienst unabhängig, eigenverantwortlich

und auf privater Basis aus. Sie kann auf

eine lange bewegte und bewegende

Geschichte zurückblicken.

Rückschau: Im November 1854 strandete

vor Spiekeroog im schweren Herbststurm

das Auswandererschiff „Johanne“. 84

Menschen ertranken in der tosenden See.

Sechs Jahre später, im September 1860, lief

die Brigg „Alliance“ auf das gefürchtete

Borkum-Riff und sank. Von der Besatzung

des Seglers überlebte niemand. Nach

Schätzungen gerieten damals jährlich mehr

als 50 Schiffe allein vor den Inseln in der

deutschen Nordsee in Seenot. Mangelnde

Organisation und Ausrüstung und das noch

ausgeübte Strandrecht verhinderten zu

jener Zeit in vielen Fällen Rettungsmaßnahmen

für Schiffbrüchige. Von solchen Katastrophen

bewegt, forderten der Navigationslehrer

Adolph Bermpohl und der Advokat

Carl Kuhlmay aus Vegesack bei Bremen

im Herbst 1860 in einem Appell an die

Bevölkerung erstmals die Gründung eines

Seenotrettungswerks in Deutschland nach

britischem und niederländischem Vorbild.

Sie fanden Mitstreiter in dem Bremer

Redakteur Dr. Arwed Emminghaus und dem

Emder Oberzollinspektor Georg Breusing.

Jener gehörte auch zu dem Kreis, der am 2.

Mit Pferden brachten die Seenotretter in den ersten

Jahrzehnten die Ablaufwagen mit den schweren

Ruderrettungsbooten an den Strand

März 1861 den ersten deutschen regionalen

„Verein zur Rettung Schiffbrüchiger in Ostfriesland“

gründete. Es folgten vergleichbare

Aktivitäten von Hamburg und Bremen

aus sowie an der Ostseeküste. Vier Jahre

darauf waren die Verfechter und Wegbereiter

eines einheitlichen deutschen Seenotrettungswerks

am Ziel: Am 29. Mai 1865

wurde in Kiel die Deutsche Gesellschaft zur

Rettung Schiffbrüchiger ins Leben gerufen.

Sitz der Gesellschaft wurde Bremen, erster

Vorsitzer der Bremer Kaufmann und Gründer

des Norddeutschen Lloyd, Konsul Hermann

Henrich Meier.

Selbstloser Einsatz

für Menschenleben

Damals wie heute ist das Fundament der

DGzRS die ständige Bereitschaft erfahrener

Seenotretter zur selbstlosen und aufopferungsvollen

Hilfe für Menschen in Seenot.

Die heute 181 fest angestellten und über

800 ehrenamtlichen Rettungsmänner und -

frauen fahren Jahr für Jahr mehr als 2.000

Einsätze – bei jedem Wetter, rund um die

Uhr. Seit der Gründung des Rettungswerks

vor fast 150 Jahren haben die DGzRS-Besatzungen

über 80.000 Menschen aus Seenot

gerettet oder aus Gefahren auf See befreit.

Allerdings: 45 Rettungsmänner sind in dieser

Zeit im Einsatz auf See geblieben.

Nur wenige spektakuläre Seenotfälle

können an dieser Stelle kurz geschildert

werden: Am 6. Dezember 1961 strandete

der englische Dampfer „Ondo“ bei einem

schweren Südweststurm mit Wind bis

Orkanstärke auf dem „Großen Vogelsand“.

Die Seenotretter holten die 65

Besatzungsmitglieder in mehreren schwierigen

Anläufen von Bord. Reste des Wracks

der „Ondo“ sind bis heute stumme Zeugen

der gewaltigen Kraft der See.

Ebenfalls im Dezember, diesmal 1984,

verhinderten die Rettungsmänner eine

Katastrophe vor Borkum: Am 2. Weihnachtstag

des Jahres geriet der zypriotische

Frachter „Blue Spirit“ mit Diesel, Gift,

Bitumen und Eisenbahnschwellen an Bord

in Flammen. Die beiden Seenotkreuzer

Im 19. Jahrhundert waren die Seenotretter noch

auf ihre Muskelkraft angewiesen, um zu den

Unglücksstellen zu kommen

GEORG BREUSING und WILHELM KAISEN

löschten in einem stundenlangen Einsatz

die immer wieder auflodernden Brände.

Die großen Gefahren von Feuer an Bord

kennt jeder Seemann: So auch die beiden

Krabbenfischer auf dem Stahlkutter

„Sigrid“, als auf ihm am 2. März 2012

offenbar nach einer Verpuffung Flammen

hochschlugen. Die Mannschaften der beiden

Seenotkreuzer VORMANN LEISS und

MINDEN löschten das Feuer und brachten

die beiden Fischer in Sicherheit.

Motoren ersetzen

Muskelkraft

In den ersten Jahrzehnten nach der

Gründung der DGzRS waren die Rettungsstationen

mit einfachen Raketenapparaten,

Hosenbojen, offenen Ruderbooten

und Segelrettungsbooten ausgestattet.

Erst 1911 begann mit der OBERINSPEC-

TOR PFEIFER die Motorisierung. Die Entscheidung,

motorisierte Einsatzfahrzeuge

nach amerikanischem und britischem Vorbild

bauen und einige vorhandene Segelrettungsboote

entsprechend umrüsten zu

lassen, glich zu Beginn des 20. Jahrhunderts

einer technischen Revolution. Üblich

war seinerzeit die Fortbewegung mit Muskelkraft

und Wind. Der Transport der in

festen Schuppen an Land stationierten

Boote zum Strand geschah mit Hilfe von

Pferdegespannen. Die Einsätze waren gleichermaßen

beschwerlich und gefährlich.

Bereits 1913 verfügte die DGzRS über

14 motorisierte Rettungsboote. Der Erste

Weltkrieg stoppte zunächst die weitere

Modernisierung. Nach dem Krieg baute

die DGzRS halbgedeckte Motorrettungsboote

mit platzsparenden und zuverlässigeren

Dieselaggregaten, die nach und

nach die älteren Rettungsboote ersetzten.

Ein großer Einschnitt war der Zweite Weltkrieg:

Mit der Teilung Deutschlands setzte

die DGzRS den Seenotrettungsdienst in

der Deutschen Bucht und in der westlichen

Ostsee fort. Dagegen war in der DDR

der Seenotrettungsdienst staatlich organisiert.

Technische Revolution: das erste DGzRS-Motorrettungsboot

OBERINSPECTOR PFEIFER, Baujahr

1911

8 RUNDBLICK Frühjahr 2013


Der Seenotkreuzer HANNES GLOGNER ist eines der modernsten Schiffe der DGzRS-Rettungsflotte Foto: DGzRS/Helmut Hofer

In den 1950er Jahren machte die DGzRS

mit der Entwicklung der schnellen Seenotkreuzer

einen entscheidenden Schritt in

Richtung zu einem der modernsten und

leistungsfähigsten Seenotrettungsdienste

der Welt. Die Spezialschiffe waren doppelt

so schnell wie die bisherigen Motorrettungsboote,

dabei unbegrenzt hochseetüchtig

und problemlos in Flachwassergebieten

einsetzbar. Vor allem zwei Neuerungen

markierten einen Durchbruch im

Bau moderner Rettungsschiffe. Zum einen

die Konstruktion als Selbstaufrichter: Die

Fähigkeit sich auch aus größter Schräglage

wieder aufzurichten, war für die Sicherheit

die Mannschaft ein unschätzbarer Gewinn

– bis heute eine grundlegende Eigenschaft

aller DGzRS-Einheiten. Zum anderen

ermöglichte das „huckepack“ mitgeführte

Tochterboot den Einsatz im Flachwasser

und erleichterte zudem die Rettung Schiffbrüchiger

aus dem Wasser. Es ist nach wie

Das Wrack der „Ondo“, gestrandet 1961 auf dem

„Großen Vogelsand“

RUNDBLICK Frühjahr 2013

vor ein unentbehrliches Hilfsmittel aller

DGzRS-Seenotkreuzer.

Mit dem Beitritt der DDR zur Bundesrepublik

Deutschland am 3. Oktober 1990

änderte sich das Einsatzgebiet der DGzRS

erneut: Hinzu kam das Seegebiet vor den

zunächst elf Stationen entlang der Küste

Mecklenburg-Vorpommerns. Außerdem

mussten die Rettungsschiffe der DDR

modernisiert werden. Die DGzRS setzte

deutliche Zeichen und stationierte den

seinerzeit modernsten deutschen Seenotkreuzer

1990 in Warnemünde.

Heute verfügt die DGzRS über 60

moderne und leistungsstarke Seenotkreuzer

und Seenotrettungsboote auf 54 Stationen

zwischen der Emsmündung im

Westen und der Pommerschen Bucht im

Osten. Die SAR-Einsätze der Schiffe werden

von der eigenen SEENOTLEITUNG

BREMEN zentral koordiniert und überwacht.

Helfen kann jeder

Die Bereitschaft der Seenotretter, uneigennützig

hinauszufahren, wenn andere

Schiffe den schützenden Hafen anlaufen,

hat sich ebenso wenig geändert wie die

Organisationsform der DGzRS: Damals wie

heute wird die gesamte Arbeit ausschließlich

durch freiwillige Beiträge und Spenden

getragen. Jeder noch so kleine Beitrag

ist darum wichtig, wenn auch in Zukunft

Menschen aus Seenot schnell und effektiv

gerettet werden sollen.

Text: Ralf Baur / Fotos: DGzRS

Weitere Informationen:

www.seenotretter.de

Kontakt: info@seenotretter.de

Spendenkonto:

Sparkasse Bremen

BLZ 290 501 01

Kontonummer 107 2016

Die Kommandozentrale in Bremen Sitz der DGzRS an der Weser in Bremen

9


Serie: Die Schulen in Borgfeld und Timmersloh

Teil 2: 1891 bis 1945

Im ersten Teil dieser Serie wurde dargestellt,

wie sich beide Schulen vom 17. bis

zum Ende des 19. Jahrhunderts entwickelt

haben. Kennzeichnend für diese Zeit war

die enge Verbindung zwischen Kirche und

Schule. So war lange Zeit der Küster

gleichzeitig der Schulmeister. Erst 1844

wurde im Bremer Gebiet die Schulpflicht

angeordnet. 1889 beschloss der Bremer

Senat, dass nunmehr die Landgemeinden

für das Schulwesen zuständig sein sollten.

Dazu wurde ein Schulvorstand eingesetzt,

dem der Ortsvorsteher, der Schulvorsteher,

einige Mitglieder des Gemeindeausschusses

und der Pastor angehörten. Vierzig

Jahre später wurde das Schulwesen zu

einer staatlichen Aufgabe.

In Borgfeld hatte die Kirchengemeinde

1881 noch eine neue Schule gebaut. Sie

erhielt vier Klassenräume, von denen

zunächst nur drei genutzt wurden, und

eine Wohnung für den Schulleiter. Borgfeld

war damals eine typische Landschule,

in der mehrere Jahrgänge in einer Klasse

unterrichtet wurden, in Klasse III die ersten

drei Schuljahrgänge, in Klasse II die Jahrgänge

4 – 6 und in Klasse I die 13- und 14jährigen

Kinder. Die Nebenstellen Timmersloh

und Lehesterdeich waren noch

lange einklassig. Die Unterrichtsqualität in

Stadtschulen galt als deutlich besser. So ist

es nicht überraschend, dass der Borgfelder

Pastor Homann 1902 seine Stelle in Borgfeld

aufgab und ein Amt in Bremen übernahm,

da seine Kinder in eine Stadtschule

gehen sollten.

1908 hatte die Schülerzahl so stark

zugenommen, dass die Anzahl der Klassen

und damit der Lehrer auf vier erhöht

wurde, sodass jetzt in jeder Klasse zwei

Schuljahrgänge unterrichtet wurden.

Als Schulleiter wirkt damals in Borgfeld

Caspar Wefing, der diese Funktion 1881

übernahm und sie mehrere Jahrzehnte

behielt. Er spielte im Gemeindeleben eine

wichtige Rolle. So leitete er ab 1881 den

Chor des Männergesangvereins Borgfeld.

Sein Nachfolger in dieser Arbeit war ab

1914 mit Fritz Rohdenburg ein Borgfelder

Lehrer.

Auf Wefing folgte Ostern 1914 Paul

Scharlach als Schulleiter. Aber schon im

August dieses Jahres wurde er zu Beginn

des 1. Weltkrieges zum Wehrdienst einberufen.

Als seine Vertreter wirkten zuerst

Wilhelm Dunkering, bis der ebenfalls bald

darauf Soldat wurde, und dann Fritz Rohdenburg.

Anfang 1916 wurde Schulleiter

Scharlach vom Wehrdienst freigestellt,

1917 aber erneut eingezogen. Kurz vor

Kriegsende wurde er schwer verwundet

und starb wenig später im Lazarett bei

Köln. Nach dem Ende des Krieges 1918

übernahm nun Wilhelm Dunkering die

Klasse mit Lehrer Wilhelm Dunkering

Schulvorsteher-Stelle in Borgfeld bis zum

Ende des 2. Weltkrieges 1945. Seine damaligen

Schüler haben unterschiedliche Erinnerungen

an ihn. Manche halten ihn für

einen strengen Lehrer, andere meinen, er

schlug nicht so oft wie andere. Mehrfach

kam es allerdings vor, dass sich Borgfelder

bei ihm über Schüler beschwerten. Darauf

reagierte er sehr empfindlich. Hatte ein

Schüler etwa „Äpfel geklaut“, gab es mit

dem Rohrstock 5 Schläge auf den Hosenboden.

Des Öfteren wurde erwähnt, dass

er regelmäßig in den Spucknapf neben seinem

Pult spuckte.

Nach der Machtübernahme 1933 durch

die Nationalsozialisten trat er der NSDAP

bei, weil er befürchtete, dass er sonst sein

Amt verlieren würde. Anscheinend war er

aber nicht aktiver Parteigenosse. Ilse Kaisen,

Tochter des späteren Bremer Bürgermeisters,

der mit seiner Familie 1933 die Stadt

verlassen musste und in Katrepel eine Siedlerstelle

übernahm, schreibt in ihrem Büchlein

„Unser Leben in Borgfeld“ nichts Kritisches

über Lehrer Dunkering. Sie berichtet

sogar: „Er hatte es nicht leicht. Er wurde

von der Behörde mit täglichen langen Telefonaten

malträtiert, mit denen man ihn

gefügig machen wollte.“ Andere erinnerten

sich, dass er oft gezittert hätte, wenn er von

seiner Frau ans Telefon gerufen wurde.

Der Druck zeigte vermutlich Wirkung.

Gut erinnern sich einige, dass am letzten

Schultag vor den Ferien und bei Wiederbeginn

alle Schüler zur Hissung der

Deutschland- und der Hakenkreuzfahne

antreten mussten. Dabei mussten beim

Singen der Nationalhymne und des Horst-

Wessel-Liedes die Schulkinder den Arm

zum Hitlergruß heben. Ließ man dann den

Arm vorzeitig sinken, wurde man von Dunkering

scharf verwarnt. Nach Ende des

Krieges wurde er nicht wieder mit der

Schulleitung betraut, da er schon im Pensionsalter

war. Zur Erinnerung an den

Straße nach

Dunkering benannt

langjährigen Schulleiter wurde in Borgfeld-

West eine Straße nach ihm benannt.

Neben dem Schulleiter waren bis 1945

auch Fräulein Martha Wilshusen, Fräulein

Charlotte Berg und Friedrich Nölting längere

Zeit als Lehrkräfte und Fräulein Faber

als Handarbeitslehrerin in Borgfeld tätig.

Die erste weibliche Lehrkraft in Borgfeld

war ab 1908 Fräulein Müller. Sie legte

besonderen Wert darauf, dass sie mit Fräulein

angeredet wurde. Sie soll eine strenge,

ernste Lehrerin gewesen sein. Dieses galt

ebenso für Fräulein Hummert, die in den

40iger Jahren erst in Borgfeld und dann in

der Holzschule am Lehester Deich unterrichtete.

Sie muss aber auch eine mutige

Frau gewesen sein, denn sie demonstrierte

mit einer kleinen Gruppe auf dem Hauptbahnhof

gegen den Abtransport der Juden

in ein Konzentrationslager. Das war damals

sehr gefährlich.

Wenn man damalige Schüler nach ihren

Erinnerungen an die Schulzeit befragte,

wurde oft zuerst genannt, womit und wie

die Lehrer und auch manche Lehrerinnen

gestraft haben, mit dem Rohrstock, dem

Zeigestock, dem Lineal auf die flache

10 RUNDBLICK Frühjahr 2013


Klasse mit Lehrerin Frl. Hummert

Hand, mit „Ohrfeigen“ und „Backpfeifen“

oder dem Ziehen an den Haaren.

In Borgfeld erteilten außer in den Kriegszeiten

vor allem Lehrer den Unterricht,

Lehrerinnen unterrichteten in der Regel

nur in den ersten Schuljahren. Es gibt

einen relativ guten Überblick darüber, welche

Lehrkräfte ab 1932 in welchen Klassen

tätig waren, da Teile der damaligen „Klassenbücher“

mit den Namen der Lehrer

und Schüler bis heute in der Borgfelder

Schule aufbewahrt werden. Leider gibt es

dabei größere Lücken, die teilweise durch

Aussagen von Zeitzeugen ausgefüllt werden

konnten.

An zwei Lehrer hatten diese besonders

lebhafte Erinnerungen. Anfang der 30er

Jahre fiel ein Lehrer dadurch auf, dass er

mehrfach in SA-Uniform zur Schule kam.

In seinem rechten Lederstiefel steckte stets

ein Rohrstock, den er des Öfteren blitzschnell

hervorzog und damit kräftig

zuschlug. In den Pausen besuchte er nicht

selten den nahen Dorfkrug. Letzteres

führte zur Freude der Schüler dazu, dass er

schon bald aus Borgfeld versetzt wurde.

Noch aufregender war ein Erlebnis im

Jahre 1937. Da erschienen mehrere Polizisten

in der Schule und verhafteten einen

Lehrer, weil er bei der Verwaltung der Gelder

für das Winterhilfswerk Gelder unterschlagen

haben soll.

Mädchen schnitten

besser ab

Im Unterricht wurde auch schon vor

1933 großer Wert auf Disziplin und Gehorsam

gelegt, dann aber noch mehr. Das

zeigte sich etwa daran, das im Zeugnis

großer Wert auf die „Kopfnoten“ gelegt

wurde, also auf die Beurteilung von Betragen,

Ordnung, Fleiß und Aufmerksamkeit.

Dabei schnitten die Mädchen in der Regel

RUNDBLICK Frühjahr 2013

besser ab. Unterricht wurde im Sommer

von 7 bis 12 Uhr erteilt, im Winter von 8 bis

13 Uhr. Die Schulkinder saßen in Zweierbänken.

Vorne gab es eine Rille für Griffel,

Bleistifte und Federhalter, daneben eine

Öffnung für das Tintenfass. Die Bänke

waren alle in Richtung Pult ausgerichtet, da

in der Regel Frontalunterricht erteilt wurde.

In den ersten Schuljahren gab es Schiefertafeln

und Griffel. Dazu musste jedes Kind

einen Schwamm in einer Dose und einen

Lappen zum Wegwischen haben.

Bis Mitte der 30er Jahre wurde die Sütterlin-

oder „deutsche“ Schrift erlernt, die

dann durch die weniger eckige „lateinische“

Schrift abgelöst wurde. Im „3.

Reich“ wurde großer Wert auf das Fach

Geschichte gelegt, in den unteren Klassenstufen

auf Heimatkunde sowie auf „Leibesübungen“.

Ab 1936 wurde es für Kinder

ab 10 Jahren Pflicht, Mitglied im Jungvolk

bzw. bei den Jungmädchen zu werden.

Bei den Hausaufgaben musste dann

Neue Schule von 1881 von der Straße aus

Rücksicht auf den „Dienst“ genommen

werden. Hin und wieder erschienen

Schüler und Schülerinnen auch in Uniform

zum Unterricht.

Überraschenderweise gab es damals

auch schon eine Schulreform. An die Stelle

der Fächer Schreiben, Lesen, Rechnen und

Sachkunde trat der Gesamtunterricht in

den ersten Schuljahren. Die Grundfertigkeiten

wurden also in Verbindung mit

einem gemeinsamen Hauptthema erlernt,

z.B. dem Thema Bauernhof. Über ein

besonderes Projekt wird aus den Jahren

1935 bis 1938 berichtet. Um Deutschland

für die Gewinnung von Seide möglichst

unabhängig zu machen, wurden in den

Schulen Seidenraupen gezüchtet. Das

geschah auch in Borgfeld. Für die Pflanzung

und Pflege von Maulbeerbäumen

sowie das Ernten der Blätter als Nahrung

für die Raupen waren die Jungen zuständig.

Die Mädchen mussten in Terrarien die

Seidenraupen betreuen und die Kokons

nach der Verpuppung ernten. Bei einer

Ausstellung 1936 zeigte die Borgfelder

Schule 12.000 Raupen. Allerdings scheint

noch vor Beginn des 2. Weltkrieges die

Zucht eingestellt worden zu sein.

Nach dem Beginn des Krieges 1939 zeigten

sich schon bald erste Auswirkungen auf

den Unterricht in Borgfeld. Jüngere Lehrer

wurden zur Wehrmacht eingezogen. Auf

dem Schulgebäude wurde eine Sirene

montiert und dann bald Luftschutzübungen

durchgeführt. 1940 begannen die

ersten Bombenangriffe auf Bremen.

Während in anderen Bremer Schulen die

Keller zu Luftschutzräumen ausgebaut wurden,

hob man in Borgfeld auf dem Schulhof

einen Luftschutzgraben in Zickzackform

aus, der durch Sandwälle zusätzlich

geschützt wurde. Als die Flugzeugangriffe

zunahmen, wurde der Graben zu einem

Bunker umgebaut, der ebenfalls diese Zickzackform

aufwies. Bei Voralarm wurden

Kinder, die in der Nähe der Schule wohnten,

nach Hause geschickt. Immer häufiger

kündigten die Sirenen Angriffe an, sodass

11


Die Schule in Timmersloh wurde 1970 aufgelöst Foto: Erwin Duwe

immer öfter Unterricht ausfiel. Mehrfach

konnten auch die Lehrerinnen nicht nach

Borgfeld, da sie selbst in ihren Wohnungen

Bombenschäden erlitten oder Bahn und

Bus nicht mehr fuhren. Als im Dezember

1943 an der Heerstraße eine große Zahl

von Bomben fiel, zersprangen alle Fensterscheiben

der Schule. Sie konnten erst nach

einiger Zeit ersetzt werden, sodass es verlängerte

Weihnachtsferien gab.

Die Zahl der Schulkinder nahm in diesem

Zeitraum deutlich zu, da ausgebombte

Familien aus Bremen hier Unterkunft

fanden. Daher wurden infolgedessen

die ersten Schuljahrgänge in zwei Klassen

geteilt. In Bremen wurden wegen der vielen

Luftangriffe die Klassen mit den Lehrkräften

nach Österreich, Bayern oder Sach-

Schulmeisterkomfort

In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg

(1939 – 1945) lag in Deutschland

alles danieder.

Die Engländer hatten, das Leben musste

weitergehen, in ihrer Besatzungszone

noch 1945 damit begonnen, in den

Gemeinden und Städten Ratsmitglieder

und für die Kreistage Abgeordnete jeweils

für eine Übergangszeit zu ernennen.

Die ersten freien Gemeinde- und Stadtratswahlen

fanden in der britischen Zone

am 15. September 1946 statt. Kreistagswahlen

waren am 13. Oktober 1946.

Nach damaliger Kommunalverwaltung

durfte sich der Ratsvorsitzende im englischen

Hoheitsgebiet Bürgermeister nennen.

Der Vorsitzende im Kreistag hieß

Landrat. Die Verwaltungen wurden von

den Gemeindedirektoren/Stadtdirektoren

bzw. vom Oberkreisdirektor geleitet. In

den kleinen Gemeinden war der Bürgermeister

fast regelmäßig ehrenamtlich auch

als Gemeindedirektor tätig und stempelte

auch in diesem Ehrenamt mit „Der Bürgermeister“.

Niemanden störte das.

sen geschickt. Für die Landschulen war die

Teilnahme an der „Kinderlandverschickung“

(KLV) freiwillig und wurde nur

vereinzelt genutzt.

Im April 1945 endete mit der Besetzung

durch englische Truppen diese Katastrophen-Zeit.

Wenden wir uns zum Abschluss dieses

Berichts der Entwicklung in Timmersloh

zu. Die Schule hier blieb bis Ende 1945 einklassig,

das heißt alle 8 Schuljahrgänge

wurden in einer Klasse unterrichtet.

Schwerhörig geworden –

nach Timmersloh versetzt

Oberlehrer war bis 1881 August Bleidorn,

der vorher Lehrer in Borgfeld war. Da er

Es waren häufig energische Männer und

Frauen, die damals in den Jahren des

Elends und der Not die Initiative ergriffen

und sich der demokratischen Verantwortung

stellten. Was sie zu Hause gelernt hatten,

das praktizierten sie auch im Ehrenamt.

Sie wussten, dass sie die Mark nur einmal

ausgeben können.

Schulmeister Z, so wollen wir ihn nennen,

bewohnte in einer kleinen Landgemeinde

die Lehrerdienstwohnung II, die

von der Gemeinde gestellt worden war. So

etwas gab es damals noch.

Z meinte nun, dass der Fußboden in seinem

Wohnzimmer gestrichen werden

müsse. Auch alte Leute hätten ihm erzählt,

dass die Fußböden in der Lehrerdienstwohnung

in den letzten 30 Jahren nur

gelegentlich mal geölt worden seien. In

allen Zimmern habe es danach dann

immer übel gerochen. „Gestunken“, hatte

der Schulmeister geschrieben.

Bürgermeister und ehrenamtlicher

Gemeindedirektor X konnte sich mit dem

Wunsch und mit dem Stil des Pädagogen

schwerhörig geworden war, wurde er nach

Timmersloh versetzt. „Dafür war er noch

gut genug“ , sagten die Timmersloher.

Er wurde nicht besonders geliebt, denn

er galt als ungerecht und misstrauisch, und

er schlug oft und ohne Grund. Eltern drohten

daraufhin mit Beschwerden bei der

vorgesetzten Behörde. 1904 übernahm

Adolf Kessemeier die Lehrerstelle und

behielt sie bis 1938. Er wurde im Gegensatz

zu seinem Vorgänger von Schulkindern

und Eltern sehr geschätzt. Er sprach

vor allem mit den Älteren Plattdeutsch und

kannte wohl alle Timmersloher Familien.

Bei Notfällen oder Problemen mit den

Behörden wurde er zur Hilfe gerufen.

Begabtere Schüler förderte er auch individuell,

sodass in dieser Zeit relativ viele

Schüler zu weiterführenden Schulen in

Bremen gehen konnten. Einer seiner

Schwerpunkte war die Musik. 1910 gründete

er den Timmersloher Gemischten

Chor und trat mit ihm bei Liederabenden

auf. Kessemeier schrieb auch zwei Theaterstücke,

die er mit Timmerslohern aufführte.

Ebenfalls ein beliebter Lehrer war ab

1938 Adolf Schauwienold. Er kam aus Bayern,

fand aber durch seine offene Art

schnell in Timmersloh Zutrauen. Er war um

einen interessanten Unterricht bemüht

und machte häufige Hausbesuche. Zu

Beginn des 2. Weltkrieges wurde er Soldat.

Zuerst vertrat ihn seine Frau, die auch Lehrerin

war. Später gab es auch mehrere Vertretungslehrer.

Insgesamt war Timmersloh von den

Kriegsfolgen weniger betroffen als Borgfeld.

Prof. Dr. Hermann Cordes

nicht anfreunden. Die Zeit stellte Aufgaben

mit mehr Gewicht. Sollte der Schulmeister

seine Hefte doch in der Küche korrigieren,

wenn ihn dabei im Wohnzimmer

der Fußboden störte. In der kalten Jahreszeit

wäre dann zudem kostensparend zum

Wohl der Lehrerfamilie auch ein Ofen

weniger zu heizen.

Trotz des Ärgers über die nicht vorhergesehene

und deshalb im Gemeindehaushalt

nicht eingeplante Schulmeisterforderung

verkannte X nicht, dass das Streichen

eines nur grob gehobelten Fußbodens in

einem Wohnzimmer nicht der allergrößte

Luxus ist. X wird sicherlich viele Wohnzimmer

in den Häusern seines Dorfes gekannt

haben.

X ließ den Gemeinderat abstimmen. Der

fasste den angeblich salomonischen

Beschluss:

„Der Fußboden im Wohnzimmer der Lehrerdienstwohnung

II wird gestrichen, …..,

aber nicht unter dem Teppich und nicht

unterm Schrank.“

Jürgen Lodemann

12 RUNDBLICK Frühjahr 2013


100 Jahre alt:

Die Lilienthaler Friedhofskapelle

Lilienthal. Über Jahrzehnte verbreitete

ihr Geläut die untrügliche Nachricht, dass

wieder ein Mensch sein irdisches Dasein

beendet hatte. Wer über ihre Schwelle trat,

tat dies mit einem Gefühl der Trauer und

Beklemmung. Denn stets war mit dem Eintreten

in den Kirchenraum auch die

Gewissheit verbunden, sich einer Gemeinschaft

von Trauernden anzuschließen, um

von einem geliebten Angehörigen oder

einem besonderen Menschen Abschied zu

nehmen. So erfüllte denn auch die Kapelle

auf dem Friedhof an der Falkenberger

Landstraße die ganz besondere Aufgabe,

Menschen für einige andächtige Momente

zum Innehalten zu bewegen und Einkehr

bei sich selbst zu halten. Mit ihrer anmutigen,

überwiegend funktionalen Architektur,

und mit den Namen der Gefallenen

zweier Weltkriege versehenen Fenstern, ist

sie für den interessierten Betrachter auch

ein Teil der jüngeren Geschichte Lilienthals.

Kaum jemand wird sich aber Gedanken

gemacht haben, seit wann denn dieses

Bauwerk für die trauernden Menschen

nicht nur einen Ort der Andacht bedeutete,

sondern auch einen Raum, der Schutz

vor Regen, Kälte und Hitze bot. Denn

früher wurde der Ablauf einer Beerdigung

anders gestaltet als heute. Es gab die

„Trauerfeier vom Hause aus“ zu Ehren der

Verstorbenen. Der oder die Tote wurde im

Trauerhaus aufgebahrt, dort meist vom

Lehrer des Ortes im feierlichen Rahmen

verabschiedet und dann von der Trauergemeinde

zu Fuß hinter dem Leichenwagen

bis zum Friedhof begleitet. Erst hier

begann dann die kirchliche Zeremonie mit

der sich anschließenden Grablegung.

Im Laufe der Zeit aber vollzog sich eine

Wandlung in diesem Ablauf; viele Trauerfeiern

wurden nur noch auf dem Friedhof

abgehalten. Die Zunahme der Einwohnerzahl

Lilienthals machte eine Aufgabe des

Friedhofes sowohl bei der Klosterkirche St.

Marien als auch bei der Truper Kapelle

unumgänglich und eine Neuanlegung an

der Falkenberger Landstraße notwendig.

Schon bald regte sich der Wunsch, hier

ein Gotteshaus zu bauen, um die begonnene

Umstrukturierung sinnvoll zu ergänzen.

Am 2. November 1912 konnte

schließlich die Friedhofskapelle eingeweiht

werden. In der Wümme-Zeitung vom

Montag, 4. November d. J., ist dazu Folgendes

zu lesen:

„Am Sonnabendnachmittag fand die

Einweihung der auf dem hiesigen Friedhof

erbauten Kapelle statt. An der Feier nahmen

mehrere Geistliche der Umgebung,

Landrat Dr. Becker, der Bauleiter, die Architekten

und Handwerker, welche an dem

RUNDBLICK Frühjahr 2013

Die eindrucksvolle Friedhofskapelle Foto: B. Richter

Bau beschäftigt gewesen sind, und viele

Gemeindemitglieder teil. Die Kapelle vermochte

alle Teilnehmer kaum aufzunehmen.

100 Personen fanden Platz auf den

Sitzbänken, mehr noch mussten stehend

der Feier beiwohnen.

Die neue Glocke auf dem Türmchen der

Kapelle kündigte den Beginn der Feier an.

Der Bauleiter, Architekt Strohkirch aus Bremen,

überreichte dem Geistlichen der

Gemeinde, Superintendent Krull, den

Schlüssel des Gebäudes und nachdem das

Tor geöffnet worden war, begaben sich

alle in den Kirchenraum. Nachdem die Kinder

und die Gemeinde Lieder gesungen,

hielt Herr Superintendent Krull die Festpredigt.

Nach Verlesung des 84. Psalms

benutzte der Redner die Worte Johannis:

,Im Namen unseres Herrn Jesu Christi, der

da war und der da ist und der da sein wird‘,

als ersten Gruß in dem neuen Gotteshause

an die Gemeinde und Freunde und alle,

die am Bau gerüstet und geholfen haben.

Der neue Raum spreche zum ersten Male

in ganz besonderer Weise zu unserem

Empfinden. Lange schon hätten viele

Gemeindemitglieder den Wunsch gehabt,

bei der Bestattung ihrer lieben Toten einen

Raum, einen Schutz für Feier und Andacht

zu haben, und in einmütiger Opferwilligkeit

sei der Beschluß, diese Kirche zu

bauen, von der kirchlichen Vertretung der

beiden Gemeinden Trupe und Lilienthal

gefaßt worden. Gottes Gnade habe von

jenem ersten Augenblick des Entschlusses

an bis zu dieser Stunde Unfall und Schaden

von dem Bau und allen daran Beschäftigten

ferngehalten. Diese hätten ihr Können,

ihr bestes Vermögen dem Bau gewidmet.

Die Gemeinde wolle allen danken, die mitgeholfen

haben, daß dieses Bauwerk nun

vollendet worden sei, daß es nun hier

stehe, nicht als Prunkgebäude, nicht als

ragender Dom, aber doch als edles, trauliches

Heiligtum, voll von besonderer

Schönheit. Fortan würden nun hier die

Glieder der Gemeinde sich sammeln. Es

solle ihnen hier eine Andachtsstätte geboten

werden, eine Stätte zu kurzer Rast der

Entschlafenen und den Gemeindemitgliedern

eine Stätte der Erbauung, damit hier,

den Lebenden zur Mahnung, den Toten

zum Gedächtnis, das Wort Gottes verkündet

werde, das Wort vom Sterben, vom

Auferstehen und vom Leben.“

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die

Kapelle für viele Jahre von der durch die

Kriegswirren angewachsenen katholischen

Gemeinde Lilienthals als Gotteshaus

genutzt.

Inzwischen mehrmals restauriert, vor

einigen Jahren mit einem neuen Türmchen

versehen, hat die Friedhofskapelle nunmehr

über 100 Jahre im Sinne der Initiatoren

und Erbauer den nachfolgenden Generationen

gedient.

Peter Richter

13


Der große Brand in Lilienthal von 1813

Lilienthal unter französischer Besatzung

Lilienthal. Obwohl die verheerende Lilienthaler

Brandnacht, bei der ein Großteil

des Ortes zerstört wurde, nun schon 200

Jahre zurückliegt, so ist das schreckliche

Geschehen heute noch ein besonderes

Merkmal in der Lilienthaler Ortsgeschichte.

Der Druck der Franzosenherrschaft, der

1803 mit der Besetzung des Kurfürstentums

Hannovers durch die napoleonische

Truppen begann, war auch in Lilienthal zu

spüren. Obwohl Lilienthal noch bis Anfang

1813 von jeglichen kriegerischen Handlungen

verschont blieb, so war es doch die

zeitweise Einquartierung durch die Fremdherrschaft

und die damit verbundenen

Repressalien, unter der die Bevölkerung zu

leiden hatte. Die neuen Herren bestimmten

durch neue Gesetze und Verordnungen den

Ablauf des täglichen Lebens. Um Ausschreitungen

zwischen den Besetzern und der

Bevölkerung zu vermeiden, wurde anfangs

sogar die Schließung aller Gasthäuser ab

9.00 Uhr abends angeordnet und alle festlichen

Veranstaltungen verboten.

Die Zivilgewalt wurde aber bald wieder

hergestellt und der Oberamtmann und neu

ernannte Justizrat Hieronymus Schroeter

konnte sogar unter besonderem Schutz des

Generalleutnants Rivaud seine astronomischen

Beobachtungen und den Kontakt mit

den Größen der Astronomie fortsetzen.

Die Jahre 1805/06 waren sehr wechselhaft.

Die Besatzer kamen und gingen.

Anfangs waren es die Franzosen, die das

Land besetzten, dann kurzzeitig die

Preußen durch die Übernahme des Kurfürstentums

Hannovers und dann, nach der

verlorenen Schlacht der Preußen gegen die

Franzosen, wieder die Franzosen. Aber auch

in den Folgejahren war die Fremdherrschaft

mit den Einquartierungen, den Rekrutenaushebungen

sogar für das Amt Lilienthal

durch die Einführung des Code de Napoleon

zu einer schweren Bürde geworden.

1810 kam die große

Gebietsveränderung

Das Amt Lilienthal, dem Department

Wesermünde zugehörig, wurde Kanton mit

drei Mairien (Lilienthal, St. Jürgen, und

Worpswede) im Königreich Westfalen. Und

im Februar 1811, nachdem nun auch das

Königreich Westfalen dem französischen

Kaiserreich einverleibt worden war, erhielt

das Amt Lilienthal die Mitteilung, dass Kaiser

Napoleon das Amt Lilienthal dem Grafen

und Kultusminister Bigot de Prèameneau

geschenkt habe und dass der Graf das

Amt zu verpachten wünsche. Schroeter, der

ohnehin schon im September 1810 als

Oberamtmann in den Ruhestand versetzt

worden war, verließ nun schleunigst seinen

Wohnsitz im Amtshof und richtete sich in

Die Truper Kapelle Foto: Rupprecht Knoop

dem von ihm früher erworbenen Hof auf

dem Hohenlande (heute Amtmann Schroeter

Haus) ein. Für die Amtsgeschäfte wurde

sein Sohn Johann Friedrich, der unter anderem

durch die Fürsprache von Olbers vom

Militärdienst befreit worden war, bestimmt.

Hieronymus Schroeter hingegen widmete

sich in aller Stille und Zurückgezogenheit ,

bis zum Ende der französischen Besetzung,

nur noch seinen astronomischen Beobachtungen.

1812 begann dann der

große politische Wirrwarr

Obwohl der Rückzug der geschlagenen

französischen Armee aus Russland, verfolgt

von der großen Befreiungsarmee, schon

den Beginn der Freiheit ankündigte, erhielten

die Maires immer wieder strenge Weisungen,

sich an der Suche von Deserteuren

zu beteiligen und junge Leute für Napoleons

Armee zu rekrutieren. Anfang März

1813 wurde bereits Berlin von den Franzosen

befreit. Der Rückzug der französischen

Truppen nach Westen ging weiter. Kleinere

Einheiten der Kosaken unter Führung des

russischen Generals Tettenborn mit einigen

Hanseaten kamen schon bis nach Ottersberg

und in kleineren Abteilungen noch

weiter bis nach Lilienthal und Achim.

Es war am 15. April 1813, am Gründonnerstag,

als die ersten Kosaken mit einigen

Hanseaten aus der Befreiungsarmee in Lilienthal

erschienen, um die in Borgfeld liegenden

französischen Vorposten anzugreifen.

Abends verzogen sie sich dann wieder,

kamen jedoch am nächsten Tag mit einer

verstärkten Einheit zurück, um die Franzosen,

die sich hinter dem Warfdeich verschanzt

hatten, erneut anzugreifen.

Dabei benutzten einige der Kosaken

Vogelflinten mit gehackter Bleimunition,

Inschrift über dem Eingang Foto: Rupprecht Knoop

was beim Militär überhaupt nicht üblich

war, sodass die Franzosen, nach der Art

ihrer Verwundungen, annahmen, sie seien

auch von Lilienthaler Einwohnern angegriffen

und beschossen worden.

Diese irrige Meinung löste bei den Franzosen

arge Verbitterung aus, und General

Vandamme, als oberster Kommandeur der

französischen Truppe im Raum Bremen, soll

nach Vorlage des Berichtes sofort bestimmt

haben, die Einwohnern Lilienthals durch die

Zerstörung einiger ihrer Häuser dafür züchtigen

zu müssen. Doch bis der endgültige

Befehl zur Durchführung einer solchen

militärischen Aktion kam, vergingen noch

einige Tage und die Kosaken und die Franzosen

lieferten sich weiterhin an der

Wümmebrücke kleinere unbedeutende

Gefechte.

Am 2. Ostertag hatten sich die Kosaken

wieder zurückgezogen und die Franzosen

waren wieder in Lilienthal eingerückt, um

nun die Lilienthaler Einwohner, Trupe und

Truperdeich mit eingeschlossen, zu entwaffnen.

Jeder der Einwohner gab daraufhin

gewissenhaft seine Flinte ab, die dann zum

Abtransport auf einen Wagen geladen wurden.

Doch dazu kam es nicht. Die Kosaken,

die sich nicht weit von Lilienthal entfernt

hatten, kamen zurück und griffen die Franzosen

erneut an, die auch unverzüglich die

Flucht ergriffen. Danach zogen sich die

Kosaken, es war der 20. April 1813, gänzlich

zurück.

In der Nacht zum 21. April, kaum war die

Mitternacht vorüber, wurden die schlafenden

Einwohner durch ein heftiges Gewehrfeuer

aus nahezu 600 Büchsen aufgeschreckt.

Einige Hundert Mann französischer

Linieninfanterie waren auf Befehl des

Generals Vandamme von Borgfeld aus in 3

Abteilungen angerückt, um den geplanten

Racheakt, den großen Brand von Lilienthal,

auszuführen. Die eine Abteilung nahm sich

die Häuser an der Warf vor, die anderen beiden

Abteilungen Lilienthal und Trupe. In

Trupe wurde auch das Pfarrhaus, die Truper

Kirche und das Schulhaus völlig niedergebrannt.

Auch Lilienthal brannte. Von der

Wörpebrücke, zur Warf bis tief in den Ort

hinein wurde jedes Haus niedergebrannt.

Auch das Amtshaus fiel diesem Wahnsinn

14 RUNDBLICK Frühjahr 2013


Französische Soldaten belagern Lilienthal, dargestellt im Jubiläumsjahr 1932 Foto: Julius Frank

zum Opfer. Nur die Kirche und die Schroetersche

Sternwarte blieben von dem Brand

verschont.

Die Franzosen wollten den Einwohnern

noch weiteres Leid antun. Sie nahmen von

den Männern gefangen, wer ihnen gerade

über den Weg lief. Auf der Schweineweide,

zwischen Borgfeld und Lilienthal, stellten

die Franzosen einige Gefangene auf, die

erschossen werden sollten. Doch dank

eines mutigen Lilienthalers, der in französischer

Sprache vermitteln konnte, wurden

RUNDBLICK Frühjahr 2013

die Gefangenen erst einmal zum Verhör

nach Bremen gebracht. Dann stellte sich

jedoch bald heraus, dass die Lilienthaler

gänzlich unschuldig waren und man setzte

die Gefangenen bald wieder frei. Nach dem

Brand ließen sich keine Kosaken in Lilienthal

mehr sehen und es konnte, ganz abgesehen

von der großen Zerstörung, wieder

etwas Normalität eintreten. Erst im Herbst

1813 rückten die Verbündeten in Bremen

ein. Die endgültige Befreiung kam aber

dann im Frühjahr 1814, nachdem auch die

Siegel vom 8. Mai 1505, rund, aus grünem Wachs,

die außen umlaufende Schrift lautet: S[igillum]

johan van der trupe. Es hängt an einem Pergamentstreifen,

das inliegende Wappen ist von links

oben nach rechts unten durch eine gerade Linie

geteilt, Johann van der Trupe ist zu dem Zeitpunkt

Bremer Bürger

Festungen Hamburg und Magdeburg

befreit wurden.

Heute erinnert nur noch die Inschrift

über der Eingangstür der Truper Kirche an

die Franzosenzeit, und die große Wümmebrücke,

im Volksmund Franzosenbrücke

genannt, die Anfang November 1813 von

den Russen zum Teil gesprengt wurde, um

den aus der Festung Hamburg abziehenden

Franzosen den Weg nach Bremen zu versperren.

Rupprecht Knoop

Kaum bekannt: Truper Wappen und Siegel

Lilienthal. Im Jahr 2000 hat Hans G.

Trüper in seinem Buch „Ritter und Knappen

zwischen Weser und Elbe“ in einem

Katalog mit über 500 Wappen auch zwei

Exemplare der Bremer Ratmannenfamilie

van/von der Trupe vorgestellt.

In der Abteilung „Siegel“ des Staatsarchivs

Bremen werden zwei Stücke mit

besonderer Bedeutung für Lilienthal

bewahrt. Der ehemalige Bremer Bürgermeister

Johann Trupe, dessen Familienname

im Jahr 1505 noch „van der Trupe“

Hinweis:

„Mit Napoleon nach Russland

– Die französische

Herrschaft im Elbe-Weser-

Dreieck“

Vortrag von Dr. Hans-Eckard Dannenberg,

Historiker, Landschaftsverband

Stade

Termin: 23. April 2013, 20.00 Uhr

Ort: Worpsweder Rathaus, Ratsdiele,

Bauernreihe 1

Veranstalter: Arbeitskreis Kultur Worpswede

in der GEWO

lautet, nutzte das eine Siegel noch als Bremer

Bürger, das andere während seiner

Amtszeit als Bürgermeister von 1512 bis

1531. Auffällig ist, dass beim Siegel aus

dem Jahr 1520 nur noch das Wappen

ohne Umschrift zu sehen ist, zu dieser Zeit

benutzte er nicht mehr das Adelsprädikat

„van der“ vor dem Familiennamen.

Die Ableitung des Familiennamens van

der Trupe vom gleichnamigen Ort Trupe,

jetzt Teil von Lilienthal, ist unbestritten.

Harald Steinmann

Dieses Siegel vom 19. Mai 1520 hat eine runde

Form und ist aus braunem Wachs. An einem Pergamentstreifen

anhängend sieht man in der Mitte

ein Wappen, das von einer Welle durchlaufen wird,

und zwar wieder von oben links nach unten rechts,

der Rand weist umlaufend Verzierungen auf. Inhaber

ist der Bremer Bürgermeister Johan Trupe

15


„Nee´e Padden för de nedderdüütsche Spraak“

Der „Heinrich-Schmidt-Barrien-Preis“ 2013

Der Heinrich-Schmidt-Barrien-Preis wird

seit dem Jahr 2000 verliehen.

Die Preisträger, die ab 2007 vom Freundeskreis

„Dat Huus op´n Bulten e.V.“ in der

Kirche in Lilienthal-St.Jürgen ausgezeichnet

wurden, waren die Musik-Kabarettistin und

Fernsehmoderatorin Ina Müller, der Autor

und Pädagoge Jürgen Ludwigs aus Lilienthal-Worphausen,

„De Filmemoker“ aus

Sulingen mit ihren plattdeutschen Science-

Fiction-Filmen, der plattdeutsche Pastor

und Autor Dr. Heinrich Kröger aus Soltau,

„De Plattmüüs“ der „Scharmbecker Speeldeel“,

die plattdeutsche Elektro-Hip-Hop-

Band „De Fofftig Penns“ (50-Penns) und in

diesem Jahr die plattdeutsche Autorin Birgit

Lemmermann aus Rotenburg an der

Wümme.

„Heinrich Schmidt-Barrien (1902 – 1996)

höört to de meist kennten nedderdüütschen

Schrievers in den Noorden vun Düütschland.

Ut de Sicht vun enen, den Bodendenkmalen

pleegt hett, as Schriever vun

Dramas un Höörspelen, as Sammler vun

Leder, as Snacker in´t Radio, as de Böverste

vun de Kulturafdeel vun de Böttcherstraat

in Bremen un ok as enen vun de Grünners

vun dat Institut för Nedderdüütsche Spraak

keek he in un op de Welt un möök Lituratur

vun dat, wat he finnen dee. He hett jümmers

dat Eernsthaftige mit Achtersinnig´s

mengeleert, op Platt un op Hoch. Siene

Novellen, de Romanen, siene Sakentexten

oder dat, wat he to´n Ünnerholen schreven

hett, wiest Mannigfaltigkeet un Karaasch in

sien Ümgahn mit Spraak.“

„Mit den Pries, de na em nöömt is, warrt

Minschen uttekent, de dor an warken

doot, de nedderdüütsche Spraak to beleven

un de nee´e Padden inslaat, mit disse

Spraak ümtogahn, of dat nu schreven,

snackt oder sungen is.“ So heißt es im

Urkundentext vom Freundeskreis „Dat

Huus op´n Bulten“ und vom Schirmherrn,

dem Bürgermeister der Gemeinde Lilienthal,

der seit 2007 mit dem Preis Geehrten.

In der Begründung der Jury heißt es:

„Birgit Lemmermann is de kreativste

plattdüütsche Autorin in uns Tiet. Ehr

Prosa is vull Fantasie, ehr Lyrik verbinnt

depe Geföhlen mit Spraakkraft. Vörallen

aver: Birgit Lemmermann hett dat plattdüütsche

Kinnerbook sien Rang geven.

Ehre „Emil“-Böker gellt hüüt as Klassikers.

Se sünd Grundlaag un Vörbild för all de

annern Kinnergeschichten, de wi in de

Hand nehmen köönt. Mit „Ebbe un Hehn“

hett se den eersten richtigen plattdüütschen

Jugendroman schreven. Un to den

Text hett se, jüst as bi „Emil“, ok de Biller

sülvst dorto maakt.

Birgit Lemmermann hett Kraasch: Se

schrifft över Saken, de dat vörher so op

Platt noch nich geven hett. Se waagt sik

Nach der Preisverleihung, vorne von links: Willy Hollatz (Bürgermeister Lilienthal), Jürgen Ludwigs (Preisträger

2008), Birgit Lemmermann (Preisträgerin), Heiner Egge (Laudator), Dr. Heinrich Kröger (Preisträger

2010), hinten von links: Bernd de Reese (Plattdeutsch-Lehrer der “Fofftig Penns”, Preisträger 2012), Heinz

Behrens (Kirchenvorstand St.Jürgen), Christa Kolster-Bechmann (Jury-Mitglied), Johannes Rehder-Plümpe

(Moderator und Jury-Mitglied)

dat, un se maakt dat goot. Man se steiht ok

mit beide Been fast op de Eer. Un se weet,

woneem se henhöört: Na de Gegend twüschen

Werser un Elv. – Birgit Lemmermann

steiht mit ehr Schrieven un ehr Persönlichkeit

för de nee´e plattdüütsche Literatur,

de in Tokunft noch veel to seggen hett.“

Birgit Lemmermann wurde 1962 in

Ahlerstedt auf der Stader Geest geboren

und wuchs dort auf. Sie machte in Buxtehude

das Abitur und studierte dann in Hessen.

Ab 1991 war sie Lehrerin an der Waldorfschule

in Ottersberg. Heute arbeitet

sie als Kunst-, Sport- und Werklehrerin am

Ratsgymnasium in Rotenburg an der

Wümme, leitet dort die Plattdeutsch-AG

und lebt in Unterstedt bei Rotenburg.

Mit dem Schreiben auf Platt hat Birgit

Lemmermann nach 1992 angefangen. Sie

wollte ihren Sohn Plattdeutsch aufziehen,

jedoch gab es kaum Kinderbücher auf

Platt. So fing sie an, selber welche zu

schreiben. Es wurden vier Kinderbücher

und ein Jugendbuch.

Reinhard Goltz vom Institut für Niederdeutsche

Sprache (INS) in Bremen schreibt

an diesem Punkt weiter: „Angefangen hat

alles mit „Emil“, dem kleinen Bären, der wie

ein Kind denkt, fühlt und handelt – das erste

plattdeutsche Kinderbuch. In „Ebbe un

Hehn“ geht es um das Erwachsenwerden,

da werden Werte und Rollen freundlich

aber nachdrücklich in Frage gestellt. Mittlerweile

überwiegen die Texte für Erwachsene

– aber dann kommt wieder die unbändige

Lust am Fabulieren für Kinder durch:

Erst im vergangenen Herbst legte die Autorin

mit „Black Hex“ ein anregendes und

wunderschönes Kinderbuch vor.“

Und so heißt es in der Einladung des

Freundeskreises „Dat Huus op´n Bulten“

und der Gemeinde Lilienthal zur Preisverleihung

im Februar 2013: „Unangepasst und

fantasiereich – das ist Birgit Lemmermann.

Als Lehrerin, als Autorin, als Mensch. Ihr

schriftstellerisches Werk besticht durch Vielfalt.

Die 50-Jährige findet für alle den richtigen

Ton: für Kinder, für Jugendliche, aber

auch für erwachsene Leser. Mit großer

Leichtigkeit brilliert sie in ihren Kindergeschichten,

sie hat einen überzeugenden

Jugendroman vorgelegt, hat sich an einer

Kürthy-Übersetzung erprobt, hat Lyrik von

psychologischer Tiefe und beachtlicher

Sprachkraft geschrieben. – Sie zeichnet

Menschen von heute aus der Mitte der

Gesellschaft. Und sie gestaltet ihre Bücher

wenn möglich selbst.“

„Im Elbe-Weser-Dreieck zählt sie längst

zu den erfolgreichsten plattdeutschen

Autorinnen. Doch man kennt sie weit über

ihre engere Heimat hinaus.“

2004 errang sie beim Freudenthal-Preis

den dritten, 2007 den zweiten Platz, 2008

den Förderpreis und 2012 erhielt sie den

„Freudenthal-Preis“. 2006 erreichte sie bei

einem Schreibwettbewerb von „Vertell

doch mol“ beim NDR den ersten Preis.

2007 erhielt sie im September den „Lüttjepütt-Pries“,

im November den Preis für

das „Plattdeutsche Buch des Jahres“ und

2011 den „Klaus-Groth-Preis“.

Und weiter mit Goltz: „Dass Birgit Lemmermann

nun für ihr abwechslungsreiches

und immer überraschendes Werk mit dem

„Heinrich Schmidt-Barrien-Preis“ ausgezeichnet

wird, ist nur konsequent.“

Text: Johannes Rehder-Plümpe

Foto: Erwin Duwe

Quelle: Internet-Recherche und eigenes Archiv

16 RUNDBLICK Frühjahr 2013


Heinrich Schmidt-Barrien

* 19. 1. 1902 Uthlede, † 9. 12. 1996 Lilienthal, Freier Schriftsteller

Eine persönliche Rückbetrachtung

Sein kräftiges, „Kumm rin!“ klingt mir

noch heute in den Ohren, wenn ich gelegentlich

durch Frankenburg fahre, wo das

alte Reetdachhaus neben der Straße auf

einem Bulten thront. Dort fühlte er sich,

umsorgt von seiner Ehefrau Katrin, auch

noch in seinen letzten Lebensjahren so ausnehmend

wohl:

„Hier sind wi bestallt, solang dat Gott

gefallt“, ließ er als Hausspruch über der Tür

schnitzen. Wenn ich ihn besuchte und in

leicht gebückter Haltung durch die Seitentür

auf die Diele trat, umfing mich

sogleich diese anheimelnde Atmosphäre,

durchsetzt von einem hauseigenen Geruch,

der mir schon wohlig vertraut war. Zumeist

saßen wir uns in der Dons, der „Guten

Stube“ gegenüber, tauschten zunächst einmal

aus, was uns neuerlich bewegte, und

wurden in der Regel gleich darauf mit Kaffee

oder Tee und Gebäck verwöhnt. Es

schien immer so, als ob die Hausfrau zaubern

konnte. Mobiliar, Bilder und was uns

sonst noch umgab, bestand aus liebevoll

ausgesuchten Dingen, unter denen sich

auch manch kostbare Antiquität befand.

Und dann reizte mich immer wieder der

Blick durchs Blumenfenster in den wunderhübschen

Bauerngarten, der, von ihr ständig

gehegt und gepflegt, Frau Katrins

ganzer Stolz war.

Heinrich zeigte sich mir als ein väterlicher

Freund, mit dem mich ein prägendes

gegenseitiges Vertrauen verband.

Er gehörte zu den wenigen Literaten in

unserer Heimatregion, die beachtliche

Werke in beiden Sprachen, Niederdeutsch

und Hochdeutsch, zu Papier brachten.

Romane, Novellen, Hörspiele und vielerlei

volkskundliche Beiträge entstammen seiner

Feder. Als Heimatdichter wollte er sich aber

ganz und gar nicht verstanden wissen.

Bis kurz vor seinem Tode saß er stets in

den Morgenstunden im Arbeitszimmer an

seiner Schreibmaschine und schrieb, was

ihn literarisch bewegte. Scherzhafterweise

erzählte er mir einmal, dass seine Katrin ihn,

als er tatsächlich eines Tages verschlafen

hatte, lautstark mit den Worten weckte:

„Heinrich, steh‘ auf, du musst dichten!“

Neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit

fungierte er als Sprecher bei Radio Bremen,

profilierte sich als Bodendenkmalpfleger

und war lange Jahre Baas (Vorsitzender)

beim „Plattdeutschen Kring“ in Bremen.

Als ihm im Jahre 1954 der Bremer Literaturpreis

verliehen wurde, hielt sein von ihm

so geschätzter Freund Rudolf Alexander

Schröder die Laudatio im altehrwürdigen

Rathaus und beendete sie mit den Worten:

„Lieber Freund und Meister Schmidt-Barrien,

die Deutschen verfügen über zweierlei

Arten von Ruhm. Die eine ist der frühe

RUNDBLICK Frühjahr 2013

Jugendruhm, dem dann sehr oft beim

Autor wie beim Publikum der moralische

Katzenjammer nachfolgt. Die andere ist der

späte Ruhm. Er kann sehr lange auf sich

warten lassen. Da steht denn vor ihm ein

per aspera ad astra. Nun, was das betrifft,

bekenne ich mich zum Sternenglauben

Ihres Abdul Fortunas und seines Schülers

Thomas Krut und sehe für Sie und Ihr Werk

einen Abendhimmel voller Sterne voraus.“

Schmidt-Barrien war zeitlebens ein konsequenter

Verfechter der Reinheit unserer

niederdeutschen Sprache, erforschte ihre

Geschichte und beharrte auf Regeln in Aussprache

und Rechtschreibung. Bei Verstößen

konnte er in seiner spontanen Kritik

oft sehr ungehalten und sichtlich gnatterig

reagieren. Ich war Zeuge, als er einmal

einen Vortragenden jäh unterbrach und

ihm zurief: „Dat heet nich Scharmbäkk, dat

heet Scharmbeek. Im Plattdeutschen gilt

das Dehnungs-c!“

Lyrische Gedichte finden sich höchst selten

in seinen Schriften. Man muss sie förmlich

mit der Lupe suchen. Deshalb noch

schnell diese Rarität:

Sommerdag

Dat Gras is gröön, de Roggen hell,

Blaublomen staht un bleuht.

Oh, Sommerwind, vertell, vertell!

Kummt bald de Lee un meiht?

Mien Kleed is gröön, mien Haar is hell,

Blauogen gaht na mi.

Höörst du den Wind m't Koorn, Gesell?

Singt he von mi un di?

Dien Gaarn is gröön, dien Dag is hell,

de Heben hoch un blau.

Den Wind, noch höörst du em in’t Feld.

Bald fallt de Abenddau.

Die uralte Kirche in St. Jürgen, die in

ihrem strahlenden Weiß wie ein Leuchtturm

als Wahrzeichen im „Meer der Gräser“

wacht, zählte zu seinen Lieblingsorten. Dort

auch auf dem stillen Kirchhof fand er seine

letzte Ruhestätte. Ich erinnere mich noch

deutlich an jenen Herbsttag, als wir beide

hier anlässlich eines Fototermins alte Grabsteine

aufsuchten und er plötzlich den Arm

ausstreckte und mir anvertraute: „Kiek,

Jägersmann, daar will ick mal liggen.“

Es vergeht kein Jahr, in dem ich nicht

wenigstens einmal in St. Jürgen weile. Ein

tiefgründiger Zauber scheint über dieser

einsamen Stätte zu liegen. Dieser so

bedeutsame Ort unserer Heimatgeschichte

motiviert mich mit meiner Fotokamera

ständig aufs Neue. Ein Blick auf Heinrichs

Grab, ein kurzes Innehalten und im gleichen

Augenblick die unweigerliche Einbildung,

ihn wieder vor mir stehen zu seh’n,

wie er mir mit einem einladenden Wink

zuruft: „Kumm rin!“ Wilko Jäger

Jan Heinerich Heinerich

Sien un Schien

„Bo mi doch mal en lütten Schuppen“, see

Mama an Papa. Sowat müss se woll hebben,

för de Harken un ehren Platthaker un de anner

Saken för den Gaarden. Ik kunn dat al sehn,

disse Schuppen schull ok dögen, ehr Instellen

to de Welt to wiesen. Allens Öko, typisch Ma.

Un se dach ok, dissen lütten

Schuppen kunnen wi,

dat heet, ehr Keerl, jo sülvst

maken. Oolt Boholt, en paar

Dören vun ’n Sparrmüll un

den buntig anmalen. „Köst

meist nix un süht individuell

ut“, see Ma. Un: „De

Ferdig-Gaardenhüüs ut en

Kataloog, de mag ik woso

nich lieden. De hebbt de Navers allemann.“

Oolt Holt harrn wi noog, denn wi, dat heet,

mien Öllern, de sammelt egens allens. Dorför

weer so en Schuppen allemalen goot to bruken,

as dröög Lager för all jüm ehren Schiet.

Dat döög as Argument för Papa. De egens

keen Praktiker is, wat en aver as Kind beter

nich seggt, to en Papa. Ik denk, en Minschen

kann an sien Opgaven wassen. Hebb ik aver

ok nich luut seggt.

Un denn weern twee Wekenennen för den

Familienfreden perdü. De Ollen kregen sik

över den rechten Pleck för den Schuppen in

de Wull, dat Sagen vun dat Holt köst mienen

Vadder acht nee Saagblädder un denn en nee

Stichsaag dorto, ik wull nich mehr mit Papa

snacken, wieldat he mi nich sagen leet, un in

de Köök brenn Mama de nee Pann swatt, as

se wat dorto seggen wull. As de Eckpielers fast

stünnen, kreeg mien Papa den Gevel op ‘n

Dööz un as dat hele Dings torecht weer, pass

de Döör nich. De Finsters harrn se ok vergeten,

man dat maakt woll nix: Wat bruukt en

Hark Licht för?

Güstern Avend is mien Vadder torecht worrn.

Aver schöön is dit Schuppendings egens

nich,un ok nich bannig individuell. Ik holl mienen

Babbel. Minschliche Motivatioon dröffst

du nich angriepen. Blangenbi laat sik woso al

so veel Öllern scheden.

Ik glööv, Mama töövt nu op den Wedderbericht.

Störm schall dat geven, un Störm,

soveel kann ik sehn, hollt disse Schuppen nich

alltolang ut. Un wenn doch, denn geiht, glööv

ik, mien Mudder mit en Vörslaghamer in ’n

Gaarden, wenn Papa bi sienen Football is.

Nu bün wiss ik an de Tuur. Dat se blots allebeide

mien Öllern blievt. Enen lütten Schuppen

för de Hark warrd ik woll kriegen. Mien

Grootöllern, de hebbt dat geern en beten ornlich

in unsen Gaarden, dat dat ok wat hermaakt,

för de Lüüd. De möögt disse Gaardenhüüs

ut en Kataloog lieden. Ik ok. Un Mama

hett bald Boortsdag.

Birgit Lemmermann

17


Vor 100

Jahren ...

Heimatrückblick:

Presseberichte von

Januar bis März 1913

Das neue Jahr hat begonnen. Aber im

Gegensatz zu unserer Zeit ist dies vor einhundert

Jahren nichts, was besonders hervorgehoben

oder gefeiert wird. Zu sehr

sind die Menschen damals damit beschäftigt,

ihr tägliches Auskommen zu sichern.

Gefeiert wird aber auch: Die Einladungen

zu den traditionellen Bällen der verschiedensten

Vereine als jeweiliger Höhepunkt

des Vereinslebens nehmen in der Anzeigenlandschaft

einen breiten Raum ein und …

Kaisers Geburtstag. Die Würdigung dieses

besonderen Tages zeigt uns heute, wie

damals mit Euphorie und großem Respekt

der Person Wilhelms II. Anerkennung auch

in der Provinz gezollt wurde. – Die Berichte

zu den Ereignissen werden ausführlicher

und damit informativer. Für die Bewohner

der Moorgebiete östlich Bremens stehen

Veränderungen an, von denen sie in der vor

ihnen liegenden Zeit besonders betroffen

sein werden…

Neues Moorschutzgesetz

Landkreis. „Es wird uns geschrieben: Der

Entwurf des neuen Moorschutzgesetzes ist

für diejenigen Gegenden, in denen Moor

vorkommt, von besonderem Interesse. Der

Entwurf bestimmt, daß Moorgrundstücke

in Zukunft, soweit es das Gemeinwohl verlangt,

zur Gewinnung von Torf nur in der

Weise benutzt werden dürfen, daß die

Möglichkeit ihrer späteren land- und forstwirtschaftlichen

Benutzung gewährleistet

ist. Nach der dem Gesetzentwurf beigegebenen

Begründung soll der regellose Torfstich,

welcher nicht an der Bank entlang

oder an der Wand entlang geschieht, in

Zukunft nicht mehr gestattet sein, ferner

nicht das Torfstechen bis unter den Wasser-

18

spiegel. Mit der ersteren Beschränkung

wird man einverstanden sein können;

dagegen ist es doch bedenklich, ´das Torfstechen

bis unter den Wasserspiegel´ zu

verbieten. Es ist im Niederungsmoor üblich,

den Torf in der Weise zu gewinnen, daß

man Kuhlen bis zu 3 Meter Tiefe gräbt und

aus diesen Torf ausschachtet, so daß nachher

die Kuhlen voll Wasser stehen, bis sie im

Laufe der Jahre wieder zuwachsen. Es gibt

im Niederungsmoor viele Torfstichrechte,

welche von Moorarbeitern für teures Geld

gekauft sind, in dem Vertrauen darauf, daß

der Torf 2 – 3 Meter tief ausgegraben werden

dürfe. Wenn ihnen dies in Zukunft

nicht mehr gestattet ist, so werden sie auf

das empfindlichste geschädigt. (…) Die

Interessenten müssen nun, nachdem der

Entwurf in dritter Lesung angenommen

worden ist, versuchen, daß sie bei Ausführung

des Gesetzes im Kreise ihr Recht

geltend machen.“

Bremen: Zuschüttung

des Torfbassins?

Bremen. „ Die Zuschüttung des Torfbassins

vor der Neukirchstraße im Findorff-

Viertel ist in der letzten Zeit wiederholt in

interessierten Kreisen, auch in der Bürgerschaft,

zur Sprache gebracht worden. Das

gibt Veranlassung, einmal durch ziffernmäßige

Belege darzutun, in welchem

Umfange die Anfuhr des Torfes in Schiffen

allmählich nachgelassen hat. Der meiste

Torf gelangt bekanntlich jetzt auf Fuhrwerken

oder mit der Kleinbahn in die Stadt;

außerdem wird jetzt sehr viel weniger Torf

gebrannt als in früheren Jahren. In den Jahren,

als das Torfbassin fertiggestellt wurde

(1873 – 74), wurden auf dem alten Torfkanal,

der bei der Schleifmühle endigte, etwa

15 000 Schiffe im Jahr gezählt, auf dem

neuen Torfkanal 17 000. Das Verhältnis

blieb ungefähr das gleiche bis zum Jahre

1881; dann aber sanken die Zahlen von

Jahr zu Jahr. 1891 wurde der sogenannte

Kuhgraben an der östlichen Seite des Bürgerparks

zugeschüttet, darauf die Parkallee

angelegt und nach und nach bebaut. Der

gesamte Verkehr der Torfschiffe übersiedelte

dann nach dem Torfbassin an der

Neukirchstraße. Um zu zeigen, wie sehr der

Verkehr seit jener Zeit nachgelassen hat,

fügen wir die Zahl der bei Kuhsiel durchgeschleusten

Schiffe an: 1902: 9280; 1903:

8167; 1904: 6293; (…); 1911: 1567; 1912:

1896. Bei dem Torfschiffverkehr über Kuhsiel

ist der Rückgang besonders auffällig.“

Weser-Vertiefung

nicht unproblematisch

Landkreis. „ Zur Weservertiefung erhalten

wir aus sachverständigen Kreisen eine

längere Zuschrift, in der betont wird, daß

die weitere Vertiefung der Unterweser auch

für die Besitzer der Wiesen und Weiden an

den Hamme-, Wümme- und Lesumniederungen

großen Schaden mit sich bringe.

Schon jetzt steht in den Gräben, die die

Weideländer durchziehen, in der trockenen

RUNDBLICK Frühjahr 2013


Jahreszeit nur wenig Wasser, so daß es oftmals

an Wasser für die Tränkung des Viehes

fehlt. Der Zustand wird sich noch bedeutend

verschlechtern, sobald die Weser weiter

vertieft wird, da dann noch weniger

Wasser in die Nebenflüsse und die Weiden

gelangen kann. Auch der Graswuchs wird

lange nicht mehr die Erträgnisse liefern können,

die er jetzt liefert. Trostlos wird es auch

mit dem Vegesacker Hafen werden, dessen

Einfahrt schon heute unter starken Versandungen

zu leiden hat. Nach erfolgreicher

weiterer Vertiefung der Weser werden die

Sandablagerungen infolge der raschen

Strömung der Lesum an ihrer Mündungsstelle

rapide zunehmen(…). Es dürfte dann

nur noch eine Frage der Zeit sein, ob man

den Schiffsverkehr auf der Lesum nicht

durch eine Schleusenanlage in der Nähe

von Grohn für die Zukunft sicherstellen will.

Jedenfalls muß die Allgemeinheit den Vorteil,

den Bremen-Stadt durch die weitere

Weservertiefung erlangt, teuer bezahlen.“

Blumenthal wächst!

Blumenthal. „Blumenthal wächst!

konnte Herr Gemeindevorsteher Stürken in

der gestrigen Gemeinderatssitzung feststellen,

und die Vertreter konnten bei der

Beschlußfassung über den Gemeindehaushalt

ihm beistimmen. Die Zahl der Einwohner

ist auf über 12 000 angewachsen und

dementsprechend nimmt auch die Zahl der

Häuser stetig zu. Das Gemeindevermögen

hat einen Wert von rund 2 Millionen Mark,

aber auch die Schuldenlast ist auf rund 922

000 Mark gestiegen. (…) Die Entwicklung

des Ortes stellt an die Arbeitsfreudigkeit der

Gemeindevertreter stetig neue Anforderungen,

so stehen die Verbesserung der

Straßen, der Bebauungsplan und ein Kanalisationsprojekt

in Aussicht.“

Kurz berichtet

Lilienthal. „Beaufsichtigung des Lesestoffes

der Schüler. Im preußischen Kultusministerium

wird zurzeit ein Erlaß vorbereitet,

der sich in Gestalt eines Aufrufs an die

Eltern wendet und in dem um bessere

RUNDBLICK Frühjahr 2013

Beaufsichtigung des Lesestoffes der Schuljugend

gebeten wird. Der Erlaß verweist auf

die verhängnisvollen Wirkungen, die sich

als Folgen einer schlechten Jugendlektüre

gezeigt haben, und betont, daß von Seiten

der Schule alles geschieht, um die Jugendlektüre

zu bessern. Aber die Schule sei

machtlos, wenn sie vom Elternhause nicht

ausreichend unterstützt werde. Nur wenn

die Eltern in klarer Erkenntnis der ihren Kindern

drohenden Gefahren und im Bewußtsein

ihrer Verantwortung die Lesestoffe

ihrer Kinder einschließlich der Tagespresse

sorgsam überwachen, das versteckte Wandern

häßlicher Schriften von Hand zu Hand

verbieten und verhindern, das Betreten

aller Buch- und Schreibwarenhandlungen,

in denen Schundliteratur feilgeboten wird,

nicht gestatten und selbst überall gegen

Schundliteratur tatkräftig Stellung nehmen,

ist die Hoffnung vorhanden, daß dem Übel

gegengesteuert werden kann.“

Ritterhude. „Neulich lief durch die Tageszeitungen

unserer Gegend die Notiz, daß

der garbadische Anteil des Stoteler Waldes

der Axt zum Opfer fallen soll. Diese Nachricht,

die jeder Liebhaber eines schönen

Waldes mit lebhaftem Bedauern vernahm,

bestätigt sich zur Freude aller Naturfreunde

nicht. Die Herren Georg von Gröning, hier,

und Georg Bornemann, Hude, haben das

fragliche Gehölz käuflich erworben.

Dadurch wird erfreulicher Weise dem Niederschlagen

des ganzen Waldes Einhalt

geboten.“

Neues aus dem

Gerichtssaal …

„(Schöffengericht Lilienthal vom 17.

Februar) Die Ehefrau M. aus Trupermoor

hatte gegen die Ehefrau K. daselbst eine Privatklage

erhoben. Frau K. hatte im Herbst

beim Kartoffelausroden über Frau M., die

damals noch Braut war, eine schwere Beleidigung

ausgesprochen. Frau K. bestritt solches

entschieden. Die Zeugin behauptete

aber bestimmt, daß Frau K. die beleidigenden

Worte ausgesprochen habe. Der Verteidiger

der Frau M. beantragte gegen Frau K.

eine exemplarische Strafe. Die Angeklagte

wurde nach § 186 zu 25 Mark Geldstrafe,

eventuell 5 Tage Gefängnis verurteilt. – Die

Haussöhne E. und Sch. aus Trupermoor

waren wegen Jagdvergehens angeklagt. Sie

sollten am Sonntag, den 24. November

1912, in Heidberg einen Schuß abgefeuert

haben. Der Jagdpächter und der Jagdaufseher

wollten die Angeklagten auf dem Wege

von Heidberg nach Trupermoor mit Flinten

gesehen und der Jagdaufseher den E.

bestimmt erkannt haben, obwohl die Entfernung

einige 100 Meter betragen hat. Die

beiden Angeklagten bestritten ganz entschieden,

dort mit Jagdgewehren gewesen

zu sein. Da ihnen nicht bestimmt ein Jagdvergehen

nachgewiesen werden konnte,

wurden beide kostenlos freigesprochen. –

Der Arbeiter L. in Kleinmoor hatte sich

wegen Hausfriedensbruchs, Körperverletzung

und Sachbeschädigung zu verantworten.

Am 25. November v. J. kam L. wegen

Erbstreitigkeiten in das Haus des Stallbesitzers

B. in Kleinmoor. Mit dem Ellenbogen

stieß er eine Haustürscheibe ein. Als Frau B.

ihm dafür Vorwürfe machte, schlug er sie

mit dem Handstock über den Arm, daß derselbe

blutete. Trotz mehrmaliger Aufforderung

wollte er das Grundstück nicht verlassen,

sondern schlug noch einmal nach Frau

B.. Wegen Hausfriedensbruchs und Körperverletzung

wurde er zu 45 Mark Geldstrafe

oder 15 Tagen Gefängnis verurteilt.“

Peter Richter

Quelle: Zeitungsarchiv des Heimatvereins Lilienthal

19


Im Strom der Zeit

Die reizvolle Landschaft zwischen Lilienthal,

Worpswede und Fischerhude, seit

Urzeiten von den Flüssen Wümme, Wörpe

und Hamme geprägt, zieht seit jeher die

Menschen in den Bann. Urige Dörfer und

Hofstellen, weite, oft raue Landschaften,

spannende Lichtverhältnisse, Nebel und

Überschwemmungen aber auch saftige

Wiesen und blaue, wolkenbehangene Himmel

machen diese vielseitige Landschaft zu

einem einzigartigen Ökosystem. Unzählige

Maler und Künstler haben sich von dieser

Region inspirieren lassen, viele sind von

weither gekommen und geblieben und

haben Mensch, Natur, Alltag und Traditionen

in ihren Werken festgehalten. Aber

auch viele Maler aus der Region, die hier

aufwuchsen, haben ihre Heimat in meisterlichen

Werken auf Leinwand festgehalten.

Die vor zehn Jahren von Monika und

Hans Adolf Cordes gegründete Lilienthaler

Kunststiftung präsentiert in der Ausstellung

„Im Strom der Zeit“ die Werke von

über 70 Malern aus der gesamten Region

um Fischerhude, Lilienthal, Bremen und

Worpswede erstmalig in einer Ausstellung.

Dabei werden eindrucksvolle Werke aus

über 125 Jahren Malerei gezeigt und ein

beachtlicher Beitrag zur Heimatgeschichte

geleistet.

Emmy Meyer (1866–1940), Die Hamme bei

Nacht

Heinrich Breling (1849–1914), Sattelpflege auf

Fischerhuder Diele

Das Leben der Menschen, Familien und

Kinder, die Dörfer und Ortsteile damals,

die Landschaft zu allen Jahreszeiten

machen diese Ausstellung zu einem einzigartigen

Lehrpfad für Kunst- und Heimatinteressierte.

Zu sehen sind unter anderem Werke von

Christian Ludwig Bokelmann, Heinrich

Breling, Udo Peters, Carl Jörres, Toni Elster,

Fritz Mackensen, Lisel Oppel und Sophie

Wencke, Heinrich Vogeler, Otto Modersohn,

Hans am Ende, Albert Schiestl-

Arding, Olga Bontjes van Beek.

Mit den Büchern „...und sie malten

doch – Geschichte der Malerinnen -

Worpswede, Fischerhude, Bremen” sowie

„Im Strom der Zeit – Geschichte der Malerei

Worpswede Fischerhude Lilienthal“

sind zwei Werke entstanden, die sich ausführlich

mit den Künstlerinnen und Künstlern

der Ausstellung befassen.

Die Ausstellung in der Lilienthaler Kunststiftung,

Lilienthal, Trupe 6, ist noch bis

September 2013 zu besichtigen.

Öffnungszeiten:

Dienstag bis Sonnabend 14-18 Uhr,

Sonntag 10-18 Uhr, Montag Ruhetag.

Text: Tim Wöbbeking

Bilder mit frdl. Genehmigung

der Lilienthaler Kunststiftung

Hermann Angermeyer (1876–1955), Morgenstimmung

an der Wümme

Fritz Mackensen (1866–1953), Mädchen auf

Hocker

Alfred Lichtenford (1902–1986), Stadt im Licht

Eduard Scotland (1885–1945), An der Schlachte

Bernhard Huys (1896–1973), Worpsweder Mühle

Christian Ludwig Bokelmann (1844–1894), Bauernkate

im Mondlicht

20 RUNDBLICK Frühjahr 2013


Die Ortschaft Teufelsmoor auf der Findorff-Karte

Gestalt und Entstehung

Findorff vermittelt uns auf seiner Karte

von 1755 ein detailliertes Bild des Dorfes

Teufelsmoor mit den damals vorhandenen

Gebäuden sowie den Flurstücken und

ihren Besitzern.

Die Ortschaft Teufelsmoor beginnt im W

hinter der Beek, die dort überbrückt wird;

eingezeichnet ist die hohe Beek-Brücke.

Die damals vorhandenen Hofstellen –

der Bauleute – sind mit Großbuchstaben

eingetragen. Sie beginnen hinter der Beek-

Brücke mit dem Hof A und erstrecken sich

entlang des Querdamms. Die Gemarkung

besteht in ihrer Grundstruktur aus unregelmäßigen

Langstreifen, die mit den auf

ihnen liegenden Hofstellen eine Besitzeinheit

bilden. Diese Besitzeinheiten verlaufen

streifenförmig quer zu beiden Seiten des

Damms, sind aber nicht genau rechteckig

und auch nicht von identischer Größe.

Einige der Streifen tragen keinen eigenen

Hof, sondern sind anderen Hofstellen

zugeschlagen. Es finden sich in der Karte

die Buchstaben A – T, d. h. es gab damals

insgesamt 19 Vollbauernstellen. Die Besitzer

der Hofstellen werden in einer Tabelle

am Rande der Karte namentlich erwähnt,

ebenso die Größe ihres Besitzes; ferner

sind die Namen der dem Hof zugeordneten

Häuerlinge und Häuslinge angegeben.

1 )

Auffällig ist, dass sämtliche Bauleute ihre

Hofstelle südlich des Dammes, also zur

Hamme hin haben. Die Wohnstätten der

Häuerlinge und Häuslinge befinden sich

auf der gegenüberliegenden Seite. 2 )

Insofern bildet die Ortschaft zum einen

ein langgestrecktes Reihendorf – die Länge

beträgt immerhin fast 5 km – zum anderen

sind die Häuer- und Häuslingsstellen relativ

unregelmäßig angeordnet. Aber auch

die Bauleutehöfe sind nicht so angelegt,

dass man von einem exakten Schema sprechen

könnte. So liegt der Hof R unmittelbar

am Querdamm, die Höfe A, B, P und S

sind ca. 200 m vom Damm entfernt, die

Höfe F, G, N, O, Q und T etwa 300 m, die

Höfe C, D, E, H, I und K etwa 400 – 500 m,

während der Hof M fast 1 km vom Damm

entfernt liegt.

Die Gemarkung erstreckt sich noch über

die letzte Hofstelle (T) hinaus. Eingezeichnet

ist eine Scheidungs-Linie vom Günne-

Moor, danach folgen noch weitere, i. w.

unbebaute Langstreifen, die den Oberender

Bauern zugeordnet sind, und zwar

(von T aus) P, Q, R, T, S und O.

Es stellt sich hiermit die Frage, wie eine

derartige Siedlung entstanden ist und wie

sie sich entwickelt hat.

Die grundsätzlich gegebene Regelhaftigkeit

der Dorfstruktur kann nur dadurch

erklärt werden, dass es sich um eine Siedlung

handelt, die planmäßig angelegt

RUNDBLICK Frühjahr 2013

worden ist. Die vorliegenden Quellen nennen

übereinstimmend das Jahr 1335 mit

der ersten schriftlichen Überlieferung,

sodass sich auch die Dorfjubiläen daran

orientieren. 3 )

Zum einen schreibt Lenz: „Die Ortschaft

Teufelsmoor wurde bereits 1335…als

„Sowene Klampe“ erwähnt“ 3a ), zum anderen:

„Am 25 Juli 1335 verkaufte der Ritter

Heino von Westerbeck…eine Landfläche

„Im Moor“ und am 3. August 1335 verkaufte

Henricus von Ouvemunde Flächen

an das Kloster in Osterholz, die „Up dem

Beek“ liegen und „Sweenekamp“ genannt

werden.“ 3b )

Bei Menkhoff 4 ) finden wir folgende

Angabe für das Jahr 1335: „Ritter Heino

von Westerbeck verkauft Landflächen im

Moor an das Kloster in Osterholz, vermutlich

im Bereich des Dorfes Teufelsmoor.

Das Kloster will hier – up dem Sweenekampe

– Meier zu Lehen ansiedeln, die die

Existenzgrundlage des Klosters bilden sollen.“

Er geht dabei von 25 – 26 Hofstellen

vor 1350 aus.

Folgt man diesen Angaben, dann wäre

die Siedlung zwischen 1335 und 1350

angelegt worden, und zwar vom Kloster

Osterholz, das hier als Lokator aufgetreten

wäre.

Die zu Grunde liegende Urkunde datiert

vom 25. Juli 1335 und lautet (in Auszügen):

„Nos, Heyno, miles, et Iohannes,

famulus, fratres, dicti de Westerbecke,

…dimisimus et dimittimus hororabili viro

domino Thiderico, preposito, et suo conventui

monasterii in Osterholte, Bremensis

diocesis, unam aream, sitam in Vlice, id est

Moer, quam nunc pro tempore colit Hen-

ricus, dictus Semene, que annuatim solvit

dimidiam urnatam butyri.“ 5 )

„Wir, die Brüder Heyno, Ritter, und

Johannes, Knappe, von Westerbeck 6 ),

…haben übereignet und übereignen dem

ehrenhaften Mann, dem Herrn Propst

Theodor 7 ), und seinem Konvent des Klosters

Osterholz in der Diözese Bremen eine

Fläche (Hofstelle), gelegen in Vlice, das

heißt Moor; diese wird momentan von

Heinrich, genannt Semene, bewirtschaftet

und erbringt (als Abgabe) jährlich ein halbes

Maß (urna) Butter.“ 8 )

Ob damit tatsächlich eine Hofstelle in

Teufelsmoor gemeint ist, wird aus dem

Urkundentext nicht wirklich deutlich. Es

finden sich keinerlei nähere Ortsangaben.

Deutlich wird allerdings, dass es sich um

eine Fläche handelt, die zu der Zeit bereits

bewirtschaftet wurde und abgabenpflichtig

war. Wenn man dabei zugrundelegt,

dass die Höfe zu Anfang in der Regel Freijahre

(oft 12) besaßen, muss dieser Hof

schon etliche Jahre bestanden haben. Dies

scheint mir die Verortung in Teufelsmoor

nicht unbedingt wahrscheinlicher zu

machen.

Die Ablieferung von Butter deutet darauf

hin, dass der Betrieb seinen Schwerpunkt

auf der Rindviehhaltung hatte.

Ausführlich und – wie er selbst ausführt

– erstmalig widmet sich Fliedner 9 ) der

Siedlung Teufelsmoor und führt umfangreiche

Untersuchungsergebnisse an. Er

erkennt die Dorfanlage als Moorhufendorf

10 ), wobei er die Größe der zugeteilten

Hufen mit rund 25 ha angibt und diese

damit die Größe einer Fränkischen Königshufe

erreichen würden. Dabei deutet er die

Verhältnisse so, dass die Streifen von der

Hamme ausgehen, ca. 200 m breit sind

und am Querdamm enden, dem er die

Funktion eines Achterdeichs zuschreibt. 11 )

Später schreibt er jedoch, dass „zunächst

…ein Querdamm…angelegt wurde. Dann

konnten die Kolonisten die Breite der

Hufen abmessen…“ 12 )

Nach Ansicht von Fliedner war es auch

nicht das Kloster selbst, das kolonisierend

auftrat; er nennt als mögliche Kolonisatoren

die Herren von Westerbeck oder die

Herren von Aumund 13 ), er hält es aber

auch für möglich, dass die Siedlungen 14 )

„durchaus genossenschaftlich geplant und

angelegt worden sein“ könnten. 15 )

Karte 16 ):

Die Karte ist natürlich nicht 1350 entstanden,

sondern zeigt, wie Fliedner sich

die Entstehung der Siedlung vorstellt. Ausgehend

vom Siedlungsbild von 1755 versucht

er, die Primäranlage zu rekonstruieren,

indem er auch den Streifen ohne

Hausstelle einen Hof – wenn auch nur vermutet

– zuordnet. So kommt er auf insge-

21


Hofstellen hinter der Beek-Brücke Häuslings- und Häuerlingsstellen im Ortsteil Niederende

samt 28 Stellen, 11 in Niederende und 17

in Oberende. Getrennt werden die beiden

Teile durch die Müssen. Durch die Kartenzeichnung

wird auch deutlich, dass Fliedner

offenbar dazu tendiert, die Leitlinie der

Siedlung und damit ihren Ursprung am

Querdamm zu suchen.

Dies macht auch durchaus Sinn, wenn

man an die wahrscheinlichen Beziehungen

von Teufelsmoor in den Anfangsjahren

denkt. Sowohl die Ritter von Westerbeck

als auch das Kloster Osterholz sind auf der

Geest beheimatet. Die Ortschaft Pennigbüttel

wurde 1216 erstmals urkundlich

erwähnt 17 ) und taucht in den Folgezeiten

in Urkunden des Klosters Osterholz häufig

auf. So ist es nicht abwegig anzunehmen,

dass der Vorstoß ins Moor über Pennigbüttel

erfolgt sein könnte. Allerdings führt

der Heudamm, die Verbindung zur Geest,

nicht direkt auf Pennigbüttel zu, sondern

endet im Bereich von Myhle.

Diese Landverbindung, die dann in den

Querdamm übergeht, führt als Erstes an

der Wulfsburg vorbei, die auch in der Fliedner-Karte

verzeichnet ist. Diese Einzelhofsiedlung

war später nicht Teil der Ortschaft

Teufelsmoor, könnte aber seinerzeit der

herausgehobene Sitz des Lokators gewesen

sein. Zur Errichtung eines tragfähigen

Baugrundes soll extra eine große Menge

Sand vom Wolfsberg in Pennigbüttel dorthin

transportiert worden sein. 18 )

Andererseits finden sich Zeugnisse von

Hofstellen in Hammenähe. 3a ) Fliedner verweist

dabei auf Killmann, der „unmittelbar

an der Hamme einige mittelalterliche Wurten

festgestellt“ habe, aber „nur sehr

wenige Hofplätze“. 19 )

Auch Schulz hat eine Reihe von archäologischen

Untersuchungen durchgeführt

und ist dabei auf eine Vielzahl von mittelalterlichen

Keramikscherben gestoßen, die

für ihn ein eindeutiges Zeichen darstellen,

dass der Ursprung der Siedlung nahe bei

der Hamme zu suchen sei, zumindest im

Ortsteil Niederende. 18 )

Dann müsste die Hamme Leitlinie für die

Ansiedlung und Verkehrsweg gewesen

sein. Dies erscheint fraglich. Denn einerseits

sind die Gebiete in Hammenähe

regelmäßig überflutet worden; erst der

Bau der Ritterhuder Schleuse 1874 ermöglichte

eine Regulierung der Wasserstände.

Auch bot das Hammeufer keinen

tragfähigen Baugrund, andererseits war

durch den Verlauf der Hamme keine

direkte Anbindung zu den Grundherren in

Osterholz bzw. Sand- oder Westerbeck hin

gegeben. Und Kolonisations- und Handelsbeziehungen

in das St.-Jürgens-Land

bzw. Hollerland gehen aus den Urkunden

nicht hervor.

Zwar erstreckt sich auch die zweite von

Fliedner als Moorhufendorf bezeichnete

Siedlung Waakhausen/Viehland parallel

zur Hamme. 20 ) In der Karte, die Fliedner

dazu im Anhang (Abb. 19a) für die Zeit vor

1350 präsentiert, liegen die Hofstellen

jedoch auch bis zu einem Kilometer vom

Fluss entfernt entlang eines Weges.

Die erste Erwähnung von Waakhausen

findet sich in einer Urkunde aus dem Jahr

1355, als die Brüder Henning und Gevehard

von Westerbeck „dem Kloster Osterholz

alle ihre Güter in Waakhausen“ verkaufen.

21 ) Henning und Gevehard sind

Neffen des o. g. Heino, zwei der Söhne seines

Bruders Johannes. Heinos Söhne

Johannes, Christian, Berthold und Heino

werden ebenfalls in der Urkunde genannt.

Damit ist auch die zeitliche Zuordnung

eindeutig dem Jahre 1355 zuzuschreiben

und nicht – wie aus einigen Urkunden zu

entnehmen ist – dem Jahre 1255. 22 ), 23 )

Für die Zeit vom späten 13. bis zur Mitte

des 14. Jahrhunderts sieht Fliedner einige

regionale Entwicklungen, die einen Impuls

für die Gründung der beiden Moorsiedlungen

geliefert haben können: Eine allgemeine

Bevölkerungszunahme führte zu

Landknappheit und damit der Suche nach

noch erschließbaren Flächen. Dadurch

ergab sich eine günstige landwirtschaftli-

che Konjunkturlage. Ein Teil des Bevölkerungswachstums

wurde durch den Zuzug

nach Bremen kompensiert, wo vor der Pest

1349/50 zwischen 10.000 und 20.000 Einwohner

lebten. Daraus folgte eine erhöhte

Nachfrage nach Lebensmitteln und Brennmaterial.

20 ) So mag – auch durch den

Erfolg der Holler Kolonisation – das Wagnis

eingegangen worden sein, im Moor Siedlungen

zu gründen, wenn auch unter

geänderten Bedingungen, da Privatinitiative

und bäuerliche Genossenschaften an

Bedeutung gewonnen hatten. Fliedner

geht also davon aus, dass die Stadt Bremen

damals einen derartig großen Markt

dargestellt und so weit ins Umland ausgestrahlt

hat, dass trotz schwieriger Transportverhältnisse

über Land oder die unregulierte,

wild mäandrierende Hamme, die

erst ein gutes Stück von Bremen entfernt

weserabwärts mündet, eine Siedlungsgründung

wirtschaftlichen Erfolg versprach.

Wilhelm Berger

Anmerkungen

1 ) In der Karte heißt es hierzu in der Legende

u. a.:

1. Die Wohn-Gebäude derer Bau-Leute

sind dunkelroth und die Neben-

Gebäude hellroth angeleget

2. Häuerlinge sind hier diejenigen, deren

Wohnungen der Baustelle eigenthümlich

zustehen, diese sind gleichfals hellroth

angeleget

3. Der Häußlinge Häuser sind bläulich

2 ) Auf der Karte sind 2 Tabellen zu finden; die

erste enthält sämtliche Namen der Stellenbesitzer.

Als Auszug hieraus werden

hier nur die Namen der Bauleute angegeben.

Angabe der Bauleute

A Marten Welbrok sen.

B Daniel Welbrok

C Johann Welbrok jun.

D Gevert Welbrok

E Marten Tietjen

F Carsten Schriever

22 RUNDBLICK Frühjahr 2013


G Renken Schriever

H Marten Welbrok jun.

I Marten Tietjen jun.

K Hinrich Wendelken

L Johann Welbrok sen.

M Johann Tietjen sen.

N Marten Vinken jun.

O Hinrich Schmonsees

P Marten Vinken sen.

Q Marten Schmonsees

R Johann Tietjen jun.

S Gevert Lütjen

T Johann Semken

3a ) Groß begangen wurde die 650-Jahr-Feier

im Jahre 1985, zu der auch eine Festschrift

herausgegeben wurde. Auch das 675jährige

Dorfjubiläum wurde 2010 ausgiebig

gefeiert; s. hierzu: a) Franz-Christian

Lenz, Unser Dorf Teufelsmoor wird bald

675 Jahre alt!; in: Heimat-Rundblick Nr.

89 (2/2009), S. 16. Der Name ist hier

allerdings falsch übermittelt; auch wenn

die Deutung plausibel klingt, heißt es in

den Urkunden Sweneklampe bzw.

Sveneclampe. Die erste urkundliche

Erwähnung dieses Namens erfolgt erst

1365.

3b ) ders., Dorfjubiläum 2010; ebd. Nr. 92 (1/

2010), S. 15. Zu Sweenekamp s. Anm. o.

RUNDBLICK Frühjahr 2013

4 ) Reelf Menkhoff, Chronik von Osterholz-

Scharmbeck, Band I; Osterholz-Scharmbeck

2004, S. 22; ferner wie Anm. o.

5 ) Hans-Heinrich Jarck, Urkundenbuch des

Klosters Osterholz; Hildesheim 1982, Nr.

107 (S. 93); Johann Hinrich Pratje, Altes

und Neues IX, Nr. 8 (S. 173)

6 ) Rittergeschlecht von Westerbeck taucht in

Urkunden von 1182 – 1357 auf

7 ) Propst des Klosters von 1331 – 1352

8 ) Für Übersetzung und Erläuterung danke

ich Herrn P. Wichmann, Osterholz-

Scharmbeck

9 ) Dietrich Fliedner, Die Kulturlandschaft der

Hamme-Wümme-Niederung; Göttingen

1970; (Göttinger Geographische Abhandlungen,

Heft 55)

10 ) ebd., S. 67/68

11 ) ebd., S. 69

12 ) ebd., S. 74

13 ) ebd., S. 75

14 ) als (einzige) weitere im Untersuchungsgebiet

gelegene Moorhufensiedlung, die

etwa gleichzeitig – ggf. einige Jahre später

– entstanden ist, wird Waakhausen von

Fliedner mit Teufelsmoor verglichen

15 ) Fliedner, a. a. O., S. 76

16 ) ebd., Abb. 16a

17 ) Menkhoff, a. a. O., S. 19

Lach- und Torfgeschichten

Wie kummt so een Sandhopen mitten in us Weid bien „Breden Woter“?

Datt iss jo een putzige Froog, nich wohr!

Ober de Reeg no will ick se nu vortellen un

upklorn. Wie hebbt dütt Johr in’n Januar

un Februar jo uck woller so een hatte,

düstere un smuddelige Wintertiet mett

veel Regen achter us broch. De Hamm un

de Beek wören bordkant full, de Wischen

un Weiden güngen in’n Woter ünner. Alln’s

Wör blank un een grode Woterwüste. In de

fröhen Johr’n iss datt meist jeden Winter

posseert.

Von 1950 bitt in de 70iger Johr’n harrn

wie een Stück Weideland von 16 Morgen

an de Hamm bien „Breden Woter“

topacht. Dor moken wie Hau, un dorno

grosen wie dor us Jungbeester. Ass lüttje

Bengel bünn ick dor all jümmer gern mett

Opa un Vadder henföhrt un hebb jemm

bie de Arbeit hulpen. Ick wett datt noch

eenmol in’n Förjohr löpen wie dör de erste

Weid, un dor in de Mitt weer so een platten

Bulten ut Sand. Opa wies mie düssen

Bulten, de weer man bloot’s son por Meter

groot, un frog mie: „Watt meenst du wol,

wie kummt de Bulten hierher, datt gifft

doch gor keen Sand an’n ,Breden Woter‘?“

Ick muss lang nodenken un segg: „Hebbt

jie den and mett een Ackerwoggen hierher

föhrt?“ Ober worum mitten in’ne Weid?

Opa grien un smuster: „Dor kummst du

nich up mien Jung, ober ick will die datt

vortellen. Fröhere Johr’n in’n Winter, wenn

all de Weiden ünner Woter weern, hebbt

wie mett us Torfscheep Sand von de Geest

un von Weyerbarg holt. De Sand weer

too’n Huusboo’n, up de Wege un de Huussteer’n

ganz wichtig un kostbor.

So weer’n wie Moorbuer’n all mett us

Torfscheep ünnerwegs un holen Sand

wenn ,Land ünner‘ weer. De Torfscheep

woren jümmer düchtig full load, datt

schull jo watt bringen. Nu kööm datt bi

rusigen Wind un Wellenslag foken mol for,

datt Woter öber Bord slög. Datt bruuk nich

18 ) mündl. Mitteilung von Herrn K.-P. Schulz,

Osterholz-Scharmbeck

19 ) Fliedner, a. a. O. S. 70; der genannte Killmann

taucht nicht im Literaturverzeichnis

auf, hat also möglicherweise seine Ergebnisse

nicht veröffentlicht

20 ) Fliedner, a. a. O., S. 70/71

21 ) H.-H. Jarck, a. a. O., S. 135

22 ) Joh. Hinr. Pratje, Die Herzogthümer Bremen

und Verden oder vermischte Abhandlungen

zur Erläuterung der Politischen-

Kirchen- Gelehrten- und Naturgeschichte

wie auch Geographie dieser beiden Herzogthümer.

Sechste Sammlung, Bremen

1762, S. 526 und 414/5

23 ) Jarck (s. Anm. 17) hat auch diese – mit der

o. a. gleichlautende – Urkunde übernommen

(auf S. 52/53). Er geht davon aus,

dass diese das richtige Datum enthält und

führt als Beleg dafür die in der Urkunde

genannte Priorin des Osterholzer Klosters

– Margarethe – an, die tatsächlich ab

1255 Priorin des Klosters war. Die Herren

von Westerbeck weisen aber – wie oben

gesagt – auf das Jahr 1355. Auch zu der

Zeit hieß die Priorin des Klosters Margarethe

(von 1348 – 1357). Die Namen finden

sich bei Menkhoff (s. Anm. 4)

24 ) Fliedner, a. a. O., S. 166ff

veel, un de Kohn sööp af. So mussen wie

Jan von Moor’s us Schipp mett Sand in de

Weid lingen loten bitt datt Woter in Föhrjohr

woller aflopen weer. Denn muss de

Sand in’ne Weid schuppt weer’n, un wie

kunnen denn Kohn in’n Groben na Huus

schippern. Een Sauarbeit! Süst du wol

mien Jung, un dorum finn’st du hier mennigmol

mitten in de Hammwischen eenfach

so een Bulten Sand!

De Weyerbarg iss uck so een Sandbulten,

datt schall domols een grotet Segelschipp

wesen sien.“ Opa keek mie an un

lach luut: „Glööf datt nich, datt weer’n

Döntje!“

An düsse lüttje Begebenheit mit Opa

muss ick vondog denken, ass ick bi us in

Düwelsmoor ober de Hammbrügg föhrt

bin. De Weiden weer woller grön un de lüttjen

Sandbulten liegt dor jümmer noch.

Jan (Johann) Brünjes

„Land unter“ in den Hammewiesen Foto: Jan Bünjes

23


150 Jahre Männergesangverein

Concordia Worpswede (1863 – 2013)

Carl Otto Ferdinand Stolte (1825–1887)

Vor 150 Jahren wurde der Männergesangverein

Concordia Worpswede

gegründet. Gründer des Chores war Carl

Otto Ferdinand Stolte. Er wurde 1825 in

Herford geboren und erwarb den in

Worpswede heute noch existierenden

Kaufmannsladen „ Stolte“. Er war ein rühriger

Mann, wurde zum Gemeindevorsteher

gewählt und sorgte für eine Verbindungsstraße

von Worpswede nach Lilienthal. Er

war bis zu seinem Todesjahr 1887 Vorsitzender

und Dirigent des Chores.

Unter Stolte blühte

das Vereinsleben auf

In diesen Jahren blühte das Vereinsleben

auf. Sein Tod hinterließ eine große

Lücke, die der Chor nur mühsam schließen

konnte. Immer wieder gab es Zeiten ohne

Dirigenten und somit auch keine regelmäßigen

Singabende. Man tat sich

schließlich mit Sängern aus Wörpedahl

zusammen, konnte den einen oder anderen

örtlichen Lehrer als Dirigenten gewinnen,

sodaß wieder Chorproben abgehalten

werden konnten und der Chor zu

neuem Leben erwachte. Große Einschnitte

Hinweis:

Jubiläumsveranstaltung

16. Juni 2013: Konzert aller Worpsweder

Chöre in der Zions-Kirche.

April

Wenn der April wie ein Löwe kommt,

geht er wie ein Lamm.

Der April treibt sein Spiel.

Treibt er´s toll, wird die Tenne voll.

Chor unter Leitung von Organist Riggers (nach

1906) – Hochzeit von Gottlieb Sämann, Kutscher

von Heinrich Vogeler

waren die beiden Weltkriege und die

jeweilige Nachkriegszeit. Großes Aufsehen

erregten unsere Auftritte seit 1983. Unser

Dirigent war nämlich zu dieser Zeit eine

Dirigentin: Frau Professor Dr. Adelheid

Geck. Publikum und Chor waren von ihrer

Vor dem „Kaffee Worpswede“ – Günter Hildebrandt in Aktion

In Planung:

Leserreise 2013 in die Eulenspiegelstadt Mölln

Chor Pfingsten 1985 mit unserer Dirigentin Frau

Dr. Adelheit Geck Foto: Dieter Weiser

fröhlichen Art, den Chor zu leiten und zu

führen, begeistert. 1990 ging diese schöne

Zeit leider zu Ende, da sie in ihre alte Heimat

nach Mecklenburg-Vorpommern

zurückkehrte. Seit vielen Jahren ist Günter

Hildebrandt unser Dirigent und tut sein

Möglichstes, um die inzwischen ganz

überwiegend grau melierten Herren in

Trab zu halten.

Hermann Pelke

Auch in diesem Jahr plant der Heimat-Rundblick eine Leserreise, die in die Eulenspiegelstadt

Mölln führen wird. Weitere Informationen hierzu in der nächsten Ausgabe. Die Redaktion

Bauernregeln April – Mai – Juni

Mai

Warmer und trockener Mai, hört an,

hat manchmal schon sehr gut getan.

Maienfrost die Blüten das Leben kost´.

Juni

Soll gedeihen Korn und Wein,

muss im Juni Wärme sein.

Solange der Kuckuck schreit,

fürchte die Trockenheit.

24 RUNDBLICK Frühjahr 2013


„Theater Alte Molkerei“ in Worpswede

„End of the Rainbow“, Mary C. Bernet „Heinz-Erhardt-Abend – Was bin ich wieder für ein Schelm“, Christian Schliehe

Worpswede. Am 24. September 2010

begann in Worpswede das „Theater Alte

Molkerei“ mit der erfolgreichen Aufführung

„Loriots Dramatische Werke“. Der Schauspieler

und Theatermacher Knut Schakinnis,

der die „Komödie Kassel“ und die Theaterschiffe

in Bremen und Lübeck ideenreich

betreibt, eröffnete im Künstlerdorf mit dem

„Theater Alte Molkerei“ eine vierte Spielstätte,

die sich für Worpswede als eine kulturelle

Bereicherung erweist (siehe Heimat-

Rundblick Nr. 95, 4/2010, Seite 16).

Das „Kunstcentrum Alte Molkerei“, das

in Worpswede als Begegnungsstätte für

Kunst, Kultur, Antiquariat und Gastronomie

bekannt ist, bietet nun seit 2010 freitags

und sonnabends sowohl abwechs-

„Abba Hallo“, Sonja Hebestadt, David Wehle, Erika Best

„Suche impotenten Mann fürs Leben“, Juliette Groß, Olaf Napp

RUNDBLICK Frühjahr 2013

lungsreiches Boulevardtheater als auch

Comedy mit Niveau. In den fast zweieinhalb

Jahren des Worpsweder Theaters mit

seinen 120 Sitzplätzen konnte Knut Schakinnis

trefflich ausgesuchte Unterhaltung

im Künstlerdorf etablieren.

Das „Edith-Piaf-Stück“ mit der hervorragenden

Schauspielerin und Sängerin Mary

C. Bernet war ein ausgesprochener „Renner“.

Die satirische Kult-Komödie „Ekel

Alfred“ erreichte wiederholt ein ausverkauftes

Haus. Die glänzend musikalischdramatischen

Theaterabende „End oft he

Rainbow“ zeigten mit weltberühmten

Songs „die turbulenten letzten Monate im

Leben der Judy Garland“. Die unvergesslichen

Verse, Wortspiele und Lieder mit

dem „Heinz-Erhardt-Abend - was bin ich

wieder für ein Schelm“ boten unterhaltsame

Stunden für die Lachmuskeln des

Publikums. Die Bühne des „Theater Alte

Molkerei“ wurde 2012 durch die glänzenden

Tanz- und Gesangseinlagen in einen

„Revuepalast der schönsten ABBA-Melodien“

verwandelt. Während der Komödie

„Gatte gegrillt“ wurden die Zuschauer

durch schwarzen Humor zu einem makabren

„Abendessen zu Dritt“ geführt. Seit

Februar 2013 läuft im Theater die Inszenierung

„Suche impotenten Mann fürs

Leben“. Die Aufführung betört das Publikum

mit skurrilen und amüsanten Lebenssituationen.

Text und Fotos: Dr. Helmut Stelljes

„Gatte gegrillt“, Ingrid Steeger, Juliette Groß, Jens Ache

„Ekel Alfred“, Tom Keidel, Paul Wallner, Martina Ruggebrecht, Marcus

Rudolph, Berit Möller

25


Willy Meyer-Osburg

Ausstellung im Barkenhoff vom 10. Februar bis 2. Juni 2013

12 Materialdrucke von Willy Meyer-Osburg, um

2001

Worpswede. Die neue Sonderausstellung

im Barkenhoff ist dem Künstler Willy

Meyer-Osburg gewidmet.

Meyer-Osburg wurde 1934 in Bremen

geboren. Nach Abschluss eines zweijährigen

Studiums an der Staatlichen Kunstschule

Bremen zog er 1957 in das Künstlerdorf

Worpswede. Hier wohnte er

zunächst bei Martha Vogeler im Haus im

Schluh, später in unmittelbarer Nachbarschaft

zum Barkenhoff im Haus von Hans

am Ende und im Eichenhof. Dort richtete

er sein erstes Atelier ein, das er sich mit

dem Literaten Rolf Morstein teilte.

„Abstrakte erobern

Worpswede“

Künstlerisches Umfeld von Meyer-

Osburg war die „Junge Gruppe Worpswede“,

zu der die Maler Henry Garde, Helmut

Heinken, Winhard Lumma, Egon-Karl

Nicolaus und Dieter Wallert zählten.

„Abstrakte erobern Worpswede“ titelte

1957 DIE WELT über eine Ausstellung dieser

Künstler in der Worpsweder Kunsthalle

Friedrich Netzel und konstatierte

„Zunächst war es ein Schock.“

Auch die erste Ausstellung der abstrakten

Arbeiten von Meyer-Osburg fand in

der Worpsweder Kunsthalle statt – sie stieß

auf positive Kritik. Von Januar bis Februar

1958 wurden seine Werke gemeinsam mit

Gemälden von Peter Hahn gezeigt, der

ebenfalls an der Kunstschule Bremen studiert

hatte. Bereits im November des gleichen

Jahres folgte eine Gemeinschaftsausstellung

mit dem befreundeten Maler Herbert

Düerkop und dem damals bereits

international bekannten amerikanischen

Bildhauer Duane Hanson, bei der Meyer-

Osburg unter dem Pseudonym Will Arné

auftrat.

Blick in die Ausstellung im Barkenhoff Fotos: Dr. Helmut Stelljes

Der eigentliche künstlerische Durchbruch

und damit eine umfangreiche

nationale und internationale Ausstellungstätigkeit

gelang Meyer-Osburg nach

seiner Übersiedlung nach Köln im Jahr

1960. Initiiert wurde der Umzug durch

den aus Köln stammenden Grafiker Hannes

Jähn – mit ihm und seiner Frau, der

amerikanischen Malerin Eila Hershon, verband

Meyer-Osburg eine lebenslange

Freundschaft. Gemeinsam reisten sie

unter anderem nach New York, wo Meyer-

Osburg Kontakte zu Künstlern wie dem

berühmten Pop Art-Vertreter Robert Indiana

knüpfte.

Für fast vier Jahrzehnte blieb Köln der

Lebensmittelpunkt von Meyer-Osburg;

1998 kehrte er nach Worpswede zurück,

wo er im Jahr 2005 starb.

Werk umfasst

Arbeiten aller Genres

Das umfangreiche Werk von Willy

Meyer-Osburg umfasst Arbeiten aller Genres.

Neben grafischen Blättern wie Zeichnungen,

Radierungen, Lithografien oder

Linolschnitten existieren zahlreiche Collagen

und Materialdrucke; auch die Buchgestaltung,

beispielsweise das Illustrieren von

Gedichten, waren für den Künstler von

großem Interesse. Im Zentrum seines

Schaffens steht jedoch die Malerei, die

unter anderem durch ihre starke Farbigkeit

beeindruckt.

Bei den frühen Gemälden aus den späten

1950er Jahren, von denen nur noch

wenige existieren, wählte Meyer-Osburg

einen eher dunklen Farbgrund, den er mit

feinen Linien und kleinen Farbflächen

überzog und zudem durch die Bearbeitung

mit einem Spachtel strukturierte. Die

Gemälde, aber auch grafische Blätter aus

den 1960er und 1970er Jahren zeigen

dagegen in ihrer intensiven Farbigkeit ein

typisches Charakteristikum des gesamten

weiteren Werkes von Meyer-Osburg.

Menschliche Figur taucht

nur abstrahiert auf

In verschiedenen Bildkompositionen finden

sich dabei Ansätze zum Figurativen,

die menschliche Figur taucht jedoch

zumeist nur abstrahiert auf. Auch (Alltags-)

Gegenstände, die zu Stillleben

arrangiert sind, werden lediglich fragmentarisch

dargestellt; die Flächigkeit steht im

Verhältnis zur Perspektive dabei im Vordergrund.

Insbesondere in seinem Spätwerk

ab den 1990er Jahren verzichtete der

Künstler zugunsten des Eigenwertes der

Farbe und den abstrahierten, häufig collagenhaft

aneinander gefügten Flächen fast

vollständig auf gegenständliche Anklänge.

Lediglich in den Materialdrucken, die

nach 1997 entstanden, nutzte Meyer-

Osburg alltägliche Gegenstände wie

Blechdosen, Pappschachteln, Plastikbecher

oder einfache Holzstücke als Ausgangsform

seiner Bildgestaltung. Durch

ihre Bearbeitung – wie das Walzen durch

die Druckerpresse oder die Demontage –

und das anschließende farbige Drucken

und Collagieren verfremdete er sie jedoch

so stark, dass sie häufig kaum noch erkennbar

sind. Vielmehr stehen wiederum Farbund

Formensprache, vor allem aber auch

die Materialität im Vordergrund.

Beate C. Arnold

Öffnungszeiten und weitere Informationen:

www.worpswede-museen.de

26 RUNDBLICK Frühjahr 2013


Jugendseite Kunst in Kinderschuhen Teil 1

Im Herzen der Künstlerkolonie

Worpswede bildet ein weitläufiges, bewaldetes

Areal den Rahmen für das Hoetger-

Ensemble. Ein Gebäudekomplex wird in

der Zeit von 1924 bis 1927 von Bernhard

Hoetger, dem Maler, Bildhauer und Architekten

(1874-1949) errichtet und besteht

aus dem Restaurationsbetrieb Kaffee

Worpswede, einem Logierhaus für die

Unterkunft von Gästen und Künstlern

(heute Geschäftsstelle der Kulturstiftung

Landkreis Osterholz) sowie der Großen

Kunstschau. Die Kolonie wird 1889

begründet und maßgeblich von Heinrich

Vogeler und seinen Künstlerkollegen Fritz

Mackensen, Otto Modersohn, Fritz Overbeck

und Hans am Ende geprägt. Am

Anfang des 20. Jahrhunderts kommen

Schüler und Schülerinnen hinzu, deren

bekannteste Vertreterin Paula Becker ist,

die 1901 Otto Modersohn heiratet. Auch

Clara Westhoff und Rainer Maria Rilke sind

bekannte Bewohner von Worpswede in

jener Zeit. Die Kunstschau besteht inzwischen

aus zwei Gebäudeteilen, ein zweiter

Teil wurde Anfang der 1970er Jahre

erbaut. Diese architektonische Vielfalt lässt

es zu, alte und neue Kunst in entsprechendem

Ambiente zu zeigen. In dem alten Teil

wird Kunst von Bernhard Hoetger ausgestellt,

in dem neuen Gebäudeteil finden

RUNDBLICK Frühjahr 2013

regelmäßig wechselnde Ausstellungen

statt.

Die Kunstschau Worpswede veranstaltet

in regelmäßigen Abständen Aktionen für

Kinder und Jugendliche. Das Projekt, mit

Jugendlichen und Kindern zu arbeiten,

steckt noch in den Kinderschuhen, soll

aber im Sommer 2013 weiter ausgebaut

werden.

Üblicherweise werden diese Aktionen

passend zu einer aktuellen Ausstellung der

Großen Kunstschau Worpswede gestaltet.

Die Kinder erhalten eine kindgerechte

Führung durch die Ausstellung und sollen

danach selbst kreativ werden und das

Gesehene bildnerisch nach ihren Vorstellungen

darstellen.

Seit 2011 stehen zwei Atelierräume zur

Verfügung, die abseits des Ausstellungsbereichs

und damit ohne Gefährdung von

wertvollen Gemälden oder Skulpturen

genutzt werden können. Hier ist Platz für

bis zu 20 Personen, beispielsweise eine

Kindergruppe mit Betreuerinnen und

Betreuern. Hier finden auch die Geburtstagsfeiern

für Kinder statt, zu denen ein

schön gedeckter Tisch für die mitgebrachten

Speisen und Getränke bereitgestellt

wird.

Folgende Aktionen werden derzeit auf

Nachfrage durchgeführt:

– Führungen speziell für Kinder oder

Jugendliche

– Kinder malen Bilder oder formen Figuren

Die Kinder beim Malen … … angeleitet von Betreuerinnen

Kreativität fördern schon im Kindesalter

– Malaktionen zu einem vorgegebenen

Anlass

Eine Aktion findet zum Beispiel immer

am 18. Oktober von 15.30 – 17.00 Uhr

statt. Da ist nämlich der St. Lukas Tag, an

dem Malaktionen für Kinder stattfinden.

Zur vorbereitenden Organisation bittet

die Kunstschau Worpswede, sich ca. eine

Woche vorher anzumelden. Der Kostenbeitrag

beträgt üblicherweise 5,– € pro

Teilnehmer (bei mindestens zehn Personen).

Eine gute Idee, die sich auch auf

andere übertragen hat, die ebenfalls Aktionen

für Kinder anbieten.

Mareike Haunschild

Mit freundlicher Unterstützung von Andreas

Pirner (Kunstschau Worpswede)

Die Räume bieten Platz für 20 Personen … … und jede Menge Kreativität Fotos: Andreas Pirner (Kunstschau Worpswede)

27


Das Leberblümchen –

die Blume des Jahres 2013

Im letzten Jahr wurde die Heidenelke,

eine Pflanze der bei uns selten gewordenen

Heide- und Sandmagerrasen, von der

Loki-Schmidt-Stiftung zur Blume des Jahres

bestimmt. Für 2013 fiel die Wahl auf

das Leberblümchen, das in Buchen- und

Eichen-Hainbuchen-Wäldern zu finden ist.

Es ist, wie viele Kräuter unserer Laubwälder,

ein Frühblüher, der zwischen Mitte

März und Mitte April seine blauen Blüten

dicht über dem Boden entfaltet. Alle diese

Blumen blühen so früh, da zu dieser Zeit

die Sonne noch den Waldboden erreichen

und damit erwärmen kann, weil Bäume

und Sträucher noch ohne Laub sind oder

gerade erst ihre Knospen öffnen. Jetzt fliegen

auch bereits die ersten Insekten, um

die Blüten des Leberblümchens zu bestäuben.

Diese besitzen sechs bis acht Blütenhüllblätter,

unter denen drei kelchartige

grüne Hochblätter angeordnet sind. Von

Vorteil ist es in dieser frühen Jahreszeit,

dass sich die Blüten bei Kälte oder Regen

schließen und bei Wärme wieder öffnen

können. Die Früchte sind Nüsschen mit je

einem Samen, die wie bei Buschwindröschen,

mit denen Leberblümchen nahe

verwandt sind, zu mehreren zu einem

Fruchtstand vereinigt sind. Diese Nüsschen

Ameisen helfen

bei der Verbreitung

besitzen kleine ölhaltige Anhängsel, die

Ameisen verlocken, die Früchte wegzutragen

und damit zu verbreiten. Bei der

Fruchtreife neigt sich der Blütenstengel

zum Boden, sodass sich häufig Tochter-

Kennzeichnend sind die dreilappigen Blätter

Die Farbenpracht des Leberblümchens

pflanzen in der Nähe der Mutterpflanze

entwickeln können. Daher wachsen Leberblümchen

oft truppweise. Sie kommen

übrigens fast nur in Wäldern vor, die hier

seit Jahrhunderten wachsen, da eine Fernverbreitung

durch Ameisen nicht stattfinden

kann.

Kennzeichnend für diese Pflanzenart

sind neben den auffälligen Blüten die dreilappigen

Blätter, die zu mehreren eine

Rosette bilden. Neue Blätter erscheinen

erst nach der Blütezeit. Sie überwintern

und schützen so die Blütenknospen. Die

Form der Blätter und auch deren rötlich-

braune Unterseite erinnern bei etwas Fantasie

an eine menschliche Leber. Daher hat

das Leberblümchen sowohl seinen deutschen

Namen als auch den lateinischen

Namen Hepatica erhalten. Früher glaubte

man, dass Gott damit anzeigen wollte, dass

diese Pflanze bei Lebererkrankungen helfen

kann. So wurde sie zu einer anerkannten

Heilpflanze, worauf auch ihr zweiter

lateinischer Name nobilis = edel hinweist.

Heute wird diese Wirkung in Frage gestellt.

Kommt in Nordwestdeutschland

nur in den

Landkreisen Rotenburg,

Stade und Cuxhaven vor

Das Leberblümchen bevorzugt frische,

nährstoff- und kalkreiche Mullböden. In

Nordwestdeutschland kommt es nur sehr

zerstreut in den Landkreisen Rotenburg

und Stade sowie im Osten des Kreises Cuxhaven

vor, und zwar in größeren Wäldern.

Es erreicht hier die Westgrenze seiner Verbreitung

und gilt im Tiefland nach der

Roten Liste Niedersachsen/Bremen als

gefährdet. Westlich der Weser fehlt die Art

in Niedersachsen, ebenso in Nordrhein-

Westfalen, Rheinland-Pfalz und dem Saarland.

Dagegen ist sie im niedersächsischen

Hügelland und in den östlichen und südlichen

Bundesländern nicht selten. Gefährdet

ist sie bei uns vor allem dadurch, dass

sie als Gartenpflanze beliebt ist und daher

ausgegraben wird.

Text: Prof. Dr. Hermann Cordes

Fotos mit frdl. Genehmigung der Loki-

Schmidt-Stiftung

28 RUNDBLICK Frühjahr 2013


Himmelsziege im Sinkflug?

Die Bekassine zwischen Osterstader Marsch und Teufelsmoor

Vom Naturschutzbund Deutschland

wurde die Bekassine zum Vogel des Jahres

2013 ernannt. Diese Schnepfenvogelart

repräsentiert die Lebensräume Moore und

Feuchtwiesen und ist im Bestand bundesund

landesweit bedroht. Wie der Kiebitz,

der Große Brachvogel und die Uferschnepfe

gehört sie zu den Watvögeln. Sie

alle sind Opfer einer systematischen Zerstörung

ihrer Brut- und Nahrungshabitate

durch Entwässerung, intensive Landwirtschaft

und Torfabbau.

Den Beinamen Himmelsziege verdankt

die Bekassine dem „Meckern“ während

des Balzfluges. Dieses typische Geräusch

ist kein Ruf oder Gesang, die Flügel werden

wie ein Instrument genutzt. Vor allem das

balzende Männchen zeigt den charakteristischen

Sturzflug. Dabei winkelt es die Flügel

an, spreizt die Schwanzfedern fächerförmig

ab. Der Luftstrom versetzt die

äußeren Schwanzfedern in Vibration.

Durch rasche, zitternde Flügelbewegungen

erhält der Ton sein Tremolo, das sich

ähnlich wie das Meckern einer Ziege

anhört.

Die Bekassine entspricht in der Größe

einer Singdrossel. Das Gefieder besitzt eine

gute Tarnfärbung mit deutlichen Längsstreifen

auf Kopf und Rumpf. Der gerade

Schnabel, doppelt so lang wie der Kopf, ist

besonders markant. Damit kann sie im

Untergrund gleichzeitig stochern, tasten

und Nahrung aufnehmen. Die Schnabelspitze

ist biegsam, sodass sich der

geschlossene Schnabel leicht in den weichen

Boden bohren lässt. Kleine Beutetiere

kann der Vogel aufnehmen, ohne ihn erst

aus der Erde ziehen zu müssen.

Über neunzig Prozent der Moore und

des Grünlandes in Deutschland sind abgebaut,

entwässert oder werden intensiv

bewirtschaftet. Im Laufe der letzten zwanzig

Jahre hat sich der Bestand der Bekassine

halbiert. In Deutschland wird er heutzutage

auf nur noch etwa 5.500 – 8.500

Brutpaare geschätzt.

Je „nässer“ desto besser

Lange Schnäbel brauchen weiche

Böden und flache Gewässer, in denen nach

Beute gestochert werden kann. Je „nässer“

desto besser. Solche Lebensräume finden

sich heute fast nur noch in geschützten

Bereichen, in Naturschutz- oder Vogelschutzgebieten.

Dabei sind diese Flächen

meist immer noch zu klein, um den

Bestand zu sichern.

Das gilt auch für den Landkreis Osterholz.

Im Süden der Osterstader Marsch ist

in den letzten Jahren kein Brutnachweis

der Bekassine mehr gelungen. Die letzten

Balzflüge wurden im Jahr 2010 am Geest-

RUNDBLICK Frühjahr 2013

Die Bekassine, Charaktervogel des Teufelsmoores

Foto: NABU/W. Rolfes

rand bei Meyenburg und im Garlstedter

Moor beobachtet. In diesem Gebiet sind

einzelne Bekassinen ganzjährig und

größere Trupps gelegentlich anzutreffen.

Bestand als Brutvogel

akut bedroht

Noch in den 80er und 90er Jahren übernachteten

im Herbst große Bekassinen-

Trupps mit mehr als 100 Vögeln in den

Schwaden des Wasserknöterichs an der

großen Neuenkirchener Pütte. Solche

Beobachtungen hat es in den letzten Jahren

nicht mehr gegeben. Auch aus dem

St. Jürgensland und den Truper Blänken

gibt es keine guten Nachrichten. Hier ist

der Bestand der Bekassine als Brutvogel

akut vom Erlöschen bedroht. Es fehlt der

Lebensraum, um Jungtiere großzuziehen.

In der Hammeniederung sah es lange

Zeit besser aus. Die Bekassine wurde dort

bereits in den 1960er Jahren von Franz

Heike als Charaktervogel beschrieben.

Seither hat sie sich unter den Watvögeln

am besten behaupten können und ist mittlerweile

die häufigste Schnepfenvogelart

in diesem Gebiet. Sie besiedelt vorwiegend

die nassesten, sumpfartig ausgeprägten

Bereiche, darunter die wenigen

Grünlandsenken, sehr feuchtes oder nasses

Grünland, Binsenflächen, Schwadensümpfe,

wollgrasgeprägtes Grünland

(Kleinseggenrasen), Röhrichtränder und

lichte, schüttere Erlenbestände innerhalb

des Grünlandes.

Offenbar war die Art um 1986 noch

häufiger. Inzwischen sind intensiver

bewirtschaftete Flächen nicht mehr besiedelt.

Zwischen 1998 und 2006 hat die Art

im Bestand wieder deutlich zugenommen.

Das Gebiet hatte sich gut entwickelt. Ein

großer Teil der Hammeniederung ist im

Rahmen eines Naturschutzgroßprojektes

seitens des Landkreises extensiviert worden.

Das Räumen der Gräben und das Verfüllen

von Senken haben nachgelassen, im

Grünland wurden zahlreiche Blänken wieder

angelegt.

Die Bekassine hat im südlichen Teufelsmoor

großflächig eine hohe Siedlungsdichte.

Der Bestand in den Postwiesen,

den Hofleuteweiden, am Breiten Wasser

und in der Oberen Beekniederung ist landesweit

als einer der bedeutendsten anzusehen.

Durch intensive Zählarbeiten konnten

im Durchschnitt 8,6 Reviere pro 100

Hektar innerhalb einer rund 1160 Hektar

großen Kernfläche identifiziert werden.

Damit erreicht sie in unserem Raum noch

höchste Siedlungsdichten. Die Hamme-

Wümmeniederung ist deutschlandweit ein

Schwerpunktlebensraum der Art.

Seit 2006 zeigen sich jedoch auch in

der Hammeniederung zurückgehende

Bestandszahlen. Schutzmaßnahmen am

Dümmer haben gezeigt, dass Watvögel

zum langfristigen Überleben großflächige

Gebiete benötigen, die bis in den Sommer

hinein überschwemmt sind. Außerhalb des

Projektgebietes besteht in der Hammeniederung

weiteres Potenzial, den Siedlungsraum

dieser stark bestandsgefährdeten

Vogelart zu erweitern.

Erlebnis Bekassine:

Ende Februar/Anfang März treffen die

ersten Bekassinen ein, im April bis Anfang

Mai sind dann die charakteristischen Balzflüge

vor allem in den Dämmerungsphasen

zu beobachten.

Die Biologische Station Osterholz bietet

im Rahmen der „Wege ins Moor 2013“ am

20. April 2013 die Fahrrad-Exkursion „Fliegende

Ziegen in der Hammeniederung?“

an. Tasso Schikore übernimmt die Leitung.

Treffpunkt ist die BioS, Lindenstraße 40 in

Osterholz-Scharmbeck, um 16 Uhr. Fahrrad,

wetterfeste Kleidung und möglichst

ein Fernglas sind mitzubringen.

Siegfried Makedanz und Tasso Schikore

Die Autoren danken Ekkehard Jähme für

Informationen zur Bestandsentwicklung im

Westen des Landkreises.

Weitere Informationen:

www.biologische-station-osterholz.de

29


Standgerichte in Norddeutschland

Mit dem Auf- und Ausbau der Wehrmacht

etablierte sich ab 1934 auch eine

eigene Gerichtsbarkeit der deutschen

Streitkräfte, die sich stetig vergrößerte und

– vor allem mit Kriegsbeginn – an Einfluss

gewann. Neben deutschen Soldaten war

sie für Kriegsgefangene, aber auch für die

Aburteilung von deutschen und ausländischen

Zivilisten zuständig. Stetig arbeiteten

die Juristen der Wehrmacht dabei an

Novellierungen des althergebrachten

Militärstrafrechts und setzten neben der

verstärkten Politisierung der Tatbestände

sowie der Rechtsprechung auch auf eine

Einbeziehung derjenigen Schlüsse, die sie

aus der Tätigkeit von Militärstrafgerichten

während des Ersten Weltkrieges gezogen

hatten. Dazu gehörte die Möglichkeit, dass

Kriegsgerichte auch in der Form eines

sogenannten Standgerichts Prozesse

führen konnten. Die Bedeutung von

Standgerichten lag in erster Linie in der

Gelegenheit, sofort – das heißt an Ort und

Stelle – urteilen zu können, also ohne langwierige

Ermittlungen abzuwarten, und

darin, das Urteil im Anschluss an die Verhandlung

auch umgehend vollstrecken zu

lassen, statt eine Bestätigung durch eine

hohe Kommandoebene oder gar ein Gnadenverfahren

abzuwarten. Diese Schnellgerichte

waren entsprechend von der NS-

Führung als wirkungsvolles Mittel hochgeschätzt,

um in als krisenhaft angesehenen

Situationen für eine nachhaltige Disziplinierung

zu sorgen. Insbesondere ab Herbst

1944 wurden Standgerichte daher zunehmend

in dem Glauben genutzt, die

schwankenden und ständig bedrohten

Fronten zu stabilisieren – vor allem durch

die massive Aussprache von Todesstrafen.

Neben dem strafenden Charakter hatten

sie nun auch vornehmlich abschreckend

zu wirken. Nachdem sich die Kämpfe mehr

und mehr auf deutschen Boden verlagert

hatten, sollten die harten Urteile nicht

Lesenswertes

Peter Kalmbach -

Wehrmachtsjustiz

Geheime Feldpolizei, Wehrmachtsgefängnisse,

Sondereinheiten, Straflager,

Bewährungsbataillone - die Justizorganisation

der Wehrmacht unterhielt ein weitverzweigtes

System, um Verfolgte zu bestrafen

und zu brandmarken. Zehntausende

Todesurteile und Hunderttausende Freiheitsstrafen

sind das Resultat dieses Apparates,

dessen Machtfülle sogar die Kompetenzen

des Justizministeriums mit seinen

politischen Sondergerichten übertraf.

Die Studie beschäftigt sich mit dem Aufstieg

der Wehrmachtjustiz und den fieber-

Drei Männer stehen in einem Garten vor einem

Standgericht. Diese undatierte Aufnahme stammt

aus einem privaten Album und trägt nur den Hinweis

„Kriegsgericht“. Wo sie entstand, ist unklar. Allerdings

ist sie ein seltenes Dokument, denn Fotografieren

war während der Verhandlungen verboten

allein durch Bekanntmachungen verbreitet

werden, sondern nun kam es auch darauf

an, dass die Gerichteten für viele – Soldaten

und Zivilisten – sichtbar gemacht wurden.

An etlichen Orten konnte man nun

Tote sehen, die, wie zur Schau gestellt, eindringlich

an die starre Einhaltung gegebener

Durchhaltebefehle mahnen sollten.

Zivile, Sonder- und

fliegende Standgerichte

wurden eingesetzt

Ab Februar 1945 vervielfältigte sich

dann diese maßlose Justiz: Neben die bis

dahin bestehende Möglichkeit, dass Regiments-

oder Divisionskommandeure solche

Tribunale einsetzen konnten, kamen in

den folgenden Wochen -zig weitere ähnliche

Einrichtungen hinzu. Nicht nur SSund

Polizei-, sondern auch „zivile“ Standgerichte

wurden eingesetzt; hinzu kamen

Sonder- und „fliegende“ Standgerichte,

die praktisch für sich, losgelöst von militärischen

Verbänden, durch die Gegend

zogen und Todesurteile aussprachen. So

gab es beispielsweise ein von Großadmiral

Dönitz eingesetztes „fliegendes Standgericht

für die Wehrmacht“, das im gesamten

norddeutschen Raum tätig war. Auch

Kommandanten von strategisch wichtigen

Straßen, von Ortschaften, selbst von

Brücken hatten nun Richter bei sich, um

Fahnenflüchtige – häufig waren es nur Versprengte

– , „Wehrkraftzersetzer“ und

andere zu richten. Die Toten lagen

erschossen neben den Wegen oder hingen

an Bäumen und Laternen. Meistens hatten

sie ein Schild um den Hals, das ihr angebliches

Vergehen anprangerte und jeden

Vorbeikommenden einschüchtern sollte.

So geschah es auch im April 1945 in Tarmstedt,

wo – je nach Wahrnehmung einzelner

Zeitzeugen – ein, zwei oder gleich

mehrere Landser im Ort und/oder an der

Einfallstraße hingen. Selbiges geschah in

Osterholz-Scharmbeck, in Seedorf, in

Nordholz und in -zig anderen deutschen

Dörfern, Städten und Landstrichen

Deutschlands. Diese „Urteile“ wurden nur

in seltenen Fällen noch schriftlich dokumentiert,

häufig wurden den Toten die

Erkennensmarken abgenommen, sodass

Angehörige bis jetzt im Unklaren über

deren Schicksal belassen wurden. Überhaupt

gibt es kaum Anhaltspunkte, in welchem

Umfang und an welchen einzelnen

Orten derartige Gerichte Exekutionen

anordneten.

Tausende von Menschen haben das Wirken

dieser Kriegs- und Standgerichte erleben

müssen. Wer darüber berichten kann

und mag, kann durch jeden Hinweis zur

Aufklärung beitragen und wird gebeten,

sich zu wenden an Peter Kalmbach, Fliederweg

9, 26919 Brake, E-Mail peter.kalmbach@gmx.de,

Tel. 04401/7079731 oder

0421/244442040. Vertraulichkeit ist dabei

selbstverständlich.

Peter Kalmbach

haft betriebenen Mobilmachungsplänen

der „furchtbaren Juristen“ bis zum blutigen

Finale, in dem die vorherigen Schreibtischtäter

sich zum Teil persönlich als Richter

und Henker gleichzeitig betätigten.

Erschienen im Metropol Verlag , Berlin

ISBN: 978-3-86331-053-0

Der Autor:

Peter Lutz Kalmbach, Dr. jur, geboren

1976 in Stade, 1996 Abitur, kaufmännische

Ausbildung, 2000-2005 Studium der

Rechts- und Wirtschaftswissenschaften,

2007-2009 Rechtsrefendariat, 2009 Promotion,

seit 2008 Lehrbeauftragter an der

Universität Bremen, seit 2010 als Rechtsanwalt

tätig.

Tim Wöbbeking

30 RUNDBLICK Frühjahr 2013


Lesenswertes

Stalag XB Sandbostel

Die nunmehr 4. Auflage des Buches

Stalag XB Sandbostel, erschienen im Temmen-Verlag

in Bremen, ist nun mit einem

ergänzenden Anhang von Andreas Ehresmann

und Klaus Volland im Buchhandel

erhältlich.

Das Buch schildert das Schicksal von

mehr als einer Million internierter Menschen

aus 45 Ländern, größtenteils aus der

Sowjetunion. Das Lager Sandbostel, ca. 15

Minuten Autofahrt von Gnarrenburg entfernt,

erschreckt noch heute durch die Vielzahl

der präsenten Baracken. Unerwartet

tauchen die Baracken unweit der Landstraße

auf und lassen nur erahnen, welches

Grauen sich hier zur Nazizeit abgespielt hat.

Dass hier im April 1945 auch ein Gefangenenlager

für 10.000 KZ-Insassen war,

von denen Tausende den Tod fanden und

unter menschenunwürdigen Bedingungen

lebten, ist vielen Menschen ein noch immer

unbekanntes Geheimnis düsterster Vergangenheit

und zeigt, dass es auch in unserer

Sehenswertes

Liebeserklärung an die Heimat

Auf ganz beeindruckende Weise stellt

Heimat-Rundblick-Redakteur Wilko Jäger

auf einer Foto-DVD die Gemeinde Schwanewede

vor. In professionellen Fotos zeigt

er dabei die einzelnen Ortschaften mit

historischen Bauernhöfen, Herrenhäusern

und den oft noch dörflich geprägten Ortskernen

sowie die Vielfältigkeit der Landschaft

mit Buchenwäldern, einsamen

Bächen, weiten Wiesen sowie Deichen und

Stränden vor.

Die unmittelbare Nähe zur Weser verleiht

dieser Region einen maritimen Touch, der

mit der weiten Landschaft und den noch

großen, unverbauten Flächen einen ganz

besonderen Charme versprüht.

Hörenswertes

Hohehorst auf DVD

In dem von August Hoinka herausgegebenen

Film von 68 Minuten Dauer wird

dem Betrachter vieles aus der wechselvollen

Geschichte des einst so prächtigen

Gutes Hohehorst nähergebracht. Dabei

berichtet Hans-Werner Liebig vieles über

die Beweggründe der Familie Lahusen,

warum sie ein für damalige Verhältnisse so

modernes Gutshaus und Unternehmen

mit Ländereien, Fischzucht und Schweinezucht

errichtet haben.

Hans-Werner Liebig geht auch auf die

einstige Pracht des Anwesens und die Folgezeit

ein und zeigt dabei seltene Fotos

aus vergangenen Tagen. Auch wird über

den heutigen Zustand und den Zerfall der

RUNDBLICK Frühjahr 2013

Region Menschen vernichtende Lager gab.

Die Autoren Werner Borgsen und Klaus

Volland haben in diesem Buch alles zusammengetragen,

was Befragungen zahlreicher

Zeitzeugen und die Sichtung von Originaldokumenten

nach sorgfältiger Recherche

ans Tageslicht befördert haben.

Dabei schildern die Autoren die Vorkommnisse

im Lager zwischen 1939 und

1945 und zeigen erstmalig in diesem Buch

veröffentlichte Fotos, Texte und Doku-

Wilko Jäger geht auch auf die Menschen

ein, die versuchen, diese Landschaft mit

ihren alten Ortskernen zu erhalten und auf

die damit verbundenen Schwierigkeiten.

Die Vermaisung der Kulturlandschaft, der

Bau von Biokraftanlagen und die Entste-

Parkanlagen, notwendige Investitionen

am Herrenhaus und verlorengegangene

Schätze aus Park und Herrenhaus berichtet.

Mit seltenen Innenaufnahmen werden

die Pracht von damals und der üppige

Luxus für kurze Zeit wieder lebendig. Doch

Hans-Werner Liebig erzählt auch von dem

mente. Auf 308 Seiten liest man von

der Entwicklung des Lagers, von der

Ernährung der Insassen, vom Arbeitseinsatz

der Kriegsgefangenen, von unterschiedlicher

Behandlung der Nationalitäten, von

missglückten Fluchten, Bestrafungen und

von der Überlebensstrategie der Gefangenen.

Erschreckende Fotos zeigen verhungerte

Menschen und Leichenkommandos

auf dem Weg zu den Massengräbern.

In einem weiteren Kapitel behandelt das

Buch die Befreiung des Lagers durch britische

Truppen und den Zwangsdienst der

Bewohner der umliegenden Dörfer, welche

zur Pflege der ehemaligen Insassen und zum

Ausheben von Massengräbern herangezogen

wurden. Auf welche Weise sich die ehemaligen

Lagerinsassen an der Bevölkerung

der umliegenden Ortschaften rächten, wird

in diesem Buch ebenfalls geschildert.

Das Buch Stalag XB Sandbostel ist im

Temmen-Verlag erschienen mit 308 Seiten

und 137 Abbildungen im Format 17 x

24 cm mit Hardcover-Einband und im

Buchhandel zum Preis von 19,90 Euro

erhältlich (ISBN 978-3-926958-65-5).

Tim Wöbbeking

hung von Windkraftanlagen verändern

auch hier zunehmends das Gesicht der

Landschaft. Die DVD „Heimat zwischen

Geest und Strom“ zeigt ausführlich und

informativ die Gemeinde Schwanewede

mit all ihren Attrraktionen, beschreibt deren

Entwicklung und geht auch auf Geschichtliches

ein. Der Betrachter dieser DVD wird

mit Sicherheit noch viele neue Gesichter

dieser Region entdecken.

Heimatforscher Wilko Jäger und die Sprecher

Marie Rubach und Peter Otto haben

hier ein sorgfältig abgestimmtes Werk

erstellt, welches als sehr sehenswert eingestuft

werden kann.

Erhältlich ist diese DVD in der Buchhandlung

„Lesezeichen in Schwanewede“.

Tim Wöbbeking

einstigen Schloss, welches nach nur knapp

60-jährigem Bestehen dem neuen Herrenhaus

weichen musste. In einem spannenden

Rundgang werden die einst zum Gut

gehörenden Höfe, Stallungen und Gutshäuser

vorgestellt und über die Nutzung

von damals bis in die Gegenwart berichtet.

Der gelungenen DVD liegt eine Kurzhistorie

über Höhen und Tiefen des Guts Hohehorst

bei.

Dem Engagement von Hans-Werner Liebig

ist es zu verdanken, dass heute so viel

Wissenswertes über Hohehorst erhalten

geblieben ist.

In Kürze wird noch ein zweiter Teil des

Films zu erwarten sein.

Die DVD ist zum Preis von 12 Euro bei

Hans-Werner Liebig (Tel. 0421-622273)

und bei August Hoinka (Tel. 0421-601853)

erhältlich. Tim Wöbbeking

31


„Wo die dunklen Tannen ragen …“

„Auf die Berge will ich steigen, „Lebet wohl, ihr glatten Säle !

wo die dunklen Tannen ragen, Glatte Herren ! Glatte Frauen !

Bäche rauschen, Vögel singen, Auf die Berge will ich steigen,

und die stolzen Wolken jagen.“ lachend auf euch niederschauen.“ (Heinrich Heine (1797–1856),

aus „Die Harzreise“ 1824)

Der Heimatverein Lilienthal lud zu einer

Ton-Dia-Schau mit Heimat-Rundblick-

Redakteur Wilko Jäger in den Schroetersaal

von Murkens Hof ein. Und der Lehrer im

(Un-)Ruhestand, Autor, Fotograf und Heimatforscher

aus Meyenburg versprach

den Zuhörern und Zuschauern eine Harzreise

durch Geschichte und Gegenwart.

Es wurde eine gelungene Veranstaltung

mit vielen stimmungsvollen Bildern und

ebensolchen Texten. 300 großformatige

Dias des Fotografen Jäger, eingeteilt in vier

Abschnitte, untermalt mit Texten des

Autors Jäger, mit Anleihen bei Goethe,

Heine und anderen deutschen Romantikern,

gesprochen von professionellen

Sprechern, vermittelten Wissens- und

Sehenswertes. Und es gab auch reichlich

Balsam für Auge und Seele. Es kamen Erinnerungen

auf an Klassenfahrten in der

Jugendzeit mit romantischen Erlebnissen

und belebten den Wunsch, doch wieder

eine Harzreise zu unternehmen.

Der Vortrag begann mit einem Einblick

in die reiche Geschichte und in die

eindrucksvolle Geologie des Harzes,

beschrieb den Wasserreichtum und die

Bergwälder des Harzes, bestehend aus hellen,

lichtdurchfluteten Laub- und dunklen,

gespenstischen Nadelwäldern.

Der Harz ist ein Hochgebirge mitten im

Flachland der Norddeutschen Tiefebene

und zeigt in seiner geologischen Zusammensetzung

eine Vielfalt, wie kein anderes

Gebirge in Mitteleuropa. Hier finden

wir die „klassische geologische Quadratmeile“.

Senkrecht gestellte Gesteins-

Teufelsmauer bei Blankenburg

schichten durchstoßen die Erdoberfläche

und ermöglichen spannende Einblicke in

die Erdgeschichte. Der Harz wurde im Verlaufe

der Erdgeschichte in seiner Entstehung

„mehrfach angehoben, abgetragen,

gesenkt und überflutet.“

Der Harz zeichnet sich durch eine Vielfalt

landschaftlicher Formen aus. Es gibt weite

Buchenwälder und düstere Fichtenwälder,

schroffe Felsklippen, rauschende Wasserfälle,

tief eingeschnittene Flusstäler, sanfte

Hochebenen mit weiten Wiesenflächen,

einsame Hochmoore mit blühendem Wollgras

und schwankendem Boden, über 70

Teiche aus alter Bergbauzeit, 17 Talsperren

und Stauseen der heutigen Wasserwirtschaft,

zahlreiche Aussichtspunkte mit Fernblicken

von unbeschreiblicher Schönheit

und 7 „kleinste Städte“ mit dem Privileg

„Bergstadt“: Altenau, Clausthal, Grund,

Lautenthal, St. Andreasberg, Wildemann,

Zellerfeld.

Im 10. Jahrhundert

Mittelpunkt des Reiches

Durch die exponierte Lage des Harzes,

durch Wasser-, Holz-, Wildreichtum, durch

Bodenschätze und Bergbau blickt die Harzregion

auf eine lange Geschichte zurück.

Viele germanische Stammesverbände

haben hier Spuren hinterlassen. Thüringer,

Sachsen, Franken besiedelten das Harzgebirge

und im Mittelalter, im 10. Jahrhundert,

war der Harz gar Mittelpunkt des

Deutschen Reiches. Dem sächsischen Herzog

Heinrich I. (876-936) wurde hier 919

beim Vogelfang im Harz von den deutschen

Fürsten die Königswürde angetragen.

(Ballade: „Heinrich der Vogler“) Sein

Sohn, der spätere Otto der I. oder Otto der

Große (912-973) wurde hier geboren.

Heinrich der II. (973-1024), ein Urenkel

von Heinrich dem I., wurde 1014 vom

Papst zum römisch-deutschen Kaiser

gekrönt. Die Ottonen, dann die Salier, später

verschiedene Grafengeschlechter und

Fürstenhäuser, wie die Welfen und Anhalter,

gründeten ihre Macht auf die Erzbergwerke

im Harz, wie beispielsweise den

Rammelsberg bei Goslar (seit 968).

Hier entstand das „Gesetzbuch“

des Mittelalters

Im Harz entstand auch das „Gesetzbuch“

des Mittelalters. Von 1220-1230

verfasste der Edelmann Eike von Repgow

den „Sachsenspiegel“ auf der Burg Falkenstein

über dem Selketal im Ostharz.

Die Harzregion ist reich an Sagen und

Geschichten, an Mythen und Poesie und

der Harz ist in der deutschen Kulturgeschichte

fest verankert. Der Harz und der

Brocken, der höchste Gipfel des Harzes,

hinterließen Spuren bei Goethe, Schiller

und Heine, aber auch bei Eichendorff,

Fichte, Gleim, Hoffmann, Klopstock, Koch,

Leibniz, Löns, Novalis (Hardenberg), Telemann,

Riemenschneider. Goethes literarische

und wissenschaftliche Bereisungen

des Harzes 1777, 1783, 1784 lieferten

Anregungen, die von ihm in seinem „Doktor

Faust“ verarbeitet wurden und der

Brocken ging mit der Walpurgisfeier und

als Blocksberg in die Literatur ein.

Zur Kulturgeschichte des Harzes

gehören jedoch auch die der bedeutenden

Pfalz- und Klosterbauten. Dazu zählen die

Pfalz Goslar und Werla am Rand des Harzes

und die Klöster Walkenried (1129), auch

bekannt geworden durch die Zerstörung

1525 während des Bauernkrieges (Thomas

Münzer), Wendhausen (9. Jh.), Drubeck

(10. Jh.), Ilsenburg (11. Jh.), Himmelpforten

(1253), bekannt durch einen Besuch

Martin Luthers im August 1517 und durch

Plünderung im Bauernkrieg 1525. .

Durch den Vortrag zog sich wie ein kleiner

roter Faden die Heine´sche „Harzreise“,

unterlegt mit stimmungsvollen und

zum Teil außergewöhnlichen Fotografien

von Wilko Jäger, die die eindrucksvolle

Natur des Harzes und die anheimelnde

Gemütlichkeit in den Harzstädten treffend

wiedergaben.

32 RUNDBLICK Frühjahr 2013


Schloss und Stiftskirche in Quedlinburg

Das waren nach Heine „die bunten

Fäden, die so hübsch hineingesponnen

sind, um sich im Ganzen harmonisch zu

verschlingen“.

Heinrich Heines literarischer Reisebericht

„Die Harzreise“ beschreibt „mit brillianter

Erzählkunst“ die Wanderung des Dichters

als junger Student durch den Harz im Jahre

1824. Diese Reise ging von Göttingen aus

gen Norden und führte über Nörten und

Hardenberg nach Osterode, Clausthal und

Zellerfeld, Goslar und zum nahen Rammelsberg.

Dann zum und über den Brocken

mit Aufstieg und Übernachtung, ging weiter

nach Osten nach Ilsenburg, Wernigerode,

Elbingerode und über Rübeland, Treseburg

nach Harzgerode. Von dort aus

wandte er sich nach Süden und kam über

Roßla und Kelbra, mit einem Abstecher

zum Kyffhäuser zur berühmten Rotheburg

und Burg Kyffhausen, nach Sangerhausen.

Heine fing 1824 mit „liebevollen Worten“,

„voller Witz und Ironie“, aufgelockert

durch einige Gedichte den „Zauber des

Harzes“ ein. Beispiel sind die Schilderungen

der Natur in den Flusstälern des Harzes,

in dem der „lieben, süßen Ilse“, der

Selke, dieser „schönen, liebenswürdigen

Dame“, der „herrlichen Bode“. In „Die

Harzreise“ wird schon der kommende

literarische Stil von Heinrich Heine erkennbar,

bestehend aus „romantischen Sehnsüchten

und Enttäuschungen, Illusionen

und Ironien“. Er arbeitete später als „kritischer,

politisch engagierter Journalist,

Essayist, Satiriker“. „Er brachte Lyrik in die

Alltagssprache und ließ der deutschen

Literatur eine nie zuvor gekannte Leichtigkeit

zuteil werden.“ Heine wurde einer der

größten deutschen Dichter und Journalisten

des 19.Jahrhunderts und zählt zu den

letzten Dichtern der deutschen Romantik.

Wilko Jäger fasste zusammen: Seit dem

Mittelalter waren im Harz Bergbau und

Köhlerei, der Holzabbau und die Wasserwirtschaft

die wirtschaftliche Grundlage.

RUNDBLICK Frühjahr 2013

Stabkirche in Hahnenklee

Schloss und Stiftskirche in Quedlinburg

Heute Tourismus wichtiger

Wirtschaftszweig

Im 18. Jahrhundert kamen die Forstwirtschaft

und kleine Industriebetriebe

hinzu und im 19.Jahrhundert mit dem

wohlhabenden Bürgertum das Bäder- und

Wanderwesen, man fuhr in den Harz zur

„Sommerfrische“. Heute ist der Tourismus

ein wichtiger Wirtschaftszweig im Harz.

Wilko Jäger wusste in Wort und Bild über

weitere Sehenswürdigkeiten im Harz zu

berichten. Über die 1897 erbaute kleinste

Holzkirche Deutschlands im kleinen Harzort

Elend, über die 1637 bis 1642 erstellte

größte Holzkirche Mitteleuropas in Clausthal-Zellerfeld

und über die 1908 fertiggestellte

nordische Stabkirche in Goslar-Hahnenklee.

Er berichtete über die in den letzten

Jahren auch weltweit beachteten

Sehenswürdigkeiten des Harzes, die als

Weltkulturerbe mit dem Titel „UNESCO-

Welterbe“ ausgezeichnet wurden. Dazu

avancierten 1992 der Rammelsberg und

die Altstadt Goslar, 1994 die Stadt Quedlinburg,

als eines der größten Flächendenkmale,

und 2010 das Kloster Walkenried

und die Oberharzer Wasserwirtschaft,

das „Harzer Wasserregal“.

Zur Wasserwirtschaft und zum Tourismus

im Harz gehören heute nicht nur das „Harzer

Wasserregal“ mit den sich durch den

Harz ziehenden Wasserkanälen und Teichen

aus historischer Bergbauzeit (Oderteich),

sondern auch die neuzeitlichen Talsperren

und Stauseen, die vor allem in den 1930er

Jahren und nach dem Kriege in den 50er

und 60er Jahren errichtet wurden. Dazu

gehören die Sösetalsperre (1928-1931),

Odertalsperre (1931-1933), Eckertalsperre

(1938-1942), Okertalsperre (1952-1956),

Innerste-Talsperre (1963-1966), Granetalsperre

(1966-1969). Eingebettet in die

umliegende Landschaft geben diese

großen Wasserflächen stimmungsvolle und

malerische Bilder. Auch das bewiesen die

Fotos von Wilko Jäger an diesem Abend.

Text: Johannes Rehder-Plümpe

Bilder: Wilko Jäger

33


Ein Lesumer als Delegierter beim „Tag der

Deutschen Einheit 2012“ in München

Man hätte es wie einen Lottogewinn

empfinden können, als Mitte Juli 2012 die

Einladung zur Teilnahme an den offiziellen

Feierlichkeiten zum „Tag der Deutschen

Einheit“ aus dem Bremer Rathaus eintraf.

Zuerst ist man unsicher, ob das auch seine

Richtigkeit hat und man fragt sich, was der

Anlass sein könnte für diese ehrenvolle Einladung.

Bei einer Vorbesprechung im Bremer

Rathaus am 6. September wurde von der

Protokollchefin der Senatskanzlei das

umfangreiche Programm in München

erläutert und auf den hochoffiziellen Charakter

der Veranstaltungen hingewiesen. In

einer Teilnehmerliste war kurz vermerkt,

durch welche Aktivitäten jeder Einzelne

aufgefallen war, die dann zu den Einladungen

führten.

„Schreiberei“ gab

den Ausschlag

Meine Schreiberei, Vorträge und die

Anregung, in Lesum ein Gräfin-Emma-

Denkmal zu schaffen, gaben wohl den

Ausschlag.

Am Dienstag, dem 2. Oktober, fuhren

wir frühmorgens vom Bremer Hauptbahnhof

Richtung Süddeutschland, 11 Bremer

und 4 Bremerhavener. Nach einer sechsstündigen

Fahrt im ICE trafen wir gegen

Mittag in München ein. Auf dem dortigen

Hauptbahnhof erwartete uns eine hübsche

ortskundige Gästeführerin, die in einem

Dirndlkleid freundlich lächelnd mit einer

kleinen Bremenfahne wedelte. Ein Bus

brachte uns zum Hilton-Hotel am Tucherpark.

Den überreichten Einladungsschreiben

nach waren die Delegationen zuerst vom

bayrischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer

ab 16.00 Uhr zu einer Brotzeit im

Hofgarten eingeladen. Die Tischreihe war

Empfang beim Bundespräsidenten

über 100 m lang, bestückt mit Brot aus

allen Bundesländern, sowie verschiedene

Käse- und Wurstauflagen auf großen Holzplatten

aus der süddeutschen Region. Bier

und Wein wurde je nach Wunsch ausgeschenkt

und Horst Seehofer und einige seiner

Minister waren mittendrin.

Die Stimmung war fröhlich, das Wetter

konnte nicht besser sein und die Münchener

Politiker beim Gespräch locker, volksnah

und zum Anfassen.

Staatsminister Thomas Kreuzer, Leiter

der bayerischen Staatskanzlei, hatte zu

einem Empfang in die BMW-Welt eingeladen.

Aus bayerischer Sicht war das ein

wichtiger Programmpunkt, denn hier

konnte man die neuesten und auch die

teuersten Automobile bewundem und sich

über die Geschichte der Bayerischen

Motoren Werke informieren.

Ein kurzer Gang zum nahen Olympiaturm

war notwendig, um in zwei großen

Personenaufzügen auf den etwa 190 m

hohen Aussichtsrundgang zu gelangen.

Die Gesamthöhe des Olympiaturms beträgt

290 m. Mit einem unbeschreiblichen

Blick von oben auf das Lichtermeer dieser

rund 1,4 Mio. Einwohner zählenden Stadt,

endete gegen 22.00 Uhr der erste Tag in

der bayrischen Hauptstadt.

Der 3. Oktober, der eigentliche Anlass

unserer Reise, stand ganz im Zeichen der

Feier der deutschen Einheit. 2.500 Polizeibeamte

sorgten für die Sicherheit der Festteilnehmer.

Auf Einladung des Erzbischofs Reinhard

Kardinal Marx und des Landesbischofs der

Evangelisch-Lutherischen Kirche, Heinrich

Bedford-Strohm, war ab 10.00 Uhr ein

ökumenischer Gottesdienst in der St.

Michaels-Kirche anberaumt. Zuvor aber

mussten die Eingeladenen durch Kontrollen

und von Polizei gesicherte Straßen

gehen. Um 9.00 Uhr mussten die Plätze

eingenommen sein.

Die Jesuiten-Kirche St. Michael, die im

HB-Bildatlas als die größte Renaissance-Kirche

nördlich der Alpen beschrieben wird,

wurde in den Jahren 1583 -1597 erbaut.

Für geschichtsinteressierte Bremer ist es

bemerkenswert, wenn auswärts Hinweise

auf unsere alte Hansestadt zu finden sind,

so auch in diesem Gotteshaus. Noch weit

vor Beginn der Hansezeit wurden im Jahre

965 die Gebeine der beiden Arztheiligen

Cosmas und Damian als Reliquien von

Rom nach Bremen gebracht. Hier war man

sich im Laufe der Zeit der Bedeutung der

Reliquien nicht voll bewusst, denn sie verschwanden

im Bremer Dom hinter einer

Mauer. Um 1400, durch einen Zufall entdeckt,

wurde im Auftrag des Bürgermeisters

Johann Hemling - der auch den Bremer

Roland mitfinanziert hat - ein silbervergoldeter

Reliquienschrein angefertigt,

der das kostbarste Stück des Domschatzes

war. Das Domkapitel allerdings war auf

Geld bedacht und verkaufte den Reliquienschrein

1648 an Kurfürst Maximilian

von Bayern, der ihn 1649 in die Münchener

St. Michaels-Kirche überführen ließ.

Dort ist er noch heute zu sehen. Auf einer

kleinen Messingplatte ist die Herkunft aus

Bremen kurz beschrieben.

Text von Rudolf Alexander

Schröder, Melodie von

Christian Lahusen

Nun aber zum Gottesdienst, der mit

einer Bläserintrade und dem gemeinsam

gesungenen Lied „Nun danket alle Gott

...“ begann. Es folgten ein liturgischer

Gruß, Psalmenworte, Lesung und das Lied

„Wir glauben Gott im höchsten Thron ...“,

Text: Rudolf Alexander Schröder, Melodie:

Christian Lahusen. Beide Namen sind mit

Bremen eng verbunden. Nach der Predigt,

natürlich dem Tag angepasst, sangen Chor

Unser Redaktionsmitglied Rudolf Matzner (r), Kurt Beck (Mitte) und der Bremer

Muritala Awolola

34 RUNDBLICK Frühjahr 2013


und Kirchenbesucher „Großer Gott, wir

loben Dich ...“.

Auf dem anschließenden Weg zum

Nationaltheater standen zahlreiche

Zuschauer hinter der Absperrung, grüßten,

fotografierten und zeigten sich in

fröhlicher Stimmung. Abermals über einen

roten Teppich gehend, betrat man einen

Prachtbau, der in den Jahren 1811-1818

errichtet und im letzten Weltkrieg zerstört

worden ist. 1963 im alten Glanz wieder

eröffnet, zählt das Haus mit seinen 2100

Plätzen und fünf Rängen zu den größten

Opernhäusern Europas.

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer

war in seiner lockeren Art bemüht, bei

der Begrüßung auch niemand von den

vielen prominenten Gästen zu vergessen.

Das Bayerische Staatsorchester und im

Hintergrund der Chor des Opernhauses,

sorgten für die musikalische Begleitung.

Bundestagspräsident Norbert Lammert

erinnerte in seiner Festansprache, wie sehr

wir Deutschen dankbar sein können, dass

die deutsche Wiedervereinigung unblutig

herbeigeführt worden ist. Genauso wichtig

sei es nun, ein vereintes Europa anzustreben.

Es waren wohl- und gutgesetzte

Termine der

Heimatvereine

Findorff-Heimatverein Grasberg

Findorff-Hof Grasberg, Am Schiffgraben 7

Kontakt: Hilde Bibelhausen

Tel.: 04208 / 12 44

Sonntag, 28. April 2013

15.00 Uhr, Kaffeenachmittag, Findorff-

Hof Grasberg

Donnerstag, 9. Mai 2013

10.0 Uhr, Plattdeutscher Himmelfahrts-

Gottesdienst, Findorff-Hof Grasberg

Sonntag, 26. Mai 2013

15.00 Uhr, Kaffeenachmittag mit den

Plattsnackers, Findorff-Hof Grasberg

Sonntag, 30. Juni 2013

15.00 Uhr, Kaffeenachmittag, Findorff-

Hof Grasberg

Heimatverein Lilienthal e.V.

Klosterstraße 16 b, 28865 Lilienthal, Tel.:

04298 / 60 11

Mittwoch, 10. April 2013

20.00 Uhr, „Im nassen Dreieck – Zwischen

Hamburg und Bremen 1866 –

1959“, Filmabend, Heimatmuseum, Klosterstraße

16 B, Info-Telefon 04298 / 54 72 (K.-H.

Sammy)

RUNDBLICK Frühjahr 2013

Worte, die Beifall verdienten. Ein großer

Kinderchor sang ein altes deutsches Volkslied

und erntete viel Applaus. Abschließend

wurden die bayerische Staatshymne

und danach das Deutschlandlied

gesungen. Ich kann nicht verhehlen, dass

das bei vielen Anwesenden unter die Haut

ging und der Festakt als eine würdige Veranstaltung

empfunden wurde. Man war

emotional berührt.

Und dann begann der Empfang der

Gäste und der Bürgerdelegationen beim

Bundespräsidenten. Die schlossähnlichen

großen Räume boten einen exzellenten

Rahmen für viele Begegnungen, Händeschütteln

und zwanglose Gespräche. Der

Bundespräsident Joachim Gauck hielt eine

kurze Rede.

Oft und viel wurde fotografiert und als

ein jüngerer Mann abermals den Bundespräsidenten

aufnehmen wollte, sagte dieser:

„Na, denn kommen Sie her, dann lassen

wir uns beide fotografieren, denn die

Oma zu Hause möchte doch wissen, ob Sie

auch wirklich den Bundespräsidenten

gesehen haben und nun sind wir beide

zusammen auf einem Bild.“ - Freudiges

Gelächter von allen Seiten.

Sonntag, 21. April 2013

Gedenkveranstaltung aus Anlass des

200. Jahrestages des großen Lilienthaler

Brandes 1813.

Mittwoch, 24. April 2013

14.00 Uhr, Besichtigung der Kaffeerösterei

„de Koffiemann“, Am Wolfsberg 24

(Gewerbegebiet Moorhausen), mit Kaffeeverkostung,

anschl. gemeinsame Kaffeetafel,

Anmeldung bis 19. April erforderlich, Info-Telefon

04298 / 83 80 (H. Kühn)

Sonnabend, 25. Mai 2013

13.30 Uhr, Besuch der „Museumsanlage

Moorkate“ des Heimatvereins Ströhe-

Spreddig e.V. mit Kaffee und Kuchen, Hinund

Rückfahrt in PKW-Fahrgemeinschaften,

Anmeldung bis 21. Mai erforderlich, Info-Telefon

04298 / 54 72 (K.-H. Sammy)

Sonnabend, 22. Juni 2013

13.30 Uhr, Radtour nach Rautendorf,

Führung durch Teile der Ortschaft, Informationen

zur Geschichte, Kaffee und Kuchen, Anmeldung

bis 18. Juni erforderlich, Info-Telefon

04298 / 91 52 11 (H. Kohlmann)

Heimat- und Bürgerverein Ritterhude e.V.

Hannelore und Gerhard Monsees

Tel.: 04292 / 27 15

Sonnabend, 27. April 2013

9.00 Uhr, Tagesfahrt nach Neuenkirchen

Vörden

Bleibende Eindrücke

hinterlassen

Das waren einmalige Erlebnisse, die

gewiss bei allen Teilnehmern bleibende

Eindrücke hinterlassen haben.

Den offiziellen Abschluss der Feier zum

„Tag der Deutschen Einheit“ bildete eine

aufwendig gestaltete Laserschau in der Ludwigstraße.

Eine Erinnerung an die Teilung

und Wiedervereinigung Deutschlands.

Am Donnerstag, dem 4. Oktober, standen

wir mittags wieder auf dem Münchener

Hauptbahnhof und wir verabschiedeten

uns von unserem wimpelschwingenden

Münchener Kindl, das seine Aufgabe

gut gemacht hat. Mit unseren weißblauen

Rucksäcken auf dem Rücken verabschiedeten

wir uns von unserer bayerischen

Begleiterin.

Ebenso herzlichen Dank an Frau

Lührßen und Frau Ludewigs von der Protokollabteilung

der Bremer Senatskanzlei,

die uns freundlich betreut haben.

Tschüß, Grüß Gott und herzlichen Dank,

liebes München.

Text und Fotos: Rudolf Matzner

Sonnabend, 18. Mai 2013

13.00 Uhr, Fahrradtour

Sonntag, 26. Mai 2013

4-Tagesfahrt nach Usedom

Sonnabend, 15. Juni 2013

9.00 Uhr, Spargelfahrt zum Spargelhof

Thielmann mit Führung

Worphüser Heimotfrünn e.V.

Hofanlage Lilienhof, Worphauser Landstr. 26 a,

Kontakt: Hinrich Tietjen, Tel. 04792 / 76 79

Mittwoch, 1. Mai 2013

ab 11.00 Uhr, Backtag, Beginn der Saison

auf dem Lilienhof

Sonntag, 23. Juni 2013

10.00 Uhr, Fahrradtour ab Lilienhof

Sonntag, 30. Juni 2013

15.00 Uhr, Offenes Singen, Gem. Chor

Moorende

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