VIERTELJAHRSHEFTE FÜR ZEITGESCHICHTE - Institut für ...

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VIERTELJAHRSHEFTE FÜR ZEITGESCHICHTE - Institut für ...

Lebendige Verbindung mit den Massen 555

Hochschul- Hochschule Mittel- Mittelschule Grundschule

abschluß nicht abge- schule nicht abgeschlossen

schlossen

Rayon-, Stadtkomitees:

1952 18,4 43,9 25,2 9,2 3,0

1956 25,7 52,9 17,3 3,7 0,4

1961 67,8 24,2 7,7 0,3

Grundorganisationen:

1952 9,3 4,7 27,3 29,3 29,4

1956 11,4 7,9 29,5 30,6 20,6

1961 19,7 7,3 37,9 24,8 10,3

Die Angaben machen deutlich, wie sehr sich der Sekretärskader in den fünfziger Jahren

verändert hat 159 . 1958/59 war die Masse der Rayonparteisekretäre - 76% - erst

nach Stalins Tod aufgerückt, ca. die Hälfte erst nach 1955. Gewiß war die Fluktuation

innerhalb des Parteiapparates von jeher hoch, Fluktuation allein kann kein Anzeichen

strukturellen Wandels sein. Signifikant ist aber die Veränderung des Ausbildungsniveaus

der Funktionäre. Auf Rayons- und Stadtebene nahm der Anteil der

Hochschulabgänger zwischen 1956 und 1961 geradezu erdrutschartig zu. Deutlich

besser wurde die Bildungssituation bei den Sekretären an der Basis. Und auf Gebietsund

Republikebene nahm der bereits vorher hohe Qualifikationsstandard noch um

einige Punkte zu 160 . Die Unterschiede im Bildungsniveau auf den verschiedenen Ebenen

des Parteiapparates illustrieren im übrigen auch die Bedeutung, die Bildung für

das Fortkommen eines Parteisekretärs hatte - ohne schulische und berufliche Qualifikation

fiel der Aufstieg schwer.

Daß die Kaderabteilungen bei der Personalauswahl nun verstärkt Gewicht auf

Hoch- und Fachschulabschluß legten, hatte gewiß auch mit der Neuorientierung der

Parteiarbeit zu tun, die Chruscev immer wieder forderte. Nur ein qualifizierter Funktionärskader

konnte Wirtschafts- und Verwaltungsentscheidungen erfolgreich beeinflussen.

Obwohl der Ausbildungsstand besser wurde, gab es aber Schwierigkeiten:

Viele Funktionäre kamen offenbar mit den neuen Aufgaben nicht zurecht, andererseits

setzten sie dem Vorrücken jüngerer Spezialisten anscheinend einen gewissen Wi-

159 Vgl. auch Meissner, Rußland unter Chruschtschow, S. 198 f., über den „Generationssprung als Methode

Chruscevscher Kaderpolitik"; Breslauer, Khrushchev, S. 98 f., weist darauf hin, daß 1960/61

55 von 114 Gebietsparteisekretären ausgetauscht wurden, und bringt das in Verbindung mit Chruscevs

Versuchen, seine wirtschaftspolitischen Vorstellungen durchzusetzen; Einfluß auf den Strukturwandel

im Kaderbereich hatte schließlich auch die Parteischulung, die neue Schwerpunkte setzte:

vgl. W. Leonhard, Party Training after Stalin, in: Survey, No. 20, S. 10-16.

160 In der Gesamtbevölkerung betrug der Anteil der „Intelligenz", d.h. der Berufstätigen mit Hochund

Fachschulabschluß, 1955 2,6%, 1960 4,1%, innerhalb des berufstätigen Teils der Bevölkerung

6,8% und 10,4%; vgl. Senjavskij, Izmenenija, S. 418, 421; innerhalb der KPdSU stieg der Anteil der

Hochschulabgänger zwischen 1956 und 1961 von 11,2% auf 13,2%; vgl. Partijnaja Zizn' 1973,

No. 14, S. 16; die Hebung des Bildungsniveaus im Parteiapparat in diesem Ausmaß kommt also

nicht naturwüchsig zustande, sondern ist Resultat bewußten Handelns.

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