VIERTELJAHRSHEFTE FÜR ZEITGESCHICHTE - Institut für ...

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VIERTELJAHRSHEFTE FÜR ZEITGESCHICHTE - Institut für ...

Lebendige Verbindung mit den Massen 557

Unterstützt von einer Kaderpolitik, die den Anforderungen der Zentrale wenigstens

nominell Rechnung trug 167 , und von einer Neuorientierung der Parteischulung,

die der ökonomischen Ausbildung vermehrtes Gewicht zumaß 168 , suchte das ZK die

Parteiarbeit auf die Produktion hin auszurichten 169 . Seit der Reform der Wirtschaftsverwaltung

im Jahre 1957 gewannen die regionalen Parteikomitees offenbar schrittweise

an Einfluß? 70 . Die Parteizentrale - mit dem Erreichten unzufrieden - machte

sie für Fehlschläge direkt verantwortlich. Sie kritisierte 1958 scharf jene Organisationen

der KPdSU, die sich nicht der Wohnungsfrage angenommen hatten. Komitees

bis hinauf auf Gebietsebene wurden gemaßregelt, wenn sie nicht in der Lage waren,

Agrar- und Industrieproduktion in ihren Einflußbereichen erfolgreich zu organisieren

und die Modernisierung voranzutreiben 171 . Als musterhaft wurde z.B. das Gebietskomitee

von Celjabinsk hingestellt, das unmittelbar - durch ständige persönliche

Überwachung, regelmäßige Kontrolle, Organisierung von Konferenzen zur Überwindung

von Schwachstellen und Engpässen - auf den Bau eines Hochofens einwirkte

172 .

Die Kritik der Parteiführung an der Arbeit ihrer regionalen Apparate verdichtete

sich 1961/62. Sie war zum einen gegen das Verhalten der „Nomenklatur" und die

Mängel der Kaderpolitik gerichtet, zum anderen ging sie mit der Parteiarbeit in der

Produktion ins Gericht. In einer Folge von Dekreten setzte sich das ZK mit der Tätigkeit

von Betriebsparteikomitees und regionalen Parteiorganisationen auseinander.

Das ZK rügte die fehlende Kontrolle der Arbeit der Betriebe, die schwache Mobilisierungs-

und Erziehungsarbeit, fehlende Initiative bei der Organisierung der Produktion

und der Einführung neuer Techniken sowie die zahlreichen Unzulänglichkeiten

im Agrarbereich 173 . Während so in der Öffentlichkeit der Boden für eine durchgreifende

Parteireform bereitet wurde, handelten die Parteiführer im ZK die Konditionen

eben dieser Reform aus. Offenbar war es vor allem Chruscev, der auf eine Stärkung

der Rolle des Parteiapparates hinarbeitete und dazu eine stärkere Spezialisierung

der Parteikomitees anstrebte 174 . Auf einer Beratung lokaler Parteifunktionäre

der RSFSR unterstrich Kirilenko diese Ziele:

Volkswirtschaftliche Disproportionen und Agrarpolitik, in: Boettcher, Bilanz, S. 97-112, hier

S. 103; Thalheim, ebenda, S. 120; vgl. auch Khrushchev Remembers II, 1, S. 137 f.

167

Vgl. oben S. 552 f.

168

Leonhard, in: Survey 1957, No.20, S. 16; K itogam ucebnogo goda v partijnom prosveScenii, in:

Partijnaja Zizn' 1957, No.15, S.24-31, hier S.25.

169

Vgl. B. A. Chotiner, Khrushchew's Party Reform. Coalition Building and Institutional Innovation,

Westport/Conn., London 1984, S. 25 ff., mit Angaben zu den offiziellen Beschlüssen; ferner KPSS

t.7, S. 548 ff., t.8, S. 11 ff., 149 ff.,332 ff.

170

So Bialer, in: Problems of Communism IX, 1960, No.2, S.48;vgl. dagegen Schenk, in: Boettcher,

Bilanz, S. 103.

171

Vgl. Partijnaja Zizn' 1958, No. 15, S.6; Podbirat', in: Kommunist 1961, No.5, S. 15, 18; vgl. oben.

172

Tschurajew, in: Probleme des Friedens und des Sozialismus, 2, 1959, No.6, S.20.

173

Vgl. KPSS t.8, S. 149ff., 155ff., 190, 332ff., 347 ff., 380 ff.; vgl. Breslauer, Khrushchev, S. 98 f.

174

Vgl. Chotiner, passim; Armstrong, in: Soviel Studies XVII, 1965/66, S.417ff., P. B. Reddaway,

The Fall of Khrushchev. A Tentative Analysis, in: Survey 1965, No. 56, S. 11-30, hier S. 13.

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