VIERTELJAHRSHEFTE FÜR ZEITGESCHICHTE - Institut für ...

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Herrenchiemseer Tagebuch 1948 595

nach dem Abschluß des Konvents erfolgte Übertragung eines stenographisch aufgenommenen

Diktates. Es ist von Brill nicht korrigiert und in der vorliegenden Fassung

von ihm nicht zur Publikation bestimmt worden; es enthält zahlreiche Schreibfehler,

die hier korrigiert wurden, sowie chronologische Ungenauigkeiten, auf die in den

Anmerkungen hingewiesen wird. Auch wenn man annimmt, daß Brill in seinem „Tagebuch"

eher Sachthemen zusammenfassen als eine genaue Chronologie des Tagungsverlaufes

geben wollte und daß er öfter nicht deutlich zwischen Plenums- bzw.

Ausschuß-Sitzungen und Diskussionen außerhalb der Sitzungen unterscheidet, bleiben

einige Unstimmigkeiten, die wohl eine Folge des Tagungsverlaufes sind, der den

Konventsteilnehmern - besonders gegen Ende der Beratungen - wenig Zeit übrig

ließ. Brill hatte in einem Brief an Benedikt Kautsky kurz vor Beginn des Herrenchiemseer

Verfassungskonvents seine Absicht angekündigt, ein Tagebuch zu führen 50 .

Möglicherweise sollte das hier vorliegende „Tagebuch" nur die erste Fassung eines

Berichtes von Brill für seine politischen Freunde sein.

Die langjährige enge Mitarbeiterin Brills, Edeltraut Schönewald, die sich große

Verdienste um den Erhalt und die Erschließung von Brills Nachlaß erworben hat, hat

auch das Manuskript des „Tagebuches" überliefert. Sie berichtet darüber: „Frau

Martha Brill ... hat ihren Mann zum Verfassungskonvent auf Herrenchiemsee begleitet

und blieb dort ebenso lange wie dieser. Nach dem Tode ihres Mannes im Jahre

1959 kam sie mir gegenüber wahrscheinlich nicht nur einmal, sondern im Laufe der

Jahre vermutlich mehrmals darauf zu sprechen, daß ihr Hermann Brill auf Herrenchiemsee

jeden Abend, manchmal erst jeden zweiten Abend, das ,Chiemseer Tagebuch'

diktiert habe - nach meiner Erinnerung ins Stenogramm. Ich meine, es war davon

die Rede, daß sie diese Diktate noch auf Herrenchiemsee mit der Maschine

ausgeschrieben habe ... Die in meinem Besitz befindliche Durchschrift jenes nicht

mehr vorhandenen Originals erhielt ich kurze Zeit nach dem Ende des Verfassungskonvents

von Hermann Brill selbst (der damals schon wußte, daß ich mir von seinen

Arbeiten ... eine zusätzliche Abschrift für eine eigene Sammlung - die ich heute noch

besitze - machte)." 51 Frau Schönewald hat die Edition des „Tagebuchs" angeregt und

ermöglicht und sie mit kenntnisreichem Rat, mit Materialien aus ihrer Sammlung und

mit stetiger Ermutigung fördernd begleitet; sie ist ihr mit Dank gewidmet.

50 Brief Brills an Benedikt Kautsky vom 6. August 1948. Am 11. September 1948 schreibt Brill an

Kautsky über den Verlauf des Verfassungskonvents: „Ich bilde mir ein, dort notwendig gewesen zu

sein und einiges getan zu haben." BA NLB 27 a.

51 Brief an den Verf. vom 15. Juni 1985.

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