VIERTELJAHRSHEFTE FÜR ZEITGESCHICHTE - Institut für ...

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Anton J. Grossmann

sofort die Augen ausstechen, die Zunge abschneiden, die Ohren und Nase abschneiden

und dann totmachen. Wenn der Führer kaputt wäre, dann würde er sofort seinen

Bauern erschlagen, auch alle im Hause und den Hof anzünden." 38 Bemerkenswerterweise

scheint aber Ende Juli 1944 Sand in das Getriebe der Gestapo und der Strafverfolgungsbehörden

geraten zu sein. Die Denunziation durch den Bauern aus dem

oberfränkischen Stockau beim Ortsgruppenleiter der NSDAP bewirkte nämlich keinerlei

Reaktion, ebensowenig wie die Benachrichtigung der Gendarmerie. Endlich

intervenierte der Kreisleiter bei der Gauleitung in Bayreuth, um „sofort das Nötige zu

veranlassen, damit der Bursche seiner gerechten Strafe zugeführt wird".

3. Der Arbeitsplatzwechsel als persönliche Korrekturmaßnahme

Sowohl die polnischen Neuankömmlinge als auch die seit längerem in Bayern beschäftigten

Italiener zeigten sich Ende 1939 häufig mit den herrschenden Arbeitsbedingungen

unzufrieden. Die Italiener klagten über unzureichende Löhne und über

ungewohnte Verpflegung 39 , die Polen beschwerten sich meist über körperliche Mißhandlungen.

Zahlreiche ausländische Arbeitnehmer suchten nun den Mißstand auf

eigene Faust durch einen Arbeitsplatzwechsel zu beheben und mußten feststellen, daß

die freie Wahl des Arbeitsplatzes durch verschiedene gesetzliche Regelungen 40 außer

Kraft gesetzt worden war. Der nationalsozialistischen Zwangsbewirtschaftung unterlagen

auch die Angehörigen aus den befreundeten Staaten, mit denen vertragliche

Vereinbarungen auf bilateraler Ebene getroffen worden waren. Abwanderungsgelüste

von Italienern, Slowaken, Ungarn, Kroaten, Bulgaren, Spaniern und Rumänen

wurden dementsprechend - anfänglich zwar noch verbindlich im Ton - entschieden

unterbunden. Vier Italiener, denen der Tariflohn im Bergwerk mißfallen hatte und die

auf einer Stuttgarter Großbaustelle untergekommen waren, wurden Anfang 1939

„veranlaßt", wieder auf ihren ursprünglichen Arbeitsplatz im oberbayerischen Penzberg

zurückzukehren 41 .

38 StAB, MB Kreisleiter Bayreuth, NSDAP-Ortsgruppe Stockau, 28. Juli 1944.

39 Italienische Landarbeiter traten im November 1939 „Verschiedenerorts" in Streik, da sie ihre heimischen

Ernährungsgewohnheiten zu wenig berücksichtigt fanden (StAN, LRA Gunzenhausen, Gestapo-Leitstelle

Nürnberg, 27. November 1939). Doch muß dem ein Bericht der Auslandsbriefprüfstelle

aus dem Jahr 1942 entgegengestellt werden, aus dem hervorgeht, daß die Italiener Gerüchte

über die schlechte Behandlung in Deutschland zurückweisen: „Es geht uns hier gut; wir sind gut

aufgenommen worden, es fehlt uns an nichts, wir sind sehr zufrieden" (BA, R 41 /264).

40 Verordnung zur Sicherstellung des Kräftebedarfs für Aufgaben von besonderer staatspolitischer Bedeutung

vom 13. Februar 1939 (Pfahlmann, S. 154) und Verordnung über die Beschränkung des Arbeitsplatzwechsels

vom 1. September 1939 (RGBl. I 1939, S. 1685). Siehe zu diesem Themenkomplex

auch Großmann, Fremd- und Zwangsarbeiter, S. 590-593.

41 BayHStA, MB Reg.-Präs. Oberbayern, März/April 1939.

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