VIERTELJAHRSHEFTE FÜR ZEITGESCHICHTE - Institut für ...

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VIERTELJAHRSHEFTE FÜR ZEITGESCHICHTE - Institut für ...

Lebendige Verbindung mit den Massen 533

Während Arbeiterlöhne rasch stiegen, wuchs das Durchschnittseinkommen des ingenieur-technischen

Personals und auch das der Angestellten erheblich langsamer. Vergleicht

man den Niveauunterschied zwischen 1955 und 1966 - d.h. vor und nach der

Lohnreform -, erkennt man eine Nivellierungstendenz. Hatten Arbeiterlöhne um

18% zugenommen, so betrug die Wachstumsrate bei Ingenieuren und Technikern nur

5%, bei Angestellten 8%. „Verlierer" der Lohnreform waren also vor allem die Angestellten

- Kassierer, Einrichter, Buchhalter, Einkäufer usw. -, während die Arbeiter

im Mittel erheblich gewonnen hatten. Allerdings verdecken die hier angeführten

Durchschnittswerte immer noch vorhandene erhebliche Einkommensunterschiede:

Einkommenssätze von Arbeitern und Leitungspersonal nach der Tarifreform (Rubel pro

Monat) 43

Durchschnittsgehälter 1961:

- Arbeiter

- ingenieur-techn. Personal

Tarifsätze

- Arbeiter im Zeitlohn (höchste Tarifklasse)

- Meister (niedrigste Gruppe)

- Meister (höchste Gruppe)

- Abteilungsleiter (niedrigste Gruppe)

- Abteilungsleiter (höchste Gruppe)

- Ingenieur

Maschinenbau

92,7

127,8

92; 96

90;100

115-125

130-150

150-180

85-100

Textilindustrie

75,2

107,5

81; 86

90; 100

110-120

110-120

130-150

80-100

Lebensmittelindustrie

77,0

130,4

81

75; 85

95-105

100-115

120-140

80-100

Inhaber von Leitungspositionen erhielten also erheblich mehr als Ingenieure und

hochqualifizierte Arbeiter, ein Betriebsdirektor etwa konnte das drei- bis vierfache eines

Ingenieurs erhalten 44 . Akkordlöhne und Prämien konnten zwar zu Verschiebungen

nach der einen oder anderen Seite führen, das Bild insgesamt aber nicht grundlegend

ändern. Nach wie vor gab es in der sowjetischen Gesellschaft deutliche

Einkommensunterschiede, doch waren sie gegenüber den Stalin-Jahren geringer geworden.

Der XXII. Parteitag 1961 schrieb diese Entwicklung im Parteiprogramm

fest: Bei steigendem allgemeinen Lebensstandard sollten sich die niedrigen Einkommen

sukzessive den höheren annähern 45 . Das sollte auch im Agrarbereich gelten, vermittelt

über Ankaufpreise und Abgabenpolitik 46 .

43

Batkaev/Markov, S. 139; ergänzt durch: Trud v SSSR 1968, S. 140 ff.

44

Batkaev/Markov, S. 143.

45

KPSS t. 8, S. 265 f.; vgl. Thalheim, in: Boettcher, Bilanz, S. 124.

46

Der Bereich der bäuerlichen Einkommen, in dem die Frage der Hoflandwirtschaft eine große Rolle

spielt, kann hier nicht behandelt werden; vgl. die Hinweise bei Feldmesser, in: Problems of Communism

IX, 1960, No. 2, S. 34; Meissner, Rußland unter Chruschtschow, S. 106 f.

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