VIERTELJAHRSHEFTE FÜR ZEITGESCHICHTE - Institut für ...

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VIERTELJAHRSHEFTE FÜR ZEITGESCHICHTE - Institut für ...

Lebendige Verbindung mit den Massen 537

man noch weit entfernt, obwohl sich die Wohnverhältnisse für viele Bürger spürbar

besserten. Nach sowjetischen Angaben verbesserten 1950-55 30,4 Millionen Personen,

1956-60 aber 54,0 Millionen ihre Wohnsituation 63 . Eine auf 100 Arbeiterhaushalte

beschränkte Befragung illustriert die Veränderungen der Wohnverhältnisse im

Arbeitermilieu 1951 und 1961:

Wohnsituation von ca. 100 befragten Arbeiterfamilien 1951 und 1961 64

allgemeine Wohnfläche insgesamt 65

nutzbare Wohnfläche pro Kopf

durchschnittliche Familiengröße

durchschnittl. nutzbare Wohnfläche pro Familie

durchschnittl. Familieneinkommen

Anteil der Miete am Einkommen

durchschnittl. Miete pro Familie

- in Rubel

- in %

1951 1961

1835,4 m 2

4,5 m 2

4,3

19,4 m 2

158,5 Rbl.

3,65%

6,78 Rbl.

100,0%

2280,6 m 2

6,3 m 2

3,86

24,3 m 2

211,0 Rbl.

3,65%

7,72 Rbl.

114,0%

Die Wohnungen waren größer geworden, die Mieten leicht gestiegen 66 , doch wurde

das durch die Einkommenssteigerungen aufgefangen. Da auch der Wohnkomfort zunahm

- immer mehr Wohnungen wurden mit Heizung und Wasseranschluß versehen

und an das Kanalisationsnetz angeschlossen, Gasanschlüsse wurden installiert 67 -

verbesserten sich die Wohnverhältnisse der Befragten im Verlauf der fünfziger Jahre

spürbar, wenngleich 6,3 m 2 pro Person und die primitive Ausstattung der Wohnungen

gewiß nicht den wünschbaren Endzustand darstellten. Dennoch hatte die Wohnungsbaupolitik

unstreitig Erfolge, und diese waren auch für die Arbeiterschaft erkennbar.

Die Chruscevsche Politik, die über Anhebung des Lebensstandards und Beseitigung

materieller Härten einen Ausgleich der gröbsten sozialen Ungleichheiten anstrebte,

wollte gewiß keinen Umsturz der sozialen Verhältnisse. Nach wie vor existierten

deutliche soziale Abstufungen. Zwar wurde gesellschaftliche Hierarchie nicht

mehr in der Weise zelebriert, wie es unter Stalin geschehen war, als auch Mitarbeiter

63

Narodnoe Chozjajstvo za 60 let, S. 496.

64

Nach den Angaben bei Alesina, in: Sociologija v SSSR, Bd. 2, S. 350 f., 356, 368-370; die Repräsentativität

der Umfrage ist begrenzt, dennoch illustriert sie den Trend recht gut.

65 2 2

Ebenda, S. 370 gibt an: 18 354 m und 22 806 m ; aus dem Zusammenhang ergibt sich jedoch, daß

das ein Irrtum in der Kommastelle ist.

66

Es handelt sich dabei nicht um Kostenmieten; nach P. Maslov, Davajte razberemsja, in: Novyj Mir

1959, No. 10, S.206-214, hier S.211, betrug in Moskau eine Kostenmiete 4,31 Rbl./m 2 , die Mieter

zahlten jedoch nur 1,75 Rbl./m 2 .

67

Alesina, in: Sociologija v SSSR, Bd. 2, S. 366, die leider keine absoluten Größenangaben macht.

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