VIERTELJAHRSHEFTE FÜR ZEITGESCHICHTE - Institut für ...

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VIERTELJAHRSHEFTE FÜR ZEITGESCHICHTE - Institut für ...

Von den eingebrachten Rechtsbrechern

wurden

- der Miliz übergeben

- im Stab der Volksmiliz ermahnt

- vor Ort verwarnt

- an Kameradschaftsgerichte gemeldet

- außerdem an gesellschaftliche

Instanzen am Arbeitsplatz gemeldet

Lebendige Verbindung mit den Massen 545

Die Zahl der Freiwilligen stieg 1959/60 rasch, 1962/63 deutlich langsamer. Offenbar

war ein gewisser Sättigungsgrad erreicht. Andererseits nahm die Zahl der Diensttuenden

pro Tag wesentlich langsamer zu, ein Hinweis darauf, daß die Aktivität des einzelnen

bei Ausbau der Organisation nachließ. Zwar gab es Enthusiasten, die im Jahr

300-400 Stunden Dienst leisteten, die Masse trat aber nicht öfter als ein- bis zweimal

im Monat an 115 . Obendrein funktionierten nicht alle Abschnitte der Volksmiliz gleichermaßen.

Eine Reihe von ihnen existierte offenbar nur auf dem Papier, während

andere gute Arbeit leisteten 116 . Die Autoren der Sverdlovsker Untersuchung bringen

das in Zusammenhang mit der Entwicklung der Kriminalität: Sie beobachten ein Absinken

der Kriminalität in Bezirken, in denen die Volksmiliz funktioniert, und ein Ansteigen

dort, wo sie nur formal existierte 117 . Sie bemängelten, daß die Freiwilligen oft

genug nur als Hilfsorgan der regulären Miliz aufträten und dieser die Übeltäter zustellten,

statt Kameradschaftsgerichte und gesellschaftliche Organisationen heranzuziehen

118 . Das weist auf die Grenzen der Selbsttätigkeit hin: Selbst dort, wo es gelang,

funktionierende Volksmilizen zu organisieren, wurden zwar viele Sowjetbürger in

gesellschaftliche Aufgaben einbezogen, der staatliche Apparat aber dominierte.

Verstärkte Bürgerbeteiligung sollte - wie oben erwähnt - auch im Bereich der Sowjetadministration

Platz greifen. Die Sowjets - ursprünglich Organe der proletarischen

Selbstverwaltung - waren schon bald nach der Revolution zu von oben bestimmten

Verwaltungs- und Leitungsgremien verkommen. Im Rahmen der Neuordnung

der innergesellschaftlichen Beziehungen konnten sie eine neue Bedeutung

erhalten, und so thematisierte der XX. Parteitag das Versagen und die Passivität der

Sowjetorgane und ihre Massenferne 119 . 1957 schlug sich das in einem Erlaß des ZK

113 2

Vgl. Volkov, S. 83 ff.; das Gebiet Sverdlovsk hat eine Fläche von 194700 km ,4361 Mio Einwohner

(22,5 Einwohner pro km 2 ), 43 Städte, 93 Siedlungen städtischen Typs und 434 ländliche Sowjets;

das Gebiet ist in 30 Rayons gegliedert; Narodnoe Chozjajstvo RSFSR 1967, S. 9, 13; der Erste Gebietssekretär

A. P. Kirilenko hat offenbar Partizipationsansätze intensiv gefördert; vgl. Osteuropa

13, 1963, S. 85 f.; insofern ist Sverdlovsk wahrscheinlich kein typischer Fall.

114

Volkov, S. 86 f.

115

Ebenda, S. 92.

116

Ebenda.

117

Ebenda, S. 90 f.

118

Ebenda, S. 92 f.

119

Vgl. KPSS t.7, S. 109; Za polnoe, in: Sovetskoe Gosudarstvo i Pravo 1956, No. 3, S. 4 ff.; XX s-ezd,

t.l, S. 91 ff.,557 ff.

15,7% 15,2% 21,1% 18,7% 18,8%

34.6 14,5 17,0 27,5 28,2

49.7 63,6 55,2 47,3 45,8

6,7 6,7 6,5 7,2

22,3 20,1 21,1 16,2 12,4

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