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Offener Brief von Dr. Med. Nina Pszolla an BP Joachim Gauck

Sehr geehrter Herr Bundespräsident Gauck,

Egling, den 12. August 2012

haben Sie vielen Dank für Ihr ausführliches, zweiseitiges Antwortschreiben mit dem Sie

Herrn Lackner beauftragt haben. Wie er mir schrieb, bringt der ESM Ihrer Ansicht nach mehr

Stabilität durch Solidarität für Europa und Sie rufen uns auf für den Frieden und die Freiheit

in Europa mehr Europa zu wagen. Sie betonen richtig: „Deutschland wird es auf Dauer nur

gut gehen, wenn es Europa gut geht.“

Hierzu möchte ich auf folgenden Umstand verweisen: Seitdem Draghi am 26.07.2012 mit

seinem realitätsfernen EZB-Rettungsversprechen sein Gesicht verlor, sind die Märkte nicht

nur stabil geblieben sondern sie haben sich erholt. Dank der Verzögerung des ESM-

Vertrages, von marktfeindlicher Politik befreit, bekamen sie die Chance durchzuatmen.

Selbst die Menschen wurden ruhiger und genossen ein phänomenales Olympia in London

und den Sommer 2012. Solange der ESM unaufhaltsam auf das europäische Volk zu zurollen

schien, versuchten alle krampfhaft ihr Geld, auf das unsere europäischen (und

amerikanischen) Banken so dreist spekulieren, festzuhalten. Die Situation war unfassbar

unfair, hektisch, nervös und auf katastrophale Weise instabil. Diese Ruhe vor Ihrer

Unterschrift sollte Ihnen stets in Erinnerung bleiben und Sie vielleicht erkennen lassen, dass

das redundante Alarmschlagen von Legarde, Geithner und Schäuble am Ende nur eines

bewirken:

Sie machen die Geschäftsidee der Banken

auf das Versagen des Euro-Sozialismus zu spekulieren erfolgreich.

Hierzu sei bemerkt, dass das genau die topseriöse Wette ist, von der jeder Spekulant

träumt, da die Welt bislang noch keinen Sozialismus erlebt hat, welcher erfolgreich war

(Arbeit lohnt nicht). Ich verspreche Ihnen: sobald der Euro-Sozialismus sich am Horizont

abzeichnet, sobald es auf den 12. September zu geht und Ihre Unterschrift den Raubzug der

vereinten notleidenden Banken legitimiert, wird Panik um sich greifen und das teuerste Gut


des Marktes, das Vertrauen in seine verbliebene Seriosität, schwinden: Die Börsen werden

verrücktspielen, ein schwarzer Freitag den nächsten jagen und die Menschen verzweifelt die

Banken stürmen.

Warnungen, sehr verehrter Herr Bundespräsident, sind angebracht. Doch sehr viel

angebrachter wäre die Einsicht, dass eine klare, bereinigende Krise allen Beteiligten die

Chance geben könnte, sich endlich an ihren tatsächlich vorhandenen Gegebenheiten zu

orientieren, um sich wieder in Verhältnismäßigkeit und Bescheidenheit zu üben.

Bescheidenheit, soviel sollten wir aus der deutschen Geschichte gelernt haben, nicht

Großmannssucht wird uns einen Platz im Weltgefüge sichern. So wie irreale naive politische

Wünsche Europa destabilisierten, würde ein wiedergewonnener Realbezug diesen Kontinent

restabilisieren. Der ESM und sein Eurosozialismus stellen hingegen eine „Kollaps-

Verzögerungs-Politik“ (Sloterdijk) dar. Eine, in unserem Lande unter Gefängnisstrafe

stehende, kriminelle Insolvenz-Verschleppung, die unseren ehrlichen Bürgern alle

Sicherheiten raubt um Systemkriminelle mit ihren Steuergeldern zu bedienen. Der ESM steht

stellvertretend für eine gewissenlose Umverteilung von unten nach oben, welche die Schere

zwischen arm und reich weiter aufreißen lässt. Wir geben einen Großteil unserer Löhne den

Griechen, Portugiesen oder Spaniern, damit diese die Produkte unsere Großkonzerne

kaufen. D.h. per Staatszwang wird mit dem Steuergeld des kleinen Mannes ein künstlicher

Markt für die Reichen geschaffen, während an dem kleinen Mann jeder

Wirtschaftsaufschwung vorbei geht. Bedenken Sie, am 01.01.2002 wurde Dank der EURO-

Einführung unser Leben doppelt so teuer wie zu D-Mark-Zeiten. Noch nicht einmal 10 Jahre

später sind die ersten Mitgliedsstaaten (natürlich (???) völlig unvorhersehbar) bankrott und

die dort lebenden Menschen ohne Arbeit und Bleibe, wütend und verzweifelt auf der Straße.

Sind das die Stabilität, die Freiheit und der Friede den Sie preisen? Das einzige, was seit

diesem Datum kontinuierlich stieg, waren die Lebenshaltungskosten der deutschen

Bevölkerung und die Wettbewerbsunfähigkeit ihrer Nachbarländer. Die realen Löhne sanken

in Deutschland um rund 25%, während sie in einigen Nachbarländern bis zu 125% stiegen.

Wir haben 5 Kinder zu versorgen, sind in der oberen Einkommensklasse angekommen, doch

heute hat mein Mann noch immer so viel Kaufkraft wie mit der DM als Assistenzarzt. Der

einzige Unterschied: Heute hat er drei Fachärzte, eine verantwortliche Führungsposition, 5

Kinder und eine Frau zu versorgen. Mir hingegen erging es wie allen ehrlich arbeitenden

Müttern: mein Job wurde mit Steuerklasse 5, Kinderbetreuung, Krankenversicherung und

Benzinkosten zum unbezahlten Hobby. In der Summation des Stresses ereilte mich daher

auch das neue deutsche Durchschnittsschicksal: Krebs und Burnout. Uns ergeht es wie

Millionen von Deutschen:

Wir arbeiten immer mehr,

leben immer weniger (Familienzeit)

und tragen unsere Gesundheit zu Markte.


Herr Bundespräsident - die Studienlage bestätigt: Krebs, Herzkreislauferkrankungen,

Depressionen und Burnout wurden zu neuen deutschen Volkserkrankungen. Das deutsche

Volk wird unter unserer wenig sozialen und noch weniger gerechten Politik ärmer, kränker

und depressiver. Unsere rund 23 Millionen verbliebenen, relevant Steuer zahlenden

Menschen werden ausgebeutet, während gleichzeitig mehr und mehr Menschen und Kinder

über Sozialalimente in Aufgabenlosigkeit verstoßen und nachhaltig aus Lebenskreisläufen

ausgeschlossen werden. Es bilden sich Kulturen der Abhängigkeiten, die zwar die

Wählerstimmen der Umverteilung sichern, doch synergistisch alle drei Jahre die

Sozialausgaben verdoppeln. Bezüglich des sich zusätzlich anbahnenden demographischen

Gaus, stellte sich einem die Frage: Wer bitte soll sich heute noch 5 Kinder leisten, wenn nicht

die obere Einkommensklasse. Wenn Umverteilungspolitik nur noch jene für das

Kinderkriegen belohnt, welche mit dem Arbeiten erst gar nicht mehr anfangen, gehen wir

den vielbeklagten Weg in die „spätrömische Dekadenz“. Unsere Umverteilungspolitik

entreißt den sozial stabilen Verhältnissen ihre Kinder über Steuern um sie nachfolgend mit

Sozialgeldern in sozial instabile Verhältnisse hinein zu planen. Das ist zutiefst asozial und

ungerecht, da sie genau jene häusliche Traumatisierung, Chancenlosigkeit und

Bildungsarmut kultiviert, die wir nachfolgend mit noch mehr Umverteilung (Krippen,

Hebammen-Betreuung, Sozialarbeit) wieder bekämpfen müssen. Das ist ruinöse weil

sinnfreie Politik. Nun haben wir nach 10 Jahren Euro-Politik dieselbe Erfahrung machen

müssen: Durch die Umverteilung von deutschen Geldern wurden in den letzten 10 Jahren

Griechenland, Spanien (Baublase), Portugal und andere Länder wettbewerbsunfähig und

chancenlos gemacht und nun wird uns eingeredet, dass wir den durch Umverteilung

entstandenen Schaden mit noch mehr Umverteilung wieder reparieren sollen. Mit Verlaub,

diese Politik ist nicht vermittelbar: während die Armen und Reichen sich mehren, steigt die

stabilisierende Mitte ab. Über den ESM und andere bürokratische Zwänge auf Gedeih und

Verderb aneinander gekettet, wandern wir in einen Euro-Sozialismus, der weder blühende

Landschaften, noch wirtschaftliche Stabilität und am allerwenigsten Freiheit und aufrichtige

Charakterbildung befördert. Vielmehr Leistungsabgewandheit, Missbrauch, Denunziation,

Überwachung, Kriminalität, Verfall und Staatskontrolle. Wer Leistung bestraft um Versagen

zu belohnen, sehr verehrter Herr Bundespräsident, macht Versagen zum Programm.

Diesbezüglich können Sie sich so sicher sein wie unsere Spekulanten: Der Euro-Sozialismus

wird, wie jeder Sozialismus, in Europa Ruinen schaffen ohne Waffen. Das einzig Tröstliche:

Vielleicht spüren am Ende auch einmal vom Markt abgeschirmte, seit Jahrzehnten von

Steuergeldern lebende Staatsmenschen, dass dieses milliardenschwere Missbrauchssystem

der „Solidarität“ nichts als eine Selbstbedienungspolitik ist. Eine Selbstbedienungspolitik, die

eine „Tyrannei des Nehmens“ kultivierte, um die immer gefräßiger werdenden

Verwaltungsapparate des Staatsdienstes (rund 4 Billionen Pensionskosten rollen auf unsere

Kinder zu), sowie Milliarden an Industrie- und Bankensubventionierung mit Steuergeldern zu

finanzieren. Mit dem Ruf nach „sozialer Gerechtigkeit“ und ihren Sozialleistungen wurde das


Volk lediglich korrumpiert, um den hierfür notwendigen Umverteilungskonsens zu

etablieren.

Lassen Sie mich die Sackgasse dieser Politik letztlich mit den Worten einer Mutter erläutern:

Wenn ich das verantwortliche Verhalten eines oder mehrerer meiner Kinder bestrafe um das

unverantwortliche Verhalten eines oder mehrere meiner Kinder zu belohnen, sitze ich am

Ende meiner Tage mit einer Horde Banditen da. Banditen, das sollten Sie wissen, scheren

sich nicht viel um Regeln und Vereinbarungen, die - wie Herr Lackner mir so schön in Ihrem

Namen schrieb- doch bitte eingehalten werden sollten. Mit solch leeren Worthülsen können

Sie nach dem kriminellen, unparlamentarischen Übertreten von elementar sichernden

Maastricht-Regeln nun wirklich nicht mehr auf das Volk zukommen. Uns reicht wahrhaft die

Verwerfung der „No-Bail Out“-Klausel um zu verstehen, dass hier keine einzigen Regeln und

keine einzige Vereinbarung je eingehalten wird, kein Vertrag das Papier wert ist auf dem er

geschrieben steht. Fakt ist, unsere Volksvertreter entscheiden über unsere Köpfe hinweg

und entziehen sich mit neuen Institutionen und Verträgen (ESM) zudem der demokratischen

Kontrolle durch das zahlende Volk. Das endet im diktatorischen Superstaat. Daher kann uns

einzig und allein nur noch der liebe Gott höchstpersönlich (und gerade Sie sollten ihm mehr

vertrauen) retten, der naturgemäß mit seinem ganz normalen Lebensdruck die Gier und

fremdfinanzierte Unverhältnismäßigkeit reguliert.

Griechenland hat den Euro missbraucht, hat betrogen und gelogen, das griechische Volk hat

sich mit fremdfinanziertem Komfort korrumpieren lassen und sollte darum die

Konsequenzen für dieses Verhalten tragen und zur Drachme zurückkehren. Einzig diese

Antwort schafft Verantwortung, schnelle Einsicht und sichernde Entwicklungen. Nicht mehr

nur die Mobilisation der Abhängigen sondern das rasante Nachwachsen derselben sollte uns

tiefe Sorge bereiten. Glauben Sie mir, das Volk ist nicht dumm und es will auch nicht für

dumm verkauft werden. Der Ausverkauf Deutschlands, den Sie am 12. September 2012

höchst persönlich als Bundespräsident in letzter Instanz historisch verantwortlich

unterzeichnen wollen, wird dem europäischen Volk die letzten Rechte auf Selbstbestimmung

nehmen. Diese Entrechtung wird womöglich und auch sehr wahrscheinlich mit Unruhen und

Radikalismus quittiert werden und ich glaube kaum, dass Sie je auf diese Folgen stolz sein

werden. Auf einen knebelnden Eurozwange, den man in biederer Großmannssucht einem

300 Millionenvolk mit Angstmacherei aufschwatzte, kann man weiß Gott nicht stolz sein.

Dieser Eurozwang verehrter Herr Bundespräsident, erstickt wie ein dunkles Tuch hier und

heute vor allen Augen die Freude und Freiheit der Menschen, ihre Bemühungen, ihre

Motivation, ihre Vielfalt, Kreativität und Individualität.

Mehr Europa wagen, wie Sie mir schrieben, bedeutet in meinen Augen endlich zum

wahrhaftigen Wesen Europas und zum einzigen, unschätzbaren Vorteil dieses Kontinentes zu

stehen: zu seiner kulturellen Vielfalt. Es ist phantastisch nach Italien zu reisen und in eine

andere Welt einzutauchen, eine andere Mentalität, ein anderes Essen, andere Menschen

und Gepflogenheiten vorzufinden. Ebenso ist es mit Frankreich, Spanien, Irland, England,


Dänemark, Schweden und mit dieser britischen Insel, die Europa (das offenbarte ein

wunderbares Olympia des Sportes und der Künstler 2012 in London) wie keine andere

kulturell prägte. Europa, Herr Bundespräsident, ist weiß Gott mehr als der Euro!

Mehr Europa wagen bedeutet: Die Freiheit, jeden nach seiner Fasson leben zu lassen. An die

Menschen selbst, an ihre Stärken und Kreativität - nicht an Zwänge, zentralistische

Übergriffe, Gängelung, Vorschriften, spießbürgerlicher, muffiger Planwirtschaft und

Kontrollen - zu glauben.

Mehr Europa zu wagen bedeutet: Auf die eigenständige Entwicklungs- und

Kooperationsbereitschaft der europäischen Völker zu vertrauen, die 60 Jahre lang bewiesen

haben wie bereichernd und friedfertig sie zusammenleben können. In nur 10 Jahren Euro-

Politik wurde diese gewachsene Gemeinschaft in eine derart ausweglose Schieflage

gebracht, dass sich nun die europäischen Völker erneut misstrauen und entzweien. Wir

sollten umkehren und schleunigst durch Haftung, Verantwortung und Realbezug wieder das

regulieren lassen, was mit Planwirtschaft, Umverteilung und dem Wegbürokratisieren von

Verantwortung (Verschieben von Verantwortung = Transfer) dereguliert wurde. Wir sollten

Europa Zeit geben und diese Zeit Ihre Arbeit tun lassen, nicht mehr tumb und phantasielos

nach Wachstum, Gleichheit und fremdfinanziertem Konsum schreien. Wir sollten endlich

wieder nach intelligenten und vielfältigen Entwicklungen streben.

Mehr Europa zu wagen bedeutet am allerwenigsten: Den hölzernen Versuch zu starten, mit

einem weltfremden Euro, Bürokraten und diktatorischen Verträgen zwanghaft die

Vereinigten Staaten von Amerika nachzuahmen, - denn welcher Präsident kann in 16

Sprachen Wahlkampf machen, welcher Deutsche würde einen Italiener und welcher Italiener

einen Griechen wählen? Die Amerikaner haben einen Kontinent überrollt und die dort

lebenden Kulturen platt gemacht. Die Chinesen waren von je her dynastisch, zentralistisch

orientiert, Europa aber bot und bietet das worauf andere Kontinente bislang immer neidvoll

blicken können: Die hochentwickelte, freiheitliche Vielfalt der Kulturen, ihrer Völker und

Sprachen. Herr Bundespräsident, wir sollten wahrhaftig nicht die Übergriffe,

Vereinheitlichungen und Fehler anderer nachahmen, sondern authentisch bleiben und darin

selbstbewusst unseren Vorteil erkennen: Vielfalt und ihr Wettbewerb – das sind die wahren

Schätze und Stärken Europas.

Mehr Europa zu wagen, bedeutet: sich auf all das zu besinnen und an dieses, freie,

gewachsene und darum gereiftes Europa zu glauben. Unsere Vielfalt und ihr Wettbewerb

trieben uns zu jenen Innovationen an, die uns Errungenschaften wie die Dampfmaschine und


vieles mehr brachten. Nicht plumpe Größe, sondern Kreativität und Einfallsreichtum machte

Europa zum kulturellen Vorreiter dieses Globus. All das, was heute die Einzigartigkeit, den

Glanz, Charme und Reichtum Europas ausmacht, wollen nun Euro-Politiker im Einheitsbrei

eines dumpfen, gleichschaltenden Beamten-Euro-Sozialismus zerstören. Kälter,

bürokratischer und unsensibler kann man alte, gewachsene und darum erhabene Kulturen

kaum ausradieren.

Glauben Sie mir: Niemand wird später in der europäischen Geschichte je auf Sie oder Merkel

und schon gar nicht auf Herrn Schäuble stolz sein. Ganz im Gegenteil: Im muffigsten,

kleinkariertesten Brüsseler Beamten- „Biedermeierbolschewismus“ (Horx) wird ein

mannigfaltig blühendes Europa der vielen Völker, eine mit vielen Opfern und Lehren

erkämpfte würdige alte Welt zerstört. Sloterdijk bemerkte demnach ganz richtig:

„Was heute Krise heißt, ist die Weltverschwörung der Spießer. (…) Diese

vorgeblich heftigste Wirtschaftskrise der jüngeren Geschichte: sie ist die

spießigste und muffigste Angelegenheit, die sich seit Menschengedenken

zugetragen hat. Die Art und Weise, wie regierende Hausmeister (Rompuy,

Barosso, Draghi, Asmussen etc) im Dunkeln Megamilliarden hin- und

herschieben, ist eine Beleidigung für jede Intelligenz. Demgegenüber waren der

Schwarze Freitag und die Weltwirtschaftskrise nach 1929 ein Shakespeare-

Drama.“

(Sloterdijk MANAGER Magazin, 08.03.09 “Weltverschwörung der Spießer“)

Unsere, später dem Niedergang Europas entfliehenden Eliten, die ihre Pensionen dann wohl

auf Hawaii oder Florida verleben müssen, wird es wenig nützen, dass sie sich heute und hier

mit Ämtern schmücken, im kleinen Kreise feierten und auf die Schultern klopften während

sie mit lebensferner Funktionärsgewalt die alte, sagen- und geschichtsumwobene Welt der

Europäer zerstören. Das Europa, das sie kannten wird es dann nicht mehr geben. Ich

verspreche Ihnen:

Sie wagen mit Ihrer Unterschrift für den ESM

nicht mehr Europa, sondern weniger.


Auch Hitler hat sich (ebenso wie die UdSSR und DDR) mit seiner Funktionärsgewalt

totgesiegt. Auch er hat in seiner biederen Großmannssucht nicht mehr, sondern weniger

Deutsches Reich geschaffen. Heute werden wir wieder als Hitlervolk verschrien, doch selbst

das – und das ist auf schauderhafte Weise bemerkenswert - lässt unsere Volksvertreter

ungerührt diesen brachialen Irrweg weiterverfolgen. Der ESM wird Europa nicht

stabilisieren, sondern fundamental destabilisieren. Er wird den europäischen Völkern nicht

mehr, sondern weniger Freiheit und Frieden bringen. Deutschland wird es darum nicht

besser, sondern schlechter gehen und Sie werden mit Ihrer Unterschrift einzig und allein der

- weil einfallslos - alternativlosen „Kollaps-Vermeidungspolitik“ (Sloterdijk) zustimmen,

welche die Augen vor den Realitäten verschließt. Im Frühjahr 2012 kostete uns der Austritt

Griechenlands noch rund 360 Milliarden Euro (Target-Zahlungen). Im Herbst 2012 sind es

nun schon 770 Milliarden. Anfang nächsten Jahres werden die deutschen Steuerzahler über

die Bundesbank für 1,5 Billionen Euro in der Verantwortung stehen. All diese Risiken gehen

Sie aus Bangigkeit vor einer regulierenden Realität ein, aus Angst vor dem gesunden,

ordnenden, weil disziplinierenden Lebensdruck (Gottes Plan), einem „weniger“ das am Ende

doch so viel „mehr“ sein könnte. Unsere Politiker greifen nach Drogen (Geldschwemmen)

um der Realität zu entkommen. Sie scheuen die Konsequenzen und Kosten ihrer Politik

(unbezahlte Schulden, bankrotte Länder, unbezahlbare Pensionen) und verwehren Europa

damit genau jene Entwicklung und jenes Lernen, das einer neuen Verantwortungskultur den

Weg bereiten könnte. Einem Weg, in der nicht mehr Planwirtschaft ihren Systempiraten

(Oben Banken - Unten Sozialschmarotzer), Banditen, Bürokraten und angepassten Spießern

Entfaltung gewährt, sondern endlich wieder einer echten Marktwirtschaft, ihrer

Nachhaltigkeit, unseren Kindern, der Jugend, den Familien und den rechtschaffenden

Bürgern die Freiheit zur Entfaltung gewährt.

Henry Kissinger fragte einst: “Wen soll ich anrufen, wenn ich mit Europa sprechen will?”

und hatte in der Beantwortung dieser Frage seine Mühe. Sollen wir nun wegen dieser Frage

Europa aufgeben? Nein, denn man konnte vor dem Euro, Europa weder einen Krieg noch

einen Wirtschaftskrieg erklären. Wo sollte man den Krieg beginnen und wen soll man

angreifen? Erst der Eurozusammenschluss ermöglichte es der Finanzpiraterie der Eurozone

über Griechenland den Wirtschaftskrieg zu erklärten. Das Europa der vielen unabhängigen

Völker war hingegen eine aus vielen Stoffen zusammengefügte Zeltstadt, die viele

Verankerungen hatte. Die Segel bewegten sich flexibel im Wind, konnten nie in Gänze

erfasst werden und waren in dieser Flexibilität (Auf- und Abwertung der Währungen) stabil.

Wurde die eine Seite vom Wind gedrückt, bläht sich die andere und umgekehrt. Das starre

Einheitstuch des Euros, fest gezurrt über Brüsseler Gesetze, kann hingegen (und das erleben

wir gerade) schon von einem einzigen scharfen Windstoß erfasst und zerrissen werden. Die

bunte Zeltstadt Europa konnte China sicher nicht die wirtschaftliche Vorherrschaft

abtrotzen, doch das wollen wir Europäer im Herzen auch gar nicht. Schon gar nicht zu dem

Preis den China hierfür bezahlt. Herr Bundespräsident, wir wollen europäisch leben und

dieses Leben bedeutet Kultur, Freiheit, Vielfalt, Toleranz und Flexibilität. Diesbezüglich


sollten wir uns selbst nicht überschätzen (Zentralismus), vielmehr wieder etwas demütiger

auf Gott und seine unschlagbar guten Ideen vertrauen.

Sollten Sie jedoch (und womöglich liegt hier der tiefere Grund Ihrer Einstellung) einen

persönlichen Groll gegen das deutsche - weil einstige Hitlervolk empfinden - und darum

keinerlei Bedenken hegen, dieses Volk und seine Kinder an europäische Banken auszuliefern

- innerlich Steinbrück zustimmen, der einst mit Asmussen die Märkte deregulierte und der

Meinung ist: „Natürlich müssen die Deutschen zahlen!“ (Spiegel 37/2011), dann denken Sie

an die vielen unschuldigen Kindergesichter (ich habe meine kleinen Kinder vor Augen) die

Hitler noch nicht einmal kannten. Denken Sie an diese Kinder, deren Zukunft unsere wohl

versorgten Eliten schon heute verantwortungslos mit 8 Billionen Euro offener und in

Verträgen festgeschriebener Schulden verschachert haben. Ich kann nicht umhin Sie an

dieser Stelle an ein Luther Bibelzitat zu erinnern: „Die Rache sei mein“ Ihre Unterschrift für

die Walze des ESM-Bankraubzuges wird mit gefräßiger, weil fremdfinanzierter

Unverhältnismäßigkeit und Geldgier nicht nur Europas Kulturen vernichten sondern unseren

Kindern den Frieden und die Freiheit auf Entfaltung rauben.

Ihr Name und Ihre Unterschrift werden darum nicht für mehr Europa stehen, sondern für

das Ende von Europa!

Mit diesem Plädoyer für ein freies Europa der vielen Kulturen, grüßt Sie eine jener

Steuerzahler, die Ihnen im Glauben an Ihre Loyalität den lebenslangen Komfort als

Volksvertreter finanzieren und nun Illoyalität ernteten. Schon die aktuelle Politik macht die

Absicherung von größeren Familien zum Ding der Unmöglichkeit und wenn Sie einen Blick

auf Griechenland, Spanien und Portugal werfen, sehen Sie was uns - mehr noch unsere

Kinder - erwartet.

Mit freundlichen Grüßen,

Dr. med. Nina Pszolla

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