Gemeinsame Erklärung zu jagdpolitischen Schwerpunkten in ...

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Gemeinsame Erklärung zu jagdpolitischen Schwerpunkten in ...

Gemeinsame Erklärung zu

jagdpolitischen Schwerpunkten in

Thüringen“ vom 18. Februar 2011

Ergebnisse der Facharbeitsgruppen


4 Facharbeitsgruppen:

1. Wildbestandsregulierung

2. Wildschäden im Wald

3. Wildschäden auf landwirtschaftlichen

Flächen

4. Jungjägerausbildung/Jägernachwuchs


Vier bis sechs Besprechungsrunden von

Mitte Mai bis Anfang Dezember 2011

Teilweise deutlich gegensätzliche

Interessen, Zwang zum Kompromiss

Zu den Ergebnisprotokollen besteht in

jeder Arbeitsgruppe das grundsätzliche

Einvernehmen.


Teilnehmer:

AG Wildbestandsregulierung

Gemeinde und Städtebund Thüringen Herr Bernd Hoffmann

Waldbesitzerverband für Thüringen e. V. Christian Freiherr von Truchsess

TVJE Herr Helmut Hercher

Landesjagdverband Thüringen e. V. Herr Steffen Liebig

Thüringer Forstamt Frauenwald Herr Dargel

Rotwildhegegemeinschaft Südharz Herr Klaus Thiemrodt

Kreisbauernverband Hildburghausen Herr Klaus Gundelwein

Jägerschaft Neuhaus/Rennweg Herr Matthias Neumann

ALFB Herr Uwe Buchholz

Leitung und Moderation: Herr Karl-Heinz Müller (TMLFUN).


Ergebnisse:

AG Wildbestandsregulierung

Berücksichtigung der neuesten jagdwissenschaftlichen Erkenntnisse und

jagdpraktischen Erfahrungen

Flora und Fauna gehören zusammen, aber es ist auf angemessene

Wildbestände hinzuwirken (Schadensprävention im Wald und der freien

Landschaft)

Die Erhaltung/ Verbesserung der Wildlebensräume setzt eine großräumige

(jagdbezirksübergreifende) Bewirtschaftung voraus, Stärkung der

Hegegemeinschaften

Die jagdliche Raumordnung (Einstandsgebiete) und der darauf basierende

räumliche Wirkungskreis der Hegegemeinschaften haben sich bewährt.


AG Wildbestandsregulierung

Der Drei - Jahres – Abschussplan für Rot-, Dam-, Muffel- und Rehwild ist

ein flexibles Instrument zur Erzielung angemessener Wildbestände.

Die Koordinierung durch die Hegegemeinschaften setzt die Verbriefung von

Mitwirkungsrechten der Grundeigentümer (Jagdgenossenschaften)

voraus. Damit lassen sich die Eigentümerinteressen der

Kleinprivatwaldbesitzer im Jagdgeschehen verbessern und ferner werden die

erforderlichen formalen Abstimmungsprozesse (Einvernehmen bei der

Festlegung des Zielwildbestandes und Aufstellung des Abschussplanes) auf

einer Fachebene konzentriert und somit erheblich vereinfacht.


Bewertung:

AG Wildbestandsregulierung

Es sind Empfehlungen zur Änderung landesjagdgesetzlicher und

verordnungsseitiger Bestimmungen gegeben worden. Dem

Handlungsbedarf bei der Jagdzeitenverordnung liegt wesentlich

die Prämisse der Schadensprävention und damit die Absicht

zugrunde, neben der Wildbestandsregulierung mittels

Abschussplänen auch Maßgaben zur intervallartigen Bejagung

(Rotwild) oder verstärkten Bejagung (Schwarzwild, Dachs) einfließen

zu lassen.


AG Wildschäden im Wald

Teilnehmer:

Gemeinde und Städtebund Thüringen Herr Martin Weigand

Herr Jörg Willner

Waldbesitzerverband für Thüringen e. V. Herr Wolfgang Heyn

TVJE Herr Jens Eichenberg

Landesjagdverband Thüringen e. V. Herr Manfred Ißleib

Thüringer Forstamt Schwarza Herr Hubertus Schröter

Thüringer Rotwildring Rennsteig Vorderrhön Herr Thomas Fischer

Rotwildhegegemeinschaft Schleiz, Greiz, L. Herr Günther Martens

TMLFUN Herr Achim Ramm

Geleitet und moderiert wurden die Arbeitsgruppensitzungen von

Herrn Udo Häger (TLWJF Gotha)


I. Klimawandel, Waldumbau, Zielbaumarten

AG Wildschäden im Wald

Nur über eine entsprechende Vielfalt an standortsgerechten Baumarten, die

in Mischbestockungen auftreten, kann künftigen abiotischen und biotischen

Beeinträchtigungen getrotzt werden.

Der Wildbestand muss eine Verjüngung der Baumarten überwiegend ohne

Zaun zulassen.

In dem Zusammenhang regt die Arbeitsgruppe Wildschäden im Wald an, den

eindeutigen Begriff Zielbaumarten in der Baumartendiskussion zu etablieren.


II. Wildschadensprävention

AG Wildschäden im Wald

Größere Bewirtschaftungseinheiten sind durch die Verschneidung

waldbaulicher, wildökologischer wie auch infrastruktureller Parameter

waldbaulich, jagdbetrieblich und wildökologisch zu ordnen.

Der Kenntnisstand bei den örtlichen Akteuren im Hinblick auf die sichere

Ansprache von Wildschäden im Wald, wie auch das Erkennen ihrer

wirtschaftlichen Bedeutung muss verbessert werden.

Befürwortung von ausgeglichenen, vertraglichen Vereinbarungen zwischen

Waldbesitzern und Jagdausübungsberechtigten, die der

Wildschadensprävention dienen.


III. Das Wildschadens(vor)verfahren

AG Wildschäden im Wald

Das Ziel eines Vorverfahrens muss die gütliche Einigung über die

Schadenshöhe zwischen Waldeigentümer/Nutznießer und Ersatzpflichtigen

sein – vernünftige Lösungen auf Augenhöhe.

Die Arbeitsgruppe Wildschäden im Wald erkennt grundsätzlich die

Vertragsfreiheit bei der Gestaltung von Wildschadensregelungen in

Jagdpachtverträgen an.

Solange in Verträgen keine Detailregelungen getroffen sind, wird der

Bewertungsansatz nach Kroth, Barthelheimer und Sinner empfohlen.

Es ist eine gesonderte monetäre Betrachtung des Ausfalls von

Mischbaumarten im Rahmen der Bewertung von Verbißschäden notwendig.


Bewertung:

AG Wildschäden im Wald

Die Arbeitsgruppe hat eine Reihe von Handlungsempfehlungen aufgestellt, mit

denen wesentliche Schritte zur Verringerung der Wildschäden auf

Waldgrundstücken eingeleitet werden sollen.

Die Etablierung von „Zielbaumarten“ anstelle von Haupt- und Nebenbaumarten

ist bezüglich der Bestimmungen des Bundesjagdgesetzes (BJG) und

jagdlicher Rechtsprechung noch zu prüfen.

Einige Handlungsempfehlungen ziehen auch Änderungen von Bestimmungen

des Thüringer Jagdgesetzes (ThJG) und dazugehöriger Verordnungen (VO)

nach sich.


Teilnehmer:

AG Wildschäden auf landw. Flächen

TVJE Herr Thomas Bernstein

Thüringer Forstamt Stadtroda Herr Bernhard Zeiss

Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft Herr Maik Schwabe

Thüringer Bauernverband Herr Helmut Gumpert

Jägerschaft Altenburg Herr Gunter Höser

UJB des Eichsfeldkreises Herr Manfred Dietrich

TMLFUN Herr Egbert Hammernick

Geleitet und moderiert wurden die Arbeitsgruppensitzungen von

Herrn Dr. Erhard Schäfer (TLJV)


AG Wildschäden auf landw. Flächen

„Jäger Landnutzer und Jagdgenossen müssen gemeinsam dafür

sorgen, die Wildschäden zu reduzieren.“

Aufgaben der Jägerschaft

Wildbestandsermittlung und Abschusspläne sind bei Rot-, Dam- und

Muffelwild in den Hegegemeinschaften abzustimmen und deren

Realisierung durchzusetzen.

Die Erreichung der durch den Gesetzgeber vorgegebenen Wilddichten pro

100 ha bei Schalenwild ist unter Nutzung der im ThJG gegebenen

Möglichkeiten zu gewährleisten.

Die Schwarzwildbestände als größte Schadenverursacher müssen durch

komplexe und gezielte Maßnahmen reduziert werden, Schwerpunkt ist der

Frischlingsabschuss.


Aufgaben der Landwirtschaft

AG Wildschäden auf landw. Flächen

Aktive Mitwirkung der Landwirte bei der Wildschadenverhütung. Beim Anbau

von besonders gefährdeten Kulturen wie Mais und Raps hat der Landwirt

bereits bei der Bestellung der Flächen Blühstreifen in einer Mähdrescherbreite

quer zu den Reihen einzubringen.

Große Schlageinheiten sind durch Bejagungsschneisen – in Abstimmung mit

den Pächtern – zu unterbrechen.

Dazu sind Fördermaßnahmen zu nutzen bzw. neu zu schaffen.

An der Wald-Feld-Kante ist bei Anbau gefährdeter Kulturen ein 10m-breiter

Streifen durch Blühstreifen als Schussschneise anzulegen.

Werden diese Maßnahmen nicht durchgeführt, erlischt der Anspruch auf

Wildschadenanerkennung.


Aufgaben der Jagdgenossenschaften

AG Wildschäden auf landw. Flächen

Bildung von Rücklagen aus der Jagdpacht (20 bis 30 %) zur Vermeidung

bzw. Regulierung von Wildschäden.

Unterstützung der Jagdpächter bei der Bereitstellung von geeigneten

Flächen für Wildäcker.

Die Erreichbarkeit der Jagdpächter kann entscheidend für die Verhinderung

von Wildschäden sein, daher sollte die Jagdpacht nur an Jäger vergeben

werden, die aus dem Territorium der Jagdgenossenschaft kommen oder in

einer geringen Entfernung zum Jagdgebiet ihren Wohnsitz haben.


Bewertung:

AG Wildschäden auf landw. Flächen

Eine Reihe von Empfehlungen deckt sich mit dem Änderungsbedarf,

den die Arbeitsgruppe 1 aufgestellt hat. Beim Wildschadensverfahren

(Geltendmachung von Schadensersatzansprüchen) bedarf es eines

Abgleichs mit Regelungen des BJG und der speziellen Bestimmung im

ThJG (§ 45 Abs. 2). Letztlich ist es im Detail unumgänglich, bei in Kraft

befindlichen Bestimmungen (ThJG und VO) Veränderungen

vorzusehen.


Teilnehmer:

TVJE Herr Nico Scheringer

Thüringer Forstamt Bad Berka Herr Jan Klüßendorf

UJB des Landkreises Greiz Frau Gabriele Beck

UJB des Wartburgkreises Herrn Roland Geßner

Jägerschaft Sömmerda Herr Rüdiger Fladung

Jagdschule Thüringen GmbH Herr Olaf Ehrich

TMLFUN Herr Bernd Hofmann

AG Jungjägerausbildung

Geleitet und moderiert wurden die Arbeitsgruppensitzungen von

Herrn Reiner Strecker (TLJV)


Ausbildungsumfang:

AG Jungjägerausbildung

Die Ausbildung soll weiterhin mindestens 120 Stunden betragen. Das Nähere

bestimmt der Lehrgangsleiter auf Basis des Ausbildungsrahmenplanes. Ein

ausreichender Praxisbezug ist sicherzustellen. Die starre Aufteilung in die

aktuelle Formel 60/40/20 wird allgemein als negativ empfunden. Es soll eine

flexiblere Aufteilung ermöglicht werden.

Internetgestützter Fragenpool

Der Landesjagdverband Thüringen soll einen Internetlink zu Prüfungsfragen

der Vergangenheit unterhalten.


Waffenrechtliche Erlaubnis für die Schießausbildung

AG Jungjägerausbildung

Das Waffengesetz lässt es zu, dass Lehrgangsteilnehmer nach der Vorlage

der Waffensachkunde eine WBK beantragen und empfangen können. So

werden das Ausleihen, der Transport und der Kauf einer Waffe sowie das

Schießen damit ermöglicht.

Die Arbeitsgruppe stellte fest, dass einige Waffenbehörden eine sehr lange

Bearbeitungszeit zur Erteilung der WBK benötigen (bis zu 6 Wochen).

Damit kann keine entsprechende Schießausbildung stattfinden. Es wird

empfohlen, mit den zuständigen Stellen praxistaugliche Regelungen zu

prüfen.


Ausbildungsnachweise

AG Jungjägerausbildung

Es wird empfohlen, durch den Landesjagdverband Thüringen e. V. und einen

Vertreter der privaten Jagdschulen einen überarbeiteten

Ausbildungsnachweis erstellen zu lassen.

Zulassung zur Prüfung

Das starre Ende der Ausbildung nach der bisherigen Formulierung „Vier

Wochen vor Prüfungsbeginn“ hat sich ebenso nicht als praxisgerecht

erwiesen wie die Forderung des Nachweises der Teilnahme an zwei

Drückjagden (Sommerhalbjahr!)

Es werden entsprechende Neuregelungen empfohlen, ebenso wie zu den

Paragraphen §6, 7, 8, 9 und 14 der Jägerprüfungsordnung.


Bewertung:

AG Jungjägerausbildung

Die Änderungsvorschläge für die Jägerprüfungsverordnung, um z. B.

beim Jagdlichen Schießen (Laufender Keiler) den geänderten

Jagdmethoden (Bewegungsjagd) besser als bisher entsprechen zu

können, sind sehr begrüßenswert.

Einige Vorschläge tangieren das Waffenrecht, weshalb Abstimmungen

mit dem Thüringer Innenministerium notwendig sein werden. Da infolge

der 2006 erfolgten Grundgesetzänderung der Jagdschein in alleiniger

Zuständigkeit des Bundes geblieben ist, müssen die Länderregelungen

(z. B. Zuverlässigkeit) die Bestimmungen des Bundes strikt beachten.


Vielen Dank für Ihre

Aufmerksamkeit

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