zukunfthoch³ - Bergische Entwicklungsagentur Gmbh

bergischeagentur

zukunfthoch³ - Bergische Entwicklungsagentur Gmbh

zukunfthoch³

Freizeit, Kultur und Tourismus

Bestandsaufnahme und Arbeitsschwerpunkte

1


zukunfthoch³ - Regionales Standortkonzept

Bergisches Städtedreieck

Die Bergische Entwicklungsagentur wurde im Jahr 2008

von ihren Gesellschaftern mit der Erarbeitung eines Regionalen

Standortkonzepts für das Bergische Städtedreieck

beauftragt.

Die Erarbeitung dieser regionalen Stadtentwicklungsstrategie

gliedert sich in folgende Bausteine:

Baustein 1 - Bestandsaufnahme

Baustein 2 - Regional integriertes Standortkonzept

[Masterplan]

Baustein 3 - Marketingkonzept

Betrachtet werden folgende für die Zukunft des Bergischen

Städtedreiecks bedeutende Themenfelder:

Wohnen

Wirtschaft und Einzelhandel

Freizeit, Kultur und Tourismus

Stadt- und Landschaftsbild

Bildung und Wissenschaft

Mit dieser Broschüre wollen wir Ihnen nun die Ergebnisse

der Bestandsaufnahme im Bereich Freizeit, Kultur

und Tourismus vorlegen.

Komplettiert wird die Bestandsaufnahme für jedes Themenfeld

durch die Ergebnisse des Projektaufrufs an die

regionalen Akteure, kreative Ideen und Projektvorschläge

für Leit- und Zukunftsprojekte einzureichen. Diese

Vorschläge werden in einer separaten Projektbroschüre

Vorwort

dokumentiert, die Ihnen ebenfalls zugesandt wurde. Die

Broschüren sollen Grundlage für die nun stattfi ndenden

Workshops sein und Anregungen zur Diskussion bieten.

Die halbtägig angelegten Veranstaltungen dienen der

Erarbeitung eines regionalen Profi ls - in diesem Fall mit

Blick auf das Themenfeld Freizeit, Kultur und Tourismus.

Andererseits sollen die abgeleiteten Arbeitsschwerpunkte

diskutiert werden.

Der Aufbau der Broschüren zu jedem der fünf Themenfelder

ist daher vom Grundsatz immer identisch:

Einleitung

Beschreibung von globalen Trends

Standortanalyse Bergisches Städtedreieck

Stärken- / Schwächenanalyse [SWOT]

Ableitung von Arbeitsschwerpunkten anhand der

Analysen [inkl. der Dokumentation von Ansätzen

in der Region und von Best-Practice-Bei-

spielen aus anderen Regionen]

Wir freuen uns schon sehr auf eine angeregte Diskussion

mit Ihnen und auf Ihre Ideen im Workshop!

Ihr Team der Bergischen Entwicklungsagentur

3


Inhaltsverzeichnis

4

Freizeit, Kultur

und Tourismus

Vorwort 3

1 Einleitung 8

2 Analyse 9

2.1 Globale Entwicklungen und Trends 9

2.2 Daten und Fakten zum Tourismus im

Bergischen Städtedreieck 13

2.2.1 Das Bergische Städtedreieck

im Vergleich zu den anderen

touristischen Regionen in NRW 13

2.2.2 Tourismus im Bergischen

Städtedreieck 16

2.3 Freizeit- und Kulturangebote im

Bergischen Städtedreieck 18

2.3.1 Historische Ortskerne 18

2.3.2 Lebendige Industriekultur 18

2.3.3 Museumslandschaft 19

2.3.4 Kunst/Kultur/Unterhaltung 21

2.3.5 Freizeit im Grünen 22

2.3.6 Wege, Strecken, Routen 23

2.3.7 Veranstaltungen der Region 23

3 Stärken - Schwächen -

Chancen - Gefahren 24

4 Arbeitsschwerpunkte 25

4.1 Tourismusmarketing und Profilierung

der Tourismusregion 25

4.1.1 Bergisches Städtedreieck 27

Bergisches Land Tourismus

Marketing [BLTM] 27

Lebendige Industriekultur -

Expedition³ 28

Bergischer Ring 29

4.1.2 Andere Regionen 30

4.2 Qualitätsmanagement und Ausbau der Frei-

zeit- und Tourismusangebote 33

4.2.1 Bergisches Städtedreieck 34

Deutsches Röntgen-Museum 34

Brückenpark Müngsten 34

Bergischer Trassenverbund 35

4.2.2 Andere Regionen 36

4.3 Kulturförderung und Kulturwirtschaft 37

4.3.1 Bergisches Städtedreieck 38

Regionale Kulturpolitik

Bergisches Land 38

4.3.2 Andere Regionen 38

Im Sinne einer besseren Lesbarkeit wird im weiteren Verlauf auf

die Unterscheidung in weibliche und männliche Schreibweise

verzichtet und jeweils die männliche Form verwendet. Das betreffende

Wort bezieht sich jeweils selbstverständlich auf beide

Geschlechter.


Freizeit, Kultur

und Tourismus

7


8

Einleitung

1 Einleitung

„Eingebettet in grüne Berge und Täler liegt zwischen

dem Rheinland und Westfalen eine faszinierende,

aber weitgehend unentdeckte Region: das Bergische

Städtedreieck. Man kennt Solinger Messer und

Scheren, Remscheider Werkzeug oder die Wuppertaler

Schwebebahn und ahnt, warum hier der Regenschirm

erfunden wurde. War da noch was?“ 1

Dieses Zitat aus dem Reiseführer expeditionhoch³

bringt die derzeitige Situation der Region Remscheid-Solingen-Wuppertal

auf den Punkt: Aus touristischer

Perspektive hat die Region wegen ihrer

einzigartigen Landschaft, der Zeugnisse der frühen

Industrialisierung und des internationalen Rufs der

hier hergestellten Produkte eine gute Ausgangslage.

Auch zahlreiche kulturelle Angebote und Freizeitmöglichkeiten

gibt es in der Region - durch die Nachbarschaft

zu den Großstädten Köln und Düsseldorf

und dem nördlich gelegenen Ruhrgebiet und deren

national und international bekannten Angebote treten

die des Bergischen Städtedreiecks aber häufig in

den Hintergrund.

Um die Region besser nach außen zu vermarkten

und deutlicher zu positionieren, gab es in der jüngeren

Vergangenheit schon vielfache Anstrengungen.

Durch die Regionale 2006, dem Strukturprogramm

des Landes Nordrhein-Westfalen für das Städtedreieck,

wurden wichtige Projekte angestoßen, die eine

klare Profilierung der Region als Unternehmens- und

1 Schumann, Kerstin, Regionale 2006 Agentur [2006]: Expedition³

- Erlebnistouren und Ausflugsziele im Bergischen Städtedreieck.

RGA-Buchverlag, Remscheid

Technikregion mit einer Fokussierung auf den Bereich

Industriekultur verfolgten. Der Brückenpark

Müngsten als das Leitprojekt der Regionale, die Radwege

auf stillgelegten Bahntrassen und die Wandererlebniswege

durch Flusstäler sind Beispiele, wie

durch eine Aufwertung der Tourismus-Höhepunkte

mehr Gäste in das Bergische Städtedreieck gelockt

werden können.

Trotz dieser Impulse gibt es auch weiterhin Handlungsbedarf,

den Tourismus- und Freizeitwert in

der Region zu steigern und dessen wirtschaftliches

Potenzial auszuschöpfen. Das Standortkonzept zukunfthoch³

knüpft hier an und begreift die Bereiche

Freizeit, Kultur und Tourismus als wichtige Bausteine

innerhalb der regionalen Entwicklungsstrategie.

Neben diesem Themenfeld werden für das regionale

Standortkonzept auch die Bereiche Wohnen, Wirtschaft

und Einzelhandel, Stadt- und Landschaftsbild

sowie Bildung und Wissenschaft als die zentralen

Zukunftsthemen untersucht. Die Bestandsaufnahme

dieser Themenfelder bildet die Grundlage für die

Erarbeitung regionaler Strategien, die in Workshops

diskutiert werden und in einen zusammenfassenden

Masterplan münden.

In dieser Broschüre werden die Ergebnisse der Bestandsaufnahme

zum Themenfeld Freizeit, Kultur

und Tourismus präsentiert. Um die Lage und Entwicklungsmöglichkeiten

der Region einschätzen zu

können, werden globale Entwicklungen und Trends

im Tourismus- und Freizeitsektor beschrieben und

ihre Auswirkungen in kompakter Form aufgezeigt.

Zudem werden Themen und Projekte, die hier in-


haltlich anknüpfen, in kurzen Exkursen beschrieben.

Statements von beteiligten Akteuren und Experten

liefern erste Einschätzungen der aktuellen Situation

der Region.

Eine Bestandserhebung auf regionaler Ebene soll

klären, wie die derzeitige Position des Städtedreiecks

gegenüber den anderen touristischen Regionen in

NRW ist. Wichtige Kennzahlen geben Aufschluss über

die Marktsituation und die Außenwahrnehmung. Neben

diesem überregionalen Vergleich wird auch auf

die Situation in den drei Städten Remscheid, Solingen

und Wuppertal eingegangen, um Unterschiede

und Gemeinsamkeiten in den Bereichen Freizeit, Kultur

und Tourismus herauszufinden.

Daran anschließend werden Ausflugsziele und Sehenswürdigkeiten,

Strecken und Routen sowie Veranstaltungen

und Events in der Region auf ihre regionale

und überregionale Bedeutung, die thematische

Ausrichtung und andere wichtige Faktoren hin untersucht.

Zum Abschluss werden Arbeitsschwerpunkte umrissen

sowie Beispiele und Ansätze beschrieben, die in

den Bereichen Freizeit, Kultur und Tourismus wegweisend

sind. Diese Beispiele stammen dabei nicht

nur aus dem Bergischen Städtedreieck, sondern

auch aus anderen Tourismusregionen mit ähnlichen

Potenzialen und ermöglichen so einen „Blick über

den Tellerrand“.

2 Analyse

Analyse

2.1 Globale Entwicklungen und Trends

Die Tourismusbranche und die Freizeit- und Kulturwirtschaft

befinden sich momentan in einem tiefgreifenden

Wandel. Dabei haben die Globalisierung,

der Wandel der Konsumgewohnheiten, die steigende

Mobilität und der demografische Wandel wesentlichen

Einfluss auf die zukünftigen Angebotsformen

und Reisemöglichkeiten. Die aktuellen Trends und

Entwicklungen in den Bereichen Freizeit, Kultur und

Tourismus werden hier kurz umrissen, um die Auswirkungen

für das Bergische Städtedreieck und mögliche

Perspektiven und Arbeitsschwerpunkte aufzuzeigen.

X Tourismus als Wirtschaftsfaktor

Reisen und Kurztrips in attraktive Städte und Regionen

gehören in unserer Gesellschaft mittlerweile

zu einer Selbstverständlichkeit. Die Tourismusbranche

profitiert, trotz konjunktureller Schwankungen,

von einer ungebrochenen Nachfrage und hat eine

große Bedeutung für die deutsche Volkswirtschaft.

Laut Deutschem Tourismusverband betrug der Gesamtumsatz

der Tourismuswirtschaft 2007 150 Milliarden

Euro, die Branche hat 2,8 Millionen Beschäftigte

in Deutschland. Verschiedenen Prognosen zufolge

wird diese Bedeutung in Zukunft sogar noch weiter

ansteigen. So hat die World Tourism Organisation

[WTO] 1998 eine quantitative Studie für den weltweiten

Tourismus vorgelegt, die einen Anstieg der weltweiten

Ankünfte von 563 Millionen im Jahr 1995 auf

1,6 Milliarden im Jahr 2020 prognostiziert.

9


Wirtschaftsfaktor Tourismus in NRW

Der Tourismus hat in Nordrhein-Westfalen eine hohe wirtschaftliche

Bedeutung, was sich in den Berechnungen des

NRW Tourismus e.V. widerspiegelt. Durch Übernachtungsund

Tagesgäste werden im gesamten Bundesland pro Jahr

ca. 22,6 Milliarden Euro umgesetzt, rund 530.000 Einwohner

können ihr Primäreinkommen aus dem Tourismus

erzielen.

Folgende Kerndaten zeigen, wie die Tourismuswirtschaft

und damit zusammenhängende Branchen durch die Ausgaben

und den Konsum der Touristen profitieren.

Umsatz und Einkommen des Tourismus in NRW 2005

10

Übernachtungstourismus

Tages

tourismus

Bruttoumsatz

Einkommen Beitrag Volkseinkommen

NRW

4,1 Mrd € 2,2 Mrd € 0,59 %

18,5 Mrd € 8,5 Mrd € 2,34 %

gesamt 22,6 Mrd € 10,7 Mrd € 2,93 %

Ausgaben Touristen 2005 in NRW

Tagestouristen Übernachtungstouristen

Deutschland 28,50 € 93,30 €

NRW 28,60 € 104,30 €

Ausgaben Tagestouristen 2005 in NRW

Einkäufe sonstiger Waren 14,80 €

Restaurant/Café 8,50 €

Unterhaltung/Sport/Spiel 2,50 €

Lebensmittel 1,40 €

Sonstiges 1,40 €

X Veränderte Marktsituation

Urlauber und Touristen verfügen heutzutage über

eine große Reiseerfahrung, wodurch die Auswahl

des Urlaubsziels und der Urlaubsform wesentlich

beeinflusst wird. Der Anspruch an die Qualität und

das Leistungsniveau des Urlaubs ist bei den meisten

Touristen sehr hoch. Gleichzeitig ist die Preissensitivität

der Kunden ein wichtiger Faktor: Die für den

Urlaub aufgebrachten Kosten sollen sich lohnen, die

getätigte Investition soll sich rentieren.

Zwei gegenläufige Trends sind derzeit zu beobachten:

Einerseits der Trend zu sogenannten „Luxusreisen“,

wobei Erlebnisvielfalt und –intensität im Vordergrund

stehen. Die Kosten der Reise sind für die

Konsumenten weniger wichtig.

Andererseits werden verstärkt „Low-Cost-Reisen“

nachgefragt, also Reisen, die möglichst wenig kosten,

trotzdem aber verschiedene Erlebnismöglichkeiten

und eine hohe Qualität bieten.

Generell ist die individuelle Gestaltung der Urlaubsreise

ein wichtiger Bestandteil der Reiseplanung.

Unspezifische Pauschalangebote werden immer weniger

nachgefragt, während individuelle, auf die Bedürfnisse

der Zielgruppe zugeschnittene Angebote

ein stark wachsendes Segment darstellen.

Ein weiterer Aspekt, der für die Tourismuswirtschaft

immer wichtiger wird, ist die gestiegene zeitliche

Flexibilität der Urlauber und Touristen. Der Trend zu

spontan und flexibel buchbaren Angeboten wird sich

auch in Zukunft eher noch weiter verstärken. Hinter-


grund dieser Entwicklung sind flexible Arbeitszeiten

und die gestiegene Mobilität, die spontane und kürzere

Urlaube [z.B. Tagestouren, Wochenendausflüge]

attraktiver werden lassen.

Das steigende Umwelt- und Sicherheitsbewusstsein

hat ebenfalls Auswirkungen für die Tourismusbranche.

Mangelnder Umweltschutz und Kriminalität in

den touristischen Regionen wirken abschreckend

auf potenzielle Gäste und haben ein negatives

Image der Region zur Folge. Im Gegenzug sind solche

Reisen immer mehr gefragt, die authentische Naturerlebnisse

vermitteln, umweltschonend gestaltet

werden und dem Sicherheitsbedürfnis der Touristen

Rechnung tragen.

Die Tourismuswirtschaft ist durch einen Käufermarkt

geprägt: Es gibt derzeit eine große und stark differenzierte

Angebotspalette an Urlaubsformen und

–zielen, der Kunde kann sich also bewusst nach seinen

Wertvorstellungen und Wünschen für einen Urlaub

entscheiden.

X Neue Angebotsformen

Diese breite Angebotspalette hat aber auch zur Folge,

dass der Markt unübersichtlich für potenzielle

Kunden wird. Klar strukturierte Angebote, nachvollziehbare

Preise und ein klar kommunizierter Mehrwert

einer Reise werden deshalb in Zukunft eine

noch größere Rolle spielen.

Ein stark wachsendes Segment im Tourismusmarkt

sind Städte- und Eventreisen, die seit Mitte der

1990er Jahre einen enormen Nachfrageanstieg ver-

zeichnen. Das Besuchen von Kulturevents, Shopping

und Wellness sind dabei ebenso wichtige Reisemotive

wie das Stadterlebnis an sich. Kultur und Tourismus

erlangen in diesem Zusammenhang auch eine

besondere Bedeutung für die Entwicklung von Städten

und Regionen.

Neben dem Freizeittourismus ist auch der Geschäftsreisen-Tourismus

von einer wachsenden Nachfrage

gekennzeichnet. Das Verreisen aus beruflichen

Gründen zu Kongressen, Konferenzen, Messen und

geschäftlichen Events ist in der globalisierten Wirtschaft

zu einer Selbstverständlichkeit geworden. Vor

allem in Großstädten und Metropolen steigen die

Gäste- und Übernachtungszahlen der Geschäftsreisenden

daher an.

Die zunehmende Verbreitung und Akzeptanz des

Internets hat auch für die Bereiche Freizeit, Kultur

und Tourismus weitreichende Folgen. Anbieter aus

dem Bereich Tourismus und Kultur können durch die

neuen Medien auch neue Vertriebswege erschließen

und flexibel Informationen zu Reiseangeboten

bereitstellen. Gleichzeitig nimmt die Bedeutung der

traditionellen Vertriebsarten, z.B. Reisebüros, Katalogbestellungen

etc. weiter ab. Das Internet und die

neuen Medien bieten für diese Anbieter, aber auch

für Städte und Regionen Möglichkeiten einer gezielten

Markenbildung als Ergänzung zu den klassischen

Marketingwerkzeugen.

X Wettbewerb der touristischen Zielregionen

Verschiedene Strategien und Ansätze werden derzeit

von den touristischen Zielregionen angewendet

11


und erprobt, um der veränderten Nachfrage und

dem steigenden Wettbewerbsdruck zu begegnen.

Regionen versuchen, sich im internationalen Wettbewerb

um Gäste und die damit verbundenen Einnahmemöglichkeiten

zu profilieren. Sie geben sich

klar erkennbare und markenbildende Images; die

touristische Vermarktung hängt also stark mit der

Außendarstellung zusammen. Diese Images sollen

positive Erwartungen und Assoziationen hervorrufen

und den Mehrwert eines Urlaubs in der Region herausstellen.

Die Historie spielt dabei oft eine Rolle,

aber auch andere regionale Besonderheiten werden

zur Markenbildung einer Region verwendet, z.B. die

Themen Natur, kulturelle Besonderheiten, regionale

Küche und Gastronomie etc. Regionale Kooperationen

im Bereich Tourismus und Freizeit werden zunehmend

wichtiger, da kleinere und mittelgroße Städte

im sich verschärfenden Wettbewerb von den potentiellen

Gästen kaum wahrgenommen werden. Die

regionalen Strategien und die Bildung touristischer

Destinationen gestalten sich sehr unterschiedlich,

vor allem aufgrund der Standortbedingungen und

der Akteurskonstellationen vor Ort. Die wesentlichen

Ziele der Strategien sind hingegen meistens gleich:

die Steigerung des Bekanntheitsgrades und der Besucher-

und Gästezahlen der Region. Tourismus NRW

e.V. strebt eine Neupositionierung des Tourismussektors

an und hat Roland Berger Strategy Consultants

mit der Erarbeitung eines Masterplan beraufragt. Ziel

ist es, in enger Zusammenarbeit mit den 12 touristischen

Regionen und dem Ministerium für Wirtschaft,

Mittelstand und Energie das Tourismusmarketing in

Richtung einer Dachmarkenstrategie neu auszurichten

und eng mit der neuen Standortkampagne des

Landes zu verknüpfen.

12

Touristisches Themenmarketing in NRW

Der Tourismus NRW e.V. mit Sitz in Köln ist der touristische

Dachverband für Nordrhein-Westfalen. Zu den

zentralen Zielen des Tourismus NRW e.V. gehören

die Profilierung des Tourismus als zukunftsträchtiger

Wirtschaftsfaktor, die Optimierung der Rahmenbedingungen

für das touristische Marketing und die

Förderung der touristischen Kooperation in Nord-

rhein-Westfalen. Er berät seine Mitglieder in allen

touristischen Fragen und unterstützt die Regionen

und Orte mit ihren privatwirtschaftlichen Partnern

bei der Entwicklung touristischer Projekte. Darüber

hinaus fördert er die Profilierung der nordrheinwestfälischen

Regionen und Orte durch übergreifendes

Themenmarketing in Abstimmung mit den Leitbildern

der touristischen Entwicklung in NRW.

Das Themenmarketing stützt sich auf vier zentrale

Themen: Gesundheitstourismus, Sporttourismus,

Kulturtourismus und Geschäftsreisetourismus. Diese

vier Säulen bilden die Reisemotive der Menschen ab,

die nach Nordrhein-Westfalen kommen. Im Marketing

für den Tourismusstandort Nordrhein-Westfalen

sollen konsequent diese vier Themenbereiche herausgestellt

werden. Die 12 touristischen Regionen

können sich auf diese Themen konzentrieren und

sich mit regionsspezifischen Angeboten profilieren.

Gesundheitstourismus

Sporttourismus

Kulturtourismus

Businesstourismus


2.2 Daten und Fakten zum Tourismus

im Bergischen Städtedreieck

In Statistiken und Erhebungen zeigt sich, wie attraktiv

eine Region aus touristischer Sicht ist. Durch die

Auswertung dieser Statistiken lassen sich Schlussfolgerungen

auf die derzeitige Situation des Tourismus

und die Nachfrage in einer Region ziehen.

Für das Bergische Städtedreieck gibt es bisher noch

keine regionale Untersuchung der Tourismusstatistik.

In der Vergangenheit bildeten die Städte Remscheid,

Solingen und Wuppertal zusammen mit dem Rheinisch-Bergischen

und dem Oberbergischen Kreis das

Bergische Land“ als eine von elf Tourismusregionen

in Nordrhein-Westfalen. Die organisatorische Neugliederung

in die Regionen „Bergisches Städtedreieck“

als anerkannte zwölfte Tourismusregion NRWs

und „Naturarena Bergisches Land“ seit 2003 macht

eine differenzierte Betrachtung des Tourismuspotenzials

notwendig.

Um die touristische Nachfrage im Bergischen Städtedreieck

detailliert bewerten zu können, wurden

die wichtigsten landesweiten Erhebungen für NRW

ausgewertet: die Ankünfte, die Übernachtungen, die

durchschnittliche Aufenthaltsdauer, die Herkunftsländer

der Gäste und die Auslastungen der Hotelbetten.

Da diese Zahlen für ganz Nordrhein-Westfalen einheitlich

erhoben werden, können die Werte des

Bergischen Städtedreiecks mit denen der anderen

touristischen Regionen verglichen werden. Dadurch

Daten und Fakten

zum Tourismus

wird die derzeitige Position des Städtedreiecks im

Wettbewerb der Regionen um Tages- und Übernachtungsgäste

aufgezeigt. Der regionale Vergleich bildet

den ersten Teil dieses Kapitels. Wie die Lage in den

drei Städten der Region in Einzelnen aussieht, wird

im zweiten Teil geklärt.

Welche wirtschaftliche Bedeutung der Tourismus

für Regionen mittlerweile hat, zeigen die Infokästen

„Wirtschaftsfaktor Tourismus im Bergischen Land“.

2.2.1 Das Bergische Städtedreieck im Vergleich

zu den anderen touristischen Regionen

in NRW

Im Jahr 2007 sind 17,3 Millionen Gäste in ganz Nord-

rhein-Westfalen registriert worden, 40,4 Millionen

Übernachtungen wurden gezählt. Die landesweite

Nachfrage ist bei den Ankünften um 20 Prozent und

bei den Übernachtungen um 10 Prozent gestiegen.

Hier zeigt sich ein Trend zu Tagesreisen bzw. Kurzaufenthalten,

da die Übernachtungszahlen nur halb so

stark angestiegen sind wie die Gästezahlen. Wesentlichen

Einfluss auf diese positive Entwicklung hatte

auch die Fußballweltmeisterschaft 2006. Im Vergleich

der Bundesländer belegt NRW bei den Ankünften

den zweiten Platz, bei den Übernachtungen den

dritten Platz hinter Bayern und Baden-Württemberg.

Landesweit gibt es große Unterschiede zwischen

den einzelnen Tourismusregionen.

Die Ballungsräume in NRW können die meisten Ankünfte

generieren. Spitzenreiter sind die Region Köln

mit 2,9 Millionen, das Ruhrgebiet mit 2,6 Millionen

13


Entwicklung der Ankünfte und Übernachtungen zwischen 2000 und 2007

und die Region Düsseldorf mit 2,25 Millionen Ankünften

im Jahr 2007. Auch bei der Entwicklung der Gäste-

und Übernachtungszahlen in den letzten Jahren

sind diese drei Regionen führend: Die Region Köln

kann eine Steigerung von 45 Prozent der Ankünfte

bzw. 44 Prozent der Übernachtungen gegenüber

dem Jahr 2000 verbuchen, die Region Düsseldorf 30

Prozent bzw. 18 Prozent und das Ruhrgebiet 26 Prozent

bzw. 20 Prozent seit dem Jahr 2000. Der Trend

zu Städtereisen schlägt sich also sehr deutlich in

den Statistiken nieder, hinzu kommt die wachsende

Bedeutung der Messestandorte und das damit

verbundene Aufkommen an Geschäftsreisen. Auch

Großveranstaltungen und Events spielen eine große

Rolle für den Tourismus in diesen Regionen, es

wird z.B. von einem deutlichen Nachfrageschub im

Ruhrgebiet durch die Auszeichnung als Europäische

Kulturhauptstadt 2010 ausgegangen [Quelle: NRW

Tourismus].

Neben den Ballungsräumen können auch einige

ländliche Regionen beim Tourismusaufkommen

punkten: Der Teutoburger Wald hat mit 6,5 Millionen

Übernachtungen im Jahr 2007 den höchsten Wert in

NRW zu verzeichnen, gefolgt vom Sauerland mit 5,9

Millionen. Die beiden Regionen liegen auch bei den

Ankünften mit jeweils 1,8 Millionen weit vor den anderen

ländlichen Regionen NRWs. Die Entwicklung

der Übernachtungen zeigt allerdings eine negative

Tendenz: Das Aufkommen sank 2007 gegenüber dem

Jahr 2000 im Teutoburger Wald um 2 Prozent, im Sauerland

sogar um 3,5 Prozent. Auch hier lässt sich der

Trend zu kürzeren Aufenthalten deutlich ablesen.

14

Prozent

50

40

30

20

10

0

-10

Abb. 1: Landesbetrieb IT.NRW, eigene Berechnungen

Ankünfte Übernachtungen .

Das Bergische Städtedreieck ist mit 310.000 Ankünften

2 in 2007 und 660.000 Übernachtungen das

Schlusslicht unter den Tourismusregionen NRWs. Die

Region konnte damit z.B. nur halb so viele Gäste wie

die Nachbarregion Rheinberg/Oberberg anziehen

und sogar nur ein Drittel der Übernachtungen generieren.

Jedoch gibt es seit dem Jahr 2000 eine positive

Nachfrageentwicklung: Das Gästeaufkommen

stieg bis 2007 um 6 Prozent, das Übernachtungsaufkommen

sogar um 11,4 Prozent. An diesen Zahlen

ist erkennbar, dass das Bergische Städtedreieck bisher

kaum als touristische Destination wahrgenommen

wurde. Gleichzeitig zeigt der positive Trend der

letzten Jahre, dass die Region aus touristischer Sicht

durchaus Potenzial hat und gegenüber den anderen

Tourismusregionen NRWs weiter aufholen kann.

Hinzu kommt, dass die Tourismusstatistik zwar eine

gute Grundlage für den Vergleich der verschiedenen

Regionen darstellt, jedoch einige Zusammenhänge

nicht abbildet. Tagestouristen können in der Statistik

nicht erfasst werden, sie stellen aber eine wichtige

Zielgruppe für das Bergische Städtedreieck dar. Die

Statistik erfasst zudem nur Gäste in Hotels mit mehr

als neun Betten, wobei die im Städtedreieck häufigen

kleineren Hotels und Pensionen nicht erfasst werden.

Zwar wird das Herkunftsland der Gäste für die

Statistik erhoben, der Grund für die Übernachtung

[z.B. Geschäfts- oder Urlaubsreise] jedoch nicht.

2 [Definition Ankünfte: Die Ankunft [oder Abreise] eines Gastes ist

die Anreise [oder Abreise] einer Person in [von] einem Beherbergungsbetrieb

oder einer privaten Unterkunft mit An- bzw. Abmeldung.

[...] Die Ankünfte von Tagesgästen in einem Betrieb, die nur

wenige Stunden des Tages dort verbringen [keine Übernachtung,

Ankunft und Abreise am selben Tag] wird aus der Beherbergungsstatistik

ausgeschlossen. http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=CELEX:31999D0035:DE:HTML]


Ankünfte und Übernachtungen in den touristischen Regionen NRWs 2007

7.000.000

6.000.000

5.000.000

4.000.000

3.000.000

2.000.000

1.000.000

0

Abb. 2: Landesbetrieb IT.NRW, eigene Berechnungen

Die Tourismusintensität ist neben den absoluten Gäste-

und Übernachtungszahlen ein aussagekräftiger

Indikator für die touristische Lage einer Region. Mit

ihm wird gemessen, wie viele Ankünfte und Übernachtungen

pro 1000 Einwohner in einer Region zu

verzeichnen sind. Der Zusammenhang zwischen der

Größe einer Region und dem Tourismusaufkommen

wird dadurch erkennbar.

Neben der Gesamtstatistik können auch einzelne Erhebungen

und Zählungen, z.B. die Besucherzahlen

von Museen, Freizeiteinrichtungen, Veranstaltungen

etc. Aufschluss über die touristische Attraktivi-

Tourismusintensität in den touristischen Regionen NRWs 2007

Abb. 3: Landesbetrieb IT.NRW, eigene Berechnungen

Ankünfte insgesamt Übernachtungen insgesamt

tät der Region geben. Die ländlichen Regionen, die

eine geringere Einwohnerdichte als die Ballungsräume

aufweisen, aber aus touristischer Sicht attraktiv

sind, weisen eine hohe Tourismusintensität auf. Das

Sauerland kann fünf Mal so viele Übernachtungen

wie Bewohner registrieren, die Region Siegen-Wittgenstein

und der Teutoburger Wald mehr als drei Mal

so viele, und im Bergischen Land und in der Eifel ist

die Anzahl der Übernachtungen doppelt so hoch wie

die Einwohnerzahl. Die Zentren Düsseldorf und Köln

verbuchen auch hier Spitzenwerte, hier kommen

auf 1000 Einwohner etwa 2000 Gäste und rund 3600

Übernachtungen. Die Tourismusintensität im Bergi-

15


Ankünfte im Bergischen Städtedreieck zwischen 2000 und 2007

schen Städtedreieck ist hingegen eher gering: etwa

500 Gäste und rund 1000 Übernachtungen werden

hier pro 1000 Einwohner gezählt [siehe Übersichtskarte].

2.2.2 Tourismus im Bergischen Städtedreieck

In der Region verteilen sich die Ankünfte und Übernachtungen

in etwa nach der Größe der Städte. Bei

den Gästezahlen lag Wuppertal im Jahr 2007 deutlich

vorne, von den insgesamt 310.000 Gästen im Bergischen

Städtedreieck empfing die Stadt 190.000. Gegenüber

dem Jahr 2000 konnte Wuppertal einen Zuwachs

von 30.000 Gästen im Jahr 2007 verzeichnen,

was einer prozentualen Steigerung von 19 Prozent

entspricht.

16

350.000

300.000

250.000

200.000

150.000

100.000

50.000

0

Ankünfte

2000 2001 2002 2003 2004 2005 2006 2007

Abb. 4: Landesbetrieb IT.NRW, eigene Berechnungen

MADE IN ... MADE BY ... Strategie für Geschäftsreisentourismus

Wuppertal Solingen Remscheid

Diese positive Entwicklung wirkt sich auf die Gesamtbilanz

des Bergischen Städtedreiecks aus. In

der Region stieg die Anzahl der Gäste im entsprechenden

Zeitraum um 6,5 Prozent von 291.000 auf

310.000 Gäste. Die Entwicklung der Übernachtungszahlen

zeigt mit 11,5 Prozent Zuwachs für die gesamte

Region eine erfreuliche Entwicklung. Auch bei

den Übernachtungen spiegeln sich die Größe und die

Gastgeberstruktur der Städte deutlich in der Statistik

wider. In der Region wurden im Jahr 2007 660.000

Übernachtungen registriert, von denen 430.000 auf

Wuppertal entfielen, was einen Anteil von 65 Prozent

ausmacht. Die Entwicklung der Übernachtungen seit

2000 zeigt eine Steigerung in Wuppertal von 25 Prozent,

sie liegt damit deutlich über der Zuwachsrate

der gesamten Region und der des Ruhrgebiets.

2/3 von 100 Befragten sind heute schon Gastgeber für ihre Geschäftspartner

MIt dem qualifizierten Angebot von MiMb sollen noch mehr Gäste in die Region geholt werden

Geschäftsreisen dauern meist länger als einen halben Tag

Das attraktive touristische Zusatzprogramm soll zu einem längeren Aufenthalt

beitragen und Übernachtungen generieren

Geschäftsreisende sind Multiplikatoren für die Region

Das touristische Programmangebot von MiMb bietet die Chance, eine neue Zielgruppe für die

Region zu begeistern

Abb. 5: Auszüge aus der Bedarfsanalyse im Rahmen des Projektes MADE IN ... MADE BY... [www.bergische-agentur.de]


Herkunftsländer der Gäste im Bergischen Städtedreieck 2007

Abb. 6: Landesbetrieb IT.NRW, eigene Berechnungen

Die Analyse der Quellmärkte des Tourismus im Bergischen

Städtedreieck zeigt, dass die meisten Gäste

der Region aus Deutschland kommen [81,7 Prozent].

Unter den ausländischen Quellmärkten sind die Niederlande

mit 10.000 Gästen im Jahr 2007 Spitzenreiter,

was einem Anteil von 3,2 Prozent am Gesamtaufkommen

entspricht. Auch Schweden, Frankreich und

Großbritannien stellen wichtige Quellmärkte für den

regionalen Tourismus dar [15.000 Gäste]. Der Kontinent,

in dem die meisten Gäste generiert werden

können, ist daher eindeutig Europa. Im Jahr 2007 kamen

5.000 Gäste aus Asien ins Bergische Städtedreieck,

aus Amerika waren es 4.000 Gäste.

Rückschlüsse auf die Gastgeberstruktur der Region

geben die Zahl der geöffneten Beherbergungsbetriebe

und die Zahl der angebotenen Betten. Im Jahr

2007 waren im Bergischen Städtedreieck insgesamt

91 Betriebe geöffnet, und 4.900 Betten wurden angeboten.

Die Entwicklung seit 2000 zeigt, dass die Zahl

der Betriebe stagniert, die Bettenanzahl sank hingegen

um 9 Prozent.

Der Auslastungsgrad der Betten zeigt an, wie stark

das Angebot der Region nachgefragt wird. In NRW

liegt der Durchschnitt bei 40 Prozent Auslastung. In

Wuppertal lag die Auslastung im Jahr 2007 mit 41,5

Prozent sogar über dem NRW-Durchschnitt. Remscheid

mit 32 Prozent und Solingen mit 29 Prozent

Auslastung liegen dagegen darunter.

Die Analyse der touristischen Daten zeigt insgesamt,

dass das Bergische Städtedreieck in touristischer

Hinsicht großes Potenzial hat.

Deutschland

Andere europäische Staaten

Niederlande

Schweden

Fankeich Frankreich

Asien

Großbritanien

Amerika

Staatenlos, ohne Angabe

Afrika

Australien/Ozeanien

81,7 %

6,7 %

3,2 %

2,0 %

1,6 %

1,6 %

1,2 %

1,2 %

0,5 %

0,2 %

0,1 %

Wirtschaftsfaktor Tourismus im

Bergischen Land

In der Studie „Kulturtouristisches Marketingkonzept für

das Bergische Land“, die im Jahr 2003 von der ift Freizeitund

Tourismusberatung GmbH erstellt wurde, werden konkrekte

Zahlen und Daten zu den wirtschaftlichen Effekten

des Tourismus vorgestellt. Der Untersuchungsraum dieser

Studie umfasst dabei den Rheinisch-Bergischen und Oberbergischen

Kreis, den Kreis Mettmann, Teile des Rhein-

Sieg-Kreises und die Städte Wuppertal, Solingen und Remscheid.

Nettoumsätze 2001 in der Kulturregion Bergisches Land

Übernachtungsgäste 282 Mio. €

Tagesgäste 529 Mio. €

Nettoumsätze 2001 nach Ausgabenarten

Restaurant/Café 283 Mio €

Einkäufe 171 Mio. €

Unterkunft 100 Mio. €

Kultur/Freizeit 70 Mio. €

Rechnerische Vollzeitbeschäftigte im Tourismus 2001

nach Aufgabenbereichen

Restaurant/Café ca. 7000

Unterkunft ca. 2400

sonstige Dienstleistungen ca. 3900

Kultur/Sport ca. 1700

lokaler Transport ca. 500

Arbeitsplätze insgesamt ca. 17000

17


Freizeit- und

Kulturangebote

2.3 Freizeit- und Kulturangebote im

Bergischen Städtedreieck

Das Bergische Städtedreieck gilt als Wiege der Industrialisierung

in Kontinentaleuropa. Es hat sich hier

eine erlebbare Industriekultur entwickelt, die neben

der lebendigen Technik- und Unternehmenskultur

ein großes touristisches Potential bietet.

Aufgrund dieser Gegenheiten haben sich viele historische

Ortskerne entwickelt, die sich durch ein

Nebeneinander von Gewerbe und Wohnen auszeichnen.

Einige dieser Zentren wurden im Krieg nicht zerstört

und blieben in ihrer Ursprünglichkeit erhalten.

2.3.1 Historische Ortskerne

Im Bergischen Städtedreieck gibt es mehrere historische

Ortskerne, die mit ihrer kleinteiligen Struktur

und den historischen Gebäudeensembles als touristische

Ankerpunkte fungieren. In diesen Ortskernen

sind auch viele der Museen, kulturelle Attraktionen

sowie Gastronomie und Hotels vorhanden, weswegen

sie ein hohes touristisches Potenzial aufweisen.

Folgende historische Ortskerne im Bergischen Städtedreieck

sind bedeutsam für das touristische Profil

der Region:

18

Wuppertal-Beyenburg

Wuppertal-Cronenberg

Solingen-Burg

Solingen-Gräfrath

Remscheid-Lennep

Remscheid-Lüttringhausen

2.3.2 Lebendige Industriekultur

Die frühe Industrialisierung im Bergischen Städtdreieck

basierte auf der Nutzung der Wasserkraft als Antrieb

von Hämmern und Maschinen. Während in den

Städten Remscheid [Werkzeuge] und Solingen [Klingen]

die Eisen- und Stahlindustrie vorherrschte, war

Wuppertal Standort der Textil- und Chemieindustrie.

Die wirtschaftliche Entwicklung und frühe Industrialisierung

war eng verbunden mit dem Erfindungsreichtum

der Menschen in der Region. Bahnbrechende

Erfindungen waren z.B. das Walzen von nahtlosen

Röhren im Pilgerverfahren durch die Gebrüder Mannesmann

oder Richard Lindenbergs Erfindung des

Elektrostahlofens zum Schmelzen von Stahl.

Die Wuppertaler Schwebebahn stellt für die Region

im Segment der erlebbaren Industriekultur ein Alleinstellungsmerkmal

mit überregionaler und internationaler

Bedeutung dar. Das in Dimension und Bauart

weltweit einzigartige Verkehrsmittel wurde 1903

in Betrieb genommen und ist bis heute im Einsatz.

Pro Jahr verzeichnen die Wuppertaler Stadtwerke

etwa 23 Millionen Fahrgäste [Stand 2003]; es werden

also täglich durchschnittlich etwa 75.000 Menschen

transportiert. Für Wuppertal als Stadt und für die Region

Bergisches Städtedreieck hat die Schwebebahn

einen hohen Wiedererkennungswert und ist somit

auch für die touristische Entwicklung von hoher Bedeutung.

Viele frühere Produktionsorte und Relikte der Industrialisierung

in der Region wurden zu Museen


und Ausstellungs- und Tagungsorten entwickelt.

Beispielhaft für diese Orte ist die Gesenkschmiede

Hendrichs in Solingen. Die früher zur industriellen

Produktion eingesetzten Schmiedehämmer wurden

erhalten und die ehemalige Produktionsstätte in ein

Museum umgewandelt. Es ist als „Schauplatz Solingen“

ein Teil des „Rheinischen Industriemuseums“,

das die Industriegeschichte des Rheinlandes an

sechs authentischen ehemaligen Produktionsorten

vermittelt. Weitere Beispiele für industriekulturelle

Ausflugsziele sind die Bänderei Kafka und die ehemalige

Schnürsenkelfabrik Huppertsberg in Wuppertal

sowie die Mannesmannhalle in Remscheid.

Neben diesen Höhepunkten gibt es auch kleinere,

eher unscheinbare Ausflugsziele im Bergischen

Städtedreieck, die die industriekulturelle Geschichte

der Region authentisch vermitteln. Eine Reihe kleinerer

„Kotten“ und „Hämmer“ liegen in der reizvollen

Tallandschaft der Wupper, des Morsbachs und des

Eschbachs. Erschlossen und vernetzt werden diese

durch Wandererlebniswege. Diese „Geheimtipps“ besitzen

ein großes touristisches Potenzial, vor allem

durch die Verbindung mit dem Landschaftserlebnis.

Folgende Ausflugsziele zeigen das breite Angebot in

der Region im Bereich Industriekultur auf:

Schwebebahn, Wuppertal

Brückenpark Müngsten

Rheinisches Industriemuseum, Solingen

Deutsches Werkzeugmuseum/HIZ, Remscheid

Hilbertshammer, Remscheid

Museum für Frühindustrialisierung / Engelshaus,

Wuppertal

Museum Destille Frantzen, Remscheid

Steffenshammer, Remscheid

Mannesmann Halle, Remscheid

Feilenfabrik Ehlis, Remscheid

Reiderei Lauterjung, Solingen

Balkhauser Kotten, Solingen

Loos‘n Maschinn, Solingen

Wipperkotten, Solingen

Manuelskotten, Wuppertal

Bänderei Kafka, Schwelm

Huppertsberg, Wuppertal

Forum Produktdesign, Solingen

Bandwebermuseum, Wuppertal

Bandwirkermuseum, Wuppertal

Bergische Museumsbahn, Wuppertal

Textilstadt Wülfing, Radevormwald

Tuchmuseum, Remscheid

Deutsches Röntgen-Museum, Remscheid

2.3.3 Museumslandschaft

Die Museumslandschaft im Bergischen Städtedreieck

ist geprägt von der industriekulturellen Geschichte

der Region. Neben diesem Schwerpunkt sind in

der Region aber auch bedeutende Kunst- und Geschichtsmuseen

ansässig.

Ein Beispiel hierfür ist das Von der Heydt-Museum in

Wuppertal, ein international renommiertes Museum

der Bildenden Kunst. Das Museum stellt heute auf einer

Fläche von etwa 6500 Quadratmetern etwa 1000

Werke in der Dauerausstellung aus, daneben wer-

19


Übersichtskarte: Freizeit- und Kulturangebote im Bergischen Städtedreieck

Abb. 6: eigene Darstellung, Kartengrundlage: Stadtdienst Vermessung und Kataster, Stadt Solingen

20

Solingen

Gräfrath

Wuppertal

Briller Viertel

Cronenberg

den weitere Exponate und Leihgaben auch anderer

Museen in den Räumen der Wechselausstellungen

präsentiert, die aufgrund ihrer zum Teil einzigartigen

Zusammenstellungen auch überregionales Interesse

finden.

Zudem gibt es drei Deutsche Museen in der Region:

Das Deutsche Klingenmuseum in Solingen, das Deutsche

Werkzeugmuseum sowie das Deutsche Röntgen-Museum

in Remscheid.

Das Deutsche Klingenmuseum in Solingen-Gräfrath

ist ein Museum mit Ursprüngen in der regionalen Geschichte

und zugleich ein Museum mit einer interna-

Burg

LüttringLüttringhausenhausen

Remscheid

Lennep

BeyenBeyenburgburg

Siedlungsfläche

Wasserfläche

Stadtgrenzen

Bahnstrecken

Historische Ortskerne

Museen

Erlebbare Industirekultur

Kunst, Kultur, Unterhaltung

Freizeit / Erholung im Grünen

Hotels

Erlebniswege

Schwebebahn

Radwege auf Bahntrassen

tional bedeutenden Sammlung. Diese besondere Situation

ebenso wie die ausgeprägte Spezialisierung

stellt den Reiz dar. Solingen ist seit Jahrhunderten

als Stadt der Klingen bekannt. Der gute Ruf Solinger

Erzeugnisse hat sich bis heute erhalten.

Seit 1967 besteht das Deutsche Werkzeugmuseum

in Remscheid und beherbergt eine umfangreiche

technik-, sozial- und kulturgeschichtliche Sammlung

von Werkzeugen aus verschiedenen Jahrtausenden,

von der Steinzeit bis zum 21. Jahrhundert. Die

Sammlung hat überregionale handwerks- und industriegeschichtliche

Bedeutung und umfasst Hand-,

Maschinen- und Elektrowerkzeuge. Eine Außenstelle


des Deutschen Werkzeugmuseums ist der rund einen

Kilometer entfernt liegende Steffenshammer, ein

1746 errichtetes, noch weitgehend funktionsfähiges,

wasserradgetriebenes Hammerwerk. Er ist der einzige

noch erhaltene Wasserhammer in diesem Gebiet.

Mit einem neuen Konzept soll sich das Deutsche Röntgen-Museum

in Remscheid-Lennep nach dem sich

nun im zweiten Bauabschnitt befindenden Umbau

als hochwertiges Spezialmuseum in der deutschen

Kulturszene positionieren. Ausgangspunkt bleibt die

Entdeckung Wilhelm Conrad Röntgens, mit der er die

medizinische Diagnostik revolutionierte und deren

Weiterentwicklung sich als roter Faden durch das

Haus und seine Abteilungen zieht. Als modernes,

technisch-naturwissenschaftliches Themenmuseum

führt das neue Röntgen-Museum seine Besucher auf

eine spannende Erfahrungs- und Erlebnisreise und

macht die Besucher zu Forschern.

Weitere Beispiele für regional und überregional bedeutsame

Museumsaustellungen in der Region:

Tuchmuseum, Remscheid-Lennep

Schloss Burg, Solingen

Museum Baden, Solingen

Museum Plagiarius, Solingen

Laurel+Hardy Museum, Solingen

Fuhlrott-Museum, Wuppertal

Historisches Zentrum, Wuppertal

Völkerkundemuseum, Wuppertal

Uhrenmuseum Abeler, Wuppertal

Kindermuseum, Wuppertal

Bibelmuseum, Wuppertal

2.3.4 Kunst/Kultur/Unterhaltung

Im Bergischen Städtedreieck ist eine lebendige

Kunst- und Kulturszene beheimatet. Neben den klassischen

öffentlichen Kulturangeboten gibt es auch

zahlreiche private Kulturschaffende und Initiativen,

die das kulturelle Leben der Region prägen.

Für Weltruhm sorgt das Tanztheater von Pina Bausch.

Überregional bedeutsam sind zudem das Schauspielhaus

und die Oper in Wuppertal, das Teo-Otto-Theater

in Remscheid und das Theater- und Konzerthaus

in Solingen.

Die Güterhallen in Solingen sind ein Beispiel für die

lebendige Kunst- und Kulturszene der Region. Zentral

im Südpark liegen die alten Güterhallen, die zu

Ateliers für Kunst- und Kulturschaffende umgebaut

wurden. Träger des Projektes ist der „Verein zur Förderung

des Erhaltes und der Umnutzung der Güterhallen“.

14 Künstlergemeinschaften bieten ein farbenfrohes

Kunsterlebnis, organisieren Feste und bieten

Kunstobjekte zum Verkauf. Der Verein lädt zu einem

gastronomischen Genuss im Bistro Stückgut ein. Innerhalb

der Güterhallen ist die städtische Artothek

angesiedelt. Sie wird vom Verein Solinger Künstler

betreut. Gegen geringes Entgelt können hier Kunstwerke

ausgeliehen werden.

Ein weiteres Positivbeispiel ist der Skulpturenpark

Waldfrieden des englischen Bildhauers Tony Cragg

in Wuppertal. Im Jahr 2006 erwarb Tony Cragg einen

21


15 Hektar großen, verwilderten Privatpark mit der

denkmalgeschützten Villa Waldfrieden im Wuppertaler

Wohnquartier Hesselnberg, um dort in einem

Skulpturenpark eigene Werke sowie die Werke anderer

Künstler auszustellen. Im Herbst 2008 wurde

der Skulpturenpark eröffnet und zieht seitdem viele

Besucher an.

Folgende Beispiele sind bedeutende Kultureinrichtungen

der Region:

Teo-Otto-Theater, Remscheid

Westdeutsches Tournee-Theater, Remscheid

Rotationstheater, Remscheid

Burgtheater, Solingen

Theater- und Konzerthaus, Solingen

Güterhallen, Solingen

Tony Cragg-Skulpturenpark, Wuppertal

Forum Maximum/ Rex-Theater, Wuppertal

Schauspielhaus, Wuppertal

Oper, Wuppertal

Tanztheater Pina Bausch, Wuppertal

Historische Stadthalle, Wuppertal

Schloss Lüntenbeck, Wuppertal

TiC –Theater in Cronenberg, Wuppertal

2.3.5 Freizeit im Grünen

Die charakteristische Mittelgebirgslandschaft mit

steil aufragenden Bergen und wasserreichen Tälern

bietet zahlreiche Freizeit- und Erholungsmöglichkeiten

im Grünen. Durch die Nähe der drei Großstädte

zur Landschaft sind diese Angebote schnell erreichbar

und in den meisten Fällen auch gut durch den

Nahverkehr erschlossen. An verschiedenen Aus-

22

sichtspunkten ergeben sich für Touristen und Erholungssuchende

einzigartige Ausblicke über Täler und

bewaldete Hügel. In die Natur eingebettet finden

sich Ausflugsmöglichkeiten, die auch überregional

bekannt sind, so z.B. der Zoo in Wuppertal, der Brückenpark

in Müngsten sowie die Talsperren und Naturschutzgebiete.

In den drei Städten gibt es eine große Anzahl an

Parks, die für die Bewohner den Freizeitwert ihres

Wohnumfelds steigern und zu Erholung und Freizeit

im Grünen einladen. Die Barmer Anlagen, der Nützenbergpark

und der Neue Garten Hardt wurden im

Rahmen der Regionale 2006 durch verschiedene

Umgestaltungsmaßnahmen aufgewertet und bilden

grüne Oasen in der Stadtlandschaft.

Beispiele für regional bedeutsame Freizeit- und Erholungsangebote

im Grünen:

Eschbachtalsperre, Remscheid

Wuppertalsperre, Radevormwald/Remscheid

Stadtpark, Remscheid

Brückenpark Müngsten, RS/SG/W

Botanischer Garten, Solingen

Naturschutzgebiet Ohligser Heide, Solingen

Zoo Wuppertal

Botanischer Garten - Neuer Garten Hardt, Wup-

pertal

Nützenbergpark, Wuppertal

Barmer Anlagen, Wuppertal

Scharpenacken, Wuppertal

Marscheider Wald, Wuppertal

Beyenburger Stausee mit Regattastrecke,

Wuppertal

Sengbachtalsperre, Solingen


2.3.6 Wege, Strecken, Routen

Die Ausflugsziele und Freizeitmöglichkeiten der Region

sind vernetzt durch verschiedene Wege und

Routen. Das Wanderwegenetz im Bergischen Städtedreieck

ist dicht verzweigt: Insgesamt 1500 Kilometer

Wanderwege führen durch die Täler und Berge

der Region und bieten damit für Wandertouristen

eine gut ausgebaute Infrastruktur.

Die Wandererlebniswege, die im Rahmen der Regionale

2006 ausgebaut und qualifiziert wurden, führen

entlang der Fluss- und Bachtäler zum Brückenpark

in Müngsten und verknüpfen die industriekulturellen

Höhepunkte und Geheimtipps der Region.

Auf stillgelegten Bahntrassen wurden, ebenfalls im

Rahmen der Regionale 2006, Rad- und Fußwege errichtet,

die sich fast steigungsfrei durch die Stadtlandschaft

schlängeln. In jeder der drei Städte wurde

eine Trasse realisiert: Die Sambatrasse in Wuppertal

zieht sich auf der Strecke des ehemaligen „Cronenberger

Sambas“ von Cronenberg bis zum Zoo ins Tal

hinab. Die Trasse des Werkzeugs verbindet den Remscheider

Hauptbahnhof mit dem Stadtteil Hasten und

zeigt die Geschichte der Werkzeugstadt Remscheid

entlang der Trasse. In Solingen schlängelt sich auf elf

Kilometern Länge die Korkenziehertrasse vom Stadtteil

Gräfrath bis zur Südlichen Innenstadt.

Trasse des Werkzeugs, Remscheid; Korkenzieher-

trasse, Solingen; Sambatrasse, Wuppertal

Erlebniswege Wupper, Eschbach, Morsbach

Industriehistorischer Lehrpfad, Remscheid

Klingenpfad, Solingen

Wanderweg X 29

2.3.7 Veranstaltungen der Region

Brückenzauber, Brückenpark Müngsten

Brückenfest, Brückenpark Müngsten

Wupperrun

24 h live etc.

Sportentwicklung im Bergischen

Städtedreieck – Sportgerechte Stadt 2012

Die drei Städte Remscheid, Solingen und Wuppertal

haben im Jahr 2006 beschlossen, die Forschungsstelle

„Kommunale Sportentwicklung“ der Bergischen

Universität Wuppertal [Prof. Horst Hübner]

mit der Schaffung aktualisierter Grundlagen für eine

zeitgemäße Sportstättenentwicklungsplanung zu beauftragen.

In Anlehnung an den von Bund, Ländern

und Gemeinden sowie dem Deutschen Sportbund

verabschiedeten „Leitfaden für die Sportstättenentwicklungsplanung“

sind in den Jahren 2007 und 2008

empirische Untersuchungen durchgeführt und die

weiteren Planungsgrundlagen erarbeitet worden.

Als nächster Schritt sollen in einem Handlungsprogramm

„Sportgerechte Stadt 2012“ Leitbilder, Strategien

und Projekte aufgezeigt werden. Dabei geht es

darum, wie in Zukunft nachfragegerechte Sportangebote

in der Region erhalten oder neu geschaffen

werden können, wie Organisation und Aufgabenteilung

zwischen Städten, Stadtsportbünden, Vereinen

und Kooperationspartnern strukturiert werden und

wie diese Anforderungen in konkrete Projekte münden

können.

Hübner, Horst [2008]: Grundlagen der Sportentwicklung in Wuppertal

/ Solingen / Remscheid. Schriften zur Körperkultur Band

50/52/53. LIT-Verlag, Berlin

23


Stärken,

Schwächen,

Chancen,

Gefahren

3 Stärken - Schwächen - Chancen - Gefahren

24

Stärken Schwächen

Hohe Dichte an Freizeit- und Kulturangeboten

Industriekulturelles Erbe, authentische Produktions-

und Veranstaltungsorte

Lage in der Nähe der Metropolregionen Ruhr

und Köln/Bonn

Sehr gute Verkehrsanbindungen

Reizvolle Landschaft und städtische Strukturen,

Topografie

Bestehende Kooperationsstrukturen der drei

Städte in den Bereichen Tourismus und Stadtentwicklung

Überdurchschnittliches, bürgerschaftliches und

unternehmerisches Engagement und hohe Identi-

fikation mit der Region

Chancen Gefahren

Boomende Nachfrage für Tages- und Städtereisen,

Geschäftsreisetourismus

Stärkung der vorhandenen Kultur- und Freizeitangebote

durch den Tourismus

Standortmarketing und Imagebildung nach innen

und außen

Steigende Bedeutung des Tourismus als Wirtschaftsfaktor

Erschließung neuer Zielgruppen durch differenzierte

Angebotspalette und Marketing

Mangelnder Bekanntheitsgrad als touristische

Destination

Begrenzte Hotelkapazitäten und schwache touristische

Angebots- und Vertriebsstrukturen

Teilweise mangelnde Servicequalität und Zielgruppenausrichtung

Enger finanzieller Spielraum der Kommunen

Verschärfung des Standortwettbewerbs der Tourismusregionen

Nachfrageverschiebungen durch den demografischen

Wandel

Finanz- und Wirtschaftskrise


Arbeitsschwerpunkte

4 Abgeleitete Handlungfelder

Die Analyse des Freizeit- und Kulturangebotes und

der derzeitigen Marktsituation hat ein spezielles

Stärken-Schwächen-Profil der Region Bergisches

Städtedreieck hervorgebracht. Um die vorhandenen

Stärken konsequent weiter auszubauen und die Potenziale

in den Bereichen Freizeit, Kultur und Tourismus

zu nutzen, ist die Entwicklung von vorausschauenden

Strategien nötig. Handlungsoptionen, die sich

für die Region eröffnen, werden näher erläutert:

Tourismusmarketing und Profilierung [vgl. 4.1]

Qualitätsmanagement für Freizeit- und Tourismusangebote

[vgl. 4.2]

Kulturförderung und -wirtschaft [vgl. 4.3]

Zudem wird dargestellt, welche Strategien im Bergischen

Städtedreieck bereits verfolgt werden und

welche Beispiele aus anderen Regionen wegweisend

sind.

4.1 Tourismusmarketing und Profilierung

der Tourismusregion

Eine wichtige Strategie zur nachhaltigen Stärkung

des Tourismus im Bergischen Städtedreieck ist der

Aufbau eines professionellen Tourismusmarketings.

Die vorrangigen Ziele dieses Marketings sind dabei

die Steigerung des Bekanntheitsgrades der Region

und die dauerhafte Erhöhung der Tages- und Übernachtungsgästezahlen.

X Das touristische Profil der Region schärfen!

Die Profilierung des Bergischen Städtedreiecks als

einzigartige Region ist dabei eine Grundvoraussetzung

für ein erfolgreiches Marketing. Die „Lebendige

Industriekultur“ als Erlebnisfaktor, die „Technik- und

Unternehmensregion“ und auch die Lage am Rande

der Metropolregion Rhein-Ruhr sind wichtige Faktoren

für die gezielte Außendarstellung des Städtedreiecks

als Tourismusdestination im Standortwettbewerb.

X Gemeinsamer Auftritt der Region!

Die touristische Marketingstrategie umfasst ein großes

Bündel an Maßnahmen, die aufeinander abgestimmt

werden müssen und ineinander greifen sollten.

Als Leitlinien stehen dabei die Profilierung der

Region, die konsequente Marktorientierung und die

Kooperation mit den Akteuren des Tourismus im Vordergrund.

Die Kommunikation dieses Standortprofils geschieht

vor allem durch Bilder und Images, die mit der Region

assoziiert werden. Um diese Bilder für das touristische

Marketing nutzen zu können, brauchen

sie einen hohen Wiedererkennungswert und sollen

prägnante Eindrücke des Bergischen Städtedreiecks

darstellen. Zwei Bilder repräsentieren die Region

besonders gut, sie wurden daher auch schon in die

bestehenden Marketingaktivitäten einbezogen: die

Müngstener Brücke und die Wuppertaler Schwebebahn.

Die höchste Eisenbahnbrücke Deutschlands

und die einzige Schwebebahn der Welt in dieser Größenordnung

kommunizieren auch ideal das Profil der

„Technik- und Unternehmensregion“, sie sind inter-

25


national bekannt und als Marken etabliert und sollten

daher auch in Zukunft konsequent für die touristische

Marketingstrategie genutzt werden. Gleiches

gilt für Schloss Burg, das als Stammsitz der Grafen

von Berg historisch geprägte „Marke“ für die Region

ist.

Darüber hinaus dienen auch Bilder aus anderen Bereichen

der touristischen Profilierung: Ausblicke in

die Landschaft, die Höhepunkte der Industriekultur

und wichtige baukulturelle Leuchttürme wirken imagebildend

und helfen, die Region mit positiven Assoziationen

zu belegen.

Der Wettbewerb um Gäste und Besucher führt dazu,

dass immer mehr Regionen sich als Marke positionieren.

Die einheitliche Außendarstellung [Corporate

Design / Corporate Identity] einer Region wird neben

der Kommunikation über Images und Bilder immer

bedeutsamer. Wenn Gäste und Besucher ein klar erkennbares

Image einer Region vermittelt bekommen,

entscheiden sie sich eher für einen Besuch und eine

Reise dorthin.

Der nach außen geschlossene Auftritt unterstützt

demnach die touristische Profilierung einer Region

und ist daher ein wichtiger Strategiebaustein, um im

regionalen Standortwettbewerb überleben zu können.

X Zielgruppen durch Werbung erreichen!

Dabei gilt es, verschiedene Ziel- und Bevölkerungsgruppen

zu erreichen, deren Interessen und Urlaubs-

bzw. Ausflugswünsche oft sehr unterschiedlich sind.

26

Marketingmaßnahmen müssen auf die jeweilige

Zielgruppe abgestimmt sein, um sich erfolgreich

am Markt zu etablieren. Die Ausdifferenzierung der

Lebensstile und der Wandel des Konsumverhaltens

machen es aber schwierig, alle Bevölkerungsgruppen

mit einen Angebot zielgenau anzusprechen. Daher

ist es notwendig, die potentiellen Zielgruppen,

auf die sich die Region konzentrieren will, schon früh

im Prozess des touristischen Marketings festzulegen.

Die Marketingmaßnahmen können dadurch effizient

gestaltet werden.

Ein Trend, der im Tourismussektor zu beobachten

ist, ist das Themenmarketing. Mittels Destinationsmanagement

und -marketing [Produktentwicklung]

werden Themen und Märkte definiert, um ein unverwechselbares

regionales Profil zu erhalten. Diese

Strategie verfolgt auch Tourismus NRW e.V.

Generell stellt der Bereich Werbung ein wichtiges Element

des Destinationsmarketings dar. Ziel ist es, potentielle

Gäste der Region Bergisches Städtedreieck

gezielt auf das touristische Angebot aufmerksam zu

machen. Dabei gibt es verschiedene Möglichkeiten

und Wege, wie die Werbung für die Tourismusregion

zu den potentiellen Gästen gelangt. Eine Vielzahl an

Medien und Werbungsformaten kann zum Einsatz

kommen. Die Kostenintensität und die Effizienz der

Werbemaßnahmen sind wesentliche Faktoren, die

bei der Marketingstrategie eine Rolle spielen und bedacht

werden müssen. Plakatkampagnen, Anzeigen

in Printmedien, Spots in TV und Radio und Sponsoring

und Werbung im Internet sind Beispiele für mögliche

Werbemaßnahmen für die Tourismusregion

Bergisches Städtedreieck.


Das Internet als Kommunikationsmedium bietet für

das touristische Marketing ein großes Potential. Mit

Hilfe des Internets können neue Märkte erschlossen

und gezielte Werbemaßnahmen initiiert werden. Im

Vergleich zu Printmedien und traditionellen Werbemöglichkeiten

bietet das Internet eine hohe Flexibilität,

Interaktion mit den Nutzern und vergleichsweise

niedrige Kosten. Über ein touristisches Portal einer

Region können z.B. Inhalte und Bilder[-galerien] zu

Ausflugszielen und -routen dargestellt werden. Die

Integration eines Onlineshops mit Produkten aus

und zur Region ist ebenso möglich wie das Angebot

zentraler Buchungsmöglichkeiten [Buchungstools]

und Servicedienstleistungen.

X Angebote zuspitzen und bündeln!

Der Bündelung der verschiedenen Angebote zu themen-

und ortsbezogenen Paketen [Clustern] kommt

ebenfalls eine große Bedeutung zu. Die klassischen

touristischen Produkte wie Wandern, Radfahren, Kultur,

Shopping etc. werden dabei auf spezielle Themen

zugespitzt und können als Programmpakete

vermarktet werden. Dabei sollten alle Angebotsfacetten

wie Übernachtung, Transport, Gastronomie,

Meetings etc. abgedeckt werden. Vor allem für neue

Gäste und Besucher sind diese gebündelten Angebote

attraktiv. Die Kundenbindung über Vorteilskarten,

Bonus-Systeme u.ä. kann dazu beitragen, dass Gäste

und Besucher mehrmalig in die Region kommen.

X Kooperationen eingehen und Erfolge kontrollieren!

Ein weiterer wichtiger Baustein einer Marketingstrategie

ist der Aufbau eines zentralen Vertriebs- und

Kommunikationsmanagements. Um Projekte im Bereich

Tourismus anzustoßen und zu koordinieren,

müssen die touristischen Dienstleister der Region

vernetzt werden. Dieser zentralen Institution kommt

neben dem Vertrieb der touristischen Produkte auch

die Aufgabe eines Netzwerkmanagements zu. Um

den Tourismus in der Region weiterzuentwickeln, bedarf

es in Zukunft verstärkt Kooperationen mit den

touristischen Institutionen, den Unternehmen in der

Region und mit den benachbarten touristischen Regionen.

So können Synergieeffekte genutzt und privates

Engagement gefördert werden, was bei dem

engen finanziellen Spielraum der öffentlichen Hand

unabdingbar ist. Um zu messen, wie erfolgreich die

Tourismusstrategie und die darauf aufbauenden Marketingmaßnahmen

sind, ist zudem ein kontinuierliches

und professionelles Controlling unabdingbar.

4.1.1 Kooperationen der Tourismusorganisationen

im Bergischen Städtedreieck

Bergisches Land Tourismus Marketing

Nach einer organisatorischen Neuaufstellung im

Jahr 2003 ist der Bergisches Land Tourismus Marketing

e.V. [BLTM] für die Entwicklung des Tourismus im

Bergischen Städtedreieck verantwortlich. Die Städte

Remscheid, Solingen und Wuppertal nehmen seitdem

das touristische Marketing selbst in die Hand,

während der Oberbergische und der Rheinisch-

27


Bergische Kreis zur Vermarktung die Naturarena

Bergisches Land gegründet haben.

Wesentliche Aufgabenbereiche des BLTM sind die

Erstellung von Gastgeberverzeichnissen und Infomaterialien,

die Repräsentation auf Touristikmessen, die

Konzeption der Internetplattform und die Masterplanung

Tourismus.

Im Jahr 2005 gab es einen Neustart der Internetplattform

www.bergisches-land.de, die der BLTM

aufgebaut hat und auch betreut. Die Region präsentiert

sich hier als das „Land der Elemente“, was die

Vielseitigkeit und die Nähe von Stadt und Landschaft

zum Ausdruck bringen soll. Das Internetangebot listet

verschiedene Ausflugziele und Sehenswürdigkeiten

nach thematischen Schwerpunkten [Industriekultur,

Erholung und Freizeit im Grünen, Museen etc.]

auf. Zudem werden Tourenvorschläge angeboten, es

existiert ein Veranstaltungskalender, und Buchungsmöglichkeiten

sind in das Portal integriert. Eine Kartenübersicht

und die Gastgeberverzeichnisse der

Städte Remscheid, Solingen und Wuppertal ergänzen

das Angebot.

Die Repräsentation der Region auf Touristikmessen

verfolgt das Ziel, das Bergische Städtedreieck als

touristische Region überregional bekannt zu machen.

Die Messeauftritte des BLTM konzentrierten sich dabei

auf die Messen „Vakantiebeurs“ in Utrecht, der

größten Touristikmesse in den Niederlanden, und die

Messe „TourNatur“ in Düsseldorf.

28

Die strategische touristische Neuausrichtung der

Region Bergisches Städtedreieck wurde forciert

durch die Entwicklung und Aufstellung eines ersten

Masterplans Tourismus, der im Jahr 2007 beschlossen

wurde. Der Masterplan Tourismus wird zurzeit

überarbeitet und sieht eine enge personelle und inhaltliche

Kooperation des BLTM mit der Bergischen

Entwicklungsagentur vor. Gewünscht ist zudem eine

enge Kooperation mit der Naturarena. Die Fortschreibung

des Masterplans Tourismus [Masterplan 2.0]

steht im engen Zusammenhang mit dem Regionalen

Standortkonzept zukunfthoch 3 und verfolgt die neue

Strategie des Tourismus NRW e.V.

Lebendige Industriekultur - Expedition³

Im Rahmen des Projektes Expedition³/Erlebnis

Industriekultur wurde der Wanderführer „Expedition³

- Erlebnistouren und Ausflugsziele im

Bergischen Städtedreieck“ veröffentlicht, thematische

Routen beschildert und die Internetseite

www.expedition3.de aufgebaut.

Das Programm Expedition³ entstand 2004 aus dem

Projekt „Erlebnis Industriekultur“, einem Beitrag zur

Regionale 2006. Die Angebote reichten von Erlebnisprogrammen

für Schulklassen über Entdeckertouren

und Mitmachangebote bis hin zu Abendveranstaltungen

mit kulturellen Darbietungen.

Es ist ein Anliegen vieler Museen, Vereine, Initiativen

und Einzelakteure, die vielfältigen Angebote zum

Thema Industriekultur in einen Zusammenhang zu

bringen, die besonderen Orte besser zu erschließen


www.expedition3.de

und das Thema durch vielseitige Veranstaltungen

und Rahmenangebote für möglichst viele Bewohner

und Besucher der Region attraktiv zu machen. Zur

Regionale 2006 wurde dazu eine entsprechende Infrastruktur

geschaffen. Standorte und Einrichtungen

wurden ausgebaut und mit Service und Informationen

ausgestattet, dazu wurden Wegweisungen installiert.

Expedition³ führt die unterschiedlichen Ausflugsziele,

Geheimtipps und Touren zusammen:

„Ausflugsziele“ sind besonders bedeutende Orte der

Industriekultur. Große Museen mit umfangreichen

Sammlungen, alte Fabriken, aber auch Unternehmervillen

und Arbeiterquartiere.

„Geheimtipps“ sind Orte, die bisher weitgehend verschlossen

waren: alte Produktionsstandorte wie z.B.

Schleifkotten, Bandwebereien und Fabrikhallen. Diese

besonderen Orte sollen im Rahmen von Veranstaltungen

oder nach Absprache ihre Tore öffnen.

„Touren“ zum Wandern und Rad fahren verknüpfen

die Zeugnisse der Industriegeschichte entlang thematischer

oder räumlicher Schwerpunkte. Der Erlebnisweg

Wupper führt durch die Wupperauen zu den

Kotten der Schmiede und Schleifer. Die Spurensuche

Tuchmacherstadt mitten durch Remscheid-Lennep

lässt sich mit einem Altstadtbummmel verbinden,

und für die Zeitreise durch Wuppertal ist die Schwebebahn

das ideale Verkehrsmittel. Alle Touren sind

in gut zu bewältigenden Streckenabschnitten organisiert.

Gastronomie, Spiel- oder Naturerlebnisangebote

runden sie ab. Auch geführte Touren, z.B. mit

historischen Verkehrsmitteln, sind möglich.

Unter www.expedition3.de und www.erlebnis-industriekultur.de

gibt es eine eigene Internetseite

zum Projekt, auf der alle Projektbausteine übersichtlich

dargestellt sind. Für Veranstaltungen zum

Thema Industriekultur und Landschaftserlebnis in

der Region oder in ganz Nordrhein-Westfalen gibt

es einen ständig aktualisierten Veranstaltungskalender.

Durch Vernetzung mit dem Kulturserver

NRW kann man sich auch überregionale Veranstaltungen

zum Thema anzeigen lassen. Ein Tourenbuch

mit dem Titel: „Expedition³ – Erlebnistouren

und Ausflugsziele im Bergischen Städtedreieck“

mit Karten, Tourbeschreibungen, vielen Bildern und

Adressen ist im Buchhandel erhältlich.

Bergischer Ring

Die Industriegeschichte des Bergischen Städtedreiecks

ist eng verbunden mit der Entwicklung

des Verkehrs: Die unterschiedlichsten Transportmöglichkeiten

für Güter und Personen mussten

in dieser Berg- und Tallandschaft erdacht werden.

Mit dieser einzigartigen Verkehrsgeschichte beschäftigen

sich viele Vereine. Sie haben z.B. Streckenabschnitte

gekauft, ihnen gehört der kleinste

Straßenbahnbetrieb Deutschlands, sie arbeiten

alte Oberleitungsbusse auf und kümmern sich um

die Rettung denkmalwerter Substanz der Schwebebahn.

Diese Vereine haben sich mit anderen, die sich

den Industriedenkmalen der Region widmen, zum

Bergischen Ring“ zusammengeschlossen, um Besucherziele

mit ihren Verkehrsmitteln zu verbin-

29


den. Damit haben sie ein einzigartiges Angebot für

Touristen entwickelt: die „Erfahrung“ einer Region als

Erlebnis. Das Besondere: Der Bergische Ring arbeitet

größtenteils ehrenamtlich, zum Aufbau eines professionellen

Betriebs hat er eine Anschubförderung

aus dem NRW-Landesprogramm „Initiative ergreifen“

erhalten. Das Programm fördert solche engagierten

Initiativen, Gruppen und Vereine, die jenseits der

klassischen öffentlichen und halböffentlichen Trägerlandschaft

nicht nur eine Projektidee, sondern

auch praktisches Engagement und „langen Atem“

einbringen. Seit 2002 bietet der Bergische Ring Touren

durch die Region an. Jeweils von April bis Oktober

sind die Fahrzeuge unterwegs in der Region.

Projektbeteiligte:

30

Bergische Museumsbahnen e.V.;

Eisenbahnfreunde Solingen;

Eisenbahn- und Heimatmuseum Erkrath-Hoch-

dahl e.V./Museum Lokschuppen;

Förderverein Historische Schwebebahn

Wuppertal e.V.;

Förderverein Manuelskotten e.V.;

Förderverein Schienenbus Menden e.V.;

Bergische Bahnen Förderverein Wupperschiene

e.V.;

Johann Wülfing & Sohn Museum;

Kutschen- und Fahrsportfreunde Langenfeld;

O-Bus Museum Solingen e.V.;

Tuchmuseum Lennep [Anna Hardt Stiftung e.V.];

Verein zur Erhaltung historischen Postgutes e.V.;

Verkehrshistorische Arbeitsgemeinschaft der

Wuppertaler Stadtwerke [WSW]

4.1.2 Andere Regionen [Innovationsreport

2007]

X Urlaubs-Kampagne “Weitersagen!

Im Norden ist die Welt zu Hause.” [Marketing]

Mehr als 14 Millionen Ausländer und Deutsche mit

Migrationserfahrung oder -hintergrund leben in

Deutschland. Sie stellen 17 Prozent der Bevölkerung

dar und verfügen über eine beachtliche Kaufkraft.

Hinzu kommt, dass Bildungsgrad, Selbstbewusstsein

und Integrationsbereitschaft deutlich zunehmen.

Presseberichte wie „Unsere Super-Türken“ [Stern Nr.

6, 31. Januar 2007] oder „Die neue deutschtürkische

Elite ist da“ [Vanity Fair Nr. 9, 22. Februar 2007], liefern

ein beredtes Zeugnis dieser Entwicklung.

Während das Ethno-Marketing vor allem in der

Konsumgüterindustrie Einzug in die Vermarktungsstrategien

hält, musste man im touristischen Markt

bislang noch vergeblich nach Reaktionen auf diesen

Trend suchen. Die FIFA-Fußball-Weltmeisterschaft

2006 TM hat gezeigt, dass Deutschland weltoffen und

gastfreundlich ist. Den Ansatz „Die Welt zu Gast bei

Freunden“ hat die Marketingkooperation Städte in

Schleswig-Holstein e.V. [MakS] aufgegriffen und weiterentwickelt.

Zwar gehört das Auslandsmarketing

heute zum Standardrepertoire jeder touristischen

Destination, doch die im eigenen Land lebenden

Ausländer werden kaum berücksichtigt.

An diese Zielgruppe richtet sich die aktuelle Marketingkampagne

der MakS, mit der Gäste für eine Reise

nach Schleswig-Holstein gewonnen und das Land

sympathisch und weltoffen dargestellt werden soll.


Unter www.sh-geheimnis.de werden in den Kategorien

Geheimnisvoll, Typisch, Besonders und Kurios

speziell zusammengestellte Städte-Pauschalen angeboten,

mit denen sich das nördlichste Bundesland

entdecken lässt. Authentizität erfährt die auf mindestens

drei Jahre angelegte Kampagne durch die

fünfsprachige Übersetzung der Website, Pauschaltitel,

die jeweils unter dem Motto zweier Kulturen stehen

[z.B. Labskaus trifft Piroggen], sowie durch die

Verwendung adäquater Bildmotive und Texte. Basis

der Kampagne bildete eine Diskussionsrunde mit MigrantInnen

aus sechs Nationen. Durch verschiedene

Werte-Workshops zum Thema „Schleswig-Holstein“

und intensive Recherchen konnten viele neue Pauschalen

kreiert werden. Die Vermarktung erfolgt in

enger Kooperation mit der Landesmarketingorganisation

[Homepage, Pressearbeit und Vertrieb des

Folders]. Dabei ist die Pressearbeit das entscheidende

Marketinginstrument. Dazu wurden Buttons mit

„Schleswig-Holstein – EinwandererLieblingsUrlaubsland“

und Städte-Buttons, z.B. mit „Ich liebe Lübeck“

in sechs Sprachen entwickelt. Weiterhin wurden die

Kulturvereine in den Quellmärkten mit einem Mailing

angeschrieben. Der Website-Auftritt wird abgerundet

durch ein Gewinnspiel mit witzigen Fragen, einen

Online-Shop mit ausgefallen Souvenirs [z.B. Krabbenpul-Set]

sowie mp3-Testimonials von MigrantInnen,

die in Schleswig-Holstein leben.

Das Projekt der Marketingkooperation der Städte in

Schleswig-Holstein e.V. wurde 2007 im Innovationsreport

des Deutschen Tourismusverbandes mit einem

Preis ausgezeichnet. Das überzeugte die Jury:

Längst überfällige Identifikation einer großen

Zielgruppe mit Multiplikatorpotenzial

Authentische Produktentwicklung

Umsetzung und Einzelmaßnahmen kreativ und

professionell

Internationalisierung im eigenen Land

Gesellschaftspolitische Problematik wird aktiv

aufgegriffen

X touri-movie.tv [Neue Medien]

touri-movie.tv ist ein Videoportal, auf dem Gäste und

Gastgeber des Schwarzwaldes Videos unentgeltlich

hochladen und bewerten können. Die Videos werden

über weitere attraktive Portale vermarktet und auf

Wunsch in die Online-Präsentation en des Gastgebers

integriert. Im Idealfall erfolgt die Vorstellung auf

drei Wegen: Die Gastgeber stellen sich vor, das Haus

wird in einem Rundgang präsentiert und Gäste berichten

von ihren Erfahrungen.

Der Anbieter, die Land in Sicht AG, unterstützt die

Gastgeber bei Bedarf bei Erstellung und Hochladen

der Videos. Dieser Service ist für alle Mitglieder von

toubiz, dem offiziellen IRS-System der Schwarzwald

Tourismus GmbH, in dem 95 Prozent aller Schwarzwald-Gastgeber

vertreten sind, kostenlos. Die Gastgeber

erhalten von Land in Sicht darüber hinaus

Informationsmaterial, in dem erläutert wird, wie die

Gäste nach ihrem Urlaub ihre eigenen Erlebnis-Videos

auf dem Portal hochladen können. Die Videos

werden dem jeweiligen Gastgeber direkt zugeordnet

und diese über neue Videobeiträge zu Ihrem Haus

informiert. Der Online-Gast kann die Videos bewerten

und erhält mit einem Klick alle Informationen

31


über die Unterkunft. Ein großes Netzwerk ermöglicht,

dass Videos nicht nur auf www.touri-movie.tv

veröffentlicht werden. Auf Wunsch kann der Vermieter

seine Videos in seine eigene Internetpräsentation

einbinden. Orte, die mit toubiz arbeiten, haben in

ihrem Online- Unterkunftsverzeichnis ebenfalls die

Möglichkeit, die Videos einzustellen. Ebenso können

die Videobotschaften auch auf den offiziellen Internetseiten

des Schwarzwaldes präsentiert werden.

Die Videos werden darüber hinaus auch extern mit

Portalen wie z.B. YouTube vernetzt. Online Marketing

wie Google AdWords und aktive PR in allen Medien

sollen das Portal bis Ende 2007 bundesweit bekannt

machen.

touri-movie.tv stellt ein gutes Beispiel dar, wie aktuelle

Technologien und Anwendungen [Web 2.0] für

die Tourismusbranche adaptiert werden können. Das

Angebot besticht durch Nutzerfreundlichkeit, Unterhaltungswert

und Authentizität. Durch den Service

des Anbieters Land in Sicht werden die Technologie

und ihre Vernetzungsmöglichkeiten gleichzeitig auch

kleinen Gastgebern eröffnet, die sich darüber neue

Vertriebswege und somit neue Kunden erschließen

können.

Das überzeugte die Jury:

Web 2.0-Adaption auch für kleinere Gastgeber/

Vermieter

dreifacher Nutzen für Gastgeber, Gäste und Inter-

essenten

Unterhaltungswert

Authentizität

barrierefreies Potenzial

32

einfache Handhabung

gutes Preis-Leistungs-Verhältnis

Vernetzungsmöglichkeiten mit anderen Portalen

und Informationssystemen

X Einmalige Detektivausbildung in Dresden [Produkt]

Mit der einmaligen Detektivausbildung greift die

Dresden-Werbung und Tourismus GmbH den ungebrochenen

Trend zu Städtereisen auf und bietet

gleichzeitig ein außergewöhnliches Produkt für Familien

mit Kindern an. Eine wichtige Inspirationsquelle

waren dabei die Geschichten des in Dresden geborenen

Erich Kästner. Dresdens berühmter Sohn wusste,

dass in jedem Kind ein kleiner Detektiv steckt, der

unentwegt den Geheimnissen dieser Welt auf der

Spur ist. Anders als bei herkömmlichen Stadtführungen

entdecken Kinder im Rahmen der Detektivausbildung

die Stadt zusammen mit ihren Eltern durch

eigenes Beobachten, Fragen, Kombinieren und Ausprobieren.

Auf diese Weise haben die Kinder [mehr]

Spaß am Stadturlaub und können das neu erworbene

Wissen länger behalten.

Die Detektivausbildung umfasst drei Stufen: Zunächst

gilt es, ein Stadträtsel rund um die große Unbekannte

„Dresden“ zu lösen – mit Hilfe der Eltern

oder der Dresdner selbst wird auf spielerische Weise

die historische Altstadt erkundet. Darauf folgt eine

Spurensuche mit allen Sinnen im Deutschen Hygiene-Museum.

Die Trainingsaufgaben führen durch

sieben Räume, und überall gibt es kleine Tatorte,

bei denen alle Sinne geschult werden sollen. Zum

Abschluss lernen die Kinder in den Technischen


Sammlungen der Stadt Dresden zahlreiche, für einen

Detektiv unerlässliche Tricks und Kniffe – von der Bedienung

einer Camera Obscura über die Codierung

von Botschaften bis hin zur Herstellung von Geheimtinte.

In den beiden Museen werden die Familien an

der Museumskasse begrüßt und für die Ausbildung

ausgestattet.

Zur Ausstattung gehört ein Booklet mit den Instruktionen,

Aufgaben und Fragen sowie eine Umhängetasche

mit allen Utensilien, die für das Ausbildungsprogramm

notwendig sind. Der würdige Abschluss der

Ausbildung erfolgt in den Technischen Sammlungen

Dresden. Nach erfolgreicher Teilnahme erhalten die

Kinder einen Detektivausweis mit Passbild und selbst

gewähltem Decknamen. Die Detektivausbildung ist

auf zwei Tage ausgelegt. Es besteht aber auch die

Möglichkeit, nur einzelne Bausteine zu buchen. Das

Programm zeichnet sich durch eine durchweg familien-

und kindgerechte Ansprache aus, die im Vorwege

durch entsprechende Tests sichergestellt wurde.

Der Vertrieb erfolgt über die Tourist Information und

über Dresdner Hotels.

Nominierung des Projekts der Dresden-Werbung und

Tourismus GmbH im Innovationsreprot des Deutschen

Tourismusverbandes 2007.

Das überzeugte die Jury:

Stadtführung für die ganze Familie

Verschiedene Programmlängen

Liebevolle, detaillierte Umsetzung

Vernetzung mit kompetenten Partnern

Spielerische Wissensvermittlung

Quelle für die drei vorgenannten Beispielprojekte:

Innovationsreport 2007 [www.deutschertourismusverband.de]

4.2 Qualitätsmanagement und Ausbau der

Freizeit- und Tourismusangebote

Neben der Vermarktung der Tourismusregion sind

die Qualifizierung und der Ausbau des Freizeit- und

Tourismusangebotes ein wichtiger Baustein einer

langfristig angelegten Tourismusstrategie.

X Bestehende Angebote sichern und qualifizieren!

Die Angebotsanalyse hat ergeben, dass in der Region

ein breit gefächertes Angebot in den Bereichen Freizeit,

Kultur und Tourismus besteht. Die Attraktivität

des Bergischen Städtedreiecks beruht auch auf der

Qualität und Einzigartigkeit jedes einzelnen Angebotes.

Um diesen Standard zu halten und im touristischen

Standortwettbewerb nicht zurückzufallen, ist

die langfristige Sicherung der Angebote erforderlich.

Hier ist auch das Engagement der Wirtschaft und der

Bürgerschaft gefragt, das sich als eine große Stärke

des Bergisches Städtedreiecks herausgestellt hat.

X Neue Angebote fördern und aufbauen!

Um der touristischen Entwicklung des Bergischen

Städtedreiecks Impulse zu geben, ist die Entwicklung

neuer Projekte erforderlich. Spezifische, innovative

Angebote können neue Zielgruppen erreichen und

deren Marktpotenzial für die Region erschließen. Die

Entwicklungen im Freizeit- und Tourismusbereich

zeigen, dass Besucher und Gäste künftig noch mehr

Wert legen auf eine hohe Erlebnisdichte und die Ein-

33


zigartigkeit und die Authenzität der Angebote. Diese

Trends gilt es, auch in der Region aufzuspüren und

zu etablieren.

Die Entwicklung der Projekte sollte in Einklang stehen

mit der touristischen Marketingstrategie. Das

Einwerben von Fördermitteln, das Engagement von

Wirtschaft und Bürgerschaft und die Kooperation der

regionalen Akteure sind dafür Erfolgsfaktoren.

X Angebote vernetzen und bündeln!

Die bestehenden Freizeitangebote zu vernetzen und

im Zusammenhang erlebbar zu machen ist ein weiterer

wichtiger Baustein der Tourismusstrategie.

Durch die Verknüpfung der verstreuten Freizeitangebote

mit den thematischen Routen der Region Bergisches

Städtedreieck, z.B. zu den Themen Lebendige

Industriekultur, Verkehrsgeschichte etc., können die

touristisch wertvollen Orte einfach verknüpft und

verbunden werden. Positive Synergieeffekte entstehen

und die einzelnen Attraktionen werden nachhaltig

gesichert.

4.2.1 Bergisches Städtedreieck

Deutsches Röntgen-Museum

Beispielhaft für die Qualifizierung und die Neuausrichtung

eines touristischen Angebots in der Region

ist das Deutsche Röntgen-Museum in Remscheid-

Lennep. Es arbeitet das Erbe des hier geborenen

Conrad Wilhelm Röntgen auf und präsentiert es in

ansprechender Weise. Die Ausstellung zum Leben

34

und Schaffen des Physikers und Nobelpreisträgers

wurde im Rahmen der Regionale 2006 in einem ersten

Bauabschnitt überarbeitet und zeitgemäß und

erlebnisreich gestaltet. Dazu gehörte auch die Umgestaltung

der vorhandenen Gebäude.

Das alte Patrizierhaus aus bergischem Schiefer mit

grünen Schlagläden wurde im Inneren komplett neu

gestaltet. Platz konnte zudem durch Umbau und Herrichtung

des Kellers gewonnen werden. Durch einen

mit audiovisuellen Medien ausgestatteten Tunnel gelangen

die Besucher von hier in den neuen Verbindungsbau.

So wurde Platz für einen Rundgang nach

einem neuen didaktischen Konzept geschaffen. Das

alte Glasentree wurde durch einen transparenten

Kubus ersetzt, der die Fassade des alten Patrizierhauses

weitestgehend „freilegt“.

Früher war das Museum eher wissenschaftlich-technisches

ausgerichtet, jetzt haben alle Altersgruppen

die Möglichkeit, sich aktiv und erlebnisreich mit

dem Erbe Röntgens zu befassen. Röntgens Person,

sein Familienleben, seine Hobbys, wissenschaftliche

Grundlagen zum Thema, die Anfangsjahre seiner

Forschungen, Anwendungsfelder und moderne

Forschung zum Thema werden auf einem abwechslungsreichen

Parcours erlebt, von der Entdeckung

der X-Strahlen bis zur Inszenierung der feierlichen

Verleihung des Nobelpreises. In dem Tunnel verdeutlichen

Projektionen, wie schnell die Röntgentechnik

Wissenschaft und Alltag durchdrungen hat. Militärische,

heilende, archäologische und moderne diagnostische

Einsatzmöglichkeiten von Strahlen werden


ebenso erklärt wie die Technik dieser Verfahren und

die Anwendung im Weltraum. In einem Museumslabor

können kleine physikalische Experimente durchgeführt

werden.

Brückenpark Müngsten

Ein weiteres Beispiel für die Qualifizierung und Inwertsetzung

eines Ausflugsziels mit hohem touristischen

Potenzial ist der Brückenpark Müngsten. Unter

der mit 107 Metern höchsten Eisenbahnbrücke

Deutschland wurde dieser Kulturlandschaftspark zur

Regionale 2006 realisiert und stellt eines ihrer Kernprojekte

dar.

Bevor der Brückenpark gebaut wurde, war die Situation

an dem Ort, an dem sich die drei Städte Remscheid,

Solingen und Wuppertal treffen, gekennzeichnet

durch großflächige Parkplatzanlagen und

gestalterische Defizite. Der Park schafft nun großzügige

Grünflächen, die zum Verweilen einladen und

von denen Ausblicke auf die umgebende Landschaft

möglich werden. Zudem wird das Ufer der Wupper

an verschiedenen Stellen zugänglich gemacht, und

als touristischer Höhepunkt ermöglicht eine Schwebefähre

die Überquerung der Wupper.

Die Erlebniswanderwege, die durch die Flusstäler zu

weiteren industriekulturellen Ausflugsziele führen,

laufen im Brückenpark Müngsten zusammen.

Die Inwertsetzung des Areals unter der Müngstener

Brücke führte zu einer deutlichen Steigerung der

Besucherzahlen von 200.000 auf 350.000 im Eröffnungsjahr

2006. Zusammen mit Schloss Burg, das

unmittelbar südlich an der Wupper liegt, werden pro

Jahr sogar etwa 600.000 Besucher gezählt.

Es ist davon auszugehen, dass sich die beiden Touristikziele

Burg und Müngsten touristisch und ökonomisch

positiv ergänzen; so wird von einer deutlichen

Umsatzsteigerung in Burg seit Eröffnung des

Brückenparks berichtet. Es liegt daher nahe, die perspektivische

Betrachtung als Tourismusziel auf den

Raum Müngsten – Burg als Ganzes zu lenken, um die

möglichen Synergieeffekte ausnutzen und Potenziale

gemeinsam entwickeln zu können.

Die touristische Zukunftsperspektive der beiden

überregional bedeutsamen Besucherziele Brückenpark

Müngsten und Schloss Burg sowie des umliegenden

Landschaftsraums soll in einem Planungsprozess

mit integrierten Wettbewerbselementen

erarbeitet werden.

Am Ende des Planungsprozesses steht ein durch eine

Machbarkeitsstudie abgesicherter Maßnahmenkatalog,

der in einer Finanzierungs- und Investitionsphase

ab 2010 umgesetzt werden soll.

Bergischer Trassenverbund

Der Bergische Trassenverbund steht für die Qualifizierung

und Verknüpfung von bestehenden Freizeitrouten

in der Region. Die zur Regionale 2006 realisierten

Trassen auf aufgelassenen Bahnstrecken

[Trasse des Werkzeugs, Sambatrasse, Korkenziehertrasse]

und die Nordbahntrasse in Wuppertal sollen

mit dem vorhandenen Radwegenetz verknüpft wer-

35


den und Lücken im Radwegenetz in Nordrhein-Westfalen

schließen.

Durch bauliche Lückenschlüsse auf etwa 23 Kilometern

Länge und Beschilderung soll ein tourismuswirtschaftlich

zu vermarktendes Angebot von über

100 Kilometern qualitativ hochwertiger Fahrrad- und

Freizeitstrecken entstehen - inklusive Anbindung an

die landesweit bedeutsamen Fahrradachsen RuhrtalRadweg,

Erlebnisweg Rheinschiene und Siegtal-

Radweg.

So entsteht ein Angebot für Tages- und Mehrtagestouristen,

die somit die Wahl zwischen attraktiven

Etappen von 15 bis 100 Kilometern in einem Netz

steigungsarmer Strecken haben werden. Das Serviceumfeld

für die Nutzung des Fahrrades wird durch

ein Beschilderungssystem, attraktive Gastronomie-

und Übernachtungsangebote sowie umfassende Informationen

deutlich verbessert: So können mit vergleichsweise

geringen Infrastrukturmaßnahmen und

flankierendem Marketing in einer gestärkten Freizeit-

und Tourismusregion dauerhafte Arbeitsplätze

im Dienstleistungsbereich entstehen. Für die Region

Bergisches Städtedreieck ergeben sich durch die

Erschließung des Wachstumsmarktes Radtourismus

auch große wirtschaftliche Potenziale.

Größte Baumaßnahme wird eine Strecke von 20 Kilometern

im Norden von Wuppertal sein. Hier addieren

sich zur Funktion im touristischen Streckennetz

außerdem deutliche stadtentwicklungspolitische Impulse:

Als zweite städtebauliche Achse parallel zur

Wupper verbindet die Trasse vier Stadtteile mit rund

36

100.000 Einwohnern und hebt die Barrierewirkung

der Eisenbahnstrecke auf. Die Strecke als Kultur- und

Landschaftspark eröffnet für benachteiligte Stadtquartiere

neue Freizeit- und Kommunikationsmöglichkeiten.

Der Bergische Trassenverbund zeigt, wie durch den

Ausbau der vorhandenen Infrastruktur und damit

einhergehende Marketingmaßnahmen die touristische

Entwicklung der Region in den nächsten Jahren

erfolgsversprechend gestaltet werden kann.

4.2.2 Anderer Regionen

X Überseemuseum Bremen

Ein Positivbeispiel für die Aufwertung einer touristischen

Attraktion ist das Überseemuseum in Bremen.

Im Jahr 2003 hat das Überseemuseum in Bremen

begonnen, ein Multimedia-Informationssystem einzuführen,

dessen Umfang und Funktionsweise weit

über die normaler Museumsführer hinaus geht.

Das System „xpedeo“ basiert auf einer zentralen Datenbank,

in der für jedes Ausstellungsstück Informationen

in Form von Texten, Bildern, Audiodateien und

Videos hinterlegt werden können. Aus dieser Datenbank

wird die Internetseite des Museums gespeist,

auf der die einzelnen Ausstellungsstücke angeklickt

und zu individuellen Touren zusammengestellt werden

können.


Die Datenbank ist auch mit den Multimedia-Terminals

des Museums und den Guides verknüpft, die die

Besucher bei ihrem Museumsrundgang mitnehmen

können. Verwaltet wird die Datenbank über ein Redaktionssystem

von Museumsmitarbeitern, die zu

den verschiedenen Exponaten die Infos ändern und

ergänzen können.

Die Museumsterminals sind an wichtigen Punkten im

Überseemuseum positioniert und helfen den Besuchern

bei der Orientierung. Den größten Nutzen hat

der Museumsbesucher vom Multimedia-Museumsführer,

der mit der Datenbank verknüpft ist und so

vor Ort umfangreiche Informationen zum jeweiligen

Ausstellungsstück gibt. Mittlerweile wurden bereits

rund 3000 Exponate des Museums mit Texten, Bildern

und Audiodateien aufbereitet.

X Neanderthal Museum Mettmann

Dem Neanderthalmuseum ist es gelungen, den

Standort mit Geschichte in vielfältiger Weise zu einem

touristischen Anziehungspunkt zu machen.

„Wo heute eines der beliebtesten und modernsten

Museen Europas steht, wurde vor rund 150 Jahren

der Neanderthaler entdeckt. Heute ist der Neanderthaler

ein Weltstar. Grund genug, dass ihm ein Museum

gewidmet wurde. Neben dem Museumsbesuch

bieten sich der Besuch der Fundstelle sowie des

nahe gelegenen Wildgeheges an.“ [www.neanderthal.de]

Dem Museum ist eine Steinzeitwerkstatt angeschlossen,

die Geschichte lebendig erleben lässt:

„Die Steinzeitwerkstatt bietet ein umfangreiches

Programm für Kinder, Jugendliche und Erwachsene.

Alle Angebote basieren auf Erkenntnissen der experimentellen

Archäologie. Anhand von archäologischen

Objekten und Materialien wie Knochen, Leder

oder Sehne und „prähistorischen“ Werkzeugen werden

alltägliche Steinzeittechniken erfahrbar. Egal ob

Steinzeitgeburtstag oder Workshops für Groß und

Klein – das Angebot der Steinzeitwerk- statt bietet

all das und ermöglicht durch das eigene Erleben einen

besonderen Zugang zu vorgeschichtlichen Techniken.“

[www.neanderthal.de]

Ein ausgeprägtes Netzwerk von Kooperationen mit

unterschiedlichsten Partner bindet das Neanderthalmseum

überdies in das Wanderwege- und Radwegenetz

ein, über Partnerschaften mit Reiseunternehmen

und Hotels werden gemeinsame Angebote

formuliert und nicht zuletzt der Hinweis auf die Shoppingmöglichkeiten

im nahen Düsseldorf machen den

Besuch des Neanderthals attraktiv.

4.3 Kulturförderung und Kulturwirtschaft

Im Koalitionsvertrag der Landesregierung steht geschrieben:

„Kunst und Kultur prägen die Lebensqualität

der Menschen und gestalten die Zukunft mit“.

Diese Formulierung kann und soll insbesondere im

Zusammenhang mit der Attraktivität eines Standorts

gesehen werden. Die Kultur im Bergischen Städtedreieck

braucht eine strategische Verknüpfung mit

wirtschaftlichen Themenfeldern, um als Wettbewerbsfaktor

eine Stütze des Standortes darzustellen.

37


Immaterielle Kulturförderung

Im traditionellen Verständnis der Kulturpolitik bedeutet

Kulturförderung die Finanzierung von kulturellen

Institutionen oder Kulturschaffenden. Eine finanzielle

Förderung kann auch im Rahmen von Stipendien

oder Preisvergaben stattfinden. Eine andere Perspektive

ist es, Rahmenbedingungen zu schaffen, die

die Kulturregion stärken. Wenn die Kulturförderung

als ein Instrument zur Standortsicherung begriffen

werden soll, gilt es die Branche auch mit immateriellen

Beihilfen anzukurbeln.

Unternehmen und Institutionen aus dem Bergischen

Städtedreieck soll verdeutlicht werden, wann und

wie eine Zusammenarbeit mit kreativen und kulturellen

Köpfen wertvoll ist, um innovative Ansätze

zu verfolgen und umzusetzen. Um diesen Prozess

anzustoßen, ist es von Bedeutung, zunächst das

Potenzial zu ermitteln und darauf aufbauend Handlungsempfehlungen

zu formulieren. Des Weiteren ist

ein stetiger Netzwerkaufbau notwendig, um kreative

und kulturell geprägte Kräfte mit den wirtschaftlichen

Akteuren zu verbinden.

38

4.3.1 Bergisches Städtedreieck

Regionale Kulturpolitik Bergisches Land

Die Konzeption der Regionalen Kulturpolitik im Bergischen

Land wurde bereits im Jahre 1995 in Angriff

genommen. Zwei Jahre später initiierte die damalige

Ministerin für Arbeit, Soziales und Stadtentwicklung,

Kultur und Sport des Landes Nordrhein-Westfalens,

Ilse Brusis, Workshops mit Kulturfachleuten unter

dem Titel „Auf dem Weg zu einer Regionalen Kulturpolitik

für das Bergische Land“. Ziel dieser Arbeitskreise

war es, Leitbilder für eine zukünftige regionale

Kulturarbeit im Bergischen Land zu erarbeiten und

das Profil der Region schärfen.

Folgende Leitvorstellung wurde 1997 festgehalten:

„Das Bergische Land besitzt ein reiches industrielles,

bäuerliches und handwerklich-technisches Kulturerbe.

Die Industrialisierung hatte vor allem im 19.

Jahrhundert hier ihre bedeutsamsten Zentren. Diese

Geschichte hat Landschaft, Kultur, Wirtschaft und

Technologie der Region entscheidend geprägt und

zahlreiche Spuren hinterlassen. Sie begründete einst

eine führende Stellung in Europa, wirkt bis heute

nach und gibt der Region viel technologische, ökonomische

und kulturelle Kreativität. Der produktive,

zukunftsorientierte Umgang mit diesem historischen

Vermächtnis wird deshalb als Chance für die kulturelle

Entwicklung, als Beitrag zum sozialen Wandel

und als Möglichkeit einer neuen Positionierung in

einem Europa der Regionen empfunden. In diesen

Prozess sind alle gesellschaftlichen Gruppen einzubeziehen.“

Die Ergebnisse fungierten als Grundlage für eine intensivierte

Fortsetzung des Entwicklungsprozesses

und sollten sozusagen als Startsignal verstanden

werden.

Die regionale Kulturpolitik für das Bergische Land

wird durch ein Projektbüro vor Ort unterstützt. Seit

1996 sind bis einschließlich 2008 rund 170 regionale

Kulturprojekte mit Gesamtkosten von fast 3 Mio.

Euro umgesetzt worden: von dermittlerweile fest

etablierten Bergischen Biennale für Neue Musik über


vielfältige Ausstellungsprojekte bis hin zu kultur-touristischen

Angeboten.

4.3.2 Andere Regionen

Kulturwirtschaftsbericht Köln

Ein anregendes Beispiel zur Darstellung des kreativen

und kulturellen Potenzials einer Stadt bzw. Region

zeigt der Kulturwirtschaftsbericht Köln 2007.

Die RheinEnergieStiftung Kultur beauftragte zwei

Experten auf diesem Gebiet: Bernd Fesel [Büro für

Kulturpolitik und Kulturwirtschaft in Bonn] und Michael

Söndermann [Büro Kulturwirtschaftsforschung

Köln/Zürich], die ihren Blick eben nicht nur auf kulturelle

Angebote der Stadt richten, sondern insbesondere

herausstellen sollten, welches innovative

Potenzial vom Wirtschaftsfeld „Kultur“ ausgeht. In

einem nächsten Schritt führt ein entwickeltes Potenzial

in einem Wirtschaftsfeld zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit

des Standorts.

Die Autoren differenzieren die Kulturwirtschaft zunächst

in einer politischen, wirtschaftspolitischen,

kulturpolitischen und wissenschaftlichen Debatte

und zeigen damit die vielfältigen Möglichkeiten,

die von den kreativen und kulturellen Kräften einer

Region ausgehen. Des Weiteren wird die abstrakte

Begrifflichkeit ‚Kulturwirtschaft‘ definiert und die ihr

zugehörigen Teilmärkte aufgezählten. Diese sind:

1. Verlagsgewerbe/Musikindustrie

2. Filmwirtschaft einschließlich TV-Produktion

3. Rundfunkwirtschaft

4. Gruppe der darstellenden, bildenden Künste,

Musik und Literatur

5. Journalisten- und Nachrichtenbüros

6. Museumsshops, Kunstausstellungen

7. Einzelhandel mit Kulturgütern [Buchhandel,

Musikfachhandel, Kunsthandel]

8. Architekturbüros

9. Designwirtschaft [Industrie-, Kommunikations-,Grafik-,

sonstiges Design]

10. Werbung

11. Software/Games

Aus dieser Aufzählung wird die Komplexität des Wirtschaftsfeldes

deutlich. Neben einer deskriptiven Beschreibung

der Kulturwirtschaft im Großraum Köln

wird eine statistische, empirische Erhebung durchgeführt.

Hier wird beispielsweise das Wirtschaftsvolumen

der Branche ermittelt, indem der Anteil der

Umsatzsteuer im Verhältnis der Gesamtumsatzsteuer

der Region betrachtet wird. Ein anderes Beispiel

ist die Beschäftigungsstatistik, die Auskunft darüber

gibt, wie sich der Anteil der Beschäftigten in der Kulturwirtschaft

im Verhältnis zur gesamten Beschäftigung

darstellt. Alles in allem werden mit der empirischen

Betrachtung die wirtschaftlichen Aktivitäten

der Kulturwirtschaft aufgezeigt. Überdies findet eine

qualitative Betrachtung statt, d.h. mittels Interviews

wird die gefühlte Lage in der Branche festgehalten.

Aufbauend auf diesen Resultaten formulieren die

Autoren Handlungsempfehlungen für den einzelnen

Teilmarkt. Ebenfalls Teil des Kulturwirtschaftsberichts

ist eine Gegenüberstellung der aktuellen Lage

im Großraum Köln im Vergleich zum Bundestrend.

Im Anschluss wird ein Überblick über die öffentliche

Kulturfinanzierung in Köln gegeben. Die Ausführungen

werden mit einem Ausblick auf mögliche künftige

Entwicklungen des Standortes Köln beendet.

39


Impressum

Bearbeitung:

Bergische Entwicklungsagentur GmbH

Stadt- und Regionalentwicklung

Kölner Straße 8

42651 Solingen

Cand.-Ing. Verena Kreuter

Cand.-Arch. Matthias Kübel

Cand.-Ing. Marco Scheil

Cand.-Ing. Arne Schwöbel

Dipl. Ökonomin Gesa Eindorf

Dipl.-Ing. Assessorin der Landschaftsarchitektur

Annette Nothnagel

Holger Piwowar

Dipl.-Ing. Bauassessor Carsten Zimmermann

Projektleitung:

Carsten Zimmermann

Tel. +49 [0] 212 881606 68

Fax +49 [0] 212 881606 66

zimmermann@bergische-agentur.de

www.bergische-agentur.de

Gestaltung und Layout:

40 Marco Scheil

Fotos:

Günter Lintl

Städte Remscheid, Solingen, Wuppertal

© www.photocase.com

Akteure der Region

Solingen, im August 2009

Die Bergische Entwicklungsagentur GmbH ist ein Gemeinschaftsunternehmen

der Städte Wuppertal, Solingen,

Remscheid, der bergischen Stadtsparkassen,

der IHK und der Wirtschaftsförderung Wuppertal. Die

Bergische Entwicklungsagentur bündelt und koordiniert

Entwicklungsaufgaben und Strukturprojekte von

regionaler Bedeutung.

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine