zukunfthoch³ - Bergische Entwicklungsagentur Gmbh

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zukunfthoch³ - Bergische Entwicklungsagentur Gmbh

zukunfthoch³

Bildung und Wissenschaft

Bestandsaufnahme und Arbeitsschwerpunkte

1


zukunfthoch³ - Regionales Standortkonzept

Bergisches Städtedreieck

Die Bergische Entwicklungsagentur wurde im Jahr 2008

von ihren Gesellschaftern mit der Erarbeitung eines Regionalen

Standortkonzepts für das Bergische Städtedreieck

beauftragt.

Die Erarbeitung dieser regionalen Stadtentwicklungsstrategie

gliedert sich in folgende Bausteine:

Baustein 1 - Bestandsaufnahme

Baustein 2 - Regional integriertes Standortkonzept

[Masterplan]

Baustein 3 - Marketingkonzept

Betrachtet werden folgende für die Zukunft des Bergischen

Städtedreiecks bedeutende Themenfelder:

Wohnen

Wirtschaft und Einzelhandel

Freizeit, Kultur und Tourismus

Stadt- und Landschaftsbild

Bildung und Wissenschaft

Mit dieser Broschüre wollen wir Ihnen nun die Ergebnisse

der Bestandsaufnahme im Bereich Bildung und Wissenschaft

vorlegen.

Komplettiert wird die Bestandsaufnahme für jedes Themenfeld

durch die Ergebnisse des Projektaufrufs an die

regionalen Akteure, kreative Ideen und Projektvorschläge

für Leit- und Zukunftsprojekte einzureichen. Diese

Vorschläge werden in einer separaten Projektbroschüre

dokumentiert, die Ihnen ebenfalls zugesandt wurde. Die

Vorwort

Broschüren sollen Grundlage für die nun stattfi ndenden

Workshops sein und Anregungen zur Diskussion bieten.

Die halbtägig angelegten Veranstaltungen dienen der

Erarbeitung eines regionalen Profi ls - in diesem Fall mit

Blick auf das Themenfeld Bildung und Wissenschaft. Andererseits

sollen die abgeleiteten Arbeitsschwerpunkte

diskutiert werden.

Der Aufbau der Broschüren zu jedem der fünf Themenfelder

ist daher vom Grundsatz immer identisch:

Einleitung

Beschreibung von globalen Trends

Standortanalyse Bergisches Städtedreieck

Stärken- / Schwächenanalyse [SWOT]

Ableitung von Arbeitsschwerpunkten anhand der

Analysen [inkl. der Dokumentation von Ansätzen

in der Region und von Best-Practice-Bei-

spielen aus anderen Regionen]

Wir freuen uns schon sehr auf eine angeregte Diskussion

mit Ihnen und auf Ihre Ideen im Workshop!

Ihr Team der Bergischen Entwicklungsagentur

3


Inhaltsverzeichnis

Vorwort 3

1 Einleitung 8

2 Analyse 9

4

Bildung und

Wissenschaft

2.1 Allgemeine Trends 9

2.2 Ausgangslage der Region 11

2.3 Folgerungen 14

3 Stärken - Schwächen -

Chancen - Gefahren 15

4 Arbeitsschwerpunkte 16

4.1 Ausbildung [Nachwuchsförderung] 16

4.1.1 Bergisches Städtedreieck 17

4.1.2 Andere Regionen 22

Lernende Region Osnabrück 22

Studienfonds Oberberg 23

4.2 Weiterbildung [Lebenslanges Lernen] 24

4.2.1 Bergisches Städtedreieck 25

4.2.2 Andere Regionen 27

GENERATION GOLD - Potenziale

für den Arbeitsmarkt in OWL 27

Lern-Netz Berlin-Brandenburg 28

4.3 Wissenstransfer und Innovation 29

4.3.1 Bergisches Städtedreieck 30

4.3.2 Andere Regionen 33

Initiativkreis Wissensregion

Frankfurt/Rhein-Main 33

Wissensregion Göttingen 34

Leuphana Universität Lüneburg 34

Referat Hochschule und

Forschung der Stadt Dortmund 35

Im Sinne einer besseren Lesbarkeit wird im weiteren Verlauf auf

die Unterscheidung in weibliche und männliche Schreibweise

verzichtet und jeweils die männliche Form verwendet. Das betreffende

Wort bezieht sich jeweils selbstverständlich auf beide

Geschlechter.


Bildung

und

Wissenschaft

7


Einleitung Analyse

1 Einleitung

Der Strukturwandel von der Industrie- zur Wissensgesellschaft

stellt das Bergische Städtedreieck vor

große Herausforderungen, ist aber auch eine ebensolche

Chance zu neuer wirtschaftlicher Dynamik.

Die Region verfügt mit der Bergischen Universität und

weiteren Einrichtungen, darunter das renommierte

Wuppertal-Institut, über ein umfangreiches Angebot

im Bereich Bildung und Wissenschaft. Ein erkennbares

Image als bildungs- und innovationsfreundliche

Region konnte jedoch bislang nicht aufgebaut

werden. Die Bergische Universität ist auch knapp

40 Jahre nach ihrer Gründung noch nicht zu einem

festen Bestandteil der Stadt Wuppertal - geschweige

denn der Region - geworden. Der 2008 aufgekommene

Vorschlag, die Ortseingangsschilder Wuppertals

mit dem Zusatz „Universitätsstadt“ zu versehen,

ist Ausdruck des wachsenden Bestrebens, Stadt und

Universität stärker zueinander zu führen. Gleichzeitig

verdeutlicht gerade diese Diskussion, dass die

Universität noch immer kein selbstverständlicher

Bestandteil der Stadt und der Region geworden ist.

Was für die größte Bildungseinrichtung der Region

gilt, betrifft kleinere Einrichtungen in weit stärkerem

Maße. In den meisten Fällen sind diese nur einem

kleinen Kreis bekannt. Die Stärken der Region auf

dem Gebiet von Wissenschaft und Bildung müssen

in Zukunft noch besser genutzt und ausgebaut werden.

Ein Zukunftsziel könnte die Konzeption einer

Bergischen Wissensregion“ sein. Grundlage hierfür

wäre eine stärkere Vernetzung aller im Bereich

Wissenschaft und Bildung tätigen Einrichtungen und

Projekte.

8

Aufgabe dieser Broschüre ist es, einen Überblick

über die Ausgangslage der Region und wesentliche,

die zukünftige Entwicklung bestimmende Rahmenbedingungen

zu vermitteln sowie die wichtigsten

Arbeitsschwerpunkte aufzuzeigen. Diese können als

Ansatzpunkte für das zukünftige regionale Handeln

genutzt werden.

Im Kapitel „Analyse“ werden die Ergebnisse der Bestandsaufnahme

vorgestellt. Dabei wird zunächst

auf den Bedeutungsgewinn von Wissenschaft und

Bildung für die wirtschaftliche und gesellschaftliche

Entwicklung eingegangen. Desweiteren wird die

Ausgangssituation der Region anhand ausgewählter

Indikatoren bewertet und eine Übersicht über wichtige

Bildungs-, Ausbildungs- und Forschungseinrichtungen

gegeben. Aus den allgemeinen Trends lassen

sich Chancen und Risiken, aus den regionalen Besonderheiten

Stärken und Schwächen ableiten. Diese

werden in tabellarischer Form einander gegenübergestellt.

Als Ergebnis der Analyse werden Arbeitsschwerpunkte

festgelegt. Hierzu werden im dritten Kapitel

jeweils mögliche Maßnahmen vorgestellt und bereits

im Bergischen Städtedreieck bestehende Ansätze

aufgezeigt. Als Denkanstoß für weitere Projekte werden

darüber hinaus Beispiele aus anderen Regionen

präsentiert.


Innovationen = Schumpeter definiert „Innovationen“ als die Durchsetzung neuer Kombinationen. Demnach bedeutet

Innovation, Produktionsmittel ihrem frühen Gebrauch zu entziehen und neu zu kombinieren. Dabei können

folgende fünf Fälle unterschieden werden:

1. Herstellung eines neuen, d.h. dem Konsumentenkreis noch nicht vertrauten Gutes oder einer neuen Qualität

eines Gutes.

2. Einführung einer neuen, d.h. dem betreffenden Industriezweig noch nicht praktisch bekannten Produktionsme-

thode, die keineswegs auf einer wissenschaftlich neuen Entdeckung zu beruhen braucht.

3. Erschließung eines neuen Absatzmarktes, d.h. eines Marktes, auf dem der betreffende Industriezweig des be-

treffenden Landes bisher noch nicht eingeführt war.

4. Eroberung einer neuen Bezugsquelle von Rohstoffen oder Halbfabrikaten, gleichgültig ob diese Bezugsquelle

schon vorher existierte oder ob sie erst geschaffen werden muss.

5. Durchführung einer Neuorganisation wie z.B. das Durchbrechen eines Monopols.

Schumpeter spricht von der „schöpferischen Zerstörung“: alte Strukturen werden zerstört, um durch Neuordnung

Innovationen hervorbringen zu können.

Joseph Alois Schumpeter [1912]: Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung

2 Analyse

2.1 Allgemeine Trends

Das Themenfeld Bildung und Wissenschaft wurde in

den letzten Jahren von der Politik als zentraler Faktor

für die zukünftige Entwicklung von Wirtschaft und

Gesellschaft erkannt. In der Lissabon-Strategie der

EU aus dem Jahr 2000 werden Wissen und Innovation

als Triebkräfte für nachhaltiges und dynamisches

Wachstum in Europa bezeichnet. In den von der Bundesministerkonferenz

für Raumordnung verabschiedeten

Leitbildern der Raumentwicklung in Deutschland

von 2006 wird „Wachstum und Innovation“ eine

zentrale Bedeutung für die zukünftige Raumentwicklung

eingeräumt.

Der Schwerpunkt der wirtschaftlichen Tätigkeit verlagert

sich vom Agrarsektor über den verarbeitenden

Sektor zum Dienstleistungssektor 1 . Aus diesem Grunde

wurde bislang häufig von der Dienstleistungsgesellschaft

als höchstem Entwicklungsstadium in der

volkswirtschaftlichen Transformation gesprochen.

Der Begriff wird aktuell in der öffentlichen Diskussion

von der Wissensgesellschaft abgelöst. Diese

Begriffsverschiebung verdeutlicht die immer stärker

werdende Bedeutung des Wissens für die wirtschaftliche

Tätigkeit. Wissensintensive produktionsbegleitende

Dienstleistungen wie zum Beispiel Forschung

und Entwicklung, Logistik sowie Beratung und Service

nehmen einen immer größeren Anteil ein.

1 Drei-Sektoren-Hypothese von Jean Fourastié

Zur Aufrechterhaltung der Konkurrenzfähigkeit im

globalen Wettbewerb ist Deutschland auf ständige

Innovationen angewiesen. Es müssen Produkte

entwickelt werden, die von der globalen Konkurrenz

nicht oder nicht in gleichwertiger Qualität hergestellt

werden können. Nur so können die zur Aufrechterhaltung

des hohen Lebensstandards notwendigen

Preise erzielt werden. Prozessinnovationen ermöglichen

die Reduzierung der Produktionskosten und

damit konkurrenzfähige Produktionsbedingungen

am Standort Deutschland. Grundlage für Innovationen

sind Wissen und intensive Forschungstätigkeit.

Der Strukturwandel von der Industrie- zur Wissensgesellschaft

hat erhebliche Auswirkungen auf

die Anforderungen an die Qualifikation der Arbeitskräfte.

Während die Nachfrage nach hochqualifizierten

Arbeitskräften weiter zunimmt, werden die

Beschäftigungsperspektiven für gering Qualifizierte

immer schlechter 2 . Die größte Herausforderung der

Wissensgesellschaft ist daher die verbesserte Ausbildung

der Menschen. In diesem Zusammenhang ist

„lebenslanges Lernen“ ein wichtiges Stichwort.

Demnach darf der Lernprozess nach Schulzeit, Studium

und/oder Ausbildung nicht beendet werden.

Um die Fähigkeiten der Menschen an die sich ständig

verändernden Rahmenbedingungen anzupassen,

bedarf es regelmäßiger Weiterbildungen.

Der Bildung und Ausbildung des Nachwuchses

wird eine immer größere Bedeutung für die Zukunft

2 Welfens et al. 2007: Standortdynamik, Strukturwandel und

Wachstumspolitik in Wuppertal und dem Bergischen Städtedreieck

[September 2007] Europäisches Institut für internationale

Wirtschaftsbeziehungen [EIIW]

9


Verschiedene Indikatoren zum Bundesschnitt [BRD = 100]

140

120

100

80

60

40

20

10

0

Anteil FuE-Beschäftigung Akademikeranteil Gründungsintensität Patentanmeldungen

NRW Städtedreieck Wuppertal Solingen Remscheid

Abb. 1: Verschiedene Indikatoren zum Bundesschnitt [BRD = 100] [Eigene Darstellung / Berechnung - Datengrundlage: Prognos]

beigemessen. Außerschulische Bildungsangebote

sollen Kindern und Jugendlichen Zusatzqualifikationen

verschaffen und neue Impulse für das Lernen

setzen. Im Bemühen um Nachwuchs in technischen

Berufen, in welchen bereits jetzt Fachkräftemangel

herrscht und in Zukunft verstärkt zu erwarten ist,

wird versucht, Kinder und Jugendliche durch besondere

Angebote im Bereich Technik zu begeistern.

Spezielle Zielgruppen sind dabei Kinder und Jugendliche

aus bildungsfernen Schichten und aus

Familien mit „Zuwanderungsgeschichte“. Diese verfügen

häufig über erheblich geringere Chancen zur

Entfaltung ihrer Potenziale. Mangelnde Unterstützung

aus dem Elternhaus, fehlende positive Vorbilder in

der Umgebung und Sprachbarrieren erschweren den

erfolgreichen Bildungsweg. Durch die Konzentration

bildungsferner Schichten in einzelnen Gebieten entwickelt

sich ein Zusammenhang zwischen Wohnort

und Aufstiegsmöglichkeiten. Es wird hierbei auch

von „benachteiligenden Gebieten“ gesprochen. Bewohner

dieser Gebiete haben schlechtere Bildungsabschlüsse

und aufgrund des schlechten Images

ihrer Wohnumgebung auch bei gleicher Qualifikation

geringere Chancen am Arbeits- und Ausbildungsmarkt

als Menschen aus anderen Gebieten.

Der demografische Wandel bestimmt die Diskussion

in Deutschland derzeit in hohem Maße. Er bezeichnet

die Phänomene des Bevölkerungsrückgangs, der

fortschreitenden Alterung der Bevölkerung und der

zunehmenden ethnischen und kulturellen Vielfalt

der Gesellschaft [„weniger – älter – bunter“].

BRD

Mit dem für Deutschland erwarteten Bevölkerungsrückgang

und der zunehmenden Alterung geht ein

Rückgang der erwerbsfähigen Bevölkerung [bisher

15 bis 65 Jahre] einher. Der bereits in einigen Branchen

festzustellende Fachkräftemangel wird sich

hierdurch weiter verstärken. Dies kann sich zu einem

entscheidenden Hemmnis für das Wirtschaftswachstum

in der Bundesrepublik entwickeln. Industriell geprägte

Regionen, wie das Bergische Städtedreieck,

sind hiervon in besonderem Maße betroffen.

Um dieser Entwicklung entgegenzusteuern, bedarf

es einer stärkeren Einbeziehung von Bevölkerungsgruppen,

die bisher nur unterdurchschnittlich am Erwerbsleben

teilnehmen. Ende 2006 waren insgesamt

67,5 Prozent der Deutschen im erwerbsfähigen Alter

erwerbstätig. Die Erwerbstätigenquote der Frauen

betrug hingegen lediglich 62,2 Prozent, die Quote bei

den 55 bis 65-jährigen sogar nur 48,4 Prozent 3 .

3 http://www.destatis.de/jetspeed/portal/cms/Sites/destatis/Internet/DE/Content/Publikationen/STATmagazin/Arbeitsmarkt/2008__1/2008__1L/Lissabon.psml


Schulabgänger

Schulabgänger NRW Region Wuppertal Solingen Remscheid

... ohne Abschluss [in %] 6,5 8,2 9,1 7,9 6,1

... mit Hochschulreife [in %] 27,3 28,3 28,9 28,5 26,3

Abb. 2: LDS [Werte für 2007]

2.2 Ausgangslage der Region

Um einen Eindruck von der derzeitigen Situation der

Region zu erhalten, werden ausgewählte Indikatoren

betrachtet:

Im Wandel von der Industrie- zur Wissensgesellschaft

kommen der regionalen Innovationskraft und

der Wissensintensität der Wirtschaft große Bedeutung

zu. Im PROGNOS-Zukunftsatlas wird dem Bergischen

Städtedreieck eine positive Entwicklung beim

Akademikeranteil an der Gesamtbeschäftigung und

dem Anteil der im Forschungs- und Entwicklungsbereich

[FuE] tätigen Beschäftigten sowie eine hohe

Patentintensität attestiert 4 . Eine stichhaltige Bewertung

von Innovationskraft und Wissensintensität der

Region ist mittels dieser Indikatoren jedoch nicht

möglich. Es sind lediglich Tendenzen erkennbar.

Der Überblick über verschiedene Indikatoren des Zukunftsatlas

zu Innovationskraft und Wissensintensität

ergibt ein uneinheitliches Bild [siehe Abbildung

1]. Die Werte für den Akademiker- und den FuE-Anteil

liegen in der Region unter dem Bundesdurchschnitt.

Der FuE-Anteil gilt als Indikator für die Forschungstätigkeit

in der Wirtschaft, der Akademikeranteil

als Hinweis auf die Wissensintensität in den Wirtschaftsbereichen.

Während Wuppertal bei beiden

Indikatoren etwa auf dem Bundesniveau liegt, befinden

sich Remscheid und besonders Solingen deutlich

darunter. So lag der Anteil des FuE-Personals an

4 Prognos 2007: Prognos-Zukunftsatlas 2007. Ergebnisse der

Sonderauswertung für die Städte Wuppertal, Solingen und Remscheid

5 Die Aussagekraft der Patentzahlen für die Innovationskraft ist

jedoch kritisch zu betrachten. Viele Patente sind ökonomisch unbrauchbar.

Auf der anderen Seite werden Innovationen von Unternehmen

nicht als Patent angemeldet um diese geheim zu halten.

der Gesamtbeschäftigung 2003 in Solingen nur bei

24 Prozent des Bundeswertes.

Die Patentintensität [Patentanmeldungen je

100.000 Erwerbstätige] ist ein Indikator für die Innovationskraft

der Wirtschaft 5 . Das Bergische Städtedreieck

liegt in dieser Kategorie leicht über dem

Bundesdurchschnitt. Trotz des sehr niedrigen FuE-

Anteils verfügt Solingen über eine überdurchschnittlich

hohe Patentintensität. Ein Zusammenhang zwischen

FuE-Anteil und Patentintensität scheint also

nicht zu existieren. Eine mögliche Erklärung für dieses

Phänomen ist, dass in kleineren Betrieben zwar

Innovationen stattfinden und Patente angemeldet

werden, aber keine Mitarbeiter speziell dem Bereich

Forschung und Entwicklung zuzuordnen sind. In einer

im Jahr 2007 veröffentlichten Studie wurde die

Herkunft von Patenten im Bergischen Städtedreieck

detaillierter untersucht. Demnach sind die Patente in

erster Linie auf Erfindungen aus der Wirtschaft zurückzuführen.

Demgegenüber sind Anteil und absolute

Zahl der Patentanmeldungen aus dem Bereich

Wissenschaft äußerst niedrig 6 .

Auch die Gründungsintensität [Neugründungen je

10.000 Erwerbstätige] in der Region liegt leicht über

dem Bundesniveau. Solingen ragt dabei 25 Prozent

über den Bundeswert hinaus. Das starke Gründungsgeschehen

kann als positives Zeichen für die Zukunftsfähigkeit

und Dynamik des Standorts interpretiert

werden.

6 Welfens et al. 2007: Standortdynamik, Strukturwandel und Wachstumspolitik

in Wuppertal und dem Bergischen Städtedreieck [September

2007] Europäisches Institut für internationale Wirtschaftsbeziehungen

[EIIW]

11


Ein gut ausgebildeter Nachwuchs ist die Grundlage

für die Zukunftsfähigkeit der Region. Vor diesem

Hintergrund ist es kritisch zu betrachten, dass der

Anteil der Schulabgänger ohne Schulabschluss im

Jahr 2007 im Bergischen Städtedreieck mit 8,2 Prozent

deutlich über dem NRW-Wert von 6,5 Prozent

liegt. Besonders hoch ist die Schulabbrecherquote

in Wuppertal. Hier blieben 9,1 Prozent der Jugendlichen

ohne Schulabschluss. Hingegen ist der Anteil

der Schulabgänger mit Hochschulreife in der Region

überdurchschnittlich. Rund 28 Prozent erlangen diesen

Bildungsgrad.

Die herausragende Bildungseinrichtung der Region

ist die Bergische Universität Wuppertal. Diese

hat ihren Hauptsitz zwar in Wuppertal, über An-Institute

und einzelne Studiengänge bestehen aber auch

Verbindungen zu Remscheid, Solingen und Velbert.

Im Wintersemester 2007/08 waren 14.000 Studierende

an der Universität eingeschrieben und 1.200

Mitarbeiter dort beschäftigt. Die größten Fakultäten

sind die der Geistes- und Kulturwissenschaften [28

Prozent der Studierenden] sowie der Wirtschaftswissenschaften

[21 Prozent]. Mit den Fakultäten

Maschinenbau, Elektro-, Sicherheits-, Informations-

und Medientechnik sowie den Naturwissenschaften

deckt die Universität auch wichtige Felder der regionalen

Wirtschaft ab. Im Jahr 2003 wurde die Gesamthochschule

Wuppertal in Bergische Universität Wuppertal

umbenannt. In diesem Zusammenhang fielen

die bis dahin angebotenen fachhochschulbezogenen

Studiengänge weg. Eine unternehmensnahe akademische

Bildungseinrichtung, wie sie in den meisten

Vergleichsregionen in NRW neben der Universität

besteht, gibt es im Bergischen Städtedreieck bisher

12

nicht. Aus diesem Grund wird der Aufbau einer Berufsakademie

erwogen, die in Kooperation mit der

Privatwirtschaft duale Studiengänge anbieten könnte

[siehe auch 4.1.2].

Die Forschungstätigkeiten der Universität werden in

acht interdisziplinären Zentren, u.a. in den Bereichen

Mikrostrukturtechnik, Polymertechnologie, angewandte

Informatik und Prozessmanagement sowie

elf Forschungsinstituten vertieft. Zu den Instituten

zählen u.a. die Institute für Robotik, Gründungs- und

Innovationsforschung und Sicherheitstechnik. Darüber

hinaus existieren acht Institute, die organisatorisch

und rechtlich eigenständige Einheiten bilden,

aber als An-Institute der Bergischen Universität angegliedert

sind 7 . Hierzu zählen das 2004 gegründete

Institut für Produktentwicklung und Innovationsmanagement

in Solingen, die Forschungsgemeinschaft

Werkzeuge und Werkstoffe [FGW] in Remscheid und

das Institut für Arbeitsmedizin, Sicherheitstechnik

und Ergonomie [ASER] in Wuppertal 8 . Die Wissenschaftstransferstelle

der Bergischen Universität ist

in der Vermittlung von Kooperationen mit der Privatwirtschaft

aktiv und stellt damit ein zentrales Element

in der Verknüpfung von Hochschule und regionaler

Wirtschaft dar [siehe 4.3.2].

Neben den Universitätsinstituten existieren weitere

bedeutende Forschungseinrichtungen in der Region.

Das Wuppertal-Institut für Klima, Umwelt

und Energie ist eine im Bereich Nachhaltigkeits-

7 entsprechend § 32 Hochschulgesetz NRW

8 http://www.uni-wuppertal.de/forschung/forschungseinrichtun-

gen/


Studierendenzahlen Uni Wuppertal

Abb. 3: www.uni-wuppertal.de

forschung international renommierte Einrichtung.

Mit der Bergischen Universität besteht eine feste

Kooperation. Ein weiteres nicht-universitäres Institut

in der Region ist das Institut für Galvano- und

Oberflächentechnik Solingen [IGOS]. Das IGOS bietet

Unternehmen Beratung, praxisnahe Forschung und

Entwicklung, die Erstellung von Gutachten sowie die

Aus- und Weiterbildung an.

Die größte rein privatwirtschaftliche Forschungseinrichtung

der Region ist das Bayer HealthCare Pharma-Forschungszentrum

in Wuppertal. Derzeit arbeiten

hier rund 1.500 Mitarbeiter. Schwerpunkte der

Forschung sind hier die Herz-Kreislauf-Erkrankungen,

Infektionskrankheiten und Erkrankungen des

zentralen Nervensystems.

Daneben gibt es zahlreiche weitere firmeninterne

Forschungs- und Entwicklungszentren wie z.B. die

Abteilungen der Firmen Delphi, Vaillant oder C. Rob

Hammerstein.

Im Bereich des Transfers der Forschungstätigkeiten

in marktfähige Produkte nehmen die auf die Gründungsförderung

ausgerichteten Technologiezentren

der drei Städte eine zentrale Rolle ein [siehe 4.3.2].

Das Bergische Städtedreieck weist eine in quantitativer

sowie qualitativer Hinsicht hervorragende Ausstattung

mit Aus- und Weiterbildungseinrichtungen

auf. Mit der Technischen Akademie Wuppertal

[TAW] ist eine bundesweit agierende Weiterbildungseinrichtung

in der Region beheimatet. Die Technische

Akademie ist Kontaktstudieninstitut der Bergischen

Universität und Bildungswerk der IHK. Das Bildungs-

zentrum der Industrie [BZI] in Remscheid, das

vom Arbeitgeberverband und von der IHK getragen

wird, ist in der Berufsausbildung und der berufsbegleitenden

Fort- und Weiterbildung tätig. In Kooperation

mit der Bergischen Universität wird ein dualer

Studiengang 9 angeboten. Das Kompetenzzentrum

Bildung im Gesundheitswesen mit Standorten in

Wuppertal und Velbert bietet zahlreiche Aus- und

Weiterbildungsangebote für Gesundheitsberufe. Mit

700 Ausbildungsplätzen ist Wuppertal der größte

Ausbildungsstandort Nordrhein-Westfalens in diesem

zukunftsträchtigen Berufsfeld.

Die Regionalagentur Bergisches Städtedreieck

RSW 10 ist eine von 16 Regionalagenturen, die im

Auftrag des Ministeriums für Arbeit, Gesundheit und

Soziales arbeitsmarktpolitische Förderziele durchsetzt.

Sie fungiert als Anlaufstelle für alle, die sich im

Bereich Wirtschafts- und Beschäftigungsförderung

engagieren. Sie unterstützt Kooperationen zwischen

den Städten, Verbänden, Trägern von Aus- und Weiterbildung

und Unternehmen und bietet umfassende

Beratung an. Zu den Tätigkeitsfeldern der Regionalagentur

gehören die Nachwuchsförderung, die Integration

von Arbeitslosen in den Arbeitsmarkt, die

Gleichstellung von Frauen und Männern im Berufsleben

und die Unternehmensberatung. Als Zielgruppen

werden Unternehmen, Bildungsträger, Beschäftigte

und Existenzgründer genannt.

9 Dualer Studiengang: Kombination aus Studium und Berufsausbildung

10 www.regionalagentur-rsw.de

13


Wichtige Einrichtungen im Bereich der Erwachsenenbildung

sind darüber hinaus die Volkshochschulen

der Kommunen. Seit 2006 sind die Volkshochschulen

der Städte Solingen und Wuppertal als Zweckverband

unter dem Namen Bergische VHS vereint. Die

VHS Remscheid nimmt an dieser Kooperation bislang

nicht teil.

2.3 Folgerungen

Aufgrund des künftig zu erwartenden Fachkräftemangels

in der Bergischen Wirtschaft sollte die Bildung

des Nachwuchses und die Ausbildung von Fachkräften

in den Fokus der Aktivitäten gestellt werden. Die

Kompetenz für Bildungsfragen liegt zwar grundsätzlich

bei der Landesregierung, es können jedoch auch

auf regionaler bzw. städtischer Ebene wirkungsvolle

Maßnahmen durchgeführt werden. Hierbei geht es

vor allem um die Erzeugung der Rahmenbedingungen

für erfolgreiches Lernen und die Bereitstellung

von zusätzlichen Bildungsangeboten.

Die Region ist in Zukunft immer stärker auf die Arbeitskraft

der wachsenden Gruppe älterer Menschen

angewiesen. Um die Qualifizierung der Arbeitskräfte

dauerhaft aufrecht zu erhalten, müssen im Sinne

lebenslangen Lernens verstärkte Investitionen in die

Weiterbildung dieser Bevölkerungsgruppe erfolgen.

Die zunehmende Beschleunigung von Veränderungsprozessen

in Wirtschaft und Gesellschaft setzt darüber

hinaus eine kontinuierliche Weiterbildung aller

Menschen voraus.

14

Die Wirtschaft im Bergischen Städtedreieck ist stark

exportorientiert. Sie ist daher im besonderen Maße

auf ständige Innovationen angewiesen, um im globalen

Wettbewerb konkurrenzfähig zu bleiben. Die

Region verfügt mit der Bergischen Universität und

weiteren öffentlichen Forschungseinrichtungen

über wichtige Voraussetzungen für die Generierung

von Innovationen. Die hohe Patentintensität

spricht für die Innovationskraft der Unternehmen in

der Region. Im Verhältnis zwischen Universität und

Privatwirtschaft besteht jedoch noch deutlicher Verbesserungsbedarf.

Dies betrifft sowohl mögliche Forschungskooperationen

als auch die Ausbildung von

Fachkräften.


3 Stärken - Schwächen - Chancen - Gefahren

Stärken Schwächen

Hochschulstandort

Zahlreiche weitere Ausbildungs- und Forschungseinrichtungen

in der Region

Weitere Hochschul- und Forschungseinrichtungen

in der Metropolregion Rhein-Ruhr

Hohe Patentintensität in der Industrie

Hoher Anteil der Schulabsolventen mit Hochschulreife

Zahlreiche neue Projekte versprechen Impulse

Chancen Gefahren

Frauen und ältere Menschen als Arbeitskräftereserve

Neue Wachstumsimpulse durch Wissensökonomie

Stärken -

Schwächen -

Chancen -

Gefahren

Mangelnde Ausrichtung der Universität auf die

Interessen der regionalen Wirtschaft

Geringer Anteil der FuE-Beschäftigten und

Akademiker

Hohe Schulabbrecher-Quote

kaum Patente aus der Wissenschaft

Abnahme des Anteils der zwischen 15- und 65jährigen

Anteil der Personen mit Migrationshintergrund

nimmt zu

Schlecht ausgebildete Menschen sind immer

schwerer vermittelbar

15


Arbeitsschwerpunkte

4 Arbeitsschwerpunkte

Die durchgeführte Analyse ergab für das Themenfeld

Wissenschaft und Bildung drei zentrale Arbeitsschwerpunkte:

4.1 Ausbildung [Nachwuchsförderung]

4.2 Weiterbildung [Lebenslanges Lernen]

4.3 Wissenstransfer und Innovation

Im Folgenden werden hierzu Projekt- und Konzeptbeispiele

vorgestellt. Bereits im Bergischen Städtedreieck

existierende Ansätze zur Bewältigung der

Herausforderungen werden präsentiert, um Ansatzpunkte

für zukünftiges Handeln aufzuzeigen. Positive

Beispiele aus anderen Regionen können dabei als

Denkanstoß genutzt werden.

16

4.1 Ausbildung [Nachwuchsförderung]

Gut ausgebildeter Nachwuchs ist die Grundlage für

eine erfolgreiche Zukunft. Die regionale Wirtschaft

ist angewiesen auf Fachkräfte, deren Qualität ist ein

wichtiger Standortfaktor. Wissen ist Voraussetzung

für Innovationen, diese wiederum sind die Basis für

wirtschaftliche Dynamik. Vor diesem Hintergrund

ist die Bedeutung des Handlungsfeldes Ausbildung

[Nachwuchsförderung] für die zukünftige Entwicklung

der Region hoch einzuschätzen.

Die zentrale Rolle in der Bildungslandschaft nimmt

das staatliche Schulsystem ein. Die wesentlichen

Entscheidungen hierzu fallen jedoch nicht auf kommunaler

oder regionaler Ebene. Deswegen wird auf

diesen Bereich des Themenfeldes Bildung nicht weiter

eingegangen. Vielmehr geht es darum, Handlungsmöglichkeiten

aufzuzeigen, mit denen die staatlichen

Bildungsangebote ergänzt werden können.

Zielsetzung der Maßnahmen auf kommunaler bzw.

regionaler Ebene ist auf der einen Seite eine Verbesserung

der Bildung des Nachwuchses im Allgemeinen

und auf der anderen Seite eine gezieltere Ausrichtung

der Ausbildung auf die individuelle Nachfrage

der Arbeitgeber in der Region. Darüber hinaus ist die

Schaffung eines bildungsfreundlichen Milieus in der

Region anzustreben.

Viele außerschulische Angebote sind darauf ausgerichtet,

Kinder und Jugendliche für das Lernen zu

begeistern. Dies erfolgt durch eine starke Einbeziehung

von spielerischen Elementen und Experimenten

mit starkem Bezug zur Praxis. In vielen Fällen stehen


technische oder naturwissenschaftliche Themen im

Mittelpunkt. Dies geschieht vor dem Hintergrund der

in diesen Bereichen besonders stark anzutreffenden

Nachwuchssorgen der Arbeitgeber. Zielsetzung

vieler außerschulischer Angebote ist es, die individuellen

Talente von Kindern und Jugendlichen frühzeitig

und gezielt zu fördern. Dabei sind Kinder aus

bildungsfernen Schichten eine besonders wichtige

Zielgruppe, da diese oftmals keine Lernimpulse aus

dem familiären Kontext erhalten und ihre vorhandenen

Potenziale dadurch nicht entfalten können.

Im Bereich der Ausbildung und der Verbesserung

des Übergangs von der Schule in den Beruf sind

die Unternehmen der Region gefordert. Das betriebliche

Interesse liegt in der Sicherung des kommenden

Fachkräftebedarfs. Durch eine stärkere Zusammenarbeit

mit den Schulen können sie dazu beitragen,

Jugendliche besser auf die Anforderungen der Ausbildung

vorzubereiten. Durch eine bessere Vorbereitung

auf die Berufswahl, z.B. durch Praktika, kann die

Zahl der Ausbildungsabbrecher gesenkt werden. Die

Unternehmen erhalten darüber hinaus die Gelegenheit,

die zukünftigen Mitarbeiter bereits frühzeitig

anzuwerben und langfristig an sich zu binden.

Um Komplikationen beim Übergang zwischen Schule

und Ausbildung sowie Ausbildung und Beruf zu

vermeiden, setzen Initiativen auf die individuelle Beratung

der Jugendlichen und jungen Erwachsenen.

Hierdurch werden Fehlentscheidungen vermieden

und darauf hingewirkt, dass die Nachwuchskräfte

ihre Fähigkeiten optimal entfalten können.

Im Bereich der Hochschulbildung, beispielsweise

der Ingenieursausbildung, bedarf es der Koopera-

tionen zwischen den Unternehmen und den in der

Region vorhandenen Hochschuleinrichtungen. Eine

stärkere Verknüpfung von Studium und Praxis verspricht

eine besser auf die Anforderungen abgestimmte

Ausbildung der Studenten. Von einer Ausrichtung

der Fachkräfteausbildung auf die konkrete

Nachfrage der regionalen Arbeitgeber profitieren die

Arbeitgeber, indem sie ihren Bedarf nach Fachkräften

decken können, aber auch die jungen Erwachsenen.

Deren Aussichten auf eine Beschäftigung nach

der Ausbildung werden gesteigert.

4.1.1 Bergisches Städtedreieck

In der Region sind bereits zahlreiche Angebote im

Bereich der Bildung und Ausbildung vorhanden. Einige

Projekte sind als bundesweit wegweisend einzustufen.

Das Projekt Haus der kleinen Forscher setzt bereits

in der frühkindlichen Phase an. Die Kita Regenbogen

in Solingen wurde am 26.11.2008 als „Haus

der kleinen Forscher“ ausgezeichnet und ist damit

das erste dieser Art in NRW. Die bundesweit tätige

Stiftung „Haus der kleinen Forscher“ verfolgt die Ziele,

Naturwissenschaft und Technik schon für Kinder

in Vorschul-Einrichtungen erlebbar zu machen, frühkindliche

Bildung zu fördern und damit einen Beitrag

zur Stärkung des Forschungsstandorts Deutschland

zu leisten. Sie wird dabei vom Bundesministerium

für Bildung und Forschung unterstützt. Die Eltern-Initiative

Regenbogen ist seit Juni 2007 als regionaler

Netzwerkpartner der Stiftung in Solingen, Wuppertal,

Remscheid, Hilden, Velbert und Heiligenhaus aktiv.

Sie koordiniert derzeit 62 Kitas und Kindergärten in

17


der Region und ermöglicht mit unterschiedlichen Angeboten

die spielerische Begegnung mit Alltags-Phänomenen

wie Luftdruck oder Wasserkraft.

Mit der „Junior Uni Wuppertal“ 11 wurde in der Region

ein außergewöhnliches Projekt zur Bildungsförderung

von Kindern und Jugendlichen gestartet. Sie

ist im Gegensatz zu vielen zeitlich oder altersmäßig

begrenzten ähnlichen Initiativen, die inzwischen in

praktisch jeder Universitätsstadt angeboten werden,

ganzjährig geöffnet 12 . Besonderes Merkmal ist die

Finanzierung durch private Unternehmen und Stiftungen.

Angestrebt ist die Kooperation mit anderen,

im selben Themenfeld tätigen Initiativen und Einrichtungen

der Region. Ziel ist es, Kindern und Jugendlichen

Spaß am Lernen zu vermitteln und vorhandene

Fähigkeiten über den Schulunterricht hinaus zu

fördern. Die Angebote stehen für Kinder ab 4 Jahren

und Jugendliche bis zum Schulabschluss zur Verfügung.

Dabei sollen besonders Kinder aus bildungsfernen

Schichten angesprochen werden. Die Junior

Uni bietet seit Dezember 2008 in ihren Räumlichkeiten

Seminare in den Bereichen Naturwissenschaften,

Mathematik und Technik an. Dabei werden die Teilnehmer

durch Experimente aktiv einbezogen. Das Interesse

an naturwissenschaftlich-technischen Ausbildungsberufen

und an ingenieurwissenschaftlichen

Studiengängen soll hierdurch neu belebt werden, um

auf den zunehmenden Nachwuchskräftemangel der

Unternehmen der Region in diesen Bereichen zu reagieren.

Die Nachfrage nach den Angeboten der Juni-

11 http://www.junioruni-wuppertal.de/

12 Die erste Junioruniversität Deutschlands mit ganzjährigem Programm

entstand 2003 in Salzgitter

18

„Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass wir in puncto

frühkindlicher Bildung den Status eines Entwicklungslandes

haben, dass unser Schulsystem Begabungen

verkümmern lässt und dass unsere Hochschulen in

Spitze und Breite ein gutes Stück von der Exzellenz

entfernt sind, die wir brauchen, um im internationalen

Vergleich erfolgreich zu bleiben.“

[Bundespräsident Horst Köhler, Rede vom 27.10.2007]

or Uni ist enorm. Das Projekt kann daher bereits jetzt

als Erfolg bezeichnet werden.

Im Bereich der Zusammenarbeit von Schulen und

Unternehmen wurden ebenfalls zahlreiche Projekte

etabliert:

Das Projekt KURS 21 13 soll Unternehmen und Schulen

im Bergischen Städtedreieck zu Lernpartnerschaften

zusammenführen. Die „Stiftung Zukunftsfähiges

Wirtschaften im Bergischen Städtedreieck“

unterstützt die Umsetzung. An dieser sind u.a. die

Stadtwerke der drei Städte und das Regionalbüro

Bergisches Städtedreieck beteiligt. Das Projekt wird

u.a. durch das Wuppertal Institut begleitet, weswegen

Wuppertal als Modellstandort für die Umsetzung

der Projektidee ausgewählt wurde. Im Rahmen von

KURS 21 sind bislang 13 Partnerschaften entstanden,

allerdings ausschließlich in Wuppertal. Das Projekt

zielt auf Schüler der Schulklassen 7 bis 10. Die

Schüler erhalten Einblicke in die Praxis durch Besuche

bei den Partnerunternehmen sowie Beteiligung

der Praktiker am Unterricht. Sie sollen hierdurch für

technische Berufe begeistert und besser auf die Praxis

vorbereitet werden.

Am 03.04.2008 wurde das Bergische Schultechnikum

[BeST] 14 offiziell als ZdI-Zentrum für das

Bergische Städtedreieck eröffnet. ZdI steht für die

Landesinitiative „Zukunft durch Innovation.NRW“.

Diese verfolgt das Ziel, möglichst viele Schüler für

13 http://www.kurs-21.de/

14 http://www.nrw-best.de/


ein ingenieurs- oder naturwissenschaftliches Studium

zu begeistern. Das Bergische Schultechnikum

wird von der Bergischen Universität, der Agentur für

Arbeit Wuppertal, Wirtschaftsunternehmen aus der

Region und dem Innovationsministerium getragen.

Die Kursstandorte sind über die Region verteilt: die

Universität Wuppertal, die Städtische Gesamtschule

Solingen, das Deutsche Röntgen-Museum, das Berufskolleg

Technik und das Berufsbildungszentrum

der Industrie in Remscheid. Im Rahmen des Projektes

BeST sollen Schüler der Jahrgangsstufen 9 bis 13

aller 38 Gymnasien, Gesamtschulen und Realschulen

im Bergischen Städtedreieck anwendungsbezogenen

Technikunterricht erhalten. Dies soll ihnen eine

technische Grundbildung vermitteln und Hilfestellung

zur Berufsorientierung liefern. Als Ziele werden

genannt:

Vorhandenes Technikinteresse ausbauen und

Technikbegeisterung wecken

Verbesserung der Nachwuchssituation in den

Unternehmen der Region

Ermöglichung enger Kontakte der Schüler zu Un-

ternehmen

Minimierung von Fehlentscheidungen bei der Be-

rufswahl

Verbesserung der Berufswahl- und Ausbildungs-

fähigkeit der Schüler

Werbung für den Beruf als Ingenieur

Mittel- bis langfristige Erweiterung und Verbesserung

des Technikunterrichts in den Schule

Seit 1998 existiert im Pharma-Forschungszentrum

von Bayer HealthCare das sogenannte „BayLab“. In

diesem sollen Kinder und Jugendliche mit praktischen

und altersgerechten Experimenten für die Naturwissenschaften

begeistert werden. Zu den Angeboten

zählen die Schülerlabore „Molekularbiologie“

und „Chemie & Natur“, das „Kinderlabor Chemie für

Grundschüler“ und die in Kooperation mit der Bergischen

Universität stattfindenden Ferien-Forschertage.

Darüber hinaus werden Praktikumsplätze angeboten.

Das BayLab ist über die Grenzen der Region

hinaus bekannt und erfreut sich großer Nachfrage.

Seit 1998 nahmen bereits mehr als 20.000 Schüler an

den Veranstaltungen teil.

Mit dem, durch das Wuppertal Institut initiierten,

Projekt „Wuppertaler Wirtschaftscocktail“ 15 sollen

Schüler/-innen aus Wuppertaler Oberstufen an

Entwicklungen der modernen biotechnologischen

Forschung, speziell der Stammzellenforschung, herangeführt

und zur kritischen Auseinandersetzung

angeregt werden. Hierdurch sollen die Kompetenzen

von Schüler/-innen wie beispielsweise vernetztes

und vorausschauendes Denken gefördert werden.

Das Projekt beinhaltet unter anderem die Diskussion

mit Wissenschaftlern und Fachleuten aus dem Gebiet

der Stammzellenforschung, eine themenbezogene

Exkursion durch Wuppertal sowie die spielerische

Annäherung an das Thema. Es wird im Rahmen

der Förderung von „Diskursprojekten zu ethischen,

rechtlichen und sozialen Fragen in den modernen

15 http://www.wupperinst.org/de/projekte/proj/index.

html?&projekt_id=227&bid=132

19


Lebenswissenschaften“ vom Bundesministerium für

Bildung und Forschung [BMBF] unterstützt und ist

bislang auf den Zeitraum Mai 2008 bis April 2009 begrenzt.

Projektpartner sind die Forschungs- und Beratungsorganisation

triple innova 16 und die Initiative

KURS 21.

Das Ende 2007 gestartete „Wuppertaler Hauptschulmodell“

hat zum Ziel, die berufliche Orientierung

von Schülern zu verbessern und damit eine

bessere Berufsvorbereitung und Berufswegeplanung

für jeden Jugendlichen zu ermöglichen. Hierfür soll

ein Netzwerk der 13 Wuppertaler Hauptschulen mit

Unternehmen und Berufsberatungseinrichtungen

gebildet werden. Schulen und Unternehmen gehen

Partnerschaften miteinander ein. Diese Vernetzung

von Schule und Wirtschaft verschafft den Jugendlichen

Kontakte zur Arbeits- und Berufswelt. Durch

den Einblick in verschiedene Berufe und systematische

und umfassende Förderung der Berufswahlorientierung

erhalten die Schüler eine wertvolle

Entscheidungsgrundlage für eine ihren Fähigkeiten

und Neigungen entsprechende Berufswahl. Gleichzeitig

erhalten die teilnehmenden Unternehmen die

Möglichkeit, Nachwuchskräfte schon während der

Schulzeit kennen zu lernen. Der Berufswahlprozess

wird bereits in der siebten Klasse durch die Einführung

eines Berufswahlpasses gestartet und bis zum

Abschluss kontinuierlich begleitet. Oberste Priorität

für den Übergang in die Berufswelt hat die ausreichende

Bereitstellung von Ausbildungsplätzen durch

16 www.triple-innova.de

20

die Unternehmen der Region. Zu den innerhalb der

Partnerschaften durchgeführten Aufgaben zählen

u.a. die Organisation von Betriebsbesichtigungen,

Einblicke in die Ausbildung in den Unternehmen, die

Durchführung von Bewerbertrainings und die Bereitstellung

von Praktikums- und Ausbildungsplätzen 17 .

Seit 2005 wird der Bergische Bildungspreis Automotive

durch den Stammtisch Automotive organisiert.

An diesem sind 13 Zulieferunternehmen der

Automobilindustrie aus dem Bergischen Städtedreieck

vertreten. Die Unternehmen verfolgen das Ziel,

engagierten Nachwuchs in der Region zu fördern

und für eine langfristige Mitarbeit zu gewinnen. Hierzu

bieten sie interessierten Jugendlichen Einblicke

in ihre Unternehmen, damit diese Berufe und Entwicklungsmöglichkeiten

kennen lernen. Der jährlich

vergebene Bildungspreis ist das Kernelement

der Bemühungen. Ende 2008 nahmen insgesamt 60

Schüler der 12. Klasse teil. Sie erhielten eine auf jeweils

eines der Unternehmen abgestimmte Aufgabenstellung,

die sie in Fünfergruppen lösen sollten.

Als Gewinne wurden neben Sachgeschenken auch

Praktikumsplätze angeboten 18 . Die Schüler erhalten

direkten Kontakt zu den Firmen, diese wiederum

profitieren von der Möglichkeit, interessierte und talentierte

Nachwuchskräfte kennen zu lernen und für

ihren Betrieb anzuwerben.

17 http://www.hauptschulmodell.de/welcome.html

18 http://www.bergischerbildungspreis.de/


Die Bergische Initiative Pro Ausbildung Plus ist

seit dem 01.04.2007 mit dem Ziel tätig, während der

Projektlaufzeit von zwei Jahren mindestens 100 zusätzliche

Lehrstellen zu schaffen. Hierdurch soll die

Grundlage für eine langfristige Verbesserung der

Ausbildungssituation in der Region gelegt werden.

Es wird angestrebt, alle vorhandenen und zu entwickelnden

Aktivitäten im Themenfeld Ausbildung

dauerhaft in ein regionales Ausbildungsnetzwerk

einzubinden. Unternehmen sollen durch eine gezielte

Ansprache zur Bereitstellung von Lehrstellen

motiviert werden. Darüber hinaus wird der Aufbau

von Ausbildungsverbünden unterstützt. In diesen

können insbesondere kleine oder spezialisierte Betriebe

zusammenarbeiten, da diese teilweise nicht in

der Lage sind, sämtliche Inhalte eines Ausbildungsberufes

eigenständig zu vermitteln. Das Projekt wird

im Rahmen des Jobstarter-Programms zu 80 Prozent

durch Bund und EU gefördert und wird durch den

Bergischen Verein zur Förderung der Ausbildung e.V

getragen. Zu dessen Mitgliedern zählen u.a. die drei

Städte, die IHK Wuppertal-Solingen-Remscheid und

die Arbeitsagenturen 19 .

Die Vielfalt der vollzogenen Aktivitäten verdeutlicht:

Die Akteure in der Region haben die Notwendigkeit

verstärkter Anstrengungen im Bildungsbereich

bereits erkannt und darauf reagiert. Die Unternehmen

zeigen dabei vielfältiges Engagement. Auf das

breite Angebot auf dem Sektor Bildung und Ausbildung

kann auch in Zukunft aufgebaut werden. Wün-

19 http://www.bergische-initiative.de

schenswert ist jedoch eine stärkere Vernetzung der

Angebote mit dem Ziel, diese optimal aufeinander

abzustimmen. Hilfreich wäre zudem, die vielfältigen

Projekte stärker nach außen zu kommunizieren, um

diese als Argument für den Standort zu nutzen.

Die Bergische Universität als wichtigste Ausbildungsstätte

der Region sollte noch stärker in der Region

vernetzt werden. Insbesondere im Verhältnis zwischen

Wirtschaft und Hochschule besteht Verbesserungsbedarf.

Dies wurde offenbar bereits erkannt.

Das geplante Bergische Zentrum für unternehmensbezogene

Hochschulbildung spielt hierbei

eine wichtige Rolle. Das Bergische Städtedreieck

bewarb sich Ende 2008 als Standort für drei Fachhochschulen

[FH], die in NRW neu errichtet werden

sollen. Dieser Vorstoß war erfolglos. Das Vorhaben,

eine unternehmensnahe Hochschuleinrichtung als

Ergänzung zu den vorhandenen Angeboten der

Bergischen Universität einzurichten, wird jedoch

weiterhin verfolgt.

Ziel ist es, ein zusätzliches, praxisorientiertes Angebot

im Bereich Ingenieursausbildung zu schaffen. Ein

Zentrum für unternehmensbezogene Hochschulbildung

könnte duale Studiengänge anbieten, die eine

Berufsausbildung im Betrieb mit einem Hochschulstudium

kombinieren. Berufsbegleitende Studiengänge

könnten zur Höherqualifizierung von Unternehmensbeschäftigten

beitragen. Eine Öffnung der

neuen Hochschule für Praktiker ohne Abitur würde

die Durchlässigkeit des Bildungssystems erhöhen

und damit zu einer Vergrößerung des Ingenieurangebotes

beitragen. Voraussetzung für den Aufbau einer

21


„Die bergische Wirtschaft braucht eine enge Zusammenarbeit

mit der Bergischen Universität so, wie die

Universität auf die Kooperation mit der regionalen Wirtschaft

angewiesen ist.“

[IHK-Präsident Friedhelm Sträter, anlässlich der Unterzeichnung

des Kooperationsvertrags Uni-IHK]

neuen Hochschuleinrichtung ist umfangreiches Engagement

der regionalen Wirtschaft und die aktive

Mitwirkung der Bergischen Universität.

Die Ankündigung der Hessischen Berufsakademie

20 , im Jahr 2009 in Remscheid eine Niederlassung

zu errichten, kommt diesen Bestrebungen entgegen.

Die Berufsakademie wird neben dualen Studiengängen

auch berufsbegleitende Qualifizierungsangebote

für Handwerk und Industrie anbieten. Neben dem

Schwerpunkt in der Qualifikation für Managementaufgaben

werden auch Bachelorstudiengänge in den

Bereichen Mechatronik, Elektronik und Maschinenbau

angeboten 21 .

Ein positives Signal für die zukünftige Entwicklung

im Bergischen Städtedreieck geht von dem am

12.12.2008 geschlossenen Kooperationsvertrag

zwischen der Bergischen Universität und der Industrie-

und Handelskammer Wuppertal-Solingen-Remscheid

aus.

Darin bekennt man sich zu einer Intensivierung der

Zusammenarbeit zwischen der Universität und den

Unternehmen der Region. Kernelemente der Zusammenarbeit

sind gemeinsame Veranstaltungen zu Innovations-

und Technologiethemen, die Vermittlung

praxisorientierter Abschlussarbeiten an Studenten

und die Unterstützung technologieorientierter Unternehmensgründungen.

Die Kooperationspartner

wollen in Zukunft gemeinsam für ein Studium an der

20 Die Hessische Berufsakademie [BA] wurde im Jahr 1990 von Unternehmens-

und Wirtschaftsverbänden gegründet und ist zurzeit

an 13 Standorten in Deutschland präsent, darunter in Bochum,

Essen und Köln.

21 http://www.rp-online.de/public/article/remscheid/672298/Rem-

scheid-wird-Studienort.html

22

Lernende Region Osnabrück

Abb. 4: http://www.lernenderegionosnabrueck.de/index.php?page=3

Bergischen Universität werben und die Absolventen

an die Region und ihre Unternehmen binden. Der

Aufbau dualer Studiengänge zielt auf die bessere Abstimmung

der Hochschulausbildung auf die Bedürfnisse

der Unternehmen. Durch eine stärkere Verbindung

von Theorie und Praxis im Studium in Form von

Gastvorträgen, Praktika und Bachelor- oder Masterarbeiten

sollen schon frühzeitig Kontakte zwischen

Unternehmen und Studenten hergestellt werden.

4.1.2 Andere Regionen

Lernende Region Osnabrück

Die Lernende Region Osnabrück ist ein Bildungsprojekt

der Stadt bzw. des Landkreises Osnabrück, welches

im Rahmen des Programms „Lernende Regionen

– Förderung von Netzwerken“ von EU und Bund

von 2002 bis Ende 2008 gefördert wurde. Projektträgerin

ist die VHS Osnabrück. Diese beabsichtigt eine

Weiterführung von Angeboten über 2008 hinaus. Zu

den Partnern gehören neben den Kommunen u.a.

Universität und Fachhochschule Osnabrück.

Neben den Querschnittsaufgaben „Netzwerkmanagement“

und „Öffentlichkeitsarbeit“ wurden die

Schwerpunktthemen „Transparenz der Bildungslandschaft“,

„Bildungs- und Berufswelt Jugendlicher“

sowie „Integration von Zuwanderern“ bearbeitet.

Gemeinsam mit Kooperationspartnern wurden innovative

Bildungs- und Beratungsangebote entwickelt

und erprobt. Besondere Anstrengungen wurden im

Übergangsmanagement Familie-Kita-Schule und

Schule-Ausbildung-Beruf unternommen. Abbildung

4 und 5 zeigen das beabsichtigte Maßnahmenspek-


Lernende Region Osnabrück

Abb. 5: http://www.lernenderegionosnabrueck.de/index.php?page=3

trum in den beiden Feldern auf. Im ersten Feld wird

der besonderen Rolle der Eltern als „Übergangsmanager“

ihrer Kinder Rechnung getragen. Durch gezielte

Kurse und Beratungen sollen sie in dieser Funktion

gestärkt und qualifiziert werden. Im Übergang von

der Schule in den Beruf werden die Schüler gezielt

bei der Entscheidungsfindung unterstützt, z.B. durch

Stärkenanalyse und Einzelcoaching 22 .

Ein erfolgreiches Projekt der Initiative ist die Einrichtung

des Weiterbildungsportals „OS-Bildungslotse“ 23 ,

das seit seiner Einführung Anfang 2005 stark frequentiert

wird. Das Portal übernimmt insbesondere

Informations- und Orientierungsfunktionen, dient

aber auch als Kommunikationsplattform für die im

Netzwerk beteiligten Akteure.

Studienfonds Oberberg

Seit dem Wintersemester 2008/09 vergibt der

„Verein zur Förderung des Campus Gummersbach

der Fachhochschule Köln e.V.“ in Kooperation

mit regionalen Unternehmen Stipendien zur

Deckung der Studienbeiträge. Die Idee wurde unter

Beteiligung von FH und IHK Köln vom Oberbergischen

Kreis umgesetzt. Ziel ist es, die Attraktivität des

Studienortes Gummersbach zu steigern und junge

Menschen in der Region zu halten.

22 www.lernenderegionosnabrueck.de

23 www.os-bildungslotse.de, BMBF Lernende Regionen Seite 44-45

[PDF]

Die Finanzierung der Stipendien wird durch Unternehmen

der Region übernommen. Diese erhalten im

Gegenzug eine Vorauswahl an Kandidaten und können

sich daraus jeweils einen geeigneten Studenten

auswählen. Die Förderung erfolgt auf Grundlage einer

Vereinbarung zwischen förderndem Unternehmen

und Student. Darüber hinaus können Praktika

und Abschlussarbeiten im Unternehmen vereinbart

werden.

Das Projekt bietet den Unternehmen die Möglichkeit,

frühzeitig engen Kontakt zu einer zukünftigen

Fachkraft aufzunehmen und diese für das Unternehmen

zu gewinnen. Darüber hinaus kann diese Vereinsförderung

als für das Image des Unternehmens

wertvolles, gesellschaftliches Engagement dargestellt

werden. Die Stipendiaten profitieren von der

Möglichkeit gebührenfreien Studierens und erhalten

engen Kontakt zu einem potenziellen zukünftigen Arbeitgeber

24 .

24 http://www.studienfonds-oberberg.de

23


4.2 Weiterbildung [Lebenslanges Lernen]

In Zeiten immer schnellerer Veränderungsdynamik

in Wirtschaft und Gesellschaft ist eine ständige Anpassung

durch Weiterbildung unersetzlich. Für Erwerbstätige

ist diese eine wichtige Voraussetzung

für dauerhafte Konkurrenzfähigkeit auf dem Arbeitsmarkt.

Für Nicht-Erwerbstätige bietet sie die Grundlage

für die Wiedereingliederung in den selbigen. Für

Unternehmen sind qualifizierte Mitarbeiter die Voraussetzung

für die Konkurrenzfähigkeit ihres Unternehmens.

In Zukunft ist von einer abnehmenden Zahl an Menschen

im „erwerbsfähigen Alter“ 25 auszugehen. Der

Anteil der jungen Menschen geht zurück. Die älteren

Menschen müssen daher stärker in den Arbeitsmarkt

einbezogen werden als bisher. Eine wichtige Voraussetzung

hierfür ist neben Beratung und Vermittlung

die gezielte Weiterbildung der älteren Menschen.

Wichtigster Ansatzpunkt im Handlungsfeld Weiterbildung

[Lebenslanges Lernen] ist die Sensibilisierung

der Bevölkerung und der Unternehmen der

Region für die Bedeutung des lebenslangen Lernens

für die eigenen Chancen am Arbeitsmarkt bzw. die

langfristige Konkurrenzfähigkeit des Unternehmens.

Die Menschen sollten nicht nur vom Sinn des Lernens

überzeugt werden, sondern nach Möglichkeit

auch [wieder] Freude am Lernen vermittelt bekommen.

Hierzu sind kreative Angebote erforderlich.

25 Erwerbsfähiges Alter: zwischen 15 und 65 Jahren

24

Für die effektive Gestaltung von Weiterbildungsmaßnahmen

ist es wichtig, Weiterbildungsangebote

gezielt auf die individuellen Fähigkeiten und Qualifizierungsniveaus

der Menschen anzupassen. Bedingt

durch unterschiedliche Berufs- und Lebenserfahrungen

ist die Zielgruppe deutlich heterogener als die

Gruppe der Berufsanfänger. Neben der Schaffung

neuer Angebote ist es vor allem bedeutsam, über

bereits vorhandene Weiterbildungsangebote zu informieren

und an geeignete Stellen weiterzuleiten.

Dies kann Aufgabe einer zentralen Einrichtung sein,

die eine Erstberatung durchführt und an andere Stellen

weiterleitet. Eine bessere Zusammenarbeit der

verschiedenen Einrichtungen aus dem öffentlichen

und privaten Weiterbildungsbereich kann zur Schaffung

eines vielfältigeren Angebotes genutzt werden.

Neben Kursen, Seminaren und Fortbildungen kann

Weiterbildung auch über ein berufsbegleitendes

Studium stattfinden. Dies kann in Form eines

Fernstudiums, aber auch über die Teilnahme an Vorlesungen

und Seminaren an einer Universität oder

Fachhochschule erfolgen. Um die Bildungsangebote

an die Ansprüche der Praxis anzupassen, ist hierbei

eine enge Zusammenarbeit zwischen Unternehmen

und Hochschulen erforderlich. Eine Öffnung von Studiengängen

auch für Fachkräfte ohne Fach- oder

Hochschulreife könnte eine deutlich größere Zahl an

hochqualifizierten Mitarbeitern hervorbringen. Für

die Unternehmen bietet sich die Chance, dem weit

verbreiteten Ingenieursmangel aktiv entgegen zu

treten.


Für die Chancen älterer Menschen auf dem Arbeitsmarkt

spielt Weiterbildung eine große Rolle.

Darüber hinaus gibt es aber auch Vorbehalte seitens

der Arbeitgeber, die abgebaut werden müssen. Vielfach

haftet älteren Arbeitssuchenden das negative

Bild an, vermindert leistungsfähig, unflexibel und

teuer zu sein. Positive Eigenschaften wie fachliche

und soziale Kompetenz, Selbständigkeit und Motivation

werden dabei oft übersehen. Diesem Bild muss

aktiv entgegengewirkt werden.

4.2.1 Bergisches Städtedreieck

In Remscheid und Solingen wurde 1998, angeregt

durch das Arbeitsamt, die „Qualifizierungsinitiative

Bildungsinstitute Solingen - Remscheid“ ins Leben

gerufen. Die nun mit dem Zusatz „forjob“ agierende

Initiative ist ein Zusammenschluss von sieben

Trägern der beruflichen Weiterbildung. Die Arbeitsagentur

Solingen/Remscheid und die ARGE der Stadt

Solingen stehen den Trägern als beratende Mitglieder

zur Seite. Ziel von forjob ist die Optimierung des

Weiterbildungssystems und die Erleichterung des

Zugangs zu vorhandenen Bildungsangeboten. Hierzu

werden gemeinsam zielgruppenorientierte Bildungsangebote

entwickelt und realisiert. Durch ein

gemeinsames regionales Marketing soll die Transparenz

des Bildungsangebots für Arbeitssuchende, Arbeitnehmer/-innen

und Unternehmen in Remscheid

und Solingen erhöht werden. Wichtige Bestandteile

sind Weiterbildungsbörsen, gemeinsame Veröffentlichungen

und eine gemeinsame Homepage. Zur

verbesserten Vermittlung von Praktikums- und Ausbildungsstellen

wurde ein Netzwerk mit zahlreichen

Kooperationspartnern aus der Wirtschaft aufgebaut.

Die Quallianz ist eine Initiative zur Förderung der

Aus- und Weiterbildung im Bergischen Städtedreieck.

Ziel ist der Aufbau und die Entwicklung dauerhafter

Strukturen einer kooperativen und zukunftsfähigen

Weiterbildungsinfrastruktur durch die intensive Zusammenarbeit

von Bildungseinrichtungen mit Unternehmen

und arbeitsmarktrelevanten Akteuren.

Mitglieder sind Aus- und Weiterbildungseinrichtungen

aus der Region. Daneben wird die Initiative unter

anderem durch IHK, Wirtschaftsförderungen der

Städte, Gewerkschaft und Uni Wuppertal unterstützt.

Als Handlungsfelder werden zum Beispiel die Unterstützung

der regionalen Unternehmen bei der Personalentwicklung

und -besetzung, die Bildungsberatung

für kleine und mittelständische Unternehmen

und die Mitwirkung in regionalen arbeitspolitischen

Entscheidungsgremien genannt. Seit Anfang 2006

führt die Quallianz im Auftrag der ARGE Wuppertal

das Projekt WiA - Wege in Arbeit durch. Im Rahmen

dieses Projektes unterstützt sie Unternehmen bei

der Bewerberauswahl. Darüber hinaus ist die Quallianz

als Kooperationspartner der Bergischen VHS am

Projekt Bergische Bildungsberatung beteiligt 26 .

Die Bergische Bildungsberatung 27 wird als regionales

Netzwerk im Programm „Lernende Regionen

- Förderung von Netzwerken“ des Bundesministeriums

für Bildung und Forschung [BMBF] geführt und

finanziell unterstützt. Das Netzwerk setzt sich aus

einer breiten Allianz von Bildungsträgern und Akteuren

des Arbeitsmarktes zusammen. Die Bergische

26 http://www.quallianz.com/pages/de/startseite/index.html

27 http://www.bergische-bildungsberatung.de/

25


VHS Solingen-Wuppertal koordiniert die Aktivitäten

der Initiative. Darüber hinaus werden Quallianz und

„forjob“ als wesentliche Akteure benannt. Bislang

existieren Bildungsberatungsstellen in Wuppertal-

Vohwinkel, Wuppertal-Barmen und in Solingen Mitte.

Die Bergische Bildungsberatung berät Beschäftigte,

Arbeitssuchende und Personalverantwortliche in

Unternehmen und richtet sich insbesondere an Migranten.

Die Menschen sollen dabei unterstützt werden,

individuelle Kompetenzen und Kenntnisse zu

erweitern und den Veränderungen in Gesellschaft,

Beruf und Privatleben durch gezielte berufliche

Weiterbildung wirkungsvoll zu begegnen. Durch die

verbesserte Weiterbildung der Menschen soll die Beschäftigungs-

und Wettbewerbsfähigkeit in der Region

gestärkt werden. Die Bergische Bildungsberatung

hilft u.a. bei beruflichen Umorientierungen und beim

Wiedereinstieg in den Beruf. Sie hilft beim Erkennen

individueller Fähigkeiten u.a. mit der Erarbeitung eines

individuellen Profils, gibt eine Orientierung über

die vielfältigen Weiterbildungsmöglichkeiten und deren

Finanzierbarkeit und vermittelt Weiterbildungsangebote

und -anbieter aus der Region.

Mit dem „LernLaden.wtal“ wurde am 15. August

2008 in den Räumlichkeiten der Bergischen Bildungsberatung

in Wuppertal-Vohwinkel der erste Europäische

„KeyShop“ im Rahmen eines Projektes des

europäischen Programms für allgemeine Erwachsenenbildung

[Grundtvig] eröffnet. Es geht dabei um

das Etablieren einer neuen Lehr- und Lernkultur. Der

LernLaden.wtal steht allen Menschen offen. Ziel ist

es, durch die Bereitstellung eines ganz besonderen

Lern-Ortes den Spaß am Lernen und die Bereitschaft

zum lebenslangen und selbst organisierten Lernen

26

zu wecken. Dazu finden die Kunden nicht nur einen

mit Computern ausgestatteten Lernbereich vor, sondern

auch einen Bewirtungs-, einen Entspannungs-

und einen Experimentierbereich, in dem man „mit

allen Sinnen“ Lernexperimente ausführen kann.

Die Friedrich Spee Akademie ist eine private Akademie,

die sich in ganz Deutschland für Menschen

in der zweiten Lebenshälfte engagiert. In Zusammenarbeit

ehrenamtlich tätiger Bürger mit öffentlichen

Einrichtungen und Kooperationspartnern aus

der Wirtschaft bietet die Akademie soziale, kulturelle

und politische Bildungsangebote. Seit 2006 ist die

Akademie im Bergischen Städtedreieck vertreten. An

verschiedensten Orten werden Vorträge, Kurse, Führungen

und andere Veranstaltungen angeboten.

Das in Kapitel 4.1.1 beschriebene Bergische Zentrum

für unternehmensbezogene Hochschulbildung

könnte im Bereich der beruflichen Weiterbildung

mit der Bereitstellung berufsbegleitender

Studiengänge für ein zusätzliches Angebot sorgen.

Im Rahmen der Arbeitsgruppe Demografie des

„Netzwerkes Neues Wuppertal“ wurden 2007 einige

Ideen zum Umgang mit dem demografischen Wandel

entwickelt. Unter dem Titel „Bergische Unternehmen

gestalten den demografischen Wandel“

soll eine Kampagne zur Sensibilisierung der Bergischen

Unternehmen für die Herausforderungen des

demografischen Wandels ins Leben gerufen werden.

Im Rahmen dieser Kampagne sollen die Unternehmer

für Themen wie z.B. Lebenslanges Lernen und

Gesundheitsmanagement sensibilisiert und über

Handlungsmöglichkeiten informiert werden. Ein


weiterer Projektvorschlag war die Einrichtung eines

Seniorenbüros als zentrale Anlaufstelle für aktive

ältere Menschen. Das Seniorenbüro soll in naher

Zukunft entstehen. Am 27.08.2008 wurde der Verein

„Die Brücke“ gegründet, der die Trägerschaft des Büros

übernehmen wird. Der Ort „Die Brücke für Ältere

und Jüngere“ soll zahlreiche Angebote bereithalten,

informieren und Kontakte zu Beratungsstellen vermitteln.

Für ältere Menschen könnte die Einrichtung

Kontaktmöglichkeit zu Gleichgesinnten und „Brücke“

zu Jüngeren sein. Die Brücke soll den älteren Menschen

dabei helfen, ihre Fähigkeiten weitergeben zu

können, z.B. durch die Beratung von Existenzgründern

oder jungen Menschen, aber auch durch andere

ehrenamtliche Tätigkeiten.

4.2.2 Anderen Regionen

GENERATION GOLD - Potenziale für den

Arbeitsmarkt in OWL

GENERATION GOLD 28 ist einer von bundesweit 62

regionalen Beschäftigungspakten zur beruflichen

Wiedereingliederung älterer Langzeitarbeitsloser im

Rahmen des Bundesprogramms „Perspektive 50plus

- Beschäftigungspakte für Ältere in den Regionen“

und wird in diesem Rahmen gefördert. Das Bundesprogramm

basiert auf einem regionalen Ansatz, der

es den einzelnen Pakten erlaubt, bei der Wahl der

Integrationsstrategie gezielt auf die regionalen Besonderheiten

einzugehen. Aufgrund der Erfolge der

28 http://www.generation-gold.biz/

ersten Programmphase [2005-2007] wurde das Programm

bis 2010 verlängert.

Der Beschäftigungspakt GENERATION GOLD ist eine

Partnerschaft von Trägern der Grundsicherung aus

der gesamten Region Ostwestfalen-Lippe. Dazu gehören

die Argen der kreisfreien Stadt Bielefeld, der

Kreise Gütersloh, Herford, Lippe, Paderborn und

Höxter sowie der optierende Kreis Minden-Lübbecke.

Die Gesamtkoordination liegt bei der Regionalen

Personalentwicklungsgesellschaft [REGE mbH], einer

Tochtergesellschaft der Stadt Bielefeld. Als operative

Partner sind Bildungsträger der Region eingebunden.

Wichtigste Ziele sind die nachhaltige Verbesserung

der [Re-]Integration älterer Menschen in den Arbeitsmarkt

sowie die Sensibilisierung der Arbeitgeberseite

für die Einstellung älterer Arbeitnehmer. Hierzu

wurden verschiedene Teilprojekte durchgeführt. Diese

richteten sich zum Beispiel an die Qualifizierung

der Arbeitsvermittler, Beratung von älteren Existenzgründern,

Motivationstraining für Ältere und das

Marketing für die Einstellung älterer Arbeitnehmer.

Aktivierungskonzepte werden stark individuell ausgerichtet,

um die spezifischen Integrationschancen

herauszufiltern und passgenaue Maßnahmen zu entwickeln.

27


Erfolge in der Vermittlung älterer Langzeitarbeitsloser

wurden vor allem in kleineren und mittleren Unternehmen

verzeichnet. Hier konnten im Dialog mit

Personalverantwortlichen Vorurteile abgebaut und

durch umfassenden Service passgenaue Bewerber

vermittelt werden 29 .

LernNetz Berlin-Brandenburg

Das „LernNetz Berlin-Brandenburg“ wurde am

01.07.2001 mit dem Ziel gestartet, kundenorientierte

und bedarfsgerechte Strukturen in der Weiterbildung

zu schaffen. Es besteht aus Bildungsorganisationen,

Arbeits- und Bezirksverwaltungen, Unternehmens-

und Gewerkschaftsverbänden sowie Vereinen. Das

LernNetz wird durch das Land Berlin, das Bundesministerium

für Bildung und Forschung [BMBF] und den

Europäischen Sozialfonds [ESF] gefördert.

Wichtigster Angebotsbestandteil des Lernnetzes

sind Lernläden. Ein „LernLaden“ fungiert als zentrale

Anlaufstelle für Bildungsfragen. Hier erhalten Bürger

professionelle Unterstützung von Bildungsberatern

bei der Erarbeitung von individuellen Bildungsplänen.

Diese werden auf die jeweiligen Bildungsinteressen

und -bedarfe ausgerichtet. Im Jahr 2003 wurden drei

Läden eröffnet, davon zwei in Berlin, wo aufgrund

großer Nachfrage 2006 ein weiterer „LernLaden“ hinzukam.

29 http://www.generation-gold.biz/

28

Über die stationäre Beratung hinaus besteht flankierend

eine mobile Bildungsberatung, der „LernLadenmobil“.

Berater sind in enger Zusammenarbeit mit

Streetworkern in Wohnquartieren, auf Stadtteilfesten

und an Schulen unterwegs, um die Zielgruppen

[unter 25- und über 45-jährige] direkt anzusprechen,

über Beratungsangebote zu informieren und für das

Lernen zu begeistern. Besonders „bildungsferne

Gruppen“ sollen hierdurch mobilisiert werden 30 .

30 Bundesministerium für Bildung und Forschung [BMBF] 2008: Lernende

Regionen. Förderung von Netzwerken 22f und http://www.

lnbb.de/index.php


4.3 Wissenstransfer und Innovation

Innovationen sind die wichtigste Voraussetzung für

dauerhaften Erfolg der regionalen Wirtschaft. Sie

sind Grundlage für die Konkurrenzfähigkeit der bestehenden

Unternehmen und Ausgangspunkt für

das Entstehen neuer Unternehmen.

Zur Steigerung der Innovationskraft der Region

existieren mehrere Handlungsmöglichkeiten: Durch

bessere, zielgerichtete und dauerhafte Aus- und

Weiterbildung kann zusätzliches Wissen geschaffen

werden. Gesteigerte Investitionen in Forschung und

Entwicklung sowohl in den Unternehmen als auch

in sonstigen Forschungseinrichtungen erhöhen die

Wahrscheinlichkeit für Innovationen. Darüber hinaus

liegt ein großes Potenzial in der Verbesserung des

Wissens- und Technologietransfers zwischen Unternehmen

und Forschungseinrichtungen.

Um eine Vorstellung von den Handlungsmöglichkeiten

zur Verbesserung des Wissenstransfers zu gewinnen,

sollte zunächst Klarheit über die möglichen

Transferwege bestehen. Diese stellen sich sehr

vielfältig dar:

Hochschule/Forschungseinrichtung > Unter-

nehmen: Ausbildung von Fachkräften, Existenzgründungen

aus der Hochschule heraus, Auf-

tragsforschungen/gemeinsame Entwicklungspro-

jekte, Publikationen, Vorträge

Unternehmen > Hochschule/Forschungseinrich-

tung: Gastvorträge an der Hochschule, Praktika

für Studierende, Einbringung von Praxiswissen

bei gemeinsamen Entwicklungsprojekten

Unternehmen Unternehmen: gemeinsame

Entwicklungsprojekte, Wissensaustausch über

persönlichen Kontakt

In der Praxis besteht im Bezug auf die Zusammenarbeit

in der Regel noch großes Optimierungspotenzial.

Noch zu selten finden gemeinsame Projekte statt.

Diese scheitern beispielsweise an unterschiedlichen

Denk- und Handlungsmustern sowie an abweichenden

Zielsetzungen und zeitlichen Perspektiven von

Wissenschaftlern und Unternehmern. Häufig fehlt

zudem das nötige Vertrauen, eigenes Wissen mit anderen

Personen zu teilen. In vielen Fällen sind die Akteure

einfach nicht über die in der Region vorhandenen

Unternehmen und Einrichtungen informiert, die

als Kooperationspartner in Frage kämen. Aufgrund

fehlender Zusammenarbeit können Wissenschaftler

gute Ideen nicht zu marktfähigen Lösungen weiterentwickeln,

während gleichzeitig Unternehmen für

interne Problemstellungen keine Lösungen finden.

Zur Verbesserung des Wissensaustauschs zwischen

Unternehmen, Hochschulen und sonstigen

Forschungseinrichtungen ist der Aufbau eines Kooperationsnetzwerkes

anzustreben. Dabei ist

möglicherweise zunächst eine Konzentration auf bestimmte

Branchen sinnvoll. Ansatzpunkt hierfür können

die Kompetenzfelder der regionalen Wirtschaft

sein.

29


Grundvoraussetzung für das Entstehen eines aktiven

Netzwerkes ist zunächst, die Akteure der Region miteinander

bekannt zu machen, gemeinsame Interessen

aufzudecken und Vertrauen aufzubauen. Hierzu

können regelmäßige Austausch- und Informationsveranstaltungen

genutzt werden, zu denen die Akteure

eingeladen sind. Informationen über die in der

Region vorhandenen Einrichtungen und Ansprechpartner

in den verschiedenen Bereichen können gesammelt

und aufbereitet werden, um Interessierten

einen möglichst schnellen Überblick zu verschaffen.

Ohne die Bereitschaft und Initiative von Unternehmen

und Hochschulen wird es zu keiner Kooperation

kommen. Um diese zu stärken, müssen die aus der

Kooperation resultierenden Chancen für beide Seiten

deutlich gemacht werden. „Win-Win-Situationen“

sind die Voraussetzung für erfolgreiches Kooperieren.

Neben der regionalen Vernetzung von innovativen

Unternehmen und Forschungseinrichtungen ist auch

die räumliche Bündelung von Aktivitäten ein Ansatz

zur Steigerung der Innovationstätigkeit. Durch die

unmittelbare Nähe von kreativen Menschen und Unternehmen

kann ein besonderes Innovationsklima

entwickelt werden, das den Wissensaustausch erleichtert.

Technologieparks setzen darüber hinaus

auf die Bereitstellung von Infrastruktur, die für die

Entwicklung von Innovationen notwendig ist.

4.3.1 Bergisches Städtedreieck

In der Region werden bereits einige Ansätze verfolgt,

die das Ziel haben, die Zusammenarbeit von Unter-

30

nehmern untereinander und mit der Wissenschaft zu

intensivieren.

Eine regelmäßig in jeder der drei Städte stattfindende

Veranstaltung ist das „Business Breakfast“. Dieses

fungiert als Plattform für den Erfahrungsaustausch

zwischen Unternehmen. Grundidee ist, dass jeweils

ein Unternehmer anderen Unternehmern der Region

eine in seinem Unternehmen verwirklichte Innovation

in den eigenen Räumlichkeiten in Verbindung

mit einem gemeinsamen Frühstück präsentiert. Es

handelt sich bei den Innovationen beispielsweise

um besondere Marketingstrategien oder Prozessoptimierungen,

also um Neuerungen, die auch für

Unternehmen aus verschiedenen Branchen von Interesse

sein können. Durch die Veranstaltungen sollen

Innovationen innerhalb der Unternehmerschaft

bekannt gemacht werden, um gemeinsam aus den

Erfahrungen einzelner Unternehmen zu lernen. In

Wuppertal kommen zwischen 150 und 190 Teilnehmer

zu den Veranstaltungen zusammen. Dies kann

als deutliches Zeichen für den Erfolg des Konzeptes

angesehen werden.

Mit der Transferveranstaltungsreihe „ProduktIm-

Puls“ wurde Mitte 2007 eine weitere Initiative gestartet.

Das Gemeinschaftsprojekt der Bergischen

Universität Wuppertal und des Gründer- und Technologiezentrums

Solingen [GuT] soll die Entstehung

innovativer und marktfähiger Produkte forcieren.

Zielgruppe sind dabei bevorzugt kleine und mittlere

Unternehmen aus der bergischen Region. Im Rahmen

branchenbezogener, moderierter Workshops

führen Hochschulpraktiker die Ergebnisse ihrer angewandten

Forschungen vor. Hiervon werden Impulse


für weiterführende Kooperationen mit Unternehmen

und schließlich die Entwicklung marktreifer Produkte

und Dienstleistungen erhofft 31 .

Ein ähnliches Konzept liegt der Transferveranstaltungsreihe

„Innovationsdrehscheibe Bergisches

Land“ zugrunde. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe

finden Werkstattgespräche in Form von moderierten

Workshops oder Vorträgen als Erfahrungsaustausch

in Unternehmen statt. Unternehmer, Wissenschaftler

und Studierende sollen hierdurch Anregungen für

Innovationen bei Produktionsprozessen und Produkten

erhalten. Mitte 2008 fand bereits die 22. Veranstaltung

dieser Reihe statt 32 .

Die eigens auf die Kooperation mit Unternehmen

ausgerichtete Wissenschaftstransferstelle der

Universität ist ein deutliches Zeichen für deren Bestreben,

intensiven Kontakt mit der Wirtschaft zu

pflegen. Die Transferstelle ist zentraler Ansprechpartner

für die Unternehmen der Region. Sie sieht

ihre Hauptaufgabe darin, Kooperationen von Wissenschaftlern

und Unternehmen, z.B. in Form von Auftragsforschungen,

aufzubauen.

Von dem im Dezember 2008 geschlossenen Kooperationsvertrag

zwischen Universität und IHK

[siehe Kap. 4.1.2] sind weitere positive Impulse für

den Technologietransfer zwischen Bergischer Universität

und den Unternehmen der Region zu erwarten.

Durch die vereinbarte engere Verzahnung von Theo-

31 http://www.gut-sg.de/wissenstransfer/produktimpuls

32 http://www.gut-sg.de/wissenstransfer/innovationsdrehscheibe,

http://www.innovationsdrehscheibe.de/

rie und Praxis geht ein verstärkter Wissensaustausch

einher. Die in Form von Praktika sowie Bachelor- und

Masterarbeiten einbezogenen Studenten können

durch ihr theoretisches Wissen und neue Ideen für

Innovationsimpulse für die Unternehmen sorgen.

Durch die engere Zusammenarbeit von Hochschule

und IHK sollte auch die Hürde für Kooperationen zwischen

einzelnen Wissenschaftlern und Unternehmen

reduziert werden.

Neben den bereits realisierten Projekten existieren

einige Ideen zur weiteren Verbesserung der Innovationstätigkeit

in der Region:

Das geplante Projekt „InnoIntegral“ soll zur Steigerung

der Innovationsorientierung im Bergischen

Städtedreieck beitragen. Das Projekt des Bergischen

Instituts für Produktentwicklung und Innovationsmanagement

ist als Sieger aus dem Wettbewerb Regio-

Cluster.NRW hervorgegangen und kann als solcher

mit öffentlicher Förderung rechnen. Bausteine des

Projektes sind der Aufbau eines Masterstudiengangs

Integrale Produktentwicklung im Forum Produktdesign

in Solingen, der Ausbau des Forums zu einer

Plattform, auf der regionale Unternehmen und Wissenschaftler

über Innovations-Themen debattieren,

und die Einrichtung eines Labors für Integrale Produktentwicklung.

In Kooperation mit dem Bergischen

Institut, der Bergischen Universität und kleinen bis

mittleren Unternehmen aus der Region sollen neue

Produkte entwickelt werden. Die Zusammenarbeit

soll ermöglichen, schneller Markttrends zu erkennen,

innovative Produkte und Dienstleistungen zu

entwickeln und diese schnell in betriebliche Produktion

umzusetzen. Besonderheit des Projektes ist die

31


Initiativkreis Wissensregion Frankfurt/Rhein-Main

Abb. 6: http://www.wissensportal-frankfurtrheinmain.de/

„integrale Produktentwicklung“, ein „vernetzter Prozess

zwischen Design, Ergonomie, Engineering, Ökonomie

und Ökologie“ 33 .

Der Bergische ThinkTank ist ein Gemeinschaftsprojekt

von insgesamt 23 Kooperationspartnern unter

Leitung der Sanierungsgesellschaft Südliche Innenstadt

Solingen. Im Rahmen des Förderwettbewerbs

Create.NRW im Jahr 2008 war das Projekt erfolgreich.

Ziel ist es, Akteure und Unternehmen aus der Kreativbranche

mit kleinen und mittleren Industrieunternehmen

dauerhaft zu vernetzen. Dabei werden die

Kompetenzen klassischer Unternehmen mit denen

der Kreativwirtschaft verbunden, um aus guten Ideen

marktgerechte neue Produkte entstehen zu lassen.

Innovative Projekte sollen im Rahmen von Innovationswettbewerben

zu jährlich wechselnden Themen

entwickelt werden. So soll im ersten Projektjahr die

Entwicklung von Produkten im Mittelpunkt stehen,

die dem demografischen Wandel Rechnung tragen.

Die aus dem Wettbewerb hervorgehenden besten

Ideen sollen im Anschluss in Kooperation mit Unternehmen

zu marktreifen Produkten weiterentwickelt

werden. Ankerpunkt für den Bergischen ThinkTank

ist der Südpark Solingen, in dem ein kreatives Milieu

entstehen soll. Hierzu kann auf dort bereits vorhandene

Einrichtungen, darunter das Forum Produktdesign,

aufgebaut werden.

33 Broschüre Wettbewerbsbeitrag des Bergischen Instituts zur

Ziel2-Förderung NRW. Innointegral Bergisches Städtedreieck:

Netzwerk für integrale Produktentwicklung

32

Design4All, ein Konzept des Instituts für Arbeitsmedizin,

Sicherheitstechnik und Ergonomie e.V. [ASER],

steht für die Entwicklung eines ergonomischen

Mehrgenerationengütesiegels. Im Rahmen des Create.NRW-Wettbewerbs

wurde es am 24.09.2008

ausgezeichnet und zur Förderung empfohlen. Ziel

des Vorhabens Design4All ist es, Grundlagen für ein

Mehrgenerationengütesiegel für Verbraucherprodukte

und technische Arbeitsmittel zu schaffen, welche

sowohl privaten und gewerblichen Endverbrauchern

als auch Produktdesignern und Geräteentwicklern

helfen sollen, besonders gebrauchstaugliche Produkte

einfacher zu erkennen. In das Vorhaben sollen

über die kommenden drei Jahre Hersteller- und Handelsunternehmen,

Zertifizierungs- und Beratungsgesellschaften,

Wissenschafts- und Forschungseinrichtungen

sowie interessierte Bürgerinnen und Bürger

unterschiedlicher Altersgruppen aus der Region einbezogen

werden.

Ein weiterer Wettbewerbsbeitrag aus der Region ist

das regionale Innovationsprojekt Cut & Tools. Hauptinitiatoren

sind die Forschungsgemeinschaft Werkzeuge

und Werkstoffe [FGW] und die Wirtschaftsförderung

Solingen. Darüber hinaus sind u.a. die

Bergische Universität und zahlreiche Bergische Unternehmen

als Kooperationspartner beteiligt. Durch

das Projekt soll der Aufbau eines Netzwerks im Bereich

der Metallverarbeitung - genauer der Herstellung

von Messern und Werkzeugen - vorangetrieben

werden. Das Projekt setzt auf die drei Leitprojekte

„Forschungsoffensive Metall und intelligente Werkzeuge“,

„Bildungs- und Fachkräfteoffensive“ sowie

„Netzwerk- und Marketingoffensive“. Hierdurch sollen

die Forschungsaktivitäten deutlich gestärkt, dem


Wissensregion Göttingen

Abb. 7: www.regionalverband.de/veroeffentlichungen/Regionale_Entwicklungsstrategie.pdf

Fachkräftemangel begegnet und das Image als Region

für hochwertige Metallwaren gestärkt werden.

Im Rahmen der Forschungsoffensive sollen die Kompetenzen

der in der Region vertretenen Forschungsinstitute

gebündelt und deren Verknüpfung mit den

Unternehmen der Region verbessert werden.

Ein ebenfalls auf die Stärkung der regionalen Kompetenzen

in der Metallverarbeitung abzielendes

Zukunftsprojekt ist die angedachte Gründung des

„Innovationsparks Metall“ im Umfeld des Remscheider

Hauptbahnhofs. Die Idee beinhaltet die

Einrichtung eines Prüf- und Forschungszentrums,

eines Technologiezentrums mit Angeboten für technologieorientierte

Weiterbildung und Qualifizierung

sowie technologieorientierte Gründungen und Ansiedlungen

von Unternehmen. Die Entwicklung des

Innovationsparks soll in Zusammenarbeit mit berufsbildenden

Einrichtungen erfolgen und zu einem Ausbau

der Fort- und Weiterbildungskapazitäten in der

Region beitragen.

4.3.2 Andere Regionen

Initiativkreis Wissensregion Frankfurt/

Rhein-Main

Die Region Frankfurt/Rhein-Main ist ein gutes Beispiel

für eine umfassende, auf das Thema Wissen

ausgerichtete Strategie. Die Region ist zwar hinsichtlich

der Größe nicht mit dem Bergischen Städtedreieck

zu vergleichen, eine Übernahme von Ideen ist

aber durchaus vorstellbar.

Mitglieder des Initiativkreises sind der Planungsverband

Ballungsraum Frankfurt/Rhein-Main, das

IHK-Forum Rhein-Main, die Wirtschaftsinitiative

Rhein-Main, das Institut für Neue Medien sowie

Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Unternehmen

aus der Region. In einer gemeinsamen Erklärung

bekannten sich 340 Persönlichkeiten aus

Wirtschaft, Wissenschaft und Politik zur Wissensregion

Frankfurt/Rhein-Main. Die Wissensregion umfasst

18 Kreise und sieben kreisfreie Städte in den Bundesländern

Hessen, Bayern und Rheinland-Pfalz. Die

Bevölkerungszahl liegt zurzeit bei 5,5 Millionen.

Ziele der Initiative sind die Herausarbeitung eines international

sichtbaren Profils als Wissensregion, eine

stärkere Vernetzung und intensive Zusammenarbeit

der Akteure aus Wirtschaft und Wissenschaft sowie

die Verbesserung der Rahmenbedingungen für Forschungseinrichtungen

und Unternehmen. Darüber

hinaus soll die Attraktivität der Region für qualifizierte

Arbeitskräfte und Studierende gesteigert werden.

Das bislang wichtigste Produkt der Initiative ist der

erstmals 2006 erschiene Wissensatlas 34 für die Region.

Dieser enthält Informationen zu Hochschulen,

Forschungseinrichtungen, Gründerzentren, Technologieparks,

Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten,

Branchenschwerpunkten der regionalen Wirtschaft

und technischer Infrastruktur [z.B. Breitbandanschlüsse]

in der Region. Ortsansässige Unternehmen

sowie Forschungs- und Bildungseinrichtungen

34 http://www.wissensportal-frankfurtrheinmain.de/index.

cfm?siteid=7

33


erhalten einen Überblick über mögliche Kooperationspartner.

Ansiedlungsinteressierte Unternehmen

können sich beispielsweise über die Zahl der Schulabsolventen

mit Hochschulreife, der Studentenanzahl

einzelner Fachbereiche und die Ausstattung mit

Infrastruktur informieren.

Wissensregion Göttingen

Die im Süden Niedersachsens gelegene Region verfügt

mit der Georg-August-Universität Göttingen,

ähnlich dem Bergischen Städtedreieck, über eine

zentrale Bildungs- und Forschungseinrichtung, die

durch zahlreiche kleinere Institutionen ergänzt wird.

Darüber hinaus ist die Region auch im Bezug auf die

Bevölkerungszahl vergleichbar.

Das Projekt „Wissensregion Göttingen“ wurde von

der Wirtschaftsförderung Region Göttingen initiiert.

Zehn regionale Partner, darunter Universität, Fachhochschule

und mehrere Unternehmen, unterstützen

das Projekt finanziell bzw. mit ihren spezifischen

Kompetenzen. Ziel ist es, die regionale Wertschöpfung

über erfolgreiche Innovationen der Unternehmen

aus dem Landkreis Göttingen zu erhöhen.

Hierzu sollen die regionalen Akteure an den Schnittstellen

zwischen Wirtschaft und Wissenschaft besser

vernetzt werden. Es wurden Arbeitsgruppen mit den

Schwerpunkten Vernetzung, Gründung und Marketing

gebildet. Zu den Aktivitäten zählen u.a. die Erstellung

eines Hightech-Ausstattungskataloges der

regionalen Wirtschaft und Wissenschaft zur besseren

Vernetzung und die Teilnahme an technologieorientierten

Messen und Kongressen.

34

Die Wirtschaftsförderung ist in verschiedenen Feldern

tätig: Sie ist bemüht, den Zugang der Unternehmen

zum Know-how der regionalen Hochschul- und

Forschungseinrichtungen zu erleichtern, indem sie

die richtigen Ansprechpartner vermittelt. Als Vermittler

initiiert und begleitet sie gemeinsame F&E-Vorhaben

zwischen Unternehmen sowie Hochschul- und

Forschungseinrichtungen und berät über Finanzierungsmöglichkeiten

solcher Vorhaben. Darüber hinaus

werden technologieorientierte Unternehmensgründungen

aus dem Hochschulbereich unterstützt

und begleitet 35 .

Leuphana Universität Lüneburg

Die Leuphana Universität Lüneburg ist ein Vorzeigebeispiel

für eine konsequente Ausrichtung auf die

Anforderungen für die Praxis. Sie ist hervorgegangen

aus der Fusion der Universität Lüneburg und der

Fachhochschule Nordostniedersachsen im Jahr 2005.

In deren Folge wurde eine grundsätzliche Neuausrichtung

des Studien- und Universitätsmodells mit

starker Praxisorientierung eingeleitet: Das Leuphana

College bietet als Basiseinrichtung Bachelor-Studiengänge

an. Darauf aufbauend können Absolventen in

der Leuphana Graduate School ihre Studien in Master-

und Doktorandenprogrammen vertiefen.

Zum verbesserten Praxisbezug tragen fachübergreifende

Forschungszentren, Unternehmenskooperationen

und die Professional School für wei-

35 http://www.hwg-goettingen.de/Home_174.php und

http://wrg-goettingen.de/fileadmin/user_upload/Wissensregion_

Goettingen/k070402_Wissensregion_Flyer.pdf


terbildende Studiengänge bei. Diese richtet sich

an Berufstätige, die sich weiterqualifizieren wollen.

Die Leuphana Professional School steht im ständigen

Dialog mit Verantwortlichen aus Wirtschaft und

Gesellschaft, um den Anforderungen aus der Praxis

möglichst gut zu entsprechen. Aus diesem Grund

verbindet das Weiterbildungsmodell fachliche und

überfachliche Inhalte. So sollen den Studenten gezielt

Sozial-, Organisations- und Gesellschaftskompetenzen

vermittelt werden. Studiengangsübergreifende

Lerngruppen sollen einen Gedankenaustausch

zwischen den Studenten anregen, welche mit unterschiedlichstem

Fach- und Erfahrungshintergründen

ausgestattet sind. Zweites Aufgabenfeld der Professional

School ist der Wissenstransfer in die Privatwirtschaft.

Hierzu wurden eine Transferstelle und ein

Existenzgründungsservice eingerichtet 36 .

Mit dem Projekt Sich[t]wechsel[n] hat die Leuphana

Universität Lüneburg in den vergangenen Jahren

einen innovativen Weg beschritten, den Austausch

zwischen Wirtschaftsvertretern und Wissenschaftlern

zu verbessern. Im Rahmen dieses Projektes

wechselten Führungskräfte aus Wirtschaft, Politik

und Kultur sowie Professoren der Universität jeweils

für einen Tag ihre Arbeitsplätze. So übernahm der

Präsident der Universität für einen Tag die Aufgaben

des Hauptgeschäftsführers der IHK Lüneburg-Wolfsburg,

während dieser Termine an der Universität

wahrnahm. Mit dem Rollentausch wird ein Signal

für die Annäherung von Wissenschaft und Praxis

36 www.leuphana.de

gesetzt. Der mit dem Tausch einhergehende Perspektivenwechsel

soll zum gegenseitigen Verständnis

beitragen und damit eine wichtige Grundlage für die

weitere Zusammenarbeit legen 37 .

Referat Hochschule und Forschung der Stadt

Dortmund

In Dortmund wurde ein eigenständiges Forschungsreferat

beim Oberbürgermeister der Stadt eingerichtet.

Dieses hat zur Aufgabe, Kooperationen zwischen Hochschulen

und Instituten anzuregen und zu begleiten, überregionale

Zusammenarbeit im Bereich Wissenschaft zu

organisieren und Marketing für den Wissenschaftsstandort

Dortmund zu betreiben. Mit der Initiative „Leitbild

Innovationskultur“ soll der Wissenstransfer zwischen

Wissenschaft und Wirtschaft verbessert werden. Zu den

Projektpartnern gehören neben den Hochschuleinrichtungen

der Stadt auch Unternehmerverbände und die

Wirtschaftsförderung. Arbeitsgruppen zu verschiedenen

Themenbereichen, z.B. Kommunikation, Personentransfer,

Förderprojekte, sollen der Beseitigung von Hemmnissen

dienen. Weitere Gremien dienen der Verbesserung

des Austauschs zwischen den Partnern. Zu den

aus der Initiative hervorgegangenen Projekten gehört

der Aufbau einer Datenbank innovativer Unternehmen

und transferinteressierter Forscher , Austausch von Personen

aus Wissenschaft und Forschung in den jeweils

anderen Bereich und die Zusammenarbeit bei der Weiterbildung

38 .

37 Remdisch, Sabine; Franke, Loni 2005: Sichtwechseln. Synergien

und Chancen zwischen Wissenschaft und Wirtschaft entdecken.

Lüneburg: Nordlanddruck

38 Vortrag Heikenfeld; Jantz: Kooperation Wissenschaft – Hochschulen.

Stadt Dortmund

35


36

Impressum

Bearbeitung:

Bergische Entwicklungsagentur GmbH

Stadt- und Regionalentwicklung

Kölner Straße 8

42651 Solingen

Cand.-Ing. Verena Kreuter

Cand.-Arch. Matthias Kübel

Cand.-Ing. Marco Scheil

Cand.-Ing. Arne Schwöbel

Dipl.-Ing. Sven Macdonald

Dipl.-Ökonomin Asal Tayouri

Dipl.-Ing. Bauassessor Carsten Zimmermann

Projektleitung:

Carsten Zimmermann

Tel. +49 [0] 212 881606 68

Fax +49 [0] 212 881606 66

zimmermann@bergische-agentur.de

www.bergische-agentur.de

Gestaltung und Layout:

Carsten Zimmermann

Fotos:

Günter Lintl

Städte Remscheid, Solingen, Wuppertal

© www.photocase.com

Akteure der Region

Solingen, im August 2009

Die Bergische Entwicklungsagentur GmbH ist ein Gemeinschaftsunternehmen

der Städte Wuppertal, Solingen,

Remscheid, der bergischen Stadtsparkassen,

der IHK und der Wirtschaftsförderung Wuppertal. Die

Bergische Entwicklungsagentur bündelt und koordiniert

Entwicklungsaufgaben und Strukturprojekte von

regionaler Bedeutung.

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