Voith Paper Technology Center - Schwäbische Post

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Voith Paper Technology Center - Schwäbische Post

PAPER TECHNOLOGY CENTER

IM INTERVIEW: DR. HERMUT KORMANN, VORSITZENDER DES VORSTANDS DER VOITH AG

Das PTC – ein Quantensprung

Voith hat in seiner langen und erfolgreichen Unternehmensgeschichte immer wieder Technikgeschichte geschrieben. Die Kraft zur Innovation

zieht Voith aus den festen Wurzeln und der Philosophie eines Familienunternehmens. „Wir freuen uns auf die Einweihung des Paper Technology

Centers, mit dem Voith seinen Beitrag zur Stärkung des Forschungsstandortes Deutschland leistet“, sagt Dr. Hermut Kormann. Mit dem Vorsitzenden

des Vorstands der Voith AG führte Winfried Hofele das nachfolgende Interview.

Herr Dr. Kormann, im Oktober

2004 erfolgte die Grundsteinlegung

für das Paper

Technology Center (PTC)

am Voith-Stammsitz in Heidenheim,

19 Monate später

wird nun das PTC offiziell

eingeweiht. Welche Bedeutung

hat dieser Tag für Voith?

Dr. Kormann: Zunächst einmal

danke ich allen, die an der Konzipierung

und der Realisierung

des Paper Technology Centers

mitgearbeitet haben. Wir haben

alle bei Voith diesem 11. Mai

2006 förmlich entgegengefiebert.

Der 11. Mai ist ein großer

Tag für Voith und ein großer

Tag für die Papierindustrie. Alle

Voithianer sind stolz auf das Paper

Technology Center, weil es

so etwas auf der ganzen Welt

nur im Paper Valley hier in Ostwürttemberg

gibt. Das Paper

Technology Center ist für Voith

und für alle Kunden, die diese

Forschungseinrichtung nutzen

werden, so hat es unser PTC-

Chef Ulrich Begemann richtig

ausgedrückt, ein Quantensprung.

In Heidenheim wurde lange

gezittert, ob Voith hier das

PTC überhaupt baut. Gab es

ernsthaft andere Standortalternativen?

Dr. Kormann: Sehen Sie, Voith

ist ein internationaler Konzern.

Von 189 selbstständigen Gesellschaften

im Konsolidierungskreis

sind am Standort Heidenheim

zwölf tätig. Von daher ist

es doch nur selbstverständlich,

wenn wir uns Gedanken über

mögliche Alternativen machen.

Wir haben, wie es bei Voith immer

Übung ist, die Entscheidung

nach Abwägung aller Argumente

getroffen. Wir haben

nichts überstürzt. Beim Paper

Technology Center handelt es

sich ja bei einem Volumen von

75 Millionen Euro um die größte

Einzelinvestition, die Voith

jemals stemmte. Nun haben die

Beschäftigten der Heidenheimer

Gesellschaften wesentlich

dazu beigetragen, dass wir sagen

konnten: Heidenheim ist der

beste Standort für das PTC. Ich

bin sehr froh darüber, dass wir

dieses Projekt hier so schnell

realisieren konnten.

Die Stadt Heidenheim und

die ganze Region freuen sich

über die Entscheidung. Das

Paper Technology Center in

Heidenheim wird als Aufbruchsignal

gesehen, als ein

beispielhaftes Bekenntnis

zum Standort Deutschland.

Dr. Kormann: Das freut uns

natürlich. Und das haben wir

auch beabsichtigt. Man spürt

diese Aufbruchstimmung auch

bei unseren Mitarbeitern. Voith

möchte seinen Beitrag zur Stärkung

des Forschungsstandorts

Deutschland leisten. Denn Erfindergeist,

Innovationskraft,

unternehmerischer Mut und

Weitsicht haben aus der kleinen

Schlosserwerkstatt, die unser

Firmengründer Johann Matthäus

Voith 1825 von seinem

Vater übernahm, eines der

großen Familienunternehmen

Europas mit einem Jahresumsatz

von über 3,5 Milliarden Euro

und mehr als 30.000 Mitarbeitern

gemacht.

Stichwort Familienunternehmen.

Voith ist bei seiner

Größe bedeutender als mancher

Dax-Konzern. Bietet

sich da beim Blick auf solche

Investitionen wie die des Paper

Technology Centers nicht

der Gang zur Börse an?

Dr. Kormann: Das ist für uns

kein Thema. In fast 140 Jahren

ist bei Voith noch nie eine Idee,

an die wir geglaubt haben, am

Geld gescheitert. Und an den

Erfolg des Paper Technology

Centers, da glauben wir ganz

fest. Aber der feste Glaube allein

reicht nicht. Die Erhaltung der

Unabhängigkeit der Voith AG

als Familienunternehmen steht

auf einer festen Grundlage: Wir

haben unsere Vorstellungen von

einer „rezessionsfesten“ Struktur

des Unternehmens mit unserer

Innovationskraft und unserer

breiten Präsenz in technisch

und regional diversifizierten

Märkten bereits weitgehend

verwirklicht – was zu einer stabilen

Umsatz-, einer guten Ertrags-

und Cashflow-Entwicklung

beiträgt.

Der Slogan von Voith lautet

Voith – Engineered reliability“.

Wie lässt sich dieses auf

das Paper Technology Center

übertragen?

Dr. Kormann: Die Märkte von

Voith, Papier, Energie, Mobilität

und Service, sind Märkte

der Zukunft. Die weltweite

Nachfrage in diesen Bereichen

wird in den nächsten Jahren stetig

weiter wachsen. Als innovatives

Unternehmen werden wir

die Entwicklung dieser Zukunftsmärkte

maßgeblich mitbestimmen.

Und zwar mit der

Leidenschaft, die Dinge zu verändern.

Die Zukunft zu gestalten,

fasziniert die Menschen bei

Voith seit Generationen. Mit

unseren Anlagen, Komponenten

und Dienstleistungen leisten

wir einen wesentlichen Beitrag

zum Erfolg unserer Kunden und

sichern damit den langfristigen

Erfolg von Voith. Die Zukunft

des Marktes Papier liegt im Paper

Valley. Hier werden wir die

Papiermaschine von morgen

entwickeln. Ganz im Sinne von

Voith – Engineered reliability.“

Sie betonen immer wieder die

Langfristigkeit. Gilt dies auch

für Kundenbeziehungen?

Dr. Kormann: Es ist keine

Floskel, sondern für unser eigenes

Wachstum ein Muss: Die

Bedürfnisse unserer Kunden

stehen im Mittelpunkt unseres

Handelns. Unsere weltweite

Präsenz und unsere Nähe zum

Kunden sind Grundlagen für eine

vertrauensvolle Zusammenarbeit.

Über Generationen hinweg

wollen wir und sind wir unseren

Kunden ein zuverlässiger

Partner. Grundlage unserer Geschäftsbeziehungen

ist Vertrau-

Dr. Hermut Kormann, Vorsitzender des Vorstands der Voith AG.

en. Dieses Vertrauen wollen wir

bei jedem Auftrag neu rechtfertigen.

Der Lohn für uns: dynamisches

Wachstum und stabile

Erträge.

Gibt’s auch im Paper Technology

Center Partnerschaften?

Dr. Kormann: Andere Kollegen-Firmen,

die mit uns der Papierindustrie

dienen, leisten wesentliche

Beiträge zur Ausrüstung

dieses Paper Technology

Centers. Ich will vor allem die

Beiträge von BASF, Omya und

Siemens hervorheben. BASF

liefert die Chemikalien für die

Herstellung und Veredelung

von Papier und Karton, Omya

die Füllstoffe, Pigmente sowie

chemische Additive für das Füllen

und Streichen von Papier,

Siemens stellte die Antriebe für

unsere Anlage.

Wie viele Mitarbeiter werden

im Paper Technology Center

beschäftigt sein?

Dr. Kormann: 140.

Wie wird die weitere Entwicklung

der Arbeitsplatzsituation

im Paper Technology

Center und in Heidenheim

sein?

Dr. Kormann: Im letzten Jahrzehnt

sind die Arbeitsplätze in

den Entwicklungsbereichen in

allen Geschäften in Heidenheim

beträchtlich gewachsen. Ich gehe

davon aus, dass dies auch in

Zukunft so bleiben wird.

Hat Voith Probleme, ausreichend

qualifizierte Mitarbeiter

zu bekommen?

Dr. Kormann: Hochqualifizierte

Ingenieure finden bei Voith

immer spannende Aufgaben.

Voith ist ein attraktiver Arbeitgeber.

Dies wurde kürzlich in einer

Untersuchung des renommiertenBeratungsunternehmens

Hewitt bestätigt. In dieser

Untersuchung wurde nach den

attraktivsten Arbeitgebern für

Führungskräfte in Europa gefragt.

Neben BMW, Lufthansa

und Degussa konnte sich Voith

unter den 10 Besten in ganz Europa

platzieren. Das Voith-Leadership-Konzept,

das weltweit

in unserem Konzern verfolgt

wird, ist ein Element für diese

hervorragende Platzierung. Das

Ergebnis ist, dass in der oberen

Führungsebene des Konzerns

praktisch alle frei werdenden

Stellen mit internen Kandidaten

besetzt werden können. Zur Gewinnung

qualifizierter Mitarbeiter

arbeitet Voith in ganz Europa,

den USA und Kanada mit

renommierten Hochschulen zusammen.

Und das Voith Projektmanagement

Institut ermöglicht

eine maßgeschneiderte

Fortbildung für Projektmanager

3

bei Voith und liefert gleichzeitig

einen Qualitätsnachweis für die

Kunden. Voith war außerdem

im Jahr 2005 maßgeblich an der

Gründung der internationalen

Schule in Ulm beteiligt. Diese

Einrichtung erleichtert den

Mitarbeiteraustausch zwischen

den Voith-Unternehmen außerhalb

Deutschlands und dem

Standort Heidenheim und fördert

die Rekrutierung internationaler

Fach- und Führungskräfte.

Auch bei der Ausbildung geht

Voith besondere Wege.

Dr. Kormann: Hanns Voith,

der die Geschicke unseres Unternehmens

in den Jahren nach

dem Zweiten Weltkrieg leitete,

konstatierte schon in den 50er-

Jahren eine Bildungslücke bei

den Schulabgängern, die zu

Voith kamen. Deshalb realisierte

er ein spezifisches Bildungskonzept,

nach dem Kunstunterricht

und Kulturprojekte zum

Bestandteil der Ausbildung bei

Voith gehören.

Voith unterstützt die „Wissensfabrik

Deutschland“ und

hat sich der Initiative

„Deutschland – Land der

Ideen“ angeschlossen. Welche

Überlegung steckt dahinter?

Dr. Kormann: Aufgrund der

überragenden Bedeutung der

Innovationsfähigkeit für Voith

und für Deutschland unterstützt

Voith die Wissensfabrik. Ziel

dieses Zusammenschlusses von

über 30 Unternehmen ist es, mit

Initiativen an Kindergärten und

Schulen sowie mit Programmen

für Existenzgründer Bildung,

Erfindergeist und Unternehmertum

in Deutschland nachhaltig

zu stärken und Technikbegeisterung

bereits bei Jugendlichen

zu wecken. Die Initiative

„Deutschland – Land der Ideen“

macht im Jahr der Fußball-

Weltmeisterschaft 2006 weltweit

Werbung für die Ideenschmiede

Deutschland. Voith als

Weltunternehmen braucht ein

offenes, modernes Bild über

Deutschland in der Welt und

unterstützt deshalb diese Initiative,

weil der Imagegewinn unseres

Landes in jedem Fall auch

Voith zu Gute kommt.

Herr Dr. Kormann, herzlichen

Dank für das Gespräch.

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