Voith Paper Technology Center - Schwäbische Post

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Voith Paper Technology Center - Schwäbische Post

PAPER TECHNOLOGY CENTER

DIE STANDORTFRAGE DES PAPER TECHNOLOGY CENTERS WURDE AM ANFANG HEFTIG DISKUTIERT:

Der Weg ins Paper Valley

Im Frühjahr 2003 fiel bei

Voith die Entscheidung für

die größte Forschungsinvestition

der Firmengeschichte –

das Paper Technology Center.

Bis zu 50 Millionen Euro waren

seinerzeit im Gespräch, mittlerweile

sind die Investitionen auf

gut 75 Millionen Euro gestiegen.

Dass das PTC am Voith-

Stammsitz Heidenheim und

dort auf dem Werksgelände entstanden

ist, war jedoch keineswegs

selbstverständlich. Zwar ist

die Forschung für grafische Papiere

seit jeher an der Brenz ansässig,

doch die Forschung für

Kartonagen und Verpackungen

befindet sich im österreichischen

St. Pölten – und auch die

Heidenheimer Partnerstadt hatte

großes Interesse an der Weltneuheit.

Fast noch stärker

machten Standorte in den neuen

Bundesländern von sich reden:

Im Großraum Dresden versprach

man Voith Subventionen

in zweistelliger Millionenhöhe,

auch die Europäische Union

hätte die Ansiedlung dort weit

massiver unterstützt als in Baden-Württemberg.

Im Spätherbst 2003 wurde die

Standortfrage mit einer Debatte

über die Stärkung des Standortes

Heidenheim verbunden. An

NICHT VON PAPPE:

Geschichte

des Papiers

Die Kunst des Papiermachens

wurde vor rund

2000 Jahren in China

erfunden: Aus dem Jahr 105

nach Christus ist die erste „Anleitung“

zum Papiermachen

überliefert. Von China aus gelangte

das Papier dann über den

Mittleren und Nahen Osten bis

nach Europa – ab 1140 wurde in

Spanien Papier gemacht, 1390

nahm die erste Papiermühle

Deutschlands in Nürnberg die

Arbeit auf.

Bis in die Neuzeit wurde Papier

vor allem aus alten Textilien hergestellt:

Zerstampfte „Haderlumpen“

wurden mit Sieben aus

Bütten geschöpft.

Mit der Erfindung des Buchdrucks

stieg auch der Bedarf an

Papier extrem an: Ab 1680 wurden

erstmals Maschinen zur

Aufbereitung der Textilfasern

eingesetzt, 1799 begann mit

dem mechanischen Sieb der

Weg zur Papiermaschine.

Im 19. Jahrhundert wurde klar,

dass der explodierende Papierbedarf

nicht mehr mit einer

Herstellung aus Textilfasern zu

decken war. Angesichts dieser

Krise entwickelte der sächsische

Weber Friedrich Gottlob Keller

die Idee, es wie die Wespen zu

machen und aus feinem Holzbrei

Papier herzustellen. Keller

verkaufte sein Verfahren des

Holzschliffs an den Heidenheimer

Papiermacher Heinrich

Voelter, der das Verfahren mit

Johann Matthäus Voith zur

Vollendung brachte.

Der Papierbedarf stieg ständig

weiter, Papier wurde zum Gegenstand

es Alltags, vom Toilettenpapier

(ab 1871, USA) bis zur

Milchtüte (1906, USA). Heute

verbrauchen wir pro Kopf und

Jahr durchschnittlich über 330

Kilogramm Papier und Karton,

die Branche kennt über 5000

Papiersorten als Basis für hunderttausende

Papierprodukte.

Papier zählt dabei neben Metallen

zu den am meisten wiederverwerteten

Rohstoffen: Die

Rücklaufquote liegt bei rund 75

Prozent – drei von vier Blättern

Papier kommen bildlich gesprochen

ins Altpapier und werden

wieder zur Papierherstellung

verwendet. Altpapier stellt bis zu

zwei Drittel des Rohstoffs in den

modernen Papierfabriken, viele

Schreib- und Zeitungspapiere

sind seit Jahren zu 100 Prozent

aus Altpapier. In den Papierfabriken

wird heute für ein Blatt

Papier nur noch 33 Prozent der

Energie benötigt, die 1955 verbraucht

wurde.

Bis in die Neuzeit wurde Papier aus „Haderlumpen“

hergestellt, die mit Sieben aus Bütten geschöpft wurden.

dessen Ende stand ein Kompromiss

zwischen den Beteiligten:

Die Voith-Belegschaft verzichtete

auf freiwillige Zulagen in

Millionenhöhe und sicherte

noch mehr Flexibilität bei der

Arbeitszeit zu, im Gegenzug sicherte

der Konzern die Arbeits-

plätze – und gab seine Zusage,

das PTC in oder um Heidenheim

zu bauen. Der Grundsatzentscheidung

folgten noch

Monate der genauen Standortsuche:

Gut möglich wäre gewesen,

dass Voith das PTC vor den

Toren Heidenheims gebaut hät-

te: Wasser und Abwasser galten

als ebenso wichtig wie Energie,

hinter den Kulissen rechneten

sich die Experten über Bau- und

Folgekosten die Köpfe heiß.

Im April 2004 fiel dann die letzte

Entscheidung: Voith gab bekannt,

das PTC auf dem Werks-

9

gelände zu errichten – unmittelbar

neben dem dortigen Blockheizkraftwerk.

Im Süden des

Voith-Areals wurde dann im

Oktober 2004 der Grundstein

für das PTC gelegt – und damit

der Grundstein für das „Paper

Valley“.

Das ging ruck-zuck: Erde ausgehoben, Rohbau hingestellt – fertig.

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