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Bericht über die Feuerbrandsituation im Jahr 2011 in D, A, CH - AGES

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Bericht über die

Feuerbrandsituation im Jahr 2011

Strategie zur Bekämpfung des Feuerbranderregers ohne Antibiotika

www.bmelv.de


Inhalt Seite

Vorwort ..................................................................................................................................... 3

Teil A: Bundesrepublik Deutschland..................................................................................... 4

1. Infektionsbedingungen und Auftreten von Feuerbrand ......................................... 4

2. Maßnahmen zur Umsetzung der Strategie............................................................. 10

2.1 Beratungs- und Informationsangebot, Bekämpfung............................................. 10

2.1.1 Sortenprüfungen ....................................................................................................... 11

2.1.2 Internet-Angebot und Pflanzhilfen für den Garten- und Landschaftsbau ......... 11

2.2 Forschung ................................................................................................................. 12

2.2.1 Bekämpfung............................................................................................................... 13

2.2.2 Züchtung.................................................................................................................... 16

3. Situation des Pflanzenschutzmittelwirkstoffs Streptomycin auf EU-Ebene ....... 17

4. Streptomycin.............................................................................................................. 18

4.1 Anwendung................................................................................................................ 18

4.2 Informationen der Imker ......................................................................................... 24

4.3 Untersuchungen von Honig auf Streptomycinrückstände.................................... 26

4.4 Untersuchungen von Äpfeln auf Streptomycinrückstände.................................. 28

4.5 Überwachung nicht genehmigter Anwendung streptomycinhaltiger Mittel...... 29

4.6 Überwachung von Streptomycinresistenz des Feuerbranderregers .................... 31

5. Schlussfolgerungen.................................................................................................... 32

6. Zusammenfassung..................................................................................................... 35

Teil B: Berichte aus Österreich und der Schweiz............................................................... 36


Vorwort

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Feuerbrand ist eine Bakterienkrankheit, die besonders im Kernobstbau zu großen Ausfällen

führen kann. Seit Beginn der 90er Jahre hat sich diese Krankheit im süddeutschen und mittel-

deutschen Raum etabliert und so stark ausgebreitet, dass durch den Aufwand für Schnittmaß-

nahmen und erforderliche Rodungen ganzer Obstanlagen die Existenz von Erwerbsobstbe-

trieben trotz des großen Erfolges der bisherigen Strategien zur Bekämpfung des Feuerbrand-

erregers weiterhin bedroht ist. Auch der landschaftsprägende Streuobstbau ist durch die

Krankheit unverändert bedroht. Die langjährigen Erfahrungen im Umgang und mit der Be-

kämpfung der gefährlichen Bakteriose haben gezeigt, dass das Ausmaß der jährlichen Befalls-

situation ganz erheblich von den Witterungsbedingungen während der Obstblüte beeinflusst

wird. Der Feuerbrand stellt ein grenzüberschreitendes Problem dar und gefährdet in den

benachbarten Ländern Österreich und der Schweiz den Obstbau in vergleichbarer Weise. In

2011 war erstmals auch das geschlossene Obstanbaugebiet in Südtirol erheblich vom Feuer-

brand betroffen.

Trotz umfangreicher nationaler und internationaler Forschungsaktivitäten gelang es bislang

nicht, durchgreifende Bekämpfungsverfahren für diese Pflanzenkrankheit zu entwickeln, die

ohne antibiotikahaltige Pflanzenschutzmittel auskommen. Dennoch ist es nach wie vor Ziel

der Pflanzenschutzpolitik in Deutschland, die Anwendung antibiotikahaltiger Pflanzenschutz-

mittel möglichst bald einzustellen und übergangsweise nur dann Ausnahmen zu genehmigen,

wenn Gefahr im Verzuge nachgewiesen ist.

In einem breit angelegten Diskussionsprozess wurde 2003 eine erste auf fünf Jahre ausgelegte

Strategie zur Bekämpfung des Feuerbranderregers im Obstbau ohne Antibiotika von mit

Pflanzenschutzfragen befassten Bundes- und Länderbehörden und Vertretern des konventio-

nellen und ökologischen Obstbaus, des Verbraucherschutzes, der Imkerei sowie des Umwelt-

und Naturschutzes im Konsens entwickelt. Die Strategie wurde durch jährliche Berichte über

die Feuerbrandsituation und die im Rahmen der Strategie ergriffenen Maßnahmen zur Feuer-

brandbekämpfung begleitet. Besonders die starken Befallsjahre 2007 und 2008 machten deut-

lich, dass die Krankheit unverändert eine Bedrohung für den Obstbau darstellt und mit hohen

finanziellen Verlusten für die betroffenen Erwerbsobstbetriebe verbunden ist.

Aufgrund von vereinzelten Nachweisen von Rückständen von Streptomycin im Erntegut im

Jahr 2008 wurden Eckpunkte mit weiteren Einschränkungen der Anwendung von strepto-

mycinhaltigen Pflanzenschutzmitteln getroffen. Die betroffenen Verbände und Behörden des

Bundes und der Länder einigten sich auf zehn Eckpunkte als Grundlage für eine Entscheidung

des BVL über die Genehmigung des Inverkehrbringens und der Anwendung von streptomy-

cinhaltigen Pflanzenschutzmitteln in den Folgejahren dienen sollten (s. Jahresbericht 2008).


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In den Proben des Vorernte-Monitorings der Folgejahre wurden keine weiteren Rückstände

über dem Vorsorgewert von 0,01 mg/kg nachgewiesen.

Dies ist der vierte Jahresbericht auf Grundlage der Strategie zur Bekämpfung des Feuerbrand-

erregers im Obstbau ohne Antibiotika vom 19.02.2008. Die umfangreichen Einzelberichte der

Bundes- und Länderbehörden und des Bundesausschusses Obst und Gemüse, Fachgruppe

Obstbau, werden wie in den Vorjahren durch Mitteilungen aus Österreich und aus der

Schweiz ergänzt.

Auf Basis der eingegangenen Einzelberichte und mit Bezug auf die Strategie hat das

Julius Kühn-Institut den vorliegenden Berichtsentwurf verfasst.

Teil A: Bundesrepublik Deutschland

1. Infektionsbedingungen und Auftreten von Feuerbrand

Nach anfänglich warmen Temperaturen kam es in diesem Frühjahr zu einem Temperaturein-

bruch mit Spätfrösten. Je nach Blühzeitpunkt der Anlagen lagen dadurch in den lokalen

Befallsgebieten stark unterschiedliche Infektionsbedingungen vor. Wo durch hohe Infektions-

gefahr zur Hauptblüte ein Streptomycin-Einsatz nötig war, konnte die durchschnittliche

Behandlungszahl auf eine Anwendung beschränkt werden. Durch den schwächeren Befall in

den Vorjahren war der Infektionsdruck in 2011 vergleichsweise niedrig.

Nachfolgend werden die Berichte der Länder in zusammengefasster Form wiedergegeben.

Soweit die Länder Angaben vorgenommen haben, werden in Tabelle 1 die ersten Tage mit

Infektionsgefahr, der erste beobachtete Befall sowie die zur Beurteilung der Infektionsgefahr

eingesetzten Feuerbrand-Prognosemodelle dargestellt.

In nahezu allen Bundesländern wurde in diesem Jahr das vom Landwirtschaftlichen Techno-

logiezentrum Karlsruhe/Augustenberg, Außenstelle Stuttgart, (LTZ-S) durch Forschungs-

mittel des Bundes unterstützt neu entwickelte LTZ-Prognoseprogramm eingesetzt. Das neue

Programm wurde mittels Auswertungen historischer Befallsereignisse in Baden-Württemberg

und der Schweiz, Freilandbeobachtungen an Befallsstandorten und Laborversuchen an Blüten

erstellt. Es basiert in den Grundzügen auf dem Modell Maryblyt und enthält die folgende

Neuerungen:

1. Der bisher nicht berücksichtigte Infektionsdruck wird abgeschätzt und in drei Stufen ein-

geteilt. Die Abschätzung erfolgt anhand der Befallsgeschichte der Anlage, d. h. je länger der

letzte Befall zurückliegt und je gründlicher saniert wurde, desto schwächer ist der Infektions-

druck. Infizierte Birnenbäume erhöhen im Umfeld den Infektionsdruck. Eine zuverlässige

Aussage zum Infektionsdruck in einer einzelnen Anlage geben Untersuchungen von Blüten-


proben auf epiphytische Besiedlung mit Erwinia amylovora zum Infektionstermin mittels

nested oder Real-Time PCR. Statt der Beprobung einzelner Anlagen kann auch durch die

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Untersuchung von repräsentativen Blütenproben der aktuelle Infektionsdruck in einer Region

eingeschätzt werden.

2. Die abgeschätzte Höhe des Infektionsdrucks wird dazu verwendet, die bisherige starre

Auslöseschwelle für Infektionen in Abhängigkeit vom Infektionsdruck zu variieren. Ein hoher

Infektionsdruck erfordert eine geringe Temperatursumme über 18,3°C, ein niedriger Infekti-

onsdruck dagegen eine hohe Temperatursumme. Zudem wird im neuen Programm die Tem-

peratursumme während der Blütenlebensdauer mit gemessenen statt mittels einer Sinuskurve

simulierten Stundenwerten berechnet. Bei der Bewarnung wird zunächst hoher Infektions-

druck (worst case) angenommen. Streptomycinhaltige Präparate werden aus Haftungsgründen

dann freigegeben, wenn die niedrige Schwelle (70) erreicht ist. In der nachfolgenden Emp-

fehlung wird der Obstbauer aufgefordert, selbst den Infektionsdruck anhand der Befallsge-

schichte zu beurteilen und nach eigener Risikobereitschaft zu entscheiden. Die Empfehlungen

lauten entsprechend:

- Die Schwelle wird knapp überschritten (70 – 110), nur in Anlagen mit Feuerbrandbefall

im Vorjahr bzw. im Umfeld sind Behandlungen erforderlich.

- Die Schwelle wird deutlich überschritten (110 – 200), in Gebieten mit Feuerbrand in den

letzten Jahren sind Behandlungen erforderlich.

- Die Schwelle wird so stark überschritten (> 200), dass mit einem erneuten Befallsausbruch

auch in jahrelang befallsfreien Gebieten gerechnet werden muss.

3. Im neuen Modell wird die für Infektionen erforderliche Taunässe nicht mehr mittels Blatt-

nässesensoren direkt gemessen, sondern aus Temperatur und Luftfeuchte errechnet.

Das neue Programm wurde von der Geschäftsstelle des Informationssystems Integrierte

Pflanzenproduktion (ISIP e.V.) umgesetzt. Die bisherige Tabellenform wurde in der Ausgabe

durch leicht verständliche Symbole und Grafiken ergänzt. Über die Internetplattform

www.isip.de steht es dem amtlichen Dienst online zur Verfügung.

Alle Befallsereignisse der Vergangenheit waren mit dem verbesserten Programm erklärbar,

ohne dass mehr Infektionsrisiken als bisher angegeben wurden. Die Feuerbrandprognose kann

damit treffsicherer erfolgen und die Zahl der Behandlungen mit dem Antibiotikum Strepto-

mycin reduziert werden.

In Baden-Württemberg begann die Birnenblüte in 2011 bereits Anfang April. Aufgrund

rascher Erwärmung wurden streptomycinhaltige Mittel am 7. April für Baden, am 8. April für

den Regierungsbezirk Stuttgart und am 10. April für das Bodenseegebiet freigegeben. Es

wurde empfohlen, nur Birnenbestände mit Vorjahresbefall zu behandeln, da die für Infektio-


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nen erforderliche Temperatursumme nur knapp erreicht wurde. Die Apfelblüte begann kurz

nach der Birnenblüte in der ersten Aprildekade. Behandlungen mit streptomycinhaltigen Mit-

teln wurden für Gründonnerstag, den 21. April bzw. Karsamstag, den 23. April landesweit

empfohlen. In Baden war die Apfelblüte zu diesem Zeitpunkt schon abgehend, im Regie-

rungsbezirk Stuttgart und am Bodensee jedoch herrschte noch Vollblüte. Die zweite Wärme-

periode um den 08. Mai erforderte am Bodensee eine weitere Behandlung von spätblühenden

Anlagen und Junganlagen.

Um für die Prognose über die Witterungsbedingungen hinaus Informationen zum Infektions-

druck zu erhalten, wurden im Rahmen eines landesweiten Blütenmonitorings von den Bera-

tern an alten Befallsstandorten insgesamt 33 Blütenproben während der Infektionstage gezo-

gen und mittels nested PCR am LTZ-S zeitnah untersucht. In 2 von 13 Birnenproben wurden

Feuerbrandbakterien gefunden, die 20 Apfelproben fielen alle negativ aus. Die positiven

Birnenproben stammten von Birnenbäumen mit Vorjahresbefall, bei denen die Feuerbrand-

bakterien die Blüten unabhängig von der Witterung frühzeitig besiedeln konnten. Da auf den

Apfelblüten keine Feuerbrandbakterien gefunden wurden, wurde der aktuelle Infektionsdruck

als schwach eingeschätzt.

In der Bodenseeregion wurde ein intensives Blütenmonitoring durch die Fa. Bioprotect

durchgeführt, das von zwei Marktorganisationen und dem LTZ finanziert wurde. Es wurden

länderübergreifend (Schweiz, Österreich) von 112 Standorten insgesamt 345 Blütenproben

mittels Real-Time PCR auf Besiedlung mit Feuerbrandbakterien untersucht. Aus der gemes-

senen Erregerzahl in den Blüten ergab sich mit wenigen Einschränkungen eine gute Vorher-

sage des Feuerbrandbefalls. In den vier Anlagen in der Schweiz und Österreich, in denen Pro-

ben mit mehr als 5.000 Feuerbrandbakterien pro Blüte gefunden wurden, trat starker Feuer-

brandbefall auf. An vier Standorten trat sporadischer bis geringer Befall auf, obwohl in den

Blüten keine Erreger nachgewiesen wurden. Positive Proben mit Zellzahlen unter 5.000 Bak-

terien/Blüte führten in vielen Anlagen nicht zu Feuerbrandsymptomen. In 73 % der Anlagen,

in denen nach positivem Erregernachweis keine Symptome auftraten, wurden Behandlungen

mit Streptomycin oder Blossom Protect durchgeführt. Von den Anlagen, in denen kein positi-

ver Erregernachweis vorlag, wurden nur 55 % behandelt. Der Erregernachweis führte also zu

mehr Behandlungen. Inwieweit eine „Schadensschwelle“ von 5000 Erregern/Blüte definiert

werden kann, die die Anzahl der Behandlungen in 2011 deutlich reduziert hätte, muss noch

diskutiert werden.

Symptome neuer Blüteninfektionen wurden in 2011 an Kernobst nur in Einzelfällen an

Standorten mit Befallsdruck aus Vorjahren oder in unbehandelten Anlagen beobachtet. An

Birnen mit Befall von den Vorjahren trat wieder aktiv werdender Altbefall auf. Die Ursache

für das Ausbleiben von massiven Neuinfektionen dürfte an dem geringen Infektionsdruck

nach den schwachen Feuerbrandjahren 2009 und 2010 gelegen haben. Die für Blüteninfektio-


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nen erforderliche Temperatursumme während der Blüte wurde zwar deutlich überschritten,

erreichte aber nicht die Höhe des Jahres 2007 und dauerte nicht so lange an.

Im Rahmen der Befallskontrollen wurden 63 Verdachtsproben (Stand: 28. September) aus

Erwerbsanlagen, dem Streuobstbau und dem Öffentlichen Grün an das LTZ eingesandt und

auf Feuerbrandbefall im Labor untersucht. Diese geringe Zahl an Verdachtsproben spiegelt

den schwachen Befall wider. 40 % der Proben waren positiv. Den höchsten Anteil positiver

Proben nahm der Apfel (44 %) ein, gefolgt vom der Birne (36 %), der Quitte (12 %), dem

Cotoneaster (4 %) und dem Weißdorn (4 %).

Auch in Bayern trat 2011 Feuerbrand auf. Das Befallsausmaß war jedoch gering. Im früher

oft sehr stark befallenen Alpenvorland war Feuerbrand im Streuobstanbau in diesem Jahr

nicht von Bedeutung, es wurden so gut wie keine Neuinfektionen gemeldet. Auch im

Erwerbsobstbaugebiet Lindau trat kein Neubefall auf. Blüteninfektionen wurden nicht beo-

bachtet. Dies führte zu einer deutlichen Entspannung der Situation. Lediglich altbefallene Bir-

nenanlagen, vorwiegend der Sorten ‘Concorde‘ und ‘Conference‘, zeigten, falls in den letzten

Jahren nicht ausreichend saniert wurde, geringen Befall. Es wurden drei Warndienstaufrufe

ausgegeben (11. April: Birnen, beginnende Blüte; 23. April: Apfel, Vollblüte / Birnen,

Abblüte; 8. Mai: Apfel, Nachblüher / Junganlagen). Der Hauptbehandlungstermin war der

23. April, bei dem die meisten Apfelsorten in voller Blüte standen. Ein Spätfrost in der Nacht

vom 3. Mai auf den 4. Mai verursachte lagenbedingt erhebliche Schäden an der Blüte bzw.

am Fruchtansatz, so dass für den dritten Aufruf am 8. Mai nur noch wenige Anlagen in Be-

tracht kamen. Im April und Mai herrschten zwar teilweise sommerlich hohe Temperaturen,

für eine weitreichende Feuerbrandinfektion fehlten allerdings die Niederschläge. Auch aus

Baumschulen wurden keine Fälle von Feuerbrand gemeldet.

Zum Auftreten von Feuerbrand im Jahr 2011 wurde aus Brandenburg lediglich Befall an

Crataegus sp. nachgewiesen. An beiden Standorten (Weißdorn-Heckenpflanzung und Rot-

dorn im urbanen Grün) handelte es sich um Triebinfektionen, die darauf schließen lassen,

dass der Erreger bereits latent vorhanden war. Der befallene Rotdorn wurde gerodet.

Mehrere Verdachtsfälle aus Obstanlagen konnten labordiagnostisch nicht bestätigt werden.

Auch in Baumschulen wurde kein Feuerbrandbefall beobachtet. Das Prognosemodell

Maryblyt wies für den in Betracht kommenden Infektionszeitraum in der Blüte bei Birne und

Apfel keine kritischen Perioden aus.

Aus Berlin und Hessen wurde kein Befall gemeldet.

In Mecklenburg-Vorpommern wurde seit 2007 kein Befall mit Feuerbrand in einer

Erwerbsobstanlage beobachtet. Auch in 2011 gab es nur vereinzelten Befall im „Öffentlichen

Grün“. Im Labor des Pflanzenschutzdienstes des LALLF Mecklenburg-Vorpommern wurden


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durch Probenahme der Inspektoren und auch nach Hinweisen aus der Bevölkerung 30 Proben

auf den Befall mit dem Erreger der Feuerbrandkrankheit untersucht. In neun Proben von

Weißdorn konnte der Feuerbranderreger (Erwinia amylovora) nachgewiesen werden. Bei

umfangreichen Kontrollen des amtlichen Pflanzenschutzdienstes des LALLF Mecklenburg-

Vorpommern in den gemäß Pflanzenbeschau-Verordnung und Anbaumaterialverordnung

registrierten Baumschulbetrieben und dem Erwerbs- und Streuobstbau wurde in keinem

Betrieb Befallsverdacht oder Befall festgestellt.

Auch in Niedersachsen wurde aus Erwerbsobstanlagen kein Auftreten von Feuerbrand

gemeldet. In der Region Hannover wurde Mitte August Befall an Weißdornbüschen längs

eines Feldweges nachgewiesen. Die Büsche wurden zurück geschnitten. Bei den Kontrollen

von Baumschulbetrieben wurden in der Zeit von Mitte September bis Mitte Oktober mehrere

befallenen Pflanzen entdeckt und der sofortigen Vernichtung zugeführt. Es handelte sich um

Pflanzen aus den Gattungen Chaenomeles, Cotoneaster, Malus und Pyracantha.

In Nordrhein-Westfalen wurde 2011 eine kurze Apfel- und Birnenblüte durch sehr hohe

Temperaturen, ohne Niederschlag, geprägt. Zu Ostern wurden die Infektionsbedingungen im

Prognosemodell (bei Annahme von Vorjahresbefall und Taufeuchte) erreicht und es wurden

die drei Betriebe mit Berechtigungsscheinen bewarnt. Erstmals konnten alle Obstbaubetriebe

in Nordrhein-Westfalen die Feuerbrandprognose über die Internetplattform ISIP online

erhalten und sich laufend informieren. Aus Nordrhein-Westfalen wurde kein Befall mit Feuer-

brand gemeldet, häufiger aber Befall mit anderen Bakterien, wie z.B. Pseudomonaden.

In Rheinland-Pfalz wurden erst am 22. April in die abgehende Apfelblüte am mehrjährigen

Holz Infektionsbedingungen nach Maryblight (Prognose ohne Vorjahresbefall) erreicht. Wäh-

rend der Blühphase wurde in 11 Anlagen in Rheinhessen und der Pfalz ein Blütenmonitoring

durchgeführt. Lediglich in einer Quitten-Ertragsanlage in Rheinhessen und einer Apfelanlage

in der Pfalz konnte der Erreger nachgewiesen werden. Generell lag ein sehr niedriges Befalls-

niveau vor. Einzelne Befallsmeldungen gab es aus der Pfalz (zwei Birnenanlagen im Raum

Neustadt), Rheinhessen (Quittenanlage in Heidesheim) und dem Raum Trier (Birnenanlage

mit zwei befallen Bäumen). In der Quittenanlage war eine Streptomycinbehandlung zur Blüte

erfolgt. Zu diesem Zeitpunkt traten aber schon Symptome von Feuerbrandbefall auf. Im Vor-

jahr war hier ebenfalls Befall festzustellen, der jedoch nicht ausreichend durch Schnittmaß-

nahmen eliminiert worden war. Auch in der Birnenanlage im Raum Trier war eine Strepto-

mycinbehandlung erfolgt. Es gab noch weitere Verdachtsmeldungen aus der Pfalz und aus

Rheinhessen, die aber durch empfohlene Schnitt- und Rodemaßnahmen ausgeräumt wurden.

Auch in Sachsen war nach den bereits schwachen Befallsjahren 2009 und 2010 ein weiterer

Befallsrückgang zu beobachten. In Erwerbsobstbaubetrieben trat Feuerbrand nur in Anlagen

mit Vorjahresbefall auf. Im Öffentlichen Grün und in Privatgärten war kein Feuerbrandbefall


festgestellt worden, ebenso in den Versuchspflanzungen wissenschaftlicher Einrichtungen

und Baumschulen.

SEITE 9 VON 47

In Sachsen-Anhalt stellte Feuerbrand 2011 keinen besonderen Schwerpunkt dar. Laut ver-

wendetem Prognosemodell (ANLAFBRA) gab es sowohl bei Apfel als auch bei Birne am

4. April ein Infektionsrisiko. Zu diesem Zeitpunkt hatte die Blüte noch nicht begonnen. Das

zweite Infektionsrisiko bestand zum Blühende am 27./28. April Weitere Termine mit Infekti-

onsrisiko waren der 6. Juni, 8. Juni, 17. Juni, 22. Juni, 23. Juni und der 30. Juni. Befall in der

Feldflur, Obstanlagen oder im Haus- und Kleingarten wurde bis Oktober nicht festgestellt.

In Thüringen wurde die Infektionsgefährdung durch den Erreger des Feuerbrandes durch die

TLL Jena/ Ref. Pflanzenschutz (TLL) mit dem Modell MARYBLYT (Moltmann) (ISIP-Ver-

sion) berechnet. Erstmalige Infektionsgefahr wurde für Thüringen am 21. April festgestellt. In

den Regionen Heringen, Gierstädt und Erfurt bestand Infektionsgefahr vom 21.-24. April.

Zum Ende der Blüte zeigten die Berechnungen mit dem Prognosemodell erneut ansteigende

Infektionsgefahr an allen relevanten Wetterstationen (07./08. Mai, in Abhängigkeit vom

jeweiligen Standort). Da zu diesem Zeitpunkt in den genannten Regionen die Blüte beendet

war, wurden keine Behandlungsmaßnahmen empfohlen. In den anderen Regionen (Heßberg,

Friemar) wurde keine Infektionsgefahr nachgewiesen.

Tabelle 1:

Erster Tag mit Feuerbrand-Infektionsgefahr in 2011 (nach den eingesetzten Prognosemodellen)

Land Erster Tag mit Erster beobachteter Befall Prognosemodell

Infektionsgefahr an .... (Pflanzenart)

Baden- 7. April 25. Mai an Apfel

Maryblyt modifiziert

Württemberg

(Blüteninfektion)

(LTZ-Prognose-

Programm)

Bayern 11. April (Lindau) 1. Juni an Birnenhochstämmen

(Lindau)

Maryblyt, modifiziert

Brandenburg - 9. Juni, Heckenpflanzung Maryblyt

Hessen 21. April - Maryblyt

Nordrhein-

Westfalen

23. April - Maryblyt

Rheinland- 7. April 30. April Apfel (im Maryblyt

Pfalz

Inokulationsversuch)

Sachsen 22. Juni an Birne Maryblyt nach

Moltmann

Sachsen-

Anhalt

4. April - Anlafbra nach Berger

Thüringen 21. April - Maryblyt nach

Moltmann


2. Maßnahmen zur Umsetzung der Strategie

2.1 Beratungs- und Informationsangebot, Bekämpfung

SEITE 10 VON 47

Im Vergleich zu starken Befallsjahren wie 2007/2008 ist in den vergangenen Jahren deutlich

weniger Feuerbrand aufgetreten. Dennoch ist der Erreger weit verbreitet und kann bei geeig-

neten Witterungsbedingungen schnell wieder ein hohes Infektionspotential aufbauen. Um die

Feuerbrandproblematik daher der Öffentlichkeit sowie den Obstbauern gegenwärtig zu halten,

bemühten sich die Länder um ein breites Informationsangebot. Viele generelle Informationen

sind über Internetseiten und Merkblätter verfügbar.

In Baden-Württemberg wurde in Winterveranstaltungen, in der Fachpresse, in Gemeinde-

mitteilungsblättern und in Merkblättern über die Umsetzung des Strategiepapiers informiert.

Dabei wurde besonders auf die vorbeugenden Maßnahmen wie Umfeldkontrollen zur Abwehr

des Feuerbrands hingewiesen. Zusätzlich lag jedem Berechtigungsschein für den Erwerb von

einem streptomycinhaltigen Pflanzenschutzmittel ein Merkblatt bei.

In der Zeit vom 2. Mai bis 13. Mai organisierte das Institut für Pflanzenschutz der Bayeri-

schen Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) im Foyer des Bayerischen Staatsministeriums

für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in München eine Posterausstellung zum Thema

„Gefahr für Bayerns Obstgärten: Feuerbrand“. Die Präsentation mit Anschauungsmaterial

hatte bei den Besuchern eine sehr gute Resonanz und einen hohen Informationswert.

Bei verschiedenen Veranstaltungen für Kleingärtner wie „Pillnitzer Gartentag“ oder zum

„Pillnitzer Apfeltag“ wurde in Sachsen ein 2009 überarbeitetes Informationsblatt zum Feuer-

brand verteilt. Das deutliche Ansteigen der Anzahl der von Bürgern vorgelegten Verdachts-

proben nach der Veröffentlichung z.B. in der lokalen Presse zeigt die Wirksamkeit dieses In-

formationsweges. Auch die Begehungen der Haus- und Kleingärten im Rahmen der Umfeld-

kontrollen im Raum Dresden-Pillnitz wurden genutzt, um in Gesprächen mit den Anwohnern

die Kenntnisse zum Feuerbrand zu erweitern. Die Thematik Feuerbrand ist wiederkehrender

Bestandteil der „Anleitung zum kontrollierten integrierten Anbau von Obst“ einer jährlich

durchgeführten Fortbildungsveranstaltung, an der regelmäßig über 90% der Mitglieder des

Landesverbandes „Sächsisches Obst“ teilnehmen. So wurde auch am 2. März die Befalls-

situation in Sachsen dargestellt und Bekämpfungsmöglichkeiten erläutert. Die geringe Anzahl

von Betrieben und Einrichtungen mit Obstanlagen mit Feuerbrandbefall erlauben es, durch

regelmäßigen direkten Kontakt über die Ergebnisse der Berechnung der Infektionsrisiken,

Bekämpfungsempfehlungen und das aktuelle Befallsauftreten zu informieren und Maßnah-

men abzustimmen. In einem Obstbaubetrieb wurden Mitarbeiter zur Erkennung von Rinden-

nekrosen und zum „Gesundungsschnitt“ am Objekt geschult. Bei den Pflanzenschutzanleitun-

gen für die Obstbauern im Juni wurde die aktuelle Feuerbrandsituation besprochen. Auch in


Thüringen wurden im Rahmen der Winterschulungen die Erwerbsobstanbauer über die

Biologie, Wirtspflanzen und die Bekämpfungsstrategie 2011 informiert.

2.1.1 Sortenprüfungen

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In BW steht an drei Standorten (Stuttgart: Brackenheim, Karlsruhe: Kieselbronn, Tübingen:

Walddorf-Häslach) ein Sortiment von für den Streuobstbau geeigneter Bäume, das aus

9 Apfelsorten und 6 Birnensorten auf Sämling sowie auf den Unterlagen MM 111 und

OHF 69 besteht. Die Sorten wurden danach ausgewählt, wie sie nach Beobachtungen in den

starken Feuerbrandbefallsjahren 1993 bis 1995 erkrankten. Das Sortiment auf Sämlingsun-

terlagen wurde im Herbst 1995 oder im Frühjahr 1996 gepflanzt. Das Sortiment auf MM 111

und OHF 69 wurde im Herbst 1997 oder Frühjahr 1999 gepflanzt. Bisher trat in den Pflan-

zungen noch kein Feuerbrandbefall auf, der eine Auswertung erlaubt hätte. Zusätzlich wird

eine „Vorläufige Liste einiger für den Streuobstbau geeigneter und ungeeigneter Apfel- und

Birnensorten hinsichtlich ihrer Feuerbrandanfälligkeit aufgrund bisheriger Beobachtungen“

herausgegeben. Sie wurde in 2008 aktualisiert (unter www.ltz-augustenberg.de).

Eine Broschüre „Empfehlung feuerbrandresistenter Apfel- und Birnensorten“ wurde im

Rahmen des Interreg IV Projektes „Gemeinsam gegen Feuerbrand“ erstellt. Sie kann auf der

Internetseite (www.feuerbrand-bodensee.org) eingesehen werden.

In Kooperation zwischen den Instituten des Julius Kühn-Instituts (JKI) in Dresden-Pillnitz,

Quedlinburg und Dossenheim wurde ein umfangreicher Versuch zur Sortenprüfung auf Feu-

erbrandresistenz durchgeführt. Um eine Infektion unter natürlichen Bedingungen zu simulie-

ren wurden in der Freilandversuchsanlage Kirschgartshausen die Nachkommenschaft einer

Kreuzung „anfällig“ x „resistent“ angepflanzt. Unter praxisähnlichen Bedingungen wurden

frisch geöffnete Blütencluster dieser Bäume mit einer hohen Konzentration von E. amylovora

eingesprüht und die Symptom-Entwicklung verfolgt. Von 242 Bäumen trugen im Versuchs-

jahr 53 Bäume gar keine und weitere 41 Bäume weniger als 5 Blütencluster. Damit konnten

etwa 60 % der Nachkommenschaft ausgewertet werden. Es zeigte sich eine weite Spannbreite

in der Symptom-Ausprägung. Erste Analysen zeigen eine gute Übereinstimmung zwischen

den Ergebnissen von Trieb-Inokulationen und der Blüteninfektion.

2.1.2 Internet-Angebot und Pflanzhilfen für den Garten- und Landschaftsbau

Als Pflanzhilfe für den Garten- und Landschaftsbau und die Kommunen stehen Auflistungen

alternativer Pflanzen in Wort und Bild „Alternative Pflanzensortimente zu feuerbrandanfälli-

gen Wirtspflanzen“ weiter zur Verfügung. Diese sind auf den Internet-Seiten des Julius Kühn-

Instituts (JKI) dargestellt und unter folgender Adresse einzusehen:

http://Feuerbrand.jki.bund.de

bzw:


http://www.jki.bund.de/ >Aktuelles >Aktuelles aus Feld, Wald, Garten >Feuerbrand

>Alternative Pflanzensortimente

SEITE 12 VON 47

Die Internetseite „Feuerbrand“ enthält gegliederte Informationen zur Krankheit und ihrer Be-

kämpfung sowie interessante Links zu einem breiten Informationsangebot zu Feuerbrand aus

dem In- und Ausland. Hierzu gehört auch die Broschüre „Alternativen zu Wirtspflanzen des

Feuerbrandes“ der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Obst-, Wein- und Gartenbau aus

Wädenswil in der Schweiz.

Auf der Internetseite stehen ebenso die bisherigen Jahresberichte sowie die Strategie für die

Jahre 2008 – 2012 als Dokumente bereit.

Auch die Fachgruppe Obstbau des Bundesausschusses Obst und Gemüse und der NABU-

Bundesfachausschuss Streuobst bieten auf ihren Internetseiten (www.obstbau.org und

www.Streuobst.de) Informationen rund um das Thema Feuerbrand an.

Als Ergebnis des Interreg IV Projektes „Gemeinsam gegen Feuerbrand“ wurde eine Bro-

schüre „Empfehlung feuerbrandresistenter Apfel- und Birnensorten“ erstellt. Sie kann auf der

Internetseite (www.feuerbrand-bodensee.org) eingesehen werden.

2.2 Forschung

Feuerbrand ist ein länderübergreifendes Problem und weltweit wird nach antibiotikafreien

Bekämpfungsalternativen gesucht. Während sich 2011 für Deutschland, Österreich und

Schweiz eine ähnlich schwache Befallslage abzeichnet, gab es in Südtirol eine hohe Anzahl

an Feuerbrandinfektionen. Der Informationsaustausch über Befall, Strategien und For-

schungsarbeiten zwischen Deutschland, Österreich, Schweiz und Liechtenstein wurden seit

2007 über das Interreg IV Projekt „Gemeinsam gegen Feuerbrand“ intensiviert. Ein weiterer

Austausch über Vorgehensweise und Prüfmittelvorschläge wird auch über das Projektende

Oktober 2011 hinaus angestrebt.

Auf dem jährlich von den Beratern der Pflanzenschutzdienste organisierten 5-Ländertreffen

informieren Teilnehmer aus Deutschland, Österreich, Schweiz, Liechtenstein und Südtirol

neben der aktuellen Feuerbrandsituation auch über Forschungsarbeiten und Bekämpfungs-

versuche. Bei dem diesjährigen Treffen Anfang November, das von der AGES in Wien aus-

gerichtet wurde, wurden vielversprechende Versuchsergebnisse zu einzelnen Stoffen vorge-

stellt. Für ein Produkt konnte in den vergangenen Versuchsjahren wiederholt ein guter Wir-

kungsgrad erzielt werden. Neben der Absicherung dieser Ergebnisse im Exaktversuch der

folgenden Vegetationsperiode, ist ein Test unter praxisnahen Bedingungen für die Vegeta-

tionsperiode 2012 angestrebt.


2.2.1 Bekämpfung

SEITE 13 VON 47

Das JKI führt in Freiland- und Laborversuchen Studien zur Eignung alternativer Präparate zur

Feuerbrandbekämpfung durch. Dabei liegt die Zielsetzung der Arbeiten auf einem besseren

Verständnis der Interaktionen zwischen antagonistischen Mikroorganismen und dem Feuer-

branderreger. Im Rahmen des abgeschlossenen Interreg IV Projekts wurde die Ausbreitung

von bakteriellen Antagonisten untersucht und Nachweismethoden entwickelt.

Die Prüfung möglicher Präparate zur Bekämpfung von Feuerbrand erfolgte in Zusammenar-

beit mit dem Landratsamt Karlsruhe und dem Pflanzenschutzdienst Baden-Württemberg. Die

Versuche wurden in der isoliert gelegenen Freilandversuchsanlage des JKI in „Kirschgarts-

hausen“ unter praxisüblichen Bedingungen an Apfelbäumen der Sorte „Gala Royal“ durch-

geführt. Die in der EPPO Prüfrichtlinie PP 1/166(3) festgelegten Rahmenbedingungen zur

statistischen Absicherung des Freilandversuchs (Gesamtanzahl der auszuwertenden Blüten-

büschel > 200 pro Parzelle, Mindestbefall von 5 % in der unbehandelten Kontrolle) konnten

im Versuchsjahr 2011 nicht eingehalten werden. Mit nur 2,5 % Befall in der unbehandelten

Kontrolle lässt die Auswertung der sekundär infizierten Bäume Aussagen über Tendenzen zu.

Viele der Beobachtungen konnten aber statistisch abgesichert werden. Mit knapp 42 % liegt

der Befall in unbehandelten, primärinokulierten Bäumen erwartungsgemäß deutlich höher als

unter praxisnahen Bedingungen. Ein am JKI untersuchtes CP-Salz brachte mit 54 % WG auf

den primärinfizierten Bäumen noch eine gute Wirkung (Streptomycin-Kontrolle 75 % Wir-

kungsgrad), allerdings zeigte ein begleitender Versuch zur Pflanzenverträglichkeit eine Mehr-

berostung nach Einsatz von CP-Salz. Die getesteten Antagonisten BK1 und E. tasmaniensis

erbrachten erstmals keine Wirkung. Ausbreitungsversuche deuten auf ein schlechtes Über-

leben der Antagonisten hin.

Ein bakterieller Antagonist, der unter der Bezeichnung Bloomtime Biological in den USA

und Kanada registriert ist, wurde in Kooperation mit den Schweizer Kollegen vom ACW im

Rahmen des Interreg IV Projektes getestet. In diesem Versuch zeigte der Antagonist ebenfalls

nur schwache Wirkung. Mit einem Wirkungsgrad von 40 % (sekundärinfiziert) bzw. 20 %

(primärinfiziert) zeigte eine getestete organische Säure im Gegensatz zu den Vorjahren keine

zufriedenstellende Wirkung.

In Laborarbeiten wurden molekularbiologische Techniken eingesetzt, um die Erregerbiologie

zu analysieren und spezifische Angriffspunkte des Feuerbranderregers ausfindig zu machen.

Dabei stehen neben Bakteriophagen auch bakterielle Toxine mit engem Wirkspektrum im

Mittelpunkt. In Inokulationsversuchen an Blüten- und Birnenscheiben wurde die Wirkung

von organischen Säuren, Phagen und bakteriellen Toxinen sowie lebender Antagonisten

untersucht. Um größeren Nutzen aus der verfügbaren Genom-Information von E. amylovora


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sowie verwandter Arten zu ziehen wurden erste Versuche unternommen, verbesserte Mutage-

nese-Techniken zu etablieren. Diese Methoden erleichtern die Durchführung vergleichender

Studien zur Funktionsbestimmung auffälliger Gene.

An drei Standorten (Kirschgartshausen in Nordbaden, Mühlingen und Vogt am Bodensee)

führte das Landratsamt Karlsruhe bzw. das Kompetenzzentrum Obstbau Bavendorf (KOB)

zusammen mit dem LTZ-Stuttgart in 2011 wieder Bekämpfungsversuche durch, in Kirsch-

gartshausen in Kooperation mit dem JKI. Der Versuchsaufbau erfolgte nach der EPPO-Richt-

linie (PP1/166-3), nach der ein einzelner Baum in jeder Parzelle künstlich inokuliert wird.

Von diesem Baum ausgehend werden die benachbarten Bäume auf natürlichem Weg sekundär

infiziert.

Die Witterung für die Versuche war in 2011 an allen Versuchsstandorten günstig, so dass sich

die Ergebnisse der verschiedenen Behandlungen gut statistisch absichern ließen. Der Befall in

den unbehandelten Parzellen lag zwar in Kirschgartshausen bei nur 2,5 %, in Mühlingen und

Vogt jedoch bei 10 % bzw. 12 %.

Das Referenzmittel Streptomycin zeigte wie in den vergangenen Jahren in Mühlingen, Vogt

und Kirschgartshausen mit 95 %, 78 % bzw. 87 % den höchsten Wirkungsgrad. Ein Ver-

suchsmittel (LMA) erreichte in Mühlingen und Kirschgartshausen hohe Wirkungsgrade von

58 % bzw. 76 % (Aufwandmenge 10 kg/ha) und 61 % (Aufwandmenge 15 kg/ha). Ein weite-

res Versuchsmittel erreichte in Kirschgartshausen einen Wirkungsgrad von 75 %, führte je-

doch zu einer deutlichen Mehrberostung. Weitere geprüfte Mittel schwankten stark in ihrer

Wirkung oder lagen unter 50 % Wirkungsgrad und scheiden damit für weitere Untersuchun-

gen aus.

In 2011 wurde mit LMA eine Substanz geprüft, die bereits im 2. Jahr und auch an anderen

Versuchsstandorten ein Potential für die Feuerbrandbekämpfung aufwies. Wiederholt geprüft

führte sie zu keiner Mehrberostung. Weitere Untersuchungen im Labor und in der Praxis sind

notwendig. Die Möglichkeit einer Zulassung des Mittels wird derzeit durch die zuständigen

Behörden geprüft. Eine Alternative zu Streptomycin steht damit für 2012 noch nicht zur

Verfügung.

Am DLR Rheinpfalz in Neustadt konnte in 2011 wie in den Jahren zuvor ebenfalls ein Frei-

land-Inokulationsversuch an der Sorte ‚Gala’ durchgeführt werden. Im Vergleich zu Strepto

wurde die im vorausgegangenen Abschnitt erwähnte erfolgsversprechende Substanz in zwei

Dosierungen getestet. Mit einem Befall von 11,4 % bzw. 22 % befallener Blüten- und Frucht-

büschel an den inokulierten Bäumen war der Infektionsdruck in „Unbehandelt“ in diesem Jahr

niedriger als in den Vorjahren, was sicherlich auf die ungünstigeren Witterungsbedingungen

während der Inokulationsphase zurückzuführen ist. Das Prüfmittel hat in der 3 %igen Kon-


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zentration bei dreimaliger Anwendung vergleichbare Wirkungen wie das Vergleichsmittel

Strepto an den inokulierten Bäumen erzielt. Es ist davon auszugehen, dass auch die niedrigere

2 %ige Konzentration ausreicht, um den Feuerbranderreger zu bekämpfen. Dass die Wirkung

dieser Variante im Versuch etwas abfiel ist wohl nicht auf die niedrigere Dosierung sondern

eher auf die nur zweimalige Anwendung zurückzuführen.

Aufgrund der extremen Frühjahrstrockenheit (zweite Aprilhälfte bis Ende Mai) stieg der

Sekundärbefall bis Ende Mai (26. Mai) auf nur 6,5 % infizierter Fruchtbüschel an den nicht

inokulierten Bäumen in Unbehandelt an. Mit über 60 % Wirkung erzielten Strepto und die

hohe Konzentration des Prüfmittels wiederum vergleichbare Ergebnisse. Die Variante mit der

niedrigeren Dosierung des Prüfmittels fällt nur geringfügig ab (54 % Wirkung). Bei der Be-

wertung der Wirkungsgrade ist zu berücksichtigen, dass zwischen der letzten Behandlung von

Strepto bzw. der höheren Dosierung des Prüfmittels und der letzten Bonitur immerhin

34 Tage, zwischen der letzten Behandlung der niedrigen Dosierung des Prüfmittels und der

letzten Bonitur sogar 41 Tage lagen. Pflanzenschäden an den Blättern bzw. an den Früchten

trat weder bei der 2 %igen noch bei der 3 %igen Konzentration des Prüfmittels auf.

Forschung zur Feuerbrandbekämpfung im ökologischen Obstbau

Seit 2004 werden in einem im BÖLN geförderten Projekt Ökopräparate auf ihre Wirksamkeit

gegen Feuerbrand getestet. Die Koordination des Projektes liegt bei der Universität Konstanz,

die die Versuche in Kooperation mit dem Institut für biologischen Pflanzenschutz des JKI in

Darmstadt und mit der FÖKO durchführt.

In Freilandversuchen in Darmstadt und Mühlingen wurde die Prüfung von Einzelpräparaten

und Anwendungsstrategien auf ihre Wirksamkeit gegen Feuerbrand fortgesetzt. In Darmstadt

wurde in den unbehandelten Parzellen Befall von 44 % ermittelt. Mit vier Behandlungen

Blossom Protect wurde der Befall signifikant reduziert. LX4630, Myco-Sin oder Chitoplant

hatten keine signifikante Wirkung. In Mühlingen lag der Befall in den unbehandelten Parzel-

len bei 8 %. Je vier Applikationen mit Blossom Protect oder einer Tankmischung aus Blos-

som Protect + Netzschwefel reduzierten den Befall jeweils signifikant um 90 %. Terminie-

rung von Blossom Protect nach dem Prognosemodell Maryblyt ergab ebenso eine signifikante

Wirkung wie der alternierende Einsatz der Mischung Myco-Sin + Netzschwefel und Blossom

Protect. Je vier Applikationen der Tankmischung OmniProtect + Boni Protect + Netzschwefel

oder von Chitoplant hatten keine signifikante Wirkung.

Damit wurden die Ergebnisse aus den Vorjahren im Wesentlichen bestätigt. Blossom Protect

war über den gesamten Projektzeitraum in 13 Versuchen das wirksamste Präparat. Eine Ter-

minierung nach Maryblyt ist möglich. Um auch eine Schorfbekämpfung während der Blüte zu

gewährleisten, kann Netzschwefel in Tankmischung zugegeben werden. Ferner sind alternie-


ende Behandlungen mit der Mischung aus Myco-Sin + Netzschwefel möglich. Blossom

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Protect ist als Pflanzenstärkungsmittel registriert. Im integrierten Anbau wird es bei Infek-

tionsbedingungen zu Blühbeginn bei gering berostungsanfälligen Sorten empfohlen.

In beiden Freilandversuchen wurde die Abundanz des Feuerbranderregers in den Blüten mit

der Real-Time PCR (qPCR) gemessen. Es bestätigte sich, dass die Blütenanalyse mit qPCR

eine Prognose des späteren Befalls erlaubt und somit auch für die Praxis als Entscheidungs-

hilfe für Bekämpfungsmaßnahmen eingesetzt werden könnte.

Weitere Freilandversuche wurden in Praxisanlagen auf der Insel Mainau, Wasserburg und in

Lindau angelegt, in denen die Auswirkung der gegen Feuerbrand gerichteten Behandlungen in

der Blüte auf die Fruchtberostung untersucht wurde. Auch hier bestätigten sich Vorjahres-

ergebnisse, die zeigen, dass drei oder vier Behandlungen mit BlossomProtect an der Sorte

Santana zu einer signifikanten Mehrberostung führen, während zwei oder eine Behandlung

keine signifikante Mehrberostung hervorrief.

2.2.2 Züchtung

Im Strategiepapier zur Bekämpfung des Feuerbranderregers wurden die einzelnen Arbeits-

gebiete des Instituts für Züchtungsforschung an gartenbaulichen Kulturen und Obst Dresden

(ZGOD) und des Instituts für Resistenzforschung und Stresstoleranz (RS), die sich explizit

mit der Thematik Feuerbrand befassen, im Detail aufgeführt. Um Redundanzen zu vermeiden

werden im Folgenden die Arbeitsgebiete nur benannt, Änderungen beschrieben und auf eine

detaillierte Aussage verzichtet.

Virulenztestung: Am Institut für Resistenzforschung und Stresstoleranz (RS) Quedlinburg des

JKI wurden Virulenzanalysen mit Erwinia amylovora, dem Feuerbranderreger, durchgeführt.

Daneben wurden in Rahmen einer Kooperation mit der Schweiz Sorten auf Anfälligkeit

gegenüber Feuerbrand getestet.

Evaluierung genetischer Ressourcen: Das Institut für Züchtungsforschung an gartenbaulichen

Kulturen und Obst (ZGO) in Dresden-Pillnitz hat in Zusammenarbeit mit dem Institut für Re-

sistenzforschung und Stresstoleranz (RS) in Quedlinburg die Evaluierung von Apfelwildarten

und Apfelsorten aus dem Bestand der Obstgenbank des ZGO und von ausgewählten Zucht-

klonen der Apfelzüchtung fortgesetzt.

Züchtungsforschung: Um die im Rahmen der genotypischen Evaluierung aufgefundenen Re-

sistenzquellen züchterisch nutzen zu können, wurde weiter an der Aufklärung der genetischen

Grundlagen gearbeitet, welche diesen Mechanismen zugrunde liegen. Die in den Berichten

2009 und 2010 zum Strategiepapier beschriebenen Arbeiten wurden fortgesetzt. Bei der ver-


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gleichenden Kartierung wurden Markeranalysen an der spaltenden Population Idared x Malus

baccata und M. fusca x Idared weitergeführt. Dabei gelang es für die resistente M. baccata

Abstammung einen Resistenz-QTL auf Kopplungsgruppe 12 zu kartieren. Für die Population

M. fusca x Idared wurden DArT-Marker etabliert und es konnten DArT-Marker identifiziert

werden, die mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit an die Feuerbrandresistenz von M. fusca

gekoppelt sind. In Kooperation mit dem Institut für Pflanzenschutz in Obst und Weinbau in

Dossenheim konnte ein QTL für die Resistenz von M. x robusta 5 gegenüber der Inokulation

von Blüten kartiert werden.

Sortenzüchtung: In der konventionellen Sortenzüchtung wird weiter auf die Nutzung von

feuerbrandresistenten Sorten und Zuchtklonen gesetzt. Im Züchtungsschema werden diese

Klone als Donoren eingesetzt.

Angewandte Züchtungsforschung: Die Arbeiten an der cisgen-Technologie wurden fortge-

setzt. Mittlerweile gelang es einen Resistenzgen-Kandidaten aus M. x robusta 5 zu isolieren,

der mit Hilfe der cisgen-Technologie in den Kulturapfel übertagen werden soll.

Die Methode des „Fast-Breeding“ zur Übertragung des Resistenzlokus aus der Wildartab-

stammung M. x robusta 5 wird fortgesetzt, mit dem Ziel die Qualität wieder zu steigern und

den Wildartenanteil im Genom zu verringern.

Der Weg in die Praxis: Ergebnisse aus der Forschung fließen in die praktische Züchtungs-

arbeit zur Verbesserung der Sorten ein.

3. Situation des Pflanzenschutzmittelwirkstoffs Streptomycin auf EU-Ebene

An der Situation des Pflanzenschutzmittelwirkstoffs Streptomycin auf EU-Ebene trat gegen-

über den Vorjahren keine Änderung ein.

Der Altwirkstoff Streptomycin wurde nicht in Anhang I der Richtlinie des Rates 91/414/EWG

über das Inverkehrbringen von Pflanzenschutzmitteln (Positivliste) aufgenommen. Im Januar

2004 wurde die entsprechende Entscheidung der Europäischen Kommission veröffentlicht.

Zulassungen für Pflanzenschutzmittel, die den Wirkstoff Streptomycin enthielten, mussten

EU-weit bis 31.03.2004 widerrufen werden.

Artikel 8 Abs. 4 der Richtlinie enthielt die Möglichkeit, dass ein Mitgliedstaat bei Gefahr im

Verzuge für höchstens 120 Tage die Einfuhr, das Inverkehrbringen und eine beschränkte und

kontrollierte Verwendung eines nicht zugelassenen Pflanzenschutzmittels genehmigt (in

Deutschland durch § 11 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 PflSchG umgesetzt).


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In der neuen Verordnung (EG) 1107/2009 über dass Inverkehrbringen von Pflanzenschutz-

mitteln ist eine analoge Regelung in Artikel 53 zu finden.

Macht der Mitgliedstaat von dieser Genehmigung bei diesem nunmehr EU-weit geregelten

Wirkstoff Gebrauch, hat er die Europäische Kommission und die anderen Mitgliedstaaten

unverzüglich von dieser Maßnahme zu unterrichten. Der Ständige Ausschuss für die Lebens-

mittelkette und Tiergesundheit wird dann unverzüglich darüber entscheiden, ob und unter

welchen Voraussetzungen die von dem Mitgliedstaat getroffene Maßnahme um einen fest-

zulegenden Zeitraum verlängert, wiederholt oder widerrufen werden kann.

Seit 01.09.2008 sind Anhang II und III der Verordnung (EG) Nr. 396/2005 über Höchstge-

halte an Pestizidrückständen in oder auf Lebens- und Futtermitteln pflanzlichen und tierischen

Ursprungs anzuwenden. Ist für einen Pflanzenschutzmittelwirkstoff kein spezifischer Höchst-

gehalt festgesetzt, gilt automatisch der Vorsorgewert von 0,01 mg/kg. Unter diese Regelung

fällt auch Streptomycin, d. h. für Streptomycin gilt seit 01.09.2008 ein Höchstgehalt von

0,01 mg/kg in Früchten und Honigen.

4. Streptomycin

4.1 Anwendung

In 2011 wurde an vielen Standorten, an denen mögliche Infektionstage außerhalb der Haupt-

blütezeit der Kernobstgebiete auftraten oder aufgrund fehlenden Vorjahresbefalls in der Um-

gebung nur wenig Erreger zu vermuten war, auf die Anwendung streptomycinhaltiger Pflan-

zenschutzmittel verzichtet. In den Befallsgebieten im süddeutschen Raum kam es dagegen

auch während der Vollblüte zu möglichen Infektionsterminen, so dass zur Minderung des

hohen Infektionsrisikos Streptomycin angewandt wurde. Die Anwendungen wurden durch

sanitäre Maßnahmen, insbesondere Schnitt- und Rissmaßnahmen, begleitet.

Vor dem Hintergrund der gegebenen Notwendigkeit und der laufenden Anstrengungen,

durchgreifende Alternativen zur Bekämpfung des Feuerbranderregers zu etablieren, enthält

die Strategie als Voraussetzung für eine Genehmigung des BVL gemäß § 11 Abs. 2 Satz 1

Nr. 2 (Gefahr im Verzuge) des Pflanzenschutzgesetzes Eckpunkte für eine mögliche Anwen-

dung von „Strepto“ oder „Firewall 17 WP“. Diese wurden aufgrund der in 2008 in Äpfeln ge-

fundenen Rückstände von Streptomycin durch zwischen BMELV und Ländern abgestimmte

zehn Eckpunkte ergänzt (vgl. Jahresbericht 2008). Diese dienten dem BVL als Grundlage für

eine Entscheidung über die Genehmigung des Inverkehrbringens und der Anwendung

streptomycinhaltiger Pflanzenschutzmittel im Jahr 2011:

1. Alternativen zur Anwendung von streptomycinhaltigen Pflanzenschutzmitteln werden

soweit wie möglich genutzt. Hierzu kann gehören, dass auf der Grundlage von Beratungs-


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empfehlungen auch Kombinationen alternativer Pflanzenschutz- und Pflanzenstärkungs-

mittel angewandt werden.

2. Der Behandlungszeitraum für streptomycinhaltige Pflanzenschutzmittel wird auf die

Hauptblütezeit der jeweiligen Sorten beschränkt. Früchte werden nicht behandelt.

3. Die Anwendung streptomycinhaltiger Pflanzenschutzmittel im Kernobst wird auf

höchstens zwei Anwendungen im Jahr nach Warndienstaufruf beschränkt.

4. In Regionen, in denen streptomycinhaltige Pflanzenschutzmittel angewandt werden, infor-

mieren die Länder gemeinsam mit den regionalen Imkerverbänden möglichst alle Imker

über die Anwendung streptomycinhaltiger Pflanzenschutzmittel und möglicher Folgen.

Diesen Imkern ist dringend anzuraten, ihren zur Zeit der Obstblüte erzeugten Honig be-

proben zu lassen, insbesondere wenn es sich um reinen Kernobst-Blütenhonig (besonders

Apfelblütenhonig) handelt.

5. Zwingende Voraussetzung für die Erteilung einer Genehmigung für das Inverkehrbringen

und das Anwenden von streptomycinhaltigen Pflanzenschutzmitteln ist u. a., dass

- die Länder und Landesimkerverbände (einschl. des Berufsimkerverbandes) gegenüber

BVL schriftlich bestätigen, dass Absprachen zur Honigbeprobung und zum Aufkauf

nicht verkehrsfähiger Honige (inkl. ggf. Entschädigungsregelungen) stattgefunden

haben;

- die Länder - ggf. in Absprache mit den Landesobstbauverbänden - gegenüber BVL

schriftlich bestätigen, dass nicht verkehrsfähiger Honig aufgekauft sowie sachgerecht

entsorgt bzw. verwertet wird. Das entsprechende Vorgehen der Länder ist dem BVL

vor Erteilung einer Genehmigung schriftlich mitzuteilen.

BMELV führt zur Absicherung Gespräche mit der Fachgruppe Obstbau des Bundesaus-

schusses Obst und Gemüse und den Bundesimkerverbänden.

6. Die Länder streben einen Abgleich der neuen Labormethodik zum Nachweis von Strepto-

mycin in Honig und in Kernobst an. Sie streben auch an, die derzeit aus wissenschaftlicher

Sicht am besten geeigneten Prognosemodelle für die Bestimmung des Bekämpfungs-

termins einheitlich zu installieren und zu nutzen. Das JKI gibt zur Qualität der derzeit

verwendeten Prognosemodelle eine wissenschaftliche Einschätzung ab.

7. Betroffene Länderbehörden führen in Absprache mit BVL und BfR abgestimmte Rück-

standsuntersuchungen durch (Abbaureihen unter verschiedenen Bedingungen). Neben

dem Apfel als Hauptkultur werden auch Birnen und Quitten berücksichtigt. Die Rück-

standsuntersuchungen sollten so angelegt werden, dass man die Ergebnisse ggf. auch im


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Rahmen einer späteren Höchstgehaltsfestsetzung nutzen kann (Feldteil GEP, Analytik mit

GLP).

8. In einem begleitenden Forschungsvorhaben (JKI, BVL, ggf. Länder) wird untersucht, wie

und auf welchem Wege Streptomycin in die Früchte gelangt.

9. In Regionen, in denen streptomycinhaltige Pflanzenschutzmittel angewandt werden,

werden stichprobenartig an den Früchten Vorerntebeprobungen zur Überprüfung der

Einhaltung des geltenden Rückstandshöchstgehalts für Streptomycin von 0,01 mg/kg

durchgeführt. Die Untersuchungsergebnisse gehen, soweit sie vorliegen, in den zum

01.10.2011 vorzulegenden Bericht zur Anwendung streptomycinhaltiger Pflanzenschutz-

mittel mit ein. Befunde oberhalb von 0,01 mg/kg werden dem BVL umgehend berichtet.

10. Die Länder, in denen streptomycinhaltige Pflanzenschutzmittel angewandt werden, über-

mitteln dem BMELV bis Ende Juni 2011 einen Bericht über die Anwendung von strepto-

mycinhaltigen Pflanzenschutzmitteln und ggf. über die aktuelle Befallssituation mit

Feuerbrand.

Diese Eckpunkte galten nicht für Obstanlagen, von denen keine Früchte geerntet werden, wie

Reiser-Muttergärten oder die Genbank Obst. Für diese Anlagen werden vom BVL gesonderte

Regelungen getroffen.

Anmerkung zu den Punkten 6 – 8:

Der Abgleich der Labordiagnostik zur Streptomycin-Rückstandsanalyse im Erntegut ist

erfolgt. Die Bundesländer haben die Feuerbrandprognose auf das über die ISIP-Plattform

zugängliche LTZ-Modell umgestellt. Abbaureihen unter verschiedenen Bedingungen wurden

von den Ländern in 2009 und 2010 durchgeführt. Weder diese Versuche noch Versuche zu

Aufnahme und Transport von Streptomycin innerhalb der Pflanze ergaben Hinweise auf eine

mögliche Anreicherung des Wirkstoffs in einzelnen Geweben. Die weiterhin durchgeführte

Vorerntebeprobung durch die Länder ergab keine Höchstgehaltsüberschreitungen im Erntegut

nach Einschränkung der Streptomycinanwendung auf maximal zwei Behandlungen in der

Blüte.

Von der Möglichkeit der Genehmigung für 120 Tage „bei Gefahr im Verzuge“ gemäß

§ 11 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 PflSchG für die Pflanzenschutzmittel mit dem Wirkstoff „Strepto-

mycin“ und den Handelsbezeichnungen, „Strepto“ und „Firewall 17 WP“ machte das BVL

auf Antrag der Firmen Globachem (Strepto) und ConTrade (Firewall 17 WP) ab dem

29.03.2011 Gebrauch. Der räumliche Geltungsbereich wurde auf die Länder Baden-Württem-

berg, Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen, Sachsen-Anhalt und

Thüringen beschränkt. Die Genehmigung erfolgte vor dem Hintergrund der zwischen


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BMELV und Ländern abgestimmten o.g. Eckpunkte. Die Eckpunkte der Vorjahre „zur Er-

gänzung der Strategie zur Bekämpfung des Feuerbranderregers im Obstbau ohne Antibiotika“

bestanden fort.

1. Genehmigung für 120 Tage „bei Gefahr im Verzuge“ (§ 11 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 PflSchG);

2. höchstens zwei Anwendungen (s.o.);

3. festgesetzte Anwendungsbestimmungen;

4. nur für Kernobst (Erwerbsanbau und Vermehrungsanlagen);

5. Allgemeinverfügung der Länder:

- Registrierung der Betriebe, die „Strepto/Firewall 17 WP“ bei Bedarf anwenden

wollen;

- Pflanzenschutzdienst bestätigt Notwendigkeit der Anwendung und erteilt Bezugschein

nach der zu behandelnden Fläche;

- Abgabe von „Strepto/Firewall 17 WP“ nur bei Vorlage des Berechtigungsscheins und

nur die dort vermerkte Menge;

- Anwendung nur nach Warndienstaufruf (s.o.);

- Aufzeichnungspflicht und Abgabe der Aufzeichnungen beim Pflanzenschutzdienst;

6. Berücksichtigung der Belange der Obst-Genbank und ggf. von Reiserschnittgärten (s.o.);

7. Verpflichtung der Länder:

- Entwurf der Allgemeinverfügung ist dem BVL vor Erteilung der Genehmigung vor-

zulegen;

- Durchführung eines umfassenden Monitorings (Vorerntebeprobungen an den Früchten,

Rückstände im Honig, Rückstände im Apfel, illegale Anwendungen);

- Bericht gegenüber dem BVL bis 01.10.2011(u. a. über Befall und Anwendung von

„Strepto/Firewall 17 WP“);

8. Restbestände von „Strepto/Firewall 17 WP“ aus den Vorjahren und neu zugekauftes

„Strepto/Firewall 17 WP“ unterliegen den gleichen Regelungen.

Voraussetzung für eine Genehmigung war auch in 2011 die Klärung der Frage möglicher

Schadensersatzforderungen der Imker für den Fall, dass in Honigen Rückstände von Strepto-

mycin gefunden werden, die über dem festgesetzten Rückstandshöchstgehalt von

0,01 mg/kg liegen. Diese Honige wären nicht mehr verkehrsfähig.

In den Ländern, denen durch das BVL eine Genehmigung erteilt wurde, wurden mit Aus-

nahme von Thüringen Berechtigungsscheine ausgestellt und „Strepto“ und/oder „Firewall 17

WP“ angewandt.

Die Länder berichteten ausführlich über die im Rahmen der Allgemeinverfügung eingegange-

nen Verpflichtungen und gaben einen Überblick über die ausgegebenen Berechtigungsscheine

für „Strepto“ und „Firewall 17 WP“ und die daraus resultierenden Anwendungen.


Für die Anwendung in Baumschul-, Reiserschnitt- und Genbankbeständen wurde vom

01.08.2011 bis zum 28.11.2011 ein zweiter Anwendungszeitraum für eine mögliche

Anwendung nach Hagel (nicht in Ertragsanlagen) genehmigt.

Die Informationen der Länder sind im Folgenden zusammengefasst.

SEITE 22 VON 47

Durch günstige Witterungsbedingungen konnte in Thüringen ganz auf den Einsatz strepto-

mycinhaltiger Pflanzenschutzmittel verzichtet werden. In Nordrhein-Westfalen, Sachsen und

Sachsen-Anhalt erfolgte eine Anwendung ausschließlich auf Versuchsflächen, Wildapfel-

beständen bzw. Reisermuttergärten.

Die wichtigsten Behandlungstermine in 2011 lagen für Baden-Württemberg, Bayern und

Rheinland-Pfalz zwischen dem 21. und 23. April. In Hessen erging am 21. April und am

27. April ein Warndienstaufruf.


SEITE 23 VON 47

Tabelle 2: Verwendung streptomycinhaltiger Pflanzenschutzmittel in Obstanlagen in

2011

Bundesland/

Regierungspräsidium

ausgegebene

Berechtigungsscheine

eingekaufte

Menge

(„Strepto/

Firewall 17

WP“ in kg)

Anzahl

Betriebe

mit Anwendung

Kernobstfläche

(ha)

beantragte

Fläche

(ha)

* Versuchsflächen/Wildartensammlungen/Reisermuttergärten etc.

** Der Fall wird untersucht.

Behandelte

Fläche

(ha)

Anzahl

Behand-

lungen

(Durchschnitt)

Anzahl

Proben auf

Anwendungen

ohne

Berechtigungsschein

(davon

positiv)

Baden-

Württemberg

1067 2548 791 11052 7379 4967 1 67 (1)**

Stuttgart 163 180 94 1657 764 267 1

Karlsruhe 64 136 64 625 342 175 1

Freiburg 345 576 330 2928 1859 1083 1

Tübingen 495 1656 440 5842 4414 3442 1

Bayern 165 265,6 108 1530 630,2 413,4 1 19 (0)

Unterfranken 2 13,2 1 11,9 11,1 2 2 (0)

Mittelfranken 0 0 0 0 0 0 0

Niederbayern 8 4,2 5 38,5 20,7 1 2 (0)

Oberbayern 1 - 1 2,0 1,5 1 5 (0)

Schwaben 154 248,2 101 577,8 380,1 1 10 (0)

Hessen 12 7,2 1 400 53 6 2 8 (0)

Nordrhein-

Westfalen

3 0 1* 2000 34 4 1 4 (0)

Rheinland-

Pfalz

82 72,9 43 3200 451 132,6 1 30 (0)

Pfalz 72 69,0 39 431,5 126,8 1 20

Rheinhessen 2 3,9 3 18,5 5,5 1 10

Ahrweiler 0 0 0 0 0 0

Trier 2 0 1 1 0,3 1

Sachsen 4 < 24 2* 2871 22* 6,6 2 14 (0)

Sachsen-

Anhalt

1 1,8 1* 1125 1 1 2 16 (0)

Thüringen 0 0 0 1243 0 0 30 (0)

Deutschland 1334 2919,5 947 23421 8570,2 5530,6 1 188 (1)


4.2 Informationen der Imker

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Zur Erleichterung der Informationsübermittlungen ist dem Bericht in Anlage eine aktuelle

Liste (Stand: Dezember 2011) der Landesgeschäftsführer des Deutschen Berufs und Erwerbs

Imker Bunds e.V. sowie des Deutschen Imkerbundes angefügt.

Baden-Württemberg

In einer Besprechung am 14.01.2011 legte das Ministerium für Ernährung und Ländlichen

Raum, Stuttgart, gemeinsam mit dem Württembergischen und Badischen Imkerverband, dem

Berufs- und Erwerbsimkerbund und dem Landesverband Erwerbsobstbau Maßnahmen zur

Umsetzung des Strategiepapiers für 2011 fest. Die Imkerverbände informierten ihre Mit-

gliedsvereine hierüber und über die Abrufnummern des telefonischen Auskunftsgebers, über

den die Termine für die Anwendung von streptomycinhaltigen Mitteln von den Landratsäm-

tern mitgeteilt werden. Das LTZ-S benachrichtigte direkt die Vorsitzenden des badischen und

württembergischen Imkerverbandes sowie des Berufs- und Erwerbsimkerbunds über die aktu-

elle Infektionsgefahr. Insbesondere am Bodensee wurden die örtlichen Imker vor Beginn der

Feuerbrandsituation über die Strategie sowie fortlaufend über die aktuelle Infektionsgefahr

informiert, so dass sie soweit möglich vor der ersten Behandlung abwandern konnten. Dass es

trotzdem zu Höchstgehaltsüberschreitungen im Honig in 2011 kam, lag auch daran, dass gutes

Trachtwetter mit dem erforderlichen Anwendungstermin zusammenfiel und die Bienen örtlich

gebundener Imker wegen der Anbaudichte des Kernobstes in der Region nur bedingt auf

andere Trachten ausweichen konnten.

Bayern

Die Überwachung der Rückstandssituation von Streptomycin im Honig (amtliche und nicht

amtliche Untersuchung), die Beurteilung der Verkehrsfähigkeit und der Ankauf nicht ver-

kehrsfähigen Honigs wurden mit Vertretern des Bayerischen Erwerbsobstbau-Verbandes und

der Imkerschaft im Vorfeld geregelt. Die Vertreter des Erwerbsobstbaus und der Imkerschaft

haben den Maßnahmenkatalog zum Einsatz von Strepto und Firewall 17 WP mitgezeichnet.

Gemäß dem Eckpunkte-Papier (Punkt Nr. 4) wurden die Imker über die Anwendung strepto-

mycinhaltiger Pflanzenschutzmittel im Erwerbsobstbau und möglicher Folgen im Hinblick

auf die Herabsetzung des Rückstand-Höchstgehaltes von früher 0,02 mg/kg auf nunmehr 0,01

mg/kg informiert. Den Imkern wurde angeraten, ihren zur Zeit der Obstblüte erzeugten Honig

beproben zu lassen.

Die Information erfolgte sowohl über die Internetseiten der LfL als auch des Fachzentrums

für Bienen an der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG). Zusätzlich

wurde ein entsprechender Artikel im „Bienen@Imkerei“ Infobrief der LWG an über


5000 Abonnenten elektronisch versandt.

Hessen

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Es fanden Gespräche mit dem Hessischen Landesverband für Erwerbsobstbau statt. Hierbei

wurden die Modalitäten für einen Aufkauf nicht verkehrsfähiger Honige festgelegt. Eine ent-

sprechende schriftliche Vereinbarung zwischen Hessischem Landesverband für Erwerbsobst-

bau und Hessischem Ministerium für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucher-

schutz liegt dem BVL vor.

Erste Kontaktaufnahme mit dem Deutschen Berufs- und Erwerbsimker Bund e.V. (DBIB)

und dem Landesverband hessischer Imker erfolgte am 14.01.2011. In mehreren Telefonaten

und per Email wurden diese über die für 2011 geplante Vorgehensweise zur Bekämpfung des

Feuerbrandes informiert. Nach Erteilung der Genehmigung nach § 11 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2

PflSchG, wurden der Landesverband hessischer Imker und der Erwerbs- und Berufsimker-

verband über die Genehmigung informiert. Gleichzeitig wurde den Verbänden die Allge-

meinverfügung und eine Liste (Anschriften und gemeldete Gemarkungen) aller Betriebe, die

einen Berechtigungsschein erhalten hatten, übermittelt.

Beide Imkerverbände erklärten sich schriftlich mit der Vorgehensweise einverstanden. Diese

Erklärungen liegen dem BVL vor.

Rheinland-Pfalz

Die Vereinbarung über den Einsatz von Streptomycin im Kernobstanbau in RP wurde von

den Imkerverbänden, den Erwerbsobstarbeitskreisen, der Pflanzenschutzberatung (DLR) und

dem Ministerium für Wirtschaft, Verkehr, Landwirtschaft und Weinbau im Umlaufverfahren

während des Februars unterzeichnet und an das BVL übersandt.

Über die Möglichkeit, auch im Jahr 2011 im Kernobstanbau Streptomycin einsetzen zu dür-

fen, wurde die Imkerschaft vorab informiert. Ebenso waren die Obstbauern wiederum aufge-

fordert worden, die beabsichtigten und tatsächlich stattgefundenen Streptomycin-Behandlun-

gen den umliegenden Imkern mitzuteilen. Zum Ende der Blüte wurden die Imker dann über

die tatsächlich behandelten Flächen informiert, damit ihnen die Möglichkeit eingeräumt war,

später Honigproben zur Untersuchung auf Streptomycin-Rückstände untersuchen zu lassen.

Sachsen

Bei einer Beratung zur Abstimmung über die Maßnahmen gegen die Feuerbrandkrankheit im

Sächsischen Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft am 08.02.2011 wurden die

Modalitäten der Anwendung von Streptomycin und Maßnahmen zur Sicherung und Kontrolle

der sachgerechten Anwendung festgelegt. An der Beratung nahmen u.a. Vertreter des Lan-

desverbandes „Sächsischer Imker“ und des Landesverbandes „Sächsisches Obst“ teil. Ein


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Vertreter des DBIB, Landesgruppe Sachsen konnte an der Beratung nicht teilnehmen, war

aber in die Vorbereitung einbezogen und hat das Beratungsprotokoll mit seinen Festlegungen

mitgezeichnet.

Es wurde vereinbart, bei Warndienstaufruf während der Blüte, den Landesverband „Sächsi-

scher Imker“ und die Landesgruppe Sachsen des DBIB zu informieren. Der Landesverband

„Sächsischer Imker“ und der DBIB, Landesgruppe Sachsen wurden am 10.05.2011 infor-

miert, dass für den 11.05.2011 ein Aufruf zur Behandlung blühender Kernobstbestände mit

Streptomycin gegen Feuerbrand für den Raum Dresden-Pillnitz und Wurzen zu erwarten ist.

Wanderimker waren zu diesem Zeitpunkt aus den zu behandelnden Anlagen bereits ausge-

wandert. Bei der o. g. Besprechung wurde ein Aufkaufpreis von max. 6 €/kg unverpackter

Honig vereinbart.

4.3 Untersuchungen von Honig auf Streptomycinrückstände

Aufgrund der seit 01.09.2008 voll wirksamen Verordnung (EG) Nr. 396/2005 über Höchstge-

halte an Pestizidrückständen in oder auf Lebens- und Futtermitteln pflanzlichen und tierischen

Ursprungs gilt, da kein spezifischer Höchstgehalt für den Wirkstoff Streptomycin festgesetzt

wurde, der Vorsorgewert von 0,01 mg/kg Honig. Zuvor galt nach der bisherigen Regelung

0,02 mg/kg Honig als Höchstgehalt. Soweit Analyseergebnisse der Honigproben Über-

schreitungen ergaben, wurden diese in den Bundesländern aufgekauft und entsorgt. Es kam

kein Honig in Verkehr, der oberhalb des Höchstgehalts lag.

Alle in die Untersuchungen einbezogenen Labore arbeiteten nach anerkannten Vorschriften.

Bedingt durch die extrem sensible Analytik ergeben sich je nach Labor unterschiedliche Be-

stimmungsgrenzen. Auch können Schwankungen innerhalb eines Labors in Abhängigkeit der

Einzelläufe als nicht ungewöhnlich angesehen werden.

Die Bundesländer berichteten wie folgt:

Baden-Württemberg

Das LTZ untersuchte 212 Honigproben. Für die Bewertung der Proben ist der gesetzlich fest-

gelegte Rückstandshöchstgehalt für Streptomycin von 0,01 mg/kg Honig maßgebend. Danach

waren 88 Proben nicht zu beanstanden, weil die Streptomycinwerte unterhalb der Bestim-

mungsgrenze liegen (45 Proben) beziehungsweise der Rückstandshöchstgehalt von

0,01 mg/kg Honig nicht überschritten (43 Proben) ist. Allerdings wiesen 96 Proben Gehalte

an Streptomycin über dem Rückstandhöchstgehalt auf. Der höchste gefundene Wert betrug

0,063 mg/kg Honig. Die 96 Proben stehen für eine Honigmenge von ca. 8.900 Kilogramm,

einer ähnlich hohen Menge wie im Jahr 2008. Der Honig wurde beim KOB Bavendorf unter

genauer Dokumentation gesammelt und anschließend in einer Biogasanlage entsorgt. Im


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Rahmen der Lebensmittelüberwachung wurden 37 Honige risikoorientiert auf Streptomycin

untersucht. Kein Honig wurde beanstandet.

Bayern

Für die Organisation und Durchführung der Rückstandsuntersuchungen von Honig ist das

Bayerische Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit zuständig. Die Rückstandssituation

wurde in den betroffenen Gebieten im Rahmen der amtlichen Lebensmittelüberwachung

durch eine gewichtete Stichprobe überprüft. Der Probenumfang wurde dabei anhand einer

situationsbezogenen Risikobewertung festgelegt. Die Probenahme des Honigs erfolgte durch

die örtlich zuständige Kreisverwaltungsbehörde (Lebensmittelüberwachung) nach amtlich

vorgeschriebenem Probenahmeverfahren. Die Proben wurden am Bayerischen Landesamt für

Gesundheit und Lebensmittelsicherheit untersucht.

Von der amtlichen Lebensmittelüberwachung wurden bisher 14 Proben gezogen, davon in

Schwaben 3 Proben, Oberbayern 7 Proben und Niederbayern 4 Proben. Zwei Proben aus

Lindau (65,2 kg) lagen über dem Rückstandshöchstgehalt (0,037 mg/kg ± 0,019 mg/kg und

0,035 mg/kg ± 0,018 mg/kg) und sind damit nicht verkehrsfähig. Nicht im Rahmen der

amtlichen Lebensmittelüberwachung erfasste Honige aus dem unmittelbaren Umkreis (bis

3 km) um eine behandelte Obstanlage konnten von betroffenen Imkern gebührenfrei im

Kantonalen Amt für Lebensmittelkontrolle in St. Gallen/Schweiz untersucht werden lassen.

Die Probenahme war beim zuständigen Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten bis

20.05.2011 zu beantragen. Es wurden 25 Proben eingereicht. In 23 Honigproben konnte

Streptomycin oberhalb der Nachweisgrenze von 0,0008 mg/kg nachgewiesen werden. Sieben

der untersuchten Honigproben überschritten den Rückstandshöchstgehalt von 0,01 mg/kg.

Diese Proben erzielten Gehalte im Bereich von 0,0106 bis 0,0209 mg/kg. Es betrifft eine

Honigmenge von 812,6 kg. Die betroffenen Honigpartien wurden in Absprache mit der

amtlichen Lebensmittelüberwachung in einer Tierkörperbeseitigungsanlage entsorgt. Die

Imker wurden gemäß dem Maßnahmenkatalog entschädigt.

Hessen

Da keine Bienenvölker in der Nähe tatsächlich behandelter Anlagen zu ermitteln waren,

erfolgte in Absprache mit den Imkern keine Beprobung von Honig.

Rheinland-Pfalz

In Rheinland-Pfalz wurden 4 Honigproben gezogen und auf mögliche Streptomycinsulfat-

Rückstände untersucht. In allen Proben konnten keine Rückstände nachgewiesen werden.


Sachsen

Es wurden 14 Honigproben in der Landesuntersuchungsanstalt für das Gesundheits- und

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Veterinärwesen Sachsen auf Streptomycin untersucht. Alle Untersuchungsergebnisse waren

negativ.

Sachsen-Anhalt

Honigproben wurden nicht untersucht, da keine Anwendung von Streptomycin während der

Blüte erfolgte.

Thüringen

Zur Kontrolle der Verkehrsfähigkeit von in der Nähe von Obstanlagen erzeugten Honigen

wurden in 2011 in Thüringen 11 Honigproben auf Rückstände von Streptomycin untersucht.

Die Probenahme erfolgte durch die zuständigen Veterinär- und Lebensmittelüberwachungs-

ämter. Bei der Untersuchung dieser Proben wurden keine Rückstände von Streptomycin und

anderen Antibiotika gefunden.

4.4 Untersuchungen von Äpfeln auf Streptomycinrückstände

Die Untersuchungen von Äpfeln auf Streptomycinrückstände waren entweder ohne Befund

oder lagen in Einzelfällen weit unterhalb des Rückstandshöchstgehalts von 0,01 mg/kg Apfel.

Die Bundesländer berichteten wie folgt:

Baden-Württemberg

Gemäß dem Eckpunktepapier der Länder zur Reduktion der Streptomycinanwendungen

wurde in Baden-Württemberg ein Vorerntemonitoring auf Streptomycinrückstände in Früch-

ten durchgeführt. Dazu wurden 69 Apfelproben auf Streptomycinrückstände untersucht. In

keiner Probe wurden Rückstände oberhalb des zulässigen Rückstandshöchstgehalts von

0,01 mg/kg gefunden.

Bayern

Bayern beteiligte sich am geforderten Vorerntemonitoring (Punkt Nr. 9 des Eckpunkte-

papiers). Es wurden im Anbaugebiet Lindau 10 Proben der Sorte ‘Elstar‘ am 10.08.2011

gezogen. Die Proben wurden am Institut für Umwelt und Lebensmittelsicherheit des Landes

Vorarlberg untersucht. In keiner der Proben konnte Streptomycin nachgewiesen werden (die

Nachweisgrenze betrug 0,002 mg/kg). Alle Vorernteproben entsprachen damit zum Proben-

ziehungstermin den lebensmittelrechtlichen Vorgaben.


Rheinland-Pfalz

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In Rheinland-Pfalz wurden zur Ernte 6 Apfelproben in Betrieben mit Streptomycin-Anwen-

dung gezogen und am LTZ Augustenberg auf mögliche Rückstände untersucht. In keiner der

Proben wurden Rückstände an Streptomycin mit einem Gehalt oberhalb der analytischen

Bestimmungsgrenze nachgewiesen.

4.5 Überwachung nicht genehmigter Anwendung streptomycinhaltiger Mittel

Die Länder berichteten:

Baden-Württemberg

Nach der Freigabe streptomycinhaltiger Mittel wurden 67 Blütenproben aus Anlagen gezo-

gen, für die kein Berechtigungsschein vorlag. In einer Probe wurde Streptomycin in einer

Menge gefunden, die auf eine ungenehmigte Anwendung schließen lässt. Der Fall wird

derzeit geprüft.

Bayern

Zur Kontrolle unerlaubter Streptomycin-Anwendungen wurden von den zuständigen Ämtern

für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten im Intensiv- und Streuobstbau Blütenproben

gezogen und im Institut für Pflanzenschutz der LfL untersucht. In keiner der 19 Proben

(Schwaben 10, Niederbayern 2, Oberbayern 5, Unterfranken 2) konnte Streptomycin

nachgewiesen werden.

Brandenburg

In den zur Überprüfung der Einhaltung gesetzlicher Regelungen gezogenen Pflanzenproben

wurden keine Rückstände von Streptomycin analysiert.

Hessen

Am 16.05.2011 wurden 8 Anlagen, von denen bekannt war, dass die Eigentümer nicht im Be-

sitz eines Berechtigungsscheines waren, auf einen illegalen Einsatz eines streptomycinhalti-

gen Präparates hin beprobt. Die Blattproben wurden am 25.05.2011 in der Diagnoseeinrich-

tung des Pflanzenschutzdienstes serologisch untersucht. Es konnte kein Hinweis auf einen

nicht genehmigten Einsatz eines streptomycinhaltigen Präparates gefunden werden.

Nordrhein-Westfalen

Der amtliche Pflanzenschutzdienst führte 4 Kontrollen auf nicht genehmigten Einsatz strep-

tomycinhaltiger Präparate mittels Fass- und Rückstandsproben aus Obstanlagen durch. In

keiner der vier Proben konnte Streptomycin nachgewiesen werden.


Rheinland-Pfalz

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Veranlasst von der Aufsichts- und Dienstleistungsdirektion wurden etwa 2-3 Wochen nach

dem empfohlenen Streptomycineinsatz stichprobenartig insgesamt 30 Blattproben aus Apfel-

und Birnen-Ertragsanlagen entnommen (Rheinhessen: 10; Pfalz: 20) und im Dienstleistungs-

zentrum Ländlicher Raum Rheinpfalz auf Streptomycinrückstände analysiert (4 x 4 Blätter je

Probe, ELISA-Test). Die Proben wurden in potenziellen Befallsgebieten aus solchen Anlagen

entnommen, für die keine Berechtigungsscheine zum Bezug von Streptomycin beantragt

waren. Bei allen 30 Proben war der Befund negativ.

Sachsen

Zur Überwachung nicht genehmigter Anwendungen von Streptomycin wurden im Zeitraum

zwischen dem 27.06.2011 und 13.07.2011 Blattproben gezogen. Die Proben kamen aus

11 Apfel-, 1 Birnen- und 2 Quittenanlagen aus insgesamt 13 Betrieben. Bei der Auswahl der

beprobten Anlagen lag der Schwerpunkt auf Kernobstanlagen, in denen in den vergangenen

Jahren Feuerbrand nachgewiesen wurde, aber kein Antrag für den Bezug und die Anwendung

eines streptomycinhaltigen Pflanzenschutzmittels gestellt wurde. Die Untersuchung der Pro-

ben erfolgte mittels HPLC-MS/MS-Methode, Nachweisgrenze 0,1 mg/kg Frischblatt. In kei-

ner der untersuchten Proben wurden Rückstände von Streptomycin nachgewiesen. Es wurden

also keine unerlaubten Anwendungen von Streptomycin in Erwerbsobstbaubetrieben festge-

stellt.

Sachsen-Anhalt

Von der Kernobstfläche im Erwerbsobstbau Sachsen-Anhalts (insgesamt 1125 ha) wurden

16 Blattproben auf Streptomycin-Rückstände mit negativem Ergebnis untersucht. Eine ille-

gale Anwendung von Streptomycin-Präparaten konnte somit nicht nachgewiesen werden.

Thüringen

Um zu überprüfen, ob Streptomycin entgegen den gesetzlichen Regelungen auch ohne

Erlaubnis angewendet wurde, erfolgten im Zeitraum vom 02.05.2011 bis 04.05.2011 unan-

gemeldete Kontrollen in Erwerbsobstbetrieben. Dabei wurden in 15 Betrieben insgesamt

30 Zweigproben aus Apfel- und Birnenanlagen durch die zuständigen Landwirtschaftsämter

entnommen. Die Untersuchung auf Streptomycin erfolgte in der Thüringer Landesanstalt für

Landwirtschaft mittels ELISA-Test. Es wurden keine Streptomycinrückstände nachgewiesen.


4.6 Überwachung von Streptomycinresistenz des Feuerbranderregers

SEITE 31 VON 47

In Baden-Württemberg werden die Feuerbranderreger regelmäßig auf eine mögliche Strepto-

mycinresistenz untersucht. Feuerbrandisolate, die bei der Untersuchung von Verdachtsproben

aus dem Erwerbsanbau, dem Streuobst und dem Öffentlichen Grün anfallen, werden dazu auf

ihre Fähigkeit überprüft, auf streptomycinhaltigem Nährboden zu wachsen. Die Streptomy-

cingehalte betrugen 100, 50 und 20 mg/l. Weder unter den 24 in 2010, noch unter den 27 in

2011 gewonnenen Isolaten wurde eine Resistenz gegen Streptomycin festgestellt.


5. Schlussfolgerungen

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Deutschland kann insgesamt als Befallsgebiet angesehen werden. Es hängt sehr stark vom

Wetter während der Obstblüte ab, ob Feuerbrandbefall in größerem Umfang auftritt oder

nicht. 2011 war das Wetter während der Obstblüte für den Schadorganismus zwar günstig,

allerdings spielt auch der Befallsdruck aus dem Vorjahr eine Rolle, der gering war. So war

bundesweit nur geringer oder gar kein Befall zu beobachten. Dennoch muss für die künftigen

Jahre unabhängig von den letzten schwachen Befallsjahren davon ausgegangen werden, dass

Feuerbrandbefall bei für den Erreger günstigen Witterungsverhältnissen ähnlich stark wie in

den starken Befallsjahren 2007 oder 2008 auftreten kann. Unter diesen Voraussetzungen sind

Möglichkeiten für eine praktische Bekämpfung des Feuerbrands unter den Verhältnissen des

jeweiligen Jahres von entscheidender Bedeutung.

Der Informationsfluss zwischen Landesbehörden, Verbänden des Obstbaus und Imkerverbän-

den ist wie in den Vorjahren schon, überwiegend gut. Um Kommunikationsabläufe in Einzel-

fällen weiter zu verbessern, führt dieser Bericht im Anhang 1 nochmals ein aktuelles Adress-

verzeichnis der Ansprechpartner der Landesimkerverbände auf.

Sachgerecht und sachdienlich ist das Thema der Honigbeprobungen auf mögliche Rückstände

in den Ländern geregelt worden. Die Imker waren nach den vorliegenden Berichten über die

aktuelle Befallssituation und entsprechende Warnaufrufe informiert. Dass es trotzdem in der

Bodenseeregion zu größeren Mengen aufzukaufenden Honigs kam, ist auch auf das ungüns-

tige Zusammentreffen von gutem Trachtwetter und der erfolgten Feuerbrandbekämpfung

zurückzuführen.

Das Zusammenwirken von Information, Prognose und Kontrolle wird weiterhin Vorausset-

zung für die Maßnahmen der Strategie zur Bekämpfung des Feuerbranderregers im Obstbau

ohne Antibiotika sein. Die aus den Länderberichten ersichtliche, tatsächlich ausgebrachte

Menge Streptomycin belegt, dass die Obstbauern auch 2011 verantwortungsvoll und zurück-

haltend mit streptomycinhaltigen Pflanzenschutzmitteln zur Bekämpfung der Feuerbrand-

krankheit am Kernobst umgegangen sind. In Gebieten mit geringem Befallsrisiko wurde es

oft nicht angewandt, selbst wenn Bezugsscheine ausgegeben wurden. Zudem konnte mit einer

verbesserten Feuerbrandprognose gearbeitet werden. Die bisherigen Maßnahmen zur Be-

kämpfung des Feuerbrands an Kernobst müssen unbedingt fortgeführt werden. Deshalb ist die

Möglichkeit, Streptomycin gemäß § 11 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 (Gefahr im Verzuge) des Pflan-

zenschutzgesetzes zu nutzen, für die erforderlichen Fälle beizubehalten, allerdings weiterhin

unter Beachtung der im Bericht dargestellten Voraussetzungen und Eckpunkte. Die Erfor-

schung und Entwicklung von Alternativpräparaten zu Streptomycin schreitet voran und ist

weiter zu unterstützen.


Der NABU-Bundesfachausschuss Streuobst setzt sich intensiv für eine breit gefächerte

Bekämpfung des Feuerbrandes ein. Zu den vom NABU getroffenen Maßnahmen zählen:

• Regelmäßige Thematisierung in den eigenen Veröffentlichungen

(NABU-Streuobstrundbrief);

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• Ständiger Austausch und Berichterstattung im Rahmen der dreimal jährlichen Bundes-

fachausschuss Sitzungen sowie im Kontakt mit den am stärksten betroffenen NABU-

Landesverbänden;

• Betreiben einer eigenen Sonderseite „Feuerbrand“ im Internet unter www.Streuobst.de;

• Kontakte mit Imkern, anderen Umweltverbänden und Ökolandbauverbänden in Deutsch-

land, Österreich und der Schweiz.

Streuobstwiesen gelten mit allein über 5.000 Tier- und Pflanzenarten sowie mindestens 3.000

Obstsorten allein in Deutschland als „Hot spots“ der Biologischen Vielfalt. Der naturschutz-

fachliche Wert eines Hochstamm-Obstbaumes entwickelt sich erst ab einem Alter von rund

40 Jahren. Rodungen von Hochstamm-Obstbäumen sind daher nach Ansicht des NABU nur

in zu begründenden Einzelfällen und nach labortechnischem Nachweis von Feuerbrand und

dann im Regelfall nur an Birnbäumen mit hochanfälligen Sorten sowie in Kombination mit

geeigneten Nachpflanzungen vorzunehmen.

Die Fachgruppe Obstbau des Bundesausschusses Obst und Gemüse fordert eine Fortführung

der bisherigen Maßnahmen zur Bekämpfung der bakteriellen Erkrankung an Kernobst. Die

Erforschung und Entwicklung von Alternativpräparaten zu Streptomycin schreitet nur lang-

sam voran, jedoch konnten mit einem Stoff wiederholt ermutigende Ergebnisse erzielt wer-

den, so dass sich in den kommenden Jahren ggfls. eine Alternative abzeichnet. Ein Verzicht

auf das Antibiotikum ist zunächst weiterhin nicht möglich.

Die Länderberichte belegen, dass die Obstbauern verantwortungsvoll mit Streptomycin-halti-

gen Pflanzenschutzmitteln zur Bekämpfung der gefährlichen Feuerbrandkrankheit am Kern-

obst umgegangen sind. Die Situation bezüglich des Honigs in Baden-Württemberg wird

weiter analysiert.

Weiterhin hält die Fachgruppe Obstbau an dem Ziel fest, durchgreifende Alternativen zur Be-

kämpfung des Feuerbranderregers mit antibiotikahaltigen Pflanzenschutzmitteln zu etablieren.

Solange keine ausreichend wirksamen Alternativen zur Verfügung stehen, ergreifen die Lan-

desverbände der Fachgruppe Obstbau und die Fachgruppe selber alle geeigneten Maßnahmen

der Vorsorge:

• Informationsveranstaltungen mit Obstbauern im Winterhalbjahr

• Konsensgespräche mit Imkern, Amtlicher Pflanzenschutz und Obstbauern

• Unterstützung von Sortenprüfungen durch den Arbeitskreis Züchtung und die

entsprechende Fachkommission Kernobst


• Wiederkehrende Thematisierung in den eigenen Veröffentlichungen (Zeitschrift

OBSTBAU)

• Austausch und Berichterstattung im Rahmen von Sitzungen und Tagungen

• Aufforderung, bekannte Befallsstellen im Rahmen der Pflanzenhygiene gründlich zu

entfernen

• Wiederholte Hinweise, besonders anfällige Pflanzen in Städten, Siedlungen sowie das

vielfach vom Feuerbrand befallene Streuobst genau zu beobachten.

SEITE 34 VON 47

Die intensiven Bemühungen des Pflanzenschutzdienstes und der Fachberatung zur Umset-

zung der Feuerbrandstrategie sind erfolgreich und fortzusetzen. Vor allem die Entwicklung

und Weiterentwicklung entsprechender Prognosemodelle muss vorangetrieben werden. Ein

im Rahmen des BMELV-Forschungsprogramms erarbeitetes verbessertes Prognoseprogramm

stand 2011 allen Ländern zur Verfügung und wurde nahezu überall eingesetzt. Damit stellen

alle Länder ihre Prognosen auf die gleichen Grundlagen. Erfahrungen mit dem neuen Modell

wurden ausgetauscht. Der Austausch muss auch hinsichtlich einer Ergänzung der Prognose

durch ein Blütenmonitoringprogramm fortgesetzt werden.

Bei den zu erwartenden Schwankungen im vorhandenen Erregerpotential wird das Blüten-

monitoring auf die Besiedelung mit E. amylovora wachsende Bedeutung erlangen. Das ver-

besserte Prognose-Modell erlaubt Berechnungen mit verschiedenen Infektionsrisiken. Deren

Einschätzung basiert hauptsächlich auf der Kenntnis des Vorjahresbefalls in einer Region. Mit

dem Blütenmonitoring kann für den beprobten Standort eine „Ist-Korrektur“ der Berechnung

vorgenommen werden. Das derzeitige niedrige Befallsniveau wird nicht dauerhaft anhalten.

Das Auftreten des Feuerbrandes in Befallswellen lässt ein erneutes Anschwellen erwarten.

Die Kombination Berechnung/Vorhersage der Infektionsbedingungen und Einschätzung des

Inokulums vor Ort lässt eine bessere Einschätzung der ansteigenden Infektionsgefahr

erwarten.

Fortzusetzen sind die Bemühungen zur Züchtung resistenter Sorten, die qualitativ mit inter-

national marktgängigen Sorten mithalten können.


6. Zusammenfassung

SEITE 35 VON 47

Auch 2011 trat Feuerbrand aufgrund der Witterung nur in geringem Umfang auf. Einzelne

Neu-Befallsstellen und Erregernachweise im Altbefall zeigen jedoch, dass E. amylovora nach

wie vor verbreitet ist.

Das BVL erteilte eine mit strengen Anwendungsbestimmungen und Auflagen versehene Ge-

nehmigung gemäß § 11 Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 (Gefahr im Verzuge) des Pflanzenschutzgesetzes.

Die Anforderungen des Vorjahres bestanden fort. Die Genehmigung erfolgte zusätzlich vor

dem Hintergrund von zwischen BMELV und Ländern abgestimmten Eckpunkten.

Allgemeinverfügungen wurden von Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Nordrhein-West-

falen, Rheinland-Pfalz, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen erlassen. In Thüringen

konnte vollständig auf die Anwendung streptomycinhaltiger Pflanzenschutzmittel verzichtet

werden, in Nordrhein-Westfalen, Sachsen und Sachsen-Anhalt war eine Anwendung nur auf

Versuchsflächen bzw. zum Schutz von Wildartensammlungen und Reisermuttergärten erfor-

derlich. Nach den Meldungen der Länder wurden 2011 ca. 5.500 ha Kernobst mit Strepto-

mycin behandelt, in der Regel bei einmaliger Anwendung.

2011 kam es in Baden-Württemberg zu einer ungünstigen Überschneidung von Behand-

lungsterminen und Tagen mit hohem Honigeintrag. Zu diesem Zeitpunkt standen im betroffe-

nen Gebiet kaum andere Trachten zur Verfügung und es kam zu Honigbelastungen. Insgesamt

mussten dort 8.900 kg Honig aufgekauft werden. Die entsprechenden Chargen wurden in

einer Biogasanlage verwertet. Auch in Bayern wurden 877 kg Honig mit Werten über dem

Höchstgehalt von 0,01 mg/kg aufgekauft und vernichtet. In den Handel sind diese Honige mit

Streptomycinrückständen nicht gelangt.

Die Untersuchungen zu Streptomycin in Äpfeln aus der Vorernte zeigten keine überhöhten

Belastungen. Aus Abbaureihen und den durchgeführten Versuchen zum Transport von

Streptomycin in der Pflanze gibt es keine Hinweise auf die Gefahr einer Höchstgehaltsüber-

schreitung bei Einhaltung der aktuellen Anwendungsbeschränkungen. Die Kommunikation

zwischen Obstbau und Imkern verlief reibungslos. Weitergehende Probleme sind nicht

bekannt geworden.

In der Forschung wurden die Bemühungen zur Erregerbiologie und zur Bereitstellung von

Alternativen zum Antibiotikum Streptomycin für alle Anbauformen des Obstbaus intensiv

fortgesetzt. Für gleichwertige Bekämpfungserfolge müssen weiterhin die langfristig angeleg-

ten Strategien zur Bekämpfung unter Nutzung aller Faktoren aus der Forschung einschließlich

epidemiologischer Erkenntnisse fortgeführt werden.


Teil B: Berichte aus Österreich und der Schweiz

Feuerbrandsituation 2011 in Österreich

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Auch 2011 war es in Österreich in Bezug auf Feuerbrand eher ruhig. Die vergangenen Vege-

tationsperioden mit geringem Befall in den meisten Regionen einerseits und einer erhöhten

Sensibilität für das Thema durch Berater und Landwirte andererseits haben das Erregerpoten-

tial auf niedrigem Niveau gehalten. Dazu war das Infektionsrisiko während der kritischen

Kernobstblütezeit (mit lokalen Ausnahmen) eher gering, daher wurden Erwerbsanlagen und

Hochstamme in den meisten Gebieten von Feuerbrand verschont. Anfang April wurde man-

cherorts eine erste Wärmephase und damit auch bereits leichte Infektionsbedingungen ver-

zeichnet, dadurch waren aber nur Birnen in extrem frühen Lagen gefährdet. Die Hauptinfekti-

onstermine beschränkten sich fast überall auf den Zeitraum 20. bis 26. April. Schwerer Feuer-

brandbefall war in den meisten Fällen auf Altbefall zurückzuführen.

Streptomycineinsatz

Das Bundesamt für Ernährungssicherheit (BAES) hat am 25.03.2011 die Gefahr-in-Verzug-

Zulassungen für die streptomycinhaltigen Pflanzenschutzmittel "Strepto" und "Firewall 17

WP" erteilt, die Zulassung endete am 15.06.2011.

Insgesamt wurden im Frühjahr 2011 46,8 ha Kernobstflächen in den Bundesländern Steier-

mark (33,6 ha), Niederösterreich (3,2 ha) und Vorarlberg (10 ha) mit insgesamt 26,9 kg

streptomycinhältigen Pflanzenschutzmitteln behandelt. Wie in den Vorjahren durften maxi-

mal zwei Behandlungen während der Blüte nach Freigabe durch die zuständige Landesbe-

hörde vorgenommen werden. Dabei handelte es sich fast ausschließlich um eine einmalige

Applikation. Auf Länderebene erfolgte wieder ein Honigmonitoring, sodass die Rückstands-

freiheit des verkauften Honigs gewährleistet werden konnte. Alle Rückstände in den unter-

suchten Proben lagen unter der Höchstwertgrenze. Wegen des geringen Einsatzes streptomy-

cinhältiger Pflanzenschutzmittel erfolgte kein spezifisches Rückstandsmonitoring (über das

planmäßige, jährliche Rückstandsmonitoring gemäß LMSVG hinausgehend) der Ernte-

produkte.

Im Rahmen des jährlich durchgeführten Resistenzmonitorings konnte keine verminderte

Sensitivität von Feuerbrandisolaten gegenüber Streptomycin festgestellt werden.

http://www.ages.at/ages/landwirtschaftliche-

sachgebiete/pflanzenschutzmittel/aktuelles/befristete-zulassung-von-streptomycin-2011/

Suche nach Alternativen zum Antibiotika-Einsatz:

Bereits zum zweiten Mal wurden in Österreich am LVZ Haidegg Freilandversuche zur Wirk-

samkeitsprüfung von Präparaten gegen Feuerbrand mit künstlicher Inokulation durch den

Feuerbranderreger Erwinia amylovora durchgeführt. In einer eigens angelegten Versuch-

parzelle außerhalb von Obstbaugebieten wurden zweijährige Bäume der Sorte ´Gala´ ge-


SEITE 37 VON 47

pflanzt. Die Anlage ist durch Hagelnetze rundherum geschlossen um einen Zuflug von blü-

tenbesuchenden Insekten von außen und einen Abflug der Bestäubungsbienen zu verhindern.

Damit wird auch eine Verbreitung des Erregers außerhalb des Versuches unterbunden. Die

Versuchsplanung wurde mit dem Amtlichen Pflanzenschutzdienst Steiermark und dem Insti-

tut für Pflanzengesundheit der AGES unter Beachtung strengster Sicherheitsauflagen erstellt.

Gemäß der EPPO–Richtlinie PP 1/166(3) wurden getopfte Bäumchen (`Golden Delicious´) in

der Anlage platziert und mit Feuerbrandbakterien (10 8 cfu/ml) besprüht. Für eine weitere

Verbreitung der Erreger auf alle Versuchsbäume wurden Bestäubungsbienen eingesetzt, sie

wurden nach Versuchsende vernichtet. Die Inokulation der Versuchsbäume erfolgte am

21. April, die ersten Symptome traten am 5. Mai auf und entwickelten sich zu einem starken

Befall. (In den unbehandelten Parzellen wurde ein Befall von 31% der Blütenbüschel

bonitiert.) Die Behandlungstermine waren für alle Präparate der 21. und 24. April, Vacciplant

wurde ausserdem einmal davor gesprüht.

Der Wirkungsgrad (WG) für das Vergleichsmittel (Strepto) erreichte 67%. Folgende zwei

weitere Varianten waren statistisch signifikant gleich hoch wirksam: 1. Vacciplant (Lamina-

rin) vor Inokulation, dann Vacciplant + Mycosin (65% WG). 2. Curamin + Vittafos (60%

WG). Als drittes Versuchspräparat wurde Juglon eingesetzt, der Erfolg lag mit 26% WG unter

den Erwartungen. Möglicherweise störte eine starke Sonneneinwirkung die Stabilität des Pro-

duktes, an der Verbesserung des Präparates wird gearbeitet.

Forschungsprojekte mit dem Themenschwerpunkt FEUERBRAND in Österreich

• Erforschung alternativer Strategien zur langfristigen Eindämmung von Feuerbrand ohne

Antibiotika im Obstbau (AGES, ARC Seibersdorf), 2009-2011

No. 100448 www.dafne.at

• Entwicklung von 3-Deoxyflavonoid-basierten Erwinia Bakteriziden und eines Systems

zum Bienen-Erwinia-Monitoring (TU-Wien, AGES), 2009-2011

No. 100404 www.dafne.at

• Interreg IV „Gemeinsam gegen Feuerbrand“ (der Vorarlberger Landesregierung in

Kooperation mit 12 Partnern in Deutschland, Schweiz, Liechtenstein und Österreich),

2007-2011

www.feuerbrand-bodensee.org

Die Broschüre mit dem Titel "Gesamtheitliche Strategie zur Bekämpfung des Feuerbrandes in

Österreich 2009-2013" ist unter

http://www.ages.at/landwirtschaft/landwirtschaftliche-

sachgebiete/pflanzengesundheit/feuerbrand/gesamtheitliche-strategie-feuerbrand/

abrufbar.


Feuerbrandsituation 2011 in der Schweiz

Mit dem Temperaturanstieg ab 18. April nahm das berechnete Erregerinfektionspotential

SEITE 38 VON 47

(EIP) in der Osterwoche markant zu. Regional bestand bereits am Karfreitag (22. April) eine

hohe Infektionsgefahr. In Erwerbsanlagen und bei Hochstammbäumen wurde wenig Feuer-

brandbefall verzeichnet. Das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) hat den Einsatz des Anti-

biotikums Streptomycin zur Bekämpfung des Feuerbrands örtlich begrenzt und befristet bis

zum 1. Juli 2011 zugelassen.

Infektionsbedingungen während der Kernobstblüte

Während der Blütezeit des Kernobstes hat die Forschungsanstalt Agroscope-Changins

Wädenswil ACW die Infektionsgefahr an mehr als sechzig Standorten täglich unter

www.feuerbrand.ch veröffentlicht. Bei der Berechnung verwendet ACW das von Frau Dr. E.

Moltmann (LTZ Augustenberg, Stuttgart) adaptierte Prognosemodell Maryblyt (Windows-

Version).

In der Deutschschweiz hat das ausserordentlich warme Wochenende vom 9./10. April bei

Birnen an mehreren Standorten zu einer hohen Infektionsgefahr geführt. Mit dem Tempera-

turanstieg ab 18. April (regional Tageshöchstwerte bis gegen 25° C, mit Föhn zusätzlich

milde Nachttemperaturen) stieg das berechnete EIP in der Osterwoche deutlich an. Regional

bestand bereits am Karfreitag (22. April) eine hohe Infektionsgefahr. Lokale Niederschläge

führten insbesondere am Ostersonntag (24. April) zu erfüllten Infektionsbedingungen. In der

zweiten Maiwoche waren die berechneten Inkubationsperioden dieser möglichen Infektionen

grösstenteils beendet. Am 10. Mai wurde in einer Apfelanlage der erste Blütenbefall entdeckt.

Vom 7. Mai bis 13. Mai bestand bei noch blühenden Kernobstbäumen eine hohe Blüten-

Infektionsgefahr. Diese möglichen Inkubationsperioden bei Junganlagen, Nachzüglerblüten

und in Höhenlagen waren gegen Ende Mai beendet.

Befallssituation in Erwerbsanlagen; Baumschulen und im Hochstammobstbau (Streu-

obstbau)

Der am 10. Mai gemeldete Erstbefall in einer Erwerbsanlage trat bei der Sorte Golden Delici-

ous mit 10 Blütenbüscheln pro Baum am stärksten auf. In den folgenden Tagen wurden Blü-

teninfektionen in weiteren Obstanlagen der Kantone Luzern, St. Gallen und Zürich festge-

stellt; zudem wurde ein erster Blütenbefall bei Birnen-Hochstammbäumen entdeckt. Mitte

Mai folgten Befallsmeldungen bei Apfel- und Birnenhochstammbäumen aus Höhenlagen um

600 m.ü.M.

Insgesamt waren die Schäden minimal. Lokal trat in Apfelanlagen, bedingt durch Altbefall im

direkten Umfeld, stärkerer Blütenbefall auf. In diesen Parzellen wurden 160 bis 200 Arbeits-


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stunden für die Sanierung aufgewendet. Rodungen erfolgten 2011 nur sehr vereinzelt, insge-

samt rund 2 Hektaren. Bei Streuobst mit Altbefall zeigte sich im Verlaufe des Sommers er-

neut stärkerer Befall. In sechs Jungpflanzenbetrieben führte der Nachweis von Feuerbrand im

direkten Umfeld zum Verlust des ZP-b2 Pflanzenpasses. In drei Jungpflanzenbetrieben wurde

der Feuerbranderreger nachgewiesen.

Streptomycin

Das Bundesamt für Landwirtschaft BLW hatte am 20. Dezember 2010 mit einer Allgemein-

verfügung über die Zulassung eines Pflanzenschutzmittels in besonderen Fällen verfügt, dass

für einen bis zum 1. Juli 2011 befristeten Einsatz drei streptomycinhaltige Pflanzenschutz-

mittel (Strepto, Ag-Streptomycin und Firewall 17WP) in Anlagen und Obstgehölz-Baum-

schulen zugelassen sind. (Allgemeinverfügung: http://www.admin.ch/ch/d/ff/2011/297.pdf).

Die Verwendung dieser Pflanzenschutzmittel war 2011 an dieselben restriktiven Auflagen

wie 2010 gebunden (u.a. wurden maximal zwei Streptomycinbehandlungen zugelassen).

Der Streptomycineinsatz sollte die bisher praktizierte Bekämpfungsstrategie ergänzen.

Einzelne Kantone gaben am 9. April die erste Streptomycinbehandlung für Birnenerwerbsan-

lagen frei. Am Gründonnerstag (21. April) erfolgte die Freigabe für Apfelerwerbsanlagen und

noch blühende Birnenanlagen. Grösstenteils erfolgte nur eine Streptomycinbehandlung. Regi-

onal gab es Obstbaubetriebe, die auf Grund der Infektionsprognose kein Streptomycin ein-

setzten.

2011 erfolgte in 121 Gemeinden ein Streptomycineinsatz. Dabei wurden total 186 kg Strep-

tomycin (Wirkstoff) eingesetzt (2010: 138 Gemeinden, 201 kg, 2009: 134 Gemeinden, 303

kg, 2008: 144 Gemeinden, 453 kg). Die Liste der Gemeinden, in denen 2011 Streptomycin

eingesetzt wurde, ist auf der Einstiegsseite von www.feuerbrand.ch veröffentlicht.

Imker und Honig

Um das Risiko von Streptomycin-Spuren im Honig zu minimieren, mussten die Behandlun-

gen ausserhalb des Bienenflugs erfolgen: entweder sehr früh am Morgen oder spät am Abend.

Die Imker konnten sich vor den geplanten Streptomycinbehandlungen über Ort und Zeitpunkt

informieren. Der Honig im Umfeld behandelter Anlagen wurde vor dem Verkauf auf Strep-

tomycin-Spuren hin untersucht. Die Analysen fallen in den Verantwortungsbereich der Kan-

tone und gingen zu ihren Lasten. Einige Kantone haben die Analysekosten den Obstbauern

weiterverrechnet.

Von den analysierten Honigproben lagen 81 Proben über 0,01 mg/kg Streptomycin pro Kilo-

gramm Honig; dies entsprach einer Menge von rund 9.400 kg Honig. Beim Bundesamt für

Landwirtschaft fanden Gespräche zwischen den Imkern, der Obstbranche, sowie der Beratung


und Forschung statt. Primär erfolgte ein Zusammentragen möglicher Ursachen, u. a. die

aussergewöhnlichen Temperatur- und Wetterverhältnisse im Frühling 2011 und die ent-

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sprechenden Rekordmengen an Honig. Der beanstandete Honig wurde vom Schweizerischen

Obstverband aufgekauft und aus dem Verkehr genommen. Die betroffenen Imker wurden

entschädigt.

Resistenzmonitoring

Die Zulassung von Streptomycin wird seit 2008 durch ein umfassendes Monitoring zur Über-

prüfung der Entwicklung von Antibiotikaresistenzen in der Bakterienflora streptomycinbe-

handelter Obstanlagen begleitet. Bisher konnten weder beim Feuerbranderreger (Erwinia

amylovora) noch bei der Mikroflora auf Blüten, Blättern oder Früchten eine durch die

Behandlung bewirkte, erhöhte Resistenz festgestellt werden (wobei die Daten für 2011 noch

nicht vollständig ausgewertet sind).

Rückstandsmonitoring bei Früchten

Der Schweizer Obstverband SOV (nationaler Dachverband der Obstproduzenten und –ver-

werter) überprüfte 2011 die Einhaltung des zur Zeit geltenden Toleranzwertes für Strepto-

mycin-Rückstände in Früchten. Der SOV nahm mit seinem Rückstandsmonitoring die Ver-

antwortung im Rahmen der gesetzlichen Selbstkontrolle wahr; untersucht wurden Apfel- und

Birnenproben. Die kantonalen Labors überprüften allfälligen Missbrauch.

Die Analyse der Früchte erfolgte in einem ISO 17025 zertifiziertem Labor, gemäss Schweize-

rischem Lebensmittelbuch (Bestimmung von Streptomycin in Äpfeln mittels HPLC-MS/MS).

Forschung

Biologische Bekämpfung

Im Rahmen des Interreg IV Projektes „Gemeinsam gegen Feuerbrand“ wurde von der ACW

das biologische Kontrollprodukt Bloomtime FD (Northwest Agricultural Products, USA)

untersucht. Beim Wirkstoff des Produktes (Pantoea agglomerans) handelt es sich um einen

natürlichen, bakteriellen Antagonisten von Erwinia amylovora, der durch Besiedlung der

Apfelblüte einer Feuerbrandinfektion vorbeugt. An der ACW wurde 2011, wie auch schon in

beiden Vorjahren, in Praxisversuchen geprüft, ob Pantoea agglomerans auch unter europäi-

schen Wetterverhältnissen auf Blüten, Blättern, Früchten und im Boden überleben bzw. Ap-

felblüten besiedeln kann. 2011 wurden in Versuchen, durchgeführt von deutschen Instituten,

erstmals Wirksamkeitsdaten gegen den Feuerbranderreger für die Standorte Mühlingen (D),

Vogt (D) und Kirschgartshausen (D) erhoben. Dabei zeigte Bloomtime an den einzelnen

Standorten eine hohe Variabilität im Wirkungsgrad (13% und 64%). Dies macht deutlich, wie

wichtig eine optimale Applikation und eine ausreichende Zeitspanne für die Blütenbesiedlung


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durch den Antagonisten, unter Berücksichtigung der Blütenprognose, bei der biologischen

Bekämpfung sind.

Erste erfolgversprechende Resultate gab es auch bei der Bekämpfung des Feuerbrands mit

Hilfe von Bakteriophagen (Viren, die Bakterien als Wirtszelle nutzen), einem Projekt, das von

ACW in Zusammenarbeit mit der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETHZ)

durchgeführt wird. Es konnte gezeigt werden, dass Bakteriophagen, die aus feuerbrandbefal-

lenen Obstanlagen der Schweiz isoliert wurden und für die menschliche Gesundheit unbe-

denklich sind, unter Laborbedingungen Isolate von Erwinia amylovora lysieren können.

Züchtung und Unterlagen

In der ACW-Züchtung ist 2011 eine feuerbrandrobuste Neuzüchtung (ACW 14959, Topaz x

Fuji) mit guter Fruchtqualität und guter Lagerfähigkeit ausgelesen und der Schweizer Obst-

wirtschaft vorgestellt worden. Erste Pilotanalgen mit dieser Neuheit sind gepflanzt, weitere

werden folgen, sowohl in der Schweiz als auch im Ausland. Blütentests im Gewächshaus

haben bei verschiedenen Zuchtnummern eine gute Übereinstimmung mit den Ergebnissen der

Triebtestung erbracht.

Die ACW-Forschung auf dem Gebiet der Generationsbeschleunigung bei Kreuzungen mit

‚Evereste‘, einem resistenten Wildapfel, mittels ‚Early Flowering‘- Methode wurde weiter

geführt. Aktuell ist die dritte Rückkreuzungsgeneration vorhanden. Die ‚fast track‘-Methode,

die an der ACW verwendet wird, dient ebenfalls der Generationsbeschleunigung, allerdings

mit optimalen Gewächshausbedingungen und ohne genetischer Transformation. In Zusam-

menarbeit mit der ETHZ wurde die Feinkartierung und Lokalisierung des Feuerbrandre-

sistenzgenes von Malus robusta 5 (MR5) abgeschlossen. Flankierende Marker können nun in

der markergestützten Selektion eingesetzt werden. ACW setzt die neusten molekularen Mar-

ker möglichst schnell in der Züchtung ein. Es wird angestrebt, die aufwändige Triebtestung

im Quarantänegewächshaus durch zuverlässige molekulare Tests, wo möglich, zu ersetzen.

Details zu den Projekten im integrierten Projekt „Feuerbrand“ im Rahmen des Forschungs-

programms „ProfiCrops“ von Agroscope finden sich unter

http://www.agroscope.admin.ch/proficrops/00159/00165/00166/index.html?lang=de .


Kontaktliste der Imkerverbände (Stand Dezember 2011)

A. Imker-Landesverbände

Baden-Württemberg (zwei Verbände)

a) Baden

Landesverband Badischer Imker e. V.

77767 Appenweier

Bahnhofstraße 35

Präsident: Ekkehard Hülsmann

Tel.: 0 78 05 / 20 10

Fax: 0 78 05 / 20 93

E-Mail: info@badische-imker.de

Internet: www.badische-imker.de

b) Württemberg

Landesverband Württembergischer Imker e. V.

73262 Reichenbach/F.

Olgastraße 23

1. Vorsitzender: Ulrich Kinkel

Tel.: 0 71 53 / 5 81 15

Fax: 0 71 53 / 5 55 15

E-Mail: info@lvwi.de

Internet: www.lvwi.de

Bayern

Landesverband Bayerischer Imker e. V.

90489 Nürnberg

Georg-Strobel-Straße 48

1. Vorsitzender: Ferdinand Drexler

Tel.: 09 11 / 55 80 94

Fax: 09 11 / 5 81 95 56

E-Mail: info@imker-bayern.de

Internet: www.Imker-Bayern.de

Berlin

Imkerverband Berlin e. V.

12209 Berlin

Lorenzstraße 48

1. Vorsitzender: Jürgen Hans

Tel.: 0 30 / 92 12 64 42

Fax: 0 30 / 92 12 64 43

E-Mail: imkerhans@gmx.de

Internet: www.imkerverband-berlin.de

Brandenburg

Landesverband Brandenburgischer Imker e. V.

14513 Teltow/OT Ruhlsdorf

Dorfstraße 1

1. Vorsitzender: Reiner Gabriel

Tel. und Fax: 0 33 28 / 31 93 10

E-Mail: LV.IMKER@ONLINE.DE

Internet: www.imker-brandenburgs.de

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Hamburg

Imkerverband Hamburg e. V.

22309 Hamburg

Cesar-Klein-Ring 22/12

1. Vorsitzender: Thomas Rikkers

Tel.: 0 40 / 67 10 66 93

Fax: 0 40 / 63 68 97 31

E-Mail: info@ivhh.de

Internet: www.ivhh.de

Hessen

Landesverband Hessischer Imker e. V.

35274 Kirchhain

Erlenstraße 9

1. Vorsitzender: Manfred Ritz

Tel.: 0 64 22 / 26 24

Fax: 0 64 22 / 8 53 56

E-Mail: Geschaeftsstelle@Hessische-Imker.de

Internet: www.hessische-imker.de

Mecklenburg-Vorpommern

Landesverband der Imker Mecklenburg und Vorpommern e. V.

19053 Schwerin

Wallstraße 45

1. Vorsitzender: Torsten Ellmann

Tel.: 03 85 / 73 40 11

Fax: 03 85 / 75 87 240

E-Mail: imkerverband@web.de

Internet: www.imker-in-mv.de

Niedersachsen (zwei Verbände)

a) Hannover

Landesverband Hannoverscher Imker e. V.

30159 Hannover

Johannssenstraße 10

1. Vorsitzender: Jürgen Frühling

Tel.: 05 11 / 32 43 39

Fax: 05 11 / 3 68 10 31

E-Mail: Info@imkerlvhannover.de

Internet: www.imkerlvhannover.de

b) Weser-Ems

Landesverband der Imker Weser-Ems e. V.

26121 Oldenburg

Mars-la-Tour-Straße 13

1. Vorsitzender: Redelf H. Ennen

Tel.: 04 41 / 80 16 26

Fax: 04 41 / 88 51 48

E-Mail: Imker.Weser-Ems@t-online.de

Internet: www.imker-weser-ems.de

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Nordrhein-Westfalen (zwei Verbände)

a) Rheinland

Imkerverband Rheinland e. V.

56727 Mayen

Im Bannen 38 - 54

1. Vorsitzender: Udo Schmelz

Tel.: 0 26 51 / 7 26 66 u. 0 26 51 / 90 40 24

Fax: 0 26 51 / 90 40 23

E-Mail: imkerverbandrheinland@t-online.de

Internet: www.imkerverbandrheinland.de

b) Westfalen

Landesverband Westfälischer und Lippischer Imker e. V.

59063 Hamm (Westfalen)

Langewanneweg 75

1. Vorsitzender: Friedrich-Wilhelm Brinkmann

Tel.: 0 23 81 / 5 10 95

Fax: 0 23 81 / 54 00 33

E-Mail: LV.Imker.WL@t-online.de

Internet: www.imkerverband-westfalen-lippe.de

Rheinland-Pfalz (drei Verbände)

a) Nassau

Imkerverband Nassau e. V.

65558 Lohrheim

Gartenstraße 6

1. Vorsitzender: Rainer Hennermann

Tel.: 0 64 30 / 3 00 97

Fax: 0 64 30 / 92 53 69

E-Mail: IV-Nassau@web.de

Internet: www.ImkerverbandNassau.de

b) Rheinland

Imkerverband Rheinland e. V.

56727 Mayen

Im Bannen 38 – 54

1. Vorsitzender: Udo Schmelz

Tel.: 0 26 51 / 7 26 66 u. 0 26 51 / 90 40 24

Fax: 0 26 51 / 90 40 23

E-Mail: imkerverbandrheinland@t-online.de

Internet: www.imkerverbandrheinland.de

c) Rheinland-Pfalz

Imkerverband Rheinland-Pfalz e. V.

67435 Neustadt a. d. Weinstraße

Breitenweg 71

1. Vorsitzender: Prof. Dr. Rudolf Aldag

Tel.: 0 63 21 / 96 88 37 – 38

Fax: 0 63 21 / 96 88 39

E-Mail: info@imkerverband-rlp.de

Internet: www.imkerverband-rlp.de

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Saarland

Landesverband Saarländischer Imker e. V.

66571 Eppelborn-Wiesbach

Obere Hohlstraße 2

1. Vorsitzender: Erik Pfänder

Tel.: 0 68 06 / 85 90 151

Fax: 0 68 06 / 86 90 152

E-Mail: pfaender@saarlandimker.de

Internet: www.Saarlandimker.de

Sachsen

Landesverband Sächsischer Imker e. V.

09243 Niederfrohna

Untere Hauptstraße 79

1. Vorsitzender: Dr. Michael Hardt

Tel.: 0 37 22 / 59 19 81

Fax: 0 37 22 / 59 19 82

E-Mail: info@sachsenimker.de

Internet: www.sachsenimker.de

Sachsen-Anhalt

Imkerverband Sachsen-Anhalt e. V.

06642 Nebra

Ebereschenweg 8

1. Vorsitzender: Falko Breuer

Tel.: 03 44 61 / 2 31 09

E-Mail: falko.breuer@t-online.de

Internet: www.imkerverband-sachsen-anhalt.de

Schleswig- Holstein

Landesverband Schleswig-Holsteinischer

und Hamburger Imker e. V.

23795 Bad Segeberg

Hamburger Straße 109

1. Vorsitzende: Anke Last

Tel.: 0 45 51 / 24 36

Fax: 0 45 51 / 9 31 94

E-Mail: info@imker-sh.de

Internet: www.imkerschule-sh.de

Thüringen

Landesverband Thüringer Imker e. V.

99425 Weimar

Ilmstr. 3

1. Vorsitzender: Frank Reichardt

Tel.: 0 36 43 / 49 20 401 u. –402

Fax: 0 36 43 / 49 20 403

E-Mail: lvthi@t-online.de

Internet: www.lvthi.de

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B. Landesgeschäftsführer des Deutschen Berufs und Erwerbs Imker Bunds e.V.

http://www.berufsimker.de

Baden-Württemberg

Christoph Koch

Karl-Friedrich-Str. 15

77728 Oppenau

christoph.koch@berufsimker.de

Bayern

Manfred Hederer

Hofstattstr. 22a

86919 Utting am Ammersee

manfred.hederer@berufsimker.de

Brandenburg

Hans-Jürgen Müller

Trebnitzer Hauptstr. 2

15374 Müncheberg

mohr-mueller@web.de

Hessen

Hedwig Riebe

Probst-Bechte-Platz 3

52428 Jülich

Hedwig.riebe@berufsimker.de

Mecklenburg-Vorpommern

Olaf Dorow

Parkstr. 4 a

18314 Divitz

imkerei@pension-boddenblick.de

Niedersachsen

Johannes Dühnen

Röbenstr.25

49635 Badbergen

johannes.duehnen@berufsimker.de

Nordrhein-Westfalen

Hedwig Riebe

Probst-Bechte-Platz 3

52428 Jülich

hedwig.riebe@berufsimker.de

Rheinland-Pfalz

Dr. Jan-Dirk Bunsen

OT Horterhof 24

67699 Heiligenmoschel

info@imkerei-bunsen.de

Sachsen

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Steffen Böhm

Fritz-Reuter-Str. 51 a

09423 Gelenau

imkereiboehm@t-online.de

Sachsen-Anhalt

Bernd Brix

Trümpelberg 12f

06268 Lodersleben

bernd.brix@t-online.de

Schleswig-Holstein

Horst Nette

Bösterredder 10

24601 Wankendorf

horst.nette@berufsimker.de

Thüringen

Dieter Kremerskothen

Vorstadt 29

07586 Caaschwitz

dieter.kremerskothen@berufsimker.de

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Herausgeber

Bundesministerium für Ernährung,

Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV)

53123 Bonn

Stand

Juli 2012

Text

BMELV, Referat 512

Gestaltung

BMELV

Druck

BMELV

Fotos

BMELV

Weitere Informationen finden Sie im Internet unter

www.bmelv.de

Diese Broschüre wird im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit des BMELV kostenlos herausgegeben.

Sie darf nicht im Rahmen von Wahlwerbung politischer Parteien oder Gruppen eingesetzt werden.

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