Büro der Jammerlappen - Kaufmännische Verband Zürich

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Büro der Jammerlappen - Kaufmännische Verband Zürich

Fokus

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Büro der

Jammerlappen

Von Vera Sohmer. Ausharren am Arbeitsplatz, obwohl sie unzufrieden

sind: Viele Arbeitnehmende fahren diese Strategie. Aus welchen Gründen?

Und wann bringt ein Stellenwechsel wirklich etwas?

Urs Peter Fischer* meidet das Betriebs-Bistro inzwischen grundsätzlich.

In der Pause am Vormittag eilt er lieber die Fluchttreppe

hinab und steuert schnurstracks das kleine Café ein

paar Strassen weiter an. «Meine Ruheinsel», sagt der 45-jährige

Verlagsangestellte. Hier angelt er sich das Boulevard-

Blatt vom Haken und bevorzugt eines der Stehtischchen, die

man von aussen nicht sieht. Und dann freut er sich auf seinen

Latte Macchiato mit der extra dicken Milchschaumhaube –

und vor allem darüber, ihn unbehelligt geniessen zu können.

Klub der Frustrierten. Hätte er das Betriebs-Bistro aufgesucht,

wäre er nur wieder auf diese «unsäglichen Jammerlappen»

gestossen – auf jene Kolleginnen und Kollegen mit den miesen

Mienen, in die alles Elend dieser Welt eingemeisselt zu

sein scheint. Und auf jene, die gerne ungefragt mitteilen,

dass sie alles anödet: das miserable Betriebsklima, vom Chef

nie auch nur mal ein lobendes Wort zu hören, dessen autoritären

Führungsstil ertragen zu müssen. Die Routine macht sie

mürbe, und wenn sie etwas ausserhalb der Routine machen

sollen, fühlen sie sich überfordert. Den Erfolgs,- Umsatz- und

Zeitdruck empfinden sie als unmenschlich. Und die Bezahlung

als unangemessen – während die dort oben dick abzocken!

Kurzum: Die Frustrierten wähnen sich im falschen Job,

und am liebsten würden sie den ganzen Krempel noch heute

hinschmeissen.

Unglückliches Ausharren. Dann macht doch, denken Kollegen

wie Urs Peter Fischer – denn diese haben es satt, sich Tag für

Tag das Lamento anhören zu müssen. Tatsache aber ist, dass

viele Unzufriedene bleiben. Dies oft aus Bequemlichkeit, Angst

vor Veränderung oder wegen der Unsicherheit, ob ihre Qualifikation

auf dem Arbeitsmarkt noch ausreicht. Oder weil es

das Einkommen nicht zulässt, sich neu zu orientieren. Unvorstellbar,

sich gar auf etwas einzulassen, das Unwägbares birgt

– etwa ins Blaue hinein kündigen und sich erst einmal eine

Auszeit nehmen. Am schwierigsten sind die «fixiert Unzufriedenen».

Zu diesem Schluss kommt die Erhebung zur Arbeitszufriedenheit,

die das Marktforschungsunternehmen TransferPlus

jedes Jahr in der Schweiz durchführt. Vier Prozent der

Erwerbstätigen zählen dazu. Typisches Merkmal: Keinerlei Vorstellung,

was sie gegen den Frust tun könnten. «Stattdessen

neigen sie zum unglücklichen Ausharren im Job», sagt Studienleiter

Patric Stocker. Dies im Unterschied zu den acht Prozent

«konstruktiv Unzufriedenen», die immerhin wissen, wie

sie ihre Situation verbessern können und eher über einen Jobwechsel

nachdenken. Grösser ist im letzten Jahr die Gruppe

jener geworden, die sich einredet, zufrieden zu sein. 37 Prozent

der Beschäftigten zählen laut der Erhebung dazu. Ihre Durchhalteparole

lautet: «Es könnte noch viel schlimmer sein, eigentlich

ist meine Situation gar nicht so schlecht.» Das aber

ist ein Stück Selbstbetrug: Wer so denkt, hat nach Angaben

von Patric Stocker die Ansprüche an seine berufliche Situation

heruntergefahren oder sich von Plänen und Träumen verabschiedet.

Also bleiben diese Beschäftigten da, wo sie sind,

obschon eine latente Unzufriedenheit mitschwingt.

Angst vor Veränderung. Ausharren statt gehen: Den Grund dafür

sehen Expertinnen und Experten auch in der angespann-

ten Wirtschaftslage und der Krisenfurcht. Meldungen von ausser

Kontrolle geratenen Börsen, drohenden Staatsbankrotten

und der hohe Frankenkurs machen Arbeitnehmende vorsichtiger,

beobachtet der Luzerner Laufbahnberater Urs Kaufmann.

Viele halten deshalb an ihrer Stelle fest – auch wenn sie sich

nicht weiterentwickeln und aufsteigen können. Sie ärgern sich

über die schwerfälligen Betriebsabläufe, die harzige interne

Kommunikation, und dass es zwischenmenschlich knirscht

im Team oder mit Vorgesetzten. Businesscoach und Buchautor

Volker Kitz findet es falsch, sich die Dinge schön zu färben (siehe

Interview Seite 7). Im Klartext: In wirtschaftlich schlechten

Zeiten seien Mitarbeitende genauso unzufrieden wie in guten

Zeiten. Aber die Angst, sich zu verändern, sei noch grösser,

während es weniger Alternativen gibt.

Abwärtsspirale. Fest steht: Wer am Arbeitsplatz unzufrieden

ist und nichts daran ändert, tut sich und seiner Firma keinen

Gefallen. Halte die innere Kündigung an, drehe sich die Abwärtsspirale

unaufhaltsam, warnt Patric Stocker. Und das nicht

nur, weil Frustrierte oft Sarkasmus verbreiten und andere in

den Strudel hineinziehen. Bei Unzufriedenen sinkt die Motivation,

sie identifizieren sich nicht mehr mit ihrer Aufgabe.

Das, was sie gerne machten und gut konnten, wird zur Last,

die Last führt zu Stress, und jeder neue Stress zementiert die

wahrgenommene Unzufriedenheit. Die Leistungsfähigkeit sinkt

und damit auch die Chance, dass Arbeitgebende Potenzial in

den Mitarbeitenden sehen. Möglich sei auch, dass sich Betroffene

isolieren und den Rückhalt bei Teamkollegen und -kolleginnen

sowie Vorgesetzten verlieren, sagt Urs Kaufmann. Bleiben

oder gehen? Im schlimmsten Fall trifft diese Entscheidung

dann der Chef, die Chefin oder die Personalabteilung. Vorher

jedoch, das empfehlen Experten, sollten Vorgesetzte mit ihren

unzufriedenen Mitarbeitenden unter vier Augen sprechen

und die Gründe für den Frust erörtern (siehe Box auf Seite 7).

Blind kündigen – lieber nicht. Selbst unreflektiert kündigen

und sich blindlings woanders bewerben, ist indessen keine

Lösung. Nur eine saubere Analyse kann den Weg ebnen zu einer

Arbeit, die wieder mehr Freude macht. Und wer nicht klar

sieht, sucht am besten Rat: bei einer Person des Vertrauens,

einer Laufbahnberatung oder einem Coach. «Die Gründe für

die Unzufriedenheit können in der Person, deren Biographie,

aber auch im betrieblichen und wirtschaftlichen Umfeld liegen»,

sagt Patric Stocker. Eine Rolle spielt darüber hinaus, ob

der Frust anhält oder vorübergehend ist, ob die Unzufriedenheitsquelle

bekannt oder diffus ist, ob sie zentrale oder untergeordnete

Bereiche der Arbeit betrifft. Und ob Veränderungen

im Betrieb absehbar sind oder man sie selbst erreichen kann.

Dies und mehr muss auf den Tisch. Dann erst kann man entscheiden,

ob das Bleiben etwas bringt, im Betrieb eine andere

Aufgabe in Frage kommt, eine andere Stelle sinnvoll ist – oder

sogar ein anderer Beruf. Auch Volker Kitz warnt: Viele wechseln

den Arbeitsplatz und schieben kurz danach denselben

Frust. Dies wiederholt sich dann am laufenden Band. So gesehen

hätten sie auch gleich an Ort und Stelle bleiben können.

Vera Sohmer arbeitet als freie Journalistin und schreibt unter anderem für die

Handelszeitung, den Beobachter und die NZZ. *Name geändert

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Fokus – IntervIew

«einen ort ohne proBleme giBt es nicht»

Volker Kitz, sie vertreten die Ansicht, dass alle Jobs mehr oder

minder gleich sind, es also egal ist, wo man arbeitet. Warum?

Volker Kitz: Wir haben mit vielen Menschen aus unterschiedlichen

Altersgruppen, Tätigkeitsbereichen und Hierarchieebenen

gesprochen. Das verblüffende Ergebnis: Alle klagen im

Wesentlichen über die gleichen fünf Dinge. «Ich verdiene zu

wenig Geld.» – «Keiner schätzt meine Arbeit.» – «Alle quatschen

mir rein.» – «Jeder Tag ist gleich.» – «Alle Kollegen und Kolleginnen

und die Kundschaft sind geisteskrank.» Unsere These

lautet daher: Es ist egal, für wen Sie arbeiten. Bestimmte Probleme

sind mit der Arbeitswelt und dem menschlichen Zusammensein

untrennbar verbunden. Einen Ort ohne diese Probleme

gibt es nicht. Wer ihn trotzdem sucht, wird immer nur enttäuscht

werden.

Dennoch: Jemand schiebt Frust am Arbeitsplatz. Was raten Sie

dieser Person? Zu unterscheiden zwischen dem Einzelfall und

den Problemen, die jeder andere auch hat. Wenn ich nicht nur

gern mehr Geld auf dem Konto hätte – was jeder will –, sondern

mich tatsächlich unter dem Marktwert verkaufe, dann ist

es Zeit zu wechseln. Oder wenn es nicht nur die normalen Reibereien

mit Chefin, Kollegen und Kundschaft gibt, die jeder

und jede hat, sondern handfestes Mobbing. Auch dann ist es

Zeit zu gehen.

Arbeit soll glücklich machen, Spass machen, Erfüllung bringen –

warum haben wir oft derart überzogene Ansprüche? Die Arbeit

frisst einen grossen Zeitanteil unseres Lebens, daher bürden

wir ihr auch eine unglaublich hohe Verantwortung für unser Lebensglück

auf. Diese Erwartungen kann die Arbeitswelt aber

nicht erfüllen, und dazu ist sie auch nicht da.

Was können Frustgebeutelte tun, die am Arbeitsplatz bleiben und

zufriedener werden wollen? Passen Sie Ihre Erwartungen der Realität

an. Wer das geschafft hat, kann oft dort bleiben, wo er ist.

Nüchtern betrachtet ist Arbeit ein Tausch von Zeit gegen Geld –

mit dieser Sichtweise arbeitet es sich wesentlich entspannter.

Was kann jemand tun, der unglücklich ist, gerne etwas anderes

tun würde, für sich aber keinerlei Alternative sieht? Ehrlich gesagt:

Wenn es für mich keine Alternative auf dem Arbeitsmarkt

gibt, sollte ich umso dankbarer sein für den Job, den ich habe.

Gibt es auch Arbeitnehmende, die ständig jammern, aber eigentlich

gar nichts anderes wollen? Viele Leute lügen sich in die

Tasche. Sie sagen: «Ich will einen anderen Job», meinen aber

in Wirklichkeit: «Ich will keinen anderen Job – und diesen auch

nicht.» Sie stört das Arbeitsleben generell, weil es die Freiheit

einschränkt. Daran ändert natürlich auch ein Wechsel

nichts. Manche wissen ganz genau, was sie ohne Arbeit tun

würden. Viele aber nicht. Dann sollte ich froh sein, dass die

Arbeit meinem Leben einen Inhalt gibt, selbst wenn der mich

oft nervt.

Unzufriedene Mitarbeitende: Was Sie als Vorgesetzte

tun können

Anhaltende Leistungseinbussen können ein Zeichen

dafür sein, dass jemand mit seiner Arbeit unzufrieden

ist. Aufmerksamen Vorgesetzten fällt es auf, wenn gute Mitarbeitende

nicht mehr das leisten, wozu sie eigentlich fähig

wären. Bringen Sie das Thema unter vier Augen umgehend

auf den Tisch. Schildern Sie wertfrei und neutral, was Ihnen

aufgefallen ist. Erörtern Sie gemeinsam die Gründe für den

Frust und loten Sie aus, ob dieser aus dem Weg zu räumen

ist. Vielleicht kann sich der/die Mitarbeitende intern weiterentwickeln.

Vielleicht hilft es auch, ihm/ihr auf bestimmte

Zeit einen externen Coach zur Seite zu stellen.

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Das Autorenduo Dr. Volker Kitz (links) und Dr. Manuel Tusch (rechts).

Dr. Volker Kitz hat Jura und Psychologie in Köln und New York studiert und ist als

Rechtsanwalt zugelassen. Beiträge von Volker Kitz erschienen in renommierten

Medien wie Frankfurter Allgemeine, Die Welt, Financial Times und Spiegel Online.

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Folgende Fragen helfen beim Mitarbeitendengespräch:

• Was empfinden die Mitarbeitenden als unangenehm

bei ihrer Arbeit?

• An welche Grenzen stossen sie?

• Welche Haltung nehmen sie dabei ein? Verfügen sie über

Strategien, damit umzugehen? Oder stehen sie dem

Ganzen resigniert gegenüber?

• Sind Rückzugstendenzen spürbar? Oder verstärkte Aktivitäten

auf anderen Gebieten, etwa bei sozialen Netzwerken?

• Wie stark identifizieren sich die Mitarbeitenden mit

dem Unternehmen, dessen Zielsetzungen, ihren persönlichen

Aufgaben?

• Ist diese Identifikation bei ihrer täglichen Arbeit zu spüren?

• Wie schätzen die Mitarbeitenden selbst ihre

Perspektiven in der Firma ein?


Buchtipp: «Das Frustjobkillerbuch. Warum es egal ist,

für wen Sie arbeiten.» Volker Kitz und Manuel Tusch.

Heyne Verlag


Fokus – glosse

Beeinträchtigt geldgier

das rationale

Urteilsvermögen?

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von Brigitta moser-harder. Das Thema «Geld und Geist» der aktuellen Magazinausgabe

eignet sich vorzüglich, um die Hintergründe der jüngsten Finanz- und Wirtschaftskrise

zu beleuchten, bei der die kopflose Jagd nach dem schnellen Profit eine grosse Rolle

spielte. Ohne staatliche Eingriffe in unvorstellbarer Milliardenhöhe wäre aus dieser Krise

ein globales wirtschaftliches Desaster geworden.

Als nach «9/11» die US-Notenbank den Geldhahn zur Ankurbelung

der Wirtschaft öffnete, suchten findige Finanzjongleure

ihr Heil im amerikanischen Immobilienmarkt. Gezielt wurden

skrupellose Spezialisten auf unterprivilegierte, teils kaum

Englisch sprechende Bevölkerungsschichten angesetzt und

diese mit extrem tiefen Zinsen geködert, Eigenheime zu erwerben.

Sie missbrauchten deren Vertrauen, verschwiegen Nebenkosten

und die automatisch steigenden Hypothekarzinsen.

Die Kreditgebenden behandelten diese unregulierten, Höchstrenditen

abwerfenden Subprime-Hypotheken völlig irrational,

prüften weder Solvenz, Eigenmittel noch die Zahlungsfähigkeit

der Kreditnehmenden. Millionen dieser Risikohypotheken wurden

in hochkomplexe Finanzprodukte verpackt und weltweit

als Wertschriften mit dem höchsten Rating (AAA) gehandelt.

Statt für das Wohl der Wirtschaft zu sorgen, gefährdeten die

global vernetzten Finanzinstitute diese mit ihrem Tun mutwillig.

Fragwürdige Allianzen zwischen Agenturen, Geldgebern,

Spekulanten und der Bauwirtschaft führten zu einem unvorstellbaren

Bauboom und extrem steigenden Immobilienpreisen.

Begeistert erhöhten auch gute Schuldner ihre Hypotheken.

Mit dem «geschenkten» Geld wurde konsumiert, spekuliert

und investiert. Bei den Banken sprudelten die Gewinne und

niemand machte sich Sorgen über die in den Bilanzen schlummernden,

obskuren Wertschriften in mehrstelliger Milliardenhöhe.

Auf der Jagd nach Millionenboni war man blind für den

Ende 2006 immer schneller sinkenden Wert der Wohn- und Geschäftsliegenschaften.

AAA-Wertschriften werden zu Nonvaleurs. Als die US-Immobilienblase

platzte, purzelten die Liegenschaftspreise teils bis zu

80 Prozent und unterschritten den hypothekarischen Wert der

Eigenheime drastisch. Millionen von Häusern insolvent gewordener

Besitzer überschwemmten den übersättigten Immobilienmarkt.

Die hochgejubelten, mit Hypotheken besicherten

AAA-Papiere wurden somit praktisch wertlos und führten bei

Investoren zu Milliardenabschreibern. 2008 kollabierte die

erste amerikanische Investmentbank. Es brach Panik aus und

weiteren Firmen drohte die Insolvenz. Die staatlichen Rettungsmilliarden

verhinderten das Schlimmste. Einige Länder

verschuldeten sich derart, dass sie selber zu Risikofaktoren

wurden. Die soziale Not von Millionen von Menschen, die arbeitslos

wurden und/oder ihr Heim verloren, führte vielerorts

statt für das wohl der

wirtschaft zu sorgen,

gefährdeten die

global vernetzten

Finanzinstitute

diese mit ihrem tun

mutwillig.

zu wütenden Protesten (Occupy Wall Street), erhielten doch

Topmanager trotz Versagens Boni und «goldene Fallschirme»

in Millionenhöhe. Die rigiden Sparmassnahmen verschuldeter

Staaten schürt die soziale Unrast weiter, öffnet sich die Schere

zwischen Arm und Reich doch immer mehr.

Aus der Krise nichts gelernt. Trotz der Krise halten Firmenorgane

in der Schweiz weiter an ihren unverdient hohen Salären

fest. Nach hitzigen Voten empörter Aktionäre an Generalversammlungen

heisst es dann: «Wir nehmen diese Kritik sehr

ernst». Leere Worte. War schon das 40 Millionen-Gehalt eines

Pharma-Managers unanständig, steht neu ein Bank-CEO mit

einem Vergütungspaket von 90 Millionen Franken an der Spitze

der Abzocker! (Als Vergleich: 90 Millionen Franken kostet

das neue Schulhaus in Zürich-Altstetten.) Die Öffentlichkeit

zeigte sich schockiert. Unbeeindruckt gewährte eine – vom

Staat vor der Insolvenz gerettete – Grossbank ihrem neuen

VR-Präsidenten 2012 ein Begrüssungsgeschenk von rund vier

Millionen Franken und dem neuen GL-Mitglied der Investmentbank

ein solches von rund 20 Millionen – trotz gleichzeitig

angekündigten Sparprogrammen und Personalabbau! Waren

nicht die an Gewinne geknüpften Vergütungen schuld, dass

geldgierige Banker extreme Risiken eingingen und wie im Casino

Milliarden verzockten? Verloren 2011/12 nicht schon wieder

Banken deswegen Milliarden? Warum herrscht nach dem

Beinah-Kollaps des Finanzmarktes noch immer kein neuer

Geist in der Bankenwelt? Ist doch klar: «In unser Welt regiert

das Geld und nicht die Ethik», sagte mal ein bekannter Banker.

Die Gier des Menschen nach Reichtum ist kein Phänomen

der Neuzeit. Ungeheuerlich ist aber, mit welcher Unverfrorenheit

sich die Manager heute am Firmenvermögen vergreifen.

Durch AHV und Pensionskassen, die das angesparte Volksvermögen

in börsenkotierte Firmen investieren, sind wir alle Aktionäre.

Es liegt nun an den Stimmberechtigten, ob sie die verbreitete

Abzocker-Mentalität weiterhin goutieren, oder dieser

Selbstbereicherung am Abstimmungswochenende im März

2013 einen Riegel schieben wollen.

Brigitta Moser-Harder (69) ist Mitinitiantin der Eidg. Volksinitiative «Gegen die

Abzockerei». KV-Ausbildung, Sekretärin, Flight Attendant bei der Swissair, Journalistin

bei Lokalzeitungen im Zürcher Unterland. Lebt seit 1997 mit ihrem Mann

halbjährlich in den USA und kennt den dortigen Finanz- und Immobilienmarkt.

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Fokus – tIpp

Vorbereitung ist

daS halbe Salär

Von Noemi bogerd. Wieder ist ein Jahr vorbei und wer noch nicht über sein Salär für das Jahr 2013 verhandelt hat, sollte baldigst

einen Termin bei seinem Chef oder seiner Chefin verlangen. Die Verhandlungen sind dieses Jahr aufgrund der prognostizierten

Konjunkturlage wieder nicht einfach. Schreiben Sie jedoch deswegen Ihre Chancen nicht ab: Mit folgenden Tipps fühlen auch Sie

sich im Lohngespräch sicher.

tipp 1: Bereiten sie sich aUf die lohnverhandlUng vor

Nehmen Sie sich genügend Zeit, überlegen und notieren Sie sich, was Sie in den letzten Monaten gemacht haben. Besonders

wichtig sind zusätzliche und/oder neue Aufgaben oder auch Weiterbildungen, die Ihren Wert für das Unternehmen gesteigert

haben. Kennen Sie Ihren Marktwert? Was verdienen andere Personen mit einer vergleichbaren Qualifikation und Tätigkeit?

Verhandeln Sie geschickt und vergessen Sie nicht: Wenn Sie eine ähnliche Position in einem neuen Unternehmen antreten,

können sie 10 bis 20 Prozent mehr Salär verlangen. Wie ist der Geschäftsgang? Ist dieser positiv, haben Sie deutlich mehr

Chancen, sich durchzusetzen. Hat das Unternehmen Schwierigkeiten, ist dies aber kein Grund, nicht nach einer Lohnerhöhung

zu fragen, denn der allgemeine Geschäftsgang sagt nichts über Ihre Leistungen aus. Sprechen Sie ausschliesslich über

Ihre persönlichen Leistungen, da einzig diese für den Arbeitgebenden massgebend sind. Machen Sie auf keinen Fall Arbeitskollegen

und -kolleginnen schlecht. Nur wer sich gut vorbereitet und stichfest argumentiert, hat die Chance auf mehr Geld.

Überlegen Sie sich auch, welche Argumente die Gegenseite vorbringen könnte, und bereiten Sie sich entsprechend darauf vor.

tipp 2: Wählen sie den «richtigen» ZeitpUnkt für das lohngespräch

Es sollte Ruhe im Unternehmen herrschen. Da die meisten Unternehmen im Spätsommer/Herbst das Budget fürs kommende

Jahr planen, ist es genau dann optimal, mit Ihren Vorgesetzten den Lohn zu besprechen.

tipp 3: einstieg ins gespräch

Treten Sie sicher auf. Am besten berichten Sie Ihrem/Ihrer Vorgesetzten zu Beginn des Gesprächs von einem Projekt, das gut gelaufen

ist. Damit haben Sie eine positive Grundlage geschaffen, um anschliessend zu sagen, dass Sie zukünftig gerne mehr

leisten wollen. Zeigen Sie Engagement, haben Sie Ideen und nennen Sie neue Bereiche, die Sie zusätzlich übernehmen könnten.

Am Ende können Sie konkrete Forderungen stellen.

tipp 4: üBer Welche anderen lohnBestandteile können sie verhandeln?

Sobald Sie merken, dass es keine Möglichkeiten gibt, Ihr Fixgehalt zu erhöhen, lenken Sie das Gespräch auf die variablen Lohnbestandteile,

zum Beispiel: Dienstwagen, Mobiltelefon, Home-Office, ZVV-Abo, berufsbegleitende Weiterbildung oder sonstige

Fringe Benefits.

tipp 5: sichern sie sich aB

Um Missverständnisse zu vermeiden, bedanken Sie sich bei Ihrem Vorgesetzten nach dem Gespräch mittels einer freundlichen

E-Mail und fassen Sie darin die Vereinbarungen kurz zusammen.

Naomi Bogerd ist Personalberaterin und Leiterin der Geschäftsstelle Zürich bei der Schweizerischen Kaufmännischen Stellenvermittlung (SKS). www.sks.ch

13Verflixte FrAGeN AN KV-LerNeNDe

verFlIxter AlltAg

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Wie oft lügen Sie am Tag? Nicht oft – nur wenn es unbedingt sein muss!

Was würden Sie in Zürich verändern, wenn Sie Stadtpräsidentin wären? Zürich ist eine tolle Stadt! Die Strassen sind stets

sauber, so dass es Freude bereitet, die neuen High Heels auszuführen. Man fühlt sich hier sicher und trifft viele interessante

Menschen. Ich liebe den Zürichsee und die tolle Architektur. Bedauerlicherweise wird diese in letzter Zeit zu oft von den vielen

Baustellen in den Schatten gestellt...

Wie oft räumen Sie Ihre Pultschublade auf? Damit ich mir diesen Spass jede Woche aufs Neue sparen kann, halte ich

meine Schublade stets in bester Ordnung.

Was fällt Ihnen zum Begriff High Heels ein? Hot Heels!

Wem wären Sie lieber nie begegnet? Ich vertraue darauf, dass alles, was geschieht, einen Zusammenhang hat. Ohne

vielen Persönlichkeiten begegnet zu sein, dürfte ich jetzt vielleicht nicht hier sitzen und diese Frage beantworten.

Wie alt möchten Sie werden? Alt genug, um vieles erlebt zu haben, und dennoch nicht so alt, um jemandem eine Last zu sein.

Hätten Sie lieber einer anderen Nation oder Kultur angehört? Wenn ja, welcher und warum? Nein, ich liebe Bulgarien.

Was fehlt Ihnen zum Glück? Wir alle dürfen in der Schweiz grossen Luxus geniessen. Wir besitzen viel zu viel und schätzen es oft

nicht. Solange alle Grundbedürfnisse gedeckt sind, fehlt mir nichts, und ich bin vollkommen glücklich und zufrieden.

Wofür sind Sie dankbar? Am 1. August war es ziemlich laut in Zürich. Da wurde mir zum ersten Mal klar, wie dankbar ich bin, in

einem kriegslosen Land zu leben.

Wie würden Sie sich selbst beschreiben, wenn Sie niemandem gefallen müssten? Ich bin ziemlich stur, zielstrebig und verwöhnt.

Wer sind Sie? Jemand, der seine Arbeit schätzt und liebt – die allererste Lernende in der Firma Hot Heels!

Wenn früher alles besser war, möchten Sie dann wirklich zurück? Für immer ein Kind zu sein, wäre sicherlich langweilig. Klar,

man wird den ganzen Tag verwöhnt und herumgefahren, doch im Grunde genommen darf man nichts selbst entscheiden und ist

von den Eltern abhängig. Ich geniesse die jetzige Zeit und freue mich aufs älter werden.

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Mein teuerstes Stück ist...? Selbstverständlich... meine High Heels. Das Modell «Paris-1» von der exklusiven Linie «RosaRot»,

welche schweizweit nur bei Hot Heels erhältlich ist. Alle Schuhe dieser Linie wurden mit viel Liebe gezaubert. Man kann auf

grösste Qualität vertrauen – und schmerzfrei den Sonnenaufgang erwarten.

Yoanna Ilinska, 17, Jahre, Lernende im 2. Lehrjahr bei Hot Heels AG, Boutique für Schuh- und Partymode

Was ist wichtiger: zu lieben oder geliebt zu werden? Beides! Ohne als Kind geliebt zu werden, kann man als Erwachsener auch

nicht lieben.

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