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100 Jahre Billettpresse – 20 Jahre Kinderbillette

Von Giusep Collenberg

Rhätische Bahn InfoRetica, Nr. 2 / 2012

Gemäss Protokoll der Direktion vom 26. September

1911 wurde damals der Antrag gestellt, die einfache

Billettdruckmaschine mit Handbetrieb aufgrund des

gesteigerten Bedarfs an Billetten durch eine neuere

Maschine zu ersetzen. Die vorhandene einfache Handmaschine

sollte als Reserve behalten werden.

In der Ausgabe des 25. Geschäftsberichts der Rhätischen

Bahn, Ausgabe 1912, ist unter den Betriebsausgaben

die Anschaffung einer neuen Billettdruckmaschine

aufgeführt. Somit ist die Rhätische Bahn seit

100 Jahren im Besitz der Fahrkartendruckpresse (Goebel

Darmstadt).

Wenn das nicht einmal ein Grund für etwas Besonderes

ist, dachte ich mir. Ich bin Giusep Collenberg, seit 1991

Billettdrucker im Verwaltungskeller der Rhätischen

Bahn und Leiter der Hausdruckerei.

Geschichtliches zum Billettwesen

Früher wurden die Zugbillette auf einen Zettel oder auf

einen Karton in Form einer Quittung geschrieben. Die Abrechnung

war schwierig und mühsam.

Thomas Edmondson (1792–1851) wurde 1836 Stationsvorsteher

der kleinen Station Milton an der neu eröffneten

Eisenbahnlinie Newcastle – Carlisle in England. Er

nummerierte den geschnittenen Karton und reihte diesen

gemäss den verschiedenen Bestimmungen im Fahrkartenschrank

ein. Die Abrechnung war somit einfacher

und die Billettausgabe verlief rascher. So entstand das

Billett-Kastensystem, wie wir es heute noch kennen.

Edmondson ist auch der Erfinder des nach ihm benannten

und bis in die 1980er Jahre überall verbreiteten

Fahrkartensystems und der Edmondsonschen Fahrkartendruckpressen.

Seit 1912 werden die Edmondsonschen Kartonbillette

bei der RhB auf unserer Jubilarin, der Billettdruckpresse

Der Drucker und der Künstler:

Giusep Collenberg und Jörg Binggeli.

Goebel Darmstadt, gedruckt. Deren Stundenleistung beträgt

zwischen 6 000 und 8 000 Billette, je nach Karton

und Text. Der Jahresdurchschnitt betrug bis 2007 zwischen

500 000–750 000 Kartonbillette.

Die Chronik der Edmondsonschen Billette

Seit dem 10. Dezember 2006 dürfen die Edmondsonschen

Billette für den direkten Verkehr, gemäss einem

Schreiben des Billettwesens SBB Bern, nicht mehr gedruckt

werden.

Seit dem 9. Dezember 2007 dürfen keine Edmondsonschen

Billette mehr im direkten Verkehr verkauft werden.

Seit dem 9. Januar 2008 werden die Edmondsonschen

Billette im direkten Verkehr bei den SBB, der Post und bei

fremden Bahnen nicht mehr als Fahrausweis anerkannt.

Bei der Rhätischen Bahn sind sie im internen Verkehr

noch immer gültig.

Einzelne Verkaufsstellen sind noch mit gewöhnlichen

Edmondsonschen Billetten ausgerüstet. Z. B. mit Schlittelbilletten,

Spezialbilletten und Kinderbilletten.

Die Edmondsonschen Billette wurden durch die 90 neuen

Billettautomaten abgelöst; bei den Verkaufsstellen

durch die elektronischen Fahrkartendrucker Prisma2.

Die Billettdruckerei der Rhätischen Bahn in Chur ist seit

2000 mit zwei Thermo/Direktfahrkartendruckern ausgerüstet

und kann somit fast alle Spezialbillette in den

Formaten Mehrfahrtenkarte kurz, Mehrfahrtenkarte lang

und Abo-Format produzieren. Bei den Kunden sogar je

nach Grösse und Qualität mit eigenem Logo.

Somit ist die Ära der Fahrkartendruckpresse nicht ganz

vorbei; doch auch bei der RhB bestimmt die elektronische

und digitale Zeit die Zukunft des Billettwesens.

20 Jahre Edmondsonsche Kinderbillette

Auf Anregung und Wunsch von Agnes Grünenfelder,

100 Jahre Billettpresse. 80 Jahre …

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