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RhB-Gleisbau und Zwergenland

Von Elisabeth Bardill

Richard Grünenfelder in Versam Arezen arbeitete während

46 Jahren und 3 Monaten als Gleismonteur bei der

Rhätischen Bahn. Er pflegt ein beson deres Hobby: Am

steilen Wiesenhang entstand das Zwergenland.

Als fünftes von neun Kindern erblickte Richard im Jahr

1949 das Licht der Welt in seinem Elternhaus, «der

Mühle» in Arezen. In diesem Weiler erlebte er auch seine

Kindheit und Schulzeit. Während der schulfreien

Sommermonate war er schon früh, wie damals üblich,

als kleiner Knecht im Einsatz. Er habe es mit den Leuten

immer gut getroffen und gerne fremdes Brot gegessen.

Da hätte es immer passende Arbeiten gegeben, bei denen

er mitgeholfen und etwas gelernt habe: Futter für

die Schweine kochen, Heu ernten, gebrauchte Nägel gerade

hämmern, Vieh hüten und zur Alp treiben oder

verschiedene Ausbesserungen vornehmen. In der Schule

sei er ein Lausbube gewesen, besonders in jener Zeit,

als von den neun Schülern fünf aus seiner Familie

gleichzeitig in der Gesamtschule gewesen seien. Lehrer

Giovanoli habe jedoch ein gewisses Verständnis für ihn

gehabt.

Berufsleben im romanischen Sprachgebiet

Nach dem Schulabschluss konnte Richard Grünenfelder

als Bahnarbeiter bei der RhB einsteigen. Bei dieser gut

organisierten Unternehmung arbeitete er durchgehend

bis zur Pensionierung. «Seine Bahnlinie» feierte im Juni

das hundertjährige Jubiläum. Richard war während 46

Jahren mitverantwortlich bei der Tauglichkeit der Strecke.

Aus dem Hilfsarbeiter wurde ein erfahrener Gleismonteur

an der Bahnlinie zwischen Reichenau und Disentis.

Der Dienst hat ihm gefallen und mit seiner

angeborenen Fröhlichkeit und Geselligkeit wurde er ein

guter Kamerad unter seinen Kollegen. So wuchs er fast

unmerklich in die romanische Sprache hinein. Diese ist

und bleibt für ihn die Sprache der «Bähnler», der

Gleisbauer. Richard Grünenfelder in Versam Arezen.

Rhätische Bahn InfoRetica, Nr. 2 / 2012

Freundschaften. Richard Grünenfelder konnte immer

zuhause in Arezen wohnen. Anfänglich fuhr er mit dem

Moped zur Arbeit, später mit dem eigenen Auto. Auch

das Generalabonnement zu haben, bedeutet ihm viel.

Er besucht Ausstellungen wie die BEA, HIGA, GELA, Mustermesse,

Autosalon … Im Theaterverein Versam Arezen

ist er heute Ehrenmitglied. Als er noch aktiv war, wurden

ihm meistens die Narrenrollen zugeteilt, die er erfolgreich

spielte.

Zwergenland am Wiesenhang

Eigentlich fing alles mit einigen geschenkten Zwergen

bei Richards Mutter, Julia Grünenfelder, an. Da sie grosse

Freude daran hatte, wurden es immer mehr. Ihr Leben

war alles andere als leicht. Das anwachsende Zwergenvolk

im Grünen vor dem Haus konnte sie oft von

ihren Sorgen und arbeitsreichen Tagen ablenken. Ihr

unverheirateter Sohn Richard übernahm mehr und mehr

die Pflege des Zwergenlandes, sodass seine hoch betagte

Mutter und seine behinderte Schwester Anneli dieses

jetzt vom Balkon aus betrachten können. Der steile Hang

neben dem Haus lässt die Zwerge gut in Erscheinung

treten. Vor dem Winter werden alle im Haus untergebracht

und restauriert, um dann im Frühling wieder fest

im Boden verankert zu werden. Das Erscheinen der

Zwerge am Eingang ins Safiental ist wie der Kuckucksruf

das Zeichen des Frühlings. Bei Gelegenheit machen die

Postautochauffeure sogar ihre Fahrgäste auf das Märchenland

aufmerksam. Für Richard Grünenfelder wurden

der Blumenschmuck am Haus und das Zwergenland

zum Hobby und Ausgleich. Er kümmert sich neben seinen

Ausflügen zu Kollegen oder ins Land hinaus um

Mutter und Schwester. Er hat nie aufgehört, zu dieser,

seiner Familien- und Hausgemeinschaft zu gehören. Die

unzähligen Wichtel, die alle als Geschenke ins Haus kamen,

sind Teil von Richard Grünenfelders Lebensgeschichte.

46 Jahre und 3 Monate Gleismonteur.

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