Leseprobe - Mare

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Leseprobe - Mare

EINS

E s war vier Uhr, Sonntagnachmittag. Ich war mit Johnny

Caracas in der Lounge. Er saß so weit über den Tisch

gebeugt, dass eine von seinen fettigen Haarsträhnen runterhing

und mir den Blick aufs Spielbrett versperrte. Ich

musste mich schwer beherrschen, nicht nach unten in die

Kabine zu flitzen und Emilys Lockenstab zu holen, um

ihm die Strähne an die Stirn zu löten. Wir waren im Halbfinale

des großen Scrabble-Turniers, an dem alle Decks

teilnahmen, und er war so gut wie ausgeschieden. Johnny

mit seiner Schuhgröße 39 mochte ja ein putziges kleines

Genie sein, aber angesichts der harten Realität von achtundneunzig

Buchstaben, zwei Blankosteinen und einer

Stoppuhr, auf der ihm die Zeit davonlief, war er hoffnungslos

überfordert. Ich war dabei, ihn niederzumachen, hatte

vierunddreißig Punkte Vorsprung, einen Blankostein in

Reserve und vorsichtshalber ein kleines S im Ärmel, nur

für den Fall, dass der Kerl doch noch irgendwie Schwein

hatte. Ich weiß, ich weiß, aber für den Gewinner gab’s eine

Kiste Portwein und eine Riesenschachtel Marzipan mit

verschiedenen Geschmackssorten, und ich hab nun mal

eine Schwäche für Marzipan.

Er legte ein VOLL an das Ende von HACKE und haute auf

den Uhrenknopf. HACKEVOLL. Gar nicht mal schlecht,

aber nicht gut genug.

»Das werd ich sein, wenn ich den Pokal gewinne«, sagte

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