ARBEITSHILFE - Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck

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ARBEITSHILFE - Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck

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Ehrlich

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Wie ehrlich bin ich zu

mir und anderen?

Nehmen Sie sich Zeit,

darüber nachzudenken.

Auch im Gottesdienst

am Buß- und Bettag:

19.11.2008

ARBEITSHILFE

für den Gottesdienst am Buß- und Bettag 2008


I. Liturgie

Der Gottesdienst wird nach Form IV gehalten (EG S. 41-45)

BITTE UM DEN HEILIGEN GEIST:

EG 155 Herr Jesu Christ, dich zu uns wend

BEGRÜSSUNG, Verlesen der Kanzelabkündigung des Bischofs

LIED:EG 640 Lass uns den Weg der Gerechtigkeit gehn

oder: EG 598, 1 + 5-9 Gott ist mein Lied

oder: EG 472, 1+4-5 Der Tag hat sich geneiget

PSALM:

EG 727 (Psalm 51) oder: EG 748 (Psalm 119 i.A.)

CHRISTE DU LAMM GOTTES (190.2)

(Hinweis: Falls das Sündenbekenntnis 1107 genommen wird, sollte an

dieser Stelle 190.1 verwendet werden)

GEBET:

Komm, Heiliger Geist,

sende dein Licht, damit wir erkennen,

wie es um uns steht;

sende deine Wahrheit,

damit wir ehrlich mit uns selbst

und miteinander umgehen;

sende deine Liebe,

damit wir uns lieben können

und einander achten und annehmen

als Brüder und Schwestern in Christus.

Komm, Heiliger Geist,

öffne unsere Ohren und unsere Herzen,

damit wir Gottes Stimme in unserem Leben vernehmen

und Jesus Christus nachfolgen

auf dem Weg des Erbarmens.

Agende I,2 Nr. 959

1


oder:

Wer sind wir, wo stehen wir, worin haben wir versagt?

Auf solche Fragen suchen wir Antwort.

Wir werden sie nicht finden ohne dich, Gott,

ohne dein richtendes und rettendes Wort.

Darum bitten wir dich: Komm und sprich zu uns.

Hilf uns die Wahrheit erkennen und annehmen,

die Wahrheit unserer Schuld

und die Wahrheit deiner Gnade.

Wir bitten dich im Vertrauen auf Jesus Christus,

der mit dir und dem Heiligen Geist lebt und Leben schenkt

von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Agende I,1 Nr. 663

LESUNG: Mt 11, 16-24

Spruch nach der Schriftlesung: Du aber, o Herr, erbarme dich unser.

Gemeinde: Amen

LIED:EG 277 Herr, deine Güte reicht

oder: EG 144, 1+2, 4-6 Aus tiefer Not

PREDIGT: Jes 1, 10-17

LIED:EG 599 Selig seid ihr

oder: EG 614 Lass uns in deinem Namen, Herr

oder: EG 392 Gott rufet noch

LESUNG: Die 10 Gebote (Agende I,2 Nr. 1144 oder 1145)

Der folgende Teil des Gottesdienstes kann gestaltet werden entweder als

Sündenbekenntnis mit dem Zuspruch der Vergebung (A) oder als Klage,

der ein ermutigender Zuspruch folgt (B).

2


A: Sündenbekenntnis und Zuspruch der Vergebung

SÜNDENBEKENNTNIS

Wir wollen ehrlich sein mit uns selbst

und behutsam miteinander;

so können wir jetzt in unser Bewusstsein rufen

die bösen Gedanken, die uns beschäftigen,

und auch die Menschen, denen sie gelten.

- - -

Ehrlich mit uns selbst

und behutsam miteinander

sehen wir die eigene Schuld

und singen:

Christe, du Lamm Gottes (EG 190.2 - 1. Teil)

Wir wollen wahrhaftig sein mit uns selbst

und mitfühlend miteinander;

so können wir jetzt in unser Bewusstsein rufen

die bösen Worte, die wir gesagt haben,

und auch die Menschen, die unsere Worte treffen sollten.

- - -

Wahrhaftig mit uns selbst

und mitfühlend miteinander

sehen wir die eigene Schuld

und singen:

Christe, du Lamm Gottes (EG 190.2 - 2. Teil)

Wir wollen gerecht sein gegen uns selbst

und gerecht miteinander;

so können wir jetzt in unser Bewusstsein rufen

die bösen Taten, die wir getan haben,

und auch die Menschen, die wir dadurch beschädigten.

- - -

3


Gerecht gegen uns selbst

und gerecht miteinander

sehen wir die eigene Schuld

und singen:

Christe, du Lamm Gottes (EG 190.2 - 3.Teil mit Amen)

Wir können begreifen,

dass die Schuld,

die wir untereinander auf uns laden,

die uns abhängig macht,

einsam und gereizt,

dass diese Schuld

ein Bestandteil unserer Sünde ist

vor dir, gnädiger Gott.

Darum bitten wir dich jetzt -

jede und jeder für sich -

um Vergebung:

"Vergib uns unsere Schuld,

wie auch wir vergeben unseren Schuldigern."

4

- - -

ZUSPRUCH DER VERGEBUNG

"Welchen ihr die Sünden erlasset, denen sind sie erlassen;

und welchen ihr sie behaltet, denen sind sie behalten."

Das sagt Christus zu seinen Jüngern.

Weil auch ihr seine Jünger seid,

darum seid ihr frei, einander zu vergeben.

So tut das auch, und lasst es die anderen spüren.

Als euer Pfarrer / eure Pfarrerin sage ich euch:

Gott hat euch durch Christus vergeben.

oder

Agende 1;2 Nr. 1107


Wir bekennen miteinander vor Gott,

dass wir Gutes unterlassen,

Böses getan und nicht verhindert haben.

Was wir an uns selbst nicht leiden können,

lassen wir leicht an anderen aus.

Sieh uns an, Gott,

da, wo es weh tut.

Heile uns.

Wir rufen:

Gott, erbarme dich.

Wenn die Unwahrheit Macht hat,

verschweigen auch wir die Wahrheit.

Wenn Unrecht durch Stärke geschieht,

sagen auch wir nichts, sehen weg.

Wir geben anderen die Schuld,

wenn wir selbst versagen.

Sieh uns an, Gott,

mit unseren verzagten Herzen.

Wir rufen:

*

Wir suchen Anerkennung und Nähe,

übersehen aber oft die, die uns nahe sind,

und leben an ihnen vorbei:

an Kindern, Eltern und Partnern,

an Menschen, mit denen wir zusammen wohnen und arbeiten,

an Fremden und Hilflosen unter uns.

Sieh uns an, Gott,

zwischen unseren Wänden.

Finde uns.

Wir rufen:

Agende I,2 Nr. 1098

5


ZUSPRUCH DER VERGEBUNG

Gott hat sich unser erbarmt.

Er spricht: "Ich will vergeben

und deiner Sünde nicht mehr gedenken."

Nun glaubt von ganzem Herzen:

Euch ist vergeben.

Nehmt einander an,

jede und jeder auch sich selbst,

denn Christus hat euch alle angenommen.

KLAGE

Höre mein Klagen, Gott!

6

B: Klage und Ermutigung

Ich rede von dir

und fühle mich dennoch verlassen.

Ich möchte dir vertrauen

und ängste mich dennoch.

Ich rede zu dir

und weiß doch nicht, ob du mich hörst.

Höre mein Klagen, Gott!

Ich möchte deinen Willen erfüllen

und weiß doch nicht, was ich tun soll.

Ich weiß, dass du mich führst,

und sehe dennoch keinen Weg.

Ich weiß, dass mein Geschick von dir kommt,

und kann es nicht annehmen.

*

Agende I,2 Nr. 1112


Ich weiß, dass du mir Licht zugedacht hast,

und versinke in meinen dunklen Gedanken.

Ich weiß, dass du mir Freiheit bestimmt hast,

und fühle mich dennoch wie gefangen.

Ich weiß, dass dein Zeitplan anders ist als der meine,

und habe dennoch keine Geduld.

*

Es ist leer in mir.

Ich wiederhole die Worte,

die ich früher einmal verstanden hatte.

Ich weiß, dass du mich nicht verlassen wirst.

Nein, Gott, ich weiß es nicht. Ich glaube es.

Ich möchte es glauben. Hilf mir.

ERMUTIGUNG

Ganz anders bist du, Gott,

ganz anders, als ich glaubte.

Still bist du bei mir

und um mich

und nimmst meine Leere auf

in dein tiefes Schweigen.

Meine Angst und Verzweiflung

sind dir nicht fremd.

Sie trennen mich nicht von dir.

Und die alten Worte, die dich mir verstellen,

dürfen verlöschen wie Traumbilder am Morgen.

Du bist ganz anders, Gott,

und leise formt sich deine Stimme in mir,

die zu mir spricht: Steh auf und geh,

du hast einen weiten Weg vor dir.

oder

Agende I,1 Nr. 1154

7


L1 Es ist nicht wahr,

dass diese Welt und ihre Menschen

dazu verdammt sind, verloren zu gehen.

L2 Das ist die Wahrheit:

Also hat Gott die Welt geliebt,

dass er seinen eingeborenen Sohn gab,

damit alle, die an ihn glauben,

nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben. Joh 3,16

L1 Es ist nicht wahr,

dass wir Unmenschlichkeit und Diskriminierung,

Hunger und Armut, Tod und Zerstörung

hinnehmen müssen.

L2 Das ist die Wahrheit:

Christus spricht:

Ich bin gekommen,

damit sie das Leben und volle Genüge haben sollen. Joh 10,10

L1 Es ist nicht wahr,

dass Gewalt und Hass das letzte Wort haben sollen

und Krieg und Zerstörung über uns gekommen sind

und nun für immer bleiben.

L2 Das ist die Wahrheit:

Uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben,

und die Herrschaft ruht auf seiner Schulter,

und er heißt:

Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst. Jes 9,5

L1 Es ist nicht wahr,

dass wir einfach nur Opfer der bösen Mächte sind,

die die Welt beherrschen wollen.

L2 Das ist die Wahrheit:

Christus spricht:

Mir ist gegeben alle Gewalt im Himmel und auf Erden,

und ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt.

Mt 28,18b.20b

8


L1 Es ist nicht wahr,

dass wir auf die warten müssen, die besonders begnadet sind,

die Propheten der Kirche,

bis wir irgend etwas ausrichten können.

L2 Das ist die Wahrheit:

Gott spricht:

Ich will meinen Geist ausgießen über alles Fleisch,

und eure Söhne und Töchter sollen weissagen,

eure Alten sollen Träume haben

und eure Jünglinge sollen Gesichte sehen. Joel 3,1

L1 Es ist nicht wahr,

dass unser Traum von der Befreiung der Menschen,

von Gerechtigkeit und Menschenwürde, von Frieden

nicht für diese Welt gedacht und gemeint ist.

L2 Das ist die Wahrheit:

Es kommt die Zeit und ist schon jetzt,

in der die wahren Anbeter den Vater anbeten werden

im Geist und in der Wahrheit. Joh 4,23

Gemeinsame Fortsetzung von A und B

(Handauflegung / Zeichen des Friedens)

(Glaubensbekenntnis)

LIED:EG 347 Ach, bleib mit deiner Gnade

oder: EG 428 Komm in unsre stolze Welt

Agende I,1 Nr. 1177

9


GEBET VOR DEN FÜRBITTEN

O Gott, der du uns zusammengeführt hast

zu der Gemeinsamkeit dieses Lebens,

gib uns Gnade, dass wir verstehen,

wie sehr unser Leben abhängig ist

von dem Mut, dem Fleiß,

der Ehrlichkeit und Redlichkeit unserer Mitmenschen;

damit wir auch an ihre Bedürfnisse denken,

dankbar sind für ihre Treue

und treu in unserer Verantwortung für sie.

Agende I,2 Nr. 1191

oder

Du hast das Licht klar und rein erschaffen, Gott,

und doch gebrochen in den Farben des Regenbogens.

Verleihe uns, dass wir dich sehen;

alle im Horizont ihrer eigenen Erfahrungen;

dass wir unsere Erlebnisse miteinander teilen

und dadurch mehr und mehr entdecken,

wie du bist in all deiner Wahrheit und Schönheit.

Lass uns alle miteinander unsere Erfahrungen einbringen

von Wahrheit und Rettung, von Umkehr und Erneuerung,

damit das ganze Erbe bewahrt und erreichbar wird

für alle, die dich Vater nennen,

durch den, in dem deine Fülle wohnt,

den ewigen Sohn, Jesus Christus, unseren Herrn.

Agende I,1 Nr. 855

FÜRBITTEN

Wir suchen dich, Gott.

Wir brauchen deine Hilfe.

Für uns und andere bitten wir:

10

*


Immer wieder Krieg!

Und die vielen Menschen, die unter ihm leiden!

Gib uns Mut, auf Frieden unter den Völkern zu hoffen

und uns dafür einzusetzen.

Wir bitten:

*

Die Güter der Erde sind ungleich verteilt.

Wir fürchten die Folgen.

Gib uns Mut zum Verzicht

und Geduld im Bemühen um einen gerechten Ausgleich.

Wir bitten:

*

Es gibt so viele,

die nichts oder nicht genug von dir wissen.

Gib uns Mut, ihnen durch Wort und Tat

die Wahrheit nahe zu bringen.

Wir bitten:

*

Die Christenheit ist uneins und zerstritten.

Gib uns Mut zur Verständigung und zur Zusammenarbeit

auch bei verschiedener Meinung.

Wir bitten:

*

Wir sind oft unsicher

im Urteil über richtig und falsch,

über gut und böse.

Gib uns Mut, nach deinem Willen zu fragen

und unserem Gewissen zu folgen.

Wir bitten:

*

11


Sorgen und Ängste lähmen unsere Kraft.

Gib uns Mut, dass wir uns auf dein Wort verlassen

und tun, was jetzt nötig, was jetzt möglich ist.

Wir bitten:

12

*

Du wirst uns helfen, Herr, unser Gott,

wir vertrauen dir durch Jesus,

deinen Sohn, unseren Bruder.

oder

Wir brauchen Freiheit,

damit wir den Weg zu den anderen finden

und uns nicht voreinander verstecken;

damit wir uns in die Augen blicken

und nicht übereinander hinwegsehen;

damit wir miteinander reden

und uns nicht nur um uns selbst drehen.

Führe uns aus der Enge, Gott,

damit wir sagen können, wer wir sind,

und die Zweifel unseres Lebens

nicht verbergen;

damit wir uns selbst annehmen

und unsere Offenheit anderen den Mut gibt,

zu sich selbst zu kommen.

Unsere Freiheit bringst du an den Tag,

wir brauchen sie,

damit wir für die eintreten,

die nicht für sich selbst sprechen können;

damit wir denen Vertrauen entgegenbringen,

die unter Einschüchterung leiden;

damit wir uns mit denen verbünden,

die es schwer haben.

Agende I,1 Nr. 1348


Wir danken dir für die Freiheit,

die uns zusammenführt -

du bringst sie an den Tag.

Stilles Gebet

VATERUNSER

LIED:EG 289, 4+5 Nun lob mein Seel den Herren

oder: EG 489 Gehe ein in deinen Frieden

BEKANNTMACHUNGEN

SEGEN

ORGELNACHSPIEL

Agende I,1 Nr. 508

13


14

II. Alternative Liturgie

Der Gottesdienst wird nach Form IV gehalten (EG S. 41-45).

Wenn Abendmahl gefeiert wird, kann das Abendmahlslied sogleich auf

den Zuspruch der Vergebung bzw. der Ermutigung folgen. In einem Gottesdienst

ohne Abendmahl folgt an der genannten Stelle das Fürbittengebet.

GLOCKENGELÄUT

MUSIK ZUM BEGINN DES GOTTESDIENSTES

BITTE UM DEN HEILIGEN GEIST: EG 563

„Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind“, EG 557, „Ein

Licht geht uns auf in der Dunkelheit“ oder „Komm, heilger Geist, mit deiner

Kraft“


BEGRÜSSUNG

Gott ist bei uns.

Die brennenden Kerzen auf dem Altar sind ein Zeichen seiner Nähe.

Und in seinem Namen feiern wir Gottesdienst am Buß- und Bettag.

Wir werden Gott sagen, was uns einengt,

wo wir Fehler machen und

dass wir gern anders leben möchten.

In Gebeten und Liedern bitten wir Gott,

dass er unser Verhalten entschuldigt.

oder

Fehler eingestehen

und keine Ausreden finden.

Falsches Verhalten korrigieren

und nicht vertuschen.

Unehrlichkeit aufdecken

und mit anderen und sich selbst ehrlich umgehen.

All das können wir in diesem Gottesdienst,

denn hier ist uns Gott nahe,

vor ihm haben wir die Möglichkeit offen zu sein,

von ihm erhoffen wir Hilfe,

damit wir uns ändern können.

Darum sind wir hier und feiern Gottesdienst zum Buß- und Bettag.

Und darum ist Gott hier und feiert mit uns.

EINGANGSLIED

EG 584 Meine engen Grenzen, EG 640 Lasst uns den Weg der Gerechtigkeit

gehn, Da wohnt ein Sehnen tief in uns, o Gott/There is a longing

(Lieder zur Ökumenischen Dekade „Gewalt überwinden“, 50) oder EG

625 Wir strecken uns nach dir

PSALM

Gott, höre mich, wenn ich zu dir rufe.

Ich bin am Boden zerstört

und weiß nicht weiter.

Du kennst meine Fehler und kannst mich strafen,

aber ich möchte auf dich und deine Liebe vertrauen.

15


Gott, höre mich, wenn ich zu dir rufe.

Ich versuche still zu sein,

in meinem Schmerz ziehe ich mich zurück.

Nur du kannst mich erreichen,

denn auf ein Zeichen von dir hoffe ich.

Gott, höre mich, wenn ich zu dir rufe.

Auf dich kann ich vertrauen,

bei dir bin ich geborgen,

von dir kommt mir Liebe entgegen,

du entschuldigst meine Fehler.

Gott, du hörst mich, wenn ich zu dir rufe.

(freie Übersetzung von Ps 130)

oder Ps 51

Gott, sei in mir und hilf mir gut zu handeln.

Fehler habe ich gemacht – das weiß ich,

aber erst jetzt kann ich sie mir eingestehen.

Darum bitte ich dich: Wasche sie weg.

Ich war unehrlich gegenüber anderen

und sogar dir gegenüber war ich nicht ehrlich.

Eigentlich müsstest du mich dafür strafen.

Aber nicht immer bemerke ich,

dass ich schlecht handele oder böse rede.

Es ist einfach in mir – seit ich geboren wurde.

Jetzt öffnest du meine Augen für mein Versagen

und lässt es mich erkennen.

Auf diese Weise machst du mich neu,

so dass ich wieder fröhlich werde.

Du schaust nicht mehr auf das, was ich getan habe.

Du nimmst es weg, damit ich neu anfangen kann.

Fehlerlos und ehrlich möchte ich von jetzt an bleiben -

dabei soll mir dein Heiliger Geist helfen.

Gott, sei in mir und hilf mir gut zu handeln.

(freie Übersetzung von Ps 51)

EG 615 Kehret um, kehret um, und ihr werdet leben, EG 789.7 Bleib mit

deiner Gnade bei uns oder es wird nach dem Psalm ein Taizé-Kyrie gesungen

16


TAGESGEBET

Gott,

uns beschäftigen Fragen:

Wo sind wir ehrlich mit uns und mit anderen

und wo machen wir uns und den anderen etwas vor?

Wo sagen wir offen, was wir denken und was der Wahrheit entspricht,

und wo verstecken wir unsere Meinung und lassen Unwahrheit zu?

Wo sind wir treue Freunde, denen man vertraut,

und wo verspielen wir das Vertrauen, das andere in uns setzen?

Gott, bei dir suchen wir Antworten auf unsere Fragen.

Darum bitten wir dich: Sprich zu uns.

Zeig uns, wo wir uns selbst belügen.

Sag uns, wie wir richtig handeln können.

Und nimm uns trotzdem an!

Darum bitten wir dich,

weil wir auf deine Liebe vertrauen.

oder

Gott,

wir sind unehrlich und belügen uns und andere,

wir verletzen andere, indem wir sie beschimpfen oder übersehen,

wir vertrauen nicht immer auf dich und trennen uns dadurch von dir.

Du aber hältst mit deiner Ehrlichkeit dagegen und deckst die Lügen auf,

deine Liebe heilt die Verletzungen, die wir anderen zufügen,

du bleibst deinen Zusagen treu und hältst deinen Segen über uns.

Lass uns darum erkennen,

wo wir anderen nichts Gutes tun.

Bring uns bei,

wie wir anderen besser begegnen können.

Komm du zu uns,

wenn wir uns von dir entfernen.

Wir bitten dich darum,

weil wir wissen, du willst gelingendes Leben schaffen durch deinen Sohn

Jesus Christus und den Heiligen Geist.

Das Gebet kann auch mit einem Taizé-Amen beschlossen werden.

17


SCHRIFTLESUNG

Matthäus 11,16-24 (ggf. in anderer Übersetzung)

SPRUCH NACH DER SCHRIFTLESUNG:

Du aber, o Herr, erbarme dich unser.

Gemeinde: Amen

LIED

Erleuchte und bewege uns, leite und begleite uns (EG-Regionalausgabe

Rheinland-Westfalen-Lippe 608 (oder PC-EG-Gesamtausgabe RWL 608)

oder in: 111 Lieder für Kirchentage – Zum 26. Deutschen Evangelischen

Kirchentag 1995 in Hamburg), EG 612 Fürchte dich nicht, gefangen in

deiner Angst

PREDIGT: Jes 1,10-17

LIED

Gott spannt leise feine Fäden (Clemens Bittlinger, in: Lebenslieder), Prüft

genau (Text & Melodie: Lothar Veit, in: Lieder zur Ökumenischen Dekade

„Gewalt überwinden“, 44), Wo Menschen sich vergessen (Text: T. Laubach

& Melodie: C. Lehmann, in: Lebensweisen. Liederbuch zum 30.

Deutschen Evangelischen Kirchentag in Hannover, 85), Meine Hoffnung

und meine Freude (Taizé-Gesang, in: Lebensweisen. Liederbuch zum 30.

Deutschen Evangelischen Kirchentag in Hannover, 60)

LESUNG

Die Zehn Gebote (Agende I, #1145) oder E. Lange, Die zehn großen

Freiheiten (vgl. http://www.seelsorge-bpol.de/glaube-lebensweisheiten/

Zehn_Gebote.pdf,

Kurzfassung unter http://www.predigten.uni-goettingen.de/archiv-

3/001122-5.html)

18


A: Sündenbekenntnis und Zuspruch der Vergebung

SÜNDENBEKENNTNIS

Gott,

wir sind nicht immer nur gute Menschen.

Manchmal gehen wir so mit anderen um, dass wir sie verletzen.

Manchmal haben wir Gedanken über uns, die unser Selbstwertgefühl

zunichte machen.

Manchmal schimpfen wir auf dich, weil unser Leben nicht so ist, wie wir

es gern hätten.

Dafür schämen wir uns!

Dann wollen wir unser Tun und Denken vor dir und vor den anderen verstecken,

sogar vor uns selbst wollen wir dann fliehen. Unser Gewissen nagt an uns

und wir werden traurig.

Aber hier und jetzt wollen wir aus dem Versteck herauskommen,

wir wollen dir gegenüber offen sein. In einem Moment der Stille sagen

wir dir, was uns bedrückt:

- - -

Gott,

du liebst uns mit allen unseren Fehlern und unseren Macken,

du liebst uns, weil wir auch Gutes in uns tragen,

du liebst uns so sehr, dass du uns annimmst wie wir sind.

ZUSPRUCH DER VERGEBUNG

Gott sagt Ja zu euch. Darum sagt auch Ja zu euch selbst und zu den anderen

in eurem Umfeld.

Vertraut auf Gottes Liebe, die Neues in euch wachsen lässt.

oder

SÜNDENBEKENNTNIS

Gott,

bei dir sind wir geborgen. Darum können wir uns öffnen und zu dir kommen.

Wir kommen zu dir so wie wir sind,

mit dem Guten in uns, vor allem aber mit dem Schlechten in uns.

Wir kommen zu dir mit all den Lügen, die uns jeden Tag begleiten,

und wir kommen zu dir mit dem schlechten Gewissen, weil wir andere

verletzt haben.

19


Alles bringen wir vor dich.

Wir wollen sagen, was uns belastet,

und wir denken an diejenigen, denen wir weh getan haben.

Uns ist klar, dass wir anders leben könnten und dass wir bestraft werden

müssten.

Doch wir wollen uns ändern.

Darum bitten wir dich in der Stille um Vergebung:

- - -

ZUSPRUCH DER VERGEBUNG

„Wenn ihr mich von ganzem Herzen sucht,

werde ich mich von euch finden lassen.“ (Jer 29,13b.14a)

Weil ihr Gott gesucht und eure Fehler vor ihn gebracht habt,

weil ihr euer Leben von jetzt an anders gestalten wollt, darum seid ihr frei!

Gott hat euch vergeben!

oder

SÜNDENBEKENNTNIS

Gott, du weißt, was mit uns los ist:

Manchmal geht es uns schlecht, ohne dass wir wissen warum.

Manchmal streiten wir mit anderen und verletzen sie.

Manchmal möchten wir zu dir beten und verfluchen dich doch nur.

Es gibt so vieles, was wir anders tun sollten als wir es tun.

Wir wissen, dass wir Fehler machen jeden Tag wieder.

Dann fangen wir an zu zweifeln und fühlen uns sogar manchmal schuldig.

Bitte nimm diese unguten Gefühle weg von uns.

In der Stille bitten wir dich um Vergebung:

- - -

ZUSPRUCH DER VERGEBUNG

Wenn also ein Mensch zu Christus gehört, ist er schon »neue Schöpfung«.

Was er früher war, ist vorbei; etwas ganz Neues hat begonnen. (2. Kor

5,17-Gute Nachricht)

Gott hat euch vergeben.

Damit gibt er euch die Chance, euer Leben neu zu gestalten.

20


B: Klage und Ermutigung

KLAGE

Gott,

du hast deinem Volk geholfen

und es aus seiner Gefangenschaft befreit.

Du warst zornig. Aber dein Zorn wurde geringer,

als du gesehen hast, dass sich dein Volk wieder zu dir wendet im Gebet.

Gott, du rettest,

also wende dich auch uns zu und rette uns.

Soll dein Zorn denn unser ganzes Leben lang bleiben?

Willst du uns denn nicht auch retten,

damit wir uns wieder freuen an dir?

Gott, komm zu uns und entschuldige unser Verhalten, rette uns!

Freie Übersetzung nach Ps 85,2-8

ERMUTIGUNG

Wenn wir Gottes Worte hören würden und wüssten, dass wieder Frieden

unter uns herrschen wird, dann würden wir sicher werden und

keine Dummheiten mehr begehen.

Denn, wo wir auf Gott vertrauen,

da entsteht unsere Beziehung zu Gott neu.

Und auch die Beziehung unter uns Menschen wird wieder besser werden:

wir werden gut zueinander sein und treu,

Frieden und Gerechtigkeit werden wachsen und uns begleiten jeden Tag.

Und dann wird auch Gott wieder näher kommen und uns allen Gutes tun,

so dass um uns herum echte Gerechtigkeit regiert.

Freie Übersetzung nach Ps 85,9-14

oder:

KLAGE (mehrere SprecherInnen)

Gott,

wir haben von dir gehört.

Uns wurde gesagt, dass du die Liebe bist.

Aber im Moment bemerken wir nichts davon,

schlimm geht es bei uns zu:

21


• In den Schulen werden Jugendliche von anderen ausgegrenzt und

gemobbt.

Einer ärgert den anderen, lästert über andere im Internet oder verletzt

jemanden mit Handyvideos.

• In den Familien haben Kinder und Jugendliche weniger Raum – die

Eltern wissen nicht mit ihnen umzugehen und vernachlässigen sie.

• In der Gesellschaft haben Kinder und Jugendliche kaum noch Platz –

Geld wird nicht in Bildung oder Unterstützung von Kindern und

Jugendlichen investiert, sondern in anderen Bereichen der Politik.

• Auch in meinem Umfeld ist es nicht immer schön, ich ärgere mich darüber

und beklage mich darüber bei dir.

Von dir erwarten wir Hoffnung.

Du hast die Macht, Dinge zu verändern.

Durch dich können wir Dinge verändern.

Gib uns dazu die Stärke, die wir brauchen.

Komm zu uns mit deiner Liebe,

damit auch wir diese Liebe an andere weitergeben.

ERMUTIGUNG

„Gott ist Liebe. Wer in der Liebe lebt, lebt in Gott,

und Gott lebt in ihm.“ (1. Joh 4,16 – Gute Nachricht)

Gottes Liebe ist uns versprochen.

Und weil Gott treu ist, werden wir seine Liebe und Hilfe nicht verlieren,

sondern aus seiner Liebe leben – heute, morgen und alle Tage

22


Gemeinsame Fortsetzung von A und B

(HANDAUFLEGUNG / ZEICHEN DES FRIEDENS)

(GLAUBENSBEKENNTNIS)

ABENDMAHLSLIED

Eat this bread, drink this cup (aus: Lieder zur Ökumenischen Dekade

„Gewalt überwinden“, 9), EG 632 Wenn das Brot, das wir teilen,

EG 582 Lasst uns Brot brechen und Gott dankbar sein, EG 225 Komm sag

es allen weiter oder EG 580 Dass du mich einstimmen lässt in deinen

Jubel, o Herr

DANKSAGUNG

Gott,

du bist unser Vater, Bruder und Begleiter.

Darum loben wir dich und danken dir.

Als Vater hast du gewollt, dass wir leben – darum wurden wir geboren.

Als Bruder hast du uns geholfen, um Freiheit zu kämpfen – darum können

wir heute frei leben.

Als Begleiter bist du in allen Höhen und Tiefen bei uns – darum können

wir unseren Alltag bestreiten.

Wir danken dir für dein Nahesein zu jeder Zeit unseres Lebens.

So, wie dich deine Engel loben, danken auch wir dir und

singen alle zusammen dein Lob:

oder

Gott,

du hast alles geschaffen, was auf dieser Erde existiert:

Lebewesen, Pflanzen und unbelebte Dinge.

Dafür danken wir dir.

Du hast in Menschen den Glauben an dich geweckt:

Wir können zu dir beten, mit dir reden und wissen uns begleitet von dir in

jedem Moment.

Dafür danken wir dir.

Du lässt unterschiedliche Menschen auf dieser Erde zusammenleben und

gibst ihnen die Möglichkeit zu Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit.

23


Dafür danken wir dir.

Wir danken dir Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist.

Du bist die Liebe zwischen uns Menschen, wo Hass um sich greift,

du bist das Licht, wo es dunkel in uns ist,

du bist Stärke, wo wir schwach sind.

Für all das danken dir deine Engel und loben dich.

Für all das danken auch wir dir und singen dir zum Lob:

oder

Gott, du Schöpfer des Lebens, wir loben dich:

Du schenkst uns das Brot,

gemacht aus dem Weizen, den du uns schenkst,

und aus der Arbeit von Menschen.

Gott, du Schöpfer des Lebens, wir loben dich:

Du schenkst uns Weintrauben,

die als Saft oder Wein Zeichen für Feste sind.

Gott, du Schöpfer des Lebens, du bist heilig.

Durch dich bekommen das Brot und der Kelch neue Bedeutung.

Sie werden für uns zu Zeichen für Hoffnung und gelingendes Leben.

Und durch dich bekommt unser gemeinsames Abendmahl neue Bedeutung.

Denn auch wir werden damit zu Zeichen der Gemeinschaft und des Friedens.

SANCTUS

EG 570 Sanctus, Dominus Deus Sabaoth, Sanna, sannanina (in: Lebensweisen.

Liederbuch zum 30. Deutschen Evangelischen Kirchentag in

Hannover, 76) oder ein Taizé-Sanctus

EINSETZUNGSWORTE

VATERUNSER

AGNUS DEI

EG 190.4 Siehe das ist Gottes Lamm, das der Welt Sünde trägt! oder ein

anderer Taizé-Gesang

24


FRIEDENSGRUSS / ZEICHEN DES FRIEDENS

Geht zu denen hin, die ihr gern habt.

Geht zu denen hin, die euch fremd sind.

Geht zu denen hin, die ihr lieber überseht.

Und gebt euch die Hand und sagt: Friede sei mit dir!

AUSTEILUNG

Christi Leib, für dich gegeben. // Christi Blut, für dich vergossen.

oder

Brot des Lebens – Christus für dich. // Kelch der Hoffnung - Christus für

dich.

GEBET NACH DEM ABENDMAHL

Dankt dem HERRN, denn er ist gut zu uns, seine Liebe hört niemals auf!

Halleluja. (Ps 107,1-Gute Nachricht)

oder

Aus vielen Körnern ist es gemahlen, geknetet und gebacken und ist jetzt

doch ein Brot.

Aus vielen Trauben ist er gepresst und ist doch ein Saft.

Wir sind und leben so unterschiedlich und doch gehören wir alle zu-sammen.

Gott, das haben wir im Abendmahl erlebt und dafür danken wir dir.

DANKLIED

EG 572 Gottes Wort ist wie Licht in der Nacht, EG 594 Der Himmel geht

über allen auf, Mercy is falling (Text & Musik David Ruis / dt. Ute Spengler

– in: Lebensweisen. Liederbuch zum 30. Deutschen Evangelischen

Kirchentag in Hannover)

FÜRBITTENGEBET

Gott,

wir haben erfahren, wie sehr du uns liebst und dass du uns annimmst.

In diesem Gottesdienst hatte beides seinen Platz. Dafür danken wir dir.

Dass diese Erfahrung in uns weiter wirkt, darum bitten wir dich, wenn wir

jetzt beten:

25


Lass uns aus diesem Gottesdienst mitnehmen,

dass wir mehr Zeit füreinander, für Freunde und Freundinnen, für Verwandte

und Familie aufbringen sollten. Schenke uns gemeinsame Zeit,

denn sie ist kostbar.

Lass uns aus diesem Gottesdienst mitnehmen,

dass Verletzungen auch heilen können, wenn wir aufeinander zugehen.

Zeig uns Wege zueinander und schaffe Raum für neues Vertrauen.

Lass uns aus diesem Gottesdienst mitnehmen,

dass Schuld nicht für immer bleibt. Wir möchten offen aussprechen, was

nicht gut gelaufen ist. Mach uns Mut dazu und vergib uns unser Verhalten.

Lass uns aus diesem Gottesdienst mitnehmen,

dass wir Verantwortung nicht nur für uns und unser Leben tragen.

Stärke uns, damit wir eintreten können für uns und andere.

Lass uns aus diesem Gottesdienst mitnehmen,

dass du uns immer nahe bist – besonders wenn wir zu dir beten.

In der Stille sagen wir dir, für wen wir bitten und was uns selbst am meisten

bedrückt.

- - -

Gott, in der Stille haben wir deine Nähe gespürt. Du kennst jetzt unsere

Anliegen.

Danke, dass du uns hilfst.

oder

Gott,

wir sind zu dir gekommen, wie wir sind,

und du hast uns angenommen. Dafür danken wir dir.

Gott,

manche sind heute nicht gekommen,

sie finden den Weg zu dir und zu uns nicht.

Dennoch brauchen sie deine Hilfe.

Darum bitten wir dich für diejenigen,

die an sich selbst zweifeln und den Wert ihres Lebens nicht erkennen.

Mach sie frei von Selbstzweifeln und stärke ihr Selbstbewusstsein,

damit sie den Wert ihres eigenen Lebens erkennen.

Wir bitten dich für diejenigen,

die andere belügen und durch Unwahrheiten erhoffen weiter zu kommen.

26


Befreie sie von den Stricken der Lügen, damit sie bemerken,

dass sie mit der Wahrheit weiter kommen als durch Lügen.

Wir bitten dich für diejenigen,

die sich von dir getrennt haben. Lass sie deine Treue wahrnehmen, mit der

du uns Menschen nachgehst, damit auch sie sich wieder auf den Weg zu

dir machen und echte Annahme spüren.

Gott, in der Stille sagen wir dir,

für wen wir deine Hilfe erbitten und was uns sonst noch belastet:

- - -

Gott,

du hörst unsere Bitten. Wir danken dir für deine Hilfe.

oder

Gott, wir danken dir,

dass wir im Glauben an dich Stärke erfahren und

dass wir im Vertrauen auf dich Mut erhalten.

Darum wollen wir auch für andere bitten, wenn wir jetzt für sie beten.

Wir bitten dich:

Sei du bei den Kindern und Jugendlichen,

dass sie geliebt werden und Chancen erhalten, um eigene Wege zu gehen.

Wir bitten dich:

Sei du bei den Eltern und Familienangehörigen,

dass sie lieben und Geborgenheit bieten, um Kindern und Jugendlichen

ein Zuhause zu geben.

Wir bitten dich:

Sei bei denen, die mir Kindern und Jugendlichen zusammen sind:

Erzieherinnen und Erzieher, Lehrerinnen und Lehrern, Ehrenamtliche in

der Kinder- und Jugendarbeit,

dass sie geduldig mit ihren Schützlingen sind und Verständnis für ihre

Sorgen und Nöte haben.

Wir bitten dich:

Sei auch bei uns, wenn wir als deine Kinder Schutz brauchen, weil uns

etwas bedrückt.

In einem Stillen Gebet sagen wir dir, was uns belastet:

- - -

Gott, unser Glaube lässt uns vertrauen, dass du unsere Gebete erhörst.

27


VATERUNSER

LIED

EG 614 Lass uns in deinem Namen, Herr

SEGEN

Es segne euch Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

Er ist bei euch in der Nacht, die jetzt kommt, und auch am morgigen Tag.

Er schenkt euch Freude und Kraft zum Mitgestalten an seiner Schöpfung.

oder

Es segne euch Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.

Er ist bei euch, wenn ihr jetzt den Gottesdienst verlasst.

Er begleitet euch heute, morgen und jeden Tag.

ORGELNACHSPIEL

Bezugsadressen für die genannten Liederhefte:

Lieder zur Ökumenischen Dekade „Gewalt überwinden“:

http://www.kirchliche-dienste.de/fachgebiete/material.php?fg=31&id=19

oder unter 0511-1241-458

Lebenslieder. Herausgegeben vom CVJM-Gesamtverband in Deutschland

e.V. durch Ulrich Parzany, Mundorgel Verlag Köln / Waldbröl und Schriftenniederlage

des ejw, Stuttgart 1991, ISBN 3-87571-039-8.

28


III. Aus der Exegese

Aus der jüdischen Exegese zu Jesaja 1, 11-13:

Die Grundfrage >Wozu ist mir die Menge eurer Schlachtopfer?< wird

beim nachdoppelnden Ausdrucks des göttlichen Missfallens eindeutig

beantwortet:

>Ich bin satt … und begehre nicht.<

Die Leute sind sicherlich vor den Kopf gestoßen. Weshalb soll Gott die

Opfer nicht mehr wünschen, die in der Vergangenheit einen wichtigen

Stellenwert im Kult eingenommen haben? Einen opferlosen Kult konnte

sich keiner vorstellen, und ein solcher Kult ist auch nicht angestrebt, wie

wir gleich sehen werden. Was also will der Prophet sagen, wenn er die

Gottesrede mitteilt?

Das Problem wird noch komplizierter. Nicht nur die Opfer werden abgelehnt,

selbst das >Erscheinen< vor >Meinem (Gottes) Angesicht< ist fragwürdig

geworden. … (193)

Die Steigerung der Absage, die sich in V 12 abzeichnet, wird mit dem folgenden

Satz noch erhöht. Hier steht keine rhetorische Frage, sondern ein

klares Verbot: >Bringt nicht mehr!< … (194)

Bis jetzt tappen die Leute, die zuhören, im Dunkeln. Sie wissen nicht, was

Jesaja von ihnen will. Nun wird ihnen der Schlüssel zum Verständnis in

die Hand gegeben.

Hier liegt die Wurzel des Übels: Die festlichen Zusammenkünfte sind mit

dem Frevel verbunden, den die Leute in ihrem täglichen Leben begehen.

Die vorgeschriebenen Opferriten mögen noch so genau beachtet werden –

es ist alles umsonst, wenn es im mitmenschlichen Bereich hapert. Die

>Gebote zwischen Mensch und Nebenmensch< haben das Primat vor den

>Geboten zwischen Mensch und GottNeumondfeiern

und die Festezur Bürde< geworden. Er ist

>des Tragens müde< (V 14) …

Mit vier Ausdrücken wird dieser Widerwillen Gottes beschrieben: >Ich

kann nicht< - >es hasst Meine Seele< - >zur Last< - >Ich bin … müdeZusammenkünfte< Israels, wie er die Opfer wünscht,

doch nur, wenn die elementare Voraussetzung gegeben ist. Ohne recht im

Alltag wird die Opfergabe am Feiertag >zur Falschheitzum GreuelFrevel und Feier


Zu Vers 15

Jesaja schreibt nicht der gesamten Gemeinde die Mordtaten zu, wie er

auch nicht sagen will, alle Tempelbesucher hätten im Alltag die Menschlichkeit

mit Füßen getreten. Es genügt, wenn viele es getan, wenn insbesondere

die maßgebenden Kreise sich wie die >Mächtigen Sodoms< aufgeführt

haben.

Nur eine totale Abkehr von der bisherigen Lebensweise führt zur erneuten

Hinwendung Gottes, der Seine >Augen verschließtSeinen Augen< die Bosheit nicht mehr geschieht, kann Er Seine

>Augen< auch wieder öffnen. Das frühere Vertrauensverhältnis zwischen

Gott und Volk ist wieder hergestellt. Jetzt muss – nach den Ausreißen

der Verderbtheit – die >Therapie< einsetzen. Kurz und prägnant,

jeweils in Grüppchen von zwei Worten (Imperativ mit Objekt) wird der

ethische Grundsatz ausgesprochen. Den Akkord geben die beiden Forderungen:

>hört auf, Böses zu tun< und >lernt Gutes tunAntwort< - führt zu

einer neuen Sicht der Dinge, zu einem veränderten Antworten auf die Fragen

des Lebens. Die Menschen, die Jesaja zuhören und begreifen, was er

ihnen sagen will, verschieben die bisherigen Schwerpunkte. Nicht der

Opferdienst und nicht einmal das Gebet stehen im Zentrum des Glaubens,

sondern die unbedingte Mitmenschlichkeit. Diese Mitmenschlichkeit

muss immer wieder aufs neue >gelernt werden< (>lernt Gutes tun!die Strenge des Urteils< hinweg,

heißt es im Gebet der Hohen Feiertage. …

30


Der Mensch ist nicht dazu verurteilt, mit ständigen Schuldgefühlen

umherzugehen. Die Aussöhnung mit seinen Mitmenschen steht ihm ebenso

offen wie die wartende Vergebung des himmlischen Vaters. … So ist

die Gnade stets größer, als eine Aufrechnung der Schuld es für möglich

hielte.

(Pnina Navé Levinson, Einführung in die rabbinische Theologie, Darmstadt

1982, Seite 62)

. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

Folgende sind die Fürsprecher des Menschen: Buße und gute Werke.

Selbst wenn neunhundertneunundneunzig über ihn zu Ungunsten sprechen

und einer über ihn zu Gunsten spricht, wird er gerettet, wie es heißt

(Hiob 33, 23): wenn dann ein Engel als Fürsprecher für ihn da ist, einer

von tausend, dem Menschen seine Rechtlichkeit zu verkündigen, so

erbarmt er sich seiner und spricht: erlöse ihn, lass ihn nicht in die Grube

hinabfahren. R. Eliézer, Sohn R. Jose des Galiläers, sagte: Auch wenn dieser

[eine] Engel über ihn neunhundertneunundneunzig Teile zu Ungunsten

und einen Teil zu Gunsten spricht, wird er gerettet. Denn es heißt: einer

von tausend.

Babyl. Talmud, Sabbath 32 a

Aus der christlichen Exegese:

* * *

Alle vorgeschriebenen Festtage hielten sie pünktlich…. (Diese) wurden

mit allen vorgeschriebenen Riten gewissenhaft von ihnen befolgt. In nicht

zu überbietender Verachtung lässt Jesaja seinen Gott von diesen „frommen“

und „heiligen“ Werken reden. Gott steht gleichsam hilflos vor der

Menge der dargebrachten Opfer. Er hat dieses ganze Treiben gründlich

satt. Weder die Opfer mit ihren Darbringungen und Blutmanipulationen

… noch das ganze Festwesen besitzen seine Billigung. …

So wie einst Samuel Saul entgegenhielt, dass Jahwe den konkreten Gehorsam

mehr liebt als das Opfer (vgl. 1. Samuel 15, 22; Micha 6, 6-8; Psalm

50, 5 ff; 51, 8 - 21), deklariert Jesaja hier die Opfer, Festversammlungen

und Gebete für wertlos, ja für eine Beleidigung und Belästigung seines

31


Gottes, weil sie den Menschen nur dienen sollen, um sie vor Gottes

Anspruch auf ihr ganzes Leben zu schützen. Gott kann und will keine

Opfer annehmen, die ihm als bloße Wechsel präsentiert werden, auf die

hin er vergeben muss.

(Otto Kaiser, Der Prophet Jesaja. Kap. 1 – 12, Göttingen 1963, Seite 11 -

13.)

. . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

„Es wird nicht Gericht gehalten, sondern Unterweisung erteilt, und zwar

darüber, was Jahwe überdrüssig ist, was er nicht ertragen kann, andererseits

darüber, was er von der Kultgemeinde erwartet. (35)

Wenn Jesaja hier sein scharfes „Nein“ ausspricht, dann entlarvt er die

magische Opferauffassung als gefährliche Illusion. Aber Opfer und Feste

sind damit keineswegs grundsätzlich verworfen. Diese Auffassung ist

dadurch gesichert, dass Jesaja auch das viele Beten (15 b) auf eine Linie

mit der Menge der Opfer und der großen Zahl der Feste stellt. Auch das

Beten gehört zum „Kult“; davon, dass Jesaja es prinzipiell in Frage stellen

wollte, kann natürlich keine Rede sein. (38)

Auch die scheinbar unanfechtbarste Kulthandlung, das Beten, ist von der

Verwerflichkeit der Kultübung Jerusalems nicht ausgenommen. … Es soll

nicht das Beten an sich qualifiziert werden; es ist das Beten von Menschen,

an deren Händen Blut klebt, das kein Gehör finden wird, auch

nicht, wenn Länge oder Wiederholung den Gebeten Nachdruck verleihen

sollen. Natürlich ist hier das Beten im Heiligtum, wie es die Opfer zu

begleiten pflegte, und nicht die private Andachtsübung ins Auge gefasst,

womit nicht gesagt sein soll, dass das private Gebet außerhalb der hier

anvisierten Gefahrenzone stünde. (45)

Nach unseren heutigen Kenntnissen der Umwelt Israels lässt sich aber die

Auffassung nicht mehr festhalten, dass wir es dabei mit spezifischen

Gedanken des israelitischen Gottesrechts zu tun haben. Auch aus anderen

altorientalischen Regionen ist das Eintreten der Gottheiten für Waisen und

Witwen belegt (Seite 48)

(Hans Wildberger, Jesaja. BK X/1 Neukirchen 1972, Seite 35 – 49)

32

* * *


IV. Aus Predigten bzw. Predigthilfen

Prophetischer Einspruch in priesterlicher Form

Jesaja protestiert mit priesterlichen Mitteln: mit Verbot und Gebot, mit

Unterweisung und Appell. Die Gottesrede sagt: noch ist Zeit zur Umkehr,

noch kann Buße gelernt werden.

2. Jesaja stört das Ritual. … Auch der prophetische Einspruch zielt … auf

wahre und gelingende Kommunikation, nicht aber auf deren Zerstörung.

3. Jesaja erhebt Einspruch gegen das Ritual für die wahren Opfer. …

Jesaja protestiert dagegen, dass der Umgang mit Gott und das Umgehen

mit Menschen zwei getrennte Bereiche sind.

4. Jesaja stört einen Teil des Lebens, um das ganze Leben für Gott zu

gewinnen.

(Henning Theurich, Predigtstudien Reihe VI / 2, 1984, S. 274 f)

__________________________________________________________

„Eure Hände sind voll Blut“. Das ist der Grund für die Funkstille zwischen

Menschen und Gott. Ihr seid verwickelt in die Unrechtsgeschichte

von Gottes Kreatur. Ihr seid, wenn nicht Täter, so doch Komplizen des

Unrechts. Und weil der lebendige Gott mit euren Opfern verschwistert ist,

vergreift ihr euch an dem lebendigen Gott…. Befähigung zum Gottesdienst

– nicht seine Abschaffung – ist das Ziel der Gottesrede. Dafür weht

hier der heiße Atem der Worte. Nicht Ethik statt Gottesdienst, sondern das

Eine nicht ohne das Andere. „Wie Jesus Christus Gottes Zuspruch der

Vergebung aller unserer Sünden ist, so und mit gleichem Ernst ist er auch

Gottes kräftiger Anspruch auf unser ganzes Leben“ (Barmen II). …

Der Anwalt der Opfer ist auf der Suche nach den Ohren und Herzen der

Täter.

(Rainer Stuhlmann, Predigtstudien VI / 2, 1995, S. 302)

__________________________________________________________

… Nun wird der Prophet konkret, wenn er Jerusalem auffordert, Gutes zu

tun und Recht zu schaffen (Vers 17 a).

Das Gute für die Menschen und das Recht für die Unterdrückten, die hier

33


mit den Witwen und Waisen ausdrücklich genannt werden. Die heuchlerische

Kluft zwischen prächtigem Kult und vernachlässigter Fürsorge und

Rechtspflege ist das Verhängnis für das Gottesvolk. Das aber heißt, dass

ein Gottesdienst sinnlos wird, wo der Blick auf den Nächsten in der

Gemeinschaft, auf die Bedürftigen, die Schwachen verloren gegangen ist.

Ein Gottesdienst, der nur das je eigene Gottesverhältnis meint, geht gerade

an dem Schöpfer aller Menschen stracks vorbei und steuert damit in

das eigene und kollektive Unglück.

(Christof Landmesser, Predigtstudien VI / 2, 2008, Seite 250)

__________________________________________________________

Im Wichernjahr legt es sich nahe, die diakonische Dimension des Predigttextes

besonders zu beachten. Dazu finden sich wertvolle Hinweise in

den Predigtstudien VI / 2, 1990, Seite 278 f. Henry von Bose betont: Es

geht „in der diakonischen Gemeinde nicht um mehr Professionalität, sondern

um die selbstverständliche Integration diakonischen Bewusstseins in

dem sonn- und werktäglich Lebensstil.“

(Seite 279)

Einen spannenden Predigteinstieg mit einer Geschichte bietet Ute Wendel,

Predigtstudien VI / 2, Stuttgart 2002, Seite 249.

Die Geschichte macht deutlich: alles, was Menschen in bester Absicht

taten, hat das wesentliche Ziel dennoch verfehlt.

__________________________________________________________

Unter der Überschrift „Das Recht der Armen“ und „Option für die

Armen“ bietet Jürgen Dembek in Predigtstudien VI / 2, 1995 / 96, Seite

304 ff einige wichtige Hinweise mit dem Fazit „Der Predigttext setzt keine

absolute – und letztlich unerreichbare – Norm, sondern lädt ein und

motiviert zu einem Lernprozess: An der Option Gottes für die Armen orientiert,

angemessener und besser leben zu lernen.“ (307)

__________________________________________________________

Wo die Gemeinschaft mit Gott im Handeln des Alltags nicht da ist, da lässt

sie sich auch in der Feier des Sonntags nicht verwirklichen. Das Leben

ist eine Einheit, in der der Mensch immer vor Gott steht. Das ist das Große

am Alten Testament, dass es dies in einer sonst nicht zu findenden Deut-

34


lichkeit und Schärfe den Menschen seiner Zeit, den Menschen aller Zeiten

vor Augen gestellt und in so schockierenden Worten, wie sie der Prophet

Jesaja wagte, eingehämmert hat. Davon können wir nicht mehr los,

ohne etwas Wesentliches an dem biblischen Glauben abzubrechen. Wer

sich zu dem biblischen Glauben bekennt, der bekennt sich zu den großen

Taten Gottes, die er in unverdienter Herabneigung an dem Volk des Alten

Testaments gewirkt hat, und zu seiner großen Gnadentat in Jesus Christus.

Er bekennt sich aber auch zur Forderung des Gehorsams, die keinen

Bezirk des Lebens frei lässt.

(Ernst Würthwein, „Wenn ihr viel betet, höre ich nicht“. In: Der Gott, der

mitgeht. Alttestamentliche Predigten, Gütersloh 1972, Seite 123 f)

* * *

V. Zum Plakat der Buß- und Bettagsaktion

„EHRLICH“ – Gedanken zum Plakat der Buß- und Bettagsaktion

2008

Ein Mann betrachtet sein Spiegelbild. Das Kinn hat er auf die Arme

gestützt; er will sich offensichtlich Zeit nehmen, nicht zu schnell dem

Spiegelbild ausweichen. Das Gesicht des Mannes erkennt man am besten,

wenn man das Bild umdreht. Schwer zu sagen, was hinter den ruhigen

blauen Augen liegt. Wer ist das? Wer bin ich?

„Erkenne dich selbst“, sagte schon der griechische Philosoph Sokrates.

Sei ehrlich zu dir selbst. Mach dir nichts vor. Leugne nicht deine Träume,

deine Wünsche, deine Schwächen. Steh dazu, wenn du etwas falsch

gemacht hast. Sieh auch deine Stärken. Gib dich nicht mit einem oberflächlichen

Eindruck von dir selber zufrieden. Achte nicht nur auf das,

was andere über dich erzählen. Lass dich nicht blockieren von Minderwertigkeitskomplexen

oder Selbstverliebtheit. Schau in die Tiefe, bis auf

den äußersten Grund, und erkenne, wer du wirklich bist.

35


Selbsterkenntnis ist der erste Schritt aller Erkenntnis. Ehrlichkeit macht

den Weg frei zu neuen Anfängen. Aber ob dazu der Blick in den Spiegel

reicht? Das Spiegelbild kann trügerisch sein. Eine griechische Sage

erzählt von dem Jüngling Narziss, der ins Wasser fiel und ertrank, als er

seinem eigenen Spiegelbild zu nahe kommen wollte. Auch weil im Spiegel

alles seitenverkehrt ist, zeigt der Spiegel niemals die ganze Wahrheit.

Es genügt nicht, wenn jemand mit seinem Spiegelbild allein bleibt.

Manchmal brauchen wir, um ehrlich zu sein, einen Anstoß, den wir uns

nicht selber geben können. Wie z.B. der König David, der sich vom Propheten

Nathan eine Geschichte erzählen ließ. Die Geschichte empörte

David. Sie handelte von einem reichen Mann, der einem armen Mann sein

einziges Schaf wegnahm. Als David den reichen Mann zum Tode verurteilen

wollte, sagte Nathan: „Du bist der Mann!“ Und plötzlich erkannte

David im Spiegel der Geschichte, dass er sich kürzlich ganz ähnlich verhalten

hatte, als er die Frau eines anderen Mannes verführt und den Ehemann

in den Tod getrieben hatte.

„Du bist der Mann!“ David ließ sich das sagen. Er wich dem Spiegel nicht

aus, der ihm vorgehalten wurde. Er sah sein Fehlverhalten ein und bat

Gott um Vergebung.

Wie ehrlich sind wir selber zu uns und zu anderen? Welche Geschichten,

welche Begegnungen halfen uns zur Selbsterkenntnis, wie sie David

geholfen haben? Sind nicht auch die Zehn Gebote, die uns im Buß- und

Bettagsgottesdienst vorgelesen werden, Spiegeltexte? Sie decken auf, wo

wir versagt haben, und weisen zugleich auf den Einen hin, der uns nicht

in den Abgründen der Verzweiflung allein lassen möchte, sondern uns aus

der Sklaverei in die Freiheit geführt hat.

36

* * *


Buß- und Bettags- Arbeitshilfe

Erarbeitet von einer Arbeitsgruppe der Liturgischen Kammer der EKKW

(Hanna Hirschberger, Reinhold Kalden, Rainer Staege) und einem Team

des Stadtjugendpfarramts Kassel (Marco Kosziollek) im Oktober 2008.

Herausgegeben vom Landeskirchenamt der Ev. Kirche von Kurhessen-

Waldeck

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