Venedig? Nicht ganz. Ungefähr 30 Seemeilen trennen Italiens ...

siglindefischer

Venedig? Nicht ganz. Ungefähr 30 Seemeilen trennen Italiens ...

Venedig? Nicht ganz. Ungefähr 30 Seemeilen trennen

Italiens Bilderbuchstadt von Isthens Pendant Rovinj.

Blick- und Mittelpunkt ist der 60 Meter hohe Kirchturm

von Sv. Euphemia. Die Schutzpatronin ragt als

Kupferskulptur gen Himmel. Früher zeigte die Heilige

den Fischern die Windrichtung und Hafeneinfahrt an


Südlich von Triest...

...gehen Sommer und DoIce Vita in die Verlängerung. Umspült vom tiefblauen Meer

der Adria macht Istrien da weiter, wo Italien aufhört: mit viel Kultur und Küstenflair,

mittelalterlichen Dörfern und mediterranem Klima, mit Fisch in allen Varianten, Wein

und (weißen) Trüffeln. Für die reisen Feinschmecker um die halbe Welt

TDCT VON ANDREA BIERLE

FOOD AND TRAVEL 1 95


W

f er Italien wegen seiner Sonnen-Urlaubsküche mag,

wegen seines tiefblauen Meeres, seiner Landschaft

mit den knorrigen Olivenbäumen, Weingärten und

Hafenstädtchen, wer es wegen seines Gespürs für alles

Schöne schätzt, der wird Istrien abgöttisch lieben. Denn die

Halbinsel, die an der Adria zwischen dem Golf von Triest und

der Kvamer Bucht liegt, bietet all das - und noch viel mehr

Schneller als der Rest von Ex-Jugoslawien konnte sich die

Region nach dem Balkankrieg, von dem sie weitgehend

verschont blieb, entwickeln. Heute gehört Istrien im äußersten

Norden zu Slowenien, ansonsten zu Kroatien, das im Juli 2013

der EU beitritt. Längst sind die einst leer gefegten Strände

wieder voller Leben. Und dank nobler Segelreviere, stylisher

Hotels und 26 (!) Gault-Millau-Hauben ist aus „Cevapcici-

Gountry" ein Lieblingsziel von Genießern geworden. Gerade

jetzt zur Trüffelsaison lohnt ein Besuch: Ob im rustikalen Lokal

{= Konoba) oder im Stemerestaurant - in diesen Wochen wird

gehobelt, was die begehrte Knolle aus den Eichenwäldern

des Mimatales hergibt. Auch die Straßen sind gesäumt von

emtefrischen Produkten der Bauern und veranlassen beim

Anblick der vollgepackten Stände zum Schneckentempo,

Apropos, es ist Zeit, sich auf den Weg zu machen: von Piran

an der italienischen Grenze bis in den Süden nach Pula, zur

ältesten und mit 68,000 Einwohnern größten Stadt Isthens,

von Rabac im Osten bis an die Westküste ins schöne Rovinj.

Q Buongiorno, hörl man die Kellner der zahlreichen Cafes in

Piran (oder auch Pirano) die Gäste begrüßen. Man merkt

die Nähe zu Italien - nicht nur am Sprachengemisch, den

bilingualen Speisekarten und Ortsschildern. Auch die Architektur

der Stadt, die knapp 40 Kilometer südlich von Triest liegt,

ist mit vielen Palazzi molto italiano. Schließlich waren Teile

Istriens bis 1797 unter venezianischer Herrschaft. Herrschaftlich

übernachten können Sie hier in gleich zwei Hotels der

Kempinski-Gruppe: im „Kempinski Portoroz" sowie im 2009

WISSENSWERTES

Hinkommen Mit Lufthansa (www.lufthansa.com) gelangt man

zum Flughafen Triest, Mit Germanwings (www.gennanwings,

com) und Croatia .Airlines (w.vw.croatiaairlines.comi nach Pula.

miit der Coridor (www.condor.com) nach Rijeka.

Nützliche Websites Deutschsprachige Infos gibt es beim

Tourismusverband Istrien unter www.istrB.hr, Websites rund ums

Thema Essen und Trinken unter wAw.istria-gounnet.com sowie

wvw.kroatienwein.de. Alles über die Bike- und Wanderstrecke

„Parenzana", die die Hafenstädte Triest. Köper und Porec

veriDlndet, unter w\m',istria-bike.com, Villen und Ferienhäuser

zum Mieten sowie Hotels in ganz Istrien sind buchbar z. B. über

den Veranstalter Siglinde Fischer: wvw.sigiinde-fischer.de

Buchtipps Spannende Infos, charmante Anekdötchen und

Skurriles verrät die Autorin Udija Klasic in Auf nach Istrien.

eine Reihe der „55 Reise Verführungen" {Folio Vertag, 15,95 €),

Auf dem aktuellsten Stand und perfekt für vor und während der

Reise ist das Handbuch: Istrien - Kroatien (Reise Know-How,

14,90 €). Das Istrien Magazin 2012 steckt voller prakrtischer

Tipps, von Ausflugszielen bis zu Weingütern mit Degustation, für

Familien genauso wie für Gourmetreisende, Gratis zum Down­

loaden oder postalisch zu bestellen unter www.istrienmagazin.at

auf einer Landzunge in Savudrija eröffneten „Adnatlc Golf & Spa

Resort" {www.kempinski.com. s. auch Küchengeheimnisse

S, 19). Wer es familiärer mag, checkt bei Umag ein, in einem

wunderschön renovierten Haus, das die Besitzer der ebenso

empfehlenswerten „Konoba Buscina" führen {www.konobabuscina.hr).

Übrigens: Aus Umag und Umgebung kommt

erstklassiges Olivenöl, das bereits sechs Stunden nach der

Ernte gepresst wird. Nehmen Sie unbedingt an einer

Degustation teil - ein Geschmackseriebnis! (z. B. im

Familienbetrieb „Agro Millo"; www.agro-millo.hr. Infos über die

neu angelegte Straße des Olivenöls: www.istria-gourmet.com).

B Speisekammer der Könige nannte man zu Monarchie­

zeiten das fruchtbare Mimatal im Nordwesten der Halbinsel.

Heute kommen Feinschmecker aus aller Welt wegen seiner

Trüffel, insbesondere der weißen Edelsorte „Tuber Magnatum

Pico", die locker 3000 Euro pro Kilo kostet. Tipp: Fragen Sie in

Momjan nach „Tante Mira". In der Konoba, die offiziell „Start

Podnjm" heißt, wird Trüffelküche ohne Schnickschnack

geboten. Zum Schlafen geht's in das etablierte „Hotel Kastel"

[www.hotel-kastel-motovun.hr) oder das gemütliche

„MotovunHouse" {www.motovunhouse.com). Trüffelianer pilgern

zum jähriichen Tuberfest nach Livade (5, bis 7.10.2012). King of

Knolle ist Giancario Zigante, der 1999 das weltgrößte weiße

Exemplar aufspürte (1,31 Kilogramm!). Um ihn zu finden, muss

man Gott sei Dank kein Trüffelschwein sein: Die Luft ist vom

Aroma des Super-Pilzes getränl


für eine Weinprobe, z. B. der Tropfen des Winzers Giorgio Clai

(www.san-rocco,hr). Touren zu Weingütern bietet u.a. der

Österreictier Guido Schwengersbauer an, der am P^enzana-

Radweg bei Buje ein kleines Hotel führt {www.parenzana.com.hr)

El Eine Perle an der Westküste ist wegen seiner Lage, der

mittelalterlichen Stadtmauer und hübsch restaurierten Bauten

Novigrad. Chillen in der ersten Reihe lässt es sich im „Vitriol" an

der Hafenpromenade, und zwar vom morgendlichen Kaffee bis

zum Sonnenuntergang, Charmant, direkt am Meer gelegen,

sind die bunten Mobilhäuschen auf dem Campingplatz

„Mareda" (www.camping-novigrad.com). Von hier fährt bis

Mittemacht ein Bähnchen ins Zentrum, sodass man sich guten

Gewissens den diversen Getränkekarten widmen kann, z. B. in

der Edel-Konoba „Cok" {Sv.Antona2, Tel. +385-52-757643)

oder bei „Damire Omella" {www.damirornella.com).

Experimentelle Küche ä la „Seezungen-Sashimi auf einem Blatt

von Karotten und Mandarine" serviert Marin Pendle im

„Pepenero" (www.pepencro.hr).

D St. Tropez der Adria nennt man Rovinj. Lidija Klasic,

Autorin des Büchleins „Auf nach Istrien", spricht hingegen

von „Venedigs Vorort", ijnd tatsächlich: Der Turm der alles

überragenden Kirche der heiligen Euphemia ist eine la-Kopie

des Campanile auf dem Markusplatz, Außerdem ein herrliches

Plätzchen zum Verweilen - und Schlemmen, denn unterhalb

der Basilika befindet sich mit dem „Monte" das derzeit wohl

innovativste Restaurant Kroatiens {www.monte.hr).

Neben dem Künstlerflair mag Frau Klasic, die in Rovinj ein

Sommerhaus besitzt, am meisten den Ausblick von ihrem

Fenster: „Die Dächerlandschaft ist einzigartig: eine kleine Stadt

auf der Stadt", so die Kroatin und liefert sogleich die Erklärung:

„In venezianischen Zeiten konnte nur derjenige zum Bürger des

übervölkerten Ortes werden, der einen Platz zum Wohnen

hatte. Das Vortiandensein einer Feuerstelle wurde mit einem

Schomstein bewiesen." Heute steht das Ensemble aus

unterschiedlich geschmückten Schornsteinen unter

Denkmalschutz, Zeitreise gefällig? Wie eine Mischung aus

Ufo und Kreuzfahrtschiff wirkt das 2011 eröffnete Designhotel

„Lone", das auf sechs Etagen mit minimalistischem Schick

beeindruckt {www.loneholel.com). Zweites Top-Hotel: „Monte

Mulini", Im dazugehörenden „Wine Vault" tischt Fernsehkoch

Tomislav Gretic französisch-mediterrane Gerichte auf. Die

XXL-Getränkekarte umfasst u. a. kroatische Spitzenweine wie

die der Winzerei Matosevic im Landesinneren. Dort werden

zwei Rebsorten verarbeitet, die nur in Istrien vorkommen:

Malvasier aus einer weißen Traube und Teran aus einer

roten (www.montemulinihotel.com). Wesentlich günstiger

kann man sich sein Abendessen auf dem örtlichen Markt

zusammenstellen. Dazu ein Tipp von Lidija Klasic: „Kaufen Sie

beim dortigen Metzger die weiße, nur mit Olivenöl geschlagene

Stockfischpastete, Schmeckt köstlich mit geröstetem Toast und

Schampus zu Sonnenuntergang," Den genießen Szenegänger

gern in der Felsenbar „Valentine", wo sie sich von der Magie

des Meeres umspülen lassen (www.valentino-rovinj.com).

B Wunderschöne Strände prägen die Riviera von Fazana.

Das kleine Fischerdort dient vor allem als Ausgangspunkt für

Touren zum artenreichen Nationalpark Brijuni, dessen Hauptinsel

Veli Brijun während der österreichischen Monarchie eines der

exklusivsten Reiseziele Europas war Tipp: statt mit dem

Sightseeing-Bummelzug lieber per Fahrrad die Landschaft

erkunden. Charmante Unterkunft nach einem Tag in unberührter

Natur: „Villetta Phasiana" [www.viUctta-phasiana.hr).

B Das imposante Amphitheater von Pula ist des

Urlaubers liebstes Fotomotiv, In der weltweit sechstgrößten

Arena finden Open-Air-Konzerte von Rock bis Klassik statt. Zum

Kulturhappen geht's gleich nebenan ins Restaurant des Hotels

„Amfiteatar" {www.hotelamfiteatar.com). Alternative: das

Siow-Food-Restaurant im Boutiquehotel „Valsabbaion" (www.

valsabbion.hr). Wem es in Istriens größter Stadt zu hektisch

11 Das Epizentrum der Trüffel tieißt Motovun und

liegt auf über 300 Metern oberhalb des Mirnatals.

2| Kleinste Stadt der Welt; Gerade mal 17 Menschen

leben in Hum, 3| üeblingsadresse in Momjan: Das

„Starj Podrum" legt größten Wert auf Qualität und

Gastfreundschaft. 4| Cooles Plätzchen: die Terrasse

der „Kaya Energy Bar" in Rovinj. 5| Gigant aus Pula:

Rund 23.000 Zuschauer fasst das Amphitheater, In

dem heute Konzerte von Klassik bis Pop stattfinden


!

zugeht, flüchtet ans Kap Kamenjak. Am südlichsten Zipfel der

Halbinsel gibt es Natur pur mit Pinienwäldem, Fels- und

Kiesbuchten - und eine Bar namens „Safari" mitten im Schilf.

Q Zurück entlang der Ostküste mit Station im Bade- und

Wassersportparadies RaPac. Nach einem Faulenzer-Strandtag

freut sich Ihr Körper sicherlich wieder auf Bewegung. Tipp:

Der markierte Fußweg durch üppiges Grün ins 4,5 Kilometer

entfemte Labin (mit sehenswertem Barockpalast). Start ist

an der Touristeninformation am Ortsausgang, Rabac ist auch

ein guter Ausgangspunkt für Autoausflüge ins Landesinnere,

wie 2, B. zum Renaissance-Städtchen Svetvincenat.

B Prachtvolle Villen, die Ende des 19. Jahrhunderts Adlige

der österreichisch-ungarischen Monarchie bewohnten, zieren

die Hauptstraße zwischen Lovran und Opatija. Eine traumhaft

schöne, zwölf Kilometer lange Uferpromenade verbindet die

beiden mondänen Seebäder, die unterhalb des Bergmassivs

Ucka liegen, Opatijas Altstadt wirt

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