Andreas Kornhuber.

herrmann.sarah23

Andreas Kornhuber.

Versammlung der Sektion für Zoologie. 103

An diesen Vortrag knüpfte sich eine kurze Debatte, an

welcher sich die Herren Hofrat Th. Fuchs, Dr. 0. Abel, Prof.

Dr. K. Grob ben und Dr. K. Holdhaus beteiligten.

Andreas Kornhuber.

Ein' Nachruf,

verfaßt von

A. Heimerl.

(Mit Porträt.)

Von befreundeter Seite wurde mir vor einigen Wochen mitgeteilt,

welch hohen Wert die Zoologisch-botanische Gesellschaft

darauf lege, daß in ihren „Verhandlungen" dem hochbetagt im

Frühlinge des Vorjahres (21. April 1905) dahingeschiedenen Vizepräsidenten

und Ehrenmitgliede Hofrat Prof. Dr. Andreas Kornhuber

ein Erinnerungszeichen gesetzt werde, das einen Nachruf

an den uns so teuren Mann bilden solle. Zugleich wurde an mich

die ehrenvolle Aufforderung gerichtet, der Verfasser des Nachrufes

zu sein, da man aus dem Grunde ein getreues Bild der Persönlichkeit

und Leistungen des Verewigten erhoffte, als ich durch

mehr als dreißig Jahre mit ihm in persönlichem Verkehre stand und

sich unser gegenseitiges Verhältnis, das mit dem zwischen Hörer

und Professor obwaltenden begann und naturgemäß während

meiner Assistentenzeit in ein engeres überging, im Laufe der

letzten zwei Dezennien zur innigsten Freundschaft gestaltet hatte.

Vielleicht mag auch das zur Aufforderung ins Gewicht gefallen

sein, daß eine von mir herrührende Lebensskizze des Verewigten

bereits vorlag und daher eine befriedigende Darlegung etwas

verbürgter erschien; der seinerzeitige Herausgeber der „Österreichischen

botanischen Zeitschrift", A. Skofitz, pflegte nämlich die

erste Nummer des jeweiligen Jahrganges mit der Biographie eines

Botanikers einzuleiten und so treffen wir denn in der Januarnummer

des Jahrganges XXXVI (1886) unter der Überschrift: „Gallerie

österreichischer Botaniker, XXXIII ' Kornhubers Lebensskizze an.


104 Anton Heimerl.

Ich übernahm den Antrag mit Freuden; gab er ja doch die

Gelegenheit, einen kleinen Teil der Dankesschuld einerseits dem

Lehrer gegenüber abzustatten, dem ich die Einführung in die

biologischen Wissenschaften und so viele Förderungen in deren

Rahmen verdanke, anderseits dem Freunde, dem ich oft genug

das Herz ausschüttete und Kümmernisse anvertraute und der mir

jedesmal weisen Rat und rasche Hilfe zuteil werden ließ. Nun

aber, wo die Lebensskizze des Verewigten fertig vorliegt, umfangen

mich Zweifel; ich ersah erst bei der Niederschrift die vielen

Schwierigkeiten, welche darin liegen, dem Leben und Wirken eines

derartig arbeitsfreudigen, rastlos tätigen Mannes allseits gerecht zu

werden! Das, was ein leichtes Ding zu sein schien, zeigte sich als

eine nichts weniger als leicht zu lösende Aufgabe! Der Gedanke

aber gab mir wieder Mut, daß, möge das entworfene Bild so manche

Lücken aufweisen, möge auch so manche Arbeitsrichtung des Verewigten

nicht in der gebührenden Weise gewürdigt sein, meine

Feder doch von treuer Anhänglichkeit an den Verblichenen und

von ernstem Streben nach seiner wahrheitsgemäßen Würdigung geführt

wurde!

Kornhubers Geburtsort ist Kematen im ehemaligen Hausruckviertel

von Oberösterreich, wo er am 2. August 1824 das Licht

der Welt erblickte; bei Verwandten seines Elternhauses in Wels

wohnend, besuchte er die dortige Normalhauptschule und setzte die

in Linz begonnenen Gymnasialstudien an dem sechsklassigen Gymnasium

der Benediktiner des Stiftes St. Peter in Salzburg fort. In

pietätvoller Weise gedachte er stets der damaligen Lehrer und unterließ

es nicht, in einer mir seinerzeit zur Verfügung gestellten handschriftlichen

Skizze des Lebenslaufes darauf hinzuweisen, wie viel

er in Botanicis der Förderung durch seine Professoren, die Gebrüder

P. P. Johann und Jakob Griess, verdanke, die ihn zu ihren

botanischen Ausflügen in die pflanzenreiche Umgebung Salzburgs

mitnahmen, beim Pflanzen bestimmen unterstützten, endlich ihm

auch die Benützung der reichen Stiftssammlungen gestatteten; auch

darauf pflegte er zu verweisen, daß ihm die dortigen zoologischen

sowie die durch v. Mielichhofer vervollständigten mineralogischen

Sammlungen viel Stoff zur Belehrung geboten haben. Dem


Andreas Korahuber. Ein Nachruf. 105

damaligen Studiengange entsprechend, war nach Absolvierung des

sechsklassigen Gymnasiums (1842) der Besuch der beiden sogenannten

philosophischen Jahrgänge zur Erlangung der philosophischen Doktorswürde

nötig, die er denn auch nach Verwendung eines Jahres

zur Prüfungsvorbereitung im Juli 1845 an der in Salzburg bestandenen

philosophischen Fakultät erwarb. Kornhubers Plan, tiefer in

die liebgewordenen Wissenschaften einzudringen, konnte in der damaligen

Zeit durch Universitätsstudien nur so ausgeführt werden,

daß er sich an der medizinischen Fakultät einer Universität — er

wählte die zu Wien — inskribieren ließ, und so die Gelegenheit

erlangte, neben den fachmedizinischen Vorlesungen auch solche rein

naturgeschichtlichen Inhaltes zu besuchen; die Promotion zum

Doktor der Medizin erfolgte im Oktober 1850.

Auch seinen Universitätslehrern bewahrte er treues Gedenken

und es ist mir wohl in Erinnerung, welche Hochachtung ihn insbesondere

vor Hyrtl und Endlicher erfüllte; bei letzterem hatte

Kornhuber, wie er manchmal zu erzählen pflegte, gleich in der

Anfangsvorlesung das Mißgeschick, den Unmut des großen Meisters

dadurch zu erregen, daß von ihm zum Mitschreiben der Vorlesung

ein Taschentintenzeug benützt wurde, das mit Hilfe einer in die

Pultfläche einzustoßenden Spitze zu befestigen war; sogar zu einer

Zitation vor Endlicher kam es, wobei freilich die anfängliche

Gereiztheit des großen Forschers durch Entschuldigung von Seiten

Kornhubers bald besänftigt wurde.

Nach Erlangung des medizinischen Doktorgrades studierte

Kornhuber noch Tierarzneikunde, wurde Magister derselben und

erhielt seine erste Anstellung als Adjunkt am k. k. Tierarzneiinstitute

in Wien, womit auch die Verpflichtung verbunden war,

naturwissenschaftlichen Unterricht zu erteilen. Der weitere, nur

bis 1852 währende Aufenthalt in Wien, war eine Zeit schöner Anregungen;

die reiche Flora der Umgebungen von Wien erschien

durch Neilreichs klassisches, 1846 veröffentlichtes Werk leichter

zugänglich gemacht; der zoologisch-botanische Verein war eben begründet

und dieser sowie Haidingers Versammlungen von Freunden

der Naturwissenschaft boten erwünschte Gelegenheit zum Meinungsaustausche,

zur gegenseitigen Belehrung, kurz zu alledem, was uns

ja auch heute noch das wissenschaftliche Gemeinwesen so schätz-


106 Anton Heimerl.

bar macht. Um sich aber dem naturwissenschaftlichen Lehramte

ganz widmen zu können, folgte Kornhuber 1852 einem an ihn

ergangenen Rufe als Professor der Naturgeschichte an die eben

gegründete Oberrealschule in Presburg, 1 ) an die erste Anstalt,

welche in Österreich-Ungarn nach dem neuen Organisationsentwurfe

eingerichtet war.

Die fast ein Dezennium währende Tätigkeit Kornhubers an

dieser Anstalt, 2 ) welche sich großen Ansehens und lebhaften Zuspruches

erfreute, ist als eine in jeder Hinsicht fruchtbringende und

für seine weitere Lehr- und Studienrichtung bedeutsame zu bezeichnen.

Die dienstlichen Verhältnisse an der Presburger Oberrealschule

müssen nach gelegentlichen Mitteilungen Kornhub ers als

angenehme, einer freien Entfaltung des Lehrgeschickes und idealen

Auffassung des Lehrberufes günstige angesprochen werden; zu den

Lehrkräften, von denen mir (aus derselben Quelle) der Goetheforscher

und spätere Professor am Wiener Polytechnikum Schröer

und Kornhubers Amtsvorgänger, der bekannte Mineraloge Kenngott,

in Erinnerung sind, gehörten wissenschaftlich tüchtige, hochgebildete

Männer; rechnet man dazu die für den Naturforscher so

günstigen Umstände, daß hier, an der Porta Hungarica superior,

geologische Formationen verschiedensten Alters zusammenstoßen,

daß so mancherlei Boten Pannoniens aus dem Tier- und Pflanzenreiche

mit den westeuropäischen Vertretern zusammentreffen, also

ein reiches Forschungsfeld vorliegt, so begreift man, wie sehr sich

der strebsame Mann in Presburg wohl befand und daß er mit

Recht die Zeit des Presburger Aufenthaltes zu seinen wertvollsten

Erinnerungen zählte.

Auf vielen Ausflügen in die nähere und weitere Umgebung,

dann auch in entferntere Teile von Ungarn sammelte er den Stoff

zu auch heute noch geschätzten Arbeiten über Flora, Fauna und

*) Dies, wie Kornhuber öfter erläuterte, die richtige Schreibweise,

nicht „Preßburg" ; ebenso verhält es sich mit Ungern, statt „Ungarn".

2 ) Am katholischen Obergymnasium vertrat Kornhuber überdies gegen

Ende der Fünfzigerjahre den ausgeschiedenen Gymnasiallehrer Lorinser

in Botanik und Mineralogie bis zum Aufhören der deutschen Lehranstalten,

das ist bis zum Oktober 1861. (Freundliche Mitteilung des Herrn Archivars

Batka in Presburg.)


Andreas Kornhuber. Eia Nachruf. 107

Geologie des Landes. Indem ich manche kleinere Veröffentlichung

übergehe, möchte ich etwa folgende hervorheben: Die Umbelliferen

der Presburger Flora (Ober-Realschulprogramm, 1854); Übersicht

der phanerogamen Pflanzen in der Presburger Flora (dasselbe

Programm, 1855); Die Vögel Ungerns in systematischer Übersicht,

nebst kurzer Angabe ihrer unterscheidenden Charaktere (Presburg,

1856); Synopsis der Säugetiere mit besonderer Beziehung auf deren

Vorkommen in Ungern (Ober-Realschulprogramm, 1857); Die Gefäßpflanzen

der Presburger Flora, I (dasselbe Programm, 1860); Beitrag

zur Kenntnis der Fische im Waag-Gebiete (Verhandl. d. Presb. Ver.,

V, 1860); Bemerkungen über Vorkommen von Fischen um Presburg

und an einigen anderen Orten Ungerns (Verhandl. d. Presb. Ver., 1 )

VII, 1863).

Besonders anziehend wirkte schon damals auf Kornhuber

die Erforschung der geologischen Verhältnisse, dann die der physikalischen

Geographie der Umgebung von Presburg; so entstand

eine Reihe von Arbeiten, aus denen etwa angeführt werden sollen:

Die geologischen Verhältnisse der nächsten Umgebung von Presburg

(Verhandl. d. Presb. Ver., I, 1856); Barometrische Höhenmessungen

in den Karpaten (ebenda, I, 1856); Über die geologischen

Verhältnisse der Porta Hungarica superior und über neue Fundorte

von Tertiärpetrefakten (ebenda, I, b, 1856); Naturhistorische Verhältnisse

der Umgebung von Bösing und neues Vorkommen von

Tertiärpetrefakten bei Hainburg (ebenda, II, 1, b, 1857); Beitrag

zur Kenntnis der klimatischen Verhältnisse von Presburg (Presburg,

1858); Barometrische Höhenmessungen in verschiedenen Gegenden

Ungerns (Verhandl. d. Presb. Ver., Ill, 2, a, 1858; IV, 1859;

V, a, 1860; Ober-Realschulprogramm, 1855); Über das geologische

Alter der Thonschieferlager von Mariathal (Verhandl. d. Presb. Ver.,

V, 1860); Ergebnisse aus den meteorologischen Beobachtungen zu

Presburg während der Jahre 1858 und 1859 (Presburg, 1860);

ferner sind hier als Früchte der in Presburg durchgeführten Beobachtungen

und Aufnahmen, die allerdings erst späterhin veröffentlicht

wurden, zu nennen: Beiträge zur physikalischen Geo-

J ) Der Titel des Vereines lautet: Verhandlungen des Vereines für Natur-

und Heilkunde zu Presburg.


108 Anton Heimerl.

graphie der Presburger Gespanschaft (Presburg, 1865), dann die

Kartenblätter des Presburger (1866) und des Neitraer Comitates

(1871), herausgegeben von der Presburger Distrikts- Handelsund

Gewerbekammer. An den Aufnahmen der k. k. geologischen

Reichsanstalt beteiligte sich Kornhub er 1853 in den kleinen

Karpaten, dann 1858 im Auftrage der Presburger Statthaltereiabteilung

an der geologischen Übersichtsaufnahme von Nordungarn;

in Anerkennung dieser Leistungen wurde er 1856 zum Korrespondenten

der k. k. geologischen Reichsanstalt ernannt und ihm zwei

Jahre darauf, aus Anlaß der Beteiligung an den nordungarischen

Aufnahmen, die Anerkennung ausgesprochen.

Ich würde aber diese Schilderung der Tätigkeit Kornhub

er s in Presburg zu einer sehr unvollständigen machen, wenn

ich eine Richtung außeracht ließe, welche er später zur schönsten

Blüte brachte: ich meine seine Lehrtätigkeit; freilich sind die

hierüber von ihm selbst herrührenden Angaben sehr spärliche, da

es der bescheidene Mann absichtlich unterließ, Dinge vorzubringen,

die etwa als Selbstlob gedeutet werden könnten! Wenn ich aber

das wenige von ihm Erzählte durch fremde Mitteilungen ergänze,

dann noch anfüge, mit welcher Bewunderung die Presburger Schüler

von Kornhubers Lehrgeschick erzählten und mit welcher Liebe

sie an ihm hingen, so übertreibe ich gewiß nicht, wenn ich behaupte,

daß die Art und Weise, wie er an der Mittelschule Naturgeschichte

lehrte; von derselben Meisterhaftigkeit zeugte, die er

späterhin im Hochschulunterrichte an den Tag legte. In einer Zeit,

wo von vielen Seiten die Naturgeschichte als Sammelsurium von

Namen angesehen wurde, wo das Auswendiglernen von Charakteren

und Beschreibungen, die Bücherweisheit und Gedächtnisbelastung

so manchen als Hauptsache erschien, wo verbreitete Lehrbücher

geradezu in diesem Sinne verfaßt waren, 1 ) machte Kornhuber das

Naturobjekt zur Grundlage des ganzen Unterrichtes; er

lehrte Botanik an lebenden Pflanzen, Zoologie am Tiere selbst,

legte Sammlungen aus allen drei Reichen an, machte mit den

Schülern häufig Ausflüge in Presburgs Umgebungen, wobei die

*) Ich denke hier an die noch bis über das Jahr 1870 hinaus in

Gebrauch gestandenen Lehrbücher von: Bill, Fellöcker, Leydolt und

Machatschek, Leunis usf.


Andreas Kornhnber. Ein Nachruf. 109

heimische Tier- und Pflanzenwelt an Ort und Stelle beobachtet und

erklärt wurde, leitete die Schüler zur Anfertigung von Kristallmodellen

x ) an, aus denen erst die Eigentümlichkeiten der Gestalten

herausgelesen wurden, kurz, was uns heute als selbstverständlich

und als Grundlage des ganzen naturgeschichtlichen Unterrichtes erscheint,

das führte er vor einem halben Jahrhunderte durch, in einer

diesem Gange noch fremd gegenüberstehenden Zeit! Daß man in

Presburg die ausgezeichnete Tätigkeit des Mannes kannte und zu

schätzen wußte, wird uns durch zwei Schriftstücke bezeugt; in

dem einen drückt ihm die k. k. Statthalterei „aus Anlaß des durch

seine Bemühungen erzielten eminenten Erfolges des Unterrichtes

in der Naturgeschichte" die Anerkennung aus (1857), in der anderen

Zuschrift von Seiten des Magistrates wird ihm aus Anlaß seines

Abganges von Presburg (1861) die volle Anerkennung „für seine

gemeinnützigen verdienstlichen Leistungen überhaupt und insbesondere

für diejenigen an der dortigen Lehranstalt" ausgesprochen.

Ein bleibendes Erinnerungszeichen hat Kornhub er überdies

der genannten Stadt in der Form zurückgelassen, daß er Mitgründer

(1855) des dortigen Vereines für Natur- und Heilkunde 2 )

wurde. Durch sechs Jahre war er als leitender Sekretär und Redakteur

der Verhandlungen des Vereines unermüdlich tätig, anfangs

auch Sekretär des Forstvereines; ich werde übrigens im folgenden

noch auf diese Tätigkeit zurückkommen.

Gegen Ende des Aufenthaltes Kornhubers in Presburg,

nämlich in den Juli 1860 fällt seine Vermählung mit einer durch

Adel des Geistes und Herzens gleich ausgezeichneten Presburger

Bürgerstochter, Fräulein Hermine Barth, auf deren liebevollen

Teilnahme an allen seinen Arbeiten und Schicksalen sein Lebensglück

beruhte. Bald darauf, am 20. August 1861, erfolgte Kornhubers

Ernennung zum ordentlichen öffentlichen Professor der

Botanik und Zoologie am k. k. polytechnischen Institute, der heutigen

k. k. technischen Hochschule, in Wien. Hiermit eröifnete sich

1 ) Der begabte Kollege für Freihandzeichnen, Prof. Berger, soll in einer

humorvollen Skizze dargestellt haben, wie Kornhubers Schüler, in großen

Papiersäcken die Kristallmodelle tragend, den Pforten der Schule zuschreiten.

2 ) Der erste Präsident dieses Vereines war der jetzige Geheimrat

J. v. Plener. (Freundliche Mitteilung durch Hofrat Prof. Bauer.)


110 Anton Heimerl.

ihm ein neuer, verantwortungsvoller und mühereicher Wirkungskreis,

dessen Schilderung mir aus dem Grunde viel leichter erscheint,

als ich Kornhuber auf der vollen Höhe seines Wirkens

am Wiener Polytechnikum kennen lernte und als Hörer und Assistent

über ein Dezennium (1873—1884) Gelegenheit hatte, ihm in dieser

Tätigkeit nahe zu sein. Ich sprach eben von einem mühereichen

Wirkungskreise; es fällt mir nicht schwer, das zu begründen.

Die übernommene Lehrkanzel war früher mit der für Mineralogie

und Geologie vereint und die mäßige Dotation größtenteils

für die eben genannten Fächer aufgebraucht worden; Kornhuber,

der den Wert eines passenden Demonstrationsmateriales längst erkannte,

stand nun vor der Aufgabe, so rasch als möglich Sammlungen

anzulegen und soweit auszugestalten, daß die abzuhaltenden

Vorlesungen genügend dadurch illustriert werden konnten — die

kleine, von ihm übernommene Sammlung genügte ja kaum für

die bescheidensten Anforderungen! Aber noch eine andere, viel

schwierigere Aufgabe, welche die abzuhaltenden Vorlesungen selbst

betraf, war zu lösen; diese waren für zwei ganz verschiedene

Gruppen von Hörern bestimmt, einerseits sollten sie den Besuchern

der fachchemischen Abteilung das aus Zoologie und Botanik übermitteln,

was für den unmittelbaren Bedarf sowie als Grundlage

zum Verständnisse anderer Vorlesungen, z. B. der aus Warenkunde,

nötig erschien, anderseits waren damals die Kandidaten des Lehramtes

der Naturgeschichte an Realschulen in ihrer Ausbildung

größtenteils auf Studien am Polytechnikum angewiesen und es lag

somit auch deren Einführung in wissenschaftliche Zoologie und

Botanik in Kornhubers Händen.

Wie ernst es nun Kornhuber mit allen diesen Aufgaben

nahm und wie glücklich er sie löste, das soll in den folgenden

Zeilen dargelegt werden, wobei ich mich aber in bezug auf die

durch ihn erfolgte Anlage und Ausgestaltung der naturgeschichtlichen

Sammlungen aus dem Grunde ganz kurz fasse, als ich, insbesondere

deren botanischen Teil, in der früher erwähnten Lebensskizze

(1. c, S. 6 und 7) eingehender geschildert habe. So möge es genügen,

wenn ich anführe, daß sie alles enthielten, was damals

für Vorlesungen aus spezieller und allgemeiner Zoologie, allgemeiner

und systematischer Botanik nötig erschien, daß die Samm-


Andreas Kornhuber. Ein Nachruf. 111

lungen von Wirbeltieren, Weichtieren und Gliederfüßern den

Studierenden genügend Vergleichsobjekte für die Determination der

häufigeren Vertreter boten und daß die Phanerogamen herbare, von

denen eines die mitteleuropäische Flora, das andere die des

übrigen Europa und der außereuropäischen Gebiete umfaßte,

schon der vielen Originale von Hackel, Juratzka, Kotschy,

Kovâts, Leresche, Levier, Neilreich, Schultz-Bipontinus,

Uechtritz, Willkomm usf. wegen, zu den wertvolleren Sammlungen

gehören; aus den kryptogamischen SpezialSammlungen

möchte ich Juratzkas Her bar der Pteridophyten, Fu ekel s Fungi

Rhenani und Thümens Fungi Austriaci namhaft machen. Wenn

noch erwähnt wird, daß auch die Ausrüstung der Sammlung mit

Tafelwerken, dann mit Instrumenten, vor allem mit Mikroskopen,

dem Fortschritte entsprechend angepaßt wurde und daß eine namhafte

Fachbibliothek zur Anschaffung kam, so muß man wohl dem

Manne Anerkennung zollen, der mit einer Jahresdotation von

450 Gulden 1 ) (900 Kronen) nicht nur alle Neuerwerbungen, sondern

auch alle Erhaltungskosten der Sammlung zu decken hatte und

der bei der bedeutenden sonstigen Arbeitslast nur von einem Assistenten

unterstützt wurde.

Was nun die Lehrtätigkeit Kornhubers selbst betrifft, so

war in der von mir zu schildernden Zeitperiode sein Vorlesungsprogramm

das folgende: Im Wintersemester wöchentlich vierstündig-

Zoologie (auf zwei Wochentage verteilt), im Sommersemester in

derselben Art Botanik; dazu kam allwöchentlich ein zweistündiges,

sogenanntes Praktikum, das hauptsächlich den mikroskopischen

Demonstrationen gewidmet war; mit besonderer Bestimmung für

die Lehramtskandidaten hielt er außerdem in jedem Semester eine

(wieder zweistündige) Spezialvorlesuug, wie z. B. über Paläontologie

der Fische, über niedere Tiere, über ausgewählte Kapitel der speziellen

Botanik, über Pilze usf. Rechnet man dazu noch die Belastung,

welche Kornhuber aus seiner Stellung als Mitglied des

niederösterreichischen Landesschulrates, dann als Mitglied der damals

bestandenen k. k. Realschul-Prttfungskommission 2 ) erwuchs,

J

) So seit 1866; vor dieser Zeit wurden jährlich nur wenige Hunderte

Gulden dem Kabinete gewidmet.

2

) Sie wurde im Jahre 1883 mit der für Gymnasien vereint.


112 Anton Heimerl.

und weiß man, wie ernst es der so überaus gewissenhafte Mann

mit den Vorstudien und Vorbereitungen für so verschiedenartige

Vortragsgebiete nahm, so wird man es begreiflich finden, wenn

ihm die Zeit der Amtstätigkeit in Presburg mit ihrer für wissenschaftliche

Arbeiten viel reicheren Muße in lieber Erinnerung stand.

Der Vortrag Kornhubers io seinen Vorlesungen war in jeder

Hinsicht ein Meisterwerk: klar, bestimmt, formvollendet; die schwierigsten

Partien wußte er unter Heranziehung aller Behelfe, dann

durch nett und lehrreich ausgeführte Tafelzeichnungen, durch

glücklich gewählte Vergleiche leicht verständlich zu machen. Hierzu

kam noch die große allgemeine Bildung und reiche Belesenheit des

Mannes, der nicht nur die alten Sprachen trefflich inne hatte,

sondern es auch durch fleißiges Studium und Übung so weit gebracht

hatte, mehrere moderne Sprachen gut zu beherrschen und

daher auch in der Lage war, fremde belletristische und wissenschaftliche

Arbeiten im Originaltexte zu lesen. Überdies hatte

Kornhuber aufweiten Reisen, 1 ) die ihm einen großen Teil Europas,

insbesondere die Alpenwelt und den von ihm so geliebten Süden 2 )

näher brachten, einen Schatz an Welt- und Menschenkenntnis nebst

einer Fülle von Anschauungen erworben, und wenn er auch nichts

weniger als mit Reiseerinnerungen oder ähnlichem zu prunken

pflegte, so verstand er es, wie nicht leicht ein zweiter, durch all

das den Vortrag zu einem derartig anregenden zu gestalten, daß

uns Zuhörern die lange Zeit einer jeden Vorlesung (vom üblichen

akademischen Viertel abgesehen, volle sieben Viertelstunden!) kurz

dünkte und man nur ungern den Schluß derselben herannahen

fühlte. Auf einen Punkt in seinen Vorlesungen, der vielleicht

weniger bekannt ist, möchte ich noch aufmerksam machen; es ist

dies der, daß die vierstündige Hauptvorlesung über Zoologie mit

einer Betrachtung des Wichtigsten aus der Anatomie, Histologie

*) Als Greis machte er noch Reisen nach Spanien und bis zum Nordkap;

insbesondere die zum Nordkap, seine letzte große Reise, war ihm in

liebster Erinnerung.

2 ) Man vergleiche beispielsweise die schönen Schilderungen: „Über den

Ätna" und „Über Korsika" in den Schriften des Vereines zur Verbreitung

naturwissenschaftlicher Kenntnisse, XXIII. und XXIV. Band, Wien, 1882

und 1883.


Andreas Kornhuber. Ein Nachruf. 113

und Physiologie des Menschen eingeleitet wurde. Es gelang ihm

dies, unterstützt durch seine medizinischen Studien, in derartig

fesselnder Weise, daß die Hörer nicht nur ein bleibendes grundlegendes

Wissen aus diesen Gebieten erhielten, sondern daß —

wofür wir Lehrer der Naturgeschichte ihm ganz besonders zu Dank

verpflichtet sind — den Lehramtskandidaten damit ein Wissensschatz

erwuchs, den sie im praktischen Lehramte vorzüglich verwerten

konnten, wie ja überhaupt die ganze L'ehrweise des Mannes

das trefflichste Vorbild für den künftigen Jugendbildner abgeben

mußte.

Exkursionen hatte bekanntlich Kornhuber seinerzeit mit

den Schülern der Presburger Oberrealschule eifrig ausgeführt;

dieses treffliche Mittel zur Erwerbung und Vertiefung des Wissens

führte er nun auch dem Hochschulunterrichte zu. Er pflegte alljährlich

gegen zehn, in ersfer Linie dem botanischen Studium gewidmete

Ausflüge mit den Hörern zu unternehmen; es müssen

deren also wohl im Verlaufe der Jahre mehrere Hunderte gewesen

sein, und wenn auch leicht begreiflich Gegenden mit besonderem

Pflanzenreichtume (wie z. B. Laaerberg, Neuwaldegg, .Bisamberg,

Eisernes Tor bei Baden, Gießhübel und Mödling, Moosbrunn, dann

der Neusiedler See und Sonnwendstein) alljährlich besucht wurden,

so gelang es ihm immer, auch anregende Varianten in das Programm

einzubeziehen, so daß ich beispielsweise unter Kornhubers

Führung Gelegenheit hatte, das niederösterreichische Waldviertel,

das Marchfeld, die kleinen Karpaten, den Hansâg am Neusiedler

See, 1 ) das Leithagebirge, dann Schneeberg, Raxalpe, Dürrenstein,

Hochkar, Voralpe, Veitsch und Hochschwab kennen zu lernen.

Diese Ausflüge, an denen öfter auch Nichthörer als Gäste teilnahmen,

gehören in jeder Hinsicht zu den schönsten Erinnerungen

*) Die Ergebnisse dieses Ausfluges, vermehrt durch diejenigen, welche

frühere Studien boten, und ferner durch die, welche Kornhuber auf einem

weitereu, mit mir unternommenen gewann, hat er in einer ansprechenden

Arbeit, betitelt: Botanische Ausflüge in die Sumpfniederung des „Wasen"

(magyarisch „Hansâg") in diesen „Verhandlungen" (1885) niedergelegt. Hieran

schließt sich auch der in Gemeinschaft mit mir verfaßte Aufsatz : Über Erechthites

hieracifolia Eaf., eine neue europäische Wanderpflanze. (Österr. botan.

Zeitschr., 1885, S. 297.)

Z. B. Ges. Bd. LVI. 8


114 Anton Heimer].

seiner zahlreichen Schüler; sie boten erst recht Gelegenheit, den

trefflichen Mann von allen Seiten kennen zu lernen. Vor allem war

es Kornhubers schöner Gedanke, auch den ärmeren Teilnehmern

dadurch entgegen zu kommen, daß durch sorgsame Vorstudien und

Erwirkung aller erhältlichen Ermäßigungen, dann durch bescheidenste

Lebensführung von Seiten des Veranstalters selbst, die Kosten

auf eine recht geringe Summe herabgedrückt wurden. Wie oft

hörte ich ihn nichfmit Wirtsleuten unterhandeln, um sie zu bewegen,

den Teilnehmern am Ausfluge billiges Entgegenkommen zu

zeigen; wie oft sah ich ihn nicht mit armseliger Verpflegung und

Unterkunft vorlieb nehmen, um ja nicht die Teilnehmer zu

größeren Auslagen zu veranlassen, wobei er sich aber stets persönlich

durch Besichtigung der Schlafräume usf. davon überzeugte,

daß für den bezahlten Betrag doch nicht allzu minderes geboten

werde !

Und wie wußte Kornhuber die Zeit des Aufenthaltes im

Freien, die der Wanderung zweckdienlich auszunützen! Von Jugend

auf gewohnt, alle Strapazen zu ertragen, vor keiner Unbill des

Wetters, vor keinem beschwerlichen Marsche oder alpinen mühevollen

Steige zurückscheuend, hatte er nur den einen Gedanken,

das Möglichste zur Belehrung der Teilnehmer zu leisten. Unermüdlich

war er im Erklären und Erläutern ! Da gab ein unscheinbares

Moos Gelegenheit, die Lebensgeschichte der Bryophyten,

dort ein Farn, den Generationswechsel der Pteridophyten zu besprechen;

den Blütenbau der Kompositen, die Blüten Verhältnisse

der Gräser, die Bestäubungsvorgänge, den Wirtswechsel der Rostpilze,

die Biologie der Flechten und zahlloses Ähnliches wurde

er nicht müde, in kleinen Ruhepausen zu erläutern; andere Pausen

dienten zu Bestimmungsübungen, die fleißig nach Kreutzers bekanntem

Buche durchgeführt wurden. Nichts wäre aber verkehrter,

als zu glauben, es wäre einseitig auf den Ausflügen nur

die Pflanzenwelt beachtet worden! Bei dem reichen zoologischen

Wissen Kornhubers war es seine Freude, bei jeder Gelegenheit

die Aufmerksamkeit der Teilnehmer auf interessante Tierformen,

auf durch Tiere hervorgebrachte Deformationen und Verwandtes zu

lenken; rechnet man noch dazu das lebhafte Interesse, welches

der Verewigte stets der Geologie und Paläontologie entgegenbrachte,


Andreas Kornhnber. Ein Nachruf. 115

ferner seinen durch ausgedehnte Reisen geschärften und gebildeten

Geschmack für landschaftliche Schönheit und überhaupt seine umfassenden

Kenntnisse von Land und Leuten, endlich seine hohe allgemeine

Bildung, so wird man mir wohl recht geben, wenn ich oben

behauptete, die Exkursionen wären für alle Teilnehmer eine Quelle

schönster Belehrung und reichsten Genusses gewesen. Da hatte

er wohl bei seinem hohen Pflichtgefühle volles Recht, auch an die

Teilnehmer Anforderungen zu stellen; ein bloßes Mitbummeln war

ihm von jeher verhaßt, ein Wandern von Gasthaus zu Gasthaus

durch seine enthaltsame Lebensweise ohnehin ausgeschlossen. Er

verlangte Eifer und Interesse; man mußte alle Strapazen teilen und

nicht nach wenigen Marschkilometern über Hitze und Ermüdung

klagen; man mußte die gesammelten Pflanzen für das anzulegende

Privatherbaf wohl verwahren und bezetteln, fleißig zugreifen, ausheben,

selbst suchen usf. Unvergeßlich bleiben uns allen die

abendlichen Ruhestunden auf größeren, mehrtägigen Ausflügen, wo

der Leiter des Ausfluges nach gelungenem Tagewerke in freundlichster

Unterhaltung unter uns saß, mit köstlichem Humor an den

Gesprächen teilnahm, Leute aus dem Volke zur Unterhaltung

heranzog, kurz in jeder Weise das Zusammensein zu einem genußreichen

zu machen verstand!

Ich möchte noch einiges vorbringen, das die weitere Ausbildung

der Lehramtskandidaten betrifft. Hierzu dienten sowohl die

Spezialvorlesungen, von denen schon Erwähnung geschah, und die

alljährlich so wechselten, daß den Hörern verschiedene Gebiete

aus Zoologie und Botanik näher gerückt wurden, als auch die

Übungen in den naturgeschichtlichen Sammlungen. Außerordentlich

viel hielt er auf Beteiligung an diesen, wobei Gelegenheit zur

Übung im Mikroskopieren, im Zergliedern von Tieren, Bestimmen

von Pflanzen und Tieren, insbesonders von Insekten gegeben

wurde. Kornhub er s ausgezeichneter Gedanke war dabei der,

einerseits den Studierenden mit einer Summe von praktischen

Kenntnissen auszurüsten, die ihn in den Stand setzen konnten,

der Jugend, welche vom Lehrer so häufig ohne alle Umschweife

den Namen aufgesammelter Pflanzen oder Tiere erfahren will, erfolgreich

entgegenzukommen, anderseits ihn so weit zu führen,

daß er sich auch in schwierigeren Fällen mit Hilfe der bestehenden


116 Anton Heimerl.

Literatur selbständig behelfen könne. Sehr gerne sah er es, wenn

das Interesse des Hörers über das des Brotstudenten hinausging

und wenn sich tiefere Neigung zu irgend einem Spezialgebiete

zeigte; hatte er den Ernst und die Gewissenhaftigkeit des Betreffenden

erkannt, so wurden ihm nicht nur alle Sammlungsbehelfe

zur Verfügung gestellt; sondern er war der freundlichsten Zuneigung

und Förderung gewiß.

Was das Verhalten in Prüfungssachen betrifft, so nahm es

Kornhub er mit diesen stets ernst und zu den sogenannten „leichten

Prüfern" gehörte er gewiß nicht; er forderte gründliche Vorbereitung,

eifrige Betätigung an den Übungen, es fiel ihm aber nie

ein, Kleinigkeiten oder vom Kandidaten ein Anfüllen des Gedächtnisses

mit unnützem Ballaste zu verlangen. Sicheres Verständnis

der Hauptpunkte, praktisches Erkennen von Tieren und Pflanzen,

Klarheit der Darstellung ging ihm über alles; kam noch dazu,

daß ihm der Kandidat von den Ausflügen und Kabinetsübuagen

her als mit Sinn für die Natur und Lust zur Sache begabt bekannt

war, so konnte sich dieser ohne jede Sorge dem Prüfungstische

nähern, der Erfolg war gesichert. Naturgemäß war mit der

im Jahre 1883 erfolgten Vereinigung der früher getrennten Prüfungskommissionen

für Gymnasien und Realschulen, dann mit der

Änderung des Studienplanes der chemischen Fachschule eine einschneidende

Veränderung in dem Programme der von Kornhuber

abgehaltenen Vorlesungen verbunden, die sich insbesondere

darin aussprach, daß die Aufgabe der Heranbildung von Lehramtskandidaten

mehr in den Hintergrund trat, dafür aber die Betonung

der chemischen Richtung bei den Vorlesungen tiberwog; dies prägte

sich auch in den Titeln der Vorlesungen, wie z. B. „Technische"

und „Spezielle technische Botanik" aus. Übrigens wußte Kornhub

er auch diese neuen Disziplinen derartig anregend und lehrreich

zu gestalten, daß die Hörerschaft mit größtem Interesse

folgte und dem Vortragenden lebhafteste Sympathien zuwendete,

was sich besonders schön — wie weiterhin geschildert werden

soll — in dem Verhalten der Hörer bei Kornhubers Abschiedsvorlesung

aussprach.

Der siebzigste Geburtstag Kornhubers, der auf den

2. August 1894, also in die Ferialzeit der Hoch- und Mittel-


Andreas Kornhuber. Ein Nachruf. 117

schulen fiel, bot den vielen Verehrern des Verewigten die Gelegenheit

zu sinnigen Feiern, 1 ) von denen Kornhuber auf das tiefste

ergriffen war und die ihm, wie er mir erzählte, als der schönste

Lohn für seine Bemühungen erschienen. Am 15. Juli des genannten

Jahres wurde ihm in Eodaun 2 ) durch eine aus seinen Kollegen,

den Professoren Bauer, Kolbe, Oser, Ditscheiner, Noltsch und

Toula, bestehende Abordnung ein mit herrlichen Alpenblumen und

Lorbeer geschmückter Rucksack überreicht, der außer den schriftlichen

Glückwünschen der Freunde und Kollegen eine sehr herzlich

abgefaßte Adresse der Hörer enthielt, überdies war eine große

Anzahl schöner Photographien, teils Bildnisse der Gratulanten,

teils Landschaften und ähnliches beigefügt. Beigegeben war folgende

Widmung:

Dem Herbarium all' der Ehren, die zu sammeln Dir geglückt,

All' der Geist- und Herzensblüten, die im Leben Du gepflückt,

Füge nunmehr, hochverehrter Freund, auch diese Blätter bei,

Deren Fülle Dir ein Zeichen uus'rer Sympathien sei!

Hierauf sprach der Historienmaler Prof. Noltsch das folgende,

von ihm verfaßte launige Gedicht:

Schau Vötta! da bring' i

An Rucksack daher,

Der is' not z'veracht'n

Und is a not leer.

Den trag' halt recht lang' no'

Und juchaz dazua,

Warst eh' ja dei' Lebtag'

A schneidiga Bua!

Bist aber zum Rucksack

Trag'n heut z'faul,

So hock' Di' wo nieda

Und schau' eahm ins Maul.

Und find'st a nix z'essn

Und nix für'n Durst,

Kan Kas und ka G'selcht's,

Kan Speck und ka Wurst

Und g'rad' nur was z'les'n -

Was macht's D'r am End,

's Buchstabir'n hast ja

Scho' g'lernt als Student.

*) Kornhuber selbst feierte ihn am bezeichneten Tage auf der Spitze

der sich fast 2000 m über Brixen erhebenden Plose-, eine Leistung, die er

später noch übertraf, da er das Eittnerhorn auf dem beschwerlichen, sonnigen

Aufstiege von Atzwang im Eisacktale aus bestieg und noch am selben Tage

wieder unten im Tale eintraf.

' 2 ) Der alljährlich besuchten Sommerfrische.


118 Anton Heimerl.

Und dann is a weida

Ka z'widere G'schicht,

Nix „Schriftlig's vom Steu'ramt"

Oda vom G'richt.

D'rum mach'n halt auf

Und laß D'r fein Zeit

Und les' — denn i' wett', daß

Di' 's Les'n not g'reut!

Am 26. Juli langte aus Budapest eine Kornhuber ungemein

erfreuende Adresse ein. Sie ist mit köstlichen Federzeichnungen

der Stadt Presburg und der Ansicht des altertümlichen Gebäudes der

Oberrealschule daselbst geziert und führt aus: „Die Erinnerungen an

die Jugendjahre und an Ihre Vorträge, aus welchen wir die Natur

lieben gelernt haben, erhielten in unseren Herzen aufrichtige Liebe

und treue Dankbarkeit dem Manne gegenüber, der uns durch seine

weisen Lehren den Weg zeigte, unser Selbst zu erkennen und

recht zu leben." So schrieben seine alten magyarischen Schüler,

voran F. Wachsmann; Oberinspektor der kön. ung. Staatsbahnen,

dann 0. Olgyay, A. Kirchlechner, M. Groffits u. v. a. und

ich meine, daß sich nicht leicht Worte finden lassen, welche Kornhub

er s Lehrtätigkeit besser kennzeichnen!

Endlich wurde von der k. k. geologischen Reichsanstalt eine

künstlerisch ausgeführte Adresse übermittelt, welche lautete:

Die kaiserlich-königliche geologische Reichsanstalt beehrt sich

Sr. Hochwohlgeboren den hochverehrten Herrn Andreas Kornhuber,

Medie, et Philos. Doktor, o. ö. Professor an der technischen

Hochschule in Wien, zur Feier seines siebzigsten Geburtsfestes

am heutigen Tage hochachtungsvollst und herzlichst zu beglückwünschen

mit dem Ersuchen, die Erneuerung seiner im Jahre 1856

erfolgten Aufnahme unter ihre Correspondenten zugleich mit dem

Danke für das ihren Aufgaben bisher erwiesene Interesse und für

die derselben treu bewahrte freundschaftliche Gesinnung entgegennehmen

zu wollen.

Wien, am' 2. August 1894.

Die Direktion:

G. Stäche.

Die letzte Vorlesung an der k. k. technischen Hochschule

hielt Kornhuber nach zurückgelegtem Ehrenjahre am 25. Juni 1895;

auch sie gestaltete sich zu einer schönen, ergreifenden Feier.


Andreas Kornhuber. Ein Nachruf. 119

Nachdem der Vortragende im mit Pflanzen festlich geschmückten

Hörsaale bewegten Herzens die letzten Worte an seine lieben

Hörer gerichtet hatte, trat einer derselben, Herr Franz Weislein,

vor und hielt im Namen seiner Kommilitonen eine längere Ansprache,

welche die innigste Zuneigung der Hörer und das feinste

Verständnis der Lehrweise Kornhubers zum Ausdrucke brachte;

es sei mir gestattet, wenigstens die Schlußworte der Rede anzuführen,

die lauten: „Und wo immerhin der Weg dereinst uns

trennend führen mag, denken wir mit gleicher Liebe und Verehrung

an den von uns heute Scheidenden, mit der ich ihm ein

Lebewohl zurufe — ein letztes in diesem Hörsaale — trauernden

Herzens! — Jede Blume, die unser Auge erfreut, soll uns Gruß und

Zeichen sein von all' der Liebe und Güte, dia wir empfangen, von

dem Schönen und Großen, das er in uns gesäet, im Geiste zu ihm

uns führen, wie dereinst auf unseren fröhlichen Wegen durch Wald

und Flur, — als er noch unser war! Meine Herren! Ich bitte Sie

in dem bedeutungsvollen Augenblicke, ihrer Dankbarkeit würdigen

Ausdruck zu verleihen, dem von uns heute Scheidenden einen ehrlichen

Studentengruß zu bringen — ein herzliches, trauerndes

,Prosit'!"

Nach erfolgter Pensionierung und Auszeichnung durch den

Hofratstitel (Herbst 1895) nahm Kornhuber (1897) wieder in Presburg

ständigen Aufenthalt; geistig völlig frisch, körperlich von

einer Rüstigkeit, die manchen Jüngling beschämte und wohl die

Folge seiner verständigen, einfachen Lebensführung und Freude an

Bewegung in frischer Luft war, entfaltete der arbeitsfreudige

Mann von neuem die lebhafteste Tätigkeit. Vor allem war ihm

jetzt Zeit dafür gegönnt, sich seinen Lieblingswissenschaften, der

Geologie und Paläontologie, ganz widmen zu können. In den

Verhandlungen des Vereines zu Presburg findet sich von da an

eine Reihe von Aufsätzen, die die Ergebnisse seiner naturgeschichtlichen

Studien, insbesondere der über Gesteine, über Petrefaktenvorkommnisse

und sonstige paläontologisch interessante Funde vorführen;

ich mache etwa folgende namhaft: Über das Geweih eines

fossilen Hirsches in einem Leithakalk-Quader des Domes zu Presburg;

Der Thebner Kobel, ein Beitrag zu seiner Naturgeschichte; Eine

Schildlaus als Forstschädling auf Robinia Pseudacacia (1897 bis


120 Anton Heimerl.

1898); Über die Braunkohlen-Schürfung bei Mariathal im Jahre

1898; Über die Thonschiefer bei Mariathal (1899); Zoologische

Bemerkungen (1900); Über das Hansâg-Moor und dessen Torf

(1901).

Eine andere Reihe von Artikeln in der Presburger-Zeitung,

betitelt: „Naturhistorisches aus Presburg und seiner Umgebung",

stellte sich die Aufgabe, denjenigen Lesern, welche der naturgeschichtlich

so interessanten Umgebung der Stadt Aufmerksamkeit

entgegen bringen, Stoff zur Belehrung zu bieten. Mir liegen zwei

dieser Artikel vor, der eine betitelt: „Auffallende Felsbildungen und

Gesteinsgruppen im Granitterrain von Presburg und um Ratschdorf",

erschien als Separatbeilage zur Presburger Zeitung vom

23. März 1900, der andere im Feuilleton derselben Zeitung vom

20. Juni 1901 unter der Überschrift: „Der ,Pfahl' im bayerischen

Walde und das ,Steinerne Thor' in den kleinen Karpathen — eine

geologische Parallele." Man bewundert bei der Lektüre die Geistesfrische,

Gründlichkeit und anmutige Darstellungsgabe des Verfassers,

der hierin die Früchte eifriger Naturstudien niederlegt. Als letzte

Arbeit Kornhubers erschien am 6. November 1904 in der Presburger

Zeitung ein seinem ehemaligen Presburger Schüler Johann

Nepomuk Batka zum vierzigjährigen Jubiläum als Archivar gewidmeter,

dessen Namen tragender Aufsatz.

In die Zeit des letzten ständigen Aufenthaltes Kornhubers

in Presburg fällt auch die Vollendung einer größeren, paläontologischen

Arbeit, welche unzweifelhaft zu seinen besten Leistungen

auf wissenschaftlichem Gebiete gehört, ich meine die 1901 in den

Abhandlungen der k. k. geologischen Reichsanstalt (Bd. XVII,

Heft 5) erschienene Studie über eine neue fossile Eidechse aus

der unteren Kreide von Lesina in Dalmatien, welche er als Opetiosaurus

Buchichi in die Wissenschaft einführte. Mit fossilen Sauriern

hatte sich der Verewigte schon früher eingehend beschäftigt

und als Früchte der Untersuchungen bereits zwei Arbeiten in den

genannten Abhandlungen veröffentlicht; die eine betitelt sich: „Über

einen neuen fossilen Saurier aus Lesina" (Bd. V, Heft 4), worin

eine neue Art von Hydrosaurus als H. Lesinensis beschrieben und

abgebildet wird (1873); die zweite führt den Titel: „Ccvrsosaurus

Marchesettii, ein neuer fossiler Lacertilier aus den Kreideschichten


Andreas Kornhuber. Ein Nachruf. 121

des Karstes bei Komen" und erschien 1893 im 3. Hefte des

XVII. Bandes (mit einer Lichtdruck- und einer lithographierten

Tafel). Ergreift man aber die Arbeit über Opetiosaurus und blättert

in ihr, so erfaßt einen geradezu Bewunderung vor der Geistesfrische

des Mannes, der im 77. Lebensjahre stehend, eine derartig

mühevolle Arbeit mit Lust betrieb und mit bestem Erfolge zu

Ende führte, der hochbetagt über eine derartige Sicherheit im

Erfassen des Objektes verfügte, daß es ihm möglich war, auf der

großen Tafel II in eigenhändig angefertigter Zeichnung das ganze

Detail des Skelettbaues darzustellen; unwillkürlich ruft man da

aus: beneidenswerter Sterblicher! Wenn ich noch zufüge, daß

Kornhuber in dieser letzten Periode seines Lebens aufs eifrigste

im Presburger Vereine tätig war, an fast allen Sitzungen teilnahm,

bei den allermeisten das Wort ergriff, über seine eigenen Funde,

über neue Literatur, über wissenschaftliche bemerkenswerte Entdeckungen

usf. berichtete, andere zu Vorträgen animierte, auch

auf botanischem Gebiete stets Gelegenheit zur Betätigung nahm,

endlich die Eedaktion des deutschsprachlichen Teiles der Verhandlungen

führte, so wird man es begreiflich finden, daß sich unter

den Freunden Kornhubers ein derartiges festes Vertrauen auf seine

eiserne Gesundheit herausgebildet hatte, daß sich diese der sicheren

Erwartung hingaben, er werde noch lange unter ihnen weilen.

Doch schon im Laufe des Jahres 1902 fühlte sich Kornhuber

in seinem Wohlbefinden mehrfach gestört. Trotzdem unternahm

er sehr häufig geologische Exkursionen in die kleinen Karpathen

und änderte die gewohnte Lebensweise nicht.

Am 22. Januar 1903 wurde er morgens von einem Schlaganfalle

betroffen, der eine Lähmung der rechtsseitigen Gliedmaßen

zur Folge hatte. Bewußtsein, Erinnerungsvermögen und Sprache

blieben intakt. Nur außerordentlich langsam trat eine geringe

Besserung der Lähmungserscheinungen ein und erst nach Monaten

konnte der Kranke schwache Gehversuche beginnen. Es währte

dann noch sehr lange, bis er endlich wieder imstande war, wenn

auch mühsam, doch mit starker Willenskraft sich im Freien zu

ergehen. Freilich mit der Besserung in der rechten Hand schreitet

es nicht recht vorwärts — da erlernt der Achtzigjährige in Betätigung

seiner alten Energie das Schreiben mit der Linken! Man


122 Anton Heimerl.

wurde wieder hoffnungsvoller und meinte, das Ärgste wäre vorbei

und uns Kornhuber für eine neue Frist gegeben; aber bei Gelegenheit

einer im Frühlinge 1905 nach Wien unternommenen Eeise

erkrankte er neuerdings und starb daselbst nach kurzem Leiden am

21. April 1905.

Es erübrigt noch, um diese Lebensskizze zu vervollständigen,

die Ehrungen anzuführen, welche dem Verewigten zuteil wurden.

Ich habe einiger schon gedacht und führe weiterhin an, daß er

für das Jahr 1879 zum Rektor der k. k. technischen Hochschule

gewählt erschien, daß ihn die k. k. zoologisch-botanische Gesellschaft

1863 zum Ausschußrate sowie in den Jahren 1866, 1874,

1876, 1882, 1885, 1887, 1889, 1891, 1893 und 1895 zum Vizepräsidenten

und in der am 1. März 1901 stattgefundenen Generalversammlung

aus Anlaß ihres 50jährigen Bestandes zum Ehrenmitgliede

erwählte; der Verein für Natur- und Heilkunde zu Presburg

ernannte ihn ebenfalls zum Ehrenmitglieder die k. k. Landwirtschafts-

und die k. k. Gartenbau-Gesellschaft in Wien, die Wetterausche

Gesellschaft für die gesamte Naturkunde zu Hanau, die Gesellschaft

„Isis" in Dresden, der botanische Verein zu Landshut, der

Verein für Naturkunde in Kassel, die Società Adriatica in scienza

naturali in Triest, endlich die k. k. Landwirtschaftsgesellschaft in

Salzburg zeichneten ihn durch den Titel eines korrespondierenden

Mitgliedes aus. Für Kornhub er s Tätigkeit als Jurymitglied 1 ) der

90. Klasse bei der Weltausstellung zu Paris (1867) wurde ihm

die allerhöchste Anerkennung, von Sr. Majestät dem Kaiser und

auch von Seite der französischen Regierung ausgesprochen. Im

Januar 1882 endlich erhielt Kornhuber „in Anerkennung seiner

vielfachen um die Wissenschaft und ihre Lehre erworbenen Verdienste"

den kais. österr. Orden der Eisernen Krone III. Klasse.

Den 80. Geburtstag feierte Kornhuber in Presburg am

2. August 1904. Der Rektor der k. k. technischen Hochschule in

Wien, Prof. Dr. J. Neuwirth, beglückwünschte den gewesenen

l ) Hierüber handelt der von ihm erstattete offizielle Bericht: Über den

mittleren und gewerblichen Unterricht, repräsentiert auf der internationalen

Ausstellung zu Paris, 1867.


Andreas Kornhuber. Ein Nachruf. 123

Kollegen im Namen des Professorenkollegiums mit aller Wärme

in einem herzlich empfundenen Schreiben. Die Presburger Freunde

blieben nicht zurück und stellten sich mit reichen Blumenspenden

und herzlichsten Glückwünschen ein.

Die letzten Ehren, welche der sterblichen Hülle des unvergeßlichen

Mannes erwiesen wurden, ließen die allgemeine Hochachtung

nochmals hervortreten, deren sich der Verblichene erfreute.

Bei dem Leichenbegängnisse in Wien war das k. k. Unterrichtsministerium

durch Sektionschef Dr. Stadler v. Wolfersgrün vertreten;

der Rektor der k. k. technischen Hochschule, Prof. Dr. Neuwirth,

Professoren derselben und der k. k. Universität, viele Mittelschulprofessoren

und persönliche Freunde nahmen am Trauerzuge teil. Der

Beisetzung in der Familiengruft zu Presburg wohnten der Bürgermeister

dieser Stadt, königl. Rat Brolly, dessen Stellvertreter Kumlik,

Kustos Dr. Zahlbruckner aus Wien in Vertretung der k. k.

zoologisch-botanischen Gesellschaft, Mitglieder des oft erwähnten

Vereines als Abordnung, endlich fast alle in Presburg lebenden

Schüler bei. In dem Monatsberichte des Presburger Bürgermeisters,

königl. Rates Brolly, wurde seines Todes vor dem städtischen

Munizipalausschusse (Gemeinderate) ehrenvoll gedacht und „sein

Andenken als eines hervorragenden, um das kulturelle

Leben der Stadt hochverdienten Mannes gesegnet." In

der Munizipalsitzung vom 1. Mai 1905 wurde über Antrag des

Mitgliedes dieser Körperschaft und Geschichtsschreibers der Stadt,

Abtes Prof. Dr. Ortvay, eine neue Gasse zum Gedenken an den

Verstorbenen „Kornhubergasse" benannt.

Die Wissenschaft hat Kornhuber s Namen in folgenden

Fällen festgehalten; A. de Gregor io benannte nach ihm eine

Bostellaria aus den oligozänen Mergelschichten von Castelbuono in

Sizilien (Una Gita sulle Madonie etc., Torino, 1882), L. Karpelles

eine japanische Nothrus-Art (Archiv für Naturgeschichte, 1883,

S. 455 ff.), der Schreiber dieser Zeilen ein hybrides Cirsium (diese

„Verhandlungen", XXXIV, S. 95) und eine persische Cousinia (in

seiner Bearbeitung der persischen Kompositen bei Stapf: Die

botanischen Ergebnisse der Polaksehen Expedition nach Persien

usf., im L. Bande der Denkschriften der kais. Akademie d. Wissenschaften,

S. 62), endlich A. Zahlbruckner eine Binodina (Verhand-


124 Anton Heimerl.

lungen des Presburger Vereines, Neue Folge, X, 1899, S. 5 des

Separatabzuges).

Die Zahl der Schüler Kornhubers an der k. k. technischen

Hochschule in Wien ist schon mit Rücksicht darauf, als seine Vorträge

ja durch lange Zeit sowohl für Fachchemiker als auch

für Lehramtskandidaten bestimmt waren und er in dieser Stellung

über dreißig Jahre wirkte, eine sehr große. Rechnet man noch seine

Presburger Schüler hinzu, so müßte eine irgendwie vollständige

Namhaftmachung fast als ein Ding der Unmöglichkeit bezeichnet

werden; auch hat der unerbittliche Tod so manche Lücken in die

Reihen gerissen. Ich muß mich daher in dem folgenden darauf

beschränken, diejenigen anzuführen, welche entweder in wissenschaftlichen

oder den Wissenschaften nahestehenden Kreisen hervorragende

Stellungen einnehmen, oder bei der Ausübung des Lehrfaches

als anerkannt tüchtige Didaktiker die Lehrmethode Kornhubers

weiter pflegen und ausbauen oder endlich sonst dem

Verewigten persönlich nahestanden. Niemand empfindet mehr wie

ich die Schwierigkeit, und Ungleichmäßigkeit, welche naturgemäß

derartigen Zusammenstellungen anhaften. Wie viele tüchtige Schüler

des Verewigten sind uns nicht im Laufe der Jahre durch Zeit und

Raum entfremdet und fehlen daher in der Zusammenstellung; wie

viele mögen sich anderen Richtungen zugewendet haben und uns

eben dadurch aus den Augen gekommen sein. Man verzeihe mir

daher die Unvollständigkeit, ich bin mir deren ja wohl bewußt;

anderseits wäre dieses schriftliche Denkmal, das wir dem Verewigten

setzen wollen, kein seiner Denkweise entsprechendes,

wenn das fehlen würde, was ihm so lieb und teuer war, worauf

er soviel Wert legte: das Gedenken an seine Schüler!

Von Hochschulprofessoren (beziehungsweise Dozenten) seien

genannt: Bauer, Bamberger, Benedikt (f), Bock, Ciamician,

Eder, Habermann, v. Höhnel, Kittl, Lafar, Pelikan, v.

Schmidt, Toula, Ulzer, Weidel (f); aus der so großen Zahl

von Professoren an Mittelschulen mögen angeführt werden: Arche,

Döll, Erb, Hackel, v. Hayek, Hoffmann, Kail, Katuric,

Kreisel, Medritzer, Oehler, Pihuliak, Richard, Rippel, Stossich,

Tschuschner, Voss (f); von solchen an Akademien, Anstalten

ähnlichen Charakters, Versuchsanstalten usf.: Fischer, Hassack,


Andreas Kornhuber. Ein Nachruf. 125

Hibsch, Kremla, Pechlaner, Râthay (f), Schuler, Valenta.

Als Leiter von Versuchsanstalten oder als fachliche Berater in

Ministerien erwähne ich: Strohmer, Meißl (f), Portele; am naturhistorischen

Hofmuseum in Wien wirken als Kustoden I. Klasse:

Heger, Kittl und Szombâthy; als Fabriksdirektoren: Mayer,

Schuster und Strecker. Zu den Schülern Kornhuber s

gehören ferner: Oberst Altmann, Archivar Batka in Presburg,

Direktor der Wr. Bau-Gesellschaft Bode, Stadtrat Braun, Fabrikant

v. Cypers, Großhändler Figdor, Herausgeber der „Wage"

Kar eil, Oberinspektor der k. k. österr. Staatsbahnen S cheli er,

Oberingenieur Sendlein, Staatsgewerbeschul-Direktor Stingi (f).

Vielleicht darf der Schreiber dieser Zeilen schließlich dreier

Lieblingsschiiler Kornhuber s gedenken: Fehlner, Fiedler und

Banowsky, die zum größten Leidwesen des Verblichenen noch

während seiner Lehrtätigkeit an der Hochschule durch den Tod

dahingeraift wurden. Alle oblagen botanischen Studien; Fehlner

hatte bereits mehrere bryologische Arbeiten veröfiPentlicht; Fiedler

beschäftigte sich ebenfalls mit Bryologie und von ihm rührt eine

naturgeschichtliche Skizze des Lungaues — seiner Heimat —

her; Banowsky endlich unterlag in der Blüte seiner Jugend,

eifrigst mit botanischen Studien beschäftigt, dem unerbittlichen

Allbezwinger.

Zur Veilchenflora Tirols.

Von

Wilhelm Becker.

(Eingelaufen im Juli 1905.)

Diese Erwiderung ist durch eine Kritik meiner Arbeit „Zur

Veilchenflora Tirols" (Zeitschr. Ferdin. Innsbruck, 48. Heft, S. 323

bis 346, 1904) seitens des Herrn v. Handel-Mazzetti in den

Verhandl. d. zool.-botan. Gesellsch. in Wien, 1905, S. 377 veranlaßt

worden.

Im allgemeinen geht aus der Kritik hervor, daß Herr v.

Handel-Mazzetti meine Arbeiten über das Genus Viola nicht

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