Die Brandenburgische Kanzlei und das Urkundenwesen wahrend ...

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Die Brandenburgische Kanzlei und das Urkundenwesen wahrend ...

D (

VOR\\TOflri

Die iiiarkgiiflirli 1iraiilii1nirgiseheii Urkunden des XV. Jahr-

lii I1(l(YrtS sind für die Geseliirli te des Landes und seines Fürsten-

hauses die vorneltinlieliste Quelle, Als sol-lte erfordert) sie in dop-

p1t.e 1-1 itisieht das Interesse der Instuitselien Forschung. Nielit

allein alsvollgiltige l3nweisslüeke der in ihnen verbrieften Handlungen

sind sie Gegeiistaitil (1(1 [i1t(i51it1iling, S( )I1(l11'fl lii gleicher Weise

haben sie aueli als 1l]Iillilt ihare Zeugnisse für die Geschichte ilei

Ver\vahi teig, deren Werk sie sind, vollen Aus1 otieh auf ingel iendere

Belraelituiig, Nur nach der eliteti, der itiltaltlielten Seite, ist man

bisher ihrer B ikuit uuig geworden, g(iee lt dagegen ist eine Behand-

Ii tii ihiret forunaleui Seite, aus welcher für den \'eiwall uuigsineelia-

iiisiiiiis der Kanzlei manches fruiehithare Material gew inieit wird,

It(irli iuieht tlflte]i)(I]tlTflerl \voltleuI. Geliiigt es alier, iii (las innere

\\eseu des Kanzlei] e1 tiehes vi irzudruigeit, so verschaffen wir U1IS

(lahilit eine!! Eiithliek in die Füliriiitg der Gesehfte, wie sie. litt

diese Zeit an der (entralstelle der kurfürstliehien Verwaltung des

brandeu ii itt igischeut Hofes geltauidliabt wordeni ist.

Nur soweit also, als die [ rkuiideii geeignet sind, nits ein Bild

der liussereit ‚ wie inneren Orgattisation dieses wichtigskui alL r 1-hofatiitei

zu gelten, \VaueIh sie für die Untersucht ing hier ZU heuiut tzen

Lel.er die Frageit der Eitileihuirig der Doeuiriient.e, der Art der in

ihiuien aiiftreteuideii Formeln und ähnliche haben wir uns kutz

'risst. Was überhaupt (Ile (Jekonotiiie der Aiheit angeht, so

haben uns in dieser Beziehung die voutre.fflicheii Uuitersucliuugeri

Document

I I 011 II 1111110 T

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VI -

Gerh. Sceligers über die Kanzleiverhältnisse aiii Königshofe vielfach

geleitet. Von einer festen Ordnung des Stoffes nach sachlichen

Gesichtspunkten wurde der bequemeren und ühersielitlichereu Darstelluiig

zu Liebe abgesehen. -

Zur BcschLiftigi Lug mit diesein Gegenstande wurde ich von Herrn

Prof. 1)r. 13 r es s la u angeregt, dem ich mich hierfür, noch mehr aber

für das stets rege Interesse, das er der Arbeit entgegenbrachte, in

besonderer Weise veiphlichtet. fühle. Ebenso zolle ich Herrii Prof. Dr.

Varrentrapp für seine fördernde Teilnahme, welche sich auch in

manchem wertvollen Ratschlage kund thial, aufrichtigen Dank. Sehiliess-

hei liebe ich noch die Liberalität hervor, in il der man im Geh. Staats-

archiv in Berlin auf alle meine Wünsel ie einging. Herr Prof. Dr.

S eh je in an n, damals mli in Archiv tIiitig, iiahui sieIi besonders

meiner au und gewährte mir hei der Durehiarbeitung des Materials

nicht selten seine Unterstützung. Auch diesem Heiiii spreche ich

an dieser Stelle iiiciuen ergebensten 1)aiik aus.


INHALT.

' 1. Kapitel: Quellen

A) Urkundenpublicationen ............

B) Das Archivalische Urkundenmaterial. Die Registerbände

II. Kapitel: Die Geschichte der brandenburgischen Kanzlei .....

A) Der Ursprung der Kanzlei ...........

B) Die Kanzlei unter Friedrich 1. (1411-1426)

C) Die Kanzlei unter den Markgrafen Johann und Friedrich

bis zum Jahre 1444 .............

D) Die Kanzlei unter dem Kurfürsten Friedrich II. bis zum

Schlusse seiner Regierung ...........

a) Der Kanzler Friedrich Sesselmann ......

b) Das Kanzleipersonal ...........

E) Die Kanzlei Friedrichs des Jungen (Feisten) (1447 bis

1463)

Iii. Kapitel: Die Einteilung der Urkunden; die Formulatur .....

IV. Kapitel: Die Kanzleivermerke unter den Urkunden .......

A) Die Relatorenver merke ............

8) Die Unterfertigangen .............

V. Kapitel: Die Beziehung der Zeugen und des Datums ......

A) Die Zeugenliste

13) Die Datierung ...............

VI. Kapitel: Registrierung

VII. Kapitel: Petitionen; Beurkunduiigsbefehle ..........

Viii. Kapitel: Concept und Reinschrift .............

IX. Kapitel: Archivwesen ..................

X. Kapitel: Siegel. Besiegelung ...............

1. Anhang: Zusammenstellung der Kanzleivermerke unter den markgräflich-brandenburgischen

Urkunden aus den Jahren

1412-1470

11. Anhang: Das brandenburgische Archivregister (C. M. 70 St. A.) aus der

Zeit der Kurfürsten Friedrich II. und Albrecht

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Im

ri


KAPITEL 1.

Quellen.

A. Urkundenpublikationen.

Die Ursprünge des brandenbuigiscli-preussischen Staates, die

Geschichte seiner politischen Entwicklung sind auf dem heimatliehen

Boden weit später Gegenstand der Forschung und 1)arstellung

geworden, als hei den Nachbarvölkern die Geschichte ihrer

Länder. Diese an sieh auffallende Erscheinung findet ihre Begründung

und Erklärung in der historischen Entwicklung dieses Staates.

Nicht auf einheitlicher Anlage beruhend, sondern erst zu Anfang

des siebzehnten Jahiiunderts aus der Vereinigung zweier nicht zusammenhängenden,

bis dahin sclhstständig regierten Territorien

gebildet, gelangte er in verhältnisiiiässig kurzen Zeit, durch bedeutenden

Gehietsziiwaciis zu ansehnlicher Grösse. Doch die innere

Entwicklung, die Ausgleichung der Gegensätze, die Verschmelzung

der sich als Sonderteile fühlenden Gebiete zu einem festgefügten,

organisch gegliederten Ganzen, konnte naturgemäss nut der zunehmenden

äusseren Ausdehnung nicht gleichen Schritt hallen.

Eine lange, mühevolle Arbeit war notwendig, ehe die Ausbildung

nach dieser Seite soweit gediehen war, dass die Luuder zu einem

einheitlich gestalteten, in sieh geschlossenen Staatswesen verbunden

waren. So lange aber dieses engere Verhältnis noch nicht erreicht

war, so lange noch die Gegensätze bestanden, das Gefühl der Liebe

für das gemeinsame Vaterland mangelte, konnte auch das Interesse,

(las Verlangen, die Geschichte seiner Vorzeit zu erfahren, nicht reeht

1


9

au fluriJ mcii. Kein Wunder daher, (lass hier erst später, als anderswo,

die ältere vaterländische Geschichtsschreibung zur Blüte kaiii.

Das geine.iiisaine Fürstenhaus bildete von Anfang an das natürliche

Bindeglied zwischen den nur lose vereinigten Ländern.

ltt dein geirieinsainoii Elerrsehergeschlechte kam die Zusammengelu.rigkeit

am ersten zitt ii Ausdruck, Der Fürstenhof war dci'

Mittelpunkt der auf die engere Versehiueizuiig gerichteten Bestrebtingeii

; hier iritisste der Gedanke dci Erforseiiuiig und Dai'stelluiig

des Eiitwickltiiigsgangos ‚ dcii dci Staat zurückgelegt hatte, etitstehen

; hier wurde an seiner Vei'wii'klicliuiig ernst gearbeitet.

Es ist bekannt, wie sehr der grosse Kurfürst bemüht, war,

die Ei'grüntlitiig (Je!' älteren braudeiihurgisclien Geschichte zu fürdern,

und wie ei' dcii eigt.nst mit diese!' Aufgabe betrauten Gelehrten

seine Unterstützung iiaehi jeder Seite hin hei ‚ damit sie

die ihnen ge\vot'delle Aufgabe zu eiiieiii ghicklieheii Resultate

führten. Aber leider blieben seine Beriittliuiigeit ohne Erfolg. 1 -

Auf Befehl des Königs Friedrich 1. verfasste Gundling frü das Fest

der dreihiuidertjihrigeii Wiederkehii' des für den brandeiiburgisclipreussisthieit

Staat si wichtigen Ereignisses, der [ebertragiiiig der

Kur auf das liolienzollersclie 1-laus, die Lebeiisbesclireibung des ersten

Kurfürsten aus diesem Geschleehite. - Friedi'ich dci Grosse grill daiiii

selbst zur Feder und gab in den «Mmoires polin' sei'vi t a l'histoire

de la maisoni de Urandebnurg» in kurzen Skizzen eine Uebersicht

üben' (hP Geschichte des Staates I)IS zinn Tode Fviedrioli Wilhelms 1

Dass in diesem Werke die Behandlung der älteren brandenlitirgisc.hien

Geschichte bis auf (Ije Begierung Joliaiiii Sigismunds

nur so dürftig ausgefallen ist, hat. in erster Reihe seinen Grund

iii der geringen Vorliebe des Verfassers für die Geseltiehite des bi'aiidenburgiselieii

Hauses in dieser Zeit. 2 Und diese wiedernin ist., wie ich

meine, zumgrosse!! 'l'eile eine Folge dem' mangelnden 1 ieferen Kenntnis

der histurischenm Verhältnisse und der Bedeutung jener Periode.

E. Fischer, Die offizielle brandenburgische (+eschichtschreibuug zur Zeit Friedrich

Wilhelms, des grossen Kurfürsten. Zeitschrift für preussische Geschichte und Landeskunde

Bd. XV S. 577 ff., sowie der Nachtrag von Isaasohn Peter von Heimbach

in derselben Zeitschrift Bd. XVI S. 114 ff.

Oeuvres de Frdric le Grand, Berlin 1846 Tonie 1 p. LIV, wo Friedrich in dem

Discours Pr1iminaire. 1751) sagt: Uhistoire de la maison de Brandebourg n'intresse

eine depuis Jean-Sigismond etc....


- -

Kann uns dies aber Wunder nehmen, wenn wir bedenken,

dass zur Zeit, als der König seine M6moires schrieb, die märkischen

Urkunden des Mittelalters, die wichtigste, bisweilen einzige Quelle

für die Ereignisse dieser Jahiliuutlerte, da bedeuteiidere gleichzeitige

Aufzeichnungen aus dieser Zeit nur in geringer Zahl vorhanden sind,

last noch völlig unbearbeitet in den verschiedenen Archiven lageii

und einer Veröffentlichung noch kauni gewürdigt waren? Zwar

hatte Gundling eine grössere Anzahl von Urkunden vorzugsweise

aus dciii X. bis XV. Jahrhundert in 7 starke Bände zusanuinengetragen,

aber diese Sammlung war ungedruckt geblieben. Was

Küster in seinen Werken au urkundlichem Material veröffentlicht

hatte, bezog sieh auf die Geschichte einzelner Ortschaften, einzelner

Personen, war jedoch nicht geeignet, ein Bild der Entwicklung des

brandenburgiselien Landes iii dieser Zeit zu geben. Die Urkunden

aber, die Mvliiis in seinem corpus constitutionunn Marchicarurn gesammelt

herausgab, dienten hauptsäehlich der Erhellung der Hechtsseite

des Staatslebens, warfen jedoch auf die politischen Verhältnisse

in der Mark kaum mehr als Streiflichter.

Die ersten Publikationen, die in brauchbarer Form das notwendigste

Rüstzeug für die Erforschung der älteren Jahrhunderte

boten, kamen erst verschiedene Jahre nach der Abfassung der M&.

moires de Brandebourg heraus, sie sind Arbeiten tierekens, des

uni die brandenburgisc.he Diplornatik hochverdienten Forschers.

In den Jahren 1755-63 veröffentlichte er die Fraginenita inarehica

in 6 Teilen, denen er schon 165 die I)iplouiataria veteris Marchiae

Brandenhurgensis ? Bände folgen liess. Sein diplomatisches Hauptwerk

ist der - eodex diplomaticus Brandenhiirgensis, der von 179-85

in 8 Bänden erschien. Er griff, soweit es ihm möglich war, auf

die Originale selbst. zurück und legte sie seinen Drucken zu Grunde,

die eine cerhälinismässig anerkennenswerte Sorgfalt, zeigen und

sieh wenigstens sehr vorteilhaft von den Urkunden unterscheiden,

die kurz vor dcii Fragmenta nnarchica in einer von dem Hofrate

Lenz herrührenden Ausgabe 1 erschienen waren.

1 Marg. Gräflich- Brandenburgische und andre in die Märckische Historie einschlagende

bisher ungedruckt gewesene Uhrkunden Voll Albrecht dem Baren biss auf

die Hohenzolierisohen Zeiten . . .-1753 ' - dazu die Fortsetzung . . . von den Hohenzollerischen

Zeiten an bis an das Ende es vorigen Seculi - - . 1754,


4 -

Gerckeii wurde in seinen Publikationen unterstützt und gefördert

duroh das lebhafte Interesse, das der Graf Hertzberg,' der

seit 1463 preussischer Staatsminister war, dcii arcliivalischen Studien

zur brandenburgischen Geschichte überhaupt und seinen Arbeiten

ganz besonders entgegenbrachte. Mit der Aufsicht über das Geheime

Kabinetsarchiv längere Zeit betraut, würde Hertzborg vielleicht

selbst die Veröffentlichung d er älteren brandenhurgischen

Urkunden übernommen haben, wenn ihn nicht die Amtspflichten

davon abgezogen hätten. So freute es ihn, in Gereken einen Mann

zu schien, der für die Lösung dieser Aufgabe iiiit einem so unermüdlichen

Eifer thätig war, wie er nur aus einer wirkhohen Neigang

und Liebe des Verfassers für sie folgen konnte.

Zwischen den beideii Männern entwickelte sich ein reger

wissenschaftlicher Verkehr, von dem die Briefe Heitzhergs an Gercken

einen Beweis ablegen. Auch in den Werken Gerckens kommen

die Beziehungen zwischen ihnen zum Ausdruck ; Hertzberg liess in

den codex diplornaticus eine von ihm gearbeitete Abhandlung über

(110 alten Siegel der Markgrafen und 1< urfüisten von Brandenhtirg

einrüekeii, 2 Gereken widmete ihm die l)iplomataria und den eudex.

diplornaticus.

Viel hatte Gereken geleistet, und doch war erst ein kleiner

Teil des arehivalischeri Materials gedruckt. Aber in den nächsten

Jaliizehtit.it, (1er Zeit der gewaltigen politischen Erschütterungen,

blieb dieses Feld unbebaut. Erst. als in dcii zwanziger Jahren allerurteil

die Geschichtsforschung zu frischem Leben erblühte,--1 und

auch in den Ländern des brandenburgisch-preussischen Staates das

Verlangen nach einer gediegenen Darstellung seiner Geschichte sieh

überall regte, da erkannte man alsbald die -Notwendigkeit, die in

den Archivenliegenden, noch unbekanit ton märkischen Urkunden

ans Licht zu ziehen und in Drucken der Benutzung allgemein zugäiiglicli

zu machen. Das vom Frhr. von Ledebur ge gründete All-

1 Vgl. über ihn Bailleu: Graf Hertzberg in der historischen Zeitschrift Bd 42

S. 442 ff. und den Artikel in der Allgern. Deutschen Biographie Bd. XII S. 241 ff.

2 Gercken codex diplomaticus Brandenburgensis Bd. lii S. 1 ff.

3 Vgl. Koser: Umschau auf dem Gebiete der brandenburgisch-preussischen Geschichtsforschung

in Forschungen zur Brandenburgischen und Preussischen Geschichte

Bd. 1 S. 4 und 5.


- J -

gemeine Archiv für die Gescliiehtskunde des Preussischen Staats

wurde zur Veröffentlichung von Urkunden benutzt. Aber von weit

grösserem Nutzen, als diese einzeln und über eine Zeitschrift zerstreut

erscheinenden Urkunden, war die Sammlung ungedruckter

Urkunden, die G. W. von Raumer, ein eifriger Mitarbeiter des

Allgemeinen Archivs, der spätere Direktor der preussischen. Staatsarchive,

1831 und 1833 in zwei Teilen herausgab. Sie war bestimmt,

den codex diplomaticus Gerckens zu ergänzen und fortzusetzen

und wurde daher vom Verfasser als «codex diploinaticus

Brandenburgensis contiiivatus» 1 bezeichnet.

Aber die Fortsetzung genügte bald nicht. Je mehr man sich

mit der älteren vaterländischen Geschichte beschäftigte, je mehr

Teilnahme die Bestrebungen des im Jahre 1837 gebildeten Vereins

für Geschichte der Mark Brandenburg fanden, um so deutlicher

wurde es, dass mit Anbauten hier nichts zu erreichen war, dass

vielmehr ein ganz neues, auf breitem Fundamente angelegtes Gehäude

not that. Eine Gesamtausgabe aller märkischen Urkunden

war das Ziel, das man ins Auge fasste. Der ungeheuren Mühe,

dieses Ziel zu erringen, unterzog sich Riedel, der trotz der

schwersten Hemmnisse, die bisweilen das Zustandekommen des

Werkes in Frage zu stellen schienen, seinen codex diplomaticus

Brandenburgensis 2 im Jahre 1869 glücklich zum Abschluss brachte.

In 36 starken Bänden liegt die dreissigjährige Arbeit Riedels vor.

Es war eine Rieseriaufgabe, die er auf sich genommen hatte, die

weit über die Kräfte eines Mannes hinausging. Die Folgen des zu

kühnen Unternehmens blieben nicht aus. Bei weitem nicht voll -

ständig, ermangelt diese Ausgabe der notwendigen Akribie. Die

Unzuverlässigkeit der Riedel'schen Drucke tritt bei einem auch nur

oberflächlichen Vergleiche derselben mit den entsprechenden Originalen

deutlich zu Tage und erregt lebhaft in uns das Verlangen

nach einer den Anforderungen der Wissenschaft genügenden Edition

der brandenburgischen Urkunden.

Weiterhin abgekürzt citiert als Raumer.

2 Weiterhin abgekürzt citiert als Riedel, die Abteilungen werden durch A, B, C, D,

die einzelnen Bände durch 1, II u. s. w. bezeichnet werden.

Vgl. SelIo in den Forschungen zur Brandenburgischen und Preussischen Geschichte

Bd. 1 S. 116.


h -

Doch iweli viel notwendigere Aufgaben harren auf dein Gebiete

der brandt nbtirgisclien Urkundenpublikation der Lösung. Noch

fehlen ganz die Sammlungen von Urkunden der engeren iiirkisclieii

Gebietsteile; von keinem der hraitdenburgiselieii Domkapitel, von

keiner der bedeutenden Stadtgemeinden besitzen wir das vorhandene

Urkundenmaterial in einer brauchbaren Ausgabe. Hier eröffnet

sich der Forschung ein weites, gute Früchte verheissendes Feld.

Freilich müssten diese neuen Editionen anders ausfallen, als die

Urk Urkundenpublikationen, die für die Gesehielite Berlins in F'idieiiis

liist)iisch-diploiiiatischeu Beitrügen Teil 11 und IV und in dein dciii vom

Verein für die Geschichte Berlins hierausgegebeucit Urkuiideubuehie

vorliegen. In einer anisfülirlicheii Besprechung des berliniscl ieii

Uikuiideinbitclies hat Sello das wohlbereelitigte Urteil ausgesprochen :1

«I)urch das Urkundenbuch ist die Geschichte Berlins nicht eineii

Sehritt vorwärts gekommen.»

B. Das Archivahische Lirkundenmaterial, Die Registerbände.

Aussen dcii mii vorigen Abselinit te innfgefülirten Urkundenpublikationen

wurde das in dein Königlichen Geheimen Staats- und

dein Königlichen Hausarcitiv zu Berlin 2 hinterlegte Material, soweit es

für diese Arbeit in Betracht kommt, herangezogen. In den bairischen

Archiven, denen diedie Aktein des alten llassenhurger Archivs

grösstenteils einverleibt worden sind, waren für diese Forschungen

verwertbare Aufzeichnungen iiichit zu finden.

Diese Untersuchung hat sieh naturgemäss ganz besonders auf

die von denn Markgrafen anisgestellten Urkunden zu stützen. Sie

sind uns in verschiedenen Formen als Originale, Gopien und Con

cepte Überliefert. Die Zahl der erhaltenen Goncepte ist leider nur

sehr gering, besser steht es irnit dcii beiden anderen Arten. l)as

Geheime Staatsarchiv besitzt allein über 160 solcher Originalur-

1 Vgl. Sello: Das Berlinische Urkundenbuch in Zeitschrift für Preussische Geschichte

Bd.XVIII S. 277.

2 In den Citaten werden die Namen Geheimes Staatsarchiv mit St. A., Hausarchiv

mit H. A. abgekürzt werden.


-7

kunden aus der Zeit. von 1411— 10. Dazu koiniuen EL starke Bände

aus der Reihe der Register, die in der inarkgräflichen Kanzlei gleichzeitig

angelegt wurden sind, sowie ciii Archivregister,' das ebenfalls

ein Werk der kurfürstliclieii Kanzlei aus dieser Periode ist.

Die Registerbiide, die für eirigeliendeie Arbeiten auf dein

Gebiete der brandenhurgiseh-preussisclii u Geschichte bereits oft benutzt

worden sind, ohne dass die für ihre Beurteilung wichtigen

Fragen nach ihrem Inhalte, Charakter, der Art. ihrer Anlage bisher

irgend wo auch uni berührt worden waren, verdienen besondere

Beachtung. Sie sülzen bei dem Begierurigsantritte der Hohenzollern

in der Mark ein und führen bis auf die Zeit König Friediicli \Villielniis

1. herab. Die neueren Bände seit Ende des XVI. Jahrhunderts

enthalten nur die Abschriften von Lehnsbriefen, dagegen die

äItei-011 und besonders die des \\T Jahrhunderts hcseliräiiken sieh

nicht auf die Leliiisvcrbriefungen, sondern bringen die Abschriften

der Uikuiideii aller Gattungen. Sie bildeii die wic/iIig1e

Quelle f de Geschichte der kuimark Iiiaflde/i/)(rr/ /i

Zet.2

Eine gründliche Untersuchung dieser Bände, besonders der des

XV. um! XVI. •Jalirlutinndcrts, wäre daher irii Interesse der branden-

1 urgischen Geschichtsforschung durchaus erw ünscht. In den Zusammenhang

unserer Betrachtung gehört nur ein kleiner Teil der

Register. Die der Arbeit gesteckte Zeitgrenze nötigt, nur die Bände

zur Behandlung lieramizuzielienn, die in den Jahren 1 'ii 1 bis 1

enstanden sind Es 5111(1 dies die Nuinniemim 2, 3, 5— weiterhin

I3,

als II. 78. ? u. s. w. St. A. eitiert: Aber auch innerhalb dieses Zeit

raunnies werden wir uns auf eine eingehende Beschreibung dieser

Bände nicht einlassen können, da sie bequem Stüff für eine besondere

Arbeit liefern würde. Wir müssen uns vielmehr begnü gen, deni

Inhalt der Codices ganz im allgemeinen zu bestimnnein und werdcii

uni die Fragen nach der ursprünglichen Anlage der Register und

ihren weiteren Schicksalen ausführlicher erörtern. Diese Behandlung

1 Ueber dieses Register handelt Anhang 11.

2 Vgl. Raumer in einer Denkschrift das kurmärkische Lehrsarchiv betreffend. (St. A.

In Band 1 dieser Serie ist die Landesaufnahine Karls IV, in Band Band 4 sind Urkunden

aus der Zeit Joachims 1. registriert.


8

beabsichtigt im allgemeinen über diese Bände zu orientieren und

will nur als eine Vorarbeit zu einer gründlicheren Untersuchung

derselben angesehen sein.

Die Bände 1 haben Folioforinat und bestehen aus Papierlagen

11]it verschiedenen Wasserzeichen. Vorzugsweise begegnet uns der

Stierkopf teils mit, teils ohne Verzierungen auf dein Kopfe, den

wir auch auf den Papierurkunden dieser Zeit wiederfinden. Audi

das Wasserzeichen des Sternes tritt stelleiiweis auf.

Die Codires sind in starke mit Leder überzogene Holzdeckel

gebunden. Diesen Einband haben sie wahrsclieiiilich hei ihrr

Einve.rlciluiitg in das Geheime Staats- und Kabiiietsarehiv, die mi

Jahre 1837 erfolgte, 2 erhalten. Damals sind auch von dem Archivrate

Höki die am Eingange eines jeden Bandes befindlieheii Register

angelegt worden, in denen die Urkunden in der Reihenfolge, in

(1er sie in (len Büchern stehen, aufgeführt sind.

Die /?u iuie enthalten ha.upts(ic/i ileh. Abschriften, von Lkundei

‚ die von den, Markgraeii (lusgesielit worden sind,

in weit. geringerer Zahl bselirifteri wichtiger für die Markgrafen

von anderen ausgestellten Urkunden, vereinzelt. Concepte

und Kanzleinotizen verschiedenen Inhalts. Die Concepte sind

zu iiieist nicht auf Foliohlättern, sondern auf Papierstücken kleineren

Formats, aul Zetteln geschrieben.

Auffallenderweise bezeichnen J1anzicolle (in der Denkschrift über

die preussischen Staatsarchive, Berlin 1855 S. 12) und Riede-1(iii

einem Aufsatze über den Gebrauch der Siegel in der Mark Brandenburg

in den Mäikischcn Forschungen Bd. 2 S. 681 diese Bände als

Conceptbüclter. Die in denselben zu findenden Coiieepte sind aber,

wie sich im weiteren noch ergeben wird, im Verhältnis zu den

vorhiatitlerieii Abschriften in so verschwindender Minderzahl, dass

diese Bezeichnung als eine dem Inhalt absolut nicht entsprechende

zurückgewiesen werden muss. Die Benennung Register», die für

1 Die folgenden Bemerkungen beziehen sich natürlich nur auf die oben genannten

Bände.

2 Vgl. unten S. 52.


-9

diese kbSChI'ifteEisafflflhlUflgefl im XV. Jahrhundert in der brandenburgischen

Kanzlei selbst gebräuchlich war, 1 ist auch naell der

heutigen Terminologie durchaus zutreffend.

Die Anordnung der Urkunden innerhalb der Bände wird bei

jeden) einzelnen besprochen werden, nur ciii Gesichtspunkt, der in

den meisten der Bände wiederkehrt, ist hier vorwegzwielinien.

Die Bände bringen, wie bereits gesagt, zum Teil auch Abschriften

eingelaufener Urkunden, iii denen der Markgraf als

Empfänger auftritt. Diese sind, soweit sie nicht. Boversurkundeii

darstellen, nicht zwischen die von der markgrätliehen Verwaltung

erlassenen Urkunden gemengt, sondern stehen in den rneisteti

Fällen für sich in besonderen Lagen zusammen. Die Abschriften

der Reverse dagegen, die von den Empfängern inarkgräflicher

Urkunden, besonders hei Schuld- oder Lehnsverschreibungen, dciii

fürstlichen Hofe als Gegenbeweisstiieke ausgestellt. wurden, haben

ihren Platz gleich hinter dcii Verhriefuiigen der Markgrafen erhalten,

zu denen sie gehören.

Nach diesen Beiuierkungen gehen wir zu den eiiizeliieii Co

4iiees über.

hand 2 zählt 169 Blätter, die fast alle beschrieben sind.

Er enthält vorzugsweise Ahshu'iften von Urkunden, die in der dei Zeit

zwischen 1411 und 1124 von Friedrich zuerst als Verweser, dann als

Markgraf ausgestellt sind. Die Urkunden aller möglichen Gattuiigeii

sind in dieseiii Godex vereinigt, ohne dass eine gruppenweise Zusainmenstellung

naoh sachlichen Beziehungen wahrzunehmen ist.

flinter dem von i Archivrat Höfer herrührenden Inhaltsregister,

das, wie bereits erwähnt worden ist, in diesem Jahrhundert hei den

Ueberuialinne der Bände ins Staatsarchiv für jeden einzelnen Godex

angelegt wurde, und in alleni Bänden gleili am Eingange hinter

dein Deckel eingebunden ist, folgt ciii viel älterer Urkundenindex,

welcher, der Handschrift nach, gegen Ende des XVI, Jahrhunderts

Vgl. unten S. 24. 26 u. s. w. In den Indices aus dem XVI. Jahrhundert werden sie auch

Copialen genannt. Aber dieser Titel passt nach der jetzt üblichen Bezeichnungsweise

nicht mehr.

Es wird für alle Bände gleich hier darauf hingewiesen, dass die am Schlusse der

Bücher erst beim Einbinden in diesem Jahrhundert hinzugehefteten neuen Blatter bei

den Angaben über die Stärke der einzelnen Bünde nicht einbegriffen sind.


- 1() -

angefertigt sein wird. Er ist, wie die Abselniften, auf Papierblättern

in Foliotorinat geschrieben. Die Urkunden sind in diesem Verzeichnis

alphabetisch geordnet; aber ein einheitliches Prinzip ist hei der

Zusammenstellung nicht beobachtet worden, bald war die sachliche

Zusammengehöri gkeit, bald die Gemeinsamkeit des Empfängeis

bestimmend. Neben eineiii kurzen Iuhaltsrege.st der betreffeudeii

Abschrift. ist die Zahl des Blattes - nicht der Seite veiriieikt,

auf deni sie innerhalb des Bandes zu finden ist. Diese Verweise

gehen auf die arabischen Zitferii ‚ die oben auf den rechten Seiten

der Blätter stehen. Die Ziffern sind ebenso wie die Worte, die dein

Verzeichnis vorausgehen tiiid dessen Inhalt aiikttiidigeii « Index

Leber das Copiale MarggrafYen F'ridericlis des Ersten. Stil) Ni. 2»

sehr wahrscheinlich von derselben. Hand geschrieben, von der das

ganze Verzeichnis lierrfflirt. Mithin müssen die arabischen Zahlzeichen

gegen Ende des XVI. Jahrhundertsauf die Blätter gesetzt

worden sein. Seitdem ist, eine neue Nuinerieiuiig nicht wieder

vorgei IL)ll1 weit worden. Das im Staatsarchiv in dieseni Jahrli tU 1(11 it

zusaii ruengestellte Verzeichnis bezieht sieh in (leD Zahlangahien

ebenfalls auf diese arabischen Ziffern, wie auch dieselbe Anordnung

der Bände, die uns in dem Index des XVI. Jahrhunderts entgegentritt,

belassen hezielientlieht wieder hergestellt worden ist.

In der Nunierierung bietet gerade dieser Band die Gelegenheit

zu interi.ssanteu Beobachtungen. Denn ausser der arabischen Zähhuiig

lenieikeii wir noch eine doppelte rimischie. Diese beiden, die Zu

versel tiedenei 1 Zeitei t entstanden sind, sind ohne Frage älter, als

die arabische. Von den römischen Zalilzeiehieii können die ganz

rechts in iler Ecke stehenden nicht lange nach der Eintragung(1er

Abschriften hinzugefügt worden sein. Auf dein letzten Blatte des

Bandes (fol. 169 1 sind nämlich von einem Schreiber dieser Periode,

dessen Hand uns in diesem Codex und noch einige Zeit später

begegnet, mehrere auf das Verhältnis des Burg- bez. Maikgrafeii

zu (leni Erzbischof von Magdeburg bezügliehic Urkunden mit den

NIt111II1eri1 nier Blätter, auf denen die Abschriften uni Register zu

finden sind, vermerkt, und zwar sind die betreffenden Zahlenangaben

Auch die Numerierungen mit den römischen Ziffern erstrecken sich nur auf die

Blätter, nicht auf die Seiten.


- II

nach diesen ganz rechts stehenden rümisclieii Ziffern bestimmt.

Uns ist also hiernach die Möglichkeit gegeben, die Zeit, in der

diese Numerierung geschehen ist, ziemlich genau zu fixieren. 0a

sie, wie die Beobachtung der Ziffern zeigt, nach und nach, der

Eintragung der Urkunden entsprechend, weht kaum erfolgt ist,

sondern in einem Zuge, als die Abschriften 1)ereits gefertigt waren,

vorgenommen zu sein sclwiiit. ‚ und der betreffende Sdhi'eihe.r in

den letzten •lalireii derRegierung Friedrichs in der Mark und

den ersten. Jahreii der Veiweserseliaft .Joliauuuis zu belegen ist, so

werden wir auf die Jahre zwischen I40 und 143() als die wahrscheiiiliche

Zeit ihrer Entstellung mit aller Sicherheit hingewiesen.

Zwischen diese römische Zählung inid die aus dem Ende des

XVI. Jahrhunderts herrührende arabische ist die andere iöiiiische

Numeiicriuuug zu setzen, die vielleicht noch (leni XV. Jahrhundert

angehört, doch genauer kanin zu datieren ist.

Auf das Verlüdtuis der drei Zählungen müssen wir mit. wenigen

Worten eingehen. Keine stimmt mit der anderen vollständig

überein, jede weicht stellenweise von der anderen ab, eiiie jede

von ihnen schliesst Blätter ein, die in den anderen zwei fehlen und

lässt umgekehrl Blätter aus, die in den anderen gemeehimiet sind.

Wie sehr das Verhältnis an manchen Stellen schwankt und sieh

bald durch ciii Plus, bald ciii Minis von Blättern iii dcii verschicdenen

Numerierungen verschiebt, wird schien durch (liC Gegen-

Überstellung der Zahlenreihen weniger Blätter deutlich werdeum.

Den Gang der Abweichungen genau zu verfolgen, ist nicht notwendig.

Bezeichnemm wir dein Alter nach die erste, fast gleichzeitige

römische Zählung mit A, die andere römische imiit B, die arabische

mit C, so ergiebt sich beispielsweise für die Blätter 81 120, 1 ‚

145 folgendes Bild:

1. lol 81 C.) entspricht L. xxvii (B.) i_1II(] L. XXVIII (A.j

10 (C.) (11. xvi (B. « G. XIX A.)

3. (( I? (C.) G. XVIII B.) (( G. xxii 'A.)

'4. 145 (C.) « C. XLII (B.) (( C. XLV (A.)

Dreimal sind also die Blätter dieses Bandes numeriert worden,

und jede der beiden späteren Zählungen, sowohl die zweite als

dritte, lassen eine von der vorhergehenden abweichende Anordnung


-

des Bandes erkennen. Oh die Reihenfolge der Abschriften, wie sie

uns in der ältesten Numerierung (A) entgegentritt, als die ursprüngliche

aufzufassen ist, unterliegt meines Erachtens grossem Zweifel;

ich möchte es nicht glauben, weil in B iiiid C Abschriften einbegriffen

sind, die in A fehlen, die aber ursprünglich wohl ohne

Frage züi den Abschriften dieser Periode, denen sie bei einer

späteren Ordnung auch wieder beigelegt würden, hinzugehörten

und sieli vermutlich nur damals, als die erste Zählung A: vorgenommen

wurde, gerade nicht unter diesen befandeii.

Der Mangel einer festen Anordnung der Abschriften, das

Schwanken ihrer Anzahl ii. s. w. hängt mit deni Gebrauche der brandenburgischen

Kanzlei iii dieser Periede zusammen, die TJr/cunden

„icht in festgebundene Bi?eh.ei zu registrieren, sondern, sie auf

u lose zusammen h(in.gende Papierla gen zu schreiben, (liC oft

erst nach längerer Zeit zu einem festen Ganzen vereinigt wurden, eine

Kanzleisitte die in einzelnen Bänden mit unabweisbarer Sicherheit

zu erkenneii ' ist. Für sie scheint mir innerhalb dieses Bandes unter

anderem die Beobachtung, die wir in den andern Registerii wiederliolei.ithcli

machen werden, zu sprechen, (lass mehrere zusarnmei

hängende Absehrifteim dieses Codex bald nach ihrer Anfertigung aus

irgend einer Veranlassung aus der Masse der übrigen Abschriften

herausgenommen und lange Zeit von dieser getrennt aufbewahrt

wurden, bis sie endlich hei der dritten Ordnung wieder eingereiht

\VOrdCil sind. Blatt. 68-71 1'C ,2 fehlen in A und B. Sie enthalten

3 inhaltlich sich berührende Urkunden, die für den Kurfürsten

ausgestellt, säum tUch Schuldsachen betreffen, und eine Lage für

sich bilden. Das letzte Blatt. dieser Lage (71) zeigt deutlich Kniffe,

von denen Spuren auch auf den anderen Blättern derselben wahmzunehmen

sind, die mudt Sicherheit darauf hindeuten, dass diese

Partie längere Zeit zusammengefaltet gewesen sein nriuss. Da wir

in dem Bande innerhalb der anderen Lagen auf derartige Falteim

beziehemitlich Kniffe nirgends mehr stossen, so weiden diese in

dein vorliegenden Falle wohl in der Amt zu erklären sein, (lass die

betreffende Lage aus dein Register herausgehoben wurde, weil die

in ihr enthaltenen Abschriften auf einer Reise des Fürsten n'mitgenommneni

oder zur Einsicht verschickt werden sollten oder dergl.,

mmmd dass sie zur Bequemlichkeit beim Transport in Falten gelegt.


- 13 -

wurde. 'Wie hier, so begegnen uns auch in den anderen Büchern

öfter solche Fälle, in denen wir erkennen können, dass gewisse

Teile des Bandes zeitweise ausser Zusammenhang mit den Hogisterii

für sieh getrennt gewesen sein müssen. Ein. solches Verfahreit

konnte aber nur in einer Kanzlei geübt werden, in der man

von der Anlage fester Reqisterhände abgesehen hatte, denn

sonst würden dieselben doch bald durch (las öftere Herausnehmen

einzelner Partien auseinander gerissen worden sein.

Die Art der Anordnung der Urkunden wechselt in den einzelnen

Bänden. In diesem Codex folgen sie, wie es scheint, in der Reihe

aufeinander, in der sie geschrieben worden sind, also in annähernd

chronologischer Anordnung, nur dass einzelne Kopien von wichtigemi

Urkunden aus früheren Jahrhunderten, die in dieser Zeit angefertigt

worden sind, zwischen diese Ahschriftemi eingestreut. sind. Von

einer sachlichen oder geographischen Zusammenstellung der A)

schriften ist in diesem Bande. noch nichts zu bemerken.

hand 3 zählt 350 Blätter, 1 unter denen sich nur wenige

unbeschriebene befinden. Er enthält Abschriften vornehmlich ans

den Jahren 1414-1530 und besonders von Urkunden, die von

anderen für die brandenburgische Markgrafen oder von den Markgrafen

iii Geiiieiiischaft ruht anderen (Vertragsurkunden) ausgestellt

sind. Das erste Blatt dieses Buches ist aus Pergament. Blatt 1 —91

ist, wie es scheint, hintereinander von derselben Hand geschrieben.

Die Urkunden, die darauf. verzeichnet sind, gehen nicht über das

Jahr 1450 hinaus. Diese zusammenhängende Partie wird vei'iiiutlieb

uni 1450 herum angelegt sein.

Auch dies'n Band hat hinter dem neuen im Staatsarchiv iii

unserm Jahrhundert angefertigterm Urkundeiiverzeicbnis 2 noch einen

Index, der im XVI. Jahrhundert geschrieben, den Schriftzügen nach

etwas älter sein mag, als der des zweiten Bandes. In der Anordnung

der Urkunden stimmt er mit diesem überein. Aber die

Blätter, auf deiwii das Verzeichnis in diesem Godex steht, sind nur

ein Drittel so breit, wie die Abschriften, und die Worte, die dem

l Vgl. S. 9 Anmerkung 2.

2 Diese Verzeichnisse, die wie schon an mehreren Stellen hervorgehoben worden

ist, allen Registern eigen' sind, werden voii nun an nicht mehr besonders erwähnt werden.


14

Index vorangestellt sind «Index über das alte Gopial suh i. 3»,

rühren nicht wie in Band 2 von dein Schreiber des Index her.

Die arabische Numerierung, auf die sich die Angaben der beiden

Inhaltsrepistev beziehen, ist auch in diesem Codex gleichzeitig mit

dein Index im XVI. Jahrhundert hinzugefügt worden.

1)ie ileilietifolge der Abschriften ist willkürlich. Der Godex

macht von vornherein den Eindruck eines Sammelbandes, der in

der Gestalt., in der er jetzt vorliegt, in der Kanzlei tirsprüngliell

nicht. angelegt worden ist, sondern erst später durch Vereinigung

alIel[nöghicher Aktel1stüeke, die auf lose Papierlagen gesehi'ieben

wareii, gebildet wurde und so zu der Forrii luun, die er jetzt

zeigt. Sc, die ungevöliri1ich lange Beihe von Jahren (fast 1 O:,

aus denen ei .kbschrift.eii bringt, die ausserdein eine ai.tcli nur

einigermassen chronologische Folge ganz vermissei m lassen, spricht

gegen die Auiiahine, dass dieser Band vorm vornherein ein festes

Blich war, in das die Ahscliiiftemm nach uiiil nach eingetragen worden

sind. Sodann aber sondern sieh einzelne Teile ohne Weiteres aus

und lassen erkennen, dass sie als besondere Lagen längere Zeit für

sich allein bestanden und zu einem festen Ganzen, einem Kanzleibuche,

nicht immer gehört haben. Auf fol. 291 iiiid 11. ist die

Bulle Papst Nicolaus des V. aus dein Jahre 14 i8 copiert, in der

er das zwischen (leni Kaiser und deutschen Fürsten vereinbarte

Cuneordat(Wiener Goncordat) genehmigt und liestütigt. Ne Hinterseile

des letzten Blattes, auf deiie.ii Kniffe noeli sichtbar sind, ist

hesehim um tzt und trägt das kurze lnhaltsregest «Concordata principuimi.»

Auf fol. 20 Li . s. w. steht die Abschrift der brandenburgischen

Einigung mit Pommern aus deni Jahre 141)3. Auch hier ist die

Hinterseite geknifft, zeigt Staub und Schmutzliecke und hat dcii

analogen Vermerk «Copev der St.etinischemn evnung. » Die Beob

achtung der Kniffe, die Staub- und SehrnlLtzflecke, der Inhahtsvermerk

gerade auf den Hinterseiten der Bogen sind Symptome, die

meines Erachtens mit überzeuqemler /!estimint/ieit zu (1er Re-

/utUptU/u/ /ihren, dass diese Bogen ‚ueb! immer Teile eines

zusanunen/ui.ngenden Buches gewesen sein können. Die Zu-

.sammenstellanq dieses Bandes ist o//nbar s/)äter bei einer

Ordnung der Kanzleiakten vor enoinmen worden.

Zu bemerken ist noch, dass sich in diesein Codex mehrere


--

Notizen finden, die für die Fragen, wo und wie die Akten und

Urkundenstücke der Markgrllic1ieii Verwaltung aufbewahrt wurden,

sehr wichtig sind. Sie sind zum grossen Teile von Riedel abgedruckt

worden und werden in dein dem Kapitel über (las Archivwesen

zur Besprechung kouiirnen.

ist. 128 Blätter stark, voii denen Il lt beschrieben

sind. Er vereinigt die in den Jahren 1426-1431 von dein K iiilirsten

Friedrich und besonders von seinem Sohne Johann als

Statthalter der Mark für diese erlassenen Urkunden.

Was die Nu ulerierung und den Index angeht, so entspricht

der Godex darin (leni Bande 3. Nur der lrilialtsvernierk vor dem

Index ist in dciii vorliegendei u Codex etwas ausführlicher gehalten

uli idex uber die Registratur oder Copial bei Zeiten des Alten Marggi'alY

•ioliansen Hegieriing als von Aniio 1427 biss Anne 1436.lubl

Num. . Mittel Alt und tickermerkischeui Lel]eI1 Die Angabe ist

nicht genai 1. Einmal finden wir i] 1 dem Bande am-Ii noch Urktu rideii

ans dem .Jahre 1437 und ilanui I)Csehräflkt er sich nicht auf Leliensbriefe,

Su1i(Iern bietet auch Privilegien fül . 7 ‚ [01 ', Consei

isi ewilligungen (fol. [99 d ii. s. w. ‚‚ Schenkungen u. dergl.

Dcii Abschriften sind einige Blätter mit, Notizen verschiedenen

Inhalts \-orgelieftet, die schon durch ihr Format zeigen, (lass sie

eigeiitlieli nicht zu diesen gehiren. Sie können erst nach der Anlage

des Index iii den Ban g gekommen sein, denn sie sind weder

numeriert iioehi im Index erwähnt. Es sind Vermerke Über die

in der

Beiiclit.ignng des Zolles der Stadt Wrietzen, sowie Bruchstücke

einer Veranschulagiuiig der vonden Städten an die Markgrafenzu

zahlenden Bede.

Der Band teilt sich in zwei hälften Blatt 1-2 und 63-114.

Aiil der ersten Seite der zweiten Hälfte steht mit grossen Leitern

Alte Mark. und prigllicz . »‚ während auf der ersten Seite der

ersten Hälfte ein derartigei Vermerk nicht vorhanden ist, obgleich

dieser Teil ebenso vorzugsweise Urkunden für die Mittel- und

[ekerinark und Sternberg euithiält, wie im zweiten, der Uebersdirifl

entsprechend, die Urkunden für Altmark und Priegnitz zusainmengestellt.

sind. Hiex begegnen wir zu m ersten

Male der Ordnung der Abschriften nach geo -

g rap lii s cli cii G sie hit s puui 1 t e n. Dieses Prinzip ist


- 16 -

auch in den kdgenden Bänden teilweis strenger, teilweis weniger

streng durchgeführt., wieder zu finden. Innerhalb jedes Teiles ist

ausserdem eine ungefähr chronologische Aufeinanderfolge der Urkunden

zu bemerken.

Die beiden Hälften sind cei'inutiich unah/ungg ion einander

an qeieqt worden., jede bildete ein Ganzes sich, das

wieder aus einer Reihe einzelner Lagen gebildet wurde. Als im

XVI. «Jahrhundert zur Zeit der Anlage der Tudices eine Ordnung der

Bände vorgenommen wurde, scheint ursprünglich nicht der ganze

erste Teil vorgelegen zu haben. Denn wie man arm den Ziffern erkennt,

hat zuerst hei Blatt I die ZLthluiig begonnen, und erst nachträglich

sind die Zahlen geändert worden, wälireiid auf den Blättern 1-4()

Verhesseruiigeii an den Zahlen nicht bemerkbar sind. Offenbar war

diese Partie anfangs imieht zur hand, man fand sie später und

ordnete sie nun an der richtigen Stelle ein.

Band 0 fasst 250 Blätter, von denen aber nur etwa 70 l)Lschrieben

sind und giCi)t einen Teil der Urkunden,die von Friedrielt

dein Jungen als Kurfürst der Zweite genannt) in seiner Eigenschaft

als Verweser der Mark in (lefl «Jahren 1437---1440 ausgestellt

worden sind.

In Betreff den arabischen Nuiiienierung sowie des Index ist

auf das über sie zu Band 3 Bemerkte zu verweisen. Die Inhaltsankündigung,

die dein eigentlichen Index vorausgeht, lautet: «Index

[her Marggraf Fniecleiich des Juiugereuu Lehn umidt Eigenthuinb-

Register von Anno 1437 undt folgenden Jharenn suh Nr. 6. Lhei

Mittel Alt und Uckenmerkische Lehim.» Auch iii diesem Vermerke

ist der Inhalt des Bandes zu eng begrenzt, denn in ihm sind die

Urkunden der verschiedensten Gattungen, die Ortschaften der gaiizemi

Mark betreffen, vertreten.

Wie Band 5 zerfällt auch dieser in 2 Teile, von denen ‚jeder

die Urkunden gewisser Territorien enthält. Der erste Teil geht bis

fol. 28. Er ist überschrieben : «In der Nttweit Margken etc.» Unter

der «Niiwe Margk» ist. die Mittelmark zu verstehen, uiuit «cte.»

ist, wie der Inihalt ergiebt, die Uckermark gemeint. Mit fol. 29

beginnt, der zweite Teil, der die Ueberschrift trägt : «In der Alden

Mai'gken undPnirigkiiicz.» Die Anordnung der Urkunden entspricht

den Ueherscliniften ziemlich genau. Innerhalb jedes Teiles folgen


- l -

die Absehiiftei i a.nnahernd chronologisch auf einander. Arn Schlusse

jeder Hälfte ist eine grosse Zahl leerer Blätter zu finden, die ingelhhr

dreimal so gross ist, als die der Iesehriebeiien.

Dass Jede)' diesefl Teile unabhä.nqiq von eina,ulei, ur-

.pränglw/#. ffrr sich bestandeii Imt, beweist die besondere

'öiischeNuinerieru,uj jedefl Hälfte. Ausser den arabischen

Ziffern aus dem XVI. Jahrhundert ‚ die über beide Teil(', fortlaufend

gezählt sind, hat nämlich jede Hfilfte eine besondere, viel

ältere Nuinerieiuiig mit römischen Zahlen, die jede Hilfte einzeln

rechnet. Dass diese nicht sehr lange nach der Eintragung der Ab -

schriften vorgenon]mneil sein muss, geht daraus hervor, dass die Urkutide

aus dein Jahre 1469, die im Bande hinter eine Urkunde aus

dein Jahre 1439 eingereiht ist, aber sich - abgesehen von der zeithohen

Differenz - sihoii dureh das Papier des Blattes und die

Schrift als diesen Abschriften ursprün glich nicht zugehörig kemizeichnet,

in die römische Numerierung nicht einbegriffen ist. Dies(,

muss also jedenfalls vor 1469 ausgeführt worden sein. Dass aber

die Urkunde aus dem Jahre 1469 später in diese Sammlunlig g hiningelegt

worden ist, hat darin seinen Grund, dass sie inhaltlich

zu der aus (hein •Jahre, 1 439 gehört. In der letzteren üherhssI. Friedrich

dem Bischof von Ilavelberg und seinen Nachfolgern das Rechtder

Besetzung des Altars in einer Pfarrkirche und in der Uikimde

vouii Jahre 1469 schränkt er dieses Hecht ein. - Zwischen die

beiden Teile sind zwei Bogen kleineren Formats eingelegt, die bestimmt

waren, ein Register der Urkunden der beiden Teile aufzunehmen.

Die IJeberseh irift «Register Tu der Nnweii Maigke» sowie

die römischen Zahlen bis CI und später dann die Ueberschrift

« Registruni iii der Alten Marke>) sind deutlich Spuren OifleS solchen

Versuches, der aber nicht aber die Anfänge hinaus gedieh. Er

wird derselben Zeit angehören, wie die römische Numerieruuig selbst.

Ai.n Schlusse des Bandes auf Blatt 62 und 63 ist von einem

Schreiber der Kanzlei eine Reihe von weltlichen und geistlichen

Fürsten, von Grafen, aii(,li Rittern, die zur Zeit der Eintragung der

Abschn Pein regiert, heziel ierilhichi gelebt haben und mit denen die

1 Fol. 41 in dorso (weiterhin als i. d. abgekürzt.

2


--- -

Kanzlei verni 'itlich öfter zu thun hatte, mit ihren Titeln aufgeführt.

Unter den weltlielierr Fürsten sind der römische König, die Könige

vin Dänemark und Polen, unter den eist1ie1ien die Erzbischöfe

VULI Mainz, Köln 1111(1 Trier als die bed 'i rlendsten Naniren du) . Liste

hervorzuheben, in der anderseits auch linstutiselt weniger herVor-

1 i •('ten(lc lisOliliclikeift9l wie haus und l3ennid vun Torgau ersehei-

intii auoli eini ge l"iniueii aus Fürstenhäusern, die Königin von

Polen, die l-Ierz Ufl vonBiatiniseliweig, sind in liese Zusammen-

Stellung aulgeiton ii mcii. liii ganzen zählt sie 5 1t NanIon. Auf eine

nähere- Liitersrici in ni dci' Liste ] rahic ich vcnzi,l ii cii müssen. Zu

liennerkeit ist. dass iiocli, diese Blätter 62 und 61 röm iselic Ziffern

ii 11111 tragen. Sie müssen daher (1er! Ahschrifteii erst beigelegt

worden sein, als da se bereits mit der römischen N unmietiejung

vorsehen waren.

/?‚„d jeni 132 halt Blätter, vorm denen G heselirielien sind. 1)1 c

1.rLiriuden betieffeni die Jahre 1 i3-4 1. handeln \urnehnnlliL'h sie

iiudi von Begiein 1 igsacten Fi'iedricl is aus der Zeit sei ii 'i Ver\vc-

serscliafl, 4lnii firuleur sich auc-h sc]luu soloho darunter, die er als

Kurfrrsl vim-ginrunninnemi hat. So ist auch iii dciii Vermerke, der

vui' de'n Index des \\1. .]aliriiniiideits gesetzt ist, der Iiiliaht diCS('5

Bandes bestimmt. Ei heisst : u tnitlex [her (1 rrlurst Finlerichs des

andern Copial su 1 ( Nr. i, darein die meisten l)riefleseinmt von der

Zeitt, aUss ei nooll nicht (11111 .f. geweseil

Die Scluiiftzüge (li(1's Index \V(3i5(iI auf (lid Hand lii), \uiI

\velcir(n der im zweiteut lauu(h( Jufiuidiu'}ie ges(hirie]u'Ii ist. Beide

gt,Eiürenu noch denn \VI . •Iahm!hiuli(]iut art, sind ahnen- \vuhi iiiehreii

Jahrzehnte später angefertigt worden, als die (1(5 i, 3. numiti 6. Bandes.

Auch sunusi sind in den Indices des vonhegenden

1(1141 des zweiten Buches im Gegensatz zu den. dor anderen

Bünde iuiiven-keririiar, in heulen stehen sie anti Bli1,1ciiu iii Fjlieleunuiat

; in beiden rühren dor VU1 dciii Index unruh

(1ieStl sdhl(st V011 dernselbeit NIMM- her.

Eine Aiiuidnninig dci Al scliiiftenu nach g('()gua)hiscl1ir Zi.isainniiecgehürigkei

1 ist iii dieseuii ( (dex insofern du icligefii hit ‚ als er nur

Urkunden bringt, die sich aIII die Alt.nuark hezii]ieni E1EIC be-

sondere Ueberschrift, die (.1 ies zu eukemjiicii gib l, ist nicht zu bemerken.

Die Heiheinfolge ist wieder annähernd chronologisch.


19 -

Fortlaufend sind die Urkunden nur bis fol. 53 eingetragen. l)aiiii

schliessen sieh leere Blätter an, unter denen nur ganz vereinzelt

beschriebene zu finden sind. l)iv arahische Numerierung geht da-

hei auch nur bis Blatt Yt ; die wenigen Blätter, die dann noch

Absri Abschriften enthalten, werden in dem Index durch «fuliumii ist nicht

uiuineriret » oder «in folin 5 od. dergl. ante tinemn» bezeichnet.

l)eui Bande sind 7 einzelne Papierblätter in ganz verschiedenem

Format, von denen such mehrere unzweifelhaft als Cxnu•epte keimzeichuieii

‚ vüigelieftet . Sie sind vermutlich hei der tir(lnuulg des

Bandes mi XVI. Jahrhundert zu diesen Abschriften gelegt \Vordeui,

weil sie zeitlich zu ihnen gehören. lii die arabische Nuinerieiuiig

sind die Blätter iuichul. einbegriffen, doch sind sie am Schlusse des

Index mit deni Hinweis: «Folgeuide Stück liegen in diesem Copiali

unei uigeln lltet» verni erk 1

- IM ml 8 ist über 400 Blätter stark, aber über zwei Drittel

derselben sind leer. Sie bringen in erster Linie Absehuiifteuu von

Ii rkiuu udemi Fiiedrichus 11. aus den Jahren 1 'i4 1— 1

Der Urkundenindex des XVI . Jahrhunderts, den wir bisher in

allen Bänden gefwnlcii haI eh, fehlt blei zum ersten Male. Dagegen

zeigen die Blätter die arahischeuu Ziffern, die iii (ich fetilmeren Büchern

mit dein Index iruuuuuer zusammen auftraten, und deren Entstehung

wir in die gleiche Zeit mit der des hidex setzen zu müssen glaubten.

Dciii nach ist vermutlich im XVI. Jahrhundert eine Ordnung dieses

Bandes vorgeulouiul neu ‚ aber die Anfertigung eines Verzeichnisses

dor unterlassoii worden. Vielleicht war es a1.1111 imispräuiglid

1 vorhanden 11111 ist inzwischen vertonen gegangen.

Nass nuuu von der Anlage eines Index bei diesem Bande überhaupt

abgesehen hat, wäre in diesem Falle fast hegreihlicii‚ weil

am Sehihisse des Hai 1(1es eine Uebersicht über 41 ie Uukundeii ‚ die

auit, diesen Blätterui re gistri ert w ahen, bereits vurluaumdeui war. Diese

Zusanuutnenstellung ist sicherlich I hn lange nach dcii Abschriften

selbst genmachit wurden; ja ich meine bestimmt, (lass sie \fl einenu

Schreibei der Kauizlei ‚ noch aus der Zeit Friedrichs 11, herrührt.

Sie ist nicht frei von Irrtümern iuuid gibt die Abehuuifteti nicht

überall in der Reihenfolge, wie sie im Bande folgen, obwohl dies

eigentlich wohl beabsichtigt war. Sie bezieht sich in den Blal tangaben

auf die römischen Ziffern, die ob(- .ui auf dcii rechten Seiten


- 2U

stehen und zu derselben Zeit \viO die Zusammenstellung selbst geschrieben

worden Sind.

In diesem Codex ist um ersten. Male eine i nm'dnunq

der Urkunden nach sachlichen Gesichtspnn.kten. zu bemerken.

Dieses Prinzip koiiirnt sogar in einzelnen eiuzelneii Ueberschriften, die auf

das erste Blatt der betreffenden, inhaltlich zusammenhängenden

Partie gesetzt sind, zuin Ausdruck. 3 solcher Teile bezieheiitlieh

Lagen heben sich ohne Weiteres als besondere Register für sich

amis dem Bande heraus.

Der erste beginnt bei fol. O. Die Uebersehiiift laut t

lehen unverbritTet», der zweite setzt ein hei fol. ‚ ei ist überselirieheu

: »der 1)orgerlehiell von Salzwedel iinde anderer weher,

die unverhrievet siitt». Er geht bis fol. 88.1 Der dritte reicht von

!1. bis 85.' Er hat den Vermerk : «Schuld und \Vidderkoufsbriefe)).

Willirend diese Lageir auf Urkunden der Gattung besehmriik

sind, die iii der Ueberschrift hezeichttiet ist, grenzen sich die anderen

Partien, Soweit ich sehe, iiihalthicli itoo-li iiieht so hestinmint gegeneinander

ah

IIi(l' fln(/efl wir (fsv zuerst in dc,' brandenburqise/?eli

Kui z!ei (IH ? A dilage con Sonderreqitern. Diese neue /in.

führung füllt zeitlich ungefü/i' mit dem Regierungsantritte

des Kurfürsten Friedrich II. zusammen

Mit. der Anordnung imachm einheitlicher Zuis;u umiiengeliörigkeit ist

das Prinzip der Vereinigung der Ahschiriften nach geographiscliwi

Gesichtspunkten verbunden wurden, denn in diese Lagen sind nur

Urkunden, die die Altmark und Pi'iegmiitz betreffen, aufgenommen,

freilich oluin' dass ein besonderer I)esofldeiel' Vermerk über die geographische

Einteiltu lig irgend wo iii uzugesetzt wäre.

Die einzelnen Lagen sind zumeist durch eine Menge leerem

Seiteii von einander getrennt, iiiid so kommt es, dass die beschiieheiioui

Blätter kaum ein Drittel der Gesamtzahl ausmachen.

Dieser Umstand spricht auch dafür, (lass fiel' Band, sr, wie

ei' ‚jetzt coi'iiegt, ar.spi'ünglich iil fiel' Kanzlei nicht (ungelegt

sein. kan.)i . Denn es ist nicht anzunehmen, dass man ciii

1 Die leeren Blätter, die sich anschliessen, sind nicht mitgerechnet.


-

Buch von circa 420 Blättern, das besonders bei der Stärke des Papiers

jener Zeit so umfangreieh war, dass die Eintragungen der Abschriften

nur mit grosser Schwierigkeit auszuführen waren, zur Registrierung

der Urkunden genommen hätte, um schliesslich kaum den dritten

Teil der Blätter zu füllen. Die einzelnen Lagen werden daher nicht

von vornherein Teile eines Buches gewesen sein, sondern sie sind

erst später zu einem Bande vereinigt worden.

hand 9 fassl Q63 Blätter, unter denen nur ein unbedeutender

Bruchteil unbeschrieben ist. Er hitet Abschriften von Urkunden,

die der Kurfürst in dcii Jahren 1141—tzi5i erlassen hat.

Dcii Abschriften geht ein Urkundeniuide aus dem XVI. .Jalirluwidert

voraus, der iii der Schrift, im Format der Blätter u. s. w.

den in Band 3, 5, 6 gefundenen entspriclul • Der kurze Vermerk,

der den Inhalt des Index ankündigt, lautet: «Index Uber Marggiaf

Fridriel u sein Ehuiston Sohns Copial sub Num . 9. Von wegen

der Mittel Alt und Ukerutierkise.hen lehenbriefe, Privilegien und

dergleichen.» Die Bezeicliuiung des Fürsten, von dem die Urkunden

dieses Landes ausgestellt sind, enthält eine historische Unrichtigkeit.

Den Kurfürst Friedrich war wie bekannt gar nicht der älteste Sohn

Friedrichs 1., denn er war jünger als Johiaiun. Es ist interessant

zu sehen, wie weuiig bekannt diese Ttialsaehue hereits im XVI. Jahrhundert

selbst in der kurfürstlichen Kanzlei war.

Der Band ist aus einen Zahl einzelner Sonderregister gebildet,

zu denen novit einige Lageii mit, Abschriften und Notizen verschiedenen

Inhalts hinzukommen. Die Urkunden beziehen sich

vornehmlich auf Ortschuaüen der Mittel- und Uckeruuaik. Die

nieisten der Sonderregister haben Ejeberschiriften, in deuieui 'las

.Moment, das für die Zusammenstellung der Urkunden in die betreffende

Lage bestiinuuieuid war, ausgesprochen ist. So finden wir

in diesem Colex Teile, die überschrieben sind: «Marulehen arme briefe

Burgerlehen ane briefe; Manlelien die verbriefet sein; Leipgedinges

briefe ; Burgeulehien (lic verbriefet sein; Erloubs und seht ultbriefe

Eigenthu insbrief und erlou bslirief.»

Der letzte Teil des Bandes von fol. 222 arm bildete in der jetzt

1 Vgl. S. 13 u. 14.


- -

vorliegenden. Gestalt nicht con cuenherein eine e,n /iejt/jche

Lage. Dies tritt am klarsten hei Blatt 0 hervor. Es enthält

den Vernierk, dass «ani Sand Peters Abenuil ad vineula 1443»

vorn Kurfürsten selbst dci' erste Stein zum Schloss in Berlin

gelegt worden sei. Dieses Blatt iriuss längere Zeit lose ii iii h i'gelegen

haben, oder kann wenigstens iiicht immer iiei' scinemi Platz

innerhalb dieser Lageii geliaht haben, denn die Schnitz- und

Staubflecke auf der Hinterseite sind a(jüti hier el)eI1s) wie auf dcii

Blättern im dritten Bande clei'artig, dass nicht ahzi isehen ist, wie

sie auf dieses Papier hätten konirneu können, wenn es von Anfan g

an zwischen andern Blättern eingefügt gewesen wäre. Aber dieses

einzelne Blatt ist nur deshalb von grösserem Interess: iiiicl nUr

dartun herangezogen worden, weil es dureli die Verfassung, in der

es überliefert ist, ein unwiderlegbares Beweismittel für die oben

ausgesprochene Ansicht bietet, für die es aber aueli an anderen

Beweisen nicht mangelt. Die ganze Partie lässf, die Einheit, voll vornherein

vermissen, die wir in dcii anderensonst finden; sie hat

teils den Charakter eines flegist.ers, teils den eines Copialbuches,

ausserdem bri tgt sie zwischen den Al schrifteii Notizen, die mit

diesen iii erkennbarem Zusammenhang nicht. stellen. Aue Ii die Art,

wie (liC Absel iriften auIinandei' folgen, ist iiicht die gewöhnliche

1111(1 kommt zu den Momenten hinzu, die zu der Ansicht führen,

dass die.' e',' Teil erst bei eine,' späteren ()rdnang (/UPCh Vereinigung

der A bsc/iriften, Notizen u. s. w., die einzeln waren und

zu bestimmten Lagen noch nickt gehi'ten, qebildet worden ist.

Band 10 enthält. 198 Blätter, von denen 14-2 beschrieben sind.

Er stellt das flegistei' der Urkunden Friedrichs des .Jüngeren Feisten)

dar, der von 1447 bis 1 463 über einen Teil der Mark, über die

Altmnark und Priegiiitz, selhstänilig regierte. Friedrich hatte, wie

wir später zeigen werden, seine eigene Kanzlei. In dieser sind

ohne Zweifel die in diesem Codex enthaltenen Abschriften angelegt

worden.

Der Urkundeuindex vor den Abschriften ist. der Schrift und

denn Formate des Papiers nach mi. s. w. zu der Gruppe zu stellen,

die durch die Indices der Bände 3, 5, 6, 9 gebildet wird. Auch

er ist ungefähr uni die Mitte des XVI. Jahrhunderts, ‚jedenfalls

früher als die ganz gegen Ende desselben Jahrhunderts geschriebenen


W -

Verzeicliiiisse in Band 2 und ‚ angelegt worden und std ii eIMIIsO

wie jene mi Gegensatz zu den letzteren auf In ir

Fohinhlätterii

Die Mitnorierung mit aral iiseheii ZitTern ist aucl t in Vorn

Bande der Anlage des Index selbst zeitlich gleichzusehen. Nass

diesem in dein vorliegenden Codex alISlIaIlIIIS\Veisc zwei 1 iilialtsvermerke

vorangehen, die zwar fast gleicli!aUteii(l, dorh von verschiedenen

Flüudei i lieriiiliien, ist idme besondere Bedetilit Der lig.

erste Vermerk heisst : « liidex üher Marggrafl Fiidriclis des •Juiigerti

opial von Aiiiiu 1 449 iiiid den folgenden Jaineri Nr. 10 ; der

andere: « Marggrave 12AN1uMehs des Jungem Ui liii ah VOU Anno 1 Nil)

und (Teil fnlgendeiiii mit NLIIII 10 liit1tx.

Die der Aiiurdriung Urkunden, die gri ll(h) I Ii\veise Ziisaiiiiiieiistellung

iii einzelne Lagen iiacli ilileill liilialte, also besonders die

Anlage viii Soi idein gisteril ‚ die z11111 grisst en Teile audi iii it [ei ersclirift.eii

versehen sind die auf die sachliche Zusammengehörigkeit

ineugeliöiigkeit

hindeuten, sind genau in ulerselhien Weise, wie in ileui zeitlich

eutspredlenden Registern (]ei- kurfürst hichin Kanzlei (lli1ihIg(fül1l't.

llJeherhiaupt passt der Baut] so in die Reihe der Codit'es hinein

dass ein wichtigeres Untei'scliei' Ii iiigsuiierk mal ‚ das ihiui von dcii

kurfürstlichen Registerii trennte, iiichit zum finden ist.

/1(1/id 11 zi]dL 280 Blätter, darunter sind 60 leer geblieben.

Er vereinigt die vou ii Kurfürsten Fmieilricli 11. von 1 .3 his zum

Ende schier Regierung 1 erlassenen Urkunden. Vereinzelt

treten Umkunden aus früliereui Jahren 1 l i' ‚ 1118 1 1 0, 1 '1 :r2 auf.

uicli (Leser Band hat jun N VI. Jahrhundert ciileii [ikUIl(leflii

itlex und eine Nuni erieri tig mit arabischen Ziffern erhalten. iii Iettitl

des Index ist nichts besonders zu bemerken, er gleicht den in

derselben Zeit entstandenen Verzeielinissei ‚ die wir in Band 3 ii.

ii. s. w. gefunden und dort heieits näher besprochen haben . Die utiz,

dii auf den 1nhaIt des Index hinweist und audi hei, wie iii dcii

anderen Codices vorausgeschickt ist, lautet «Eher Maiggraf Fridrici

cl. Eleetoris Copial stihi Numn 1 1 . U--her die Mittel Dieser ii uarck » . Zusatz,

dass (hie im Bande enthaltenen Urkunden sieb iii geogiaphmiseher

Beziehung auf die Mitteli uiark besehrnhieui ‚ ist im allgemeinen zutreffend.

Die Abschriften sind nach Wiliehen Gesieli t spuinkt cii geordnet.

Jede Lage, bezielientlicit mehrero zusammen, bilden iii dem Regel

zum


ti

- -

ein Sonderregister, in dem nur die Urkundeii desselben inhaltlichen

Charakters zusammen stehen. Es wiederholt sich also in dieseni

Godex dasselbe Prinzip, das wir sehoii in dcii vorhergehenden

keiirieii gelernt hiabeii,

Rittern Vermerke auf der Rückseite des ersten Blattes verdanken

\VIP (las genaue l)atuin, wann dieses Register in der kurfürstliehen

Kanzlei angelegt won len ist. I)er Vermerk hat folgenden Wortlaut:

« Iii iare nach Cristi tuinsers liern Geburt Tuseiit Vierhundert

und, Ii 1 i.liev itini tut ifezigisten am Montag nach allerheiligen tag, als

der Diirchluclitigste liocitgeborn furst.e und hei, her Fridericlie, Mal-ggraff

zu Brariiideiiborg des heiligen Rotnischen Reichs Erczkarnrer

etc. und Burggrave zu Nuremherg, von Ruine und dein dciii heiligen

Grabe widder gen Berlin uiniid Cijlij kaiii, wurde diss Register von

Nuwes angehoben und aiigefangeii.» Aiui 5. November 1 45] ist

also «dis Register» in der Kanzlei begonnen wurden. Die Annaliiiie,

dass mit der Bezeielutung « Registei )) (her Band als solcher, wie eijetzt

vorliegt, gemeint sein sollte, ist nach dcii 1esultateii, die wir

übei die Entstehung der anderen Codices gewonnen haben, sehr

unwahrscheinlich und erweist sieht als kaum möglich, wenn wir

diesen Band selbst näher betrachten liii Eiugauge des Bandes sind

2 Blätter eingelegt, die beide iii der arabischen. Numerierung des

\V1. .Jahrhunderts iiie.lit ciii] tegrihlen und in dciii gleichzeitig augelegten

Index itieht vermneik t. sind, die mithin thiiii damals, als Index

und Numerierung entstanden Siii(l, mit diesciti Bande nicht verbunden

gewesett sein kötirmeut . Das vordere dieser Blätter lässt. auch

an sich schon keinen Zweifel, dass es früher an der Stelle, wo

wir es jetzt im Codex finden, nicht eingefügt war. Denn während

es in d iescuum Rande das erste Blatt ist, trägt es von älterer Hand,

die, wie ich m niciuic, dem Ende des XV. bezieheuitlicht dem beginnenden

XVI. Juhirhumuidert angehört, die Ziffer « 15». Offenbar ist also

dieses Blatt, erst später, als man seinen eigentlichen Platz nicht mehr

wusste, allden Ein Eingang gan g dieses Godex gestellt worden. - Ganz

besonders aber, um von anderen Momenten abzusehen, spricht gegen

die uiu'sprüuighiche Anlage dieses Bandes in der Form eines üsteit

Buches die verschiedene Breite des Papiers in den einzelnen Teilen

so sind die Seiten iii der Lage, die bei Blatt 26 anhebt, nicht unerheblich

l)reitei, als die der vorhergehenden Partie. Dass man aber


- 23 -

in der brandenburgischen Kanzlei zur Eintragung von Abschriften

Papier verschiedener Breite genommen hätte, wenn man von vorn

herein daran gedacht hätte, diese zu einem festeii Buche zusammen

zu binden, ist. meines Erachtens nicht anzt uielimen.

Wenn es also in der Notiz heisst, dass «diss ilegistei» aui .

November 1 J angefangen worden ist, so ist dies so aufztittsseii,

dass man damals eine neue Serie von Einzeiregistern begonnen hat,

die bestiiutiit ‚ h5rkundii derselben Zeitperiode aufzunehmen, in

der Kanzlei vermutlich aufeinander gelegt, ‚ in eineiti Pergamentbogen

le in eiiie.iii besonderen Farlic zitsam meii aufbewahrt

Wurden. Eui olcher A bsc/riftenha u.ftn aus Sonderregistern

bestehend, bildete eine /'ii,/ieit für sich, nur dass die Abschriften

Iiieht, fest eerbuiu/eu waren und daher ein efe in,

Iledarfe falle mit Leichtigkeit /ierausgenonlmen werden. koii /?tdfl.

Er wurde im gesamt als Register bezeichnet. So ist dieser Ausdruck

auch in der Notiz zu verstehen ; au einen festen Rand ist.

iiidit ZU denken

iland 1 zählt 191 beschriebene und gegen 80 leere Blätter.

Die Urkundeiiabsehiriften, die in diesem Godex vereituigt sind,

betreffen Bündnisse und Einigungen, die in den Jahren

Voll den h)raudelui)urgischlen Markgrafen mit andereii Fürsten geschlossen

worden sind. In ihm treten alle die charakterist isehieui

Merkmale, die die ursprüngliche Anlage des Codex als festes

Kanzleibuch unwei/ef/iaf( (er/leinen, \VIC die verscliwdeuie

Breite des Papiers, die Kniffe und Flecke, sowie die Vormerko

über den Inhalt (1er betrehTentleu Lage auf der Rückseite des letzten

Blattes it. s w., ganz hesonuleis deutlich hervor.

Zu beachten ist ‚ (lass dieser Band wedei Index noch Nuimerierilnig

im XVI. Jahrhundert erhalten hat. Die Zählung derdie

wir bemerken, ist wahrscheinlich gleichzeitig mil. dem Urkundenverzeichnis

angelegt worden ‚ zu der Zeit, als die Codices in

diesem Jahrhundert in die Bstäude des damaligen Staats- uinil

Cabinetsareluiv eingereiht ward n.

Band 1:3 enthLult 140 Blätter, die fast alle beschrieben sind.

Ei stellt die wichitigsteui Urkunden iiuitl Aktenst.dcke aus der Zeit

1 Ein solches Pergamentblatt hat sich im Bande 13 erhalten. Vgl. S 2fh


von 1 236-1 40, die auf das LehnsveiIiältuis Poiiiirierns zur Mark

Brandenburg Bezug haben, zusammen.

Auch dieser Band ist im XVI. Jahrhundert ohuie Index und

Nuinerieri.ing geblieben. Diese sind verhältnismässig noch sehr

jungen Datums und vermutlich erst in diesem Jahrhundert zu

derselben Zeit, wie die im voliergehenden Bande, entstanden.

Die Veranlassung, die dazu geführt hat, gerade die urkundhellen

Scliiiftstirke ‚ in denen die Beziehungen lwiimnierns zu

Brandenburg zinn A usdriick kommen, im gesamt zu eopieren

und für sich als besonderes Ganze zu vereinigen, ist in einer Notiz

im Eingang des Bandes angedeutet, die tliii1ieh dciii iiii Codex 1

enthaltenen Vermerke, die Zeit itälier bestimmt ‚ wann dieses

Register in der brandenburgischen Kanzlei bcgoiinen worden ist.

Die Notiz, die auf der Rückseite eines starken Pergainent.blattes

steht., in das vermutlich urspring1ieIi die Abschriften eiiigesehilageri

waren, lautet, «Amino domini ii miliesiwo quadringentesim 110 sexagesililo

ivarto ‚ feria secuimila post nativitatein Mariae obiit 1 ute princeps

don mi nims Otto Stettinensis Pomneraiiiae Slavormi mii et Lassul rn in

dux, et eodeni anno fui t hoc registru m ineeptiimn, ei opore mi10

di niiinus F'redericus mnarehmio hm'andenl tirgensis erat in Cadolz] ii irg.

I)ei Zitsammirnenhmang zwischen den leiden Angaben dieser Notiz ist

leicht zu erkennen. Die kurfürstliehte Kanzlei hatte offenbar, als

der Tod des jungen Herzogs, mit dein der letzte Spross der Stettiner

Linie gestorben war, bekannt wurde, den Auftrag erhaben ‚ eine

Sammlung der auf das Lehmnsverliältnis des potitiim'sitEieni Landes

zur Mark heziglielien Urkunden in Abschriften anzulegen ‚ damit

diese zur Hand wäret, wenn der Kurfürst seine Aiisprmk.he auf

das erledigte Heizogthiirn als Leliiuslierr geltend machte. 1 )as

Register iiiiiss in der Zeit zwischen September und November

begonnen weiden sein, denn der Kurfürst ist am 17.. September,

4. Oktober und 8. November in Cadolzhurg urkLindfich nachizuweiseii.

Die Abschriften sind auf lose Papierlagen geschrieben.

wo,den. Einzelne derselben sind i nit Bemerkungen versehen, die

den betreffenden kurfürstlichen Rat, (1cm sie zu einer Verhandlung

1 In diesem Vermerke wird also der 10. September als der Todestag des Herzogs

Otto bezeichnet,

-


mitgegeben l)eziehentlicli nachgeschickt \vordclI sind ‚ aber (las zu

der Xbsclirift gehörende Original orientieren sollen. Auf der Hückseife

von Blatt 63, wo eine Urkunde Ludwig des Baiern aus dciii

Jahre 1328 steht, in der Bogislaw von l'uiiiniern und seine Nachfolger

zur Lelieiispfliclut an Brandenburg gewiesen werdeii, heisst,

es Z. B. : «Disser uiacligescliriheii flopie ist hier nicht ein houbtbrief,

dann hier sini. (larven zwei vid inius. l)c.n rechten liouhtl)rief

uiacli njan (l(1)11isScr1 suchten. Wir wollen hic ouch guten Uys (liiinach

tun. Dass solche los Lagen durch den Transport gelitten

und vielfach Stau I.- und Sehmutzfleeke bekommen haben ii s. w.

ist nicht, zu verwundern.

Die kurze Beschreibung diesel- 11 Bände aus der eric der

ktuiunärkisehien Register hat, wie Ich meine, dargelegt, (-lass in der

brandenhurgisclien Kanzlei unserer Periode der hei dci Aiilage voll

Bücliei im Mittelalter allgeuuicin verbreitete Gebrauefi l bestand, für

die Eiuit der ragutug Abschriften lose Bogen Papier zu nehmen, (hic

erst spLiter fest mit einander verbunden wurden. Dasselbe Verfahren

ist auch in der frärukischeuu Kanzlei der l-loheuiziillern in dieser

Zeit ] iael iweisbar. 2

Der Vorteil dieses Kanzleigebrauchs ist ‚ wie l)(rÜitS erwttliuit

wurde, darin zu suchen, (lass er es ermöglichte, die einzelnen Abschriften,

die gerade gebraucht, wurden, aus dcii Lagen leicht herauszunehmeii,

wodurch dem Kuif iiusten uuud seinen Räteii auf Reisen

zu Reichs- bez. Landtagen oder zu Vereinigungen mit anderen

Fürsten, auf denen sie gewisse Urkunden mit sich nehiuuien mussten,

der r[a5]ot starker Kanzleibüehier erspart. wurde. Dies bedeutete

eine Auuuiehinhiclikcit, die hei dcii schwierigen Verhältnissen, unter

denen die Reisen mi Mittelalter ausgeführt wurden, stark in die

Wagseliale fiel. Doch demgegenüber ist au if den un geheuren Nachteil

hinzu\veisn ‚ den diese Gewohnheit für die Ueberlieferung in

1 Wattenbach Das Schriftwesen im Mittelalter. Leipzig 187. S. 324.

Wagner: Das dritte kaiserliche Buch der Markgrafen von Brandenburg in Forschungen

zur deutschen Geschichte Bd. XXIV S. 483.

maLL


28 -

sich barg. Bei einem soleheit Verfahren konnten sehr leicht einzeliie

Blätter, sogar ganze Teile abhanden kommen. Und es unterliegt

meines Eracliteiis kaum einern Zweifel, dass diese Godices

absolut nicht den Vorrat. an Abschriften in dciii (Jnifange enthalten,

wie er urspiiiiglieli in der Kanzlei angelegt und vorhandeii wir.

Dies beweist das Verliältiiis der drei Xuirierieruiigen in Band 2 zu

einander; (lies gellt aus einzelnen der -Notizen hervor, die wir in

dein Arcliivregister aus dein XV. Jahrltuiideit und den Registerl)äIidenl

finden ‚ in denen auf die zu der TJrkunde gefertigte Abschrift

ausdiQcklicli liiiiwwieseii wird. \Vetiit wir in den meisten

Fällen, wo solelw Verweise auftreten, die entsireciiende Abschrift

in dcii Registern auch \virhlich finden, in einzelnen aber diese

vergebens in dcii Codices suchen, ‚ so sind wir nicht berechtigt

anzunel imeii, dass die Angaben iii dciii Register u. s. \V. uiizuveilissig

sind, sondern es ist vielmehr daraus mit grosser \Vahrsclieiiilichkeit

der Sl biss zu ziehen, dass die Blätter, a.t if denen die Abschriften

aufgezeichnet waren, verloren gegangen sind. So wird auch der

Umstand, dass uns in dem Register Friedrichs des Jungen (Band X,

Ahscliuiften-Uik minden aus den Jahren H154-1160 in

mässi g gerin geringer ger Zahl, aus den Jahren 146-2 und 1463 aber gar keine

geboten werden, zum Teil aus dciii Verluste von Registerlagen zu

erklären sein; zum Teil mag er freilich auf andere Ursaehieti zurflckzufäliien

sein, auf i ie ich später hinweisen werde.

Fftl . die Beurteil Ling einer so wichtigen Quelle, wie sie für die

hrairdenburgische Geschichte in diesen Codices vorliegt, ist es von

Interesse, die llauptphaseri ihrer Geschichte zu erfahren. Es soll

(lauer in grossen Umrissen ein Bild der Schicksale dieser Register,

soweit sie aus den Akten des Geheimen Staatsarehives zu eruieren

sind, entworfen werdeii.

C. M. 7a. St. A. S. 81. Si.

2 Für die Zeit vorn XVII. Jahrhundert an sind die Dienstakten des Geheimen

Staatsarchivs vornehmlich herangezogen worden.


Ihre Entstehung ist bekannt. Auf lose Blätter l.eziehientlicht

Lagen geschrieben, wurden die einer gewissen Zeitdauer angehörigeii

Abschriften in Packs oder Büscheln, die wahirsel icinhieh in Pergaiiient -

bogen eingeschlagen waren ‚ aufbewahrt. Die Grenzen für die

einzelnen Zeiträume, deren Abschriften zu einem solchen Park vereinigt

wurden, waren eiiirnal duroli. wichtige historische Einschnitte

von vornherein gegeben ; 5) war es in flürksirhit auf (im [ehersichtlielikeit

ohne weiteres geb ten ‚ heim Wechsel der Begierung

ein neues- Büschel zu beginnen. Ausserdem verteilte man aber, iin

zu verhuiiderii ‚ dass einzelne dieser Bündel zu stark würdeii, die

Abschriften aus derselben Begiern ngsperiode über mehrere Ilaufen,

sobald (las Material sehr tiiiifarigi-ei(-li war. Die Abgrenzung und

Einteilung in die versehiedeneit Büschel waren sicherlich nicht nach

festeii Bestimmungen geregelt, sondern ergaben sich vermutlich

von selbst aus der Praxis heraus. Ungefähr werden die heutigen

[odices inhaltlich den alteti Bänden entsuruchen haben.

Noch im XV. .Jahrhundert, nicht lange nach der Eintragung

der Al schrifl cii, scheint inaii an eine Ordnung derselben gegaiigeii

zu sein. Darauf weisen die Numerierungen, (hie lnhialtsverzeielinisse

hin, die wir in einzelnen Bänden aus dieser Zeit buden. Aber

diese Ordnumn kaum über die Ansätze nicht hinaus. Weder wurde

sie auf alle Bände erstreckt„ noch scheint sie - was das umotwendigste

gewesen wäre - zu einer festen Verhinduuig dci' Abschriften

‚ zu der Anlage gehummidener Bcheu' gefährt zu haben.

Diese erfolgte erst wugefälur gegen Ende des XVI. Jahrhunderts.

Iii der Zeit als die arabische umerieiimg auf die Blätter gesetzt,

die In hires gefertigt. wurden ‚ sind vermutlich aiicli die festen

Bändeangelegt worden. Die huidices sind, wie wir sahen, nicht

in allen Büchern zu derselben Zeit geschrieben. Wir teilten sie

iii 2 Gruppen ein, die sich in (101' Schrift und den Vermerken, die

dem eigentlichen Verzeichnisse vorangehen ‚ deutlich von einander

unterscheiden. Dass aber die Indices tleuselhaui Gruppe auch von

demselben Beamten herrühren, ist als set u wahrscheinlich zu heeichuieui.

Diese Ordnung der (odices ist vielleicht in Zusamumierihtaug zu

bringen mit der festeren Or ganisation der kurfürstlichen Kanzlei iii

dcii letzten Dezeuinien des XVI. .iahuiluuiiiderts die besonders huurehi


die im Jahre. 15 j j erlassene Kanzleiordnung Johann Georgs bewirkt

wurde. 1 Zur Erleichterung der viel umfassenden Tliitigkeit wird

tue Kanzlei iii verschiedene Hessorts geteilt, deren jedem bestimmte

Arbeiten zur Erledigung Überwiesen worden. Die Ausführung aller

auf das Leliensveseii und andere Hegalien bezüglichen Geschäfte

fiel dein einen der beiden Kaiizleisekretäreii ZLI. 2 Ihm wurde

sicherlich alt(41 die Leherwachun [Lud Weitert'ü liiuii g der Register

Übertragn en, in die aber nunirielir, deinGescliäftskreis des Ressorts

entsprechend, allein noch Abschriften von Lehnsveihiiiefungeii au!genowineil

wurden.-3 Bei der Uehuernaliine der Absehiiftensauiuiiilungen

in die Lehuskanzlei ist wahrscheinlich eine grüiidliche Orilii

uuug des vOrhali(lefleI1 Materials vorgenouutineit ‚ und sind die hiüiudehii

und Lagen zu festen Butcherii vereinigt \vOrtleIi. Damals /‚ a hei,,

'cie iCh,, glaube, die Reqiste die Gestalt i halten, in d.ei si

heute Geh. Staats (1/C/i.iv eo/liegeii

hie (odices sind in der Lelinskaiizlei bezit 1 u,iitlichi in tieni

Lelmdeparteweuit bis zum Anfang dieses Jahrhunderts geliliebeuu.

Der grosse Kimifürst. ‚ der hei seinem alle Zweige deu Verwaltung

umfassenden Interesse auch auf die soigfldtigi Aufl ewahirung der

Aicliivalieii ‚ die Ergänzung der seii'iemn Archiv felilemileit Akten

bedacht war • vie dies unter andcrein schon iii her tjehejrneru

Ratlis-Ordiiung aus dem Jahre 1651 zi iii Au msdrutck kouiiuuit,

verlangte iii eineui 1-leseripte ‚ das in) Jahre 1681'm an die Leliuiskanzlei

u nd besonders an den « \ize-( u,u ii zlei und hei iius-1)irectorei

ci llahideui » gerichtet war, die Auslieferung vuuu 1 dieser Bände

au (las Geltei i'rie,Ai'cluiv, unter denen Si(hi auch 1 ruge der von

uns näher hehtamudIt cii he1nuden. Doch diese \erordnutuig scheint

nicht zur Ausführung gekommen, der später rifekgängig gei nacht

worden zu sein ‚ deitut zu Anfang dieses .Jahrhunderts sind alle

C dices, einschliesslich dem Nu mm .' ern, die im i-hescii pt für das

1 Riedel, Supplement-Bd. S. 191 ff. Vgl. dazu Isaacsohn, Geschichte des Preussischen

Framtentums. Berlin 1874-84. Bd. 1 S. 232 if.

2 Der erste dieser Lehnssekretäre war Joachim Steinbrecher, der schon vor 1577

die Stellung eines Sekretärs in der kurfürstlichen Kanzlei inne hatte; vgl über ihn

Kempf, Programm des grauen Klosters. Berlin 1865.

Vgl. S. 7.

4 lsaacsohn a. a. 0. Bd. 11 S. 362.

-


- 31 -

Geheime \rclIiV in Anspruch goflolilinen waren, im Lehusarchiv

des ‚JusI.izininisterillm vereinigt.

Als in der Zeit der grosseii Hefonrieii nadi 1806 die 'I'reiiiiung

des Kammergerichts vom Justizdeparteineiit vollzogen wurde, 1

ging der Bestand des Lehuisareliivs - dari 1111er auch dieluilices

- in dcii Besitz des Kam rii:reric1its Über. Bei dieser Bestimmung

litil e I nall ausser Acht gelassen ‚ (lass ciii gn sser 'feil (lii ser

Bände ihremi 1 ulialte nach zi i r Aufbewahrung hei einem Gerichts-

1 rufe durchaus i ilelit met ir geeignet war. Die ileihe der älteren

II äclier aus deui XV. inul XVI •Jalirli u ndeit hatte die 1)rakt isclijii

ii i lislte Belietiti lug seluin verloren, längst boten dagegen der

1 IisiorisL III Wissenschaft ciii ebenso reicihaltiges wie wert -

VI dies \l at.eiial, sodass ihre Eiuouliiiuig in das Gelili tue Staatsaielii v

ihrer Beititittuig tun! ihrem Inhalte weit mehr emitspruclieu hätte.

Die Folgen der umizweckmnässigeii Leberweismuig der Cotiies au

dasKaminer-ovicIH blioben nicht ai ms. Ftr dcii m lemuui Besitzer teilweise

ohnü Wert, winde auf ihre Liilerhaltuimg von SI3it,eIl des Gerichts

keine S egfall verwendet. Bald gerieten diese für die ältere

iuniiuliiibuuigiseI ie Gesellt ute so w ichitigei Duku meute iu dcii

schireckliehisteii Zustand, (110 1)ickel abgetmenmit ‚ die Blätter auseiuiauclergerisseui

111111 ttmth- uiuil Sehumiutz11ee]emi preisgegeben,

ge\VällmteuI (Ile Bäelier eiiremi traurigen Anblick.

Ein grossen Dienst. erwies daher der dammialige Vorsteher des

Gell, St atts- und Cahinetsaiehiivs Zschopie der historischen \\Tisseii_

schaft als or im Jahre 183 sioh dieser Bände amiiiahiium und iii

ciuie]ii Gesuche, dciii eine von 11w imier ausgearbeitete Denkschrift

h igelegt wurde, die dcii Inhalt timid den Weit des in ihnen

vereimiiI cmi Materials miähmei eliarakterisiemte ‚ im liii iiesse dci

iirauideiibuigisctieii Gescimic.htsforscltuing die Fordi rulig aufstellte,

dass wenigstens ti ii älteren Register an das Staatsarchiv amisgeUefert

S(911 1 iesncli hatte Erfolg. Du roh \'eriiiittl lug dci Minister

Fürsten voll Wittgenstein und Amicillomis wurde der Justizminister von

M ütmlei hestim nit ‚ dem kaininergerieht die Verfignug zugehen zu

lassen, einen Teil der Kinde, darunter auch lli( Nummern, über

Stölzei, Brandenburg-Preussens Rechtsverwaltung und Rechtsverfassung. Berlin

1858, Bd. 11 S. 401.


- -

die in dieser Arbeit ausfülirlielier gehandelt worden ist, dein Archive

zu übergehen.

Die Auslieferung an das (+elieime Staatsareliiv erfolgte, hier

wurde sofort an eine Ordnung der Bünde gegangen ‚ bei der man

bemüht, war, mit hIi1fe der luidices iiuid der arabischen uinerierung

die Ileilienfulge und Anordnung der Abschriften, so wie sie

im XVI. Jahrhundert aufgesteill worcleii war, wiederherzustellen.

Die Btieher wurden sodann fest eingebunden, und genaue Inhaltsverzciclinisse

angefertigt,. Mit einer gewissen Befriedigung koiint'

lianiner in einem Schreiheil an den Justizminister '15. September

sagen : Wir haben die Copialhäuide, welche sieli zum Teil

in eilieln ihrem \Verte nicht angemessenen Zustande befanden, neu

einbinden und genaue Register darüber anfertigen lassen.

Ain 27. Juni 1838 war das Archiv in den Besitz aller Bünde

bis znuui XVI. Jahrhundert gelangt ; auf die späteren Jahrhunderte

hatte es bereits vorher verzichtet.


KAPITEL 11.

Die Geschichte der brandenburgischen Kanzlei.

A. Der Ursprung der Kanzlei.

Durch dcii am 18. Januar' 14 11 erfolgteii Tod des Markgrafen

.Jobst von Mähren war König Sigismnud wieder Herr der Mark

Brandenburg geworden. Das Reich nahm aber seine Thätigkeit ZU

sehr iii Afls1)1uc11, als (lass er daran denken koiiiit.e, die Verwaltung

des brandenbitigischen Landes selbst zu übernehmen. Er

musste sich daher entschliessen, eineit Vertreter dorthin zu sehiekeii.

Aui 8. Juli desselben Jalnies 2 ernannte er seinen treuen, eigeheiieii

Freund, dcii Burggrafen Friedtieh VI. von Nürnberg zum obersten

Hauptmann und Verweser der Mark Brandenburg und übertrug ihm

die inarkgräfliclie Gewalt, in ihrem ganzen Umrunge bis auf die

Ausübung der Kui

Doch fast ein Jalii verging, ehe der Burg graf von dem seijici

Fürsorge anvertrauten Land(- Besitz eigreifen konnte ; dringende

Geschäfte, die er im Interesse des Königs Sigisinuiitl zu erledigen

hatte, hielten ihn von Brandenburg fern. Erst. im .Juni des folgendcii

.ia]ires (1 1t1 2) zog er in die Mark ein, UI 11 die Zügel der

Regierung in die Hand zu nehmen und sich von den Stünden der

Mark den Eid der Treue schwören zu lassen. Die erste Stadt,

Heidemann. Die Mark Brandenburg unter Jobst von Mährön. Berlin 1881. S. 207.

2 Riedel B. Bd. III S. 178.

3


- 34 -

die ihm huldigte, war Berlin, das bereits damals einen überwiegenden

Einfluss im Lande ausübte.

Zu den ebenso wichtigen wie notwendigen Aufgaben, die mit

der Uebernahine der Regierung dem neuen llemi der Mark zu-

(ielen, gehörte die Neuorganisation und Neubelebung der inneren

Verwaltung, deiiu die zweiiiiidzwanzigjälirig(" Misregieiung Jobsts

hatte (las Land einer Krisis entgegengeführt, die mit der inneren

Auflösung des Staatswesens zu enden schien . l)er Ilohicuzoller

Friedrich war der Maiiii, solche Xufgabeii zu lösen ; er besass (Ije

für einen P[tisten wichtigsten Eigenschaften, massvolle Einsicht und

eiserne Energie. Wenn seine Hegieiung der Mark nicht die Resultate

geboten hat, die voti einem so klugen und thatkrüftigeii Herrschier

zu erwarten und itii Interesse des Landes zu wUns('hen waren,

so sind die Gründe liieifür in den politischen Verhältnisseil der Zeit

zu suchen, die ausserhalb dieser Betrac.litiiiig liegen. Erst seinem

Sohne Friedrich 11. war es vergönnt, die-Mark zu eiiieiii einheitlichen

Staatswesen zu gestalten titul sie im innern wie nach Aussen

anl eine gesicherte Grundlage, zu stellen.

Die folgende Untersuchung soll ein Bild des biandeiibtugischieii

Kanzleiwesens in dcii ersten sechzig Jahren der ltohienzollersclieii

herrschaft entwerfen. Freilich wird sie nur einen Zweig der fürstliehen

Verwaltung in seiner fortschreitenden Ent\vickl u ug vorführen,

aber indem sie die bei der Bildung und \Veitergestaltiiiig der Kanzlei

hervortretenden Momente darlegt, wird sie vielleicht auch (las Verstuiidnis

der in dieser Zeit in der Mark allgemein durchigeffilirleu Oigaiiisatiuii

iii mancher Hinsicht fördern. Möge die Arbeit, als ein Beitrag

zur Geschichte der brandenburgischen Verwaltung in den ersten Jahimzel

imitemi der hohenzohherschen Herrschaft, für die Erforschung der

inirkiseIien Geschichte in dieser Zeit iiichit ganz ohne Nutzen sein

1 Für die äussere Geschichte der Mark Brandenburg, auf die wir hier nicht näher

eingehen Können, sind für die ganze in dieser Arbeit behandelten Periode zu vergleichen:

Droysen, Geschichte der Preussischen Politik Leipzig 186 ff. 1. und II. 1. und Banke,

Zwölf Bücher Preussischer Geschichte. Leipzig 1871 Band 1; iii den sämtlichen

'Werken Band XXV. Für die Regierung Friedrichs 1. kommen noch besonders die

Werke von Riedel in Betracht: Geschichte des Preussischen Königshauses, Berlin 1861,

Teil 2 und Zehn Jahre aus der Geschichte der Ahnherren des Preussischen Kön igshauses,

Berlin 1851, von denen das letztere nur die Zeit bis 1420 umfasst.

2 Heidemann a. a. 0. S. 2.


- 35 -

Bevor in die Erörterung des Ursprungs der neuen brandenhurgischeu

Kanzlei eingetreten werden kann, ist eine Frage, welche

die vorliolienzollersche Kanzlei Jobsts betrifft, zu berühren, die für

die weiteren Darlegungen von Wert sein wird. Es ist wichtig zu

erfahren, oh das brandenburgische Land unter Jobst eine eigene,

von der inährischen Hauptkanzlei völlig getrennte Kanzleiverwaltung,

die in der Mark selbst ihren Sitz hatte, besessen hat. Leider ist

die Kanzlei Jobsts einer Behandlung noch nicht unterzogen worden,

und da es uns zu weit führen würde, wenn wir diese Frage hier iiacli

allen Seiten erschöpfend besprechen wollten, so werden wir nur

einige wichtige Punkte herausgreifen können, die aber unseres

Erachtens für die Beantwortung derselben genügen.

in den Kanizleiverrnerken unter den hrandenbnrgischien Urkunden

Jobsts wird seit dem Anfang des XV. Jahrhunderts Joliaiiii

von \Valclow, ciii märkischer Edelmarin, öfter als [Jriterfertiger genainnt.

Dass er nicht Mitglied der inälirischeri Kanzlei gewesen

sein kann, geht daraus hervor, dass er in den gleichzeitigen, für

Mähren ausgestellten Urkunden nicht auftritt und nirgends als

Protonotarins bezeichnet wird, vhlirerid die Beamten der niälirisehen

Hauptkanzlei zumeist diesen Titel führen. Dazu kommt, dass

er am mährischen Hofe Jobsts kaum längere Zeit hindurch nachweisbar

ist, dass wir Ann. Ann. dagegen in der Mark oft auch. zu Zeiten

begegnen, wo der Markgraf ausserhalb des blandenburgischeii

Landes weilte. 1 Waldow lebte offenbar in der Mark, wie dies

unter anderem aus dein liestallungsschre.ihen Jol)Sts für Caspar Gans

zum Vogt der Altmark ans dein Jahre 1 O92 hervorgeht, in dem

der Fürst dieseni die Vollmacht giebt, gewisse flecht.e in seiner

Abwesenheit ohne seine besondere Genehmigung zu verleihen,

doch immer nur «mit wissenschaft her Johannes von Wahiiow

unsers laiidtsehreiher.

Wenn aber Waldow Kanzleibeamter .Jobsts war, jedoch als

solcher nur in brandenburgischen Urkunden zu finden, und sein

Wirkungskreis allein in der Mark nachzuweisen ist, so ist hieraus

1 Fidlicin, Historisch-diplomatische Beiträge zur Geschichte der Stadt Berlin, daselbst.

1837-42. Bd. IV S. 55. Riedel S.-Bd. S. 258. 265.

2 Eiedel A. Bd. XVI S. 38.


- 36

mit grosser Wahrscheinlichkeit der Schluss zu ziehen, dass er einer

brandenburgischen Kanzlei Jol)sts, die in der Mark bestand, angehört

hat. Hierfür spricht, auch der Umstand, dass ihm in der

bereits oben angeführten Urkunde für (aspar Gans das Prädikat

Landsehreiber beigelegt wird, das in den Jahren 1381-86 der

Probst Ortwin von Berlin, der höchste Beamte der brandenburgischen

Kanzlei in dieser Zeit, in den Urkunden führte.' Als Hesultat. dieser

Betrachtung ergiebt sieh also, dass die Ma,'k Iiandenburq in.

(len letzten Jahren der •Jobstschen Ilegierung höchst wahr-

.c/(ein heu etne eigene, in. der Ma.r/.seIbst befindliche Kanzlei

gehabt haben muss.

Wie stellte sich iinn der Burggraf Friedrich, als er die Verwaltung

übernahrn, zu dieser Kanzlei ?

Als Friedrich im •Jahre 1412 in die Mark einzog, war er, wie

wir wissen, von einer stattlichen Sehaar friiiiIiisolier Mannen begleitet,

unter welcher sich auch ohne Zweifel jener Ortel von

Zehmen befunden haben wird, dem der Buiggraf schont im nächsten

Jahre (1413 einige Lehnsstückc auf märkischent Boden verlieh.-'

Oitel, der später Leiter der hraiidenbuigischen Kanzlei wurde, war

vermutlich bereits in der fränkischen als Beamter tlittig gewesell.5

Was lag für dcii Fürsten näher, als ihm die Erledigung der

kanzleigeschfte in dein Lande zu übertragen?

Ulli so bemerkenswerter ist es, dass wir zuerst nichts von Ortel

hören, sondern (lass wir als dcii ersten Kanzleibeamten, der uns

unter Friedrich in Brandenburg begegnet, denselben Johann von

Waldow wiederfinden ‚ den wir bereits als Leiter der Kanzlei

unter .Jobst kennen gelernt haben, und der seit n1010 Probst von

Berlin war, In zwei Urkunden Friedrichs für die Mark aus dein

.Jahre 1412 wird er in Vermerken unter dem Texte der Urkunde

1 Stölzel a. a. O. Bd. 1 S. 511.

2 Riedel A. Bd, X S. 494.

3 Vgl. S. 42.

Die Identität des Probstes Johann von Waldow mit dem Kanzleileiter Jobsts beweinen

die Urkunden: Riedel S-Bd. S. 258 und 267. Es ist besonders darauf aufmerksam

zu machen weil unter Friedrich auch noch ein anderer Johann vosi Waldow, ein Bruder

des Probstes, auftritt, vgl. S. 41.

Engelbert Wusterwitz, Märkische Chronik nach Angelus und Hafftiz, herausg. von

J. Heidemann. Berlin 1878. S. 82 Anm. 3

I. w.


- -

als Unterfertiger bezeichnet. Unter beiden 1 heisst es: Ad mandatum

durnini Burggravii Johannes de \Valdow prepositus Berbnensis.

Mit grossem Bedacht hat Friedrich hei der LTebernalime der

Mark ati der Spitze dci' Kanzlei denselben Beamten gelassen, der

ihr unter Jobst vorgestanden hatte. Er war klug genug, nicht

suglei cli einen seuier fräi ikiselien Begleiter in die höchste Stelle

der Kanzleiverwaltung liirieiiiziu1räiigen, denn es musste ihin daran

gelogen sein, die F'reundebafL, eines so einflussreichen Mannes wie

Johann von \Valdow, zu gewinimen und das Gefühl der Misgunst

gegen die fränkischen Getreuen ‚ die mit ihuit gekommen wareui,

iiicht aufkoiiimeii zu lassen.

Schon dass WaldLrw, der Piuljst von Berlin ‚ iii d er neuen

Kanzlei verblieb, spricht dafür, dass Friedrich für die brandenburgischen

Angelegenheiten eine besondere Kanzlei, die ihren Sitz in

der Mark halte, bestelieti liess. An sich mag der Gedanke nicht fern

liegeim, dass dci' Fürst, besonders wo er sieht immer nur vorübergehend

iii dem Lande aufhielt, eine ständige Kanzlei hier nicht

beibehielt, sonden dass er die für Brandenburg nötigen Kanzleigeschäfte

seiner fräiikisehieui ldnZlei zur Erledigung überwies. Man

müsste denit aiiuielruiieui, dass die Mark erst iiii .Jahre 1 426, als sie

in Johiai iii eilen eigenen herrscher erhielt, der auf märkischern

Bodeit seine Residenz aufsehltig und von iliuii aus die Verwaltung

der Mark beständig leitete, seine eigene Kanzlei wieder bekommen

hat. Doch hiergegen sind unatiehe Momente anzuführen, die wohl

kauiii bezweifelui lassen, (lass es dein hraiidenl urgisehen Lande

auch unter dcii Hohenzollern zuerst nicht an einer besonderen,

von der frätikiselien örtlich getrennten Kanzleiverwaltung gefehlt

huabeit kaut u. Dein sobald Friedrich die Mark auf längere Zeit

verliess, wie iii den Jahren 1414, 1416, 1 120 u. s. w., setzte er

für (hie Dauer seiner Abwesenheit eine Statilialterseliaft ein, 2 die

die 1egieruuig \veiterztlführefl hatte. Da nun die Vertreter des Fürsten

1 a. Riedel S-Bd. 5.271. BerI, Urkdb, S. 328. Bei Küster taltes und neues Berlin»,

Berlin 1737-63. Bd. 1 S. 37 irrtümlich Johannes de Ebaldals (statt raldow) gedruckt.

b. Original 28. Octoher 1412. Karthiiuscr Kloster (St. A.); die Urkunde ist zwar

auch bei Riedel A. Bd. XX 8 12 zu finden, jedoch ohne den Unterfertigungsvermerk,

der in B.'s Vorlage, de Copialbuche m des Karthiiuser Klosters, vermutlich gefehlt hat.

2 Vgl. Riedel, Gesch. des Preuss. Königshauses Bd. II S. 213. 307. 372 u. s. w.

wu


38 -

in dieser Zeit auch Regierungshandlungen vornahmen, die sie in

urkundlich ausgestellten Schriftstücken bezeugen liessen, 1 so muss

ihnen eine märkische Kanzlei zur Verfügung gestanden haben, (110

die schriftlichen Arbeiten besorgte, d. Ii. es muss auch in der

Abwesenheit Friedrichs in der Mark eine fürstliche Kanzlei gegeben

haben.

Ferner ist iii einem nicht unwichtigen Punkte vielfach ein

Unterschied zwischen den aus der fränkischen und brandenburgischen

Kanzlei jil dieser Zeit hervorgehenden Urkunden zu bemerken,

wodurch das Bestehen einer besonderen märkischen Kanzlei am

klarsten bewiesen wird. Während die fränkischen fast nie Unterfertigungsverinerke

zeigen, so sind diese auf den hraIl4Ierlbilrgischeii

Diplonien häufiger zu finden. 3 Hicrin tritt der Einfluss der

alten Kanzlei Jobsts auf die neue holienzollersohe, deutlich hervor.

In der fränkischen war die Sitte, solche Vermerke hinzuzufügeni,

nicht eingeführt, dagegen ist sie auf den braudeuhurgischen Urkunden,

die von Johst ausgestellt sind, schon lange vor dem hohenzollersehen

Regiment naelizuweiseii.

Die Mark flraudenbuvg halte also auch unter dci, Jloheazollei'n

von Anfang an ihre eigene Kanzleiverwaltung und es

ist, wie wir scheu, nicht allein iii der Person des Kaiizleileiteis,

sondern auch in einem wichtigen Kai izleihrauehe die (oiitinuität

zwischen der alten Jobstscheu und der neuen hohenzollerselien Kanzlei

zuerkennen. Aber dem gegenüber ist liervorzu.heben, dass im Uebrigeii,

besonders im inneren Dienste vorzugsweise die fränkische Kanzlei

als Vorbild gedient zu haben scheint. Die Ordnung des Geschäftsgariges,

die Anlage der liegisterbüeher, 1 die.ufhewahruiig der einlaufende"

Actenstücke u. s. w. wurde nach denselben Prinzipien

geregelt, die wir in der fränkischen Kanzlei finden.

So stellt sich zwar äusserlich die hohenzollersche Kanzlei in

1 Z. B. Riedel A. Bd. IX S. 100, 101, A. Bd. XII S. 429 u. s. w.

2 Vgl. Monumenta Zollerana, herausgegeben von Stillfried und Märeker. Berlin

185-6Eh Bcl. VI—Vil; Bd. Viii herausgegeben von Grossmann und Scheins. Berlin 1890.

Vgl. Anhang 1, S. 139 ff.

4 Vgl. S. 27 u. a.


- -

Brandenburg als Fortsetzung der früheren .Johstschen dar, während

sie im Wesentlichen vielmehr als eine Bildung nach früiikischem

Muster anzusehen ist.

B. Die Kanzlei unter Friedrich 1. (1412-1426).

l)ie Nachric1itei ‚ die wir über die Beani t cii der 1 naudenburgischen

Kanzlei besitzen, sind besonders bis zur Zeit Friedrichs II.

äusserst dürftig. Aus dciii Dunkel, in das alle die Verllältr]isse gehüllt.

sind, die sich auf die Zusammensetzun g der Kanzlei, die

Stellung und die Tliätigkeit ihrer Beamten beziehen, treten hin

und wieder die Gestalten weniger besonders einflussreiclier Manner

hervor. Aber was wir über sie erfaliien ‚ ist nicht geeignet, uns

von ihrer Wirksamkeit iii der Kanzlei ein klares Bild zu gehen.

Dieser Maiigel unserer Kenntnis, der sieh in den ersten Jahren

der lileiizü11ei'se11en Herrschaft aun stiirksteu offenbart, ist zum

Teil aus (1cm Fehlen des ausreichenden Quellenniatcrials zu erldüreii

. Ui-ich anderseits meine ich, (lass, wie in dcii eizähleiideii

(iescliielitsquelleui zuverhissige Nachrichten da am wenigsten zu fijideut

sein werden, wo schwankende Verhältnisse die Uel.erliefeiuug (ischweren,

auch hier unsere Unkenntnis zu einmn ge\visseil 'l'eile

als eine Folge der noch iiiclit abgeschlossenen Kanzleiorganisation,

iles noch fehlenden, festen Beanitenorganismilits zu betrachten ist.

Seliomi unter .Johann, besonders aber zur Zeit Friedrichs t 1., unter

dciii die Kanzlei zur festen, inneren Ausbildung kam ‚ \verden die

\T trimltnisse ilurchsielitiger und gewülireim leichter einen Einblick

iii die Stellung der Beamten und ihren Dienst in diesem Zweig e

der hioheiizollerschien Verwaltu Fig.

Die einzigen bramidenburgisc]ien Kanzleiheamiiten» von (Ionen

1 1-leffter zählt in dem Register zu Riedels (odex noch 3 andere unter den brandenburgisehen

Kanzleibeamten auf. Jacob Krebe, Johann ilockel und Friedrich Pflanze.

Was Heffter veranlasst hat, die beiden ersten, die ausdrücklich als markgräfliche Capeilaiie

bezeichnet werden, unter die Beamten der Kanzlei zu rechnen, ist nicht ersichtlich.

Denn dass die Capellane als solche im XV. Jahrhundert nichts mehr mit der Kanzlei

zu thun hatten, steht wohl im allgemeinen fest.. Der dritte unter ihnen, Friedrich Pflanze,

der überhaupt nur einmal in den brandenb. Urkunden auftritt und dort prothonotariuso


wir bis 1 LQ6 huren, sind Johann von \\'aldow, Ortel von Zelimen

Lind Nicolaus Amman. Dass sie von den in dor Kanzlei Bescliüftigteii

allein genannt werden, und (lass sie zu den eiiitlussremeheii

Hiteii am link Fril i »ichs gehören, heweist, dass in ihnen holme

Beamte, sehr walirsclieiiilicti die zeitweiligen Leit t r der Kanzlei zi 1

sehen sind.

Frietli »icli kamiiite Iohann von lVafdou', ehe ei » in die Mark kaiii

lii einer Urkunde, die der Burggraf mi August 1 1 11 in Prag für

di c Maiisioiiai'ieii zu Lebus ausstellte, 1 erscheint \Valdow, dem » Probst

von Berlin,‚ als Zeuge. So wird es begreiflicher, dass Friedrich,

als er die Veiwalhing (her Markgrafschaft Übernahm, jenem die

Leitung der Kanzlei, die ei' bereits unter lobst gehabt hatte, auch

flii' seine Regierti lig i IJerliess. Seinem neuen Herrn treu ergeben,

stand \Valdow diesen-t in dcii beiden schweren Jahren 14 12—t 41 .'i

die ‚jener iii der Mark zuhrachte ‚ als Ratgeber zur Seite. Ball

knüpfte sieh zwischen Beiden ciii oiigeres Verhältnis. Als Friedrich

ii ii Sommer 1 ,114 (las brandenburgische Land verlassen musste,

war Jolmanii in seiner Begleitung. Er zog mit ihm auf den Landfi

»iedeiistag na(-li Nl iiriil)PPg 5 und folgte ihm auch auf das Coiicil

nach Constaiiz. Hier nahin er an den \erhandlungii gegen iluss

cii, in die er insofern selbst hineingezogenwurde, als er unl.

den Di 1)utieIteiI war, die i in Auftrag„ des Concils geschickt wurden,

uni Ihiss zum Widerruf seiner als irrig und ketzerisch befundenen

Atisieliten zu bewegen.

Als Fried rieb v ii dein Coneile ‚ auf dciii er zum Markgrafen

der K in- Ihianden] urg und Erzkämmerer des Reiches erhoben worden

genannt wird, ist, wie man aus dieser Urkunde ersieht, zugleich Chorherr des Bistums

zu Eichstädt (iii Franketij. Da ausserdem die Urkunde in Constanz ausgestellt ist, so

liegt die Vermutung sehr nahe, dass Pflanze der fränkischen Kanzlei Friedrichs als

Protoinitar angehört haben wird. Hierfür spricht auch die Mission, mit der der Kurfürst

ihn ins Juli 1422 betraut, mit dem 1ate der Stadt Nürnberg wegen des daselbst

abzuhaltenden Reichstages zu verhandeln. (Deutsche Reichstagsakten unter Kaiser Sigismund,

herausgegeben von Dietrich Kerlei, Gotha 1883, Rd. Viii S. iO).

1 Monum. Zollerana Bd. Vii 8. 12. Raumer Bd. 1 S. 131.

Riedel, Zehn Jahre S. 189. Gesch. des Preuss. Königshauses. Bd. II S. 213.

Kostenaufstellung der Stadt Nürnberg in deutschen Reichstagsakteii. Bd. Vii.

München 1878. 8. 219, 220.

v. cl. Hardt: Magnum coitciliurn Constantiense Frankfurt u. Leipzig 1700-1702.

Bd. IV. S. 34, 430.


4

in das

war, Oktober 141 das brandenburgische Land zurückkehrte, waren

die :närkisclieii Stünde zum festlichen Empfang in Berlin versariiinelt.

Nachideni die Vorlesun g der Urkunde, in der die erbliche Uebertragung

der Kur- und Eizkänimererwürden verbrieft stand, beendigt

liess ihnen Friedrieh durch Johann die Foiiiiel für hie zu

leisteiu]e Erbhuldigiuig vorsprechen. 1 Hier bei diesem Acte treten

die Beziehungen Waiduws zum Markgrafen uns zum letzten Male

deutlich vor Augen. Nicht lange darauf müssen sie gelöst worden

sein, denn von nun au ersc!ieiiit seine Person nicht mehr unter

den Räten uni inurkgiallieliön 11ofl, sein Name wird in den Urkunden

li'riediiclis kaum iio(-li erwalint, während sein gleichnamiger

Bruder, der auf Betreiben des Fürsten nach henning von Bredows

Tode Bischof von Braiidenbiirg geworden war 2 und Später zum

Bischof von Lel iris ernannt wi 1 rde ‚ zu immer grösseren Einfluss

gelangte. Iiiie Erklärung für die au llalleiide Erscheinung, dass der

Probst \Vakluw seit 1 15 ganz iii den Hintergrund tritt, ist liiit

ileni von uns heiititztun Material nicht zu gewinnen ‚ es fehlt

so weit ich sehe, jede Notiz, die einen Aiihaltspuukt für eine

auch nur mit einiger Sicherheit aufzustellende Vermutun g bietet.

Die Frage, oh Johann sich erst (lanials in Folge seiner verteil

Stellung uni Hofe von der Kanzleileitun g zurückzog, oder

ob er sie bereits früher niedergelegt hatte, ist ebensoweni g zu

entscheidein

A!5 1423 sein Bruder, der Bischof von Lebtis ‚ starb, wtu'ile

er zu dessen Nachifolgur bestimmt. Aber nur ganz kurze Zeit war

es ihm vergönnt, die Leitung dieses Bistititis ‚ zu dessen Arcliidiaconen

er , bereits seit 14 15 gehörte ‚ in seinen Hiiiuileui zu halten,

noch im .1 a] Ire HNt ereilte ihn der ri

(frtel to Ze/meii ‚ der naoh Johann vorn Wahlow die Führung

der kaiizleigeschiäfle übernüiiumueir zu haben scheint, wird in einer

Wusterwitz a a. 0. S. 102.

Die Magdebi.mrgei Schöppenchronik, herausgegeben von Janicke in Chroniken

der deulschen Städte vorn XIV. bis ins XVI. Jahrhundert. Bd. VII. Leipzig 18hi9.

5. 34 1.

v. d. llardt a. a. 0. Bd. 1V 5. 375. 410.

4 Wohlbriick Geschichte des ehemaligen Bisthums Lebus und des Landes dieses

Namens Berlin 1529-32 Bd. II S. 137 Anmerkung.


- 4 -

Urkunde Friedrichs aus dein Anfange des Jahres 1416 1 «Schreiber»

genannt und somit an dieser Stelle seine Zugehörigkeit zur brandenhurgiseheii

Kanzlei zum ersten Male verbürgt. 2 Doc1 ich halte es

nicht für ausgeschlossen, dass er bereits vorher unter \Valdow in

der Kanzlei t hätig war, jedenfalls stand er dem Kanzleidienste, wie

ich glaube, nicht als Neuling gegenüber. Denn obgleich wir für

den Uebertrit.t eitles fränkiselicit Kanzleibeamten in die brandeneirgische

Verwaltung kein Zeugnis haben, so möchte ich doch annehmen,

dass Ortel schon in der fruikischen Kanzlei lteschiiftigt

gewesen war. Wenn ihn Friedrich gleich hei den ersten Verleihungen,

die er auf brandenburgischeuii Boden vornimmt, für «merckliclio

diiiste ‚ die uns unszer liehir getrnwer Ortel von Czeunyn

inanichvaldiclich gethaui hat und kiinftirklichen thun sal und ringe»

mit einem Leben bedenkt, so können mit den mannigfachen und

wesentlichieii Diensten, die der Biirggraf iiuu Jahre 14 [3 helohnen

will, vorzugsweise nur fräiikisclie gemeint sein. Diese

aber, über die wir aus den friiikisclieii Quellen tuiehits näheres erfahren,

in der Kanzlei zu suchen, fluidet seine l3erechitigu tig darin,

dass Ortel später in die hraudeiuluurgischie Kanzlei als Beatriter eintritt,

und dass bei unserer EJiikeniituis der fiäiikisehieii Kanzleiv€iliLiItnise

iii diest'i Zeit, die int Folge der äusserst seltenen

rnteiftrtigungsvetu uieike unter jenen Urkunden ist, gerade der Naitie

eines Mitgliedes dieses Verwaltungszweiges am aller ersten unbekannt.

bleihen konnte. Aus ilkuii fTtnstan tlo ‚ dass ( )rtel vorher in

fränkischen Diensten gestandeu hat, ist aber noch nicht in it Isaacsuhiii

3 zu folgern, dass er fi'.bi/tischer Ritter war. Die Fauuuilie

von Zehiruen ‚ die zum ineissnisehieui Uradel gellürend ‚ sci» ii im

Anfang des XIII. Jahrhunderts urkuiid1ici erwähnt wird, uleluite

1 Riedel A. Bd. X S, 473. Aus der Bezeichnung«Schreiber> ist, wie wir noch

zeigen werden, auf die Art der Stellung, die er in der Kanzlei einnahm, ein Schluss

nicht zu ziehen; doch dass er, wie Waldow, der höchste Beamte der Kanzlei war, dünkt

UIIS aus andern Gründen sehr wahrscheinlich.

2 Wenn Isaacsohn a. a. , 0. Bd. 1 S. 21 glaubt, es dahingestellt lassen 711 zu müssen,

ob Ortel nicht nur als Privatsekretär Friedrichs zu betrachten ist, so ist er in diesem

Punkte meines Erachtens zu ängstlich. Ortel war ohne Zweifel Kanzleibeamter. Einmal

ist der Titel Schreiher eine für die Mitglieder der Kanzlei sehr gebräuchlich Bezeichnung,

dann aber hören wir weder in den kurz vorhergehenden noch folgenden Jahren

des in Fage kommenden Zeitraums von Privatsekretären der Hohenzollern.

Isaacsohn a. a. 0. Bd. I. S. 21.


- -

sieh vorzugsweise über Sachsen und \Vestpreiisson aus; von einer

Festsetzung in Franken wird nirgends l)erielltet.

Ortel muss zu den einflussreichen Persönlidikeiteii am markgräflichen

Hofe gehört haben. Dass er das volle Vertrauen seines

Fürsten besass, beweist seine Wahl unter die 1-täte, die Fiiodriehi

hei seinem Abzuge aus der Mark 1416 dem Hauptmann Hans von

Biberstein für die Leitung der Regierung wilircnd seiner A 1 weseiiheit

beioidnete. 2 Als eine Erhöhung Ortels ist auch ohne Zweifel

seine Ernennung zum Küehienmeister aufzufassen, die nach Isaa'sohn

in das Jahr 141 zu setzen ist.. Daiiials stand eben der Küchenmeister

ini Bange noch über dorn Kanzleileiter. Dass Ortel von

in der

Zehmimen mit der Berufung zum netten Aunte seine Stellung der

Kanzlei aufgab, ist wohl ohne Weiteres anzunehmen. Er kann also

nur kurze Zeit an der Spitze derselben gestanden haben, tind es ist

daher sein hegreifi ich, dass wir keine aus der k urfürstlichiemi Kauzhei

hervorgegangene Urkunde gefunden haben, unter der er als

unterfertigender Beamter auftritt. Seine weitere Laufbahn z(,igt,

dass er seine guten Beziehungen zu denn brandenburgischen Hofe

auch unter der Regierung der Söhne des Kurfürsten, unter Johann

und Friedrich, aufrecht zit erhalten gewusst hat. Johann hisst es

nicht an Beweisen seines Wohlwollens fftr tJrtel fehilein. Unter

Friedrich erscheint er 14:38 als Vogt und Auitnianii in der Altiiiarh

und schon 14 111 als Hofrichter in demselben Gebiete,1

Der dritte der Kanzleibeammmten, (leni wir in dieser Zeit kennen

lernen, Nicolaus ii nuna ii, hat als Leiter der brandenburgischen

Kanzlei eine bedeutende Wirksamkeit kaum entfaltet. In seiner

Eigeiisehaft als Mitglied der brandeiiburgisehien Kanzleiverwaltu ing

unterfertigt er die im Februar l 4 1 für die Kapelle in Gardelegen

Ueber die Familie von Zehmen vgl, ausser dem Artikel in Ledeburs Adeislexicon

der Preussischen Monarchie. Berlin 1854-57. Rd. Iii S. 161 zwei besondere Aufs(tze

a) lt von Flariss Die von Zehmen in Westpreussen> in Zeitschrift des histor. Vereins

fttr Marienwerder Heft X. 1884. b) Chr. Schanze Standrede u. s. w. riebst genealog.

Nachrichten und Wappenzeichen der Familie von Zehmen. Meissen 1832.

2 Tiiedel Zehn Jahre S. 278, Geschichte des Preuss, Königshauses. Bd. 2. S. 307.

2 Isaacsohn a. a. 0. Bd. 1 S. 25.

Riedel A. Bd. VI S. 477. Bd. XV S. 238 u. s. w.

5 Riedel A. Bd. 1 S. 185. Bd. XVI S. 64. Bd. VI S. 501.

6 Riedel A. Bd. X S. 274.


- -

ausgestellte Urkunde.' Zwar heisst es in dciii \ermerke nur : dc

ii tandato douiiiii N icolaus, (loch (1t ein anderer anderer Kanzleibeamter mit.

dem Vornaiiie Nicolatis in diesen Jahren nicht genannt wird,

und der Fall nicht selten vorkommt, dass iii dcii Kanzleiuotizeii

unter der Urkuiide nur die Vornamen der betreffenden Häte oder

Beamte angegeben sind, so ist wohl ohne Bedenken dieser Vermerk

auf Amman zu bezieheii. Als Schreiber wird er in einer kurfürstliehen

Urkunde, aus dem Jahre 1 4 hezeieliiiet, in demselben 2 Jahre

ordnet ei die Seliuldangelegenl ieiten zwischen seinem Herrn und

hasse von l3redov iiiiil bezahlt diesem mi Auftrage des Markgrafen

eineii Teil der Summe, die ilun der Huf schuldet.3

Als .InI taun 1 1-26 Begent iii dcii brandenburgischen Landen wurde,

sein 'iiit Am mami ans dein brandenburgischen. Kanzleidienst geschieden

und in den frünkiselien übergetreten zu sein. Gegen Ende des

Jahres lindeii wir iiiii bereits fein voin brandenburgischen Hofe in

der Uingel ing Fricd rielis, der von nun an gar nicht mehr in die

Mark kam, sondern in Frankeim allein residierte. mi August 1426

saiidte iiiiilicli der damalige Probst Voll BeiIiii Sie gfried Sack ((den

Erl erii ]lern Nicolau Ainpman unil .1 ohann Gaucelk'iii und Seliriverm i

einen Brief, in dem er sie bittet in der Streitsache zwischen iliimi

ii mmd dein Biseliofe v um Brandenburg zu seinen Giinsfeii 1 ci dein

Kn pfürstei i (Anzutreten und diesem i zu veraulasscmi ‚ dass er dciii

Markgralen .Jolianii und auch dem Biselmufe in dieser Angelegenheit

schreiben liesse e (las - SO schreibt der Probst -- der Bischof vorimeine,

das ich oiich linliTe und rat habe bev mnymmern gnemligemi bern »

Dieser Zusamnmeiiliaiig hisst. keinen Zweifel, dass Amman damals

bereits die Mark \erlasseli halte und am 1-Tote Friedrichs lebte.

liii Jahre 1 't3 ist er noch im fränkischen Kanzicidienst(,. nachweis-

1 Riedel A. Bd. VI S. 115,

2 Riedel A. Bd. III S. 421.

Riedel A. Bd. VII S. 15.

4 I. K. 10 A H. A.) Dass dieser Johann mit dem späteren brandenburgischen

Kanzleivorsteher Johann Sommer identisch ist, halte ich für sehr wahrscheinlich. Die

Bezeichnung Cance1ler', die auf beide geht, bedeutet hier nur soviel als Kanzleibeamte.

Sack, der, wie aus dem Briefe zu ersehen ist, freundschaftliche Beziehungen zu

Amman hatte -er nennt ihn in der Adresse seinen lieben guten Freund - war sicherlieb

über dessen Verhältnisse gut orientiert und ist deshalb als zuverlässiger Gewährsmann

zu betrachten,


- -

bar. in einer Urkunde Fiied Mells aus diesem Jahre, lIl der er

eiiie in der Pfarrkirche zu Uffenheim gestiftete ewige Messe hesttigt,

wird unter denlnterVeUieHteI1 auch der Ersane....N icelaus

Ajiimon unser Schreiber aufgeführt.' Vorher im Jahre 1439

war er, wie wir erfahren, mit Hans von Sparneek vorn Kurfürsten

nach dein Rheine entsendet worden, um in den Streitigkeiten wit

Lüttich und Cöln Zeugen gegen die Cölnor Kaufleute aufzutreiben

Sie scheinen aber in ihren Ermitteluuigen nicht sehr gluick 1 ich gewesen

zu sein- l>

A in man war wohl ebenso, wie Johann voll \Vakl iw Geistlieber,

denn (las Prädikat Erbar bez. Ersam, das (EI' ii) den Ui'kunden

führt., wurde in der legel nur vor den Namen von Augehörigeui

des geistlichen Standes gesetzt. Anders steht es mit Orte!

von Zeliinen. Dass er Laie war, kann keinem Zweifel unterliegen,

denn im Jahre i lt -2 i belehnt der Markgraf Johann seine Ehefrau

mit Hebun gen in Storkuw. Diese rFIiat,sacIle ist für die Beurteilung

der Persönlichkeit Friedrichs iuicld. unwichtig. Mit. Reclt 1 iat man

immer auf die streng kirchliche Gesinnung Friedrichs (111(1 seine

grosse Verehrung für alles, was kirchlich hiess, hingewiesen und

sehr treffend ist. bemerkt worden, dass diese Verehuriu Fig des Fürst cii

in ganz anderem Masse, als heutzutage alle öffentlichen Verhältnisse

durehzog.i Um so mehr ist daher hervorzuheben, dass Friedrich

trotz seiner Vorliebe für den geistlichen Stand in Orte! von

Zehunien einen Laien au die Spitze der Kanzlei stellte, iiachitlein er

dessen Treue und Befähigung für dieses Amt erkannt hatte.

In den drei Persönlichkeiten, denen wir indiesent Abschnitt

niher getreten sind, haben wir die Leiter (101' Kanzlei in dieser

Periode kennen gelernt. Doch wenn es gelingen sollte, ein wirk-

Georgii Uffenheimische Neben-Stunden &hwabach 1440-54 Bd. II S. 17, vgl. über

ihn und sein Geschlecht: Würfel, Historische generalogische und diplomatische Nachrichten

zur Erläuterung der Nürnbergischen Stadt- und Adelsgeschichte Nürnberg 1766

Bd 1 S. 256 ff.

2 Minutoli : Friedrich 1. Kurfürst von Brandenburg und Memorabilia aus dem

Leben der Markgrafen von Brandenburg, Berlin 1850. Bd. 1 5. 228.

Riedel A. Bd. VI S. 477.

4 Stölzel a. a. 0. Bd. 1. S. 58.


- 4; -

liebes Bild der Organisation dieses Ressorts, eine Vorstellung seines

Verhältnisses zu (1cm inarkgräflicheii Hofe und den anderen Zweigen

der Verwaltung zu geheii, SO wäre es iiunniehr notwendig, auf die

r1IIätigkeit und die Stellung der hrigen Beamten näher einzugehen.

1)och vergebens \värderi wir uns bemühen, hierüber näheres zu

erfahren. Nirgends findet, sich eine Notiz, die über (liese Punkte,

oder selbst nur filier die Namen der weiteren Mitglieder der Kanzlei,

Kunde gäbe. Nicht einmal dafür ist iii dcii Urkunden ciii Hin-

-Weis zu entdecken, (lass iioch andere Personen ausser dcii Vorstelierii

in (1er Verwaltung beschäftigt waren. Aber die Notwendigkeit

dieser Annahine liegt bei der A usdelinuiiig des Gesdiäli.skreises

der Kanzlei so deutlich zu Tage, (lass wir sie ohne weiteres als

sicher umstellen würden, wenn sie auch sonst jedes S1.ülzpunktes

entbehrte. Doch diesen bieten die Originale sowohl, als (b'iS ilils

erhaltene Register dieser Zeit (R. 8, . Die Beobaeli tung der

hlaiidschriften, denen wir auf den Originaleii und den Ai)sellriftell

im Register zur gleichen Zeit begegnen, lässt, keinen Zwei el, dass

mindestens 3 Personen gleichzeitig an der Anfertigung der Schreibirbeiten

der Kanzlei beteiligt gewesen sein ini'sscu

Damit ist freilich unser Wissen erschöpft. Mit dein von uns

verwerteten Material scheint es mir iiicht möglich, zu einer tieferen

Kenntnis der Verhältnisse vorzudringen. Dass überhaupt. ergiebigeres

Material vorhanden ist, welches zu weiteren Resultaten fiilireii

würde, ist kaii in anzunehmen.

C. Die Kanzlei unter den Markgrafen Johann und Friedrich

bis zum Jahre 1444.

Nicht lange nach der förmlichen Ueheitragiing der Reg

ierung

der Mark Brandenburg auf Johann, die auf (leni Landtage zu

Batheniow im Januar 1426 erfolgte, tritt Johann Sommer an die

Spitze der Markgräfliehen Kanzlei. Soinnier ist bereits in den Jahren

1423 und 1424 1 in kurfürstlichen I)iensteim in der Mark naelizuweisen,

wo wir ihn mit der Einnahme der Schossabgahe beschäftigt

Eiedel C. Bd. 1 S. 182. 183.


- -

finden. Dass er vor seinem Eintritt in die brandenburgische Kanzlei

schon der fränkischen angehört hat, ist nach dem Brief des

Probstes Sack als sehr wahrscheinlich zu bezeichnen.' Die erste

Nachricht seiner Wirksamkeit in der brandenburgischen Kanzlei

gicht nits eine UikiirideJulianns aus dem Jahre l48 in deren

Kanzleivermerke der Protonotar Johann Sommer als der unterfertigende

Beamte erscheint. Von nun an begegnen wir schient

Naweii öfters in den Kaiizleinotizeii unter den Verhiiefungeii

ausser ihm hat kein ditgIied der Kanzlei, soweit wir das Material

Übersehen, Urkunden unterfertigt.

Sommer ist zu den ii irk&räflichen Räten at ii Hole Johanns zu

rechiiien . Abgesehen von den ihm ans dor Leitung der Kanzlei

erwacitseuden Anfgabeii, die den Hauptteil seiner 'fliilt.igkeit in Antielimen,

scheint er iioeli besonders nach der finanziellen

Seite hin iii die iiii ere tiiarkgrätliche Verwaltung eingegriffen zu

haben. Er ist seil. [ !t29" ständiges Mitglied der Kommission, die

iiiil. (ler Abnahme der Recliiiungsabschlüsse des Kalulliermeisters

und anderer Fiiianzheain ten betraut war. l)ieAiifgahe dieser

uiitriiI!eonimission war eine sehr wichtige und veranitwortuligsvolle,

denn sie hatte aurit noch die an tiemi FIof eingereichten Rechilullgell

auf ihre Richtigkeit zu prüfen ; erst \V1Ii] sie die eingelaufenen

Aufstellungen nachgesehen und iichi t ig befunden hiatt.e,

wurden sie dein Markgrafen zur weiteren Erledigung vorgel egt.

Auf diese beiden Ressorts blieb wohl aber sein Einfluss \orzugs_

weise beselinmnkt, an der Ausübung der landesherrlichen Gerichtsbarkeit

hatte er keinen Anteil, bei wichtigen Arten den äussereii

h di tik, überhaupt hei bedeutenderen allgemeinen llegierungshand-

Vgl. S. 44.

Riedel A. 13d. IX S. 414.

Riedel A. Bd. XII. S. 93. Rd. XV S. 241. Or. 1431 Juni 26. Johanniterorden

(St. A.) Or. 1433 Januar 4. Johanniterorden. (St. A.). Die beiden letzen Urkunden sind

bei itaunier Bd. 1 S 116-118 und Riedel A. Bd. XII S. 512 und Bd. XXIV S 423

gedruckt, doch fehlen ihnen dort die betreffenden Vermerke, die auf d en Originalen. Originalen

hinzugefügt sind. (Vgl. S. 141 und 142.)

4 Riedel A. Bd. Xii. S. 436.

lsaacsohn a a. 0. Bd, 1 S. 19.

Riedel C. Rd. 1 S. 218.

iliedel A. Bd, XI 87.


-

hin gen Johanns liöreii wir nichts von seiner Mitwirkung. Die

Stellung des Kanzleivorsteliers, der damals iioeli die Bezeichnung

Protonolarins, hezieheiitliehi oberster Schreiber oder einfach Schreiber

als offiziellen Titel in dcii Urkunden führt,' hatte sieh noch iiicht

zu der Bedeutung erhoben, die 20 Jahre später der Vertreter dieses

Amtes als Kanzler auf die Entwicklung aller Vei'hiltnisse des

Landes, auf die innere, wie iiussere Politik ausübte. Sommer erscheint

iiueli in den Urkunden bisweilen 1uintrr dein Marschall und

dciii Kt'tclieii riieister, in den letzten Jahren freilioll auch vor ihnen •2

seit 1135 sind engere l3ezielitiiigei i Sommers zu der ii iarkgiit

liehen Kirche zu ei keiineii Er tritt uns als l)omheiT zu Le]n is

und zugleich als Doruherr hei dem Collegiatstifte zu Steiidal entgegen],

bei dem er s(-honliii nächsten Jahre zum Deeliant einaniut

ist. Im Jahre 1 't37 wird er 'Probst von Berlin.'

[Im diese Zeit herum muss auch .J uhuann Sommer aus der

Kanzlei geschieden sein, (leim im .ialire 1 436 \vird er zum letzten

Male in seiner Eigenschall. als «oberster Schreiber» eiwähiit b Dass

seine Ernennung zum Prohste von Berlin seinen Austritt aus der

Kanzleiverwaltung haben veranlasst sollte ‚ ist ii icint ai izuuieli weit,

denn .lohianii von \Valdow leitete auch ‚ wie wir sahen ‚ ( hiC

schäfte der Kanzlei, wihuieiid er zugleich Probst. v tu Berlin \var,

Vermutlich ist. der Austritt mit der Al heiiufliiig des Maikgiafeui

Johann im Jahre li.ii in Zusammenhang zu ])ringen, deiiii es ist

leicht eijiziisehiwi ‚ (lass Sommer, der (ast ii der ganzen Zeit der

\erweserschiaft des Markgrafen alt der Spitze tier Kanzlei gestnnidcni

md zum Kreise seiner Hite gehört hatte, nicht den Wunsch

gehabt haben kann, über dessen Regierung hinaus sein Amt auch

unter dem Hegimeuite des j ümigeren Bruders, das von viirnhierein

1 Wohlbrück a. a. 0. Rd. II S. 175 meint, Sommer sei anch schon Kanzler genannt

worden und stützt diese Behauptung auf Urkunden bei Hahn Collectio monumentoium

veterum et recentium ineditorum Braunschweig 1724-26. Bd. 1 S. 277 und bei Küster

a. u. n. Berlin ix. s. w. Ed. 1 S 434. Doch die Berufung auf diese Werke ist ganz unberechtigt,

da sie markgriitliche Urkunden. in denen Sommer als Kanzler bezeichnet wird,

nicht enthalten.

2 Riedel A. Bd. XII 5. 366.

Riedel lt. Bd. IV S. 146. Wolilbrück a. a. 0. Bd, II S. 175.

Riedel A. Rd. XII S. 366. Wohlbrück a. a. 0. Bd. II S. 175.

' Riedel A. Bd. II S 45.

Riedel A. Bd. XII S. 366.


49 -

bestimmt war, in der Verwaltung des Liuides ganz andere 'Wege

zu gehen, als sie von Johauii eiii ue.3olila c,en worden waren, beizubehalten.

Aber weiiii auch Sommers Kallzleithätigkeit mit der

Uebernahme der Regierung durch Friedrich sein Ende erreichte, so

haben seine Bezielumgeii ziuii Hofe auch unter diesem Fürsten

vorläufig fortbestanden. Im .J-iliie 1 8 übte er noch seine Funk -

tionen als Mitglied der tontrollkomlnission aus.' Seitdem nennen

iliii freilich die brandenburgisclien IJrkuiuleii uiichit iiiehr.

Für die Kanzlei war Sommers Leitung ins okrn von l3edcutung,

als er die regelniüssigere Ilinzufüguiig der Kanzleivermerke,

die früher nur unter eine kleinere Zahl der Lrkuiideu i gesetzt

worden waren, eiiigefülirt hat. Wenigstens glaube ich diese für

die Erforschung des &eschUtsganges sehr wichtige Aenderung des

Kanzleigebrauchies ‚ der nach seiner Zeit ah1znhlig e wi der zurückzing,

seiner Initiative zuschreiben zu sollen.

Mit dein Erscheinen Friedrichs, des neuen Verwesers, der bis

zum Tode seines Vaters, des Kurfürsten Friedrich, zum Unterschiede

von diesem in der intitulatic der Urkundeui dcii Beinamen «der

Junge» führt, geht, das höchste Amt der Kanzleiverwaltung auf heinz

Kracht über, der schon im Jahre 1 IM iii (]ei- mniärkischieui Verwal-

111ng, 2 vielleicht aL,011 schon in der Kanzlei beschäftigt war. Auf

dein Pilgerzuge, den der Markgraf Johann mit seinem Bruder Albrecht

mi Jahre 1U5 zum heiligen Grabe unternahm, var Kracht

mi Gefolge Johanns, dessen Wohlwollen für jenen si(.-11 iii

der Verleihung eines Angeflilles deutlich anspricht. Mit Heinz

Kracht war wieder ein Laie zum Vorsteher der Kanzlei berufen

worden.

Die Stellung, die Kracht nach Sommers Ausscheiden sowohl

Raurner Bd. 1 S. 101.

2 Riedel A. Bd. XI S. 90.

3 Hans Lochners Beschreibung der Pilgerfahrt der Markgrafen Johann 0,1(1 Albrecht

von Brandenburg in der Schrift von Geisheim: Die Hohenzollern am heiligen Grabe

zu Jerusalem. Berlin 188. S. 251.

Geisheim a. a. 0. S. 197. Riedel A. Bd. X S. o29.

4


- -

am Hofe wie innerhalb der Verwaltung einnahm, entspricht zunächst

vollständig der seines Vorgängers. Ei wird unter den Räten

Friedrichs d. J. genannt,' gehört der Controllkommissioii als Mitglied

a11 2 und wird in den Urkunden vorzugsweise «Schreiber» titUliert.5

Doch bald traten in dem wachsenden Eiiiflusse, in der

zunehmenden Beleiitung Kraclits die sicheren Spuren einer fortselircitenderi

unverkennbar Entwieldung hervor, deren Wirkungen

sich iii der Zeit Friedtielis II. gerade bei der Stellung des Kanzleileiters

am merklichsten geltend machen, unter deren Einfluss dieses

Amt über alle anderen Hokdiargeri erhoben, die erste Rolle in

derRangfolge der miiarkgräflichen Aemter gewinnt. Hatte Soll)iiiers

Thät igkeit, wie wir sahen, in dem (lern Geschäftskreise der inneren

Verwaltung seine Grenzen In gefunden, so ist Kracht seit. 1440 auch

bei den Fragen und Entscheidungen der äusseren Politik zur Mitwirkung

herangezogen worden. lii der Bflndllisurku] nie Friedrichs

des .Jtiiigeii mit Joachiu von Stettin wider den Herzog 1 1cmrieh

von Stargard ws dein Jahre 1 erscheint er unter dcii

1)randenburgischen Räten, die als Zeugen dieser Verein haruugeii zi

gleich die Garantie für die Einhaltung der vom Markgrafemi eingegangenen

Verpflicimtungeit übernehmen. Als irri nächsten Jahre

eine Einigung zwischen dem Kurfürsten und seinen Brüdern und

Hcizöen von Sacliseii zu Stande kommt, gehört Kracht zu

den kurfürstlichen Bäten, die « zu diser cynurig hescliideu » sind,

uiii die Verpflichtung eidlich zu geloben, ihre Herren zur treucii

Bewaliiung der festgesetzten Artikel anzuhalten, die sie äusserlich

(hir(-h die M itbesiegelung der Vereinbarumigsacteii bekunden müsseni

:‚ Als nicht, welliger charakteristisch für dcii Wandel in der

Stell i ing K raclits imVerhältnis zu der der früherenKanzleivorsteiler

ist nieiues Eiacliteiis der Umstand anzusehen, dass er als

Leiter der Kanzlei die Funktionen des Belators ausübt. 6 Auf die-

Riedel A. Bd. II 5, 496. lId. X S. 272. Rd. XX S. 37 u. s.

2 Iiaurner Rd. 1 S. 101.

Riedel A. Bd VII S. 26. Bd. X S. 772 ii. s. %v.

4 Riedel 13. Bd. IV S. 203.

5 Riedel B. Bd. IV S. 251.

Riedel A. Bd. 111 S. 444.


- 51 -

seil dessen Bedeutung erst später in anderem Zusammenhange

zu erörtern sein wird, 1 möchte ich nachdrücklich hin-

\rejsefl

Aeusserlicli kommt die veränderte Stellung Krachts in dem

Kanzlertitel, der ihm seit 1440 in der Mehrzahl der Urkunden beigelegt

wird, zum Ausdruck, l)oeli solange er an der Spitze der

Kanzlei steht, vermag diese Bezeichnung die bis dahin gebräuchliche

des Protonotarius oder ähnliche nicht vollständig zu verdringeii

noch mi Jahe 1444, k i.trz bevor er aus der Kanzlei austrat, wird

C€i in iier Urkunde Friedrichs «oberster Schreiber» genannt. 2 Dass

aber die offizielle Bezeichnung für den Vertrei er des höchsten

Kanzleiamtes in diesen Jahren hin und her schwankt, und sieh

für (1er! neuen, der Bedeutung des Amtes weit mehr entsprechenden

Titel noch nicht endgültig entscheidet, ist ein deutliches Merkmal,

dass dieses Amt sich damals in einer Uebergangsphase befand und

zum Abschlüsse der Entwicklung iiocli nicht gediehen war. Und

ebensoweni g wie ein Zweifel obwalten kann, dass der Leiter der

Kanzlei an Einfluss hei Hofe gewonnen hatte, (lass seine Wii'ksai-nkeit

eine weit umfassendere geworden war, ebenso sicher ist anderseits,

dass die Stellung noch lange nicht so geartet gewesen sein

kann, wie siefür den kurfüisthiclien Kanzler, als den erstei Ratgeber

am Hofe, beschaffeii sein musste; wurde doch Kracht in

den Zeugenreihen der Urkunden fast noch immer hinter dcii Inhabern

der anderen Hofehargen aufgefüht, Sollte eine wirkliche

Umgestaltung dieses Mutes, eine Neubelebung des Kanzieramntes,

wie es iii froheren Zeiten iii der Mark bestanden hatte , durchgeführt.

werden, so war es vor allein geboten, die geeignete Personlielikeit

mit der Veitretung desselben zu betrauen. Kracht war

aber sicherlich hierzu. nicht hiehiiliigt, und so war es vermutlich

nur eine Folge der Verhältnisse, dass er zu Anfang des Jahres

1445 die Leitung der Kanzlei niederle g te.--, Er schied, wie es scheint., im

besten Einvernehmen mit dein Kurfürsten; noch in demselben .Jahre

vgl. S. 114.

Riedel A. Bd. X S. 581.

Am 12. Dezember 1444 wird er noch als cancellarjus bezeichnet. Riedel A.

Bd, 111 S. 444.


72

tritt er als Relatur unter einer Urkunde, Friedrichs auf. Ein markgräfliches

Amt hat er wohl nicht, mehr bekleidet, aber in den Urkunden

wird er mioch vftIfacli genannt, zuletzt erscheint er im

Jahre 1466 als Zeuge iii einer kurfürstliclieu \Telbriefung.2

Neben Kracht scheint, besonders iii den letzten Jahren eine

recht angesehene Stellung in der Kanzlei der Notar - die Bezeichnung

SekreUir wird erst später gebräuehuicli - Johann. Bere

eingenommen zu haben, denn einmal wird er unter die markgräflichen

Räte gerechnet, 3 dann aber ist er im Jahre 1444 als

unterfertigender Beamte unter einer Urkunde zu finden,'- ein Uiii

stand, der als der beste Gradniesser für die Bedeutung Beres innerhalb

der Kanzleiverwaltun g anzusehen ist, da bisher nur die Vorsteher

der Kanzlei Urkunden zu iinteifeitigeri pflegten. Nach dein

Jahre 1446 ist er als Mitglied der Kanzlei nicht mehr nachweisbar.3

Vielleicht hat er dem Systemnwechsel, dciii Kracht weichen musste

und der Sesselmanmi au dessen Platz stellte, nicht länger Stand

bieten können und musste daher bald, nachdem Sesselinarmim sein

Amt angetreten hatte, aus der Verwaltung scheiden. Von nun an

wird er in den Yerbiiefumigen nur noch als (anonicus Lubuceitsis

bezeichnet .

Zu der Klasse der Notare gehörten auch sielierlieli Johann

!Iee und Johann von Eickendor/, die im Jahre '1442 bestimmt

werden, mit Räten des Kurfürsten die Huldigung der mecklenburgischen

Stände (,iit-egetizuiieliiiien. 7 \Veimn wir auch sonst nichts

Wesentliches über sie erfahren, so geht schon aus diesem Auftrage

hervor, dass sie ein höheres Amt in der Kanzlei verwaltet haben

müssen und vermutlich Notare gewesen sind. Eickendorf erhält

1146 ein Lehen von Friedrich II und wird 1 163 Domherr zu Lehus.'

1 R. 78. 8. fol. 181 (St. A-

2 Riedel A. Bd. XXIV S. 12.

3 Riedel A. Bd, XXV S. 330.

Riedel A. Bd. X S. 532.

Zuletzt Riedel A. Bd. X S. 532.

6 Riedel A. Bd. XXI S. 308. Or. 1466. März 25. u. April 28. Schlosskapelle Cölti

(St. A.), beide sind im B. U. B. nicht gedruckt.

7 Riedel B. Bd. IV S. 263.

8 Riedel A. Bd. XXV S. 330.

Whibr5ck a. a. 0. Bd, 11 S. 176.


- -

Von anderen Beamten hören wir in dieser Zeit nichts,' obgleich

aus deni Vergleich der SclireiberhLinde auf den Originalen

zn

und in den Registern Registerii ohne weiteres zu erkennen ist, dass mindestens

wohl 5-6 Personen iii der Kanzlei Seliieiberdienste gethan Italien

müssen, freilich werden in dieser Zeit auch die Sekretäre zu dcii

Anfertigungen der Beinschriften und den Eintragungen in die Hegister

no0,li herangezogen worden sein. Mögli(-ller\veiSe liess man

einen r1eiI der einfachen Schireibarbeiteii VOLl Ililfsheamten, die nur

vorübergehieitd heschiftigt wurden, ausführen. lii Franken benutzte

itian hierzu Geistliche aus nah gelegenen Klöstern, ilin die

Kosten für feste Beamte zu sparen. 2

D. Die Kanzlei unter dem Kurfürsten Friedrich II. bis zum Schlusse

seiner Regierung.

a) Der Kanzler Friedrich Sesselmann.

\\lIre.Lnl wir bisher hei der BehlalI4lluIlg der Männer, in deren

Hiiideim die Leitung der Kanzlei in jenen Jahren gelegen hatte,

alle zu Gebote stehenden Notizen ‚ soweit sie irgend wie von

Interesse waren, au(Ai. für die Darstellung herangezogen haben, um

die 'Wirksainkeit uinl Stellung dieser Iieariiteii Über - die wir im

Grossen und Ganzen cloeli nur i tiangelliaft unterrichtet sind, zu

deren besserem Verständnis wir aber dadurch beitragen zu können

glaubten - der Anschauung möglichst nahe zu bringen, so werden

wir bei Sesselmann auf eine ausführliche Besprechung aller Punkte

1 Lubichauer ist nicht, wie Heffter ineiitt Hegisteihand 1 S. 259), zu den brandenburgischen

Kanzleibeamten zu rechnen. Er wird zwar in der bereits angeführten Einigungsurkunde

der hohenzollerschen Markgrafen mit den Herzögen von Sachsen neben

Heinz Kracht als Protonotar bezeichnet, doch war er vermutlich in der Kanzlei eines

der fränkischen Markgrafen, deren Räte ebenfalls als Zeugen auftreten, thätig. Denn

erstens wird er in Urkunden Friedrichs für die Mark Brandenburg niemals erwähnt,

was doch von vornherein die Unwahrscheinlichkeit, dass er brandenburgischer Pronofar

gewesen ist, darlegt, zweitens aber stand er früher in den Diensten des Burggrafen

Johann, des Bruders Friedrichs 1. (Monum. Zollerana Bd. VII S. 450), und es ist dabei

wohl anzunehmen, dass er nach dessen Tode in der fränkischen Verwaltung geblieben

ist.

2 Wagner, Kanzlei- und Archivwesen der fränkischen Hohenzollern in Archivalischer

Zeitschrift Bd. XIII S. 104.


- 54

verzichten können. Zwar ist das Leben und Wirken dieser für die

brandenburgische Geschichte des XV. Jahrhunderts ausserordentlich

wichtigen Persönlichkeit iii einer selbstständigen Arbeit noch nieht,

dargelegt worden, jedoch ist iii dciii Buche Stölzels, wenn aueI

nur in knappen Zügen, ein, wie uns deucht, treffendes Bild seiner

Thätigkeit und Bedeutung für die Politik der brandenburgischen

Regierung in dieser Zeit entworfen worden.Dieses wesentlich zu

erweitern wäre uns nicht mö glich; wir werden uns daher begnügen,

nur auf die Hauptpunkte seiner Wirksamkeit hinzuweisen ‚ um

dann besonders seinen Einfluss auf die Ausbildung der Kanzlei in

dieser Zeit in das rechte Licht zu rücken.

In dein Markgrafen Friedrich Il. musste haiti nach der Uchernalime

der Regierung das Verlangen rege werden, für die Kämpfe

der nächsten Jahre eine Kraft zu gewinnen, die ihn in den Mühen

der Verwaltung des märkischeii Landes eine sichere, zuverlässige

Stütze gewähren sollte. 'Wollte, er diesen Wunsch verwirklicht

sehen, so handelte es sich für Ritt einmal darum, die hierzu befliliigt.e

Person auszuwählen, dann aber dieser «tich die entsprechende

offizielle Stellung eiiiztiräuinen ‚ um ihr (ladulell die grössere

Berechtigung zu geben, auf die Verwaltung und Politik der Mark

entscheidenden Einfluss auszuüben. In der Berufung des gelehrten

Geistlichen Friedrich Sesselmann glaubte der Kurfürst die eine der

Bedingurigeui in der Neubelebung des Kanzleiamtes, das nun wieder

allen andern Holchargen vorantieten 1111(1 das Centrutit der Kurfürstlichen

Regierung bilden sollte, die andere zu erfüllen.

Sesselmann, aus Culnihae!i in Franken gebürtig, war in Cadolzhuirg

Pfarrer gewesen 1111(1 mit der Familie des Kurfürsten

F piedrich 1. in nahe Beziehungen getreten. 2 Uni 1436 fungierte

er als Landsehreiher auf der Plassenburg und hatte als solcher

ausser der faktischen Leitung den Kanzlei dem Namen nach

lag sie iii dcii Händen des sogenannten Hauptmanns auf dem

Gebirge. - die Aufsieht aber das Gewölbe und die Briefschaften

1 Stölzei a. a. 0. Bd. I. S. 62 ff.

2 Stölzel a. a. 0. Bd. 1 S. 63.

8 Wagner. Kanzlei- und Archivwesen der fränkischen Hohenzollern, in Archivalischer

Zeitschrift, Bd. X S. 32.


- 55 -

zu führen. 1 Doch bald schied er aus dieser Stellu ng, um seinem

Triebe nach wissenschaftlicher Durchbildung folgend, auf der Hochschule

zu Bologna das Studium der Jurisprudenz zu treiben. Hier

bekleidete er in den Jahren 1439 und 1440 die Würde eines

Procurators der den tscli cii INatioll.2

Als kurtürstlielier Bat, (>lilie soweit wir scheu, eine bestimmte

Stellung zu verwalten ‚ erscheint er zuerst in einer Urkunde

Friedrichs aus dem Jahre 141 1, in der er «lerer wertliel is rechts»

genannt ist. Vielleicht noch iii diesem Jahre, wahirsclieiiihicJi aber

erst mi folgenden, tritt er dann das Kanzleramt an, (las er über die

Zeit Frie(lliehls II. hinaus bis zu seinem Tode inne hatte. Zuerst

nur als «doctorlegum » in den Urkunden bezeichnet, führt er seit

1450 den Titel l)octor geisthie .luor und weltlicher Beehrten. lakl

w-urden ihm auch hiöheiegeist Würden liclie zu teil. Als Domherr

bereits dein ( apiteI zur Hogeuishtirg angehiörend, wird er

1453 Dompropst voll " 2 Jahre später eruieirrut. ihrl Fuiediichi

nachdem die einstiimnige Wahl der l)uw erueui auf ihn gefallen

war, zum Bischof von Lebus.

Friedrich hatte sich in Sesselunanu itiehut gettnseht. Die HuIrii

ungeu, die er all (Im Wieileieiiisetztuuig des Kaiuzlerauiites, uni die

Berufung Sesselnianuis zum Vertreter desselben geknüpft hatte, erfüllten

sich. Dieser, ein Mann voiu feinem politischen \Te.ishirrdiuis,

trat dciii Kirufürsten 1 teil zur Seite t nul stellte seine grossen Fnhuigketten

ganz iii den Dienst der tnarkgrüflic] ren Sache. Ei' gewaurur

auf die Hegierung Friedtiehis einen so Indien Einilt uss, dass i iian

wohl annehmen kann, dass kein irgend wiehiligei' Act des hlogeuiteii

in damaliger Zeit ohne deseii Mitwirkung zu Stande gekoni md

Und wenn es dem Kurfürsten hut Laufe seiner Hegierurig gelang,

die Mark gegen die tuissereti Feinde zu sichuerii, das Ansehendes

1 Spiess und Märcker, Schicksale des Plassenburgei' Archivs, in Archivalischer

Zeitschrift, Bd. 1X S. 4.

2 Stölzel a. a. 0. Bd. 1 S 6:4,

3 Riedel B. Bd IV S. 339.

Riedel B. Bd. 1V S. 434.

Riedel A. Bd. IX S. 177.

6 Wohlbrück a. a. 0. Bd. 11 S. lO).

Wohibrück a. a. 0. Bd. 11 S 132.

8 Stölzel Bd. 1 S. 64.


Landes zu stärken, su\viC im Innern in die schwankenden uIl(l

ieel1ciseii \erhtltiiisse Festigkeit und Ordnung zu bringen, so ist

ciii \veseJ! lieber Anteil au diesen Erfolgen Friedrich seinem Kanzlei

Sesseli l iann ZLizUSchrCil)en

\Veiiii \\:r uns die nach allen liiehtuiigeu ausgreifenle rI11ütig_

keit Sesselmatitis klar inaeiieii, die nicht nur die Pflichten, die der

kurftrstliehe Dienst stellte, zuerfüllen hatte, sondern seit 1

aueb noch nocIi der Verwaltung des Bistums galt, die er schi' ernst betrieb,

und (1111 (110 er sit-,11 grosse Verdienste erwarb,' und wenn wir 11118

dann vergegenwärtigen, wie umfassend allein die Aufgaben waren

die er als kurfürsl.l iciter Kanzlei zu lösen hatte, dass er neben

seine!' 5t lluuIIg als Chef der Kuuizleiverwalt ling iiiid ausser der Mitwii'k

ing hei der Leitung der 1 uraiideiibiu rgisclieii Politik dieser Zeit

a110,1 noeb als Mitglied (1er Fivaiizkomiuissioii und Vorsitzender

de Kai ii m'rgerie uts 5 au uft i'itt, so ist damit schon gezeigt, dass auf

seiiio Wirksamkeit in der Kanzlei selbst iii dcii ersten Jabreii

seiuiei ri ifsveiwal 1 Ing ciii iii elit zu hoher Bruchteil seiner Arbeitskraft

züi recliuieii ist. l)ieAufgahe mi des Kanzlers waren aber ganz

aiiileiegi'w ordcii ‚ als die der früheren Kanzleileiter, der Sehreiher

und ProI.ouiotare g\vese:l varcu 1. hatte diesen l)ishler das Kaiizh'iauiif,

(las Mass des ihm aiuu liefe zukrimmneuideu Einflusses bestimmt,

st waren iiuuiinelir das eigetitliehe Auiit uuiiil die damit verbundenen

l'uuiti (IIi 1 iiicht mdii' dio, für die Stlluiun des Kanzlers mussgdbeli(l.

u Faktoren. Das Auiit gab nur noahi d.n Titel, seine Tliitigkeit

eisI ickt sieh jetzt au uf das ganze Vervalt.uuigsgebief.

[JiiI.er diesen Verhdtuisseii kamiti es nich \Vui ider nehmeii,

ilass Sesselmnanim trotz der laugen Reihe von .Jahireui, in der er au

der Spitze (Ur Kauili stand, Y ei Aufaug au wir sehr selten in

den \erinerkcn unter den Urkunden als untorfertigcndei' Beamter

zu fiuiieri während ist, er als Belutor öfter hiegegnet. Es ist w ihil

'\oh1brück a. 'a 0 Bd. II S. 162.

Fianmer 13d. 1 S. 241.

Ilo]tze. Geschichte des Kammergerichts itt Brandenburg-Prenssen. Berlitt 1890.

Bd. 1 S. lift

4 Vgl. die Zusammenstellung der Kanzleivermerke im Anhaiige 1 S. 147 ff.

Riedel A Bd. IX S. 492 Bd. XI S.574 Rd. XIII S. 146 Bd. XIX S. 161 S-B.

S. 306 ii. S. W. U. S. W. vgl. ebenda S. 147 if.

--


sicher, dass ei' sieh um die Erledigung der Kanzleiarbeiten und

die 1" iilit'ung der &escIifte schon inder ersten Zeit, ganz besonders

aber seit 1 't, wo er, uni seinen Verpflichtun gen dein Bistum gegenal

)er iiaelizukoin 1 ii(il, bisweileii auf längere Zeit dein Hofe des

Kurfürsten fern bleiben musste, nur wenig gekümmert liabuit wird.

Je weniger aber Sesselmann in die eigentliche Verwaltung der

Kanzlei eingriff, mii so \vichitiger und verault\voIt.ungsvoller wurdeii

dadurch die Viuiictioiteu dci' Kai tzleisekretäre, in deren l-läilcn

die Handhabung tabaug des Goscliäft.sgaiiges ruhte, in um so helleres

Licht trat nun die Bedeutung dieser Beamten für die Verwaltung.

Die l"o[g cii dieser intiei'halh der Kanzlei sich vollziehenden Veränderuu

geil blieben nicht ai is. Es ergab sich jetzt, besonders w

die Aiufoi'derunge, die an die Yerwaltuiuig gestellt wurden, sieh

steigerten, Immer iner die Notwendigkeit, die früher nicht in demselben

Masse niits1 irach, die SeLietäiäi uter mir an durchaus fähige

Mitunter, (leiten es \volnügliehi uiicht all Bildung

fehlte, gelaitgen zu lassen, wodurch wiederum eine Erhöhung ihrer

fiuisseren SteRn lig ohne \\eiteres bedingt war. So kommen auch

die Sekretäre jetzt mehr als früher iii nähere Bezieliuiigeii Zuuii

kuitfäi'stlichieuu Hofe und gehtöreit zum grossen Teile zum Kreise

der Räte. N tinmuehir tritt imi(-li die Scheidung dieser Beanitengattuutig

gegen das uiul.ere Kaitzleipersouual, das bloss zu den rein meclianisehen

Schreibarbeiten verwendet wurde, sichtbar hervor.

Dieser Enitwickluuuig, durch welche die Organisation der Kanzlei

auf ei ne höhere Stufe gellohon wurde, (1 ie \Vege geebnct zu hiaheut,

ist ‚ wie ich glaube (las grosse Verdienst Sesselmanns uni die

Kauizleiverwalt.ui Lug. Hätte er dieser Enut.wikhi ing nicht. billigend

gegenüber gostaiideui ‚ so wäre sie bei dem Gewichte seines Eiuuflusses

sicherlich iuielit zur Eittihltuing gelangt ‚ ( h11tUs aber, dass

sie sogar in erhaht iuisinässig kurzer Zeit zum Abschluss gedieh,

lässt sieh wohl mit. gewisser Besti unmtlieit auf den tirdernden Auteil

Sessel in iuns schliessen

Als Albrecht Achuilhe. nach d ein Tode Friedrichs iuir Jahuc 1 'i7 1

1 Dass gewisse Anfänge dieser Entwicklung schon in die Zeit Kraclits zurückgehen,

darf nicht geleugnet werden. Die Stellung des Sekretärs Bere ist hierfür ganz

bsouders ch,srakteristisch Vgl. S. 52,

-


- 58 -

in die Mark kam, trat er zu Sesselmann in dasselbe feundseliafliche

Verhältnis, das zwischen seinem Bruder und jenem bestanden hatte,

er wusste recht \vl1I ‚ welchen Wert es für ihn hatte, diese Beziehiinigeri

aufrecht zu erhalten. Seinem hohen Vertrauen zu Sesselmann

gab Albrecht Ausdruck, indern er ihn seiiiein Sohn Johann,

dem er die Regierung der Mark übertrug, während seiner Abwesenheit

als Regent zur Seite stellte. Der Kanzler kam so bald zu noch

einflussreieliorer Stellung, als er bereits unter Friedrich gehabt

hatte, er war bis an seinen Tod, der im Jahre 1483 erfolgte, der

eigentliche Regent des brandenburgischen Landes. 1

b) Das Kanzleipersonal -

Mit dciii höchsten Amt der Kanzlei war, wie wir schien, eine

völlige Umgestaltung vorgenommen worden. Der Sehireibei hatte

dein Kanzlei weichen müssen; die Kanzlerwürde war iii seiner

fiilieren Bedeutung dem hraiulenliurgiseheii hJoh zurückgegeben

worden. Unter den Wirkungen dieser Einführung auf die hatschreitende

Organisat 111 der Kanziciveiwaht ii ng e1SC11iCU IIIIS die

günstige Ausbildu lig der Stellung der Sek iel.äre, die eine weitselbstständigere

und dailtireh auch einiflussreichiere winde, gaiiz IIeSOII(1(FS

wichtig. Acuisserlich sjiiiclit sivb. dieser Fortschritt in dcii jetzt

viel häufiger hegegnendeii Notizen über die 'l'Iiäligkeit dieser Beainten

ans In dieser Zeit, wo Sesselmann wi der Spitze der Kauzhei

siebt, ist es zucist möglich, in das Innere der Kanzli i suweit.

einzudringen, dass wir eine genauere Vorstellung ihrer Gliederung

gewinnen können.

in der Hofordnung, die für den inarkgrätlich-braudemibuirgkchien

Hof im Jahre 14V1 also nur drei Jahre nach dein Rücktritte

Friedrichs 11., gegeben wurde, 2 werden drei Arten von Kanzleibeamten

genau uuiterscluiedeu. l)rei Mitgliedern der Kanzlei, unter

ihnen [Toweck und Klitzing, die wir uioch iiähier kennen lernen

werden - werden wie den Räten des Markgrafen zwei Pferde xii

1 Stölzel a. a. 0. Bd. 1 S. )O.

2 Prag. Act Johann Ciceio Hp. XXVIII (H. A.)


- 59 -

ihrer Ausstattung zugesprochen ; drei weitere werden unter den

Personen aufgeführt, die ((Hit pflwd haben,» und schliesslich wird

ein Kanzleikneeht genannt. Unter den ersteren, die ebenso ausgerüstet

sein sollen, wie die Grafen und fläte sind natürlich die

Sekretäre, unter den anderen die eigentlichen Schreiber, die Gopisten,

zu verstehen. Wenn audi dieses Zeugnis, das aus einer

Zeit bald nach der Regierung Friedrichs stawineiid besagt, dass

die Sekretäre in einem wesentlichen Punkte der Ausrüstung den

markgräflichen Räten gleichgestellt waren, an und für sich nur

wellig bedeutet, und zu wichtigeren Folgerungen kaum zu verwerten

ist, so verdient es doch unser volles Interesse, weil es die Erkenntnis,

die wir schon aus deit Urkunden Friedrichs gewonnen hatten, -lass

die Sekretäre in dieser Zeit. im Bange der Iätc gesiaiiden haben

und zu diesen gezählt worden sind, äusserlich bestätigt Klitzing,

Iloweck und andereBeamte dieser Gattung finden wir iii dcii Vorin

(lCl Reihe der Räte aitfgelühiil Viii eineuu nachhaltigen

Einfluss derselben auf die llegieruiigshaiiillungcu des F'ärsteii

ist freilich noch nichts zu veispüren

Der Titel dieser hiöliereii Beamten - im Gegeuisatze zu den

Copisten nenne ich sie höhere - schwankt zwisc] ucim Po lonutaren

bez. obersten Sehreihern und Sekretäreii bez. Sehreihern. Nur ganz

vereinzelt kommt die Bezeichnung sclil)a cantzelaric 2 in diesem ii

Sinne vor. Der r[tI Not.arius ist seit 1 Mi lt nicht wieder iii dcii

Urkunden zu finden, 5 er wird durch das gleielihicileut emule Prädikat

Seemetariuis ersetzt, \vahrsclleilllichl mii n die Kamizleibeainteii v ni den

öffentlidicut Notaren zu unterscheiden. liii Batiuuutcrschiied wird

durch die verschiedenen Bezeielininuigen nicht chiaiakt.eiisieit . Sigisrnuuid

Botenbuiig, ein Sekretär aus der Zeit Friedrichs 11., wird

i mii Jahre 1461) «secretari lms»; im folgenden «protoni taiiuis» ' und

iii einer Urkunde aus dem fahre 1 46? wieder einmal «seereta-

Riedel A. Bd. VII S. 440 ii. s. w.

2 Riedel B. Bd V S. 100. wo Klitzing diesen Titel führt.

3 Zum letzten Male Riedel A. Bd. X 5.532. Der TitelSekretarins erscheint zuerst

im Jahre 1460 in der Urkunde Riedel S-Bd. S. 313.

Vgl. S. 62.

- Riedel S-Bd S. 313.

6 Or. 1461. Mai 24. Lebus St A.


genannt. Ho\veck isehei nt im Jahre 1462 als «oberster

Schrei her ‚ 1468 als «sAubwr» 3 und im Jahre 1470 bald als

Seli [P1 hei)), bald ab, ii, s. w

(I?veck gerade ist derjenige unter den Sekretären FiicdiiclTs 11.,

der durch sein Wirken im Dienste der Kanzlei unsere Aiitnerksainkeit

ii meisten auf sbli lenkt. Er war auch meines Erachtens der eigeutlief

ie Leiter dci Voiwaltu iig, da dccli Sssrlinaiiri nur wenig Zeit diesen

Gese1iilten widiueii k4 uinlc Howeck ist der einzige l3eamtc ‚ der

ne] «'ii dciii Kanzler Urkunden iiuterferligt. 6 Er führte aut.1i, wie

es schiciiit ‚ die Aufsicht über das Archiv, denn an ihn wendet stelL

der Kurfürst iiii Jahre 1468 von Pieiizlau ans mit dciii Auftrage,

für ihn einige Urkunden ‚ die er in der Stettiner Angelegenheit

biatielit, lii raitszitsuclieii,' au ihn ergeht ferner der Befehl • die Lt el 101gabe

einer grösseren Zahl von wichtigeii Sehiriflstückeii au das D cnka1ii

tel in Brandetil Ii irg, in deren Archiv dieselben aufbewahrt werden

sol]eii, zu he\viikeII. Ei ist sehuiesslichi, wie es 5 liii iner, Kracht

S. w. warei i Mitglied der ( oiii iii issioui, welche die an dcii lief eingehenden

Ilechiiiiingeii zu 1uiifeii halte. 9 Auch die Stellung, (hie

er am liefe cinhiiiii Liii ‚ somit (1cr Grad seiner Bildung" , scheinen

nur geeignet, iliti an der ersten Stelle in der Kanzlei zu ver-

111111191.

Die Leitung der Kaulzieiver\valtuuig scheint seine 'I'hitigkeit

ganz in Aus1 lii nihi genommen züi haben, denn sie besc1irn1it sieh

auf diese Verwaltung und greift, soweit wir erkennen können, wosenf

lieht kaum Über ilireii Ueschttshrcis hinaus. Wohl drei Jahr-

9 Riedel A. B(l. Xiii S. 378,

2 Raumer Bd. 1 S. 231),

Riedel C. Bd. 11 S. 33. wo statt Holdeck cHoweck. zu lesen ist.

Riedel 8-Rd. S.

Riedel (. Bd. 1 S. ])24.

Or. I4. November 21 Lebus St A.). Bei Riedel. A. Bd. XX S. 287 nach der

Abschrift im Registerbande ii mit einem andern Vermerke gedruckt. Vgl. S. IO.

Riedel C lid. II S. 38.

Vgl. S. 128.

Riedel C. Bd. 1 S. 27.

II) Hosveck wird juristisch gebildet gewesen seil), denn er ist unter den Räten aufgezählt,

die im Jahre 1482 eine Erbschaftsangelegenheit entscheiden. Stö1zel a. a. 0.

Bd. 1 . 99. Raumer Bd. 11 3. 174).


- 61

zehnte muss Fhweck iii der 1,.a.nzlei gewirkt haben ‚ denni wenn er

auch erst 1456 zum ersten Male iii ihrem Dienste genannt wird,

SO lässt gerade die Funktion, die er dm1 ausübt er iniitei'fert.igt

eine Urkuiide' -- auf eine sein iii kluger zurückliegende Ttihtigkeit

in der Kanzlei schiessen. Auch nach der Regierung Friedrichs verbuch

4 i. in der brandeubuurgisehien Kanzleiveiwaltiiiug, wie die 1 lufordun

Ing aus dciii Jahre 1173 daitIiiit Wann er ausgetreten ist,

erfahren wir iuieht.

\\T .jl i re ii nl 1 loweck aller ii Arsel ieine irachi dein weltlichen Stande

angehörte ist A ibeil KIi/ //(/‚ (11 , 1, 11aL-11 dieseln iii der Reihe der

Sekretäre besonuilers heivuiftitt, cisIhicluei. Iii eiuienii TrallsSiIrflj)te

FiiOdilC1IS 11. für deii aus (lene Jahre 1 1166, das

Nutzung auf Befehl des Kinifürsteun auf seine Ueiiauigkeit hin prüft,2

nennt er sieh selbst leiicus llavelhergeiisis . Dass ihm gerade dieser

Atiftiag zu teil werde, iI wohl theun Umstande zuzuschreiben,

dass er neben seiner Stelltlug als k uifrsthiclnein h auizleisekretüi

oehu (las Amt eines öffeuif liehen, kaiserlichen Notars verwaltete.

Seine Tiüuigke ii amt inaikgrühhiehien Hufe wurzelt [licht so, wie die

Ho\vecks, allein in der Kanzlei, soiidern er Willi VOfl Friedrich attüll zu

diplomatischen 1\lissionwn verwendet; 50 \ViSsI1 Wir LIlS einem

Stircihen, das der Fürst zunsauiinwii mit seinem I3rinlei Albrecht

im Jahre 1467 an die Herzöge von Sachsen richtete, dass Klitziug

iii dieser Zeit. als Gesanel 1er des 1 nranideinhurgisehen Hauses in 1)etreff

der böunischeii Allgelegenheit mit anderen Räten am kaiseiliehen

Hofe Ein unzweifelhafter Be\vm is für das grosse

Vertrauen, (las nnnau anti knmrtürstl iclwn i Flufe iii dessein Tiiätigkeit setzte,

ist darin zu seinen, dass ihnini der Euutwunit zur Klageselnilt und Hephik

des Markgrafen gegein die polnischen Ahgesaud teil in der peinmenschen

Angelegenheit. übertragen wird. Auch er tritt, nach der

Abdankung Friedrichs in die Verwaltung seines Nachfolgers über,

in der er iioch einige Jahre Inindunreh thtig war, bis er in dein

1 Vgl. S. 60 Anmerk. (

Riedel B. Bd. V S. 100

HöHer, Das Kaiserliche Buch des Markgrafen AIbre.1it Achiltes Bayreuth 181),

in Quellensammlung für fränkische Geschichte Bd. II 8. 124. Vgl. auch S. 148, wo eii

weiteres Zeugnis u finden ist.

Raumer Bd. 1 S. 274-282.


- 62 -

Diensten König Christians von Dänemark übertrat, all Hofe

wir ihn bereits 1474 vorübergehend finden.' Er übernahm später

die Prupstei in l-lamburg. 2 Sehiesslich finden wir ihn in Magdeburg

als Senior des Dowkapitels wieder (1 5O4), dessen Decan eischon

vordem längere Zeit gewesen war.

Bei weitern nicht zu derselben Bedeutung, wie lloweck und

Klitzirig, gelangeii die ührigen Sekretäre, die uns aus dieser Periode

bekannt werden Fabri, l-lavelberg, Rotenburg, Gorlin. Bis auf

Fab'ri - er trägt den Vornamen Heinrich - sind sie alle Vertreter

des geistlichen Standes. Was ihn angeht, so muss diese

Frage unentschieden bleiben, denn ei- wird nur einmal iii einer

Urkunde des Jahres 1448 erwähnt, wo Friedrich ihn, seinen

Schreiber, in Anerkennung seiner trw i (releistete11 Dienste mit

eitern Lehen begabt, das Kracht bis dahin besessen, aber auf das

er zu dessen Gunsten verzichtet hatte. Diese Urkunde enthält die

einzige Nachricht über Fahri.

‚Johann heinrich /I(il.'eibe)'j (so genannt., weil er aus 1-Tavelberg

stammt) ist im Jahre 1453 zuerst als Mitglied der Kanzlei

nachzuweisen und bleibt in der Kanzlei bis zum Ende der Begierung

Friedrichs. Im .Jahre 1469 wird er in einer Urkunde des

Kurfürsten unter den Zeugen als «er Johann ilavelherge, cantor zu

Lubus unser secretarins» aufgeführt.« Im Jahre 1473 erscheint er

als Domherr zu Stendal .

Sigismund Rolenburgs Thiätigkeit in der Kanzlei ist nur für

die Zeit von 1 '6O-62 belegt. Er hat die Magisterwürde und ist

Dowherr zu Breslau.

1 Minutoli a. a, 0. Bd. II S. 32.

Riedel A. Bd. XV S. 441.

8 Riedel A. Bd. XXV S. 109.

4 Riedel A. Bd. XXV S. 334.

Von ihm ist unter der Beichturkunde Friedrichs. die 1445 geschrieben war, der

Satz -hinzugefügt, in dem der Fürst das Olauhensbekenntnis in der Domkirche zu

Brandenburg im Jahre 1453, ehe er die Pilgerfahrt nach Jerusalem antrat, erneuert

Denn unter der Urkunde steht: Johannes Havelbergensis ad premissa. (Riedel C. Bd. 1

5. 312.)

B. U. B, S. 443.

Riedel A. Bd. V S. 2i8.

Im Jahre 1460 finden wir ihn als Kanzleibeamten Riedel S-Bd. S. 313; im Jahre

1461. Or. 1461. Mai 24. Lebt's (St. A) im Jahre 1462 Riedel A. Bd. XIII S. 377.


- 63 -

A r,wld Gorlin schliesslich gehört., soweit wir sehen, von

1465 1 bis zum Ausgange der Regierung Friedrichs an. Als der

Kurfürst im Jahre 14692 die Capelle im Schlosse zu Cöln zinn

Domstift erhebt, bestimmt er, dass die liomherren stets bei der

Kirche ihren , Sitz haben und sich von ihr nicht, entfernen sollen,

ausgenommen soll afldii der rr1esLliI.it1s Arnold Gorlin ‚ sein

Sehreibr, sein.

Ausser den Sekretären setzt sich das Kanzleipersonal noch aus

den Kanzlisten und dciii Knecht zusammen. Waren in der Hofordnung

iii deni Jahren 1 41 3 drei niedere Beamt.eii Schrei hei vorgesehen,

so wird unter Friedrich die Zahl mindestens ebenso hoch,

\'errnutliclt sogar höher gewesen sein, deiiii während in dieser

Ordnung nur 3 Sekretäre gerechnet siiid, so waren lodi in der

letzten Zeit Friedrichs, wie wir sahen, in i udestetis 4 gli.iehizeit ig in

der Kanzlei beschäftigt. (Iloweck, Klitzitig, Havel und 1 ierg Gi)r!i ii

Als Kanzleiknecht fungiert unter Friedrich 11. Thomas Mewes,

ein Bürger zu Cöln . Im Jahre 148 erhält er vuin Kurfürsteii auf

die Intervention des Kanzlers und der Kanzleisekretäre die Güter

als Lehen, die vorher sein Vater hans Mewes inne gehabt iuid im

Berliner Unwillen eingebüsst hatte. [in Jahre 1 1t63 belohnt ihn

Fiiedrich auch noch t iiit den Gütern, die er dessen \'ater in) Jahre

149 nach dciii Atifstande in Berlin verschrieben hatte.

\Venii wir noch nach der materiellen Lage iler Kanzleibeaii iteii

besonders (her Sekretäre fragen, SO wird auch für sie (lieSellft Art

der Entschädigung anzunehmen sein, die für die anderen Hofheaiiiten

in GObiU1d 1 . war. Ein festes Gehalt iii baareiii Gelde

dürften sie gar nicht oder ii iii in geringer höhe bezogen hiabwi

Dagegen werden sie freien Lnt.erhialt, Kleidung und Wohnung ani

1-lofe erhalten haben und ausser(leni du roh Lehnsverleihungeii be_

1 Riedel A. Bd. XXI S. 334.

B. U. B. S. 441.

Raumer Bd, 1 S. 243; B. U. B. S. 432. wo im Regest über der Urkunde die

Namen des 'Vaters und des Sohnes veiwechselt sind. Auch Stölzel ijit Bd. 1 S. 98)

wenn er berichtet, dass der Sohn, des Kanzieidieners Thomas Mewes, die Güter bei

dem Aufruhr in Berlin verloren habe. Die Urkunde lasst keinen Zweifel dass dieser

Verlust den Vater getroffen hat.

Riedel 5-Bd. S. 301.


-

zahlt worden seil), 1 wie wir dies Voll Hoteiihnrg 3 u. s. w.

erfahren. Sicherlich partizipierten auch die Sekretäre an den ciii -

gro herideri Kanzicigehühren, über derei i höhe wir freilich niclit

wissen. Dass dieselben aber für die einzelne Urkunde nicht gering

waren, geht daraus hervor, dass der Kurfürst die Befreiung von

(her Zahlung der Gebühren als ciii hesonderes und, wie es selieiiit,

iiiclit niiweseiitlielies Vorrecht iii den Urkunden 1 eti int .

E. Die Kanzlei Friedrichs des Jungen. (Feisten.) (1447-1463.)

In der vom Friedrich 1. im .Jahrc 1437 erlassenen

Dispositionsi [l1(l1it -'i über die 'feilitmig der 1 ioheiizollerschieti Lande

unter seine Söhne, zu deren Einhaltung sioli die drei ältesten

Söhne für sit-li und ihren jüngsten Dii ider Fiiedrieli der damals


11001 1i nicht mündi g war, durch Mit besiegung der Urkunde vei-

1'llichtet hatten ‚ war bestinii (lt worden ‚ dass die Mark Brandenburg

an die beiden Iricdriclic ‚ den nachm iialigeri K mirfürsteu

und dessen jüngsten Bruder fallen sollte, jedoch so, (lass diese

Lande sechzehn Jahre nach dem 'I'1e des \at(MS mingeteilt

blieben und erst dann zviseIuen dcii beiden Brüdern geteilt

würden. Aber (herj uiige Fürst drängte schon 11 1t5 auf eine selbstständige

Stehltiiig. Obgleich der ältere Brm mcler ilimt durch ZugesUiidnisse

zu beschiwieh tigei stichite, war er mit diesen so wellig

zufricdeii, dass ei iiichit eher ruhte, als bis ihm 1 '*17 durch

Verrrntt]ung seiner Brüder in Frankeui die Altmark und die Priegnitz

abgetreten -wurden. Ani 't. Oktober dieses Jahres erklärt Friedrich

11. diesen heidei r Teilen der Mark ‚ jiass er kraft der mit seinem

Isaacsohn a. a. 0. Bd. 1 S. 17. Stölzel a. a. 0. Bd. 1 S. 147.

2 Riedel S-Bd. S. 323.

Riedel A. Bd. XIII S. 377.

4 Z. B. R. 78. 9. p1. 11 i. d. (St. A.) wo wir eine Bestätignngsurkunde für Kloster

Lehnin finden, in der diesem Kloster ausdrucklich verbrieft wird, dass falls das Privileg

verloren gehe oder verderbe, ein neues kostenlos ausgestellt werden soll.

Riedel C. Bd. 1 S. 223-232,

Droysen a. a. 0. Bd. II 1 S. 78.

7 Raumer Bd. 1 S. 163.

Riedel C. Bd. 1 8. 280.


- 65 -

Bruder Friedrich getroffenen [Jehereinkuiift die Regierungshandluiigen

desselben anerkennen werde.' Friedrich, (Uli- Junge genannt

‚ war nun selbststündiger Regent der beiden Gebiete der

Mark und verwaltete sie - freilich nicht zu ihrein Segen - bis

zu seinem Tode, der im Jahre 1463 erfolgte. 2

Da die Verwaltung Friedrichs des Jungen von der des Kurfürsten

völlig getrennt war, So bestand natürlich an seinem Hofe

eine eigene Kanzlei. Ein Zusammenhang des Personals dieser Vorwallung

mit (lern Friedrichs 11. ist nicht zu erkennen; von dcii

Beamten desjüngeren Bruders ist auch keiner, soweit wir sehen,

in der Kanzlei des Kurfürsten tliütig gewesen. Und doch muss

Friedri(-h des Jüngeren Kanzlei ohne Frage nach dein der

anderen eingerichtet gewesen sein, denn die Urkunden sowohl, wie

die Register, die in jener entstanden sind, lassen keinen Zweifel,

dass die Geschäftserledigung in der jüngeren Kanzlei im wesentlichen

genau iii derselben Weise gehandhabt worden ist, wie in

der ähtereii. Wir werden daher auch in dcii folgenden Kapiteln,

in denen die innere Organisation, die Abwicklung des Kanzleihetriehes

näher zu behandeln sein wird, die Duku meute aus beiden Kanzleien

oliiie Unterschied fr die Aufhellungder Verhältnisse heranziehen

und nur dort, wo die Gebräuche der Kanzleien auseinandergehen

sollten, die Eigenart einer jeden für sieh erörtern.

Die Leitung der Kanzlei lag auch am Hofe Friedrichs des

Jungen in den Händen eines Kanzlers, nur dass dessen Stellung

nicht der des gleichzeitigen kurfüisthicben Kanzlers gleiclikauii.

Hier war arndt kein Raum für ciii Amt, wie es Sesselmann inder

Verwaltung des Kurfürsten inne hatte. Die Kauizlei' des j ungell

Markgrafen beschränkten ihre Thätigkeit, wenngleich sie auoll ohnute

Zweifel zu den ersten Räten anti Hofe zählten ‚ auf die Kanzlei 111141

dehnten ihr Wirkeit nicht auf alle Zweige der Verwaltung aus,

wodurüh gerade Sesselinanns Stellung iii der kurfürstlichen Regierung

die grosse Bedeutung gewonnen hatte.

Riedel A. Bd. XXII. S. 490.

2 Droysen a. a. 0. Bd. II 1 S. 162, 214.

Vgl. S. 22, 23.

5


ffl

- 6(3 -

Andreas Ilasselmann 1 bekleidete seit der Einsetzung der

Regierung Friedrichs des Jungen die Kanzlerwürde an diesem Hofe.

Er war Dekan des (apite1s zu Stendal, als er an die Spitze der

Kanzlei gestellt wurde; im Jahre 1450 wurde er dann zum Probst

von Saizwedel ernannt, und zu Anfang des Jahres 1458 können

wir ihn" als Probst der St. Sehastianskirehe zu Magdeburg nachweisen.

Er hatte sich auch juristische Kenntnisse angeeignet und

besonders das kanonische Hecht studiert und war zum Doktor des

geistlichen Rechtes promoviert vorderi. Dieser rechtsgelehrten

Bildung hatte er es wohl vornehmlich zu danken, dass ihm im

‚Jahre 1458 von der Stadt Berlin-Cölui das Syndikat für die geistliehen

und weltlichen Bechitssaeheii übertragen wurden.

ilasselinann besass die heideii Eigenschaften, die ihn ganz hesonders

zur Verwaltung des Karizleranites befähigten, denn wie

Sesselmann gehörte er (lenl geistlichen Stande an und war zugleich

imristisch gebildet. Und wie dieser der bedeutendste Ratgeber des

Kurfürsten Friedrich II. war, so scheint aueli Hassolmann in der

ersten Zeit dcii grössten Einfluss auf die Regierung des jungen

Markgrafen ausgeübt züi haben, denn er wird besonders in

dem Jahre 14'ES hei den wichtigeren Handlungen desselben stets als

Zeuge erwülint. Doch bald lässt sein Einfluss nach ; ei tritt schon

mi Jahre 1150 weniger hervor und im folgenden wird Hasselmanii

zum letzten Male als Kanzler bezeichnet.-` Die Gründe, die sein

Ausscliden aus (leni Kanzleidienst herbeiführten, erfahren wir

nicht. Ich veruuiute, (lass er sklu in der Verwaltung Friediichis des

Jungen nicht volu1 fühlte, vielleicht weil er die Stellung nicht gewinnen

konnte, die er als Kanzler einzunehmen \vünsehte, vielleicht

aber auch - und dies dünkt mir das wahrscheinlichere -

weil er mit dem Begiineiite des Fürsten nicht einverstanden war,

denn zwar erscheint er auch später novIi. unter dessen Rüten, aber

Wenn er bei Holtze a. a. 0. 13d, 1 S. 99 Horstelmann genannt wird so liegt

dort wohl nur ein Druckfehler vor.

2 Riedel A. Bd. V S. 214.

Riedel A. Bd. V. S. 430.

B. U. B. S. 4.33; Fidicin historisch. diplom. Beiträge u. s. w. Bd. II S. 238.

5 Riedel A. Bd. 111 S. 453.


doch verliiiltiiisiussig nur ganz selhii \T ischileiitlirli wird er iii

der l"dgezeit Inder den Ritii des Kurfüisteii Friedrich erwähnt,

Si iM Jahre 1 l41J 11.S. W.

Schi Nacliklger Verdeulaun, der 1453 zum ersten Male den

Titel Kaiizler führt," wai atioli Schon mi Jahre 1445

ist. er Probst in Döhre, später übernililnif er iioch die Piobstei in

Dambeck. Vordem arm fehlt, soweit wir Seilen, die rechilsgeleliite

Bildung. Von welchem grosseil Werfe sie aber bereits damals für

die Bedeutung des Kanzleramtes war, führt uns die Stellung, (hie

dieser als Kanzler am Hofe einnimmt, (leittlieli vor Augen. Die

Bezeicliiiiiiig Kanzler war ihm goliliehen, aber an Einfluss scheint

seine Stellv tig nicliI weit die der früherem Protonotare des kurfürst-

Iicliei i Hofes überragt zu hai eii,

\Valirsclieinlich leitete er bis zur Auflösung der ilegierung

Friedrichs des Jungen im Jahre 1463 dessen Kanzlei. lii dein folgenden

Jahre ersul teint er als Probst, zu Stendal iiiid zu J)öhre.5

Wir liöreii noch von zwei « Gantzlei Scribeie » des jungen

Markgrafen. Johann Sabel iiiid Peter 1)abrun. 6 Der erstere wird

vom Kurfürsten nach dein Tode des Bruders zum Schlossbeaiiiten

iii Tangermünde ernannt, von dem anderii erfahren wir nichts

weiteres.

Mehr wissen wir über die Zusammensetzung dieser Kanzlei

nicht, die bei iiirerii weiiiger ausgedehnten (ieschiüsbetiiebc iiatiirlich

auch in der Zahl der Beamten hcscluünkter war, als die

Kanzleiverwaltung ain kurfürstlichen Hofe.

1 1453 Riedel A, Bd. VI S. 132 Dann erst wieder 1457 Riedel A. Bd. XXII S. 79.

2 Riedel A. Bd. IX S. 181.

B. U. B. S. 443.

4 Riedel A. Bd. Vl. S. 132.

5 Eiedel A, Bd. xvii S. 346.

6 Riedel A. Bd. Vl. S. 425.


KAPITEL IU.

Die Einteilung der Urkunden; die Formulatur.

Unter den hrandenl)urgiscllen Urkunden unserer Epoche treten

zwei Gruppen I)eSOHders deutlich hervor, die sich ihren äusseren

und inneren Merkmalen Iul1li streng von eillaU(ler schieideii. Dies

sind einmal die Urkunden, in denen wichtige Regierungsakte rechtskrüftig

bezeugt werden, und (hann die eigentlichen Briefe, in denen

der Kurfürst amtliche oder private Mitteilungen in vertraulicher

Form ergehen lässt. Die Originale der ersten Art sind stets auf

Pergament gescllriel)erl, führen die vollständig( , Furmulatui, soweit

sie noch im allgemeinen gebraucht wird, aber ohne Salutatio, sie

haben anhiiigondes Siegel an Prosseln Pergarnentstreifeii' oder an

Seidenschnüren. Die zweite Art dagegen ist auf Papierblättern geschrieben,

die von kleinei'e.in Foruiate sind, als dein der Pergamenthegen,

hat (he Iiititulatio bisweilen über, bisweilen unter dem

Texte > enthält die Salutationsformel, zeigt keine Corroboratio und ist

mit aufgedrucktem Siegel versehen.

Ob der Wechsel in der Anführung der Intitulatio über oder

unter dem Texte der Briefe aus Gründen rein zufälliger Natur zu

erklären, oder oh er als der Ausdruck eines bestimmten Prinzips

anzusehen ist, durch das die Klasse der Briefe wieder in zwei besondere

Unterarten getrennt wurde, ist aus dem Urkundenmaterial

das uns zur Verfügung war, nicht zu erkennen. Freilich sind von

diesen Briefen aus der Zeit, die wir behandeln, nur iiocli wenige

in deii Archiven erhalten. Da in ihnen nicht, wie in den eigent-


- -

liehen Urkunden, rechtsgiltige Handlungen zum Ausdruck kamen,

soiiderti da sie vorzugsweise zu Mitteilungen benutzt wurden, die zumeist

doch nur einen mehr momentanen Wert hatten, SO wurde natürlich

auch auf ihre Aufbewahrung von seiten der Emiipfünger nicht so

gi sse Sorgfalt gelegt, wie auf die der Privilegien. Beispiele dieser

Gattung sind die Briefe des Kurfürsten Friedriell an seinen Bruder

Albrecht, sowie unter anderen auch ciii Brief des Markgrafen Johann

an das Domstift Stendal 1 indem er dasselbe auffordert, ihm die

Beweisstücke zugehen zu lassen, durch die es seine Ansprüche an

ein Dorf, das ihn nach seiner Auffassung zukäme, nachzuweisen

gedenke.

Doch ausser den Urkunden, die ihren Merkmalen nach in das

eine oder das andere dieser beiden Schemata genau huiieinpassen,

bleibt der viel grössere Teil der Urkunden übrig, welche die Gha

rakteristika dieser beiden Gruppen nicht streng geschieden, sondern

in den verschiedensten Verbindungen gemischt enthalten und sich

bald der einen oder der anderen mehr nähern. Für eine genauere

Einteilung aller brandenburgischen Urkunden dieser Zeit wäre es

nötig, die sämtlichen Urkunden naoh einem bestimmten Gesichtspunkte,

der für alle in gleicher Weise massgebend sein müsste, zu

klassifizieren. Ahei hei der Manriigfa] tigkeit der Erscheinungen in

den Urkunden des späteren Mittelalters wäre ein derartiges, völlig

befriedigendes Prinzip wohl kaum zu finden. Mag man die äusseren

oder inneren Merkmale der Urkunden der Anordnung zu Grunde

legen, die Zahl der Fälle wird nicht gering sein, in denen die Einreihung

einzelner Stücke die grüssten Schwierigkeiten bieten und

oft nur mit gewaltsamer Vernachlässigung ihres inhaltlichen Charakters

auszuführen sein wird. Und da sich auch mir die Beobachtung

aufgedrängt hat, der Bresslau in dem Vorworte zu seinem Handbuche

der Urkundenlehre, bereits Ausdruck gegeben hat, 2 «dass

auf diese Frage unendlich viel weniger ankommt, als oft angenonnineu

wird,» So habe ich es vorgezogen, von einer genaueren Einteilung

des urkundlichen Materials ganz abzusehen.

1 Or, 1429 April 18. DomBtift StendaL (St. A.)

Breslau, Handbuch der Urkundenlehre für Deutschland und Italien. Leipzig 1880.

Vorwort S. IV.


Die urkunden werden selbst e Eitterae» resp. «Brief» genannt

nur Entscheidungen Lind Verein bariingen, sowie BündnisvertrIge

führen öfters die Bezeichnung «Schrift» wenn sie sich iii der

äusseren Form auch von den als ((Briefe» bezeichneten Urkunden

nicht unterscheiden.

Die Urkunden sind vorzugsweise in deutscher Sprache niedergeschrieben,

lateinische sind nur noch selten zu finden, vornehmlieh

wird die lateinische Sprache in Urkunden angewendet, die für

die Kirche ausgestellt werden. Unter den 160 Originalen des Gott.

Staats-Archivs in Berlin waren im Ganzen 8 lateinisch abgefasst ;

unter den 50-60 des Flaus-Archivs, die hauptsächlich Eheverträge

enthalten, war keins in lateinischer Sprache geschrieben.

Die Mundart der deutschen Urkunden ist teils die mittel-, teils

die niederdeutsche. Die dialektischen Unterschiede der Urkunden

sind vielfach als eine Folge der verschiedenen Ileiinatsin indarteit

der Urkundenschreiber zu betradhteit. Daher sind bisweilen Urkuiicleii,

die in der Reinschrift im leinen Mitteldeutsch geschrieben

sind, im Register in der niederdeutschen Mundart zu finden. Aussei-

(10111 iiahm nian auch in vielen Fällen auf die dem Empfänger geläufige

Sprache H äcksirlit, 11111 das betreffende Schriftstück - besonders

kaiii dies in den Briefen vor - leichter verständlich zu

machen. So gebraucht. der Kurfürst in dcii Schreiben an den Rat

von Stettin, Preiizlau u. s. w. den niederdeutschen Dialekt,

während er in der (orrespoiidenz mit seinem Bruder oder auidereti,

(liC in Mitteldeutschland leben, inittoldeutseh sehireibt.

1 So wird die Urkunde, in der das Bündnis des Markgrafen Friedrich und Herzogs

Joachim von Stettin vom Jahre 1440 verbrieft ist (Riedef B. Rd. IV S. 03), ferner der

Vergleich zwischen der Kur Brandenburg und dem deutschen Orden, der 1443 zu stande

kommt (Riedel B. Bd. IV S 289), in der Corroboration als Schrifft bezeichnet.

2 Dass diese Urkunden - wie man vielleicht glauben könnte - sämtlich ausserhalb

der brandenburgischen Kanzlei entstanden sind ist deshalb ausgeschlossen, weil

wir auf einzelnen derselben die Hände brandenburgischer Kanzleibeamte wiedererketineir.

Die Sprache dieser Urkunden zu untersuchen, wäre meines Erachtens eine sehr

interessante und lohnende Aufgabe, der ich mich freilich innerhalb dieser Arbeit nicht

unterziehen konnte. Eine derartige Behandlung dürfte sich natürlich nur auf die

Originale stützen, da die Drucke bei Baumer, Riedel u. s, w. gerade nach dieser Richtung

im höchsten Grade unzuverlässig sind.

Z. B. Riedel C. Bd. 1 S. 483 u. s. w.

Z. B. Riedel C. Bd. 1 S. 501, 507 u. s. w.

-


- -

Bevor wir auf die Formulatur der l)randeliburgisellen Urkunden

eingehen, ist zu bemerken, dass das Forineiwesen in den Urkunden

unserer Epoche für die Charakterisierung der betreffenden

Urkunden nur von geringem Werte ist. War die deutsche Sprache

schon an und für sich für (lic Durchführung der stalTen, scliabloneuartigen

Forinulatur, wie sie im früheren Mittelalter im Gebrauche

\srai , viel weniger geeignet, als die lateinische, so macht sich, \V1O

bekannt ist, seit dein iten Jahrhundert überall in schriftlichen

Aufzeiel inungen das Bestreben immer mehr ge1tnd, sich vom

Schwulst des lateinischen Stils frei zu machen und dieGedanken

in kürzererer und einfacherer Form zum Ausdruck zu bringen.

Als eine Folge hiervon ist es zu betrachten, wenn die Urkundenform

ein des früheren Mittelalters in dein XV. Jahrhu iidert zum

teil schon ganz beseitigt sind, zum teil vereinfacht tiiid zusammengezogen

erselt einen.

Ich werde mich mit dem Formeiwesen, dein meines Ejacimteus

bei seiner geringen Bedeutung einen Anspri mcli auf eingehendere

Behandlung nicht ztmkoiiiint., kurz fassen. Es wird genügen, eine

kurze Uebersicht über die gebräuchlichsten Formen zu geben.

Die In vo catio ist aus dcii deutschen Urkunden verschiviiiiden,

imimter den lateinischen ist sie mii nur auf zwei Urkitmicicim in

der Form « In nomine dornini » 1 und « In nomitme samicte cl individue

trinitatis Amen » 2 begegnet. 1)otli beide St ücke eimtlialteii

auch sonst gewisse bemerkenswerte Eigentümliehikeiteim, die vielleicht

daraus erklärt werden kniiten, dass die Urkunden ausserhalb

der kurfürstlichen Kaiizlei entstanden sind.

Die A ren ga hat mit, der Verkürzung der Formeln und der

Einführung der deutschen Sprache weielmeii rn«sserm. \Veriri wir

lmiii und wieder in den Schieiikungsu rkundeu für Kirchen in dei

Narratio nach der Aufzählung der eigentlichen Gründe, die diesen

Gnadenakt veranlasst haben, die Bemerkung lindeim und (lurell

liolinung des ewigen lebens nach discr weit » oder dergl. ' so ist

1 Riedel A. Bd. XXIII S. 257.

2 Or. 1452 April 17. Domstift Stendal ; bei Riedel A Bd. V 5, 218. In dem Drucke

bei R. fehlt die luvocatio, und als Datum der Urkunde ist irrtümlich der 21. Februar

angegeben.


--

diese Formel wohl iiiehl als aronga im Sinne der Urkunden der

früheren Jahrhunderte zu bezeichnen.

Die S a 1 u t a t i o ist ein Bestandteil der eigen tlichen Briefe und

lautet: ((LinSen grus zuvor» bc'zieltentliehi «unsen gunsthcken grus

ZUVO1'» oder ähnlich. wobei bisweilen an dcii Anfang der Formel

auch noch dasWort «etitbieten» gesetzt wird.

Die Pro in iii g a t i u ‚ die sieh noch in alleii wichtigen urkunden

erhalten hat, heisst entweder nur «Bekennen öfl'entlieh

mitclisseiii brive» oder in der ausführlicheren Form : « Bekennen

und thuon kund vor uns, unse erven und nachkowen und vor

allen den, die iii sehen adir horen, lesen u. s. w.»

Was die Formeln des Eschatokolls anbetrifft ‚ so werden wir

auf die verschiedenen, die Zeugenreilic einleitenden Sätze an

anderer Stelle eingehen.

Die Co r ro b o r a t o lautet vielfach bloss «zu orkunde» beziehentlieh

((zu meier orkunde mit unserm anhangendeii insigol

versigelt» ; in feierlichen Urkunden wird öfter die ausführlichere

Wendung «Zu einer waren orkunde und ruerer gedechtniss haben

wir unson insigeh an diesen brief thun und hengen lassen)) gebraucht.

In der Siegelankündigung kommt teilweise auch die Art des Siegels,

mit dein die Urkunde geschmückt ist, zum Ausdruck, sowie sie

aitc.li bei den Schriftstücken mit aufgedrucktem Siegel bisweilen

einen Vermerk enthält, aus dem zu ersehen ist, 01) das Siegel auf

der Text- oder Rückseite angebracht war. -2

Die Dat i erii n g s fo r m ei besteht aus Orts- und Zeitangaben.

In den letzteren werden die Jahre nach der Geburt Christi gerechnet,

es wird also das laufende Jahr der christlichen Aera (Incarnatioiisjahr'

bezeichnet. Die weitere Datierung erfolgt nach dein Festkalender,

indem angegeben wird, wieweit der betreffende Tag, der

in der Urkunde hezeiciniet werden soll, vor oder hinter dem

iiäelisteii cliiistlielieii Feiertage liegt.

Andere Zeitbestimmungen, wie Indietionen ‚ Zahl der Regierungsjahre

oder ähnliche, sind in den aus der branden] iuirgisclieu

Kanzlei llerVorgegaiigeneii Urkunden nicht zu finden.

Siehe S.93ff.

2 Siehe S. 136,


- 73 -

Der Jahresanfang wurde, wie Riedel gezeigt hat, vom 25.

Dezembe1r (Nativitätsstil) gerechnet. 1 Riedel hat an mannigfachen

Beispielen diesen Jahresanfang überzeugend nachgewiesen, und

soweit ioli die hraiidenhi irgischeri Urkunden darauf hin geprüft

habe, 1ind ich das Resultat seiner Ausführungen überall zutreffend.

Ich halte es daher für unnötig, Riedels Darlegungen noch durch

weitere Beispiele zu bekräftigen.

1 Riedel, Zehn Jahre u a. w. Anhang


KAPITEL IV.

Die Kanzleivermerke unter den Urkunden.

Für die Erfurseliling des Geschüftsganges einer späteren mittelalterlichen

Kanzlei koiiiineii vornehmlich zwei Quellen in Betracht

Die Vermerke , die vielfach von den Beamten der ausstellenden

Kanzlei unter die Urkunde gesetzt wurden, in welchen Angaben

über einzelne Momente des Beurkuncli ingsgesehäfts enthalten sind,

UQ(1 die Kaiizleioidniingeii beziehentlich die Eidformulare, in denen

(liC Funktionen der Beamten festgesetzt, und dadurch zugleich Bestirni

iiungen über die llaiidhabuiig des Kanzleibetriebes getroffen

waren.

Was die hrandeiiburgische Kanzlei angeht, so sind uns Kanzleiordnungen

bez. Eidbrmulare aus unserer Periode nicht erhalten.

\T0 gewissem Interesse ist daher für uns die Kenntnis des Eides

den der fränkische Kanzler dcii Hohenzollern im Jahre 1486 seinen

Fürsten beschwören musste. 1 Denn wenn auch die 'Verwaltungen

der finkischeIL und brandenburgischen Länder getrennt waren, so

scheint doch die Gescliftsführung in den beiden Kanzleien -- was

hei ihrer gemeinsame!! Grundlage vuim vornherein zu erwarten ist

im wesentlichen ganz dieselbe gewesen zu sein.

Aber dieser Eid wird immer nur mit Vorsicht für die Erfbisehuiig

derhrandenburgisclmeu Verhältnisse zu verwerten sein. Für sie

sind die Kanzleivern'ierke unter den Urkunden die wich-

1 7b in R. 78, 81 St. 1.) ; gedruckt von Wagner in dem schon angeführten Aufsatze

Archivalischen Zeitschrift, Bd. X 8, 21, 22.


ti g s te Quelle. Freilich bilden sie keinen notwendigen Bestandteil

jeder Urkunde, doch treten sie zeitweise besonders in den Jahren

1426-143'7 ‚ wo Sommer die Kanzlei leitete ‚ sehr oft auf. Und

wenn sie auch in den letzten Jahren Friedrichs II. nur noch selten

zu fiiiden ist, 1 so genügen diese wenigen Fälle doch ‚ um uns

erkennen zu lassen, dass die für die früheren Jahre go\vonneneu

Resultate auch für die spätere Zeit ihre Geltung bewahren. Wenn

sieh auch in der Zusammensetzung der Kanzlei und tier Stellung

ihrer Beamten im Verlaufe unserer Epoche vieles geändert hat, SO

ist die Handhabung des Geschäftsganges in den wichtigeren Punkten

am Schlusse der Regierung Friedrichs II. ohne Zweifel noch die

gleiche gewesen, wie zur Zeit des Mark grafen Johann und früher.

Die Kanzleinotizen sind in den Urkunden, gleichgiltig ob die

betreffende Urkunde in deutscher oder lateinischer Sprache abgefasst

ist, lateinisch formuliert, nur die Titel SiIl(l vereinzelt (leillsell

bezeichnet. Die Vermerke stehen auf dcii Originalen, sowie auch

auf den Abschriften rechts unter dem Texte und zwar auf den Drigiiialen

auf der äusseren oder inneren Seite des Buges. In der

Kanzlei Friedrich des Jungen (Feisten, herrschte längere Zeit der

Gebrauch, sie auf die Innenseite des Buges zu setzen, während iiiami

sie zu derselben Zeit in der kurfüis(.hiclin Kanzlei vorwiegend auf

die Aussenseite schrieb.

Die am häufigsten begegnende Form der Kanzleiverinrke, sind

dli 'jeul igel!, Iii denen eine bezielleiltlich Persomieu als B elator

(cii) bezeichnet wird. Auf diese Art mnüsseii wir zunächst

eingehen.

A. Die Relatorenvermerke.

Zmuiiäelist mü ssen wir uns in lt d ' r Frage hcschiiiftigeii, was wir

unter « Hi dator » zu verslehiei 1 haI eII . Für die Beie! iskanzlei dieser

Zeit, von dci wir hei (1er Betrachtung der braiideiiburgischen

1 Vgl. S. 80.

2 Beispiele derselben finden sich im Anhang, wo alle Kanzleinotizen, die unter

den mir bekannten Urkunden dieser Zeit erschienen, zusammengestellt sind. Siehe unten

S. 139-152.


- 76 -

Kanzleiverhältiiisse ausgehen können, da für die Organisation der

Fürstenkanzleien die der Heiehskanzlei mehr oder weniger von

Einfluss gewesen ist, gehen die Ansichten über die 'fliätigkeit des

Relators auseinander. Während Liiidii(,r l und l3resslau 2 in demselben

die Person erblicken, welche der Kanzlei dcii Befehl zur

Ausstellung einer betreffenden Urkunde übermittelte, weist Sceliger

3 dem Relator eine weit grössere Aufgabe zu und sucht ilarznthun,

dass in ihm der verantwortliche Leiter der gesamten zur

Beurkundung gelangenden Begiertmgshiandluiig zusehen ist, der in

erster Linie die der Beurkundung vorangehenden Verhandlungen

zu führen und, als das letzte und wohl nicht als das wesentlichste

Moment seiner Thitigkcit., den Auftrag zur Ausfertigung der Urkunde

der Kanzlei zu geben hatte, -

Ani brandenburgischen Hofe kann die Thütigkeit des I{elators

n 1 c h t in der Leitung der dem eigentlichen Regierungsakte vorangehenden

Verhandlungen zu suchen sein.

In den Kap. 1. näher behandelten Registerbüchern stossen wir,

wie bereits erwähnt wurde, öfter auf Abschnitte, die überschrieben

sind «Manlehen od. dergl. unverbriffet», in denen wir Leliensvergebungen

u. s. w. an gewisse Personen in Form von Regesten

mit Angabe d3s I)atutns, wann dieselben erfolgt sind, eingetragen

finden, über welche urkundliche Zeugnisse nicht ausgefertigt worden

sind. Häufig sind wohl Urkunden über Verleihungen u. s. w.

gar nicht oder erst viele Jahre nach der vollzogenen Handlung ausgefertigt

worden, nicht selten, weil die betreffenden Einpfiiuger

1 Lindner, Das Urkundenwesen Karle IV. und seiner Nachfolger. Stuttgart 1882,

S. 128 ff.

2 I3resslau a. a. 0. S. 737 ff.

2 Seeliger, Das deutsche Hofmeisteramt im späteren Mittelalter. Innsbruck 1885.

S. 102. In dem Aufsatze: Die kurmainzische Verwaltung der Reichskanzlei (Mitteilungen

des Instituts für österr. Geschichtsforsch. Bd. VIII S. 1 if.) scheint Seeliger schon von

der in der erst genannten Schrift entwickelten Ansicht in betreff der Thätigkeit der

Relatoren zurückgekommen zu sein, wenigstens bezeichnet ei' in dieser Abhandlung

(S. 15) die Relatoren nur als die Personen,«welche den Befehl [der zur Vornahme der

Beurkundung nötig war] vermittelten.; von der cLeitung der gesamten Regierungshandlung.

ist hier nicht mehr die Rede.

4 Vgl. S. 20.

5 Grundmann, Versuch einer Uckeriniirkischen Adeishisterie, l'renilau 1744, S. 15.

wo Fälle angeführt sind, in denen die Ausstellung der Lehneurkunden erst 15-20

Jahre nach der Verleihung erfolgte.


77 --

die Ausferti gun g einer Urkunde nicht wollten. So habe ich im

Geh. Staatsarchiv einen Zettel gefunden, auf dem vermerkt war,

dass der Kurfürst Friedrich II. einem gewissen Dionvsius und seinen

Erben noch 16() Gulden schuldig wäre, mit. dem Zusatz : « sy wolden

keinen brief darob.» Wurde nachträglich die betreffende Urkunde

ausgestellt, so griff man vermutlich auf diese Notizen zurück,

aus denen das Nähere zu ersehen war. hinter die betreffende

Notiz im Register wurde durch einemi ensprecimenden Zusatz

die später erfolgte Ausfertigun g des betreffendenIiocumentes augemerkt.

Auffahleriderweise ist unter keinem der Regesten, zu denen

Urkunden noch nicht ausgefertigt waren, irgend ein Relatorenvernierk

wahrzunehmen. Diese Erscheinung ist, wie ich glaube, mit der Deutung

des Relators in dem Sinne als Leiter der zu dem Regieriingsacte

führenden Verhandlungen nicht in Einklang zu. bringen. Denn wenn

auch die in den Regestemm bezeichneten Handlungen noch keine urkundlichen

Bestätigungen erhalten hatten, so müssen doch immerhin

diesen Regieruiigsakteii in derselben Weise, wie den urkundlich

sanktionierten, Beratungen vorangegangen Schi, di3 von gewissen

Räten geführt worden sind. Und wenn dies das Hauptmnomneut in

der 'rhätigkeit der lielatoren war, so ist nicht abzusehen, warum

in allen diesen Fällen die Helatoren nicht genannt sind, während

unter den Regesteu ‚ die zu bereits ausgefertigten Urkunden gehören,

2 in demselben Verhältnis, wie unter den vollständig registrierten

Urkunden ilelatoreinvernierke vorhanden sind.

Noch ein anderes und wichtigeres Moment spricht gegen die

Möglichkeit dieser Auffassung der relatorisehen Wirksamkeit.

In der überwiegend grösseren hälfte aller Kanzleinotizen in

denen ein hlelator genannt wird, tritt der Markgraf selbst iii dieser

Eigenschaft auf. Unter der Annahme, dass der Relator das schwierige

Geschäft der der Beurkundung vorangehenden Beratungen, Untersuchungen

u. s. w. zu erledigen hatte, würde diese Thätigkeit allein

1 Vgl. z B. R. 78 8 (St. A.) fol. 20, wo hinter dem Regest einer Verleihung für

Henning von Kokdo in dem Abschnitte mit der Ueberschrift Manleheii unverbriffet

von anderer Hand, sicherlich später hinzugefügt ist: 'sie haben brive darnb.

Die ausgefertigten Urkunden wurden nicht immer vollständig registriert, sondern

bisweilen nur in der Form von Regosten in die Register eingetragen (siehe S. 109).


- abgesehen V011 den vielen anderen, zweifellos wichtigeren Ft,iiklinien

des Fürsten -- diesem eine kann) zu hewältigeiide Arhf i sIast

auf die Schultern geladen haben, wlirend die einzelnen Bte am

liefe, (ha sicherlich eher berufen waren, die Verhältnisse zu prüfen,

olh und iii welchem Umfange ciii Lehen vergeben werden sollte,

eine Forderung anzuerkennen war u. s. w., sich in dieser hinsieht

nur sehr wenig betliiitigt haben würden. Aber gerade die Wirksamkeit

der BMe hei der Bestimmung über vürziiiiehiineiide Bei irkundungeii

wird ja in so vielen Urkunden ausdrücklich hervorgehoben,

irnd es ist eine immer wiederkehrende Wendung in den

UFkUn(lefl «wir haben verliehen ii. s. w. mit naeh rade uu ser

rete». Wenn also die Mitwirkung der Räte heim Zustandekuinuien

der Handlung iii diesen Relatorenvermerkeii zinn Ausdruck gebracht

werden sohlt, so hätten doch die Räte in ihnen viel öfter genannt

werden müssen, als es wirklich gescliielil

Die Aufgabe des lielators am brandenburgischen Hofe kann

also, wie aus unseren Darleguugeiihervorgeht, iiic.ht in einer

Thätigkeit bestanden habe, die so viel Zeit und Mühe verlangte,

wie sie für die Verhandlungen eines Regierun gsaktes wohl zumeist

nötig waren, denn sonst wäre es unerklärlich, wie der Markgraf

selbst die relatorische Funktion so überaus oft ausüben konnte.

Anderseits musste sie aber eine gewisse Bedeutung und Verantwortung

in sieli schiessen, weil grade vorzu gsweise der Markgraf

und ausser iRin zumeist nur die angeseheuieren Räte als Helatoren

erscheinen, und vielfach sogar die Personengenannt werden, die

bei der Ausübung der relatorischen Thätigkeit zugegen waren.'

Ganz besonders bemerkenswert ist ferner, dass, sobald unter einer

nur regestenartig eiiigetragenen Abschrift ein Helatoienvermerk hiiiizugefügt

ist, im Regest fast immer auf die Ausfertigung der cii 1sprechenden

urkundlichen Aufzeichnung ausdrücklich hingewiesen

wird ‚2 'Wir haben damit einen weiteren Gesichtspunkt gewonnen,

1 Siehe S. 80.

2 Z. B, Register 8 (R. 78 8 St. A.) fol. 88i. d., wo hinter den Regesten von Verleihungen,

die urkundlich noch nicht fixiert waren, die auch sämtlich keine ilelatorenvermwke

fühien, Regesten m i t Relatorenvermerken folgen, in denen aber durch den

Zusatz nach lude eins brives besonders hervorgehoben wird, dass über die betreffende

Handlung Briefe ausgestellt sind.

-


79 -

aus dciii wir erkennen, dass die T1i ti g k ei t des B ei at ors vor -

nehinlich mit dem Beurkundnngsgesc.häfte in engen!

Znsainmenhange gestanden liaheii muss.

Das Moment, auf das diese Gesichtspunkte hinweisen, ist die

Erteilung des Benrkundungsbefehls an die Kanzlei.

Dieser wichtige Akt wurde in der brandenbur gischen Kanzlei, wie

sieh also ergibt, mit «Helatio)), und die Person, die ihnder Kanzlei

überbrachte, als «Relator» bezeichnet. 'Wir sind also fir die brandenburgische

Kanzlei zu demselben Ergebnis gekommen, das Lindner

und Biesslaui für die Reichskanzlei festgestellt haben.'

Fassen wir Relator iii diesem Sinne, so sind die Schwierigkeiten,

(110 sich vorhin der I)euitung als Leiter der Vorverhandlungen entgegeiistehlten,

beseitigt. Es leuchtet nunmehr ein, warum in dem

Ahschiiiitte des Registers, in dein urkundlich nicht aufgezeichnete

Handlungen registriert waren, unter den Notizen keine Rolatorerivermerke

zu finden sind. Denn da in diesen Fällen der Kanzlei

vermutlich nur die Mitteilung über die erfolgte Regierungshandlung

zugegangen war, der Auftrag zur Ausfertigung eines rechtskräfti-

Aus diesen Ausführungen ist nicht etwa der Schluss zu ziehen, dass am brandenburgischen

Hofe der Itelator niemals etwas mit den Vorverhandlungen zu thun hatte,

sondern im Gegenteil glaube ich, dass dort, wo ein markgräflicher Rat als Relator zu

finden ist, in seinen Händen auch die Führung und Erledigung der dem eigentlichen

Akte vorhergehenden Geschäfte gelegen hat. Naturgemäss wird man denjenigen Rat mit

der Uebermittlung des Befehls beauftragt haben, der die betreffende Angelegenheit möglichst

genau kannte, weil er zugleich mit der Erteilung des Beurkundungsbefehla die Kanzlei

für die Ausstellung der Urkunde über die näheren Umstände, die Art und Dauer der

Verleihung oder dgl, informieren musste. Nur die Annahme, dass in der Thätigkeit

vor dem Beurkundungshefehl das eigentliche Wesen der

relatorischen Funktion 711 suchen sei, sollte als für die brandenburgischen

Verhältnisse nicht möglich dargelegt werden.

Der Ketn der Wirksamkeit des Relators ist am brandenburgischen Hofe die Anweisung

an die Kanzlei, eine Urkunde bestimmten Inhalts auszustellen.

2 Gegen diese Deutung scheint allein die Unterfertigung Riedel A. Bd. XII S. 4)

Relator dominus per se et iussit zu sprechen. Aber da sich diese nur einmal und zwar

unter einer Abschrift im Register findet, wird derselben besonderes Gewicht nicht beizulegen

sein, zumal der Gedanke an ein Versehen seitens des registrierenden Beamten

sehr nahe liegt. Es finden sich nämlich bisweilen Unterfertigungen in der Form Dominus

per se iussit ‚ . .‚ sowie das entsprechende Dominus per se commisit (Riedel A.

Bd. X S. 530, A. Bd, XV S. 237), wo aber der Zusatz «Relator' fehlt. Der Schreiber

wollte wahrscheinlich die seltenere Form dominus per se iussit' anwenden, fing aber

seiner Gewohnheit folgend den Vermerk mit Rclator ' an. - Dass mit ciussit' in der

Unterfertigung (Riedel A. Bd. XII S. 54) eine andere Art von Befehl als der Beurkundungsauftrag,

etwa der Fertigungs- oder Vollziehungsbefehl gemeint sei, scheint mir deswegen

ausgeschlossen, weil dieselben in den Vormerken sonst nirgends erwähnt werden.

Im


- 80

gen Instrumentes aber unterblieben war, SO gab es natürlich auch

keinen Relator, der unter diesen flegesten genannt-werden konnte.

Es ist ferner wohl zu begreifen, dass die Fürsten vorzugsweise als

Relatoren auftraten und sonst nur angesehene Personen, die mit

dem Hofe in Verbindung standen, besonders Räte in dieser Eigenschaft

Erwähnung fanden, und dass vielfach sogar die Personen

genannt wurdeii, die bei der Ausübung der relatorischen Thätigkeit

zugegen waren. Denn die Kanzlei, die mit den sachlichen Beratungen

und Untersuchungen über eine Regierungshandlung ii iclits

zu thun hatten, sondern dieselbe auf Grund dargebotenen Materials

nur schiiftlicli zu fixieren und in kanzleiinässige Formen zu bringen

hatte, konnte selbstverständlich nicht für die Sache selbst, soiidein

nur für deren kanzleimässige Aufzeichnung die Verantwortung

übernehmen. Sie hielt sieh im übrigen schadlos, indem sie denjenigen

im Vermerk iiamnhaft machte, ilei' ihr den Befehl zur Ausfertigung

einer solchen Urkunde, gegeben hatte.

Aber in der letzten Zeit Friedrichs IL, als die Kanzlei innerhalb

des Verwaltun gskörpers au die vorderste Stelle gerücl't wurde,

als ihre Sekretäre dcii mnarkgiflielien Räten gleichgestellt wurden

und bisweilen vielleicht aiwIl. selbst zu dcii Beratungen über eine

vorzunehineride Regierungshandlung hinzugezogen worden sind,

scheint man in der Kanzlei nicht mehr das Bedürfnis in der Weise,

wie früher, empfunden zu haben, sich in der Verantwortung fürdie

Ausfertigung einer Urkwi'le durch die Bezeichnung des Auftraggeh)ers

zu deckemi. Daher wurden gegen das Ende der Regierung

Friedrichs II. die lielatoreuverinerke unter den Urkunden nur

noch seiten hinzugefügt. Vorher jedoch unter Johann und auch

noch in den ersten Jahren Friedrichs II. benügte man sieh häufig

nicht nur die Person zu nennen, die den Befehl dci' Kanzlei erteilte,

sondern man setzte auch noch die Zeugen hinzu, die der Erteilung

des Beurkuiidungsbefehls beiwohnten, vermutlich um auch für

den Fall gesichert zu sein, dass der betreffende Relator es später

in Abrede stellte, den Auftrag zur Ausfertigung der Urkunde gegeben

zu haben. So findet sich öfter die Fom'm: Relator dominus per

se in presentla consiliariorum 1 oder z. B. Relator hasse de Bredow

1 Riedel A. Bd. XI S. 93.


81 -

in preseiitia horn I3ei'iits vuti der Schulenburg oder Relator dowinus

per se coram coiisiliariis J. s. \\r Auch Vermerke der Art

Helator doriiinus per se cumn consiliarijs oder Z. B. Relator

dornintis per so, Er Hans von Waldow, Heyne Pful, \Vilheim

Fuchs 1 und dergl. kommen vor, iii denen die neben dein

Relator erwähnten Personell wohl ebenso, wie in den zuerst genannten

Formen, als Zeugen der relatorisehien r1llätiejt aufzufassen

sind.

Mit tleii Vermerken, die lauten «Relator dominus HOI' SO», inhaltlich

gleichbedeutend sind die freilich viel selteneren: dominus

per so, propi'ia eomnmisSiu domniuii, doimiiiius per se iLisSit eø[niiiisit)

und auehi die Unterfertigungen, welche mit. der Wendung: ad maudaturii

dom mi oder äl iilicl ion beginne i i, auf welche dauii i stets der

Name des Kanzleiheamteii folgt, der die Ausfertigung des betr. l)ocuimentes

besorgt. hat. Diese unterscheiden skli von der bisher bespi'oeherien

Form «Relator» mi. s. w. dadurch, dass diese letztere in

Anwendung kommt, sowohl, wenn der Markgraf als auch tue Räte

dcii Beurkumidurigsbefehl geben, dagegendie erstere nur in Beziehun

g auf denMarkgrafen gebraucht wird. Dass die Form ad

uimandatumn domijii mit jener Relatur (lOfliifluS per se inhaltlich

gleichbedeutend ist, bewe ist - Iiiii ein Beispiel hierauszugi'eifeii -

dc für Kl. Diesdorf am 17. März 1428 ausgestellte Urkunde. Auf

dem Original steht: de mandati- douuiini inai'chiomuis Jo. Sonumuer

prothuotiutarius, mi Register 6 unter derselben Ui'kuiitle Helator doillilil_IS

})e1' SO».

Nachdem \ViI' IlflS über (lic Bedeutung der Bozeielmnuuuug «Belat(

pl'» . 1111(1 Ober (las Wesen der Voi'merke, iii den Relatom'en auftreten,

klar geworden sind, uuiisseu wir imuus über die Art ihrer Eintragung

auf den Oi'igiuialen orientieren.

Riedel A. Bil. XVII S. 280, siehe S. 112.

Or. 1440 Aug. 16 Johanniterorden. (St.. A.), siehe S. 14.1.

Riedel A. Bd. XXIII S. 218, siehe S. 145.

‚ Riedel A Bd. XXIII S. 218, siehe S. 145.

(Jr. 1428 März 17 Kl. Diesdorf. siehe S. 140.

Registerband 5 (lt. 78 5 St. A.) fol. 74, siehe S. 140,

6


- 82 -

Die lelatoieij habeii wohl niemals ein als deii Zusatz unter dem

Original, in dem diese ihre Thätigkeit zum kusdruck kommt, mit

eigener Hand geschrieben. Die flelatoreuverinerke sind zuiiieist.

von dem Kanzleibeamten, der die Reinschrift besorgt oder dieselbe

nachher durchgesehen, der an der relatoriseheu Thiätigkeit

aber absolut keinen Anteil gehabt, hatte, hinzugefügt. worden. So

ist es erklärlich, dass wir \Ter i nerke, in denen der Markgraf genannt

wird, von verschiedenen Händen geschrieben finden, dass

wir dasselbe auch hei solchen Vermerken wahinehiiien, in denen

derselbe Rat als Relator bezeichnet wird. So ist es begreiflich, wenn

wir den Namen ciii und derselben Person, die mehrere Male als

lielator atift.ritt, in dcii einzelnen Vermerken in verschiedener Form

begegnemi)

Weit schwieriger ist es, die Frage zu beantworten, ob die

Helatorenvermnerke bereits auf dem (uncepte gestanden haben und

von ihnen uuo t.eiiore mit dciii Texte auf das Original geschrieben,

oder ob dieselben, ohne ursprünglich auf dcii (oncehite n angeführt

gewesen zu sein, direet auf die Originale gesetzt worden sind.

Wir timüssen zunächst innerhalb der Relatorenvermerke zwischemi

denjenigen unterscheiden, die nur die Angabe über die Erteilung

des Beurkunduugshefehls enthalten, die ich als einfache Belatorenverwerke

weiterhin anführen werde, und zwischen denen die

noch mit Zusätzen versehen sind, in denen bemerkt wird, von

wein die Urkunde gelesen bez. geprüft wurden ist; diese letztereii

nenne ich die erweiterte ii Relatorenverrnerke.2

Was nun die (-inttcIicn Vermerke betrifft ., so sind diese, wie

die uns enthaltenen Goneepte beweisen, zum teil bereits auf dcii

Urkundenentwürfen zu finden. 5 Aber damit ist keineswegs dir

Gewähr gegeben, dass diese Vermerke auch wirklich von vorn-

1 Um zwei Beispiele anzuführen:

Or. 1447 October 15. Werbelin St. A.) Relator Ulrich Czewschei.

1451 April 27. Berlin (St. A.) Relator Ulrich Czewsschel.

1449 Aug. 22. KI. Disdorf (St. A.) Relator . . . haselman.

1448 Dez. 17. KI. Neuendorf (St. A.) Relator . . . hasselman.

2 Eine häufig wiederkehrende Form derselben ist u a-: Relator dominna per se et

legit, siehe Anhang 1.

Vgl Registerband (R. 78 7 St. A.) vor den Folioseiten, Registerhand 9 (11, 78 9

St. A,) fol. 47 11 die entsprechenden Originale habe ich nicht finden können


- 83 -

herein auf den Concepteii ihren Platz hatten. Die Möglichkeit

bleibt offen, dass dieselben ursprü riglich den Originalen hinzugefügt

worden sind und später )o[i diesen auf die Güncepte nachgetragen

wurden, min die letztere" zu vervu11stindigen und zu bewirken,

dass die betreffenden Notizen auch in die Register aufgenommen

würden, denn nach den Coricepten Wurde, wie wir noch zeigen

werden, in der brandenhurgischen Kanzlei registriert.' Paläographisch

wird zu einer Entscheidung über diese Frage bei den

wenigen \Vorteii dieser Veritierke, die dadurch (1er Sehriftiitttei•_

sucliung nur wenig Feld bieteii, kaum zu gelangen sein. Dagegen ist

der Umstand meines Erachtens von Bedeutung, dass wir im Register

eine Abschrift finden, die nachweislich das Coucept als \roilage

heiiiitzt haheii in uss, weil zurZeit der Anfertigung der Abschrift

das Original überhaupt itoch iiiclit vorhanden war, 2 und welche

mit, einem einfachen Relatorenverinerke versehen ist. In diesew

Falle kamt also der Vermerk tiiclit vom Original auf das Concept

übertragen sein, sondern hier hat er ursprünglich, auf deni Cumicepte

gestanden.

Doch dieses Verfahren war offenbar uiicht (hIC He4 l, der man

stets folgte; auch das umgekehrte Verfahren ist zu beobachten.

Bisweilen setzte inan die Vermerke (lireet auf die Originale. Wenn

tu miter dein Orig. für ('iolire (1K reis Stendal 1 4 1 Oetuher 3 1 St. A.

der Vermerk Relator Aiiid de Luderitz (-apitaiteu is und uni (er dem

für KI. Cliorin Mai 17 1 1t21 St. A.) die Notiz Relatur Wirjcht

'Fru urhithiuigen ii. s. w. ohne Frage sp"iter als der rft auf dciii

letzteren Originale sogar von anderer Hand - liiuziigefgt sind, SIJ

liegt die Vermutung sehr iialie, dass die Ceimeepte der Ui'k unden

uirsprüuiglicli diese Relatorenverinerke nicht trugen, denn warum

sollte sonst der Schreiber der Originale diese Vermerke nicht voni

Euitwuirfe uno tenore mit dem Texte i'flieitrageii haben?

\\rl i e,id also hei dcii einfachieii llelatoreiiverjnerkeui der Kauzleigelirauclm

geschwankt zu haben scheint, ist wie ich meine, in

1 Vgl. S. 109.

2 Vgl. S . 108.

Siehe Anhang 1 S. 149.

4 Siehe Anhang 1 S. 139.


-- -

Betrell der erweiteiten anzunehmen, dass sie stets zuerst auf die

Originale kamen und von dieseit daiiii auf die Conzeple nacingetragen

wurden. Denn einiiial war unter den Eiitwiirfeii, die vorliegen,

kein einziges zu finden, das mit einen! erweiterte][ Vei'merke

versehen war, ail(1c1'selts ahei' sind ilils mehrereFälle

begegnet ‚ wo sieh mit. Sicherheit auf dcii Originalein erkennen

liess, dass die betrelfeudeit Vermerke erst iiaehtrüglichi liiiizugef(igt

worden sin(1, 1 d. h. wo die Wahrscheinlichkeit, dass Sie von Aufang

an auf dorn Concepte nicht verzeichnet waren, eine sehr

hohe ist.

Wenn aber die erweiterten Relatorenveriiierke iirspr(nglieli

mir den Originaleun angehört haben, so können - da die Abschriften

am braudenburgisclien Hofe nach dcii Entwürfeui registiert

wurden - überall da, wo wir in den Hegistcrii derartige

Veriiiem'ke finden, diese erst nac1ttr(gliehi von dcii Heirischfte rii

unter die Coneepte beziohentlichu unter die Abschriften gesetzt

worden sein. 2 Ferinei aber ergiebt sich für uns, wenn wir von

1 Z. B. Or. 1448 Februar 21. Berlin (St. A.). Or. 1451 April 27. Berlin (St. A.).

Or. 1459 Januar 25, Lebus (St. A.).

2 Bisweilen stehen auf den Originalen Unterfertigungen (siehe Anhang 1), während

sich im Register unter derselben Urkunde erweiterte Relatorenvermerke finden. So

heisst es unter Or, 1456 November 2() LebusSt. A.) : cd mandatum dornini Heinricus

Howeck, während wir unter der entsprechenden Abschrift (Registerband lt fol. 41' . 11-

B. 78 ii St. A.) die Notiz lesen I-ielatui' doniinus per se et legit. In diesem Falle war,

wie ich annehme, auf dem Concepte ursprünglich kein Vermerk hinzugefügt. Der

Kanzleisekretär Howeck, der die Ausfertigung dieses Originals überwacht hatte, setzte,

nachdem er die Vergleichung der Reinschrift mit dem Bntwurfe besorgt hatte, eigenhändig

isiehe S. 88 die Unterfertigung unter das Original und legte es nun dem Fürsten

vor, der es selbst durchsah. Da es wider den Kanzleigebrauch war, zu der Unterfrtigung

eine Notiz über (Ije erfolgte Prüfung der Urkundenstücke hinzuzufügen, so

konnte Howeck dieselbe nicht mehr auf dein Originale, sondern nur unter dem Concepte

zum Ausdruck bringen, indem er dort statt der Unterfertigung den gleichbedeutenden

Relatorenvermerk (siehe S. 8]) anbrachte, zu dem er ohne weiteres die Notiz tet legit»

hinzusetzen konnte. - Ebenso scheint es mir mit dem Or. 1433 Januar 4 Johanniterorden

(St. AJ zu stehen. hier lautet der Vermerk: De mandate dornini Johannes Sommer

prothonotarius, dagegen unter der Abschrift (R. 78 5 fol. St. A.) Dominus per se et

examinavit coram coiisiiiariis.

Anders verhält es sich mit din Or. 148 Februar 21 Berlin St. A.), das den Vermerk

tiägt: Relator domiiius per se et legif, der unter der Abschrift dieser Urkunde

R. 78 10 fol. 20 . d. St.. A.) : Relator her Bernd von der Schulenborg heisst. Bei

genauerer Prüfung des Vermerkes auf dem Original erkennt man deutlich die Spuren

einer Rasur, welche aber die Ansätze eines früheren, dort stehenden \ernierkes nicht

völlig zu tilgen vermochte, so dass ich nicht bezweifle, dass das Original ursprünglich

mit einem andern Vermerke, wahrscheinlich demselben, den wir jetzt noch unter der


- -

(1)])igl1 .\iisielit, attsrllIi, dli' ‚ ilii il\\(il1till flolL

titiiiii,erke alloll itiliall]ieli auf dli, )riivale itiol iiieltt

atil die Goiicepte zu beziehen, d. li. für die in diesen Veritierkeu

auftretenden Verbalformen «legit et exat tiiiiavit», oder wie die Weiiii

ungen i1iri1ic1i lauten, sind die Originale als Objekt zu ergänzen.

Wir erfahreii also aus diesen Veritierkeii nur im Betreff der () r ig

in ii i e, dass sie seitens des Markgraten oder seiner 13 i te einer Durchsi

glit i tn[erw'orf ii worden sind.

Auch ciii anderes Verfahren, das wir in der bran]euburgisclieii

Kanzlei eine Zeit. liiiidliii-(-ii heobacItten kiuiiei t, darf nicht unerwähnt

1 ileiben. Wir finden ei nie Urkunde, die im Register mit einem

Itelatoreuvern rierk versehen ist, der auf deni Ori ginale felit und daher

vermutlich aueli nicht au f dem Cuncepte gestanden haben wird.

Es ist dies das Original des Kan[1iuser Klosters 2 aus dein Jahre

1 •38. Unter demselben steht kein Venniterk.

Dagegen Ieseii wir

1 inter dci' Abschrift im Register: Uclator (1I:inIi nils ICI' se. Wie ist.

diese Erscheinung zu erk lüren ?

l)ie Deutung (lerselben gehen uns die Register selbst. Unter

dci' Abschrift einer Urkunde aus (leni .Jahre 14:35 steht im Register

von der Hand des Registrat.oi's «Adleuc deest Helator.»

l)ieselhe Notiz !iiidet sich noch unter mehreren uiderout Urkunden

aus Jetit Jahre 1 4 Auffallend ist., dass diese Abschriften nach-

Abschrift finden, versehen war. Dieser war vermutlich zuerst auf den Entwurf gesetzt

und von dort auf das Original übertragen worden. Bei der Durchsicht desselben, die

der Fürst selbst vornahm, erfuhr mau, dass der Vermerk unrichtig sei, dass nicht von

der Schulenburg, sondern der Kurfürst selbst der lielator gewesen sei. Man änderte

nun die Notiz auf der Reinschrift, vermerkte auch die Durchsicht seitens des Markgrafen,

liess aber aus Versehen den irrtümlichen Vermerk auf dem Entwurfe stehen,

von wo aus er unter die Abschrift gelangte. - Die Ersetzung des ursprünglichen Vernierkes

durch den anderen, in dem auf die Prtiftiiig des Schriftstückes durch den

Herrscher hingewiesen wird, könnte man vielleicht auch so erklären wollen, dass der

Kanzleibeamte, nachdem der Fürst wie aus dein zweiten Vermerke hervorgeht -

das Original selbst durchgesehen und damit, der Kanzlei gegenüber (hie Verantwortung

übernommen hatte, es nicht mehr für nötig hielt, den eigentlichen Ueherbringer des

Beurkundungsbefehls steheui zu lassen, sondern es vorzog, den ersten Vermerk ganz

auszuradieren und deut Markgrnfeii als ilelator anzuführen. Aber dieser Erklärung ist

grösseres Gewicht nicht beiztulegen, weil wir öfter Unte.vfertigungeii begegnen, in denen

ein Rat als Relator genannt. wird, trotzdem der Fürst als der die Urkunde Prüfende

bezeichnet wird (siehe Riedel A Bd. VI S. 187, Anh. 1 S. .1(1; II. 78. 7. (St. A.') fol. 8.

Auh. 1 S. 143 u. s. w..

2 (ii ,. 1438 September 3U Frankfurt a. 0. Karthause (St. A). siehe Anti. 1 S. 143.

3 Registerband 5 (11. 78. 5. St. A.) fol. 50.

Bes. Registerhand 5 (H. 78. 5. St. A.) fol. 51 u. 52 i - II.


86

träg!icli mit Bela ton iiveimerken V rsclieii worden sind, und dass -

was bei zwei Abschriften ganz besonders deutlich hervortritt.' - später

jene Notizen auszuradieren, versucht wurden ist. Der Saeliverhall, ist,

wie ich meine, folgender. Auf dein Coneepl, nach weleheui der Beamte

registriert hat, fehlte jede Notiz über die Person des Uehriiigers des

Be.urk undungslefeli1s ; der 1 )etrelfoude Schreiber iiiaehte einen darauf

bezüglichen Vermerk unter die Abschrift., um sieh zu erinnern, dass

er sich darüber informieren iiiüssle. Sobald dies geschehen, uni!

der Relatorenvermerk hinzugefügt war, konnte diese erste Notiz

als überflüssig beseitigt werden. Wir haben hier also Fülle, WO vermutlich

erst unter die Abschriften im Register Vermerke

kamen, die auf den Coneepten uni.! wohl auch auf den

entsprechenden Originalen nicht angeführt waren.

Dieses Verfahren ist nur in der Zeit zu beobachten, in der es

Kanzleiusus war, unter jeder wichtigeren Urkunde dcii Ee1ator zu

bezeichnen, d. ii. also in der Zeit der Kanzleileituiig Sommers und

in den ersten Jahren Krach its. Später, wo man auf die l-Iiiizufügung

der \Ter i nerke nicht mehr so grossen Wert, legte, unterzog

man sich sicherlich iiieht der Mühe, unter dcii Abschriften Vermerke

zu ergänzen, die auf den Oniginalen fehlten.

Es ist hier noch darauf hinzuweisen, dass die Schreiber sich

iii den flelatorenveninerken besonders in den Registern vielfach

A1)kürzLlugen erlaubt haben, die bei Drucken derselben bisweilen

zu Irrtümern Veranlassung gegeheu haben. Statt «Relator» halfen

die Schreiber gewöhnlich nur alt» gesetzt, und Riedel hat in seinem

Codex diploruaticus an vielen Stehlen ein solches aB.)) als «Reeognü-

Vit)) atifgelöst. 2 Gegen diese Auflösung spricht, erstens der Gebrauch

der damaligen Kanzleischreiber, die bei Verbalformen zu dcii Anfangseonsonanten

mindestens den Schhisseonsoi ianten hinzuzufügen

pflegten; so wird legit als «lt)), dedit als «d t)), rettilit als «Vi )) abgekürzt.

Es wäre also auch in diesem Falle sicherlich, wenn mit dein

eR.)) überhaupt eine Verhalform gemeint wäre, hinter demselben

ein «t» zu finden Aussordeiii ergibt sich die LTnzulänghclikOit.

1 Bei den zuletzt citierten (R, 78 5) fol. 51 u. fol. 52' 11.

2 z B. Riedel A. Bd. V S. 401, 402, Bd. VI S. 498, 499, 500, Bd. VII S. 152, 153

u. s. w. u. s. w., wo überall im Register R. steht.


87 -

dieser Atiliosutig diiie weiteres daraus, dass nirgends in Urkunden

oder sonstigen in der Kanzlei in dieser Zeit enitstandeiien Schriftstücken,

und Notizen das Verbum «recognoseere', oder ein damit

zusammenhängendes Substantiv in Verbindung mit Unterfertiguiigsvermerken

nachzuweisen ist. Dasselbe ist in den Vermerken durch

das Verbum examinare ersetzt worden. Dagegen tritt das Substantiv

«Relator» resp. Formen des Verbums «reterre» in Vermerken

oft auf, wo sie entweder ausgeschrieben, oder so abgekürzt

sind, dass ein Zweifel, (lass diese Worte gemeint sind, von vornherein

ausgeschlossen ist. Dazu kommt, dass ein oder zwei Schreiber

die Gewohnheit haben, nicht «II.», sondern « tU, » abzukürzen, was

mit. Bestimmtheit auf die Auflösung des «H.» in «Relator» hinweist.

Riedel ist in seinem seineuii Verfahren nicht consequent gewesen und hat

w illkürliel i das «B. » bald in « II datum bald in «R ecognovit» aufgelöst.

Hätte er für «11.» immer «Becogimovit» gesetzt, was sicherlich

besser gevesen wäre, als ohne triftigen Grund bald die eine bald die

andere Auflösung anzuwenden, dann hätte er auch Vermerke drucken

müssen, wie: R ecognov it dominus per se, vidit. et ex a ruin a vi t,

oder 14 e c u g [10V i t domuinus per se, Ulrich Czewssehel e x a ni i -

ii a v i t it. dergl., in denen ihn) das Unmögliche dieser Auflösung

klar geworden wäre, denn recognoscere will nichts anderes sagen,

als mit examninare ausgedrückt wird. Unter der Abkürzung «R» beziehend.

«BI» ist daher stets um , Relator, unter «R'» nur Retulit

zu verstehen.

8. Die Unterfertigungen.

Die Form dci' Unterfertigumigeut ist ad inandatuin (relatioriem)

oder de inandato doiiiini mit tölgendein Namen eines Kanzleibeaniten.

1 1 ui riier nennt sie an erster Stelle dcii Fürsten und an

zweiter dcii ausführenden Beamten, und als solchen zumeist. dcii

zeitweiligen Kanzleivorsteher. tJnterfert igungeii anderer Art habe

ich nicht gefunden.

1 Ueber (las inhaltliche Verhältnis der Unterfei'tiguugen zu den Reh(torenvermerken

vgl. S. 81.


- 88 -

Die Unterfeitigurigen sind wohl stets von dem betreffenden

Beamten, der in derselben bezeichnet ist, eigenhändig geschrieben

worden. Ich habe auf den Ori ginalen Vermerke gesehen, in denen

\Valdow, Sommer, Ki'aelil und iloweck als die Austrtigei genannt

werden. Für dcii letzteren ‚ dessen Haiidsclirift uns aus einem

naehweislich eigeuliiiidig gesehric] lelicil Sühriftstücke bekannt ist,

glaube ioli mit Sicherheit behaupten zu können, (lass er die Unterfertigung

ai tt dein Originale, dessen Text von der Hand eines andern

geschrieben ist, hinzugefügt, hat.

Die HaiiiIsclirift der amidereri kenne ich nicht. Weiiii wir aber

wahrnehmen, dass die Unterfertigung, in der Walduw au ft ritt,2

VOfl aiiderer 11 and herrührt, als die Urkunde selbst, dass ferner die

drei Vermerke, die Sommer nennen, voij einer und derselben Flaiid

gesehriehon sind, ol)- ,leioli die originale sonst, auf verschiedene

Schreiber zu deuten scheinen, so ist hieraus meines Erachtens mit

grosser \\Tahrselieinhichkei t zu seid iessen, dass Waldow und Sommer

die Unterfertiguiigeii ei genhändi g auf die fleiiischriften gesetzt haben.

Was Kracht betrifft, so war numtei' deii Originalen nur eins

mit der Notiz «ad mnaimdal mumm doinini Marehiiniiis Heimicz kracht »

versehen. Dieser Vermerk ioihmrt, wohl von der llan(I des Urkundenschreibers

selbst, hier, ist aber was sich aLLS der \erschiedenheit

der Dinte mit Sicherheit ergieht erst nachträglich hinzugefügt

wo)-den. Wenn es nun richtig ist, dass Uiiterfrtigung und Text

in dieseum Falle von deimiselben Beamten gesehiriebemi sind, so hat

vermutlich Kracht dii se Urkunde selbst ins Beine eingetragen im d,

nachdeiii er sie dciii Kaiizleihraueiie entspreehoiid miiit deni Commcepte

verglichen hatte, dcii Cii terfertignngsverinem'k hminziigesetzt.

Dass Kracht, trotzdem er Leiter der Kanzlei war, iiii Jahre 1410

Reinschriften der Urku i iden bisweilen noch selbst, angefertigt hat,

ist, wie ioli glaube, bei der Organisation der Kanzlei zu dieser

1 Vgl. Anhang II S. 154.

2 Or. 1412 Oktober 28. Frankfurt a. 0. Karthause (St. A.). Anh. 1 5. 139,

Or. 1428 März 17. Kl. Diesdorf (St. A.), Or. 1431 Juni 26. Johanniterorden St. A.),

Or. 1433 Januar 4. Johanniterorden (St. A.), Anh. 1 S. 140. 141.

Or. 1440 April 27. Frankfurt a. 0. Karihause (St. A.), Anh. 1 S. 145.

siehe unten 5. 122.


89 -

Zeit nielil. ausgeschlossen. Was iriiri auf dein Original die Dinte

gezeigt hat, dass der Veriiierk unter der [irkiiiide mit ' dieser nicIlt,

in eiiierii Zuge geschrieben worden ist, erhält dadurch eine Restitiguilg,

dass mi Register', in das die Ahiselirift nach dein (oucept

eingetragen wurde, 2 unter der Urkunde der Vermerk fehlt.

Wir könueii hieraus folgern, dass der Vermerk auf dciii ( eicepte

tioeli nicht, gestanden hat, und dass eben Kracht naditraglieln diesen

\rel.11.leI.l( direkt auf das Original gesetzt hat. Auch hier wird

also an eine eigenhändige Eiiizeiclniung der lJniter!it.iguiig durch

Kracht zu denken schi.

Wo solche Unterfertigungen in den R e g i s te r ii zu finden sind

- was iiiii' selten vorkommt - sind sie naellträglivli von den Originalen

auf die Goncepte gesetzt worden und auf diese Weise später

Iuein'i Registrieren unter die Abschriften gelangt, oder wenn die

Abschriften bereits angelrtigt waren, direkt unter diese nachgetragen

worden.

Noch zwei Uii terfert hgungeii, die ihrer Eigenart wegeti 1 csoii-

(lers hervorzuliebeil sind, muss ich hier besprechen.

Unter der Originalurkunde fr das Domstift ( 'lti mm Jahre

1 '66 steht: De speciali C011) 1 muissione d unini Marchionis Friderirnis,

episeopus Lu]iuieeumsis, cancellaiimis mami prop1ia subseripsi, und

unter der Ahiselirift einer Urkunde aus dein Jahre 11 6 1 im Register

Xl. fol. 121 i. ii. lautet der Veiiiiei'k B. douuuinums per se, ei Fridericus,

episcopus Lubucensis, caimeellarinis de mandate dunmuini

subseripsit. Der erste Vermerk unter dein Original ist von Sesselmann

eigenhändig geschrieben, daher sul)scripsi, der andere, dem'

vorn Schreiber in (las Register eingetragen worden ist, hat die Fornii

subserii isit, die er wahrscheinlich erst bei der Registrierung erhalten

hat ; auf dein Original wird es auch wohl hier sul)sci'ii;si

geheissen haben, und der Vermerk ei genhändi g hinzugefügt gewesUrl

sein.

ui diesen Rillen hat also der Kurfürst seinem Kanzler ausdrücklich

befohlen, die Urkunden eigenhändig zu unterzeichnen.

1 Registrband 6 fol. 18 (R. 78 6 St. A.), Anh, 1 S. 145.

2 Vgl. S. 109.

Anh. 1 S. 151.

Anh. 1 S. 152.


- 30 -

l)erii damaligen Gilraiieh cii prl3chend, setzt der K;uizler

nicht

einfach seinen Naincnszi.rg unter die Urkunde, sondern kleidet die

tlntorzeiclinuiig in eineti Satz, in dem er auch erwähnt, dass diese

auf Befehl vom Kurfürsten erfolgt ist. Offenbar hat der Kurfürst

die cigenhindige Unterzeichnung dieser Verleiliungsbriefe durch den

Kanzler befohlen, tun das feierliche Aussehen derselben zu erhöhen.

Die Urkunde aus dein Jahre 1466 enthält. die Bestätigung wichtiger

Schenkungen für die Kapelle in Cöln, die andere die Verleihung

einer Zahl von Flecken, die der Kurfürst seinem Schreiber lioweck

für treu geleistete Dieniste als Lehen gicht. In diesen Vermerken

sind vielleicht Spuren zu erkennen, die hinüber führen zu dciii

gegen Anfang des XVI. Jahrhunderts ain brandeiihirgisehieii hofe

aufkommenden Gebrauch, die wichtigeren Urkunden mit der eigenhändigen

Unterschrift des Fürsten zu versehen.


IA[I'l'EL V.

Die Beziehung der Zeugen und des Datums

A. Die Zeugenliste.

1 )ie Xii [iilii'i ing vuii Zeugeii ist in dcii 1 )randeilburgiscliell Uruiiserer

Zeit, vcilialtnisiiiässig iiur selteii zu (juden. -

\\areii die Privaturk ii iideii iii den ersten Jahrhunderten des Mittelalters

an und für sieh überhaupt kein selbständiges BeweLsinittel

uid konnten sie daher der Zeugenuntersehrifl.cn nicht entbehren,,

i dcii in ihnen berichiteteii Thatsacheii Beweiskraft zu gehen,

SO hatten sich in der zweiten flälfte des Mittelalters die Verhältiiisse

auch in dieser Beziehung völlig geändert. Seitdem die Besicglung

auch für die nicht königlichen Urkunden, mi besonilereii

für die von den Fürsten ausgestellten l)okuinente als ciii Mittel

tilgernein anerkannt war, den Schriftstücken selhtändigen Beweis-

\vrt zu verleihen, 2 hatten die von den Kurfürsten der Mark Braiideii-

1 irg erlassenen Diplome, sobald sie deren Siegel trugen, iiieht

ii inder vollgiltige Reclitsk raft als die Kaiser- und Köniigsurkuiideu

dieser Zeit und benötigten, ebensowenig wie dies(', der Hinzufügung

der Zeugen, um ihre Rechtsbedeutung darzuthuii. Für die

1 )iploinatik dieser Zeit ist daher auch die Gegenüberstellung öffenit

Iilier und privater Urkunden in dciii Sinne des früheren Mittelalters

iiieht mehr anwendbar. Die kurfürsthiehen Diplome der

Vgl. Bresalau a. a. 0. S. 799.

Presslau ebe]la S. 73().


-

IIohenzolleiii hatten zweifellos, wie dil

ei deii Kaisern aus'-

st.ellteii, den (liattkter ö[Teiitlicliei ETi] iii iden

NN- 4-) r Zeiigenreilieii in den Diplomen bege gnen, sind es v

zugsweise zwei Zwecke, denen sie dienen sollen. Einmal hiandell

es sich darum, bei Regieriingsakteii von grösserer Bedeutung durch'

die Aulähilung einer aiiscluilielieii Schar einthussreicliei Persönlichkeiteri

die Zustimmung dieser Männer zu der hetretTeiideii Handhing

darztithun, sei es nun, dass die Einwilligung der zur rIei

nalirne all der Verwaltung des Landes berechtigten stäiidiscliei i

Elemente hervorgehoben, sei es, dass das zustimmende Verhalteii

(1er angeseheneren Bäte ani Hofe besonders 711111 Ausdruck gebracht

weiden sollte, damit so die Einmütigkeit des Fürsten tiiiil seiner

Ratgeber in dieser Angelegenheit klar zu Tage träte.

Die zweite Absicht, die öfter mit der Hinzufü gun g von '/.ciigeii

verbunden wurde, ist eine rein äusserliche, sie soll die gläiizciidei'e

Ausstattung, das feierliche Aussehen der Diplome fördern. lii

diesetii Sinne finden wir die Zeugeiihisteii iii solchen Urkiiiidei

deren Empfänger geistliche Verbiiidi ingcli wie Orden, Klöster umd

dergleiclieii, oder Männer iii hervorragenden Stellungen waren, di'

eine möglichst sorgfl'tltige Ausstattung der für sie bestimmten Originale

wüiiscliteii und - was für die Art der herstellung di

Diplome dieser Zeit als ciii wesentliches Moment anzusehen ist -

der Kanzlei audi zu belohnen gewillt waren. So galt die BetTentung

der zur Beurkundung gelangenden Handlung keineswegs nicht'

als der alleinige Faktor, der für die Hinzufü gun g der Zeugenreihic

bestimmend war, sOndern der \'\unscli miiid die Bereitwilligkeit des

Eimipflingei's zu einer gewissen Taxzaliluiig in dciii hetrefleiideit

Falle war, wie es scheint., in dieser Beziehung vie1fite 1 ciii wesentliches

Moment.

\yi t' werden daher die Anführun g von Zeugen in erster Linie

1 Wenn zum Beispiel unter der Urkunde vom 20. Januar 1469, durch die der Kurfürst

Friedrich 11. die Schlosskapelle in Cöln zum Domstift erhebt, i ,B. U. B. S. 440 ff.)

es mit Domherren besetzt und ihm wesentliche Einkünfte beilegt, eine lange Reihe von

Zeugen folgt, unter denen die Bischöfe von Lebus und Havelherg, der Meister des

Johanniterordens, die Pröbste von Brandenburg, Ilavelberg und Lebus erscheinen, so

sind gerade diese Zeugen nicht zufällig gewählt, sondern sie sollen zeigen, dass diese

Handlung im Einverständnis mit den bedeutenderen Vertretern des geistlichen Standes

der Mark geschehen ist.


- 1)3 -

auf solcheii (')rigiiialeii erwarteii und findeii, die schon dUrch die

Wahl des an iliiieii befestigten Siegels die Absieht einer besonderen

feierlielieii Ausstattung seitens der Kanzlei kund thun. Iii den mit

dciii grossen Reitersiegel geseliuiüc.kteii Diplomen sind daher fast

ohne Ausnaliiiieii Zeugen genannt. Eine Ausnahme bildet eine

Urkunde für dcii deutschen Orden, die das grosse Beitersiegel trägt,

ulme Zeugeii aufzufülireii) l)ocli auch mit aiideren Siegeln können

wir die Zeuigeiireiliw t verbunden scheu. Seil 1166 bemerken wir

nicht selten Zeugen auf Origiuialen hozeichiiet, 2 an denen (las seit

dein Soldiner Frieden (1466 in Gebrauch genommene Siegel mit

dein merselien G reifem i im Soli Ide 1)efcstigt ist.. - Wültiend

der Zeit der Verwesersehaft Johanns in der Mark, der überhaupt

nur ein Siegel 1 und zwar ciii Sekrelsiegel benutzt zu haben scheint,

treten Zeugen auch iii den Urkunden, die mit dein Sekret besiegelt

sind, auf.

Iii Bei reif der Stelluiig der Z ugenrei1ieui ist zu bemerken, dass

die Namen der Zeugeii in der Regel sogleich hinter der I)ispusitiu

bezieh. Narratio folgeit und gevöhnlic1i vor der Corruhoratio stehen.

Nur selten sind sie luiiiter der Corroboratio oder hinter dem Datiiuu

aiuu Schlusse der gauizeii [rk LtIlde zu finden.

Zur Eiiifüliruug der Naineii der Zeugen in ileii Urkunden sind

mannigfache Foruuien l)enutzt worden, die sielt zuiui Teil nur unwesentlio.h

von einander iml.erscheiden. 'Voii grösserem Interesse

für mis sind nur die Arteui, die nuehir oder minder charakteristische

Abweielmungeum aufweisen. Als solche lieben sich aus der Fülle der

Formeln folgende vier heraus

1. Hiroh seiii gewesen, beziehentlich des sin geezuge, oder

beides verbunden Hiroh sein gewesen und des sin geezutge.

. doran aber wide ezuge aller disser vorschreberi artikel syn

gewesen.

Oi. 1455 November 14 Neumark (St. A.), bei Riedel B. Bd. V S. 15.

2 Solche Originale sind z. B. Or. 1486, Oktober 2. Johanniterorden (St. A.); Or.

Hinlmehtedt 1464 Februar 17. (St. A.), bei Riedel A. Bd. XVIII S. 42.5.

Vgl. S. 134.

4 Vgl. S. 133.

z. II. Or. 1431 Juni 26 Joliannitei'oi'leri (St. A.), bei Raumei , Bd. 1 S. 116 und

1433 Januar 4 Johanniterorden (St. A.), bei Riedel A. Bd. XII S. 512. (XXIV. 423).


- 94 -

3. das alle disse obgeseliriben teiding, als obgeselnihen steet,

geteidingt und geselteen sein, hiehey und über sein geweseti.

4. Hie bey und iibei sein gewesen und diss haben heitren

teidingen.

Ein diese Formeln zu verstehen und die Zeugenliste für die

Interpretation der Urkunden verwerten zu könneii, ist es notwendig,

dass wir uns klar werden, auf welchen Akt in der Reihe

der Stadien, durch welche die Bearbeitung eines kurffirstliclieti

Entschlusses von ibm Moment der Anregung bis zu seiner definitiven

Erledigung geführt wurde, die - Zeugenschaft zu beziehen ist.

- Durch die Urkunden des Mittelalters zieht sich der Gegensatz

von Handluiigs- und Beurkiinduiigszeugeu, und es ist oft nur schwer

zu entscheiden, mit \velcher Art von Zeugen wir es im Einzelfalle

zu thun haben.' Wir werden uns zunächst die Frage vorzulegen

haben, wie sich die brandenburgischen 'Urkunden unserer Periode

zu diesem Verliältiiis stellen ? Ehe wir aber nach dieser Seite in

eine nähere Erörterung eintreten, müssen wir zuerst zusehen, was

überhaupt unter Ilandlungs- und Beurk nndu ugszengen, wenn solche

auf braudenbiirgiselieii Urkunden auftreten, zu verstehen ist.

Es ist wohl kaum zu bezweifeln, dass eine Handlung in der

Art der im früheren Mittelalter üblichen Forrnalakte, durch welche

hei Schenkungen, Belelniungen u. s. \V. das Heelitsverliältiiis bereits

in voller Giltigkeit begründet, wurde, und dessen thatsächliehes

Bestehen später in der Beurkundung nur iioeh amtlielt bezeugt

wurde, für das 14. und 15. Jahrhundert der Regel na011 nicht

mehr anzunehmen ist.' Wohl wird auch damals, sobald sich der

Fürst über eine Verleihung oder eine Vergünstigung irgend ve1cliei

Art zu entschliessen hatte, ein Akt stattgefuiiden haben, in leiui

er (1Cm betreffenden Empfänger, der nach damaliger Sitte in dci

Zeit, in der die Verharudluiigeii über die Verleihung oder dergl.

geführt wurden, zumeist selbst am Hofe anwesend war, 3 seinen

Bresslau a. a. 0. S. 808 ff.

Bresslau a. a. 0. S. 72,

Vgl. Kapitel VII S. 111.


- 95 -

Eiitcliluss offiziell kund that, aber gerade das rechtlich wichtige

Moment in dcii handlungen der früheren Zeiten, die sogleich vorgenommene

symbolische Belelinung, unterblieb nunmehr. Sie fehlte

den Akten der späteren Perjude, sodass diese sicht übei die Bedeutung

einer mündlichen Aeusserung des Herrschers kaum erhoben

hätten, weini derselbe nicht, zugleich mit der Eröffnung seines

Willens dem Empfänger das Recht zugesprochen, beziehentlich

selbst den Befehl erteilt hätte, eine dem Inhalte der Verkündigung

entsprechende Urkunde von der Kanzlei ausstellen zu lassen.

Dadurch gewalin dieser Vorgang eineim dcii Fürsten mehr verpflichtenden

Charakter, und wenn auch dadurch noch immer nicht,

wie in den früheren Forinalakten, dem Empfänger der Besitztitel

rechtlich übergeben war, so war er ihm aber thatsächlicli damit

zugesprochen worden.

Dieser Akt, in dem die Eröffnung an dcii Einpfänger

erfolgte t und - was viel wichtiger war -

die Erlaubnis bez. der Befehl zur Beurkundung dung

g egeh on wurde, war die ha ndlu ii g, weiche dem Beurkundungsgeschäft,

das doch nur eine Fo'ge derselben war, stets

voranging. Ihr wohnten, je nach der Bedeutung des betreffenden

Objektes und der Stellung des Empfängers, eine mehr oder minder

grosse Zahl von Bäten und anderen dem Hofe nahestehenden Persönlichkeiten

als Zeugen bei .2 Sie sind es, die für die

brandenburgischen Urkunden als Handlungszeugen

z mi bezeichnen sind, sie waren Zeugen der Handlung gewesen.

Den Handlungszeugen stehen die Beurkuiidungszeugen gegenüber.

Die Betirkumidung umfasste mehrere Stufen ; sie begann mit

der Erteilung des Beurkundungsbefehils an die Kanzlei und schloss

mit der Aushändigung des Originals an die Petenten. Untersuchen

1 War der Empfänger nicht am Hofe anwesend, oder handelte es sieh um Erlasse

allgemeiner Natur, die dem einzelnen nicht zu gute kamen, sondern im Interesse der

Verwaltung des Landes gegeben wurden, so unterblieb natürlich die feierliche Eröffnung.

In diesen Fällen teilte der Fürst seinen Entschluss den Räten vermutlich während der

Beratungen mit und erteilte unmittelbar den Befehl zur Beurkundung. Hier fiel also

die Handlung in die Beratung des Markgrafen mit seinen Ratgebern.

2 Nicht seltenwerden die als Zeugen bei der Handlung genannten Personen wenigstens

zum teil auch an denvorhergehenden Beratungen teil genommen haben vgl. S. 98.


- 9€; -

wir, auf welcher Stufe die Hinzuziehung von Zeu gen, deren Namen

später in die Zeugenreihen aufgenommencii w urdeii, passend anzunehmen

ist.

Der Beiirkundungsbefeltl wurde zwar oft, wie wir gesehen

haben,' im Beisein mehrerer Personen der Kanzlei überbracht, ahei'

die Namen dieser Zeugen wurden nicht indie Zeugenlisten eiligetragen,

sondern kamen in den Relaturen\-ernierke[I unter dcii Urkunden

zur Erwähnung. Sie können daher hier nicht in Betracht

gezogen werden. - Ebensowenig ist in diesem Zusamuienhange

an Zeugen zu denken, die bei der Erteilung des Fertigiings- tder

\Tol1zieh ti ngsbefhls gegenwärtig waren.Dennder Fertigungshel'ehl

hatte, \ViO wir iiucli zeigen werden, 2 keine wesentliche Bedeutung

und war nicht ein Akt von der Wichtigkeit, dass wir aniieluneii

dürfen, dass Zeugen zu ihm hinzugezogen worden wäreii. I)agegeu

wurdeder Vollziehungsbefelil in der '[hat, ebenso wie der Bell

kutidungsauftrag, öfter in der Gegeiiwart mehrerer }liite gegeben,5

aber diese Männer wurden nicht in dcii Zeugenreihen aufgeführt,

sondern in den Kanzleinotizen utiter deti. Urkunden, in den sogenannten

erweiterten Relatoreii vermerken genannt.'

Die Besiegeliing und die Atishiiiidigung bleiben also allein als

die Akte übrig, auf welche die Beurkunduiigszeugeii eventuell zu

beziehen wären. Wenn also iii dcii Zeugenlisten der

brandenburgischen Urkunden überhaupt Beurku iitlungszeugen

nachweisbar sind, so können damit nur

Männer gemeint sein, die entweder hei der Besie g ehing

oder der Aushändigung des betreffenden Originals

zugegen waren.

Wenden wir uns nun der genaueren Betrachtung der oben

zusammengestellten Forilieln zu, welche am Eingauge di r Zeugenlisten

stehen, uni festzustellen, velehe Arten von Zeugen uns auf

1 Vgl. Kapitel IV S. 80.

2 Vgl, S. 122.

Da der Vollziehungsbefehl wohl zweifellos unmittelbar nach der Prüfung des

Originals gegeben wurde, so ist ohne weiteres, wie ich glaube anzunehmen, dass die

Räte, die bei der Prüfung zugegen waren, auch Zeugen tier Erteilung des \'ollziehungsbet'ehls

gewesen sind.

Vgl. 5 123; Belege bietet Anh. 1 in grösserer Zahl.


- --

den huuiileiihuigiscl Urkunden eu begegnen, so ist iii Betreff der

unter Q, 3 und 4 angeführten Formeln schI 111 du reh den \VorI laut

derselben ein Zweifel von vorimlierein ausgeschlossen. Gleichgiltig,

oh die Zetigenreilicit, welchee m mit einer dieser F'eiine.hii eingeleitet

werden, hinter der arratio oder hinter dem Corroboralio, oder 1 iii iter

der Datierung stehen, es liegt klar zu Tage, dass in jedeiii dieser

Fidle nur von Handlungszeugen die ilede sein kann.

Anders steht, es in it der zuerst genannten Formiiel ; in liii

koiiiiiit eine bestimmte Linte Beziehi tiu der Zeugen weder auf die II mdlung,

mmcli auf die Beurkundung zum Ausdruck. Doch auch hier

werden wir hinsielitlich der ricl tigen Auffassung keinen Augeiihliek

im Ungewissen sein, wenn die Worte lii roh seimt gewesen II. s. w.

sogleich hinter der l)ispusitio folgen Iliid sich an diese direkt. anschliessen.

\Veiin es - um irgend ein Beispiel Beisitiel hieratisziigreifen -

in der Urkunde vumim 8. März 11 16 1 für das Kloster Lehiiiiii iii der

i)ispositio heisst ouchi liegriadigeim wir dasselbe Cluster . . . mit

solchen gnaden tiiiil freyheiten . . . wan wir mimeinen und wollen

das vorguante Closter czu leimymm bey allen gi iaden und freyl ieiteii helialileu,

die In umisei v rIuei1 Marggrauen (an. Brandem burg gegehemi

lialiemm . Des sim i geezuge der Eiwirdigeit etc., etc....so ist., wie

ich meine, es uiiiiiöglicli, die Zeugen anders als mit der Handlung

in \T erbind i uig zu bringen.

Die Fülle, in denen die Zeutgetiliste sie] m n 1 e Ii 1 ii im ti rit.telha.r

an die Dispositio aiiieihit, sind miitr sehen. M ir siiiil i H I Ganze"

zwei Originale begegnet, \VO sie, abwwcltcnd von der Regel,

zwisehicit dci' COl1(Jl)O1ltiO 111111 dein Datum eingefügt war. Es sind

dies die Vertragstirktimide über deii SI(Ihter Frieden 2 und das

I)ipb_'nm, durch welches der Ktirfftrst Friedrich 11. (las Stüdtelieii

N ieder-Fiuiow dein Abte von 'All iriu! vereigiic1. 5 Bei diesen Urkunden

könnte man freilich amt hie Btzicliuiig der Zeugen auf die Beurkundung

ilemikeri. Aber bei cii igehiemiderer Littersiicliurig der lietref-

l Riedel A. liii. X S. 261

2 Or. 146. Jan. 21. Pommern (St. A., gedruckt in einem Transsiimpt bei Riedel

S.-Bd. S. 87.

3 Or. 1421. Mai 17. Kl. Chorin (St. A). bei Riedel A. Bd. XIII S. 275.

7


98

fenden Originale werden wir uns leicht überzeugen, dass es sieh

auch in diesen Fällen nicht uni die Anführung von Zeugen handeln

kann, die bei der Besiegeluiig oder der Aushäil(ligilllg der Stücke

zugegen waren. Denn unter dieser Voraussetzung wäre die Zeugenreihe

sidierlieli erst später, als der Text der Urkunde in das Reine

eingetragen worden, und es müssten dann Spuren auf den Origiitalen

zu finden sciii, die auf eine nachitiägliclie Hinzufü gun g der

Zeugen hindeuteten. Wenn audi Naelitragungen auf den Originalen

da, wo es sich um weilige Worte handelt, wie in den Unterfertigungen,

sehr schwer, oft gar nicht mit Sicherheit festgestellt

weiden können, so sind dieselben bei den langen Zeugenlisten, die

gewöliiilidi mehrere Reihen eiiiiiehiiueii, weit leichter zu erkennen.

1)a sieh aber in keinem dieser'r beiden ( )rigiiiale derartige Spuren entdecken

lassen, - wie ich überhaupt kein Original gesehen habe,

auf dein die Zeugenreil10 oder das Datum als später hinzugesetzt,

zu erweisen ist - so werden wir auch in diesen Fällen dcii

i daiikeii ‚ die Zeugen mit der Besiegehuing niler Datierun g zu verbinden,

zuurüekweiseui und v ie liiieh r auch hier dasse h1)e

Ve r ii ältii is aiiii ehm c n ‚ das w ir a.l s das allg e in ei ii

lierrselieiide kennen gelernt haben, nämlich die Beziehung

der Zeugen auf die Handlung.

Bisweilen kommt die Teilnahme dci' in. den Zeugenreilmn genannten

Personen an dcii Beratum ngeui iii er die hetreflemu le Regierungsliaud!uug

in Wendungen dieser Listen zum Ausdruck . In der

Urkunde, durch die Kurfürst Friedrioli II. und sein Bruder im

Jl11 Yt3 1 die vom Kaiser Sigisi ii und vorgenoini nene Vereignung

der Neumnark an dcii deutschen Orden anerkennen, steht aiim

Eiuigaimge der Zengenliste : 1-hr hey und obir sint gewest

dann folgen die Namen, und am Schlisse heisst es «mit der aller

HaLlte, Wisseui und Willen Jisse obengeschreben Erkentnisse, Gabe,

Vorzeiunge und Verselireibunge geschehimt synt..» Auf die Mitwirkung

der Zeugeui hei dciii Zustandekom wen dci' Begierungshandlitng wird

auch in der unter Nr. 4 der Zusamiiuiemistellung amigefühirteut Formel2

1 Riedel B. Bd. IV S. 289.

2 Vgl. S. 94.


- 99 -

aLIsdrückliell hingewiesen. Doch ist hei dieser Mitwirkung der

Zeugen iiatürlieli ai idi nur ;ui eine Teilnahme an den Beratungen

zu denken, denn die wirk liebe Leitung der Vorverhandlungen lag

sclhstversUindhcli nur in der hand eines oder mehrerer Bäte, aber

nicht in der hand aller dieser Personen, die als Zeugen auftraten.

Was die Aiioulniing der Namen innerhalb der Zeugeiiliste angeht,

so ist zu bemerken, (lass die Zeug. u iiii grossen 11111] ganzen

iiacli ihreiii Hang und ihrer Stellun g aufgczIilt wurden, oliiiu (lass

abei diese (irdiiiing, wie es scheint, mit peinlicher Sorgfalt durchgeführt

worden wäre. Das l'iiiizip der Anordnung war genau dasselbe,

wie es in (teil kaiserlichen Urkunden dieser Zeit und auch

sollst überall im Gebrauch war.

B. Die Datierung.

Ebenso, wie die ZeiigeireiIie vilaiigt auch die Dat ieiuug eine

nähere Un t. isuch ii tig über das Verhüll iiis der in derselben ei iti iiilteilen

Angaben zu der Handlun g beziet ieiitlicli ZU Ci1ICII) Moiiiente

der Beii iknnihiiiig, d(]lI1 iiieht ohne Weiteres ist aus der Fassui g

der Daticniiigsforinel zu ersehen, welchiei Zeitpunkt in der branden -

burgisrheii Kaiizlei mit, dein Datum fixiert worden ist.

Die Datieruiigsforinel, die gewühui heu deii der r] i]trss Uik ii udo

bildet, wird zuweist mit de n Worten eingeleitet : der brief ist gogebeti

au ii . . . . ‚ oder verkürzt nur mit, : gegeben an i . . . . u. s. w

Nach dem Wortlaute dieses Satzes 1ige wohl der Gedanke auut

nchisteu, die Angabe des Datiiiiis au! die Aiishindigung des 1)0trefleiideruOriginals

au (1011 Empfän ger zu hezielicii . I)oelu dass

diese Hezieliuiug iii ruiglieli bestehen kann, beweist jenes Uoucept

am entselutedeiusteii, das mit vollem Datii in versehen ist, wie alle

anderen Urkunden, ob gleich eine Reinschrift dazu gar iuidul. existierte.

Dieses Goileept zeigt uns zugleich, (lass mit dein l)atuiii ebensowellig

audi der Akt der Bes iegeliing geweint sein kann.

Vgl. S. 108.

EI.


100 -

Wenn liiei-naeii ein Zweifel darüber nicht möglich ist, dass die

Kanzlei init dem Datuin ein Moment, das vor der Amisfert igung der fleimmschrift

liegt, im Auge hatte, so wird für die Entscheidung,. welches

dieser Momente als das wirklich bestimmende anzunehmen ist, folgende

Beobachtung einen Anhalt bieten. In einer grossen Reihe von

Urkunden, deren Zahl den Gedanken an eine A usrmalimnee.rseheiiitiug

von vornherein ausschliesst, finden Wir am Eingange der Narratio

\Vendungeii der Art, dass der und der «hcwte imtite (latliln disses

briefs» vor dem Kurfürsten erschienen sei und ihm gewisse Bitten

vorgetragen habe, die er ihm nun erfüllen wolle oder dergl. hie

l)atiermingsforinel lautet in liwi meisten dieser Fälle, wie gewöhnlich

der brief ist gegeben am, oder bloss : gegeben am . . In diesen

Wendungen «hewl datum e diesses biiefs» kommt die Beziehung der

Datierung auf den Ta g deutlich zum Ausdruck, an welclieiii der

Markgraf die Bitte des betreffenden zu erfüllen versprach, das heisst,

an dem die Handlung stattfand, iii der, wie wir dargelegt liabeii, 2

der Fürst nach Eröffnung seines Entschlusses an den Ein pfLinger den

Beurkundungsbefehl erteilte. Aus dein Datuiii ist mithin mit Sicher-

Ijeit nur auf die Zeit und den Ort der Handlung zu sehliesscii, denn

da es sehr fraglich ist, ob der Beurkundungsbefehl aLiell immer

noch an demselben Tage der Kanzlei Überbracht wurde, so sind

wir nicht berechtigt, ohne weiteres die Angaben der Datierungsflirmel

auch auf die Relation, oder gar spätere Akte zu beziehen.

Die Annahme, dass im l)atuin der Urkunden der Tag, an dent

die Handlung vor sich ging, festgelegt worden ist, erhält einen

wesentlichen Stützpunkt in den kunzeii Notizen, -, welch(-, die Belehirmungen

oder dergl. betreffen, über dio urkundliche Zeugnisse

nicht ausgefertigt worden waren, bei denen also allein dio Ilan(1li 1 ltg

stattgefunden hatte, von der Beurkundung jedoch 1 VOl 1 vuiiihierei,

abgesehen worden war. Auch diese sind mit Orts und Zeitangaben

1 Ich führe mehrere willkührlich herausgegriffene, Urkunden an, in denen sich

solche Vermerke finden, z. B Or. 1409. Oktober 4. Lichterfelde (St. A.) ungedruckt;

Riedel A. Bd. X S. 310. a Bd. V S. 9. C. Bd. III S. €2 u. s. w. Raumer Bd. 1 S. 179,

U. S. W.

2 Vgl. S. )5.

8 Vgl. Kapitel IV S. 76, 77 und Kapitel VII S. 114.


- 101

versehen, die iii derselben Weise, wie in den urkundlichen Aufzeieliuiiiiigen

mit den \Voiten gegehen zu . . . eingeleitet werden.

111er kann kein Zweifel sein, dass die Datierungsvormerke mit der

llandhuig inVerl idiiiig zu bringen sind.

Die Beziehung auf die Flainilung kommt schuiesslieli auch in

dcii sieh vereinzelt' aurt gaiige der Datieruuigsfirmnel findenden

Wendungen, in denen es lieisst gegebeu und gesehen» .....um

Ausdruck. lii dieser ist zu der stereotyp gewordenen Forme] «gegehen

. . .»‚ unter der sich die Urkundenschreiber nichts Bestimmtes

mehr dachten, gleichsam zur Erläuterung dieses firrue1haften Ausdruckes

und zur Erklärung der in dem Datum fixierten Angaben

das Wort «gesehen» hinzugesetzt worden, in dein die Handlung

besonders hingewiesen wird. Diese Wendung ist für die Erforschung

des Momentes, auf das die Angaben in der I)alienuig zu beziehen

sind, von Bedeutung und wohl zu beachten.

Auch noch eine zweite Variation der die Datierung einleitenden

Formel, die sich freilich nur in einer ganz bestimmten Art von

Urkunden findet, ist bemerkenswert. Dieselbe lautet: «gegeven

iiuid gescreuen)). Es ist keine Frage, dass unter gewöhnlichen Verhältnissen

die Ausfertigung einer Urkunde nicht an demselben Tage,

an dciii die Handlung vor sich gegangen war, vollendet worden ist.

Doch unter besonderen Umständen, wenn es si(-li uni Verträge und

Vergleiche der Markgrafen mit einer auswärtigen Macht handelte, und

weiiii bei Gelegenheit einer oft nur kurze Zeit dauernden Zusammenkunft

wichtige getroffen wurden ‚ wo es geraten

seliieiu, dieselben tit-k(iii(Ili(-li schnell aufzuzeichnen, um die bezüglielieti

Originale den Cnn trahenten zur Besiegel uuig vorzulegen, -

weil erst durch die Besiegelutmig der Schriftstücke die Vereinbarungen

einen verpflichtenden Charakter erhielten, - in solchen Fällen werden

Handlung und Ausfertigung des Originals bisweilen au einem und

demselben 'fage erfolgt sein. Die Formel gegeveu und gescreveu

ii. s. w. ist mir auch uiui auf Originalen begegnet, die Verträge

und Vergleiche des brandenburgisehen Hofes mit Mecklenburg, mit

1 Vgl. z B. Or. 1455. Oktober 1. Deutscher Orden (St. A.), bei Riedel B. Bd, IV.

S. 500; Or. 1457. Febr. 17. Tangermünde St. A. (ungedruckt); Or, 1459. März 25. Ar1leburg.

(St A.), bei Riedel A. Bd. VI S. 212. u. s. w.


1

Pommern und mit Schlesien u. s. w. enthielten.' Für diese Ui'

kunden trifft also der Fall ausrialii,isweise zu, dass Handlung und

Beiir1uiiduiig an demselben Tage vorgenuuii neu worden si mi

Von diesen hcsondren F1[e.ii abgesehen, ist meines Eie1itens

daran festzuhalten, dass im Allgemeinen au s dn A mi gabe mi der

Datierungsformel mit Sicherheit nur der Ort und der

Tag der Handlung zu erkennen ist.

1 z. B Vereinbarung mit Schlesien Or. 1437. Dez 10. St, A), bei Riedel B. Bd. IV

5, 164; Mecklenburg Or. 1442. Mai 8. (St. A., bei Riedel B. Bd. IV S. 264; Pommern Or.

1466. Januar 21. (St. A.), Riedel S.-Bd. S. 87: Vergleich zu Frankfurt mit Deutschen Oxden

Or. 1443. Oktober 16. (St. A), bei Riedel B. Bd. 1V S. 288.


KAPITEL Vl.

Registrierung.

In jeder geordneten ‚ fest urganisierteii fleichs- irnd Fürstenkanzlei

iii usste die fi egistrierung der aus (lerselben herausgehenden

wiclitigereii Shiiiftsticke ciii wesentliches Min ni nt in der Geseliüftsführirng

der Verwaltuiig bilden. Sie gewd irte eine Uebersicht über

die vou dciii betreffenden Fürsten vorgenommenen liegierungshiandlitiigeti

und sicherte ihii vor der ATIIIIaSSUIIg uniechitriiässiger

Besitztitel durch Vorlegung gefüischitr Dokumente.

lii der Mark Brandenburg waren schon unter der Regierung Kaiser

Karis 1 V. flegister gehilut worden,' in die Abschriften von Urkunden

eingezeieluiet wurden. Als die Verwaltung des Landes auf die

Holnenizollern überging ‚ blieb dieser Qehmanichn ‚ der bereits seit

lümigerer Zeit in ihrer fränkisel rein Kanzlei geübt worden war, hestehen.

mi den Jahren der K mirfümsten Friedrich 1. und II. wimirle

die Begistrieri ing am hrandenlumrgisrlieii Hofe als eine Zum Geschiiftsbetriebe,

tier Kanzlei notwendig geliörenile Arbeit angesehen.

Es ar sicherlich nicht miot\Veidig Lui(l besonders iii den ersten

Jahren den holienzollerschen herrschaft in Brandenburg, wo

Kanzlei nur über ein sehr geringes Personal verfügte, auch kaunur

mög] [cli ‚ alle voll Kanzlei ;uisgestellteui Schriftstücke zu registriereii

Es konnte sieh wohl mir darum handeln, Abschriften

vor] dcii Uikuiideii zu nehmen, iii denen wichtigere I-Iandlu ngen

\r41l)I j eft \vlIr(leIi Aheu aki(-li diese sind - soweit die uns vol.liegendem

Hegisterbänd erkemumreim lassen -- mnielit süintlicli abge-

1 Monurnenta Zolierana a. a. 0. Bd. VII S. 405.


- loi -

schrieben worden ; freilioll ist hierbei nicht, ausser Acht zu lassen,

(lass iiachi dein in diesen Hiinden fiherl icfortei i EJrki i nden material

das Verhältnis15 11 er registrierten zu den nicht registrierteii Orgiuialen

zuverlässig nicht. zu 1 eti iii mcii ist, weil die Godices im Umfange

nicht ganz den Bcaistein entsprechen, wie sie seiner Zeit in der

brandenhi irgiselien Kanzli i angelegt worden sind.' Ohne Frage ist

ii rsprQuglichi eine gftssci'e Anzahl von Urktuelei i registriert gewesen,

als jetzt noch in dcii Büchern zu luden ist. Deshalb wird alter

an eine ursprünglich gleichmässige Registrierung aller aus der

Kanzlei herausgehenden bedeutenderen Urkunden iiiclit zu (lerukell

sein ; zu Zeiten i nag man sie in der Kanzlei sorgfältig durchgeführt

haben, zu anderen Zeiten liess man hierin wieder mehr nacht.2

Dass uriaii die Begistriorittig eines jeden von der Kanzlei gefertigten

Schriftstückes überhaupt nicht von vornherein für notwendig

hielt, geht schon daraus hervor, das man auf den Concepten,

von dnieui eine Abselirir1 iii die flegisterhände aufgenommen werden

sollte, ausdrücklich den Vermerk « Registretmir» ltittzuufügte, der auf

der Titelseite des G niceptes zu u finden ist. Auf der grössereu Zahl

41er Urkuiulenentwürfe, die ich gesehen habe, war dieser Vermerk

vorltandemi, doch snul mir auch einzelne begegnet, auf denen er

fehlte. Ich hahe ihn z. B. auf den G nicepten eines Briefes Kurfürst

Friedrichs 11. an scitteit Bruder iiui Jahre 1 4611, vie eines

Briefes des Markgrafen .J ihtanni und seiner Gennalihiii mis tleiii Jahre

1127 ii. s. w. umiehut bemerkt, und es ist beaeliteiiswert, dass wir

vumi diesen Bmicfen in den liegistern keine Abschn Reni finden.

()IYemibar fand also in der Kanzlei eine Auswahl unter den Urkunden

statf . Bei dcii Sehiriftstukke;i, deren Registiieimiuug notwendig schien,

wurde auf , das COflce1uI. Ilor Vermerk ( Regist IdLu1))

gesetzt. Da den-

1 Vgl. S. 28.

2 Dieses Moment ist sicher mit in Betracht zn ziehen, wenn wir uns klar werden

wollen, warum aus den letzten Jahren Friedrichs des Jungen (Feisten) nur so wellige

Abschriften vorhanden sind. (Vgl. 5. 28.) Malt sich leicht vorsehen, dass in einer

Veiwaititng, wie die Friedrichs, die gegen das Ende seiner Regierung mehr und mehr

zurückging, die Erledigung der inneren Geschifte nicht mehr mit der nötigen Sorgfalt

betrieben, und so auch die Buchung der Urkunden vernachlässigt wurde.

1. K. S. 113. O (H. A.)

K. S. 112. R. (11. A.)

/


- 10:) -

selbe auf den (rtrieepten dnreligäiigig von denselben hand herzurühren

scheint, Volt der auch das Unreine selbst geselirieheii ist,

so darf ieli unter der Veraussetzting, dass die Couceptc voll

Sekretären entworfen wurden, annehmen, neu ‚ dass die llestimwL[ng

über die fl egistrierung von dem betreffenden Kanzleisekretär getrofTeii

wurde.

Dass iii der braiideniburgiselieu Kanzlei unserer Zeit Begistiatnrveitnerke

auf die Go n cc p te gesetzt wurden, ist eine auffallende

Erscheinung, die geeignet ist, uns für die lleantwortniig der Frage,

wek,1 ne Vollag in der Kanzlei für die llegisteiabschrifl.eii benutzt

wurde, eInI(11 Anhalt zu geben. Dich diese Frage wird uns nachher

beschäftigen. 1-tier handelt es sieh zunächst dartun, die Originale

darauf luiii zu pifeu, ob nicht auch auf ihnen derartige imgistraturvermeike

von dcii Händen braiidenbuigischer Schreiber

zt finden sind. -

Unter den Originalen, die ich gesehen habe, trugen zvar einzelne

auf der Rückseite flegistraturzcielieni, aber in diesen Fällen

ist der-Nachweis, dass diesclhiu nur von der Kanzlei des Einpfängers

herrühren kinneu, nicht schwer zu führen. Denn wenn

vi iii EGO Originalen, die aus dieser Zeit (bit liegen, überhaupt nur

9 mit solchen Vermerken versehen sind, während die übrigen derartige

Zeic] neu nicht aufweisen, und sodann von den in Frage knutwenden

9 Stücken 4 für (las Kloster eueudnrf, 2 die 5 anderen aber

für (las 1)niustift St,itjicla1 5 ausgestellt sind, so ist - veiuui wir von

der gaiiz uni unögliehien Annaliiuie, dass in der braiidenhiurgisehen

Kanzlei nur die für das Kloster Neuenidorf und Duinstift Stendal bestimmten

Urkunden mit BeL,ristraturzeiehien versehen wurd( .n, absehen,

- nicht zu bezweifeln, (lass auf diesen Originalen der Re-

1 Vgl. S. 121.

2 Or. 1418 August 31. Kl. Neuendorf (St. A.), bei Riedel S.-Bd. S. 358.

Or. 1447 August 1. KI. Neuendorf(St. A.) bei Riedel S -Rd. S. 363,

Or. 1451 Juli 5. Kl. Neuendorf (St. A.), bei Riedel S.-Bd S. 864.

Or. 1462 Sept. 15. Xl Neuendorf (St. A.), bei Riedel S.-Bd. S. 368.

3 Ör. 1420 Oktober (. Domstift Stendal iSt A.), bei Riedel A. Bd. V S. 181.

Or. 1421 Juni 22. Domstift Stendal fSt. A.), bei Riedel A. Bd. V S. 183.

Or. 1426 Januar 11. Domstift Stendal (St. A.), bei Riedel A Bd. V. S. 190.

()r. 1429 Januar 20. Domstift Stendal St. A.). bei Riedel A. Bd, V. S. 191.

Or. 1443 April 2, Domstift Stendal St. A.), bei Riedel A. Bd. V. S. 210.


- 106

gislratiirverriierk nicht von der ]waiidenhutgisclieii Kanzlei gewacht

sein kann. Die Begistraturvertiterke sind offenbar von den Eiiifiixigerii

lii nziigeftgt worden und beziehen siv.h auf Abschriften,

die in ihrer Kanzlei von den betreffenden Originalen geinadit worden

sind.

In der hraudeiihnrgiscl ieu Kanzlei erhielten also die ansgehenden

Origiiiale kciiie Begistraturzeieliert, dagege

n w ii rde, wie wir sah eil, die Bes ti in in nug, dass

die betreffende Urkunde zu registrieren sei, auf (las

0 nec p t gesetzt.. Aber nicht allein die Notiz über die vorzunehmende

Hegistrieiu iig kaiii auf tieti En 1 wurf, sondern bisweilen

wurde von dein Beamten, der die Abschrift eingetragen

hatte, auch noch ein iIiiiveis ühei die erfolgte Registrierung

auf dein tk)Ileepl.e hinzugefügt. Wenigstens habe ich auf dem

Entwurf(, ' einer Urkunde für die Gel rüder liat.lienow aus dem

Jahre 14 1t0 unter der Fori ii « R egistretilr» die von derselben Hand,

wie der Etit uuf selbst geschrieben war, die von einem anderen

Schreiber herrührende Notiz « Registiat tu in est» gefunden. Dieser

zweite Schreiber ist ahuer wiederui iii, wie ich aus der Handschrift

in it Best ii ii in ti teit zu erkennen glaube, mit. dem Kanzleibeamten

identisch, der die Eintragung der entsprechenden Urkunde iii die

Register besorgt hatte.2

Leider ist dies der einzige Fall, wo ieli eine doppelte Hegistratuirnotiz

oder überhaupt die Forin regist.ratuin est gesehen habe,

und es ist daher aus demselhen ein sicherer Schluss kauni zu

ziehen. Aber walirsclieinhiehi wurde iii der lnaiideii1tuurtisclieti

1. autzlei \ielfaell iiach erfolgter lt gistrieru iig ciii diesbezüglich mer

merk auf die Coneepto gesetzt, und vielleicht sind uns nur in

Im Registerbande 7 (R. 78. 7 St. A.) vor den Folioseiten.

2 Siehe in demselben Registerband fol. 50 i. d.

3 Dieser Brauch wird nicht immer streng durchgeführt worden sein, öfter wird

man die Hinzufügung des Registratum est» unterlassen haben, denn uns begegnet

bisweilen dieselbe Urkunde in derselben Form an zwei verschiedenen Stellen in den

Registern eingetragen, was wohl kaum hatte vorkommen können, wenn auf jedem Concept

die Ausführung der Registrierung durch eine entsprechende Notiz angezeigt worden

wäre. Die Urkunde für Peter Rackom aus dem Jahre. 1450 ist zum Beispiel

zweimal registriert (II. 75. 9. St. A fol. 105 i. d. und 121 i. d.) Man hatte in diesem

Falle bereits in der Kanzlei die doppelte Buchung bemerkt und an der ersten Stelle

die Abschrift durchgestrichen.


- 107 -

Folge der ii isserst. geringen Zahl =Entwürfen, welch ic vi r aus der

Zeit besitzen, keine weilereii Belige enthalten, durch die wir die

doppelle Begistraturiiotiz iiaehweiseii können. Denn das Auftreten

der zweiterii, Notiz auf dein oben hespri chienen Coiicepte einem Zu-

1thl oder der Eigenart des die Urkunde gerade registrierenden Beainteii

zuschreiben zu wollen, wäre meines Eracliteiis ganz willkürliel

i . Es ist wohl kaum als ein zufälliges Zusarntueiitrelren anzusehen,

dass wir von der Urkunde, die auf dein (oncept den

Veriiierk «IÄegistratuin est); trägt, eine Xbselirilt im Register haben,

während wir von dcii anderen 1)iploiiieii aus den Ja] tieti 1 • 0 und

1 4- 1, 1 deren Concepte uns Hoch SIU(l. nuil (110 iiin den

Vermerk ' Igistretur)), den zweiten «Ri'gistrittuiii est» dagegen

n icht cli t. führen, nirge nds Ahschirifteii in den Biiideii finden

können. l)iese Diplome wireu also zur Registrierung bestimmt,

sind aber verntut Udi iii \Virkliehtkeit aus irgend einem Grunde

iticht registriert wordei! . So leuchtet ciii, dass auf dieseii Entwürfeii

die Notiz über die erfolgte Buchung fehlt. Auch für die

braiidenburgisehie Kanzlei wird (leIllilachl, ebenso wellig wie für

die li e i ( .^I IS 1j any,]üi2 ilas Vorhandensein des Veriiierkes « lie.gistretur»

als eine Garantie zu gelten haben, dass das Sc1iriftstücl t.liatsäclilichi

auch registriert worden ist.

\Venmi in der brandenburgischen Kanzlei dieser Zeit, wie wir

sehen, die Uebung bestand, die Registiatimrzeiehien nicht a u f die

Originale, sondern auf die tku icepte zu setzen, so ist sei ion hieraus

mit ziemlicher Sicherheit zu seliliesseim, dass in der inLirkischieu

Verwaltung auch die Cuimeepte, und nicht. die Originale (hell Registeralisehiriften

zu Gruiiiie gelegt worden sind. Denn war es nicht

eine ganz niitzlose, nicht zu verstehende Erschwerung der Geschäftserledigung,

wenn mau (110 Vermerke über die vorzuumehimentle und

dann über die gescheliemie Registrierung auf die Comicepte setzte,

dagegen die Registriert ing selbst nadi dcii Origim iahen bewerkstelligte?

Es ist, ausserdem wohl ohne Weiteres anzunehmen, dass imtaul den

Vermerk « Ilegistretur» auf die Coiieepte setzte, weil m an, gerade

1 Die Concepte zu den 3 Diplomen sind mit jenem vorher zitierten Urkundenentwerfe

in dem Registerband 7 vor den folioseiten eingeheftet. (lt. 78. 7. St. A)

2 Bressian a. a. 0. S. 103,


108

diese registriert haben wollte; das Sebiiftstück, das die Notiz trug,

sollte auch als Vorlage dienen.

In einzelnen F'lleii genügt eine Vergleichuiig der Hegisterabsei

iriltei 1 mit dcii entsprechenden Originaleii, uns zu überzeugen,

dass voll direkten AliliüniiikejtsverliäLtiijs zwischen diesen

absolut nicht die Rede seiii kariii. Abgesehen von den orthographisclieii

und, dialktisclicu Unterschieden, die an sieh nicht viel

besagen, st.osscii wir aber atioll auf gewichtige Abweichuhlgin in

dem Texte, in der Zeugeiiliste, der Urkunden u. s. w., die nur

zu erklären sind, wenn wir die in Frage kommenden Abschriften

iiiciit auf die Originale als die unmittelbare Quelle zurückleiten,

sondern annehmen, dass diese Abschriften nachden Entwürfen angefertigt.

\vorden sind, und zwar bevor dieselben die letzte, endgültige

Form, wie sie. uns die Originale wiedergeben, erhalten

hatten. So sind, wie ioli meine, die Abweichungen der Abschriften

von Originalen am ersten zu verstehen.

Auch fehlt es nicht an Beispielen von Abschriften, die in anderer

Weise zweifellos züi erkennen geben, dass bei ihrer ilegistiierung

die Originale inchit vorgelegen haben können. Ein ganz

evidentes Beispiel dieser Art ist die Abschrift. der Urkunde, durch

welche Hasse Wolif mit ileni Flecken Selitilzendorf belehnt wird.

Dieselbe entspricht in jeder Hinsicht dcii anderen Registerahschrifteit.

Sie enthält. Datum, Ausstellinigsort u. s. w. und ist mit dem

Jielatorenverinerk dHelatoi [iriehi Gzewscliel» versehen. Unter der

Abschrift ist von dein registrierenden Beamten scheinbar später, als

der Text derselben gesehirieheui ist, hinzu gefü gt: «Diesser brief ist

noch nicht ingrossiert)), das heisst : zu ilinii Diplom, dessen Abschrift

uns im Register vorliegt, war ein Original noch nicht ausgefertigt

worden. Hier konnte die Eintragung allein nach dciii Co ncepte

erfolgt. sein.

Zwei Gesiclitsjuiukte treten iii dcii vorangehenden Betraclitungn

als besonders wichtig hervor 1., die flegistraturvermerke auf leii

Couicepten statt auf dcii Originaleii, 2, die Abweichungen der Registeralischrifteu

von den betreffenden Originalen, weiche die Abhäiigig-

R. 78. 9. fol. 86. (St. A.)


- 109 -

keit der ersteren von diesen ausschliessen. Beide Punkte weisen

mit Bestimmtheit auf die Annahme hin, dass in der ]ftaildelihurgischen

Kanzlei die Hegistrierung der Urkunden nach den Co iic

ei) te n das allgemein gebräuchliche Verfahren gewesen sein muss.

War dein aber so, dann mflsseii wir uns auch stets vor Au 'gen

halten, (lass die Registerbände ffl die in ihnen allein überlieferten

Urkunden keine Gewähr bieten, dass voti der Kanzlei stets den

vorhandenen Abschriften in allen Punkten gleiche oder überhaupt

entsprechende Originale ansgefeitigt worden sind •2

Die Urkunden wurden zumeist v llstiiitlig, und nur selten in

Form von Hegesten eingetragen. Auch die Regiertmgshiaiidlungen,

(hie urkundlichen Ausdruck nicht gefunden hatten, kamen in diesen

Begislerit zur Erwähnun g. Ueber sie wurden nur kurze \Tcrinorke

au fgenoni i ien, aus denen der Empfänger, der Gegenstand, Cl(-i- Ort

und das Datum der Verleihung eisiehithichi waren.

Oft scheint die Hegistrierung vor der Anfertigung der Beinschrift

, wohl unmittelbar Itelbar nach der Prüfung des Corieepts vorgeiioiimen

zu sein. '\Vii haben st-hott darauf hiiiigewieseii, (lass die

Urkunden in den Registern bisweilen wesentlich von den entsprechenden

Originalen abweichen und dass, wo dies vi trkoin tut,

das Concept vermutlich noch eine Aenderung erfahren bat, nachdem es

bereits registriert war, ii. li. also die Abschrift frrtig war, als man

zur Mundieruiig schritt. Ein direktes Beispiel dafür, (lass die Eiii-

Iragung des Entwurfs in die Register erfolgte, ehe die Reinschrift

besorgt war, gicht jene Abschrift mit dciii Vermerke «Ist noch

Die Arheit war bereits abgeschlossen, als ich von den gründlichen und scharfsinnigen

Ausführungen Gerhard Seeligers über .Die Registerführung am deutschen

Königshof bis 1493. (Mittheilungen des Instituts für Oesterr. Geschichtsforschung Ergänzungsband

III 223 ff) Kenntnis erhielt. Es freut mich, feststellen zu können, dass

Seeliger für die königliche Kanzlei in der Frage nach der Vorlage der Registerabschriften

zu demselben Resultat gelangt ist, das sich mir für die brandenburgische ergeben

hat. Sehr bedaure ich, dass ich hier nicht mit derselben Ausführlichkeit, wie

dieser Forscher in seiner obengenannten Abhandlung, auf die Registrierung eingehen

konnte. Wie wertvoll derartige diplomatische Untersuchungen für unsere verwaltungsgeschichtliche

Kenntnis des späteren Mittelalters sind, dafür liefert ja die Arbeit Seeligers

das sprechendste Zeugnis. Seinem Beispiele, das er für die königliche Kanzlei gegeben

hat, folgend, gedenke ich später die Registerführung am braiidenb. Hofe im Zusammenhange

mit einer genaueren Beschreibung der Codices (vergl. S. 8) durch das 15. und

1. Jahrhundert hindurch zu verfolgen.

2 vgl. S. 108.


- 110 -

iicht ingrussilt)), ili)er die wir bereit„ all

Stelle gesprochen

haben.. liii XI. Registerband Fol . 54 1. L ist. at ii I aiide dci dort.

\r(I7.ej)1l[1etefl Urkunde ciii Satz iiachträglicii verineikt, der verinutlich

irii Golcept zuerst gefehlt hat und erst später hiiiizugefügt

worden ist. in dciii dazugeiilrigen Original steht d iesci Satz mitten

itii Texte; all Naciitraguiig ist hier iiielit zu denken. - Doch

dass die Registiieriing vor der Anferti.guiig der Reinschrift in der

brallddni)urgisclieli Kanzlei Regel gcvesen sei, soll iiiehit behauptet

werden. 1)a es hier besondere Registiatoreii, wie es sciieiiit, nicht

gegeben hat, si niderii öflor derselbe Kanzlist, das Original sclireihcii

iiiid die ilegist rieruiig besiegen wusste, so ist es seit n i all sich

uiizuwahirsclieiuilicii ‚ dass der Beamte in diesen Fälleii zuerst, die

Abschrift und dann erst das Original gefertigt hätte. Doch weit

iiiehr fällt für diese Frage der Umstand ins Gewiel ii ‚ dass eine

strengere chroiiologischc Äiifcinaiidcifulge der Abschriften, welche

auf eine der A tisstellung der Urkunden entsprechende, -gleicliuiiä.ssig

Ii )rtschreftellde Registrierung sc iliesseu lässt, in dcii I-tegisterii uni•

zeitweise zu b '_diacl iteu i ist, und dass dagegen auch sold w Paitieui

vuihainleit sind, iii tic:ien sich die Absehi iften, ii ibek(iiiiuiert uni

die genauere Zeitfol ge, regellos aneinamlor gereiht finden, was kaut ii

glieli wäre, \'i0flhl die Eiuitragumg eines jeden dieser St ücke sogleich

itachi der Geiiehuiniguiig des Uouiceptes 1100,11 \ .m . der Anfertigung

dci Reinschrift ausgeführt wurden wäre. - Ich meine

daher, dass die Registrierung in der hrandeiihurgisciien

K a iiilei a ll einen bestimmten Zeitpunkt iikt iiberhau1t

ii i c h t ge b uui ii en -war, suiidern bisweilen noch vor der Anlage

des (higiiials, bisweilen aber auch, besonders wenn notwendigere

vorlageur, erst nach der Mundieiuiig zui Eilediguuig gokuiiiwen

seiii wird.

1 Vgl. S. 108.


KAPITEL 'VII.

Petitionen; Beurkundungsbefehle.

Wie die höchste Beichsbehöi'de iiii Mittelalter gewöhnlich nur

dann funktionierte, wenn sie angerufen wLii-(le., 1 so sind auch an

den Fürstenhöfen siellerlich die meisten Regierungshandlungen, so-

Weit sie nicht Bestimmun-en tIl]d Willensincinungen der Herrscher

in Vervaltungsfragen entliielteii, den Anregungen zuzuschreiben,

die voll Aussen her in Anträgen und Bitten (leni Hofe gegeben

wurden. Leider habe ich aus dem Material, das ich gesehen habe,

über das Petitionswesen am brandenburgischen Hofe nichts genaueres

flststelleri kön n en. \Valirscheinlieh ist es in der Mark,

WiC überall in Deutschland, zu einer bestimmten Regelung des

Petitionswesens gar nicht gekommen. 2 Jedoch soviel scheint gewiss,

dass hier die Gesuche vorzugsweise persönlich von dein

am Hofe vorgebracht worden sind. Arn Eingange der Narratio ist

nicht selten in den Urkunden erwähnt, dass der und dci' vor deni

Markgrafen erschienen sei, und ihm gewisse Bitten vorgetragen

habe, die er ihm erfüllen und in der vorliegende Urkunde verbriefen

voHe. Bisweilen erfahren wir auch, dass kurfürstliche Räte

oder überhaupt einflussreiche Personen, welche der Bittsteller zur

Unterstützung seines Gesuches für sich gewonnen hatte,' zu dessen

Gunsten als lutervenienten aufgetreten seien. Iii einer Urkunde,

i Seeliger Hofmeister S. 93.

2 Bresslau a. a. 0. S. 688.

3 Riedel A. Bd, V S. 190. Bd. VI S. 128. B. Bd. V S. 9. u. s. w.

4 Riedel B. Bd. IV S. 146. S.-Bd. S. 858 (Kanzleinotiz) u. s. w.


- iN

aus dein Jahre 1418 1 wird der [iitervenient bez. der Sollicilator

in der Unterfertigiiiig als promotor causae genannt; es ist dies der

einzige Fall, wo sich in unserer Zeit in brandenburgiselien Urkiindeii

diese Bezeichnung nachweisen lässt.

Nachdem die Petition eingereicht war, werden oft, bevor die

Entschliessung erfolgte, Beratungen dahiher gepllogeii wi rdcri Seil],

wie mau sich der Bitte gegenüber verhalten wolle. Diese Beratungen

iiiügen mitunter - je riauli (1cr Pcrsoii des Bittstellers und

dem Inhalte der Bitte - eingehendere Unterstteliiuigen erforderlich

gemacht und längere Zeit in Aiisprucli genoi]iineii haben. Dass

diese Aufgabe in der Hegel deii Räten am Hofe zufiel, unterliegt

kaum einem Zweifel. Von velelieu Räten aber, und in welcher

Weise die 'ci'hiaiI(IkiI1 geführt wurden, darüber ist nichts Näheres

zu entnehmeii. Deriii wenn wir auch dort, wo wir Räte zur Ausübung

der relatorischen Funktion bestimmt selten, in dieseim zugleich

die Männer vermuten wertleii ‚ die mit der Leitung der

\' eiliaiidluiigen betraut wareu, so sind 1 rli diese Fälle, wie mir

scheint, iii i Verhältnis zu den Urkuuitleii ‚ in \velchicii dci Fürst selbst

Ilelator ist, und ciii Hinweis* auf die Person, in deren Fläiideu die

Bearbeitung der Angelegenheit lag, nicht gegeben ist, zu wenig

zahlreich, uni uns über diesen Punkt zur Entscheidung gelangen

zu lassen.

Hatte der [lerrseliet' für den vorliegciideu Fall seinen Entschluss

gefasst, so fand die Ilaiidliin- 5 statt, in welcher er dciii Peteiiteii

denselben mitteilte und ihm das Recht zur BeLI rkiiiid ing zuspracht.

Da hei diesen Handlungen die Kanzlei der Regel nach offiziel nicht

vertreten war, so musste eine Persoti, welche die Kanzlei voll dciii

Willen des Fürsten amtlichi in Kenntnis setzen mml ihr dcii Auftrag

1 Or. 1418. August 31. KI. Neuendorf (St. A.), bei Riedel S.-Bd. S. 358, wo jedoch die

Unterfertigung nicht richtig wiedergegeben ist, siehe S. 1Ei Anm. 3. Wie aus dieser Unterfertigung,

in der neben dem Promotor causae auch noch der Relator besonders bezeichnet

ist, hervorgeht, können am brandenburgischen Ilife nicht, wie Seeliger für die

Reichskanzlei in dem bereits öfter zitierten Aufsatze, in Mitth. des Instituts für Oesterr.

Gesch. Bd. VIII S. 15) annimmt, die Promotion und die Relation ein und derselbe Akt

gewesen sein, vielmehr scheint sich hier die 1hätigkeit des Promotors mit der des

intervenienten bez. Sollicitators des Königshofes siehe Seeliger an demselben 0. S. 17)

zl.I decken.

2 Vgl. S. 79 Anmerk. 1.

Vgl. 5. 95.


- 113 -

zur Ausfertigung einer entspredieiiden Urkunde überbringen sollte,

d. ii. also ein Relator bestimmt werden. Aber die blosse Erteilung

des Beurkundungsbefehls genügte nicht. Die Kanzlei ])( ,durfte, um

ein rechtsgiltiges Dokument ausstellen zu können, der näheren Angaben

übür den Empfänger, die Art und den deii Umfang des Rechtsobjektes,

Zeit und Ort der Handlun g u, s. w. Die Inforinierung

der Kanzlei nach dieser Seite gehörte ohne Zweifel mit zu der Aufgabe,

die dciii lielatei ain miikisclieii Hofe zufiel.

In erster Linie ist es der Fürst selbst, welcher die relalriselie

'L'Iiätigkeit ausübt, iiiciist ihm vorzugsweise die Räte ani Itol, (in)

zugleich Inhaber der grossen Uofüinler sind. Unter diesen treten

besonders der Hoflneistei, der seit Alters den ersten Hang unter

den Hofbeamten eiiiiiimmt, und der Küclieniiieistei hervor, dessen

Stellung erst seit der Zeit, wo die Flohienzollerii in der Mark

herrschen, auf eine (lcii üb rigeii iluti utern gleiche Stufe gelangt ist.2

Die Vertreter derselben inden letzten Jahren unserer Epoche, Paul

v. Corierstorf unil Uli'ieh Zeuschel, werden oft als Helaturen hezeichnet.

1)m1die iisübuiig der rlatoiiscIicu 'Ii tätigkeit war an

kein bestimmtes Amt, an keine Stellung gebunden. Neben dcii

eigentlichen lIefbeainleii ericlieiiicn die k uifttrsthiclieti HiIe (im

weiteren sinne), riebeii diesen bisweilen angesehenen Personen, die

mit dem Hofe überhaupt nicht in direkter Verbindung gestanden

zi 1 haben scheinen. So linden wir z. lt. den Pfarrer von Cotti tus,

Ji dnum Swafheyrner, der nirgends einen Titel führt, der auf eine

Wirksamkeit desselben am kurfürstlichei i Hofe sei ihiessei liesse,

in zwei Vermerken als ReIatoi genannt.

Dass die Beamten und selbst die Vorsteher der Kanzlei im

Allgemeinen nicht als flelator auftreten, entspricht dein, was wir

iii einem früheren Abschnitte über die Bedeutung der flelaLoreuveririerke

dargelegt haben. 1 'Wenn trotzdemder KanzlerF'ried-

Isanesohn a. a. 0. S. 7.

2 Isaacsohn a. a. 0. S. 23.

3 Riedel A. Bd. XX S. 282. B. Bd. V S. 12, Anhang 1 S. 117 und 1 t9.

Kapitel IV S. 80. Darauf, dass der Probst Waldow in der Zair, wo er der alt

der Spitze der Kanzlei stand, mehrere Male als itelalor fungierte (vgl. Anhang 1 S. 139

ist weniger Gewicht zu legen, denn damals waren die Kanzleiverhältnisse noch in der

8

ak


- 114

rieh Sosselmanii sogar hiiifig in dieser Eigenschaft erwähnt wird,

so ist dies ein Zeugnis, dass man in demselben am Hofe weniger

dcii Kanzleibeamten erblickte, als ileii kurfürstlichen Rat, deiti als

solchem die Erteilung des Beurktind uiigshefehls zu kam. Recht

charakteristisch ist es, weiiii Kracht im letzteii •Jahre seiner Tliätigkeit

iii der Kanzlei ziuii ersten Male iii zwei Vermerken' als Relator

hozeiehnet, wird ; der Uebergang der früheren Stellung des

Kanzleileiters in die neue, wie sie sich unter Friedrich II. eiltwickelte,

kommt auch hierin deutlioli zum Ausdruck.

In welcher Weise der Kanzlei die Anweisung zur Ausstelliiiig

eiiier Urkunde zugestellt wurde, 01) SC auf scliiiftlicliem oder

miiiidLicliein Wege erfolgte, wissen wir nicht. Derartige schrift-

Hohe Ausfertigungen des Beurkuiidiingshefehils auf Zetteln, die der

Kanzlei zugeschickt wurden, wie sie aus der kaiserlichen Kanzlei

erhalten sind, 2 waren unter den brandeiibu rgisc.hen Actenstückeii

nicht zu finden.

Dccli auch die Fälle sind in Betracht zu ziehen, wo die Einpfänger

kurfürstlieher Verleihungen od. dergl. sich mit dein uiii

Herrscher gegeheueii \Vortebegiiügten und auf die urkundliche

Aufzeichnung veizichituten (siehe S. 77.). Unter diesen Verhältnissen

war die Bestimmung von Personen, welche der Kanzlei den

BeI! ml zur l3eurkw idung überbringen sollten, also die Ernennung

von Relatoremi, nicht notwendig. Aber amic i hier liess man der

Kanzlei eine kurze Mitteilung über die vom Fürsten vorgenommene

Handlung mit Angabe des Datums, doch ohne Anführung der

Zeugen it. s. w. zugehen, damit dieselbe in die Register auifgenoiriinen

würde. So sind die Notizen entstanden, welche in Form

von Regest cii eingetragen, über die nicht verbrieften Verleihungen in

aller Kürze berichten ; die Personen, welche diese Ni tizeii ül eibraehteii,

werden weder iii den Urkunden no(At sonst irgend wo er-

Bildung begriffen, was doch am erste' an der Stellung Waidows selbst zum Ausdruck

kommt, der aus der Kanzlei Jobsts heriibergenomxnen, als K.nzlei1eiter eine Bedeutung

hatte, zu der die Nachfolger in diesem Amte vorläufig'nicht wieder gelangten.

1 itiedel A Bd. III S. 414 und Registerband 8 (R. 78. 8. St. A. fol. 231.

2 Chmel Monumenta Habeburgica Wien 1851 Bd. 1 S. XL ff.

3 Siehe 8. 743. In den Registern werden sie als Lehen oder dergl. «ane briefes bezeichnet.


113

wähnt. Da es sieh bei der Vermittlung solcher Notizen, über welche

tirkwiillielie Schriftstücke nicht ausgefertigt werden sollten, nur um

eule lliätigkeit VOR gen handelte, 1 igeier Ucdetitung welcher die Veralitwuitung

wie sie iii der relaturiselien Ftiiiktiüii oder in der Durchsieht

des €)iizi nals lag, durchaus fehlte, so hielt es 41 IC Kanzlei für

iinhiöt.ig, die \iiiiter, welche sie ausühteii, besonders nairiliaft

zu machen.

Ein wichtiger Punkt, der zu den iii diesem Kapitel hehiamidelton

Fragen in naher Beziehung steht, ist iwehi zu erörtern.

\Veiiii wir an die Reihe voll denken, zu deren, Aus-

Stellung der Befehl nicht 1111 mittelbar duroli tlei i 1 legenteii, S uderit

(1 welt einer seiner Bate an die Kaiizlei eigailgeil ist, und welche,

soweit wir wissen, auch iiaehiher nicht. im Uuiic .ept euer imOriginal

dein Fürsten zur Prüfung vorgelegen haben, so muss sich uns die

Frage auli1riigeii, ob in allen diesen Fällen die als llelatoreii hezeieluieteit

Männer auch %virkli(-li nur als Ieherhuriiiger eines vom

1 herrscher erteilten B.urkti midiimigshehihils ii nd nicht l)iS\VeilWi als

sell)stin(lige Auftraggeber aufzufassen sind. Au sieh ist. die Möglichkeit,

dass einzelne Räte berechtigt waren, in gewissen Fallen ohne

\Visseii und Genehm niglil tg des Fürsten aus eigener Initiative heraus

die Kanzlei zur Ausfeitigutig von Urkunden anzuweisen und dass

sie unter gegebenen Verhiältiiisseii auch von diesen flechte Gebrauch

geiiiachi 1 haben, durchaus mcl it ausgeschlossen.

Aber eine Betrachtwmg der brandenburgischen Verhälltnisso

lässt meines Erachtens klar erkennen, dass die Annahme einer

adchen Vollmacht gewisser Ratgeber für diesen Hof durch einigermassen

überzeugendeGründe nicht ZU stützen ist, (lass sie im

Gegenteil in den Urkunden selbst eine unzweifelhafte Widerlegung

erfährt.. Dass die brandenluu'gisehe Kanzlei immer, trier, sobald ihr ein

anderer als der Regent selbst, dcii Auftrag bringt, eine Urkunde

aiisziisl ehieti, dieseit tut r als Mittelperson aitsiehit, der im Namen

des Regei it ii OMA uiiml nicht aus eigener u[acI itvohlk ' in lnenlhl4 it

die Bem-kLindwig befiehlt, geht schuit daraus hiervor, dass Sie in

allen diesen ldli'iu, wenn sie dcii Betiiknndtunsaiiftta.g iii Vermerken

ühieiliatipt eiwähitil., die zu ihm iii Boziehimimig ste en(1e11 Personen

stets nur als Belatoren, als die Ueberbiiiigei luezeiehinet, während


116 -

sie dort, wo es sich uni den Fürsten handelt, neben den Wendungen

Relator dominus per so u. s. w. auch Wendungen, wie «dominus j ii ssit

oder ad In aiidat um domnini» ‚ anwendet, in denen ausdrücklich

gesagt wird, dass die betreffende Ausfertigung auf einen direkten Befehl

des Herrschers zurückzuführen ist. Wenn auch solche Fälle vorkamen,

in welchen die Räte nicht in der Eigenschaft als blosse Uehermittler,

sondern als selbständige Auftraggeber vor die Kanzlei traten,

dann müsste uns doch wenigstens der eine oder andere Vermerk begegnen,

wo es heisst: ad mandatuin dieses oder jenes Rates oder

dergl. Dass derartige Verineike fehlen, lässt schliessen, (lass die

Kanzlei in den Bäten, die ihr Beurknndungsbefehle erteilten, einzig

und allein beauftragte Mäiiiier sah, die bestimmt waren, in diesen

Fällen den Verkehr des Herrschers mit der Kanzlei zu vermitteln.

Hätten einzelne Räte eine so weit gehende Competenz gehabt, unter

dem Namen des Fürsten gewisse Schriftstücke ohne seine besondere

Einwilligung ausfertigen zu lassen, dann hätte die Kanzlei

hei der Bedeutung einer solchen Vollmacht auch von derselben

Kunde haben müssen und sie hätte sicherlich die auf unmittelbaren

Befehl der Räte ohne 'Wissen des Herrschers erlassenen Urkunden

durch eine entsprechende Notiz gekennzeichnet.

'Wie ängstlich vorsichtig die Kanzlei verfuhr, wenn ihr von

Räten Beurkundungshefehle überbracht wurden, über deren Herkunft

sie im Ungewissen waren, d. li. in betreff deren sie riieht

sicher war, ob sie auch wirklich vom Fürsten ausgingen, zeigt die

Kanzleiiiotiz unter der für Kloster Netiendorf im Jahre 1418 erlassenen

Urkunde. Naoli dein Origina1 2 lautet tier Vermerk, der bei

Gercken und Riedel ganz unsinnig wiedergegeben ist:

Wiricus de Treutlingeim relator,

pro motor causue Erhardus Göln Itze,

e commnissione doinini, ut asserueruiit.

1 Vgl. S. 81.

2 Or. 1418. August 31. KI. Neuendorf (St. A,)

3 Gercken (Dipiomataria veteris Machiae Bd. II S. 4(30.) druckt: Ad redationem(l)

Wirici de Trutlingen. exaccionator (!) Erhai'dus (iöinitze, ex rttu(!) domini, ut dixerunt.

Riedel S,-Bd. S. 359 verbessert zwei der Fehler, lasst aber xexaecionator, stehen. Ein

solches) Wort existiert aber so viel ich weiss, weder im klassischen noch im späteren

Latein.


- 117 -

Diesen eigenartigen Vermerk möchte ich folgendermassen erklären

: Die Urkunde ist datiert: Onolsbaeh, 31 August 1418. In

dieser Zeit weilte also der Kiirferst, wie wir auch aus anderen

Quellen wissen, gerade in seinen fränkischen Stammlanden. Während

seines dortigen Aufenthalts hat er vermutlich auf die Bitten des

als promotOi causae bezeichneten Eih. (jülnitze, der am Hofe des

Kurfürsten erschienen war, um Verleihungen für (las Kloster Neuendorf

zu erwirken, jenem die Verleiliuiigen zugesagt und ihn au

seinen Rat in der Mark, \Virich von rjII.(utlinge1I gewiesen, sieh

durch dessen Vermittlung eine entsprechende Urkunde von der

brandenburgischen Kanzlei ausstellen zu lassen. Troiithingeui überbringt

der Kanzlei diesen Befehl des Herrschers. Dieselbe fertigt auch

die Urkunde aus, begnügt sieh aber nicht, Treutliiigen als Relator -

zu nennen, sondern erwähnt auch, dass nach der Aussage dieses

und des Intervenienten Gölnitze der Befehl vorn Kurfürsten selbst

herrührt. Würde die Kanzlei darauf, dass der Regent selbst die

Ausstellung befühlen habe, so grossen 'Wert gelegt haben, wenn

die Kanzlei öfter in die Lage kam, auch ohne desen Befehl Urkunden

auszufertigen? Sicherlich nicht. Auch diese Urkunde muss

uns in der Ansicht bestärken, dass ohne Genehmigung des Fürsten

Beurkundungen am brandenburgisolien Hofe nicht vorgenommen

wurden.

Anders waren natürlich die Verhältnisse, wenn der Regent

ausser Landes war, und die Regierung in den Händen von Räten lag,

die als Statthalter eingesetzt, ausdrücklich (las Recht erhalten hatten,

Ilegierungshandl ungen selbständig vorzunehmen.

Bemerkenswert ist aber, dass die Räte, die unter Friedrich 1. in

dessen Abwesenheit die Verwaltung der Mark leiteten, soweit wir

scheu, die von ihnen in dieser Zeit ausgeführten Hegierungsakte

unter ihrem eigenen N am üii und Siegel, aber mit dem Zusatze

dass sie «an stad und von wegen» des Markgrafen handeln,2

verbriefen ' liessen. 3 Sie gaben dadurch ulme Weiteres zu erkennen,

1 Vgl. z. B. Die Bevollmächtigung Treutlingens vom 13. März 1419 bei Fidicin

Histor.-diplorn. Beitr. Bd. IV S. 123.

' Riedel A. Bd. XII S. 24i. Bd. XIII. S. 343.

Von Treutlingen sind mehrere solche Urkunden vorhanden: Riedel A. Bd. XII


- 118 -

dass die Schriftstücke ohne spezielle Genehmigung (1('S Fürsten auf

ihre eigene Verantwortung Liii ausgetrtigt worden sind. iid. Nag 'gen

siiicl die Urkunden, die jr ii Jahre 1 in der Zeit, VO dci' Markgraf

Joliaiiii auf der Reise nach den i heiligen Lande begriffen war, 1

von der Laiu!esrcgieiiing in der Mark ausgestellt \vordell sind, 2

mit dem tnarkgiflic!ien Siegel verseiieii und rlliterselIei(ien sich

weder in der liititulatio noch in der ( orroburatio von den während

der Anwesenheit (]es Herrschers erlassenen Diplomen. Als spiter

im Jahre 14j3 der Kurfürst Friedrich II. seine Fahrt. nach Jerusalem

ausführte, \vul'de.Il die in dieser Zeit vorgeliomirieneii Verleihuiigeii

ii. s. w. zwar auch unter kurfiftstlielierii Naiin'n ninl

Siegel beurkundet, aber zuweist dtucli die \YuiR. «in absei itia doiii

iiii »‚ welche dciii Daturir oder dciii lit latoreiiverinerkc hinzugefügt

wurden, als solche, die in Abwesenheit des Fürsten gegeben worden

sind, besonders keuiithichi geriiaclit.

S. 245. 246. lid. XIII S. 343 u. s. w. ; aber auch von Bieberstein und Ehe finden wir

derartige Urkunden, wie Riedel A. Bd. XII S. 429 und anderwärts.

1 Vgl. Schneider: Zwei Hohenzollern-Fürsten in Jerusalem in Märkischen Forschungen

Bd. V S. 1(X) ff., und (leisheim: Die Hohenzollern am heiligen Grabe zu Jerusalem.

Berlin 1858. 5. 17 ff.

2 Riedel A. Bd. VI S. 416. 493.

3 R. 78. 9. fol. 219. 220. iSt. A.) den Relatorenvermerk siehe Anhang 1 S. 150.


1

KAPITEL \TIIL

Concept und Reinschrift.

Mit der Eiteihing des BeurkundutigsauftragS 1)egaiifl erst. die

Arbeit der Kanzlei. Zuerst galt es auf Giuiid des dargebotenen

Materials das Cunee[it für die auszufertigende CIkujille ZU el1tWerf(n

Wenn iii inanclieii Kanzleien ati(-li noeli in dieser Zeit der

Biauclt vorherrschte i tielit für simtliclie Urkunden Coneepte bei-

Zustellen, S01Id(lI1 gewisse Arten von l)iploineIl, die iin weseni licheii

nur nach \rorurk li ndeii zu copiereil waren, sogleich ins Beine ZU

scltreilieir, so scheint iii der 1)raltdetll)IIrgischlen Kanzlei die Anfertigung

voll Concepteii die FegC1 gewesen zu sein. - Schioii der

Umiistaiid, dass iii der Kanzlei die flegistraturverinerke nicht auf die

Originale, sondern auf die Conceple gesetzt wurden, zeigt uns, veIelien

Wert niaii in dci Kanzlei den Coneepten beituass und scheint darauf

hinzuweisen, dass man mit den Concepten als einem ebenso

1 iotweiiiigen Faktor reehmiete, wie mit den Origivaleii selbst. Ferner

in tissten doch, da es Gebratieli war, die Abschriften in den ltegistei'u

nach den Coticepten einzutragen, für alle die Urk ii iideii ‚ die später

ins Register aufgenommen würden s diteri, auch Entwürfe vi rhandeu

sein. Abci- gerade die Urkuuidert, wie Best.gui Igen, \Terleiliuulgeii

w. die, weil sie so häufig vorkamen, dcii Kanzleibeamten in

foruiialer llimisiclit auii geliintigsteii waren, irnd sie (lalle,- all, ersteii

il die Veistichiimiig führten, die Reinschrift diiie Coucept aiizufertigeu,

waren sehr oft inhaltlich von solchiei Bedeutung, dass ihre

Registrierung durchaus notwendig war; mithin musste es auch für

diese L rkuiideii Cni Ice[Jte ge gebenhai nui

1 Bresslau a. a. 0. S. 755.


Freilich half man sich bisweilen in den Fällen, wo für das neu

auszufertigend e Diplom eine völlig entspreelientle Vorurkunde in

den Reistern vorlag, indem man die Abschrift als Entwurf benutzte

und iii dieselbe nur die iiotweiid Lgeii AendenElIgeJI eintrug. Ein

Beispiel mag diese Atisfüliruimgen erläutern. Im Registorbarid 19

(B. 78. 9.) Fol. 168 j. d steht eine solche Urkunde,welche mit einigen

Aenderungen später zugleich als Goiieept gedient hat. in der [Irkunde

handelt es sich uni die Stadt \Vrietzen, die dein Hochirneister

des Johiaminiterordens Tirbae!i als Entsehä(Iigung für eine Forderuiig,

die er an dcii Kurfürsten hatte, am 17. Januar 1416 als Pfand-

Objekt überlassen wird. Von dieser Verptndimng macht der Kurfürst

am nächsten Tage der Stadt Mitteilung.' Doch aiii 7. November

des folgenden Jahres sind zwischen dem K i tiflirsten und Tirhach

andere Vereinbarun gen getrofleit ‚ niid letzterer anderweitig eiitschädigt

\vü1deu. 2 Hierdurch war die Stadt \Vrietzeii wieder in die

Hände des Ktirftirsteii gelangt. Schon 10 Tage später verpfändet er

sie von neuem und zwar an hans v. \Valdow, ‚ der gleichfalls

eine Schuldforderung an dcii Kurfürsten hatte. Als nun der Kanzlei

befohlen Wird ) dein II. v. \Valdov eine Urkunde über die ihm

verpfändete Stadt Wrietzeu auszustellen, entwirft sie kein neues

Cumieept für diese Urkunde, sondern benutzt (las seinen Zeit für

!i r]iach aiisgestelhl.e l)ipluin ‚ das uni Register aufgezeichnet stand,

als Vorlage u mid ändert uni die Namen der Ennpfäi iger, (las I)atumn

U 1 md setzt einen Htlatorenveimrk ii imizu, dci tintei der ersten Ur-

mi tide gefehlt hatte. Der Text h-r Urkunde, iii dein die aus der

Verpfändung für die Emnpfinger erwaehisemideim Ileehite ‚ sowie die

Bedinguiigen angegeben sind, die sich der Kurfürst für die Wiedereimilösutig

der Stadt vorbehält, bleibe i 111 verändert. - Doch V) 1'-

Jiältm isitiassig nicht oft finden wir solche Ahschiiftemm iii den 1gist.erui,

die zugleich als Uiiicepte gedient liabeim . Gewühimuhichr scheinen

für allie Urkunden besondere üonce1ite entworfen worden zu SCifl.

01) in der Kanzlei für die Coiicepte Formulare vorhanden waren,

welche dciii Entwurf des Unreinen zu Grunde gelegt. \vnrdeui, ist

1 Vgl Raumei Bd. 1 S. 189.

2 Vgl. Riedel A. Bd. XIX S 157.


- 121 -

da sieh derartige Formularbücher nicht erhalten haben, und sie

nirgends ausdrücklich erwdint verden, tut Bestimmtheit nicht zu

In

sagen. Doch ist wohl anzunehmen, (lass die Kanzlei solche Formularbücher

besessen hat, denn so erklärt es sieh am leichtesten, \venru

wir in den urkunden immer dieselben Schemata wiederlinden, lind

uiis in den inhaltlich gleichen Diplomen dieselben Gedanken stets

in denselben Fort neu begegnen.

Ne Concepte sind in der Regel von (Ic-,ii Kanzleisekretären entworfen

worden) Nur sehr selten hat der Helator auch zugleich

den Entwurf zur Urkunde geliefert. Ein einziges Beispiel dieser

Art ist mir begegnet, wo es in dem Vermerke heisst: R[elatorl

lirepos i tus Brandenburgensis et dedit lit.teras. 2 Aber nicht allein

die Coneipieruuutg der gewöhnlichen Urkunden, die sieh inhaltlich

Zumeist gleich blieben, war die Aufgabe der Sekretäre, sondern

man überliess ihnen auch die Abfassung der schwierigeren Schriftstücke,

die nicht bloss eine gewisse Stilfertigkeit, sondern oft auch

juristische Kenntnisse erforderten. So ist (her Entwurf zur Klageschrift

und Bcplik des Kurfäusten in der ponninerselten Angelegeiilieit

aus dein Jahre 1468, wie wir bereits in anderem Zusarnmenhange

erwihtiit haben,-' eine Arinit des Sekretärs Klitziuig.

Bevor die Couieept.e zur Reinschrift gegeben wurden, unterzog

niman sie einer Prüfung. Die Beobachtung, dass auf den

Conicepteir Zusätze und Verbesserungen auch von anderer Hand, als

die des entwerfenden Sekretärs, hinzugefügt, tm dass (hie Siegclaiikünidigumig

und (las Datum erst naclmtiäglieim hinzu gesetzt, wurden,

lässt erkennen, dass (las Unieine eimmer höheren Stelle zur Prüfung

unterbreitet wurde, ehe die Muiulicmiiiug erfolgte. Die brandenl)u!rgischue

Kanzlei war also, wie hieraus wohl zu schliessen ist, an

die Erteilung eines l'ertigungsbefehmls gehuuumden. Er hatte zwar

otleimbar keine grössere Bedeutung, da auch die Vollziehung dci Erkunde,

die I3esiegelunug der originale, wie wir zeigen werden, ohne

1 Vgl. Stölzel a. a. 0. Bd. 1 S. 98.

2 Riedel A. Bd. XII S. 52, Anhang 1 S. 142..

Siehe S. 3I.

Sehr deutlich tritt dies u. a. in dem Concepte vom 26. Sept. 1426 hervor, das

in den Akten, welche die Streitigkeiten des Bischofs von Brandenburg mit dein Probste

von Berlin betreffen (II. A. zu finden ist.


12? -

die Einwilligung des Kurfürsten oder schier Hüte nicht ausgeführt

weiden durfte., und initliiii dem lIefe, falls er mit der betreffenden

Ai.tskrtiguug nicht einverstanden war, noch nachher, dadurch dass

er (lie. Erteilung (les \ollzieliu ngsl)efelhls verweigern konnte, Gelegenheit

gegeben war, die Beurkundung (Iligiltig zu machen. Aber iiian hielt

allder Durchsieht der (oncepte und dem Fertigun gsbefehle fest, um

dr Kanzlei die unnütige Mühe zu ersparen, Originale erst auszufertigen,

die dann doch nicht verwendet werden konnten. - \Ver

die Pr[iliug der Eutwirfe voriialiin, ist iiirgeiids ange(lcI itet, sicherlieb

besorgte sie der Fürst selbst oder einer seiner Räte.

War das Original geschrieben, so wurde es noch in der Kanzlei,

vermutlich voll einem Sekretär, mit dein (oi1cepte verglichen, um

etwaige Versehen, die vorn Copislen gemacht waren, züi beseitigen

Wir linden auf den Ori ginalen Verl iesseruugen ‚ die von anderer

h1;tuid und mit anderer Tinte geiiiachut sind. Auf einem ()rigiiial

für KI . I)iesdorf ist an itielirereti Stellen radiert, und von einer

zweiten Hand sind in die Lücken einzelne Wörter hiineingeschiriel,eii

\V ruhen. In dein Vermerke die ursprilinglieh nur «1h-

Jahn doiniiius Andreas Ilaseluiiauiii praepositlis in Soltwedel » hiess,

hat die zweito hand dcii Titel des Hclat'. ' rs Keahicehlarjus» huiiizugefügt.

Nachdem (litroli diese Revision die vursehiriftsmässigo und

korrekteAusfertigung des Originals von Seiten der Kanzlei festgestellt

war, wurde es in der Hegel wohl de.uii fürsthichieui 11 ufe.

vorgelegt, um für die betreffende Beiiiku undwtg die euidgiltige Geu1(ilu)igung

zu erhalten. Wie wir ans den erweiterten Belatoieiiveiinirke.0

2 enl nehmen köin ien ‚ war es in der Mehrzahl

aller Fälle, wo wir Überhaupt von einer Prüfung der Heiuisehiriften

1 Or. 1449. Aug. 22. Kl. Diesdoif St. A.), bei Riedel A. Rd. XVI S. 482.

Siehe die Zusammenstellungen der Kanzleinotizen Anhang 1 S. 139 ff. Dass die

Prüfung, von der in den erweiterten Relatorenvermerken die Rede ist, vor der Besiegelung

der Reinschrift ausgeführt wurde, beweisen die nicht seiteii zu findenden

Originale, auf welcher diese Vermerke so tief auf die Textseite gesetzt sind, dass sie

vom Buge verdeckt sind und erst sichtbar werden, wenn man den Bug zurücknimmt.

Nach der Befestigung der Siegel können die Notizen daher unmöglich auf diesen

Schriftstücken hinzugefügt worden sein. Solche Originale sind z. B. aus der Kurfürst

licheii hanzlei Or. 1451 April 27 Berlin (St. A.), Or. 1459 Januar 25 Eebus (St. A);

ans der Kanzlei Friedrichs des Jungen (Feisten) Or. 1449 Dezember 22 KI. Diesdorf

St. A.), und Or. 1462 Februar 8 Arneburg (St. A.)


Wirdi die Regierung erfahren,' der Ilerrselier selbst, (tor sich diesem

Ge.hLiTte iuiterzog, das er bisweilen in Gegeiiwart seiner Räte oder

auch geine.iiisaun mit einem derselben erledigte. Nur seltener goschnellt

es, dass ciii k ii rtirstliclicr Rat allein das Original diireIisieht,

wo er dann, vinn Fürsten mit der Durchsieht besonders beauftragt

würdet ist. Im allgemeinen sI ieint der Relator zugleich

diese 'l'liitigkeit ausgeübt zu haben. Vereinzelt hegegneit wir auch

solchen 1 iktimulen, auf denen der Markgraf als Belator md irgeiid

ein hat. als derPrüfende genannt sind 2 mmd wiederum andemeii,

aus deren \ermeikeii das utngekelirte Verhültuis zu ersehen

Das Resultat der Durchsiehit destiigivals war unter gewöhnliehen

Verhältnissen die Erteilung des \ohlziehiuiigsli:leliIus ‚ (I- Ii,

ies Befehles zur Besiegelung des betretlenden Schriftstückes. Nur

ausnahmsweise, wenn die vorliegende Ausferti g ung den Amiforderiliigeil

nicht entsprach, oder noch besondere Umstände eingetreten

waren, welche eine Aenderung i ll, Emitsehlusse des Fürsten bewirkt

hatten, wird die \ollzieliiuig der Urkunde versagt worden seimi.

Dass anm lirandemihurgisehien Hofe die Einholung eines besonderen

Befehles seitens der Kanzlei nötig war, ehe sie die Besiogelim img des

Originales omnehiiien di irfte ‚ braucht wohl nicht näher begründet.

zu werden, nachdem wir dargelegt haben, dass die Kanzlei die

Dokumente vir der Besiegelting in dci 1egel zur Begutachtung zu

unterbreiten hatte. Denn was konnte diese Einrichtun g weiter hezweekeim

‚ als dass der Fürst, lmeziehentlidi sei ne Hite ‚ erst das

Original gebilligt und sieh mit der Vollziehung desselben einverstanden

erklärt haben s llten ‚ bevor die liesiegelung erfolgte

Für die braudeimburgisehme Kanzlei fehlt leider ein direktes Beweismittel,

das die Notwendigkeit des Yollziehimmigsbefehls unzweifelhaft

dartlitit ‚ wie wir es für die fränkische Kanzlei dem' Hohenzollern

in dein Kam izlereile aus der ii Jahre 1 186 besitzen. Aber die Besimm

inungen des Eides über diesen Punkt hinkt sind, wohl ohne Bedenken

auch auf die brandenbur gischen Verhältnisse zu übertragen. Denn

1 Ob es in den Vermerken heisst: vidit et examinavit, oder bloss vidit beziellentl.

legit, halte ich für belanglos, und ich meine, dass in allen Fällen das gleiche Mass der

Thätigkeit seitens der das Original prüfenden Personen anzunehmen ist.

2 Z. B. Riedem A. Bd. VI S. 502. Anhang 1. S. 144.

3 Z. B. Riedel A. Bd. XX S. 282. Anhang 1. S. 148.


- 124

in soleheii viclit,igereri Fragen des inneren Kanzleibetriebes, velclie

auch für die Verwaltung im allgemeinen von grosser Bedeutung

waren, ist sicherlich eine Uehereinstiiniiiting in dem Verfahren der

beiden Kanzleien der Iloheiizo!lern zinnal in jener Zeit, wo Franken

und Brandenburg eben noch iii einer Ilaiid vereinigt gewesen waren,

anzunehmen. In diesem Eide muss aber der Kanzler schwören, acht

ZU gehen, dass mit den fürstlichen Siegeln «nichts versigelt werd

oder ausgee, es geschehe daiiii mit wissen und willen meiner gnedigeii

liern oder inirer gnadeii abwesen durch rate uFer retej, den

derselben irer gnaden sach ZU handeln bevollien wurdet.» 1

Die letzte Stufe. der Beurkundung war die Aushändi gun g des

Originals an den Empfänger, die wahrscheinlich wie überall im

späteren Mittelalter,-' einfach durch Kanziciheanite erfolgte, nachdein

der Empfänger die Gebühren entrichtet hatte.

Dies war der Geseliftsgang, wie er in der branden]). Kanzlei im

allgemeinen hei der Beurkundung eingehalten wurde. 5 Ei gewährt uns

einmal erfreulichen einen Einblick in den sorgsam geregelteii Betrieb

dieses Zweiges der inarkgräflichen Verwaltung, dann aber zeigt er uns,

ein wie grosses Interesse die Fürsten selbst den AuIahoii der Kanzlei

entgegen brachten, und mit welcher Sorgfalt sie die vorschriftsmässige

Ausführun g der ihre Entschliessungen urkundlich zum Ausdruck

briiigenden Schriftsteke überwacht haben. Sogar dci Markgraf Johann,

der es als Verweser des braudonhurgisehien Landes bei der Erfühluiig

der Herrscherpflichiteii sonst wohl in ruaiicliei Beziehung an

der nötigen Energie fehlen liess, hat, wie die Kanzleinotizen aus dieser

Zeit beweisen, bei dein Teile der von ihni gegebenen Urkunden

die Durchsicht vor ihrer Vollziehung selbst vorgein Immen.

1 7• b. in R. 78. 81. (St. A.) ; gedruckt von Wagner in Archivalischer Zeitschrift

Bd. X S. 22. In der Vorlage, die im St. A. zu Berlin hinterlegt ist, heisst es .mit

wissen und willen» während Wagner druckt: cmit wissen und gehais.

2 Breselau a. a 0. S. 789.

8 Wenn ich in diesem Zusammenhange von den Urkunden, welche etwa ausserhalb

der brandenburgischen Kanzlei entstanden und bis auf die Besiegelung fertig gestellt

an den Hof eingereicht worden sind, nicht gesprochen habe, so hat dies seinen Grund

darin, dass derartige Fälle in unserer Zeit nur ganz ausnahmsweise vorgekommen sind,

und mir eigentlich kein einziges Original begegnet ist, bei der ich mit völliger Sicherheit

ihre Entstellung ausserhalb der markgri.flichen Kanzlei nachweisen könnte.


KAPITEL IX.

Archivwesen.

Mit dein im 14 teri ui d 1 ten Jahrhundert allgemeiner werdenden

Brauche, Güter- und Lehiisverzeichnisse anzulegen und von

den wichtigeren Urkunden Abschriften zu sammeln, gewann das

Archivwesen an Umfang und Bedeutung. 1 Die Originale wurden

iwinnehr nur noch selten aus den Aufhewalirungsstäriden hervorgeholt

und. blieben inin ihreii Behältern verpackt liegen ; wenn man

früher bi jeder Gelegenheit, wo die Orientierung aus dcii Aktenstücken

nötig war, auf die Originale selbst zurückgehen musste,

so begnügte man sich jetzt in (ICH meisten Fällen aus den Registerbänden

zu schöpfen. Diese wurden nun ein neuer, wesentlicher

Bestandteil der Archive.

Mit der Erhöhung der Archive an Umfang hielt die Eiitwickeluiig

ihrer Verwaltung nicht gleichen Schritt. Kaum an einem

Hofe verfügte sie über eigene lheatiiteii, überall erscheint sie als

Appendix der Kanzlei, von dereiri Personal die Ueher\vacllung der

Archivalien initbesorgt wird.

A.

ucli in der Mark Brandenburg war in unserer Epoche die

Archivverwaltung von der Kanzlei iiocli nicht getrennt. 2 Wie in

Franken der jedesmahige Landsehreiber «auf dein Gehirg» mit der

A.ufsicht über die Gewölbe und Briefschaften betraut war, so scheint

1 Vgl. Löher, das Archivwesen, in archiv. Ztsehrift. Bd, XIII S. 115.

2 Der erste eigentliche Archivbeamte ist soviel ich weiss, erst unter Joachim

Friedrich nachweisbar. Er hiess Erasmus Langenhain. Vgl. Golimert: Die Preuss.

Staatsarchive im Archiv für Landeskunde der Preass. Monarchie. Bd. IV S. 125.


- -

aueli in der Mark die Fi1iruiig der Arcliivgeschäfte zu den Funktionen

des ersten Kaiizleisekuetirs gehört z i haben Unter der

Hegieru ng (los Kiirfltrsteii 1'ridrieli II lag (hic [ elierwachuing des

Areiiivwesens in den Wänden des Skretii's Heinrich Iluweck. 1

Die auf die Verwaltung der Mark Brandenburg bezüglichen

Aktenstücke sind ohne Zweifel von Anfan g au im Lande selbst aufbewahrt

und nicht, wie tiian vielleicht denken körni te, iniii

die Archive

iiaeli Franken ge]iraelit. \VUi(leIi . In der Dispusitionstirkunde,

welche der erste hoheiiz (ilirschiC Markgraf vor seinent Tode erliess,

bestimmt dieser Fürst aus(lrürkhieil, dass die Briefs-(-haften, welche die

Mark betreffen, in) branden] nirgiscEieii Lande blei] cii iiiid ewig sein

s

ollen.' Die Familienakten. des liolieiizollersclieii Hauses wurden in dein

Familienarchive auf der Plassen]iurg iticulergelegt. Eii) Teil dieser

Schirjftstiieke wurde dein Gi'usii Kuritirsten auf sein Aiisudheii

gegen das Ende seiner Regierung ausgeliefert, iiaclideii i sein Vorfahr

Joachim Friedrich schon hei Gelegenheit des Geraer llausvertiages

dieselbe Forderung vergebens gestellt hatte.

In an der Elbe stand (las alte, feste Schluss dci'

brandeiilnirgisclien Mark grafen- hier hatte Karl der IV. das auf,

seillwI Befehl angefertigte Laiidbucli der Mark 11 tederlegen lassen;

hierher hiaehiteii auch die ElulIeIlZ dlcitt die hrandenhurgiseheii Akten

in Aufbewahrung. In dein beiei k erwähnten Sei iriftstüeke,

dem Testamente Fiied richis 1., heisst es, dass «alle gemein briefe»

im Schlosse zu Tangermüntle bleiben sollen, weil es dciii Fiiiistcii

sicherer erscheine, als die anderen iiiiikisehieii Sh1össer.

Neben dem 'Fangeiinürnhi' Schlosse ist voinehnihiehi in den dcii

ersteii Jahren der Regierung Friedrichs 1. das Graue Kloster in

Berlin zu Arcliivzweckeii benutzt \vor(lcu . Es war ja ein alter

Brauch, die wichtigen 1 rkundcn nud Aktenstücke, u111 sie vor Rauh

uiid Plüiiderung und dcii Aug en 1 iihjei'itfener zu sichern, in den

1 vgl. S. GO.

2 Riedel C. Bd. 1 S. 230.

3 Vgl. Spiess und Müicker iii dem schon angeführten Aufsatze; Archivalische

Zeitschrift Bd. IX S. 81.

Auch sollen alle gemein briefe zeu unsern landen der marck gehoreude, Auf dem

Siosse und beheltnuss zcu Tangermunde bleiben und sein zeu ewigen zceiten .....

wann sie uns sicher beduncken sein zcu Tangermuride, dann In andern unsern Siossen.

(nach Riedel C. Ha. 1 S. 230).


- 127 -

Kirellei] niederzulegen. In den früheren Jahrhunderten des Mittelalters,

wo die Höfe eigene Bäume für ihre Archivalien noch nicht

besassen, war dieses \erfahtren das allgemein Übliche. Aber auch

noch in unserer Zeit, als in der Mark Brandenburg die Kurfürsten

bereits in ihren festen Schlössern Archive einrichten liessen, ist

wohl der grösste Teil der Akten immer noch in Klöster Und

Kirchen zur Aufbewahrung gel raclit worden. 1 So erfalir(,iu wir aus

der Zeit Friedrichs 1. viclütch, dass Schuld- und ileversurkunden

oder dergl. im Kloster zu Ueiliti hei dein Gardian liegein 2 I)er

Nauiie des Klosters ist nijeht ange geben, doch ist sicherlich das

Kloster der Grauen Brüder, welches neben dein dainaligeti kurfürstlichen

Schlosse Hoheit Hause ) gelegen war, gemeint. So ergänzen

auch Riedel uuid Baunier den fehlenden Naiiien an den be-

treffenden St eilen.

In dci Zeit Friedrichs II. stieg die Zahl der Areliivdepots, in

welche brandenburgische Akten untergebracht wurden. Ahei die

fürstlichen Schlösser wurden nur iii geringerem Masse hierzu

verwendet, selbst in (las nett erbaute Schloss in Gölii an der Sprec

legte inan nicht viele Archivalien. Friedrich Ii. glaubte di Laudesdokumente

in den Klöstern und den Archiven gewisser Städte

sicherer aufgeht then, als in seinen fürstlichen Gewölben.

Die Sakristei des Graunen Klosters ZLL Berlin (heilte dein Hufe

weiter als Archivstelle. Atioli das Dominikanerkloster in Cöhui

wurde zur Aufbewahrung der kurfürstliclien Akten herangezogen.

Der Bat der Stadt Frankfurt erhielt eine Originalausfertigung der

Urkunde lleiiihards von (otthus, durch welche er Cottbus au Friedrich

verkauft, damit er dieselbe «der herNcluaft züi gute» aufbewahre

; eilte zweite Ausferti gun g 'wird dein Rate zu Tangermünde

zu dciii gleieheni Zwecke übergebeii. Der Stadt Prenzlau werdeni

1 Am fränkischen Hofe hat man eine Zeit lang wichtige Urkunden in den fürstlichen

Schlafgemächern aufbewahrt. Wie aus einem Berichte der Rite aus Ansbach an

den Markgraf Kasimir vom Jahre 1516 zu ersehen ist. sind in der Kammer der verstorbenen

Markgriifin, der Mutter Kasimirs, bei der Nachforschung interessante Akten

gefunden worden. Vgl. Seleeta Norimbergensia. Nürnberg 1768, Teil 1 S. 34, 35.

2 Riedel A. Bd. X S. 19.; Raumer Bd. 1 S. 46 u s. w.

Raumer Bd. 1 5, 21.; Gollmert a. a. 0. 5.115.

‚ R. 78. 9 fol. 234 i. d. (St. A.) Hier steht hinter der Abs.hrift der Urkunde Reinhards:

Item, der rechte briff ist gelegt by dem Rat zu Frankenforde, das sie den be-


- 1?8

liii Jahre 1468 auf Befehl des Kurfürsten eine Reihe von Originalen

und Abschriften, iiii Ganzen 20 Stücke, die sieh inhaltlie17 ulme

Ausnahme auf das Verhältnis Poinmnerns zu Brandenburg beziehen,

zur Hinterlegung in ilireni Archive zugewiesen. Im Registei 13

sind die betreffenden Urkundenaufgezihlt und mit der otiz verscheu

Disse briofe sind von befelung meins gnedigen lierit Marggrauen

Friedrich, Korfurst, bey dein ezu Preinzlow in verwariing

gelegt u f der herschaft heliuf, am freitag nach nativitatis

Christi anno etc. sexagesiuio nono. also am 9. Deceinber 1 .168 2).

Aher die grösste Zahl der kurfürsthiehen Archivalien kaimi in

das Domstift nach Brandenburg, das s i ch schon durch seine Lage

auf der Burg voiz(glie.li ZLI Archuivzweckeu eignete. Dcii Bemerkungen

« littera reperitur in Brandenburg 3 begegnen wir in

dieser Zeit aiim häufigsten in den Hegistern, Noch wenige Jahre

vor seinem Rücktritte von der Begierumi g befahl Friedrich II. eine

bedeutende Anzahl sehr wichtiger U

r kundeii, die in Berlin iiiedergelegt

waren, von dort nach Brandenburg au das Domstift zu

überführen. Das Register der damals an das Stift abgelieferten

Stücke, (las V011! Kanzleisekretär 1-loweck, welcheiui Ausführung

des kurfürstlichen Willensübertragen war, angelegt wordeim ist,

hat sich erhalten und gehört jetzt zum Besitzstaude des Geheimen

Staatsarl'hivs zu Berlin. Es ist ciii nach mancher Richtun g interessatites

Schriftstück des t. Jahrhunderts, das wir au auderei

Stelle eingehend betrachten werdeii. Zu denn Befehle, die

waren sollen der herrschaft zu gute und zu Tangermunde leit auch einer desglichen.

Die Worte .by dem Rat' sind, wie ich glaube, auch im zweiten Satze vor oder hinter

Tangermunde zu ergänzen. Bei der Art, wie die beiden Angaben mit einander verbunden

sind, ist anzunehmen, dass der Kanzleibeamte, der diesen Vermerk hinzugesetzt hat, an

die Deponierung dieser Urkunde im Stadtarchive und nicht im kurfürstlichen Schlosse

zu Tangermünde, das unter Friedrich I. das Hauptarchiv der kurfürstlichen Regierung

war, gedacht hat; sonst hätte er schon, um den Gegensatz zu der ersten Notiz hervortreten

zu lassen, dies besonders bemerkt.

1 II, 78. 13. fol. 13 i. d. St. A.)

2 Das neue Jahr wurde in der brandenburgischen Kanzlei, wie S. 73 bemerkt ist,

schon vom 25. Dezember an gerechnet

3 R. 78. 3. fol. 53. 65 i. d. 66 n. s. w. (St. A.)

4 Die Angabe, an welchem Orte in Berlin die Urkunden deponiert waren, fehlt,

siehe Anhang 2 S. 151.

Vgl. Anhang11 S. 156 ff. Die Herren Prof Dr. Schiemann und Dr. Meinardus waren

so freundlich, mich im Archiv auf dieses Register, das bis jetzt noch nicht benutzt

worden ist, aufmerksam zu machen. Ich möchte diesen beiden Herren auch hier noch

einmal meinen Dank aussprechen.


- 129 -

Urkunden von Berlin nach Brandenburg zu hringen, ist dci' Fürst

wohl durch die Besorgnis veranlasst worden, dass diese wichtigen

Dokumente in Berlin, wo mau schon einmal die Kanzlei erbrochen

und (liC Akten zerstreut und vernichtet hatte, ‚ nicht sicher genug

wären. Im Domstift zu Brandenburg waren sie nacht seiner Ansicht

der Gefahr eines räuberiselien Ueberfalls welliger ausgesetzt,

als dort.

Diesem Register ist von Eloweck ein einleitender Satz voraus

geschickt, der besondere Beachtung verdient, weil wir aus ihm

Näheres über die Anordnun g und die Art dci' Aufbewahrung

dieser Archivalien entnehmen können. Er ist im Aiihange 2 mitabgedruckt.

Nach dein Wortlaute dieser Notiz waren die Urkunden in

Schachteln eingeschlossen, von denen eine jede durch einen Buchstaben

(los Alphabets gezeichnet war. Dein Inhalte der einzelnen

Schachteln entsprechend sind die 11 rubriken iuui Are.hivregister zusai

iiniengestellt ‚ SO dass jede Bu brik den Urkundenvorrat einer

Schachtel angiehit. Jeder Rubrik ist der betreffende Buchstabe

vorangesetzt, den die korrespondierende Schachtel trägt. Ausserdem

sind die einzelnen Briefe innerhalb (h,rsell)efl Schachtel unter

einander noch durch Buchstaben, die an den Presselit angebracht

sind, gezählt undtinterschieden.

lhit'iiiacli können wir aus dem flegister die Zahl der Sehachteln,

die an das Domstift ahgeliefert worden sind, und annähernd die

Zahl der in diesen verwahrten Urkunden, mithin auch die flugefli

re Gesau uitsuin inc der übergebenen Stffi'ke feststellen. Aber der

Howecksclie Vermerk lässt uns im Unge\vissell, ob ausser den

Zeichen an der Pressel auch noch die Buchstaben der betreffenden

Schachtel auf der Urkunde vermerkt, worden waren, und zweitens

ob die kleinen Buchstaben, die wir im Arcluivverzeicliruisse neben

den Regesteni der einzelnen Urkunden finden und welche die

1 Droysen a. a. 0. Bd. II 1. S. 78.

In dein Relativsat.ze: -di nach dein buchstaben geschrieben sleii ' ergänze ich

hinter ' div die Worte im « Register»; nur o scheint mir dieser Salz recht verständlich

zu sein.

9


- 130 -

Briefe derselben Rubrik Rtihrik für sich fortlaufend zählen, mit den Buchstaben

bei der Pressel zu identifizieren sind.

Aus der Prüfung einer grösseren Anzahl der in Betracht

kominendn Originale, die jetzt hauptsächlich im Geheimen

Staatsarchiv und dem Hausarcliiv zu Berlin liegen, hat sich ergeben,

dass nicht alle Stücke den Buchstaben der Schachtel

tragen, dass sie dagegen fast ohne Ausnahme den an der Pressel

aufweisen, der stets mit dein kleinen Buchstaben neben der entsprechendeii

Urkunde im Archivregister übereinstimmt. Wo er

auf der Urkunde fehlt, ist dies sicherlich daraus zu erklären,

dass von der betreffenden Urkunde mehrere Origiiialausfertignngen

ausgestellt worden sind, und dass das von mir eingesehene

Original gerade nicht dasjenige war, das seiner Zeit nach Brandenburg

gegeben worden ist.

Die in einer Schachtel vereinigten Urkunden gehören in der

Regel nicht sämtlich, aber zum Teil inhaltlich zusammen. Eine

Ordnung nach chronologischem Prin cip ist nicht durchgeführt.

Der Inhalt der einzelnen Schachteln ist sehr verschieden; die mit

G gezeichnete Schachtel birgt 22 Urkunden, B nur 5, F sogar nur

ii. s. w. Vermutlich waren die Behälter nicht alle gleich gross;

ihre Grösse wird vielfach für die Menge der in ihnen zu vei'selihesseriden

Stücke massgebend gewesen sein. Innerhalb derselben

Schachtel wurden teilweise Briefe, die ihrem Charakter

oder Inhalt nach zusammengehörten, durch Faden noch besonders

verknüpft. 1 Solche Bunde wurden zumeist im Register nur durch

einen einzigen Buchstaben im gesamt bezeichnet..

Zudem aus der Beschreibung dieses Verzeichnisses gewonnenen

Bilde treten die Notizen in den Ilegisterbänden erläuternd hinzu.

Bei Riedel ist, ein derartiger Vermerk über die Aufbewahrung kurfi:irstlicher

Schriftstücke abgedruckt, freilich nicht ohne einige Irrtümer.

2 In diesem wird uns eine Reihe von Urkunden aufgezählt,

die in Schreinen, nicht wie oben in Schachtel„ verwahrt sind.

Vgl. Register (C. M. 7a St. A.) S. 51, Anhang II S. 174; Register S. 64, Anhang

II S. 178; Register S. 88, Anhang II S. 184 u. s. w.

' Riedel B. Bd. IV S. 441. Auf Zeile 9 von oben ist statt: cltem im schrine, dar

Q uffe steyti, zu lesen cdar 0 nife steyt, ferner unten statt: Zu wissen zu brandburg

ist eyn schryn mit brieff, dar quintaneie uffe steyt zu lesen idar Q uffe steyt.


- 131 -

Aber dein im Register näher bezeichneten Verfahren entsprechend,

sind auch die Schreine, wie die Schachteln mit grossen lateinischen

Buchstaben versehen (N. 0. P. Q . ) . Sicherlich sind auch die Urkunden

- was nicht ausdrücklich gesagt wird - dein

gezeichnet. Als Standort des letzten dieser Schreine wird Brandenburg

angegeben; vermutlich bezieht sieh diese Bemerkung auch

auf die anderen, sodass wir auch von ihnen annehmen dürfen, dass

sie im Hauptarchive zu Brandenburg gestanden haben.

Aber nicht nur Schränke und Schachteln dienten als Behälter

für die Archivalien, auch Kisten und linsen wurden dazu genommen,

und zur Unterscheidung ebenfalls grosse lateinische Buchstaben

auf sie gesetzt. Im Registerbande 21 ist auf Seite 16 eine

grössere Zahl von Urkunden aufgezählt, die von den römischen

Kaisern und anderen Fürsten für die Kurfürsten ausgestellt sind.

Ueber dein Verzeichnisse steht der Vermerk: Infraseripte hittere

sunt in cista cum tall signo B.

Für die Benutzung von Dosen haben wir ein Zeugnis im

3. Bande, Fol. 148 j. d.‚ dort heisst es: Disse briefe legen alle hir

by zu Coln im Gloster in einer dot3e in vorwarung uff myns hern

und der herschafft hehulY.

Leider haben sieh von den Sehränken und Dosen, wie überhaupt

von den Gerätsehalten der kurfürstlichen Kanzlei und der

Archive aus dieser Zeit wesentliche Ueberreste nicht erhalten.

1 R. 78. 2 fol. 16. (St. A.)


KAPITEL X.

Siegel, Besiegelung.

Von einer genaueren Beselirei huiig der Siegeltypen kann ich

absehen, da dieselben in einer Arbeit, die in den Schriften des

Vereins für die (ieseliielite Berlins ersebieneii ist, sohon bildlich

wiedergegeben und erklärt worden sind.' Ich beschränke mich

darauf, eine kurze Uebersicht über die hi'anidenbimrgisch-hohenzollernscheii

Siegel in ihrer chronologischen Aufeinanderfolge, sowie

sie unter deii von mir eingesehenen. Urkunden auftreten, zu gehen.

In den Jahren der Vei'weseiscliaft der Mark benutzt Friedrich 1.

dasselbe Siegel, dessen er sich als Biirggraf von Nüriihcrg geiehzeitig

bedient, das auf dciii Siegel ein) männliche Figur zeigt,

welche mit der llecliteii das Nürnhergisehe, mit der Linken das

Zollersche Wappenbild 11ält.2

Nachdem ihm aiim 30. April 11 t die Kur- und Erzkaminerwürde

übertragen war, führt er eine kurze Zeit - vermutlich bis

der neue Siegelstempel fertiggestellt, war - dasselbe Siegel noch

weiter, das all einer Urkunde vom 9. Oktober dieses Jahres noch

zu finden ist. 5 Aber an einer im Dezember desselben Jahres für

das Karthäuser Klostei ausgestellten Un'kunde ist bereits das neue

Ferdinand Meyer: Die Siegel der Brandenburgisch-Preussischen Regenten in den

Vermischten Schriften im Anschlusse an die Berlinische Chronik und an das Urkundenbuch

herausgegeben von dem Verein für die Geschichte Berlins. Band 2. Bei der Besprechung

der einzelnen Siegel werde ich auf die betreffende Nummer, unter welcher

die entsprechende Abbildung bei Meyer zu finden ist, in den Anmerkungen hinweisen.

2 Bei Meyer Tafel 5 Num. IS.

3 Or. 1415. Oktober 29. Sachsendorf Kr. Lehus St. A.i.

Or. 1415. December 13. Karthäuser Kloster (St. A., Riedel A. Bd. XX S. 15.


- 133 -

brandenburgische Siegel befestigt,' in dessen Bilde die neue Würde

in dem hrandenbiirgischeu Adler zum Ausdruck kommt. Auf dem

Bilde ist ein Siileiihau dargestellt, in dessen Mitte der Schild mit

dem hraudertlnirgisclieii Adler, und unter diesem die Schilder mit

dciii nrnhergiselien und zollersehen Wappen zu sehen sind.

Dieses Siegel erscheint im niiclisteri Jahre gleich wieder und wird

lusontlois bei wichtigeren BeUrkU[]dlillgeEl gebraucht. 2 Neben diesem

Typus gebraucht der Kurlhrst in der Zeit bis zu seiner feierlichen

Belehnung, die am 18. April 117 in Konstanz erfolgte, ein Siegel,

das den braitdenburgisehier Adler im Bilde zeigt, eingeschlossen

von acht mit Ranken verzierteii Kreisschnitten. Rechts und links

am Rande sind die Wappenschilde von Nürnberg und Zollern angebracht.-3

Am häufigsten ist an den Urkunden des Kurfürsten das Sekretsiegel

mit den 3 Schildern, dem brandenburgischei-i, nürnbergischen

und zollerschen 1)efestigt. 3 Dasselbe rsehieiut auch als Bücksiegel

auf der Hinterseite des nur iiiiter besonders feierlichen Privilegien

zu findenden grossen Reitersiegels, auf dem der Fürst vollständig

gewappnet zu Pferde sitzt.

Das Sekretsiegel - natürlich nur mit entsprechender Aenderulig

der IJuisclirift - führt auch der Markgraf Johann, als er

an Stelle des Kurfürsten in der Mark regiert, ein anderes Siegel

von Johann habe ich nicht gesehiei m.

Sein Nachilhlger in der Statthalterschiaft der Mark, seiii Bruder

Friedrieh, liess sich für diese Zeit ein Siegel anfertigen, das. in

Bei Meyer Tafel 6 Nuni . Auf dieser Abbildung ist die Siegelumsehrift nicht

deutlich zu leaen ; sie lautet : S. Friderici dei gr& marchionis briideburgn. et bgravi

nurbgn.

Bei M. wird dieses Siegel irrtümlich unter den erst von Friedrich II. eingeführten

Stempeln aufgezählt.

3 Bei Meyer Tafel 6. Num. 1.

4 Ebenda Tafel 6 Num. 3.

unter dem von mir betrachteten Urkundenmaterial Friedrichs 1. befand sich

kein Original. das mit dem grossen Reitersiegel versehen war. Ich folge in der obigen

Angabe den Ausführungen Meyers und des Freiherrn von Hertzberg in seiner Abhandlung

über die brandenburg. Siegel iii Gercken cod dipl. Bd. III S 1 ff. Für die Richtigkeit

derselben spricht die Bezeichnun g «unser grostes Ingesegel», das sich in den

Siegelankündigungen Friedrichs 1 bisweilen findet. Vgl. auch in betreff dieses Siegels

die Schrift Die Siegel der Mark Brandenburg nach Urkunden, erschienen als Besondere

Beilage zu Num. 90 (I869 1 des Künigl. Preuss. Staats-Anzeigers.


- 13

einer Umschliessung ug voii vier 1 [allikreisen einen quadrierten

Schild zeigt mit den drei bekannten Wappen, dein hohenzollerschen,

niiriibergisclieii und brandenburgischen. Ueher dein

das von zwei Engeln gehalten wird, ist der Vermerk «Junior» zu

lesen.'

Als Kurfürst fügte Friedrich II, zu den Siegeln, die sein Vater

als Markgraf von Brandenburg benutzte, und die er sämtlich beibehielt,

noch zwei neue hinzu. Eiii \Vappensiegel mit dein brandenburgischen

Adler im Mittelfelde Und aber demselben dem Helm mit

seineni Adlerflugscliinurk, 2 und dann als zweites ein von vier Halbkreisen

umschlossenes Siegel, das er seit denn Frieden zu Soldin

mi Jahre 1466 führte und in das er den pommerschen Greifen

zum Zeichen seiner Lehnsuherhiohieit über Stettin aufnahm.

Unter den feierlichen Privilegien Friedrichs II. erscheint ebenso,

wie unter denjenigen seines Vaters, das grosse Reitersiegel befestigt,

das neben dem Sekret- auch die beiden eben beschriebenen

als Gegensiegel zeigt; seit 1466 wird (las Ileitersiegel vorzugsweise

mit dem neu eingeführten auf der Bürkseite verbunden.

Eine Urkunde ist mir begegnet, 4 wo auch das Wappensiegel

mit dem brandenburgischen Adler im Mittelfeld da Sekret zum

Rücksiegel hat, sonst habe ich ausser dem grossen Reitersiegel

andere, die Rücksiegel tragen, nicht gefunden.

Friedrich der Feiste führte zwei Siegeltypen, ein Sekret, das

den von den Kurfürsten Friedrich 1. und II. benutzten erlts1rieIIt5

und nur den Zusatz «Junior» tragt, und ausser diesen bei wichtigeren

Beurkundungen ein grösseres, das in der Form und Anordnung

des Siegelbildes dein vorn als Verweser, gebrauchten

gleicht.

Auf der Rückseite dieser Siegel finden sich vielfach Vertiefungen,

wie sie auch auf dcii Siegeln anderer Fürsten beobachtet

worden sind. Ihre Zahl beträgt gewöhnlich 1 oder 2, doch über-

1 Bei Meyer Tafel 6 Num. 6.

2 Ebenda Tafel 6 Num. 4.

3 Ebenda Tafel 6 Num. 7.

4 (Jr. 1463. Januar 26. Johanniterorden (St. A.).

Bei Meyer Tafel 6 Num, 3.


135

schreitet sie auch diese Grenze. Auf den Siegeln Friedrichs des

Feisten, wo statt der Eindrücke wagerechte Einschnitte, zu bemerken

sind, steigt sie sogar bis 7. Diese Vertiefungen werden, ebenso

wie die Einschnitte, mit Instrumenten ausgeführt worden sein. Zu

welchem Zwecke sie in die Siegelrücken hineingedrückt worden

sind, dafür vermag ich eine genügende Erklärung nicht zu geben.'

Die Siegeltypen, die wir eben kurz beschrieben haben, sind,

mit Ausnahme des Sekrets, nur auf hängenden Siegeln zu finden

das Siegelhild des Sekrets dagegen erselicimit zugleich auf den aufgedrückten

Siegeln, für das es einen besonderen Stempel nicht

gegeben zu haben scheint.

Die auhängenden Siegel sind aus gelben Wachs gefertigt. In

die Höhlung des Siegelkörpers, der bestimmt war, den Siegelstempel

aufzunielimen, wurde eine Schicht roten Wachses hineingegossen,

so dass das Siogelbild, iiii Gegensatze zu der gelben Farbe

des Körpers, rot gezeichnet wurde.

Die Befestigung der anhängenden Siegel erfolgte an den Urkunden

gewöhnlich vermittelst eines Pergainentstreifeus (Pressula),

der in der allgemein üblichen Art durch das Pergamnenthiatt und

den Bug Imindureligezogen wurde. Seltener benutzte man zur Befestigung

der Siegel seidene Schnüre, die in der Farbe wechselten.

Vornehmlich begegnen wir schiwarz-goldenen Schnüren, vielfach

aber auch nur schwarzen uder auch nur violeten 1"ademi. Dies e Art

der Befestigung wurde hei feierlichen Urkunden vorgenommen, uni

das Ansehen derselben äusserlich zu erhöhen. Daher wurde auch

vorzugsweise das grosse Reitersie gel mit Schnüren befestigt, und

nur selten auch die anderen grösseren Siegel mit seidenen Fäden

an die Urkunde gehängt. Aber auch an feierlichen Privilegien, die

das grosse Reitersiegel tragen, ist dasselbe bisweilen nicht mit

Schnüren, sondern mit Pergamentstreifen angebracht. Die wichtige

Urkunde, uiiirchi die der Kurfürst Friedrich 11. jun Jahre 1469

die Schlosskapehlc in Cölmi zum Dornstift erhebt, zeigt das Reiter-

1 Die Erklärungsversuche, die bisher für andere Kanzleien gemacht worden sind,

reichen nach meiner Ansicht nicht aus Die Auffassung von Buchwalds Bischof

und Fürstenurkunden des 12. und 13. Jahrhunderts, Rostock 1882 S. 261, der in diesen

Vertiefungen eine recognitio per polhicem sieht, deucht mir gar zu willkürlich.


-- 136 -

siegel mit dein seit. UM; aufgekommenen als Gegensiegel und zwar

an Pergameiitsl reifen liugend. Dasselbe gilt von einer für den

deutschen Orden im Jahre 1455 ausgestdllten Urkiiiide, an der

ebenfalls das grosse Reitersiegel, diesmal das Sekret auf der Rückseite,

mit Presse! befestigt jst.2

Die aufgedrückten Siegel sind teils unten, teils auf dein

Rücken der Urkunden zu finden. In den Urkundeui, die mit aufgedrücktem

1 usiegel versehen sind, ist. dies in der Siegclaiikündigung

ausdrücklich gesagt : « Wir haben unser Ingesigel

Llpdrueken lassen oder « mit. upgedm'Luckten [uisigel. » Bisweilen

ist audi die Stellung, wo (las Siegel aufgedr[ickt ist, aus der Ankündigung

zu entiielimnen. So bedeutet der Ausdruck « wir liaheu

unser luigesigele an disse schrift drugften lasseii 3 » nicht anderes,

als dass das Siegel auf der Textseite steht, wie es häufig in (ICH

Urkunden, die das Siegel auf der Rückseite tragen, austlrückhicli

heisst wir haben das Insiegel zui-(icke uf diesen brief lassemt

drucken /oder rugkerilialben uf dissen brief ged rugkt5.

Bei len anhängenden Siegeln ist der betreffende Sie.geltypus,

der an der Urkunde befestigt ist, aus (.1er t'rkuuide selbst (1. Ii.

aus seiner Siegelauiküuidigung nur dann zu erkennen, wenn der

Urkunde das grosse Reit.crsiegel anhängt. Denn dieses wird gewöhnilielu

6 als unser grostes limsigel » amisdrücklinlr bezeichnwt.

Aber auch dies trifft nur bis 1 GI zu, \VO dann audi das neu aufgnkouiiuene

Siegel mit dem pommerschen Greifen l)iSWeilCli in

der Ankündi gung (las grösste Siegel genannt wird ',

Unter den brandenburgischen Urkunden, die von hehreren

Fürsten gemneinschaftlidi ausgestellt worden sind, - Friedrielt 1.

und Johann, sowie Friedrich II. und sein jüngster Bruder Fried-

1 Or. 1469. Januar 20. Berlin (St. A.), B. U. B S. fIO

Or. 1455. November 14. Deutscher Orden (St.. A.). Iliedel B. Bd. V. S. 15.

l 1440 April II, Pommern St. A., gedruckt hei Riedel B. Bd. IV S. 202.

4 Riedel A. Bd. VIII S. 403,

Raumer Bd. 1 5. 83.

Ein Beispiel. wo an einer Urkunde das grosse Reitersiegel angebracht ist, ohne

dass dieses in der Siegelankündigung zum Ausdruck kommt, bietet das Original. das

bereits citiert wurde, die Urkunde vom 20. Januar 1469 St. A.) 2 in dem die Schlosskapelle

in ('öln zum Domstift erhoben wird.

Or. 1469. Februar 17. Himnie1stidt (St. A.), Riedel A. Ißd. XVIII S 425,


- 137 -

rich haben ja öfter zusanimen beurkundet - sind mir einige

begegnet, hei denen der eine der Aussteller das Siegel des

anderen für sieh mit benutzt hat. Wo dies geschah, wurde in

der Siegelankündigung besonders auf diese Auorinahit.t hingewiesen,

1111(1 zumeist aii(-li der Gniiuil angegeben, warum nicht das

eigene Siegel am Original befestigt ist. So heisst es in einer

Urkunde Friedrichs II; und Friedrichs des Feisten aus dein

Jahre 1445 ZcLI Orkonde Mit unsers lieben Bruders Marggrauen

fridrichs des Jungstoii lugeszigel versige ht, des wir uns auff

diszmal, gehreehmeushalhen des unseren, hmiran gelwtiehien

1 Riedel A. Bd. VI S. 37l.

----


ANUANG 1.

Zusammenstellung der Kanzleivermerke unter den

markgräflich-brandenburgischen Urkunden aus

den Jahren 1412-1470.

Die Veriiierke sind nach dein Datum der Urkunde, zu der sie

gehören, jahrweise geordnet. Innerhalb desselben Jahres ist eine

genauere cl ironologisehe fleihenfolge nicht angestrebt worden.

In der Klammer hinter jedem Vermerke ist angegeben, wo

man die Urkunde bezietientlicli die Urkunden findet, welche mit

der in Frage kommenden Kanzleinotiz versehen sind. Liegen vershiedeno

[)okutnente aus einem Jahre vor, die denselben Vermerk

tragen, so sind die ei:zelneu Stücke innerhalb der Klammer durch

Zahlen von einander geschieden. Wo dein \\reIl nach völlig

gleiche Notizen auf den [rkuiiden des betreffenden .Jalires in der

Ortliographie der Namen oder iii der Anführung der Titel hei der

näheren Bezeichnung der Personen od. dergl. Abweiebtiugeui zeigen,

haheui wir iiiis begnügt, nur eine und zwar (hie aiii häufigsten begegnende

Forin fest zu legen, ohne der Abweichungen Erwähnung

zu thun.

In den Fällen, in voleheii die Kanziciverirmerke schon in Drucken

wiedergegeben sind, ist auf diese verwiesen uiid nur da, wo die

Drucke fehlen, sind die eigentlichen Quellen, die Originale und

Registerbände, herangezogen wordeu. Da diese, soweit sie für die

folgende Zusammenstellung in Betracht komm n, sä in t i eh dem

Geheimen Staatsarchiv zu Berlin angehören, so ist von der Hinzufügung

einer bezüglichen Angabe im einzelnen Falle abgesehen

worden. - Die hei Riedel nicht selten zu findenden irrthiümhidien


- 139 -

Auflösuiigeii von Ahkürzi tiLgen besonders in den flelatorenvetinerken

(siehe S. 86, sowie sonstige kleinere Versehen wurden an den 1wtreffenden

Stellen ulitte besonderen lliiiweis beriehtigt.

worden.

Für jedes Dokument ist stets nur ein Fundort bezeichnet

1412 Ad maritlatuin don-uni Burgg['avii Johannes de Waldow prepositus l3ertinensis

(1. Or. 141'2 Octoher' 28 Frankfurt a l O. Karthause. 2. Riedel S. B. 71).

Ad relalionern prep(>st.i de \Vaidow (Riedel A XXIII. 133).

1413 Ex relatione prepositi Berlinensis (Riedel A XX. 253).

Ad relationein preposiii (11. 78. 2. fol. 42 1. d.)

141.1 Ilelator Waldow episcopus Brandetibut'gensis (Eliedet A XVI. 338).

1415 \d relalionein \Valdow episcopi Brandenhurgensis (Or. 1415 Dezember 13

Frankfurt a/O. Karihause).

De mandalo dornini proprio (Riedel S. B. 273).

1416 De niandato domini e;tnminaverunt episcopns Biandenhurgensis ei Hoheloch

(R. 78. 2 fol. 00).

1418 Wiricus de Trewtlingen relator, proniotor causae Erhardus Gölnitze, e

commissione clornini, iit asseruerunt (0v, 1418 August 31 KI. Neuendorf.

vergl. S. 116.)

1421 De niandato dornini Nicolaus (Riedel A Vl. 115).

Relator \Virich de Truchtlingen ex IMirte Marchionis (lUedel A XIII. 275).

Relator epicopiis I3randenhurgensis (Or. Mai 2 Frankfurt a/O. Karthause).

1423 Itelator dominus per se (Or. Juli 16 Lehniii).

IJominus per se (Riedel A XII. 92).

Dominus ipse (Riedel A XII. 173),

Relator Orte! von Czernin (1. Eiedel A. V. 186. 2. A Vl. 470, 3. A XVI. 45).

1426 Ijoniinus per se (Riedel A IX. 486).

Dominos per se et Orte! (0v. Januar 11 Donistift Stentlat).

'1427

Relator Balihazar von Shihen et examitimiavit (Riedel A XXIII. 181).

lIcialor hasse von Bredaw et examiiiavit (R. 78. 5 fol. 3 I. 11)

Itehator doiiuinus per se (1. Riedel A VII. 5 2. A XI. 82 3. A XI. 318

4. 5. 0. A XI. 320 7. A XI. 321 8. 9. A XVI. 51 10. A XIX. 150).

itelalor Otto von Silben (Riedel A XI. 83).

Relalor rrepositus Bei'linensis (1. Riedel A VII. 205. 2. A XIX, 151).

1. Belator Hasse von Rrcdow rittei' (R. 78. 5. fol. 18 (1)

flelalor Orte! von Czenmen (1. Riedel A Vl. 473. 2. 3. A Vl. 474. 4. A

Vl. 476. r. A VII. 358. 6. A XVI. 50. 7. A XVI. 342).

Ilehator Gebh. von I3odendyk (Riedel A Vl. 477).

Relatom' dominus de Putlist (Riedel A 111. 423).

Relalor her Seifrid probst zu Berlin (R. 78. 5 fol. 21).

Dominus per se ei exarninavit (Riedel A XI. 319).


- 110 -

1427 Relator domiiiu per se et exarm navit (l. Riedel A VII.. 355. ‚2. A X 498.

3. A Xl. 81. 4. A XVI. 472. 3. xxiii. 182).

Relafor dotriiniis pci' se ei exaiiiiriavit in preseiitia ileincz Tondoiff (Riedel

.t XI. 83). -

Rehder PdwI Mur'ning et exaiiiinavit Rieilel A XXIII. l83

1428 Dominus per se (1. Riedel A X. 500. 2. A X. 301. 3. A XI. 3'24. 4. C

1. 190. 5. Gei'ckeii coilex dipl. VII. 1004

Relatoi' iloiyijni 1 per se A. Ii edel A VI. 472. 2. ' Vl. 480. 3. A VIII.

402. 4. lt XVI. 52. 5. lt XVI. 343. 6. 7. lt XXIII. 183).

Relator Russe von Ajvensli'Iieti (IL 78. 5 fol . 66).

Itelator OFtOI von ()iem in ( lt. 78. 5 fol. 74).

Jiomirtus per se in presentia her Balthasar dc Sliwen (R. 78. 5 fol. 21

lteIatur domjnus per se et examinavit (1. Riedel A IX. 413. ‚2. A Xii. 19.

3. A XV. ‚229.

Dominos per se et exaininavit in preseritia IIasen de BredoW (Riedel

lt Xl. 84).

Relator dominos pci' se et examiu:ivii ; ad mandaturn doinini Maichionis

Sommer protlonoiarius (Riedel A IX. 414)

De niandaio domitil Marchionis Jo. Sommer prothonolai'ius ((Jr. 1428 März

17 KI. DiesdorO; unter der entsprechenden Urkunde im Registerhand 5

(IL 78. 5 fol. 74) heisst der Vermerk'. Itelator doininus per se.

1429 Doininus per se (1. Riedel A VII. 362. '2. lt XVI. 34).

Belatom' donuiruris per so (1. I'ied(A lt III. 426. 2. A Vl. 117. 3. B. III. 504).

Itelator Ortel von Czemen ('1. Riedel A XV. 920. 2. lt XVI. 53. 3. A XVI. 54).

Ilelator Otto von $lihen (R. 78. 5 fol. 23).

Relator haus von liolenhan (1. Riedel lt XI, 326. 2. A XX. 262).

Relator Ilarus von Waldow (Riedel lt XVIII. 419).

Relator Gebhard von Elodendyck Riedel lt XVI. 344.

Itelatoi' Heincz 'ratidorifer (Riedel lt Vl. 366).

lielatot' Busse von Alverislehen ‚ etiwen tuicister S. Jo. Ordens (Riedel

A III. 425).

Retatores Hasse von Bredow ritter ei Otto von Stihen (Riedel lt VII. 361).

Dorninus per se coram consitiariis (Riedel lt VII. 361).

Dominos per se et examinavit (1. 2. lt. 78. 5 fol. 24. 3. fol. 27. 4 fol. 28.

5. fol. 77).

Relatoi' dominus p' se et exauninavit (R. 78. 5 fol. 22 i.

Dorniiius pci' so et exairiinavit coram e.onsitiat'iis (R. 78. 5 fol. 25).

ltd niauidatuin dornini Marelujonis (Riedel lt XII. 93).

1430 Dominos pci' se (Riedel lt Vl. 483).

Itelator dorninus per se 0. Riedel lt Vl. 486. 2. lt XII. 3641.

Itelator hasse von Bredow ritter Riedel S. II. 277.

Relator Cisc Scliadewachten (Itietlel lt XV. 238).

Relator Hans Griper ( .1. Riedel lt. Vl. 366. 2. A Vl. 486).


- 141 -

143() Relatores her I3althasar meistei' sant. Je. Ordens et Johans von Vah1ow

rittei' (lt. 78. 5 fol. 20 ‚.

Dominus per se et examinavi( (lt. 78. 5 fol. 85 d.).

Relator Orte[ von Czemen et doininiis examinavit (Riedel A Vf. 487).

Relator Hans von Waldow hofeineister et exaininavif (Riedel A X. 502).

Relator her Baltliasar meister sant Johannisordens, et Hasse von Bredaw

examinavit (lt. 78. 5 fol. 29).

I)o,ninus per so et exaniinavit corant consitiariis (1.. Riedel A XIV, 248.

2. A XV. 239).

rtelator dorninus per se cl eatninavit corarn consitiai'iis (1. Riedel A Vl.

484. 2. A V.l. 485. :t. A VII. 54. 4. A. X. 502).

1431 I)ominus per se )Ri.deI A VII. 448).

Relator doniinus per so ('1. Riedel A III. 426. 2. A Vl. 490. 3. A X. 503.

4. A XI. 333. 5. A XVII. 114).

Relator Hasse von I3redow ritter (Riedel A XI. 332.

flelalor Pawel Nforrin g (l. Riedel A Vl. 480. 2. A XV!. 57).

Belator Hans von \Valdow ritter (1. '2. Riedel A XX. 267).

Relalores Hans Griper und (une von Kokde (II. 78. 5 fol. 88).

Relatores Pawel Moi'ring, Orlel von Czeuivn und Curie voll (R. 78.

5 fol. 87 1. 4

Duininus pci' so et examinavit (Riedel A Vl. 487).

Relalor dominos per se et examinavit. (Riedel A VII. 55.

Dominos per se et exarninavit coram consitiariis (Riedel A XII. 06).

Relatot' dorninus per se et examinavil coram conitiariis (Riedel .. III. 300).

flelator dominos per se et Pawel Mot'ring exanilnavit (Itieilel S. B. 278).

flelator Hans von Wahiow et examinavit (1. Riedel A III. 427. 2). A XI. 332).

De mandato dornini Marcitiottis Jo. Sommer prothoiiotarius (Dr. 14:31 Juni

96 .lolianniterorden) ; unter der entsprechenden Urkunde in! ltejisterband

5 (R. 78. 5 fol. 36) ist keine Kanzleinotiz hinzugefügt.

1432 Dominos per se ('1. Riedel A Vl. 367. 2. A XXIII. 190).

Relator dominos perse (1. Riedel A Vl. 367. 2. A XV. 245. 3. A XVI. 58.

4. A XVI. 346).

Itelator Hans von flolenhan (R. 78. 5 fol. 34 i ' d.)

Relator Heincz Tandorifer (Riedel A IX. 134).

Itelator He yne Pful (Riedel A XIII. 33).

Relator Cuno Kokde (Riedel A Vl. 490)

Relator hans Griper (R. 78. 5 fol. 04).

Relator dominus per se et examinavit (Riedel A XVI. 346).

Relator her Hans von Waldow et examinavit in presencia episcopi Ilavel-.

bergensis Ried(,.l A XX. 155).

1433 Retator dominus per so (1. 2. Riedel A XI. 335. 3. C 1. 194).

Itelator Heincz Tandorffei' (Riedel A X. 507).

Relator Cuno von Kokde (Riedel A Vl. 367).


- 142 -

1433 Doioinus per se et exarninavit (Riedel A XI, 337).

Dominos per se et exarninavit coram consitiariis (1. Riedel A XI. 84.

2. A Xli. 512. 3. A XX, 269).

Relator dominus per se et exaniinavit corani consitiariis (Riedel A Vl. 49).

Relator Hasse de Bredow et examinavit (Riedel A XI, 165).

Relator prepositus Bi'andenhurgensis et dedit litteras (Riedel .& XII. 52).

Dominus per se examinavit in presetitia domini $il'ridi prepositi Berlinensis

(Riedel B IV. 437).

De inandato domini Marchioriis Jo. Sommer pt'otlonotans (Or. 1433 Januar

4 Johanniterorden) ; unter der entsprechenden Urkunde im fleisterband

5 (lt. 78. 5 fol. 42) heisst der Vermerk Doniinus per se et examinavit

corarn consitiariis,

1434 Dominos per se (Riedel A XI. 92).

lielator dominos per se (4. Riedel A Vii. 56. 2. A XIX. 153).

flelator Heincz Tandorlier marchalk (11. 78. 5 fol. 48 1.

Relalor Hans von Waldow (Riedel A XI. 337).

Itelator Hasse von Bredow (1. Riedel A III. 430. 2. A VII. 150).

Itelator Hans Griper (Riedel A XVI. 60).

Dominus per se in pi'esentia consitiariorum (Riedel A XI. 93).

Relator dominus per se in pr'esenhia consitiariorum (Riedel \ XI. 93).

Relator doininus Junior per se et exarninavit (Riedel A XIV. 257).

1435 Dorninus per se (Riedel A X. 509).

Jtelatoi' doniiius per se (1. Riedel A Vl. 493. 2. R. 78. 5 fol. 54 Ld.

3. H. 78. 5 fol. 114).

Relator Hasse von Brcdow (1. Riedel A 111. 431. '2. A V. 398. 3. 4. A

Vl. 416. 5. A VI. 493. 6. A Vi, 494. 7 XVII. 303. 8. A XI. 338.

- 9. 10. A XV. 240).

Relator Hans von \Valdow (1. Riedel A XI, 339. 2. A XII. 212).

Relator Hasse de Bredow in presentia bern Bernd von Schulenburg RiedeI

A XVII. 280).

1)omiiius per se et exaininavit (1. Riedel A XI. 338. 2. A XII. 365).

Itelator dominus per se et examinavit coram consitiariis (Riedel A XII. 250).

Relator dominus per se ei Hasse Bredow exaniinavit (Riedel A XVI. 62).

h ri.

Relator Hasse von l3redow et exaniinavit (4. lt. 78. 5 fol. 54. 2. fol. 107

3. fol. 100).

1436 Dominos per se (1. Riedel C 1. 248. 2. S. B. 281).

Ilelator dominus pci' se 1. Riedel A XI. 242. 2.A XII. 20).

Relatoi' Heyne Pful (Riedel A IX. 487),

Relator Hannes Griper (1. Riedel A Vl. 368. 2. A Vl. 495).

Dominus per se et examinavit (Riedel C 1. 223).

Relator dorninus per se et examinavit (Riedel A VI. 496).

Relator dominus per se' et exaniinavil corarn preposite Ijerlinensi (Riedel

A X. 544).

Dominus per se et examinavit coram consitiariis (Riedel XXII. 487).


- 143

1437 Dominus per se (1. '2. [1. 78. 5 fol. 60. 3. B. 78. 7 fol. 9. 4. fol. 10.

5. fol. 12• d.).

Relator doininus per se (1. Riedel A VI. 498. 2. A XX. 273).

Itelator Hasse de Bredow (4. Riedel A III. 432. 2. A Vii. 27. 3. A XV

252. 4, A XX. 271.)

Belator er Nicolaus Tirhach meister (R. 78. 7 fol. 61 J.)

Relator er Baithasar von Slywen meister sanet Jo. Ordens (Riedel A XX. 156).

Dorniniis per se et examinavit (Riedel A XI. 340).

lielator dorriinus per so ei examinavit (Riedel A. XX. 272).

Relalor doriiinus per se exarninavit. ei Hasse de Bredow II. 78. 7 foL 14).

Relator (lominus per se et examinavit corani Ottone de Slywen ei Wilhelmo

Fuchs (Riedel A Vl. 500).

flelator dorninus per se ei examinavit coram consiliariis (1. Riedel A VII.

15'2. 2.A XVI. 64).

Belalor Eleiucz Donre et dominus examinavit (R. 78. 7 fol. 8).

Relator Heincz Tandorifer ei examinavit (Riedel A VI. 498).

Relatores clomini per so et examinaverurit coram consiliariis (Or. 1437

Dezember 10 Gander) unter der entsprechenden Abschrift im Register 7

(lt. 78. 7 fol. 9) heisst die Notiz : iletator dominus per se et exarninavit

corarn consiliariis (siehe Riedel 111V. 165).

1438 Itelalor dominus per .se (1, Riedel A III, 432. 2. A III. 433. 3. A V. 402,

4. A X. 517. 5. AXI 343. 6. A XX. 2747. R. 78. 6 fol, 5i.d.; das zu

7. gehörende Original (Or. 1438 September 30 Frankfurt a)O., Karthause)

entbehrt j edes Kanzleivermerkes.

Relator Heine Pul (lt. 78. 7 fol. 19).

Ile]ator er Hasse von Bredow (1. Riedel A Vl. 370. 2. A X. 47 3. A XI.

97. 4. A XI. :144).

itelator Ortel von Czcmen (R. 78. 6 fol. 40

Relalor Ulrich Czewschel kuchmeister (Riedel A VII. 365).

Belator dominus per se corarn consiliariis (Riedel A Iii. 102).

Relatores doniinus per se et niarehalk (Riedel A X. 548).

Relatores dominos per se et prepositus liavelbergensis (Riedel A III. 433.

ltelatores dominus per se et Hans von Waldow et Heine Pfui (Riedel

A XXIII. 209).

Belator dominus per se et legit (A 78. 9 fol. 168).

Relator dorninus per .se et examinavit (1. Riedel A Vl. 203. 2. A X.

548. 3. A XI. 342. 4. S. B. 283).

Doinini per se commiserunt et examinaverunt (R. 78. 6 fol. 512i d.).

Relator doininus per se et exarnenavit corain consiliariis (1. Riedel A V.

401. 2. B. IV. 214).

Relator dominos per so et examinait coram omnibus consiliariis (R. 78.

6 fol. 32 L d.).

Relatores dominus per so ei Ortel von Czemen et examinaverunt (R. 78.

7 fol. 15i.d.)


- 144 -

'1438 Dominus per se, Otto de Sliwen examinavit (R. 78. 6 fol. 32.

Retator (1f)minus per se et consiliarii examinaverunt (lt 78. 7 fol. 16).

Dominos per .se et consiliarii exarninaverunt ; de mandato domini Marchionis

Heinzo Kracht iiotarius (Riedel A III. 102).

Relator Hasse von Bredow et dominos exaniinavit corarn omnibus consiliariis

(Riedel A Vl. 500).

Ilelator Otto von Slive,i et examinavit ('1. Riedel A V. 401. 2. A VII. 153).

Relatores Otto von Slywen et Heine Pfd et examinavertint (R. 78. 7 fol.

15' . (1.)

De mandalo domiiii Marchionis lleincze Kracht (Riedel A X. 519).

1439 Itelalor dominos per se (1. Riedel A VI. 417. 2. A XI. 98. 3. A XII. 367).

Relator dominus per se rum consiliariis (Riedel A XXV. 314).

Relator er Hans von Waldow (1. Riedel A X. 522. 2. A XII. 99).

Itelator Heyne Pfut (Riedel A XII. 441).

Relatot Mathys de Bredow in Kremmen (Riedel A VII. 155.

Relator dominos per se et perlegit (Riedel A XXIII. 212).

flelator (101niflUs per se et exaniinavit coram consiliariis (1. Riedel A XII.

'251. 2. A XIII. 353. 3. A XIII. 35(,).

flelatot dorninus per se et examinavit cum consiliariis emn Hanse von

Waldow ei Czabel florgslorlr 1t. 78. 6 tot. 12).

Relator doinitius p(1' se cl er Berndt examinavit (Rie(lel A VI. 502).

De n)andato domini Marc}iionis Heiricz Kracht. (Riedel A IX. 417).

'1440 flelator dominos per se (1. Biedel A V. 4)5. 2. A VII. 367. 3. A IX.

488. 4. 1 XI. 340. 5. A XIII. 47 6. S. B. 284).

flelatores dominos per se Otto von Slvwen et herne Ptul (Riedel 1 IX. 487).

Itelatoies dominos pci' se ei Herne Plul (1. Riedel 1111. 436. 2. 1 XI. 348).

flelatoi'es dominos per se et Ulr. Ci.ewscbel (Riedel 1 IX. 488).

Relatores (lorninhis per se et Hans von Walilow et Hevue PluL (Riedel

C 1. '242).

Relatoi'es myn herr selbst und der, graff von Liiidow (It. 78. 0 fol. 50 L

flelator Heyne Pful (1. Riedel 1 XI, 90. 2). A. XIII. '106).

Relalor er Bernd von der Scliuleihtirg (Riedel A X. 524. 2. 1 XV. '26).

3. 1 XVI. 70, 4. 1 XVI. 349. s. 1 XVI. 350),

flelator Ulrich Czewschel ('1. Riedel 1 VII. 366, 12. 1 VII. 307).

flelator prepositus lirainlenhurgensis d1. 78. 7 fl. 22 j . 1.).

Relator Mathvs von Ilvedow in (reniinen (lt. 78. 6 fol. 44

Itelator dominos Johannes abbas in Lelienvn ('1. R. 78. 6 fol. 10 1.d.)

2. fol. 20).

Itelatores er Bernd ei Heyne Pful (Riedel A III. 437).

flelatoi doininus per se cl legit (Riedel 1 XI. 344),

Itelator dominos tIer se et exawinavit (Riedel A V. 407).

Relator dominus per se ei examinavit coram consiliariis (1. Riedel 1 V.

407. 2. 13 IV. 214).


1440

1441

- 145 -

Relator dorninus per se et Ileincz Donner examinaverunt (Riedel A XI. 347.

flelator dominus per se et er Bernd examinaverunt (1k. 78. 6 fol. 41)).

Helator dorninus per se, er Bernd examinavit (II. 78 7 fol. 35).

Relator er Bernd von der Schulenhiri'g et exarninavit (Eiedel A XVI. 70).

Dc rnandatn dotniiri Mareliionis Heincz Kracht (1. Or. 1 7140 April 27 Frankfurt

a/O. Kai'lhause, in) Ikegislerbande 6 (1k. 78. 6 fol. 18.) fehlt unter

der Abschrift der entsprechenden Urkunde diese Notiz 2. Riedel A VII.

28. 3. A XVII. 14).

Relator (Retulit) dominus per . se ('1. Riedel A 111. 439. '2. A III. 441.

3. A IX 155. 4.5.6. A IX 419. 7. AX 525. 8. A XI. 243. 9. A XXV.

310. '10. 1k IV. 255).

Relalores (lolililtus per se et Heine Pful (Riedel A XI!.

1 1.Iiedel A XXIII. 214).

Relatores dominus 1cI se et er Hans von WaLdow

Ikelatorus donrinus per se ei Ulrich Czewscliel (Riedel X. 526).

Relatores tiorninus per se, er hans von Waldow ei Heyne Pful (lt. 78.

9 fol. 17).

Relatores dominus per se, er Hans von Waldow, Otto von Sliwen (1. Riedel

A XXIII. 218. 12. A XXIII. 219.

Itelatores dominus per se, er Hans von Waldov, Heyne Pful, Wilhelm

Fuchs (Riedel A XXIII 216).

Relafores dorrwius per se, er Hans von Waklow, Heine lt'ul, Otto von

Slywen (Riedel A XII. 52).

ikelatores dominus per se, er Bernd, Heine Pftil und Hans Griper (R. 78.

8 fol. 132).

Jkelator doniinus per se curn consiliariis H. von Waldow, Heyne Pful,

'SVilheln l'uc1is (1. Riedel A XXIII. 217. 2. A. XXIII. 218).

Itelator ilorninus per se in presencia her Bernd et Heyne Pfuls (R. 78.

8 fol. 16 i. d.)

Relator dorninus per se IU presencia ern Hansen von Waldow, Heinen

Pfuls et Wilhelm Fuchs (Riedel A XXII1. 216.

Relator preposilus Ikrandenburgensis (Riedel A XIV. 26..

Relalor Heine Pful (i. Riedel A V. 245. 2. A Vii. 2(6. 3. A X. 527.

4. A XII. 178. 5. A XIV. 268. 6. A Xxiii. 220).

Itelator er hemd von det' Schulenburg (1. 11 edel A XXV. 315. 2). 3. A

XXV. 316).

Relator Hans Gr'iper (Riedel A XVI. 72.

lielatom Alde Otto von Sliwen (IlieiIel A IX. 489).

Relator Graff Albrecht von Lindow (Riedel A X 528).

Itelator Ulrich Czewscliell kuclierneistor (1k. 78. 9 fol. 157).

Belatores Ileyne Pfui ei Nicolaus Ikoldawini (Riedel A XXV. 317).

Relatores er Bernd von der Schulenburg et Hein. Pul (II. 78. 8 fol. 176'.

Relalor donrinus Per se leiL litten'ain (Riedel A XI. 100).

10


- 146

4444 Relalor dorninus per se cl exarninavit (1. Riedel A. XVII. 14. ‚2.A XX. 159).

Relator dorninus per se et examinavit litleras (Riedel A XI. 340).

Relator dominus per se et examinavit euni Heyne Pful (Riedel A XII. 402).

Relator dominus per se et Heine Pl'ul exaniinavit (R. 78. 9 fol. 68 i. CL).

Relator er Bernd von der Schulenburg examinavit (Riedel A XXV. 316).

De inandito domini Marchionis Heinca Kracht prothonotarius (1. Riedel

A III. 437. 9). A XXI. 292).

1442 Relator dominus e (1. Eiedel A flJ 444 ‚2. R. 78. 9 fol. 71'

3. fol. 150).

Relator dorninus per se ei Heine Pful (Riedel A III. 442).

Ilelalor H. Pful (Iiedel A X. 530).

Itelator er Bernd von der Schulenburg (Ii. 78. 8 l'øI. 177).

Relalor er lJalI.s Waldow (Riedel A XIX. 456).

Itelator dominos per se et legit (Riedel 1 V. 408).

Dominus per se iussit ei legit (Riedel 1 X. 530).

Relator dominus per se et eaminavit (1. Eiedel 1 Vl. 246. 2. 1 IX. 159).

3. 1 XVI. 352).

Helator dominus per se et H. Pful examinaxit (Riedel 1 XIII. 364).

1443 Itelator doniins per se (1. Riedel 1 XI. 55. '2. A XI. 356. 3. 1 M.

180. 4. 1 XX. 278).

Itelator Czabel l3orgstorll (11. 78. 9 fol. 163).

Relator Ulrich Czewschel (Riedel XX. 277),

Relator Haus de Bredow (II. 78. 9 fol. 162' . CL)

Ilelator Ileyne Pful (Riedel A xx; 278).

1 elator er Bernd von der Schulenburg (1. Riedel 1 XV. 264. 2. XXV. 325).

Relator dominos per se ei legit (1. Riedel 1 V. 409. 2. A XI. 355.

3. 1 XI. 358. 4. 1 XXIII. 225).

Relator dominus per se et exainiitavit (1. Riedel A III. 443. 2. A XI. 354.

3. 1 XIII. 365. 4. A XXI. 469).

Relator dorninus per se et examinavit coram consiliariis (Riedel A XII. 479).

1444 Ilelatot' dominus per so (1. Riedel 2 V. 410. 2. A VII. 158. 3. 1 IX. 420).

Relator dorninus per se cum consiliariis ([1. 78. 9 fol. 75).

Ilelatores dorninus per se ei prepositus Brandenburgensis (Riedel 1 X 145).

Belator H. Kracht cancellai'ius (Riedel A 111. 441.

Ilelator der kuclierneister (R. 78. 9 fol. 108 i. CL)

Relator J urg von W;uldenfels (Riedel A V. 411),

Helltor Otto von Sliwen iunior (Riedel 1 XX. 279).

Relatoi' doniinus per se legit. Riedel i '. XVI. 76).

Relator (lolninus per se ei legit (Riedel 1 X. 530. 2. 1 XI. 362. 3. A XVI.

75. 4. 1 XXV. 327. 5. 131V, 349.

Belator dorninus per se eI. examinavit (Riedel A XI. 359).

De mandato domini Marchionis Joh. Jiere notarius (Riedel 1 X. 531).

De inandato dominorurn Marchionum Heinricus Kracht canczlariu.s (lt. 78.

9 fol. 155 1. d.)


- 147

1445 Relator dominus per se (Riedel A III. 445).

Belatoi' er Bernd von der Schulenburg (1. Riedel A XVI. 77. 2. A XXV. 329).

Relator H. Kracht (Riedel A Vl. 374).

Relator Werner de Scliulenboi'g iniles (Riedel A XIII. 366.

Relator He'ne Pfuel (R. 78. 9 fol. 166 i. d.)

Relator Hans von Arnyrn (Riedel A XXI. 300).

Relatot' doinjnii per so et le rit (1. Riedel A Vl. 247. 2. A XI. 362.

3. A XXV. 327).

lielator (loi,iinu.s senior per se et perlegit (Riedel \ XIV 281).

Relator Pawel von Coui'estorf, et dorninus per se legit(Riedel A XIII. 174).

Dominos per se legit (Riedel A V. 420).

1446 Relator donunus per se yl. Riedel A IX. 168. 2. A X. 534.

ilelator doininns per se in eatnei'a superiori in Bei liii (Riedel A XI. 363).

Relator dotniiius prepositus Brandenbi.irgensis (Riedel A V. 213).

Relator er Zacharias hase (Riedel A Xlii, 368).

Relator er Bernd von der Scliulenhorg (1. R. 78. 8 fol. 154P d. 2. fol.

482. 3. B. 78. 9 fol 47 a 4, fol. 168).

flelator er Nielaws Ilogell (R. 8 fol. 179).

Relator Ulrich Czewschel kuchemeister (1. Riedel A IX. 167. 2. A IX.

422. 3. A XI. 245. 4. S. B. 293. 5. B. 78. 7 fol. 86).

Ilelator Hans von Waldow ritter (II. 78. 0 fsl. 82).

Relator doininus per se et legit (4. A III. 447. 2. A IX. 167. 3. A XXV. 330).

1447 Itelalor doininus per se (Riedel A X. 534. 2. R. 78. 8 fol. 90 L d. 3 fi

78. 9 fol. 236. 4. R. 78. 40 fol. 1943 L (1.)

Relator doniinus per se et iussit (Riedel A XII, 54, vergl. hierzu S. 79).

Relator Jurge von Waldenfels dRiedel 4 XVI. 78.)

Relator er Bernd von der Schulenburg (!. Riedel A XV1I. 126. 2. A

XXII. 490).

Relator Pawel von Conrestorf (1. R. 78 8 fol. 182. 2. R. 78. 9 fol. 175.

3. fol. 479).

flelator Ulrich Czewschet (4. Riedel 4 IX. 169. 2. 4 XI- 364).

Relator er Hans von \Valdow ritt(-i- (R. 78. 9 fol. 174).

Relalor dominus Andreas Hasselinann decanus .Stendaliensis u. s. w.

(1. 2. Riedel A III. 450).

i. d.).

Relator dominos per se et audivit (II. 78. 10 fol. 473

Relator dorninus per se et examinavit ('1. Riedel A III. 449, 2. 4 XVI. 81).

Re]ator dominos per so et legit (Riedel A XII. 444).

Relator Ulrich Czewschel et legit.

1448 Relator dominus per se (1. Riedel A XI. 367. 2. 4 XVI. 83. 3. A XVI. 357).

Relalot' l-Iennvng Quast (Riedel R V. 9).

Relatoi' dominus Job. Swafhe yii plehanus in Cottbus (Riedel 4 XX. 282).

fielator Ludicke von Arnym (Riedel 4 XII. 252).

Belator Vlricus Czewschel (R. 78. 9 to]. 483).


- 148 -

1448 flelator Bernd von der Schulenburg (1. Riedel A XVII. 129. 2. 3. A XXV,

334. 4. A XXV. 338).

Jkclalor Arnd von Liidcritz (1. Riedel A Vl. 249. 2. A XXV. 331).

Relator Bernd Roi (II. 78. 10 fol. 27).

Ilelator dominus Andreas Hasselmann clecanus Stendaliensis, cancellarius

(1. Riedel A V. 428. 2. : Vl. 127. 3. A Vl. 128. 4. A Vl. 421.

5. A XV. 273. 6. A XVI. 336. 7. . XVI. 358. 8. A XVII. 14. 9. '10.

A XXV, 336. 11. A XXV. 31. 12. A XXV. 342. 43. A XXV. 344).

Relator dorninus per se et exarninavit (1. Riedel A Vl. 248. 2. A XVI.

357. 3 A. XXV. 332. 4. A XXV. 335. 5. A XXV. 339. 6. A XXV. 31).

Relator dominus per se ei. audivit (1. lt. 78. 10 Lot. 26).

Ilelator (lolninus per se et leg it ('1. 11. 78. 9 fol. 160, 2. fol. 181. 3. 01-.

1448 Februar 21 Berlin). Im Register 10 (R. 78. 10 fol. 21' . L) steht

unter der zu diesem Original gehörenden Ahschi itt der Vermerk: Itelator

her Bernd von der Schuleniboi'g (vergl. S. 84; bei Riedel C 1. 296, und

im B. U. B. 390 ist die Urkunde ohne jeden Vermerk gedruckt, mi

8. U. 13. ausserdem irrtliüniticli auf den 20. statt 121. F'ehriiar datiert).

Relator dominus per se et perlegit (Riedel A XI. 364).

Relator dorninus .Joh. de Waldow miles, et dominus per se legil (Riedel

A XX. 282.

De mandato doinini Fridericus (Or. 4448 November 4 Luckan).

1449 Ilelator dominos per se (1. 2. Riedel it Vl. 129. 3. A XVI.360. 4. A XXV.

37. 5. C 1. 301).

Relator domina per se (Riedel C 1, 302).

Relator Bernd voll Schulenborg ritter (1. 11. 78. 10 fol. 78 L. d -

12. fol. 79i.d.)

Relator dominus Andreas Ilasselmann prepositus Soltwedelensis et

cancellarjus (1. 2. Riedel A III. 451, 3. A V. 430. 4. A Vl. 374. 5. A Vl.

421. 6. A XVI. 483. 7. A XXV. 348),

Relator Arnd von Luderitz (11. 78. 10 fol. 43 L d. 2. II. 78. fol. 80

I)e speciati commissione dolnini F'i'idericus cancellarius et doctor (R. 78.

9 fol. '187).

lielator Ilevne Pfiil (R. 78. 9 fol. 113 1. d.)

Relat.or dominus et examinavit (1. 2. Riedel A XVI. 350. 3. A XXI. 269.

4. A XXV, 347).

Relator donilnus per se et legit (1. Riedel A XI. 370. 2. A XI. 371.

3. S. B. 299).

Relator dominus per se vidil et legit (Ii. 78. 9 fol. 411).

'1450 Relator dorninus per se ('1. Riedel A XIII. 373. 2. A XVI. 363, 3. S. B. 67).

Relator Ulrich Czewschel (1. B. 78. 9 Lot. 98 i. d. 2. fol. 101, 3. tot. 102

4. fol. 102 i. (1. 5 fol. 201 1. d. 6. fol. 203).

flelator Otto von Sliwen (Riedel A VII 438).

Ftelator II. Pfitel (R. 78. 9 Lot. 145 i. d.)

flelator her Fr. Scsselnialm (Riedel S. B. 303, 2. 11. 78. 9 fol. 187).


- 149 -

1!i50 flelator Arn(l de Luderitz capitaneus (1. Riedel A III. 303. 2. XXV. 349)

Relator Andrüas Hassehtiann prepositus Soltwedeletisis, cancellarins (1. Riedel

A III. 452. 2. A XIV. 290. 3. A XVI. 361. 4. A XVII. 129. 5. A XXV.

349. 6. Oi. 1 W Januar 12 Osterburg, unter dem entsprechenden Regest,

lt 78. 10 foL 119 i. d., fhlt jede Kanzleinotiz).

Relator Heyse Swai'tecoppen advocatus (Riedel A XVI. 85).

Relator B. de SchuIeinhor miles (R. 78. 10 fol. 83a 1. d.).

Relator Fr. Sesselmann cum tJlric.o Czewschel (Riedel A XI. 374).

Relator doniinus per, se et exarninavit (Riedel A VII. 208).

Dominus per, se eI legit (Riedel A XIX. 161).

Relator dominos per, se et legit (1. Riedel A Xl. 372. 2. A XI. 373.

3. A XII. '22).

Relator doininus per se, legit et exaininavit (R. 78. 9 fol. 200).

flelator Ulrich Czewschel, ct dominus per se legit (lt. 78. 9 fol. 99 i. d.).

Relator Paul de Conrestorf, ei dominos per se legit (Riedel A XIII. 145).

Relator Ulrich Czewschel et legit (Riedel A X. 538),

1451 Relator dominus per se ('1. Riedel A XI. 380 2. A. XXV. 363. 3. A XXV. 364).

Helator Aind de Luderitz e.apitaelius (lt. 78. 10 fol. 86 L

Itelator dominos A. Ilasselmann cancellarius (1. 2. 3. R. 78. 10 fol. 86

4. fol. 1924).

Relator Johann Swafheyn pliii'i'er zu Cothus (Riedel B V. 12).

Relator Jorg von Waldenfels (Riedel A XII. 180),

Relator Fr. Sesselmarin cantzier, dortor ('1. II. 78. 9 fol . 200 L d. fol. 209).

Relator Uli-ich Czewschel (Riedel A XXIII. 230).

Itelator P;iiil vor Conrestoif hofenicister (1. Riedel A X. 148. 2. A XI.

110. 3. A XII. 268).

Rehtor hei' Hans VOfl Waldow ritter (R. 78. 9 fol. 124).

fielatores Hans von Waldow et Ulrich Czewschel (Riedel A XXIII. 233).

itelator dominos per se et legit (Riedel A X. 538).

itelator doruinus per se ei examinavit (Riedel A X. 23).

fielator doiniinus per se legit et exarninavit (Riedel A XI. 109).

Relator (IoIrIiriUS per se vidit ei examinavit (lt. 78. 9 fol. 59).

Relator Utticus Czewschct, dominos per se legil (Oi'. 1451 April 27 Berlin),

unter der entsprechenden Abschrift (lt. 78. 9 fol. 123.) fehlt der Vermerk.

1452 I3etator dominus per se (1. Riede) A 111. 454. 2. 3. A Vl. 13'1. 4. A Vl.

207. 5. S. B. 303,.

Itelator Ulrich Czewschel (R. 78. 9 hoI. 125).

Relator der Cantzler Fr. Sesselmann (1. Riedel A XIII. 1443. 2. 78. 9 fol. 217.

Relator Pawel von Conreslorf (Riedel A XI. 382).

Rehder Arnd dc Liiileritz (13. 78. 10 fol. 87).

Relator Busse de Sdiulenhorch iniles (1. Riedel C 1. 306. 2. C 1, 307).

Itelator doiiiiiius per se et legit ('1. R. 78. 9 fol. 427 1. d. 2 . fol. 128).

Relator dominus per se vidit et examinavit (lt. 78. 11 fol. 166.


- 150 -

4453 Relator (lominus per se (1 B. 78. 10 fol. 86. 2. fol. 87).

Relator Ulrich Czewschel kuchemeister (R. 78. 9 fol. 1215).

Relator Airiohlus de Luderitz capitaneus ('1. R. 78. 10 fol. 86. 2. tot. 37,

3. fol. 127. 4. I'OI. '127 1. d.)

In absentia doniiui Marchionis rdator Paiilus de Conrestorp (lt 78. 9 fol. 220).

4454 Relator dominus per se ('1. 78. 9 fol. 221 1 d. 2. R. 78 10 fol. 87).

Relalor Paul von Conrestorf (R. 78. 11 fol. 3

Relator Hans de Knesebeke advocatus in Soltwedel (1. lt. 78. 9 fol. 63 1 d.

2. fol. 86).

Helator Ulrich Czewschel (1. Riedel S. B. 306. 2. Or. 1454 März 24

I-leiners(lorf).

Relator Fridericus Sesselmann cancellai'ius 1. E. 78. 11 fol. 2 L d.

2. fol. 3]. d.j

Relator dominus Theodoricus de Stechow prepositusBrandenburgensis (EL 78.

'II fol. 3

Relator doniiiius pci' so et examinavit ('1. Riedel i\ XXV. 369 2. R. 78.

10 Col. 125. 3. fol. 425 1. (1.)

Relator dorninus per se vidit ei legit (1. 2. It. 78. 11 fol. 4).

Relator Paul de Conrestorf, dominus pci' e legit (Riedel A IX. 481).

1455 Relator dorninus per se (Riedel A XXIV. 1601,

Relator Arnd de Lwleritz capitaneus (R. 78. 10 fol. 87).

Relaior Heyne Pfuhl (Riedel S. B. 308).

Relator Ulrich Czewsehel (Riedel S. B. 306).

Relator dominus per se et legit ('1. Riedel A XI. 246. 2. R. 78. 11 fol.

433 i. d.)

Relator dominus per se vidit et legit (R. 78. 11 fol. 163 i. d.)•

1456 Relator doiriinus per se (1. R. 78. 41 IbI. 80. 2. fol. 80 L. d. 3 fol. 81 1. d.

4. fol. 201.

Relator dominus per se coram consiliariis (Riedel Ä IX. 189).

Relator Arnd (10 Ludei'itz (EL 78. 10 fol. '172 i. d)

Dorninus per se legit (R. 78. 11 fol. 196 i.0.).

Ad mandatum doiiiini Mai'chionis Heinricus Floweck (Or, 1456 November

20 Lebus), unter der Abschrift im Register 11. (R. 78. 11 fol. 41 L(1)

heisst die Notiz: Relator domiiius per se et legit (Riedel A XX. 288).

1457 Relator ilominus per so (lt. 78. 11 fol. 8 0, 2. fol. 81. 3. fol. 210).

Relatoi' Ulrich Czewscliel kucliemeist.ei' (Riedel A XI. 388.

Relator dominus Marchio et pci' se vidit (Riedel A XXIII, 237).

Ilelator dominus per so et legit coram i:onsiliai'iis (Riede[ A IX. 190).

Ilelalor dominus per se in preseritia Arnolcli de Luderitz, et ambo eam

examinaverunt (Or. 1457 Januar 9 KI. liambecke).

1458 Relator dominus per se (1. Riedel A XI. 388. 2. lt. 78. Ii fol. 108).

Relator episcopus Lubucensis (Riedel A Xli. 452. 2. A XIX. 161).

Relator Joh. Verclemann cancellai'iiis Miedet A XVII. 137).

Relator dominus per se vidit et legit (Riedel S. B. 309).


151

1459 Relaior dorninus per se (1. Or. 4450 März 28 Domstift Sieridal. 2. Riedel

A XVI. 89).

Ad m4fldatuu] domjnj Mai'cliionis dolilino episcopo Lubucensi i'eferente

Riedel A X. 25).

Relator Jaspai' de Kokde liovericlitei' (R. 78. 10 fol. 87 1.

Relator Arnd de Luderitz (1. 2. R. 78, 40 fol. 87 d.)

Relatordorninus Job. Verdemann cancellarios (1. Riedel A XVI. 88. 2. R. 78.

10 fol. (3 1. d.)

Relator dornirius per se ei audivit (Or. 1459 November 25 AruehoL'g.

Relator dominus per se ei le git (0'. 1459 Januar 25 Lebus).

1&0 Relator doniinus per se 1. 2. R. 78. 10 fol. 87 i. d. 3 fol. 88.

Relator Ulrich Czewrhel kuchemeister (Riedel S. B. 314).

Itelator Arn(l de Ludei'itz (A 78. 10 IM. 87

Relator dominus per se et legit (Riedel S. B. 313).

Relator dominus per se et examinavit. (Or. 4460 Juli 14 Domstift Stendal).

Relator dominus per se vidit et legil (Uiellcl A VII. 162).

4461 Relator dominus per se (R. 78. 10 tot. 641.

Relator Arnd de. t.uderitz (1. Or. 1461 Juli 13 KI. Neuendorf. 2. B. 78.

40 fol. 88).

Relator doininus per se ei exaininavit (Riedel A VI. 218. 2. A VI 219).

1462 Relator (Relulit) dorninus per se (1. 2. B. 78. 10 fol. 88. 3. Or, 1462

März 4 Arncbur'g).

Relator Mathias de Schulenburg (R. 78. 10 fol. 88).

Retulit dominus per se et exarninavit (Or. 1462 Februar 8 Ai'neburg),

lielator doniinus per se vidit ei examinavit (R. 78. 11 fol. 109).

Dominus vidit ei legit (Ii. 78. 11 fol. 248.

Relator dominus per se vidit ei legit (Riedel A XI. 390).

1463 Relator (Retulit doniinus per e (1. R. 78. 10 fol. 88 i. d. 2. Ii. 78. 14 fol.

'12 L d, 3. fol. 164. 'i'. Or. 1 i3 Mai 120 Arnehurg. 5. Or. 1463 Ortober 1

Wil merstorf.

Relaior episcopus Luhticenvis caueellarius (Riedel A IX. 492).

Relator her Sigmund Nywei'schrack (Eiedel S. B. 317).

Relalor dominus per se et legit (Riedel A XII. 23).

44& Relator episcopus Lubucensis cancellarius (1. Riedel A XI. 399. 2). A XX.

296. 3. R. 78. 'Ii fol. 278 t.

Relator (lomifluS Theodoricus CPiSCOLIIIS Brandenburgensis (Riedel A

XXV. 379).

Relatores dominus per se ei Ulrich kuehemeister (Riedel S. B. 320).

Dominus pci' se vidit ei examinavit (R. 'i8. 11 ('ol. 115).

1406 Relator domiiius per se ei legit (1. R. 78. 11 M. 100 i d. 2. fol. 101).

De speciali commissione dnniini Marchiottis l"ridericus episcopus Lubucensis,

cancellai'ius manu propria subsciipsi (Ot'. 1466 März 22, Berlin).

Relatores dominus per se ei episcopu.s Brandenburgensis (Riedel A 1 193).


- -

1467 fli1ator dominus per se (1. Riede' A VII. 37 12, 12. fl. 78. 11 fol. 118 1. (Ii.

Proprii ewnnhissio flomini Marcliionis (fliehI S. R. 324).

Relalor (lorninti q per 4', et. I'iidericus episcopus Lu1mccnsi .. iai'elarius

de inandato dornini subsetipsit (lUedel S. B. 324).

14438 Relatoi dominus per se (1. R. 78. 11 fol. 19. 2. fol. 279).

'1469 Relator dominus per se (Riedel A VII. .144).

IehInr diuiiinus per se r1 legit (Riedel S. H. 32..

1471 I('lltt>J IIflhIIitjtl4 I''r i , (IieIelS. F.


ANHANG IL

Das bralHlellburgische Archivregister (C. M. 7a St. 4.) aus der Zeit

der Kurfürsten Friedrich II. und Albrecht.

V o r 1) e m e rk ung.

Die folgenden Blätter sind nicht bestimmt, eine Edition des Archivregisters zu

geben. Eine vollständige Ausgabe desselben würde bei seinem Umfange den Raum weit

überschreiten, der für eine accessorische Behandlung im Anhange - mit Rücksicht auf

das Verhältnis zu den eigentlichen Hauptteilen - zur Verfügung ist.

Dem Charakter der vorliegenden Arbeit entsprechend waren es in erster Linie die

diplomatischen Fragen, welche bei der Untersuchung des Registers im Vordergunde unseres

Interesses standen. Dass dadurch auch die Art der Behandlung des Aktenstückes

beslimmt wurde, und diese in Folge dessen mehr auf eine Würdigung der formalen,

als inhaltlichen Seite gerichtet war, ergab sich hieraus als unmittelbare Folge. Der

Zweck dieses Anhangs besteht also hauptsächlich darin, einen klaren Einblick in die

Anlage und Einrichtung des Archivregisters zu gewähren, und da in ihnen ein treues

Bild der Aufstellung und Registratur der Arschivalien selbst wiedergespiegelt wird, zugleich

eine zuverlässige Einsicht in die Ordnung des brandenburgisehen Archivwesens

jener Zeit zu erschliessen. Daher wurden nicht nur die Invent.arisieruugszeichen u. s. w.,

welche vor die Regesten gesetzt sind, an den entsprechenden Stellen im Anhange

abgedruckt, sondern es wurden auch sämtliche Notizen und Zusätze, die wir in

diplomatischer Hinsicht für bedeutsam hielten, im Wortlaute aufgenommen. Hingegen

schien nach der anderen, der inhaltlichen Seite eine Beschränkung insofern möglich,

als wir zur Ueberzeugung gelangten, dass auch eine kurze Inhaltsangabe der Regesten

ausreiche, eine anschauliche Vorstellung von der Beschaffenheit des Urkundenmaterials,

welches in dieser Archivaufzeichnung vorliegt, zu bieten. Wir konnten uns daher im

grossen und ganzen begnügen, den Inhalt der einzelnen Regesten mit wenigen Worten

zu skizzieren. Eine Ausnahme bilden allein die von den deutschen Königen und Kaisern

ausgestellten Urkunden; die auf sie bezüglichen Regesten wurden alle der Vorlage

wörtlich entnommen, und zwar aus dem Grunde, um an dieser wichtigen Gruppe die

Art und Weise der Abfassung der Regesten zu zeigen. - Von Hinweisen bei den bereits

publizierten Urkunden auf die betreffenden Druckorte musste hier von vornherein

abgesehen werden. - Zu bemerken ist noch, dass die im Wortlaute wiedergegebenen

Partien nach den von Weizsäcker für die Ausgabe der Deutschen Rcichstagsacten aufgestellten

Regeln abgedruckt worden sind.


1;i)1 -

Das Archivregister bietet ein Verzeichnis der brandenburgischeii

1 rkuuden, welcie unter dci Regierung der Kurfürsten Friedrieli

11. und Albrecht an das Lkenkapitel in Brandenburg zur Aufl)ewalirung

abgeliefert worden sind. Tier Inhalt der einzelnen

Schriftstücke ist in Regesten zusan mengefasst, denen zumeist

die Angaben über Ort und Zeit der Aisstelliing beigefügt sind. --

Es zählt 57, Papierblätter in Fulioformat, von denen am Schlusse

des Schriftstückes und hinter der Rubrik E leer geblieben sind.

Das letzte Blatt des Verzeichnisses, das ursprünglich nicht zu ihm

gehört, zu haben scheint, zeigt auf seiner Ehinterseile neben erscliiedeneii

Schiiirkelii und einzelnen zusamiiienliaugloseu Wörtern

die Aufschrift: lJnnseriin guristigenii grus zuvor, lieber Zwicker.

Eine der Anlage glichizeitige oder üheiiami pt nur ältere Datierung

ist auf dcii Seiten tiieht zu bemerkeii. Die Zahizeielien, welche auf

denselben stehen, sind erst in neuerer Zei 1. i in Geh. Staats-Archiv

hinzugesetzt worden, ebenso ist auch der Einhand, in dein das

Register jetzt vorliegt, ganz jungen Datums.

Die Regesteii sind in der Hegel fortlaufend auf beide Seiten

der Blätter geschrieben. Jede Rubrik beginnt mit einer neuen

Seite, au deren Spitze in grosser lateinischer Schrift der Buchstabe

gesetzt ist, den die rorrespond ieieiide Urkundenschachtel trägt.

Neben den einzelnen Regesten finden sich auf dem Huken Rande

kleine lateinische Buchstaben, welche, in der Reihenfolge des Alphabets

fortsdireiteuid, die Stücke iuinerhiallj der betreffenden Rubrik

zählen. Sie sind ohne Frage mit den Hegesten zugleich eingezeicliiuet

worden. Dagegen rühren die grösseren lateinischen Buchstaben, 2 die

wir noch neben jenen kleinen links von deuii Texte beurierken,

wohl erst. aus dein 17. Jahrhundert hier. ALl! die Originale sind die

letzteren, soweit ich sehen konnte, nicht, nachgetragen wurden. In

diesen Zeichen ist entweder der Anfangsbuchstabe des Namens der

Persöuilichkeit, welche die Urkunde ausgestellt hat, oder aber der

Anfangsbuchstabe des den Inhalt des Documents charakterisierenden

Stiehiwortes zu erkennen. Bisweilen sind beide Bezeichnungsarten

1 Hierzu, wie zu dem Folgenden, sind die Bemerkungen auf S. 129 hinzuzunehmen.

2 Zur deutlicheren Unterscheidung haben wir sie in der Registerübersicht iii Klammern

geschlossen.


- 15 -

zugleich zur Anwendung gekommen, wo dann grössere lateinische

Buchstaben neben den ltegesten auftreten.

Die mi Verzeichnis registrierten Urkunden betreffen (las Gebiet

der äusseren, wie der innern Politik, doch sind die Schriftstücke,

welche sich auf die aiiswrtigen Verhältnisse Braiidenhtirgs

beziehen, in der Ueberzahl. Die wichtigeren Vereinbarungen der

Markgrafen mit den umgehenden Nachbarstaateri Pommern, Mecklenburg,

Sachsen u. s. w., sowie die Documente, in welchen die

Beziehungen der Mark zu dcii übrigen iteielisständen, die Teilnalmmne

ihrer Fürsten all Fragen der Reichsverwaltung zum

Ausdruck kommen, sind iii dieser Aufstellung u tindemi . Auch an

solchcii ti'kiinden fehlt es nicht, welche für die innere

Politik von Bedeutung sind, doch sind dies zumeist nicht die von

dcii Mark grafen ausgestellteii Instrumente, sondern die Reveisurkunden,

welche von dcii Empfän gern jener als (iegenbeweissl.äcke

gegeben wurden. Die eigentlichen kurfürstlichen Originale sind iii

der Regel nur in einem Exemplar ausgefertigt worden, und dieses

befand sieh natürlich iii dein Besitz der Empfänger und nicht im

mnarkgräflichien Archive.

Die Zahl der abgelieferten Urkunden ist nicht genau anzugeben,

denn an einzelnen Stellen bind mehrere Stücke summarisch

ohne iiähere Bezeichiriiiing ihrer Anzahl in eineum Regeste zusammengebuelit.

Es werden im Ganzen 280 bis 300 Docutneiite gewesen

sein, welche nac-li Brandenburg zur Aufbewahrung kamen.- Der

grüsste feil ile[selben ist aus der IlegwrLrngszeit des Kurfürsten

Fiiedricli II., und zwar sind innerhalb diesem Periode die Jahre

von 14 1 bis 1 •7 am meisten vertreten. Die späteste Urkunde ist

vom 28. August 1468 datiert ; die früheste gellt bis in (las das Jahr

1268 zuräck, sie ist vorn Grafen Konrad vuim Weritigerode für

die brandenih. Markgrafen ausgestellt. (ieberhiaupt findet man eine

grüssere Zahl voll rluiiiden aus dem Orho11e1IzullcisehieII Zeit, was

uns beweist, dass die wichtigeren Landesdok timente wenigstens

zu einem Teile Eigenitimui der mnirkischieii Verwaltung geblieben

und iniehit in den Privatbesitz der einzelnen Herrscher ühiergogangemi

sind.

Nach dem \Vortlaute der einleitenden Notiz Howecks wäre

anzunehmen, dass die Menge des in dieseimm Verzeiehinisse vorlie-


- 156 -

genden ljrkiindeiiinatnrials iii swinein ganzen Ui ii fange u iiter der

Regierung Friedrichs lt. an (las Kapitel über gehen worden ist. Dach

diese Aufrassuiig findet, wie mir scheint, in einer näheren Untersuchtwg

des Verhältnisses der einzeliieii rl(i1e dieses Registers zu ciiiander

ihre thatsächliche Widerlegung. - Die heulen letzten Ahschnitte

(Y und Z gehören iiämlieli nicht mehr iii die Zeit dieses

Markrafeti, sonderim sie sind ohne Zweifel erst unter der Verwaltung

des Kurfürsten Albrecht iiacliget ragen worden. Scholl der

Umstand, dass die beiden Rubriken von einer Hand eingezeichnet

sind, welche auf Schriftstücken ans der Kanzlei Friedrichs nur ganz

selto,ii erscheint, dagegen in den folgenden Periode sehr oft zu

finden ist, spricht für diese Behauptung. Dann aber ist beachtenswert,

dass Kurfürst Friedrich, wo er in diesen Abschnitten genannt

wird, immer nur als «marggrave» oder als « churfurst» bezeichnet

ist, während er in den Regesten der früheren Teile, die

nicht etwa bloss VOfl eine um Schreiber herrühren, in der Regel

hinter diesen Titeln noch den Zusatz: «mvii gnediger herre» führt,

in dem also ausdrücklich bemerkt wird, (lass Friedrich der Herr

der Mark ist. \Väre es auch noch zu der Zeit gewesen, als diese

beiden Partien hinzugefügt worden si rid, so hätte auch in ihnen,

wenigstens au der einen oder der anderen Stelle, jener Hinweis

sicherlich umieht gefehlt, der in den anderen Rubriken als stereotype

Wendung immer wiederkolurt. - In betrelT des letzten Abschnitts

Z: ist, ums sogar in einem seiner Hegesten selbst ein Beweismittel

geboten, dass er erst nach der Zeit Friedrichs angelegt

worden ist. In dem ersten Regest nniter Z, welches eine Urkunde

aus (lern 1466 betrifft,' bezeugt der Schreiber den inzwischen

eingetretenen Tod des Markrafen offenkundig, wenn er an diesi

Stelle, von ihm als dem seligen Kurfürsten spricht. 1 Da nun Y und

Z von dein Beamten anscheinend U() tenore geschrieben sind, so

ist damit nicht nur für Z allein, sondern auch für Y der Beweis

erbracht, dass in ihnen Stücke aus einer Zeit., welche hinter der Ver-

1 Es heisst dort: Ein revershrive des probsts. prior. etc.. . darin si bekennen auf

marggrave Fridrichs churfurst selig seiner erben und iiaehkomen hegern - 111er

kann selig- nur im Sinne von .verstoiben» gebraucht sein Nicht nur in Nieder- sondern

auch in Mitteldeutschland war diese Bedeutung schon früh verbreitet. (Zu diesem

Gebrauche von selig in Mitteluleutschiand vergl. Schade, Altdeutsches Wörterbuch

Halle (872-82 S. 739.)


- -

waltung Friedrichs II. liegt, zu sehen sind, und zwar worden

wir (111r( ., 11 die liandseliriftlielien Züge, wie bereits oben ausgeführt

wurde, auf die Hegierungsperiode Albreehts hinge viesen, Dass -

aber die Registrierung der Arcliivalien bereits vollendet gewesen

sein wird, ehe die Ablieferung derselben erfolgte, darüber kann

ernstlich ein Zweifel gar nicht aufkommen. In dein dass

die Rubriken Y und Z erst aus der Zeit des Kurfürsten Albrecht

stammen, ist also ohne weiteres der Schluss enthalten, dass die in

diesen Abschnitten aulezeiehineten auch erst l)okllmente unter Ahbrecht

an das Domstift abgegeben worden sind.

Der aus der Kanzlei Friedrichs hervorgegangene Teil gliedert sich

seinerseits in 3 durch die Schrift unverkennbar geschiedene Abschnitte.

Der erste führt bis Seite 6 und ist von Heweck goschrieben

; der zweite, welcher bis S. 88 reicht, rührt von einer

anderen Hand her, die wir nicht näher zu bezeichnen veruuiögeui

und der dritte Absatz schliesslich, die Seilen 89-99 einnehmend,

trägt wiederum dig Züge Howecks. Diese 3 Stücke sind meines

Erachtens insgesauit nicht als das Resultat einer einmaligen, einlieitliclicii

An tage zu betrachten, während jedes denselben für

sich, zusammenhängend entstanden zu 1 sein scheint. Unter der \ eaussetzung,

dass der Teil bis S. 99 einisclnliesslieli, von vornhereinals

Ein! nei t. geplant gewesen und deingemass als Ganzes zur Ausführung

gekuinineui wäre, ist nicht, wie ich glaube, eine genügeuide Alt-

Wort auf die Frage zu gehen 'Warum hat Ho\veck, nachdem e

G Seiten Iuimuluireli die R egesten eingetragen hatte, mitten in einer

Rubrik abgebrochen, tu ud einem anderen Beamten die Fortsetzung

für eine kleine Partie Überlassen, (la er den Schluss doch wieder

selbst besorgte? Bei der Bedeutung dieser Arbeit, die wohl minhediiigt

zu den schwierigeren an die Kanzlei herantretenden Aufgaben

zu rechnen ist, wäre es sehr aufTaUend, wenn er einen

kleinen Abschnitt mitten in der Aufzeichnung, die zum grössten

Teile von seiner hand gefertigt war, durch ein anderes Mitglied

der Kanzlei hätte iniederselirei heu lassen. Schon in dieser 1 eberlegLing

dünkt wir eine gewisse Berechtigung für den Gedanken zu

1 Die unter Albrecht geschriebene Partie untei'scheidet sich von den früheren Teilen

auch durch die Menge unrichtiger Angaben in den Daten der Regesten; vergl. S. 187 u. 188.


je

- 158 -

liegen, dass die Stücke in ihrer Anlage zeitlich zu trennen sind.

Denn war die Partie, welche nicht auf 1-Joweck zurückgeht, selbständi

g für sich als Fortsetzung ziuii ersten Abschnitt später

1 iacligetragen worden, so kann die Ausführung durch eine andere

Hand nicht so befremden, wie sie unter der Aiiiialiine eines dir'

kteii zeitlichen Zusarniiienhanges Z\vi sehen den Alisclinittcii befremden

muss. Auisserdein ist, sobald wir zwischen die Atifeitigung

der einzelnri Partiengewisse Zeilrüume legen, damit auch die

Erklärung für die sonst, iiielit recht verständliche Thatsaelie gefunden,

dass nicht wir iiihalthieli sich eng berührende Urkunden

derselben Aussteller, sondern sogar völlig gleiche l)oeuniente, von

denen mehrere AusFertiguiigemi in! inarkgräfliclieii Archive vorliaiidetm

waren, in ganz versch1ielen(m R uhriken über die drei Abschnitte

zerstreut gebucht sind. So ist die Urkunde, durch welche

Heiiihiard von Coffl,iis die Hälfte von Schloss und Stadt Cottbus

dein Kurfürsten Friedrich verkauft, im Archivregister auf S. 15 in der

Buhrik ((1).)) sowie auf S. 90 in der Rubrik «V» registriert"siehe

S. 165 und S. 184), so steht das Schriftstück, in welcher die Uebergabe

der Neumtiark au Brandenburg durch Friedrich von Polentz verbrieft

ist, auf S. 81 in «S» und auf S. 'J'i in «X» siehe S. 181 und S. 186)

u. s. w. . . . Dieser Mangel der Anordnung, (1er sogar dazu führte,

eng zusammengehöri ges Material auseinander zu reissen, wäre uiacim

meiner Ansicht hei einer eiiilieithichien Anlage des ganzen aus der

Zeit des Kiirfüistemi Friedrich stammenden Teils kaLiiii möglich gewesen.

Daraus aber, dass seine Eititragmuig in 3 zeitlich auseiuanderhiegend

'n Absätzen erfolgt ist, kann ohne weiteres der Schluss

gezogen werden, dass dein entsprechend auch, die in ihm verzeiclmrieten

Arehtivalien nicht mit einem, sondern in drei Malen an das

Dormistift übergehen worden sind. Bevor die Urkunden dorthin ahgingen,

wurde jedesmal dem Geschäftsbranche der Kanzlei entsprechend

eine genaue Registrierung der hetiefTenden Stücke vorgenommen.

Jeder der drei Abschnitte stellt also dcii Urrifanig des

Materials eiiier Ablieferung dar.

1 Nehmen wir noch den Teil des Registers aus der Regierungsperiode Albrechts

hinzu, der seinerseits wieder die Archivalien der unter diesem Fürsten erfolgten

Ablieferung bezeichnet, so ergiebt nich, dass die Masse der Urkunden. die wir in dem

ganzen Register gebucht finden, in 4 Abteilungen an das Domstift überführt worden sind.


-- 159 -

Für eine genaue Datierung der einzelnen Abschnitte sind, soweit

ich sehe, iiäliere Anhaltspunkte nicht gegeben, dagegen ist

es möglich, den Zeitraum, in welcheni der ganze erste Teil des Verzeichnisses

entstanden ist, annähernd zu bestimmen. Wenn auf S.

9 noch in der Rubrik «A» (siehe Anhang s. 1ü3'1 das Vidimus einer

Urkunde mit dein Ausstellungsdatum 8. Juni 1467 vermerkt ist,

so erhellt hieraus, dass die Aufstellung des Registers nicht

vor dciii Spätsommer dieses Jahres begonnen sein kann. Nach der

anderen Seite aber ist, da der FeiL noch unter der Regierung Friedri(-hs

vollendet sein soll, mit dem Tage, an dem dieser Fürst von

der Regierung zurücktrat, also iiiit dein 2. April 1470, der letzte

hier überhaupt in Betracht kommende Termin gegeben. In der Zeit

zwischen diesen beiden äussersten Punkten, Spätsommer 1467 und

dein ersten Viertel des Jahres 1470, iiiuss demnach der Teil welcher

bis S. 99 führt und ein Werk der Kanzlei Friedrichs II. ist, aufgezeichnet

worden sein. Doch für die Anlage der beiden ersten

Abschnitte dieses grösseren Teiles dürften die Grenzen vielleicht

noch enger zu zieliemi sein. Das letzte Blatt, das zur Bnbrik «P»

gehört (siehe S. 69 und 70 des Registers, S. 179 dieses Anhanges),

hat nicht Folioformat, wie die anderen, sondern ist kleiner als diese.

Es trägt nur ein Regest, und zwar bezieht sieli daselhe auf das

B(iniiriis BralldenbLlrgs mit Sachsen vom 8. August 1 468. Das Datutu

dieses Regests ist wohl zu beacliteni, denn einmal geht es

über das der übrigen Urkunden derselben Rubrik, welche sonst

nur Dociirnente hiszwn Jahre 145() enthält, erheblich hinaus, dann aber

ist es überhaupt das einzige innerhalb des Teils aus der Kanzlei Fricdrichms,

welches J)iS zum Jahre 1468 liinaufreichit. Dieses zeitliche

Moment zttsaiiirmien miiit der autfälligeii Erscheinung, (lass das Blatt

mit dieser Urkunde von kleinerem Format ist, lassen vermuten,

dass dasselbe naelitr,-*i-,lioli hinter die Rubrik «P» eingefügt worden

ist, und zwar zu einer Zeit, als der zweite Abschnitt, dein 1' Zugehört,

bereits fertig gestellt, war. Das Itegest war - so darf

man wolle animehimien - deswegen nicht sogleich hei der Anlage

des zweiten Abschnitts miteingetrageu worden, weil diese Partie

seliomi vor der Ausfertigung der urkundlichen Vereinbarung zwischen

Brandenburg und Sachsen vollendet war. Teil 11 wüsste also hiernach

noch vor Ende August 1468 aufgezeichnet gewesen sein,


- 160 -

d. Ii. die beiden ersten Teile, welche die Seiten 5 bis 88 umfassen,

wären etwa in der Zeit zwischen August 146 -4 und August

1 468 niedergeschrieben worden.

l)ern Kauzielgebrauelic entsprechend, den wir schon bei der

Besprechung der Registerbände keimen gelernt haben, ist auch

dieses Verzeichnis nicht voll vornherein als ein festes, äusserlich

zusain inen hä ngendes Buch oder lieft angelegt worden. Derartige

Zeichen, wie wir sie an mehreren Stellen auf zwei aufeinanderfolgenden

Blättern finden, 1 welche den Kanzleiheam ten als 1-Ihmweise

dieiicim sollten, dass die betreffenden Seiten unmittelbar zusamnmengehören,

sind iiitr dort nötig, wo hei dein Man Mangel gel eines

festen Eiiihandes Grund für die Befürchtung gegeben war, dass die

Ordnung der Blätter leicht durch irgeiid welche Zufälle gestört werden

könnte. Wie die Abschriften der Urkunden waren sicherholi audi

diese Regesteim auf lose Blätter geschrieben worden, die nur aufeinander

gelegt, vielleicht in einen grösseren Pergamentbogen einschlagen,

in einem Fache der Kanzlei aufbewahrt wurden.

Die Urkunden sind später wieder V011 dem Doinstift nach Berlin

ziirückgeliefert und hier in das kurfürstliche Archiv eingestellt

worden. \Vaimii diese IJeberfühirung geschehen ist, wissen wir nicht.

Im Aufaitge des vorigen Jahrhunderts waren die Stücke jedenfalls

zum aller grössten Teil i in königlichen Arehive zu Berlin vereinigt,

wie ans folgen(Ien Sätzen, welche auf eiiieui der hein eigentliehen

Verzeichnisse vorangehenden Blätter stehen, zu entnehineii

ist

Dieses ist Ein Register der Brandenburgischen Lehinhriete, Concessiotien

lud Privilegien etc., wie solche Unser Marggraf Frit'derichi

(flhio Frideriei 1 vivente pati'e ej usdem 2 Von Berlin iiatli Brandenbar-

auf die Burg durh Heinrich Holbeck au den Probst und

Uapitel dase1hsl abgeliefert. liatt, welches ohne Zweifel zur Sicher-

1 Auf S. 18 des Archivregisters bemerken wir unter den liegesten eine der Zahl 6

ähnliche Form, dieselbe kehrt auf der nächsten Seite oben wider. Seite 71 des Archivregisters

zeigt unten links in der Ecke ein Doppelkreuz, an entsprechender Stelle auf

S. 75 oben steht das Pendant zu diesem Zeichen u. s. w.

2 Dass diese Datierung unrichtig ist, beweisen unsere Ausführungen auf S. 156 ff. Schon

im Geheimen Staatsarchiv ist. der Irrtum bemerkt und in einer eine, Notiz von Golimert

(17 5. 1862) auf denselben hingewiesen worden.

Holbeck verlesen für Howeck,


- 161

heit derselben geschehen. Nun seind Sie, so Viel man aus dem

Nachsehen und einiger Callationirurig mit dem Jezigen Archiv Hegistern

Judicirt, fast alle in dem hiesigen König!. Arcliivo. Scripsi

dcii 31 . Juni 1713.

J. CIfflNOW.

Diß sind de privilcgia und brief, di zum Berlin gewest und hernach gezeichend

sind, di ich Ileinricus Howeck dem probst und capitel zu Brandhury

vf der borg durch bevelhung mins gnedigen /1cm marqgrave Fridrichs geantworu

habe. und alle schattein sind yezeichend mii den buchstaben des alphabets; und

in i.glicher scha.tteln findt man di brief, die nach dem buchstaben geschriben

sien, 2 der uf der schaltel stet. uf iglichem brief /indestu einen buchstaben

sten unden bi der pressel, dornach iglicher brief zu finden stet.

A.b

Konig Siymiinds brief mit der majestat versigilt, dorin er minem alten

guedigeu kern und sinen erben di Mark geben hat uf ablösung, ab er erben

gewönne, vor virstund hundert tausend ungerisch gulden etc. datum hell : zu

a Costencz nach Crist geburt virzehcnhundert jar darnach in dem funfzekenden

jare an sand Pltilippi ei •Jacohi abend, ist deötsch.

[Constanz X. April 1415.]

Konig Sigmunds brief, dorin er minem alten gnedigen hern und sinen erben

di Mark zu Brandburg mit der kure und erzkameramp€ des heiligen flomischen

reichs zu erbe erblich gegeben und verlihen hat etc. des datum hell: zu

b Gostencz nach Crists geiurt virzehenhiindcrt jare darnach im sibenzehenden

jare an dem achizehenden tag des monden aprellen. mit majestat versig iii.

[(,Instanz 48. April 1417.]

(1'.) Keiser Adolfs transsömpi uber honig Fridrichs brief des andern, der sich

noch konig zu Jerusalem etc. geschriben hat, lautende uf das herzaqtumb zu.

e Pomern etc. das transsumpt ist geben zu Molhusen 6 idusjanuarii anno domini

1295 und ist latin geschriben.

[MiIhausen 8. ‚Januar 49

a) y wechselt mit ‚ doch ist die erste Form die viel häufigere. Da ca sich hier nur um

einen rein graphischen Unter-schied handelt, so blieb er uubereksic1itigt, und die (ifter

auftretende Form ohne Punkte wurde festgelegt, welche iicb der von uns eingehaltenen

Orthographie (siehe Vorbemerkung) durch i zu ersetzen war. b) Von hier an bis Regest

e in der Rubrik 0 (siehe S. 118) schreibt lioweck, der im weiteren bei der Unterscheidung

der einzelnen Hände unter der Bezeichnung A zitiert werden wird.

1 Von.! - Vergl. S. 129, Anmerkung 2. 11


- 162 -

L.) kovig Ludwigs brief mit der majestat versigilt, dorin er nzarggrave Ludwig

sinem ersigehorn San di Mary mit dem :herzoglumb zu Stettin und den landen

Demmyn und Stargard und di gruvesclwft zu Werrniyerrod und ander land

d gibt und verlei/a't, als di narggrave Woldemar gehabt hat etc. datum hell:

zu Nu.remberg in die saneli Johannis baptiste anno domini J.'O() vicesi•mo quarta

und ist latin yeschriben.

[Nürnberg 14. Juni 1324. 1

(P.) Vereinbarung zwischen Markgraf Ludwig Von Btafl(ICrI1)U1g und den Herren

e von Stettin. Stargard 12. März 13'27,

(P.) Keiser Lidwigs brief versigilt mit der majeslat, b darin er schreibet und

deciarirt, L das di herzogtumb Stettin Wenden Cassuben und Pomern an mild

zu lehen geen von dein nsargyravetumb zu Brandburg und dem erzkameraipt

1 des hjiyen Romischen reichs und von allen marggraren, di zil Zeiten sein werden

etc. datum hell: zu Latran 27 die mensis januarii anno domini 1.$28, und ist

latin gesch riben.

[Lateran 27. Januar 1328.]

(P.) Konig Sigmunds brief mit der Inajestat versigilt, darin er revocirt und vernich

tiget die lehnung herzog ()tten von Stettin gesc/teen und den mit dem lehen

g weiset an mein ynedige herscha/e zu Brandburg etc. datum hell: zu Costencz

nach Crists geburt virzehenhundert jar und darnaih in dem sibenzehenden jare

an sand Jacobs abend, und ist deutsch geschriben.

[ConIanz 24. Juli 1417.1

Konig Fridrichs lehenbrief uber alle meiner guedigen herren land die marg

zu J?randbury und burggravetumb zu Nureinbery etc, und ui in teilung irer

h lande an der gesampten hant nicht sal zu schaden komen etc, datum hell: zu

Ach am eritag nach send Veits tag nach Cristi geburt virzehenhclndert und darnach

im zwei und virzigsten jare,d mit der majeslat versigilt und ist deutsch.

[\achen 19. Juni 1442.

(F.) Konig Fridrichs brief hült in, was der werg zu Brandburg mit unredlikeit

und unrecht unbillich entzogen ist, das das widder dazu gebracht werden und

kamen sol etc. datum hell; zu Nurembery nach Cristi geburt virzehen/iündert

und im vir und virzigsten jare am lag cxc itacionis sanctae crucis. mit der

inajestat versigilt und ist dutsch.

Nüinherg1 4. epternhct 1444. 1

Äoniy Fridrichs brief mit der majeslat versiqilt, denn er mmcv gnedigen

herschaft con/irmiret und bestetiget alle iv land und leute di mark zu Brandburg

und burggrarentumb zu N(iremberg mit dem lantgericht und mit allen lehen

a) Vorlage graveschaf. b) Von. rnajestg. c) Von. decioniL d) Vor!. jaran. e) Vorl.

jaren.


- 163 -

k und iehevsc/se/ten, con/irmirt auch aller siner vorfarn brief und mit namen keiser

igndndes etc. datum hell : zu A./t nach Cristi geburt virzehe?ihundert jur und

dornacit im zwei und virziysten a jur am aftermontag nach sand Veils tage, und

ist deutsch.

Iiachen il). Juni 1 's442.1

(1'.) Keiser Fridrichs con/irmacion mit der gulden bullen versigili, dorin er miner

gn.edigen /sersclsaft con/irnsirit und liesktigit alle ir land und tute lehen lehenschefte

alle brief und privilegia und sunderlicis di keiser Sigmwnd und ander

sein vorfarn geben haben, bi erufi und macht zu bleiben, er widderru/t und

vernicistigei dünn uß keiserlicher macht mit sunderlic/sem wissen alle frilseit und

1 gnade di sein sorfarn geben hellen oder er noch geben wirde, di miner gnediyen

herse/saft b ir frih cii gebrauc/sung Iserkomen und gerechtigkeit sch ed/ich sein

mochten, das die kraftlol3 sein suiten etc, datum hell: zu der Newenstat am frilay

Vor snd Ambrosi'us lag nach Crisls geburt virzehenhundent und im newn und

flinfzigsten jare, und ist deätsch.

[Neustadt 30. März 1459.]

1'.

Die Herzöge Otto und J3arnim von Pommern versprechen, dass ihre Mannen

U. S. W. - soweit sie es noch nicht gethan haben - den Markgrafen Ludwig

und Stephan von Brandenburg huldigen sollen. Frankfurt 98. Januar 1339.

Die Herzoge Otto und Barnim erklären, dass ihnen Markgraf Ludwig von

11 Brandenburg wider die von Stettin, Gi'eiffenhagen sind Golliiow zu helfen erprochcn

hat. Pyritz 27. Mai '1339.

(P.) Konig Fridric/ss brief mit seinem koniglichen anhangenden mnsigei versigill

bekennet, das di herzogen Warczlaf Jksrnym der ellere Buxlof und Iiarnym der

o jun gere, herzogen zu Stettin 1%ro/9ast zu Part Pomern und fursten zu Ragen

iren [ersten iumb von im ni enip fangen haben etc. datum Vyen anno IiN) und

im sechs und virzigsien jure am j;/inzdag vor Kalherine, und ist duisch.

[Wien 2'. November 1446.1

(1.)

Einigung zwischen den Markgr. Friedrich und Friedrich d. J. von Brandenp

burg und Herzog Joachim von Stettin. Prenzlau 4. Mai 1446.

(1'.) Vertrag zwischen den Markgrnfen von Brandenburg und den Herzogen von

ri Pommern. Sohlirs 21. Januar 1466.

Vidimus des vorstehenden Vertrages, gegeben von Bischof Werner VOfl Schwerin

zu Plauen 8. Juni 1467.

(c.) Willebrief des Pfalzgrafen Ludwig zu der Belohnung Friedrichs 11. seit der

Mark Brandenburg. Heidelberg 27. September 1444.

(S.)

Vidimus der Belelsisungsurkunde Sigismunds vom '18. April 1417, gegeben

von Abt Georg des Klosters S. Egidii zu Nürnberg. o. 0. 'l!i'2U o. Ii.

e) Von. virzgsten.b h) Von. herschaschaft. Von. jaren.


- 164 -

B.

I urfurst Friedlich ., 1. von IJiandenbwg Dispositionsurkunde. Plassenburg

7. Juni 1437.

(T.) Johann und Albrecht von Brandenburg vermitteln zwischen ihren Brüdern

b Friedrich und Friedrich d. J. Mülhausen 46. September 1447.

(E.) Vidimus der Urkunde Dietrichs von Mainz und Ludwigs Vofl Hessen in hatreff

des Streites zwischen Sachsen und llraridenburg vom 5. Januar 1441. Das

Vidimus ist gegeben voll Anlonius v. Bamberg zu Bamberg am 26. Januar

4441.

Der Aebtessin Hedwig von QuedUnhurg Lehnbrief über Möckern und Lindow

d an Friedrich II. von Brandenburg. o. 0. 27. Mai 1467.

(13.) Biuderschaftsbrief des Klosters zu Matienwalde für den Kurf. Friedrich von

Brandenburg. o. 0. 2. Mai 1467.

c.

11cm. In den schatteln dar das c uf stet liggen 7 brief, sind alle gegeben

von meinem [herren margyrave Fridrich und dein 1 a jungen herren seligen uf di

secz fing und vertracht als meine gncdigen herren marqyruve Jolians und marygrave

Albrecht zwischen in gemacht haben zu Mul/iausen, und sind meisleteils

quitancien und wi si mit iren landen siezen helfen und raten suiten. 1 ist nicht

not iglichs briefs nieinuny Jiirein zu seczen etc.

(F.) Ein vidimus uber keiser Fridrichs con/irmacion mit der majeslat versig iii,

darin er meiner gnedigen licrschaft confirmiret alle ir land lute /terliheit lind

gerechlikeit, hat geworben min gncdiger herre marggrave Albrecht. datum der

aJ Die Ergänzung ist notwendig, da nach der Fassung des ganzen Satzes kein Zweifel sein

kann, dass die Urkunden, auf welche hingedeutet wird, nicht von dem jungen Markgrafen

allein ausgestellt worden sind.

1 Zu den j Documenteu, deren Inhalt nur im allgemeinen bezeichnet ist, gehören wohl unter

anderen die Urkunden bei Raumer Bd, 1. S. 163, bei Riedel A. Bd. XXII. S. 490, C. Bd. 1.

S. 292. 293.


165 -

confirmacion hell zur Newensiat an •‚nitwochen vor converswneni Pa.uli anno

domini J das r idirnus hoben geben a 1't Peter zu Heilhlprun und apt Gorrius

zu send Egidii zu Nureinberg. ist deutsch.

[Neustadt 21 Jannar 4453]

(C.) Reinhard von Cottbus begiebt sich mit der Hälfte von Schloss und Stadt

b Cottbus in den Schutz der Markgrafen von Brandenburg. Spandau 17. Dezember

1443.

(1.) Vertrag zwischen den Markgrafen VOfl Brandenburg und den Herzogen von

Mecklenburg. Perlsberg 5. Januar 1438. [An der Presse] des Originals ist ein

c Zettel Über l)elestigt, dessen Inhalt es itir Regest heisst : Itern ein zedel ist mit

in di pressel gestochen di hell in, das die bischof von Swerin und Raczeborg

mit ingezogen mit allen den iren.]

(M,) Herzog Johann von Mecklenburg bekennt sein Land von der Mark Brandend

burg als Wien empfangen zu haben. Bathenow 28. Juni 1427.

(7..) Friedrich von Torgau erklärt, (lass er Schloss und Stadt Zossen von Markgraf

Ludwig von Brandenburg zu Lehn genommen habe, welche im Falle des

Aussterbens seines Mannesstammes an die Mark fallen sollen. Alt-Berlin 11. Februar

1:359,

(P.) Herzog Barnirn von Pommern garantiert, dass seine Brüder dem von ihm

mit Ludwig und Otto von Brandenburg geschlossenen Vertrag von Prilzwalk beitreten

werden. Pritzwalk 10. Juni 4559.

(S.)

tM.)

Hans von Buch nimmt Schloss und Stadt Stolpe von der Mark Brandenburg

g zu Lehen. Prenzlau 22. Januar 1446.

Johann und Heinrich v. Mecklenburg-Stargard treten dein zwischen Brandenburg

und Mecklenburg-Schwerin gel 'offenen Vergleiche hei. Perleherg 5. Januar

1438.

Reinhard von Cottbus verkauft die hälfte von Stadt und Schloss Cottbus ileni

i Kurfürsten l'ried rirb von Brandenburg. Cottbus 18. Juli 1 'i.5.

u) Vorl. anno M cccc liii j a ren. Die rmisclien Zahlzeichen jnd überall - dem

in den D. H. A. geübten Gebrauche entsprechend - durch die deutschen ersetzt

worden. Wo im Archivverzeichnisse, wie in diesem Hegest, hei dem Vermerke des

Ausstellungsjahres der betr. Urkunde zu der tat. Bezeichnung anno.. mit. welcher die

Jahresangahe eingeleitet wird, auch noch das gleichbedeutende deutsche \Vert. .jnren. am

SchLusse hinzugefügt ist, haben wir das letztere, um die unnötige Wiederholung desselben

Begriffes zu beseitigen, bei der Wiedergabe des Textes weggelassen.

1 Dieselbe Urkunde ist noch einmal in Rubrik V unter d registriert (S. $84), wahrscheinlich

waren von diesem Verkaufsdocumente 2 Ausfertigungen im markgr.Ilichen Archive vorhanden.

Ueber die Datierung dieses Regest siehe die Bemerkung an demselben Orte.


- 166 -

{C.) Reinhard von Cottbus quittiert Kur!. Friedrich den Ein pfati eines Teiles des

veto Vei'kaul seiner Herrschaft herührenden Gut1iaben. Neustadt. 21 ‚Januar 1447.

(S.1 Ein vidimus keiser Sigrnunds confirmacion mit der guldenen bü heu versigeht,

doi'in er miner gnedigen herschaft confirmirt alle ir fand lute privileyia brief

i gerechtikeit hierhikeit etc, der brief ist geben zu Rome in send Peters münster

anno domini 1 :33; das vidimus lieben versigill abt PPeter zu Ileilpriin r und abt

Georius zu sand Egidii zu N:remberg. ist dutseh.

[Born 31. Mai 1433.]

Kei . er Kerls erleubsbrie/s mit der niajestat versigihl, darin er erletbel marggreve

Ludwigen und 011en, das si das land zu Lusicz rerpfand haben uf ablosung

den marggraven zu Misen umb eilieb summe geldes etc. datum Prage

anno domini I36() an unser hiben frawen hichtmesse, und ist d)tsch

Prag 2. Februar

K.) Keiser Karls brief mit der majestat versigilt, darin er schreitet: ab marggreve

Ott, der sin tochter hat fraw Eiizabeth, des von der Sweidnicz furstenturnt

einneme, so sal er haben als ein honig zu Hehmen zu widderstatung di

Neien Marg uber Oder, etlich benannte SioI und Stete und auch elfich ürter

in disser rnarg etc, mit fürderrn inhalt. datum zu Pirnn anno domini 13(i4 am

sontag jubilate. ist dütse/t.

(C.)

In demselben brief findet man bi namen, was an den grenizen zu der

Newen Marg gehort etc.

Pirna 14. April 1364.1

Quittung der Agnes von Cottbus für Kurf. Friedrich von Brandenburg über

o den Empfang von 500 Schock guter Groschen. o. 0. 11. November 1457."

(S.) Konig Sigsncindes brief mit des konighichen hofqerichts anhangenden insigei

versigilt, darin er von clage mins allen gnediqen bern seligen herzog 011en und

a Kazmir mit etlichen iren mannen und steten in di achte tut etc. datum Costencz

Unna doinini 1 'iI; des ne/tsten fritags post ascensionem domini. ist (Vitsch.

LCorlstanz 10. Mai 1415.1

(S.) Keiser Siqrn 'inds brief mit der anhangenden majestat t'ersigilt, denn er

transurnirt hat, herren iiulcars herren Wilhelms qebrudere und herren Cristoff'ers

irs vettern alle von Wenden und hern zu Werle brief, dorin si schreiben, das si

sich mit land und luten zu der Mary gesaczt und alle ir leben und fand von

E.

s Dieses Regest ist von (lein Shrejber der zweiten Partie (0. f - T zu Ende), den wir

der Einfachheit wegen fernerhin als B bezeichnen werden, binztwesetzt worden.


167 -

mmcm gnedigen hern rnarggrave Fridrie/z dem allen seligen zu leben empfangen,

b gelobt und gesworen haben ein rechte erbhuldung, unwidderriiflich zu ewigen

ziten vest zu ha/den etc. der brief ist geben zum Berlin am montag der eiflusend

meide tag anno domini 1115. das ridmus ist gaben zu Eger anno domini 147

am donerstag nach Margrethe. ist dusch.

Berlin 21. Octuher 141 ; (las Transsanipt ist auspastellt Eger 18. Juli (1137.]

(W.) Konig Wencz/ows brief mit der anhangenden majestat versigilt, darin er

als ein flomischer konig bewillet und rolbort berestiyet und bestetiget die heubtmanschoft

der Mary meinem alten gnedigen herren seligen uf hündert tausend

ungerisch gulden im von konig Sigmund sinem bruder geben und versclriben etc.

datum Prage anno domini 1411 aes dinsags nach Lucie, und ist dutsch.

[Prag '1. Deceiiibei' 1 141 .j

(H,) Kanig Sigmindes brief mit dem kuniyiichen' ins igel versigilt, darin er di

frntschaft zwischen herzog Rudolf von Sachsen und minem alten herren seligen

d irer kinder halben nemlich marggrave Johans und fraw Barbara herzog

Rudolfs tochter, geteidingt hat etc. datum zu der Rurge anno domini 1411 am

dinstay nach Rartholomei. herzog Rudolfs und marg graue Fridric/is insigel

kengen auch daran; ist dehisch.

[Burg 2. August 4441 .

(S.) Konig Sigmündes brief mit seinem kuniglichen 'insigei, fraw Barbara seiner

gemaheln darzu erzbischof Johans zu Grau etc. und Eberharten bischofs zu

Ag'ram insigel versigilt, darin er minem alten gnedigen herren marggrare Fride

rich und sinen erben di heubimanschaft der marg zu Brandburg uf hundert

tausend ungerisch gulden verschriben hat etc. datum Ofen anno domini /411

des nehsten mitwochen nach sand Ulrichstag. ist deiitsch.

loren 8. Juli 1 ' Ii.

(Zi Ein vidimus der von Franckfurt in lotin uber konig %Vencziows brief der

deutsch ist, darin er widderrrift und ganz abtut den zoll zu Gare und dorzu

di brief rernichtigel, di er herzog flugsiaff dorber geben hat etc. datum Prage

anno domini 110 .1 am fritag nach Anthonii.

[Prag 18. Januar '14O.]

Nota

(Sj Konig Sigm'iinds brief versigilt mit dem kuniglichen anhanyenden insigel,

darin er schreibet und gebe(itet ganz hart und vesteyiich, bei trewen und eiden,

prae/aten herren mannen und steten der Alten Mary und Prignicz minem gnediyen

g alten herren seligen gehorsam zu sein als einem obersten rorweser der mary und

a) Von. Inig1ichen.


- 168 -

im eine gemeine erhMidunge von siner wegen zu €jna nach tute einer brief etc.

datum Ofen anno 1 des nehsten fritags nach Laurencii. ist deritsch.

Disser bri/Je ist noch einer glichs l'sts och mit eirn g gezegent. ä

[Ofen 12. August 1412.1

(S.l Konig Sigm(i'nds brief mit dem kuniglichen anhangenden insigel versigill,

darin er schreibt den crzbisc/tofen [von] Magdeburg Bremen etc, andern bih

schafen und sust fursten und graven geberitei, das si meinem gnedigen herren

rnargyraven suiten. beholfen sein zu dem guidenen opfer-pfenig etc. datum Basel

anno domini 14155 des neslen montags vor Jacobi. ist ditsch.

[Basel 22. Juli 1415.]

(R.) Reversurkunde der Städte Brandenburg und Rathenow in betreff der Veri

ptindung von Rathenow u. s. v. o. 0. 44) September 1429.

(w.) Konig Wenzlows brief uf parqamint mit einem ufgedruckten insigei, begert

an pracialen herren mannen und steten der mary zu Brandburg, das si minen

allen gned.igen herren seligen zu einem heubtman der Marg nach tute konig Sigk

munds brief ufnemen sullen etc. datum Prage des sontags vor s Thome apostoli

unses reich des behmischen im 49 jar etc. 1)isser konig Wenczlaus brief ist

noch zwene uf diselben meinungen und stet auch mit dem k. gezeichend.

[Prag 20. Dezember 1411.1

(H. Item ein pnl brief, dorin sind der borgen brief herzog P[ridrichs] von

Sackssen von mins gnediyen leerren egelt und des herzogen missive darbei.

Aber ein p(in g brief der vorigen borgen vor dies egelt, als in di frist erlenget j5j•C

(S.) Schenk Heinrich von Svdow bekennt, dass er die Guter Ileinrichs von Onitz

n von den Markgrafen von Brandenburg zu Lehen hat Nürnberg 28. April 1428.

(L.) Landgraf Ludwig von Hessen vermittelt in der Geldangelegenheit zwischen

dem Capitel von Halberstadt, den Städten Aschersieben, Quedlinburg und den

Herzogen von Sachsen. o. 0. 4. April 1441.

(S.) Konig Sigmunds brief mit des hofgeric/els ufqedruckten insigei an di von

Magdeburg, das si miner Ieerscleaft wider di herren und di stal Stettin di si in

der acht haben, helfen suiten. datum Costencz anno etc. 15 am fritag post ascensionem

domini. ist dutsch.

[Constanz 10. Mai 1415.1

aJ Der Satz und im eine bis ttin ist am Rande von der Hand B nachgetragen, von der

auch der Vermerk unter dem Regest Disser briffe ... hinzugefegt ist. b) Von, von.

c) Dieser Satz ist ebenfalls von B geschrieben.

1 Bei Hiedel, der die Urkunde nach der Abschrift im Registerbande druckt, ist als Datum

der 5. September (montag vor unser frawen tag nativitatis) angegeben, an dem auch die VerpfIndungsurkunde

der Markgrafen aufgestellt ist (Riedel A. Bd. VII. S. 43). In dem vorliegenden

Register ist die Reversurkutide dtjcrL mitwoch exaltacionjs sancte erucis, also 14. September.


- 169 -

(SJ Bischof Stephan von Brandenburg, der Meister des Johanniterordens und

q andere inarkgräfliche Räte erklären, warum Markgraf Fridrich in Sachen der

Herzögo von Sagan das angetragene Richteramt nicht übernehme. Berlin 6. April

'1442.

(1.)

Uebereinkommen der Kurfürsten in betreff eines neuen Concils und ihres

a gemeinsamen Verhaltens gegen Papst Eugenius. Frankfurt 21. März 1446.

Die Einigung der Kurfürsten, durch welche sie sich verpflichten, in den Anb

gelegenheiten der Kirche gemeinsam zu handeln. Frankfurt 21. März 4440.

(V.) Vergleich zwischen Erzbischof Friedrich v. Magdeburg und seinem Capitel

auf der einen, und den Markgrafen von Brandenburg auf der andern Seite über

ihren gegenseitigen Besitzstand.

Disser obgeschribe'a brief ist noch einer als der vor9eschriben ist, auch mi€

dem a yezeic/iend.

(A.) Die Grafen Bernd, Adolf und Albrecht von Anhalt versprechen den Markb

grafen von Brandenburg Hilfe und Beistand gegen jedermann ausser (1cm Erzhischofe

von Magdeburg. o. 0. '22. Juli 1443.

(0.) Einigung zwischen dem Hochnieister und dem Grosskomptur des Deutschen

c Ordens und dem Markgrafen Friedrich und Friedrich d. J. auf Lebenszeit. Marienburg

25. November 1443.

F.

G.

Eberhard von Wiesentaw und Joi'g von EglotTst.eiri bekennen die Urkunden

a über die Neumark von brandeub. Räten empfangen zu haben. Frankfurt 1. Dezember

1444.

Hans von Wiesenburg hegiebt sich mit allen Gütern in den Schutz der

Markgrafen von Brandenburg. Frankfurt 9. October 1442.

(0.) Markgraf Friedrich eini g't sich mit den Abgeordneten des Deutschen Ordens

in bet.reff des Geldes, das für die Bestätigungsbriefe des römischen Königs und

der Kurfürsten zu zahlen ist u. s. w. Frankfurt 46. Octoher 1443.

(Q.)

Adelheid, Aebtessin von Quedlinburg ‚ helehnt Kurfürst Friedrich 1. mit

g Lindow u. s. w. o. 0. 6. März 1418.

Anna, Aebtessin von Quedlinhurg, belehnt Kurfürst Friedrich II. mit Lindow

n u. s. w. o. 0. 1. August 1443.


- 170

rL,) Graf AlI)rhIs von Liiidow Revers fü r die Markgrafen von Braii(lenhurg in

i betreff der \Vierlercinlösung des ihm vei'plbndeten Schlosses Fretzdoi't'. Leipzig

2. Februar 1435.

(L.)

herzog Friedrich von Sachsen tritt an die Mark das Land Lausitz ah.

k Zerbst 3. Juni 4450

(0.) Die von Greiffenberg verpflichten sich, nachdem sie mit Schloss und Stadt

1 Greilhriherg belehnt worden sind, mit denselben für alle Zeiten der Mark treu

zu bleiben. Prenzlau & Mai 4446.

tS.) Reversuikunde Werners Schenk für den Markgrafen Friedrich auf seine

m Belehnung mit dem Schosse Flechtingen. Tangermünde 2. Octoher 4420.

(1) Die Herzogin Agiles von Stettin quittiert Mai'kgrf. Friedrich eine des Uckerlandes

wegen erhaltene Zahlung. Pasewalk 21 November 1416.

(B.) hasse von Blankenburg bekennt, dass das von ihn gekaufte Schloss Stielitz

ewig bei der Mark bleiben soll. Mittenwalde 26. März 1309.

Des Grafen Bernd von Reinstejn bekennt das l)oif Doberkow von der Markp

grafschaft als Leim zu haben. Blankenburg 16, Juni 1442.

Brriderschaftshrief des Abtes zu liiddagshausen für den Markgrafen und

q seine Gemahlin. 0. 0. o. D.

(B.) Briiderschaftsbrjef des Abtes zu Marienthal für den Markgrafen und seine

Gemahlin. o. 0. o. D.

( P. ) Bündnis zwischen König Wiadislaus von Polen und Kurfürst Friedrich wider

den Deutschen Orden. Krakau 8. April 1421,

Wiadislaus verschreibt. seine Tochter und die Nachfolge in Polen, wenn er

ohne mönnliche Erben stirbt, an den Mai'kgraf Fiiedricli. Krakau 8. April 4421.

(W.)

Grat' Konrad zu Weriiigei'ode nimmt Schloss und Stadt Weriiigei'ode von den

v Markgraten Johann, Otto und Conrad von Brandenburg zu Lehen. 0. 0. 20. November

1268.

(W.) Vidimus der voranstehenden Urkunde, von den Bischöfen Stephan zu Brandenburg

und Konrad zu Havelberg am 9. Januar 1443 zu Berlin ausgestellt.

(P.) Die Herzöge Wartislav, Barnirn ti. Ae. und d. J. vor! Pommern ii. s, w.

a verbriefen der! Markgrafen von Brandenburg, dass im Falle des Aussterbens ihres

Mannesstammes Pasewaik an die Mark fallen soll. Prenizlau 3. Mai 1448.

H.


- 171 -

(P. Bi Bündnis zwischen den Markgrafen von Brandenburg und ileri Herzogen von

b Stettin. Prenzlaii 29. Mai 4448.

(0.)

Die Herzöge Wartislaw, Barnim d. Ae. und d. J. überlassen mit dem Kurfürsten

Friedrich die Entscheidung in ihren Streitfragen dem Urteile ihrer Räte und

wählen Georg von EglotTstein zum Obmann. Prenzlau 21. März 1447.

Markgraf Friedrich und Herzog Barnim verbinden sich auf 10 Jahre zu gegenii

seitigeni Schutz, Goritz '20. April 1440.

Die Herzoge Warlislaw, Barnini ii. Ae. ii. d. J. erklären, dass Pasewalk und

e Torgelow, wenn ihr Manness(amni erlischt, an die Mark Brandenburg fallen soll.

Prenzlau 29. Mai 1448.

(H. B.) Bündnis des Kurfürsten Friedrich mit dem Bischof zu Halberstadt und den

Städten Magdeburg, Halbersladt u. s. w. gegen die Herzöge von Sachsen. Drandenbui'g

7. Dezember 1440.

(M.) Herzog Johann von Mecklenburg verpflichtet sich zur Zahlung an Brandenburg

bis Martini. o. 0. 28. Juni 4427.

(M.)

1.

Die Herzöge Heinrich und Johann von Mecklenburg schliessen Frieden mit

Markgraf Friedrich. Arensdorf 5. Juli 1440.

(Mi Die Herzöge Heinrich d. Ae. und Johann von Mecklenburg erklären, dass

c ihre Länder in ihrer Gegenwart dein Markgrafen von Brandenburg gehuldigt

haben. o. 0. 1442. o. D.

(Mi Disser egeschrben brief ist noch einer glichs lv4s auch mit dreien anhangenden

insigeln versigil€ 'und ist mit dem c yezeichend.

(M.) Die Herzöge Heinrich d. Ae. und d. J. und Johann von Mecklenburg sichern

d Markgraf Friedrich von Brandenburg im Falle des Aussterbens ihres Mannsstammes

die Erbfolge in ihren Ländern zu. Wittstock 42. April 1442.

Der Markgraf Friedrich d. Ae. und d. .1. ewiges Bündnis mit dem Herzögen

e Heinrich d. Ae. und d. J. und Johann von Mecklenburg. o. 0. 8. Mai 1442.

(M.F.) Konig Fridrichs briefa versigill mit der anhang enden majestat, dorin er

bewillet volbort und ' bestetiget die erbhuldung der land Mekeinburg Stargard

Wenden Rostock und Swerin miner ynedigen herschaft zu Brandburg getan und

tut doruf noldurftige leihung, das es nach der herren von Mekelnbu'rg tod wenn

si und jr erben mans gesiecht verstorben sind, der herschaft und der mary zu

a) Von. briefs? b •bewitlet votbort und-ist am Rande von derselben hand A hinzugefügt,


(B.

)H.)

(F.)

- 172 -

Brandburg ewig gelwren sol etc, den brief haben vom Iconig geworben min gnediger

herre marygrave F l ridrich l kurfurste und herzog Heinrich von Mekelnburg

etc. datum Franckfurt anno domini 'lt.' am montag vor Maryrethe, ist

duisch.

[Frankfurt 9 Juli 4.1421.

K.

Hasse vork Bredow d. Ae. Revers auf die Belehnung mit Schloss Frisack,

durch den ei' sich verpflichtet., dem Markgrafen von Brandenburg Stets ein treuer

und gehorsamer Lehnsrnann ztr sein. Cadolzburg 16. Oktober 1427.

Diner brive ist noch einer glichs luts och mit eier a gezeigent."

Werner von Ilolzendorf versöhnt sich mit Kurfürst Friedrich von Brandenb

burg ii. s. w. Berlin 16. November 1420.

Peter Banne giebt, nachdem er anderweitig entschädigt ist, dem Kurfürsten

c Friedrich das Gericht zu Frankfurt mit allen Rechten u, s. w. zurück. Frankfurt

26. Juli 144.

(PH.) Herzog Joachim von Pommern quittiert Kurfürst Friedrich 000 Gulden von

d (]ein versprochenen Ehegeld. Stettin 22. Mai 4442.

(P11.) Herzog Joachim von Pommern erklärt, dass er Elisabeth, Markgrat' Johannes

Tochter, in 3 Jahren zur Gemahlin nehmen wird u. s. v. 24. August 1437.

[Rechts am Rande steht neben (1cm Regest die Notiz, die später hinzugefügt

worden ist: disser brif ist der konigin von Dennemargten yesand. Links am

Rande ist quergeschrieben das Wort: bünlnciß.]

S.) Curd und Hans von Slaberndorf geloben den Pflichten, die ihnen aus der

l3elehnung mit l)eutht'n (]elf gegenüber erwachsen, stets nachzukommen.

Köln a. d. Sp. 8. Juni 1463.

M ) Einigung des Markgrafen Friedrich mit den Herzogen von Mecklenburg in

b hetretr Neulmausens. Wilsnack 28. Juli 1438.

Item. bi demselben Receß liggen vii sc/zad-zeuel di zwischen den landen

gescheen sind, und auch ein zuspruch herzog Johann Ulrich von Mekelnbury

gegen dem graven von Lindow. ist alles nicht not zu verzeichen.

(Z.) Abt und Convent des Klosters zu Zinna versprechen der Herrschaft, jährlich

g eine Mernorie für sie zu halten. Zinna 1451. 0. 1). c

a) Die Notiz ist von Hund 13 hinzugefügt, b) Dieser Buchstabe ist olTeiiI,ar er.t zu der Zeit,

als die eingeklammerten Zeichen neben die Rgesten gesetzt wurden (S. 154), nachgetragen

worden. Ursprünglich fehlte hier jeder Buchstabe, was auch daraus zu erkennen ist, dass

der Schreiber 13, von dem das folgende Regest herrührt, dieses mit g bezeichnete,

während demselben der Reihenfolge nach schon der Buchstabe Ii zugekommen wäre.

So erklärt es sich, das Jetzt. 2 Regesten den Buchstaben g führen. Vermutlich wird

auch auf den entsprechenden Originalen trotz ihrer inhaltlichen Verschiedenheit derselbe

Buchstabe gestanden haben. c) das Regest ist von 13 geschrieben.


- -

L.

Herzog Joachim von Pomiriern verschreibt seiner Gemahlin Schloss und Stadt

ii Uckerrnünde. Neustadt Eherswalde 27. August 137.

Disser brief ist ubersand der konigin von Dennemargkten und ist heruß

a genonen am sonabend post circumcisionern anno 173 ( Januar).

(1'.) In di laden 1 hab ich gelegt: Sieltinisch hendel bericht und anders betreffen.

tM.) Erzbischof Otto von Magdeburg bekennt, dass er von Ludwig d. Römer mit

• einer Hebung zu Havelberg für den Ausfall anderer Hebungen entschädi gt worden

ist. Tangerinünde 29. Juni 136.

• Item ein brive bischof Ouen uf di orbele zu Havelberg lautende, wi man

di losen soll und ein beleidigung in F'ridbrunn gescheen. h

{L.)

M.

Dietrich von Quitzow, Gotthard und Vicke von Plessen bekennen, dass der

b Markgraf Friedrich ihnen Schloss Lenzen mit Zugehör verptändet habe. Prenztau

29. August 1465.

Dietrichs von Quitzow Revers für Markgraf Friediieh zu seiner Belehnung

c mit Schloss Jeldeniz. Tangermünde 28. September 1465.

(W.) Thomas Wins hegiebt sich mit seiner Familie und allen Gütern in den

d Schutz Maik graf Friedrichs. Berlin 3. Januar 1449.

(B.) Der Rat und die Gewerke von Berlin und Köln bekennen, dass sie in folge

von Zwietracht (las Regiment der Stadt dem Kurfürsten übergeben haben u. s. w.

Berlin 26. Februar 1442.

(B.)

Die Städte Berlin und Köln unlerwerfeii sich dem Kurfürsten und treten Land

zum Schlossbau ah. o. 0. 29. August 1M2.

Der Bischof Stephan von Brandenburg, Graf Adolf von Anhalt, Graf Albrecht

g von Ruppin u. s. w. vergleichen den Kurfürsten Friedrich mit Berlin und Köln.

o. 0. 25. Mai 1448.

(B.) Die Städte Berlin und Köln unterwerfen sich von neuem dem Kurfürsten Friedii

rich. Berlin 19. Juni 1448.

a) Der Vermerk ist von A selbst später nachgetragen worden, während die unmittelbar

folgende Notiz von der Hand herrührt, welche in der Zeit Albrechts die beiden letzten

Rubriken nachgetragen hat (S. 156), die wir von nun an einfach als C zitieren werden.

b) späteren Zusatz von C.


(B.)

- 1 1 -

Markgraf Waldemar vereinigt alle Kirchen von Berlin und Köln unter dem

Probste von Berlin. 'I'angerznüude 19. April 1319.

(B4 Markgral' Ludwig Vet1)1'iCht das Gericht von Berlin nicht zu vcräussei'n.

k Berlin 1. Juni '1348.

(H.) Jacob Heidicke ergicht sich mit Leib und Gut dein von Branden-

1 burg. Berlin 2. Mai IRO.'

(B.) Von des gerichts und schultenampts wegen zum Berlin wi das margrirave

Ludwig Til Brücken zu angefehle gelihen hat, ein brief, mi Til Drucke das

m dem rat verkauft hat der ander brief, 'nzarg jrave los( brief der drille

auch daruf lautende, sind a ii e d r e i mit einem faden zusamen gebunden und

yezeicht mit dem m. ilem dorin ist berurt mi Wesendal zu dem gericht gehen

hat etc. di brief sind mit anhangenden insigeln versigilt.

HJ Graf Otto von Iloyen bekennt vorn Kurfürsten Friedrich init allen Gütern beil

lehnt worden zu sein, die ihm von der Mark zustehen. o. 0. 8. .litiii 1447,

(B.) Brliderschaftslji'jef des Abts Johann von Moriniurid für den Kurfürsten 110(1

o seine Gemahlin und den jüngeren Bruder Friedrich. Lelinin 23. ( )ctober 1440.

(S.

I.) Erzbischof Günther vonMigdehui'g, Ku rfü rst Friedrich und desnn Bru der

er

Friedrich Schliessen (-inConipiomiss und wiilileii den Erzbischof 1)ielricli Voll

Köln zurul Obmann. langeniiüntle 28. Mai '1443.

Keiser Siginundes pargaminten credenz geschriben an das heiligen consilium

zu Basel, darin er in macht zu einem protectori des consiliums und gibt im

q alle macht von siner wegen zu tun, als ob er selber yegenwertik were, datum

Regen lburg etc.

{1egensbiit' 0. JJ.

N.

Keiser Kerls brief mit siner keiserlichen majestal an/tangendern insiyel s.ersigiht,

dorin er schreitet, mi marygrave Lodwig der Rainer und vtorggrave Ott

von Brandburg das niarggraventumb zu Laus icz den marg grasen zu Missen als

ein pfant versaczl haben mit seinem willen vor ein und zwenzig tausend mark

löliges silbers erfordischs gewichts und umb 10 000 schok grosser pfenige

prager snunze. dasselbe laut zu Lusicz ha: heiser Karl züi, sich gelest und das

her:oy Dolche von dec Sweidnicz sinem swa.ger eingetan sin leblag. wenn er

aber t'crslirbet, so wogen di obgnenten 'marggraven Ludwig und Ott und alle

ir erben und erbs-erben ntansgeslecht von irem leite gebern das gnanle lant

1 Bei Raumer (Bd. 1 S lautet dus Datum Freitag nach exaudi (30 Mai). während es

im Register Sontog cxaudi (25. Mai) heisst.


- 175

vorn keiser Karl, als von einem konig zu flehmen seinen erben oder nachkomen

ko?igen zu flehmen, widerlesen urn& 91 000 lotige marg silbers und 7O() schok

grosser pfeniye alles obgenantes gewicht und nunz etc. datum Pirn anno domini

13(i4 am sontag jubilate, ist ditsch.

Der egeschriben brif ist noch einer glichs lauts auch mit dem a gezeichend.

1 Pi rnu 14. April 1 3(!s,]

(K.) Keiser Karls brief mit siver keiseriic/ien majestal anhangendem insigel versigile,

der hell in, das margyrave Ludwig und Ott yeyonnel haben im und herzog

Bolcke von der Sweidnicz seinem swayer di marggraveschaf€ zu Lusicz zu losen

unib suich summe als si pfand stet marggraven Fridrich von Meissen und sinen

brudern. starben aber die ynanten margyraven zu Brandburg all erben

1 oder ir erben fürder an manneserben, so soll das fallen vf Venczia des keisers

ertsyeborn son und uf ander des keisers erben mansyeslecht; Wo aber die nicht

weren, uf marggrave Johann von Merhern in aller masse als di brief a sagen

di uber den anfal der mary zu Iirandbiirg und zu Lusicz gemacht sind etc.

datum Niireinberg anno domini 1303 am mitwochen vor palmarum. ist

duisch.

Nüinherg 2, Matz 13.]

(K.) Keiser Karls brief mit siner keiserlichen majestat anhangendem insigel versigilt,

dorin herurt ist, wi marggrave Ludwig und m[arggrave] Ott von Brandburg

im als eim konig zu flehmen gegennet haben das lant zu Lusicz von den

margyraven zu Missen zu lösen, das er [order herzog Bölke von der Sweidnicz

wolle intin, und dorumb das herzog Bolke suich lant zu Lnsicz sein lebtag

u.nabgelost inhalten scilie, so hat der keiser den ynanlen margyraven an der

losung ingelasseu •OO() schok grosser plienige prager münz etc. di obynanten

marygraven Ludwig und Ott und jr erben und erbes-erben munsyeslecht von

iren leiben yeborn wogen das ynante lant von im dem keiser oder sinen erben

nachkomen und der kron zu Ile/imen widderlosen, wenn si wollen etc. datum

Bagdissen anno domini 1361 am sontay cantate. ist deutsch.

Disser egeschriben brief ist noch einer glichs lauts und ist auch mit dem

c gezeichend.

[Nutzen '21. April 4G4.]

Konig Karls brief mit siner majestat anhangendem insigel t'ersiyilt, dorin

er sich verschreibet: suich verbcindnüB entscheide und gelobde, di herzog ltuprecht

pfalzgrave bei Bein zwischen im und niarygrave Ludwigen von Brand-

(i burg gefunden und gesprochen hat, di hat er gelobt und zu den heiligen yesworcn

zu halden, als di brief daruber gegeben uliweisen etc. datum anno domini

125() zu Baudissen am donerstag nach aller mann vostnacht. ist diitsch.

[Bautzen 18. Fehruar 4350.]

a) Von, bref.


- 176 -

(L.) Die Markgrafen von Meissen stellen Ludwig d. fl. und Otto einen Revers

e darüber aus, dass sie ihnen Stadt und Schloss Luckau, sowie andere Schlösser

in der Lausitz gegen Zahlung von 9000 Mark jeder Zeit zurückgeben werden'.

Straussberg 18. Octobcr 1350.

(V.) Vertrag des Kurfürsten und der Stände wegen des geistlichen Gerichts in der

Mittelmark, Priegnitz und Lebus. Berlin 17. Juni 1445. 1

(1,. Die Gebrüder Potenz erklären, dem Kurfürsten Friedrich Schloss und Stadt

g Lühhen verkauft zu haben. Lübhen 18. Octoher 4448.

(SI'.) Der Gebrüder Polenz Verschreibung über ihr Verhältnis zu den Markgiafen

lt von Brandenburg in betreff Saarmund. Berlin 4. Mai 1449.

Die Gebrüder Potenz gehen den Revers zu dein ihnen vom Kurfürsten Friedi

rich ausgestellten Geleitsbrief. Berlin 4. Mai 1449.

(L.1') Die Gebrüder Potenz quittieren den Empfang von 10 000 Schock für den

k Verkauf der Lausitz. Lübhen 10. October 4448.

11cm ein pappiren quitanz uf di obgnane suvime ist auch mit dem k

gezeichend.

Nickel von Polenz hegieht sich in den Schutz des Kurfürsten Friedrich. o. 0.

3. Januar 1441.

(P. Heinrich und Bolz von Torgau quittieren dein Kurfürsten Friedrich den Empfang

in

3.0 Gulden u. s. w., die sie für die von Polenz entgegengenommen haben.

Berlin 4. Januar 1449.

(P.J B. von Tor,-au stellt dein Kurf. für dieselbe Summe noch besonders eine

o Quittung aus. Berlin 4 Januar 1440.

Grenzregulierung zwischen dein Kurfürsten Friedrich von Sachsen und dem

o Kurfürsten Friedrich von Brandenburg. Melmendorf 28. April 1452.

(B.) Bischof Georg von Bamberg beleiht Kurf. Friedrich mit dem Kammeramte

des Stiftes. Bamberg 12. October 1464.

Keiser Kerls brief mit siner majestat anhangenden insigel versigilt, darin

tr lransümiret hat marygrave Ludwigs und marygrave Ott von Brandburg brief

der von wort zu wort darin gesc/riben stet und inhelt, wi di obgenanten marygraven

W.'encziow den ersigeborn son heiser Karls und ab er oder sin erben

nicht weren, herzog falke von der Sweidnicz und niarggrave Johann von Mar-

J Im Archivregister heisst das Datum donerstag nach Viii, die Angabe bei Riedel C. Bd. I.

S. 213 donerstag Viti ist für das Jahr 1445, in dem der dies Viii auf einen Dienstag fallt, gar

nicht möglich.


- I'17 -

herna etc, zu iren brudern und anwartern jr land I?ranbdurg und Lnsicz entb

pfangen haben. und ab di marggraven an menlich erben verstürben und tochter

liesen, den stillen dieselben anwarler igiicher tochter iOOLk) behmisch schah zu

irer utlriclitung geben. und die herren sullen sich alle titel und wapen gebruchen.

das hat der heiser besteliget etc. datum Nurcinberg anno domini 1363. des i

kai. aprilis. c ist latin. b

Disser vorgeschriben heiser Karls brief ist noch einer glich dem andern

und ist auch mit dem q gezeichend.

Nüruberg 18. März '1363.]

Nickel von Potenz sind das Land Lausitz begeben sich in den Schutz des

r Kurfürsten Friedrich. o. 0. 3. Januar 14'il.d

(Lt.) Die G raten Ijli'jelj und Bernd von fleinstein erklären, dass sie sich in den

Schutz der Markgrafen von Brandenburg begeben haben. o. 0. 24. November 1443.

(L(1'.S.I Ein vidimus habn geben di ran Luckow mit a.nhaugendcm insiyei] vers[igelt1

uber heiser Siqmiini/es majesiat-brief, geben hans von Poienczk uber das laut

und voysei zu Lusicz. dcrselb heiser Sigmunds brie/' rau wort zu wort dorin geschriben

stet, wi Hans von Poienczk und sein erben das qnante Land als pfant

b vor siben tausend achthindert und ue:tn und fünfzig schah be/imische'r groschen

in/tuben s ti llen uf otirsung etc. datum des'inajestat-briefs zu Nureiiiberg anno

domini 112 ,2 am sontag vor nalivit. Marie, datum des vidimus hell zu Luchow

anno domini 1450 am montag in den pfingsten.

[Nürnberg 6. September 1422; (las Vidimus: Luckau 25. Mai 1450.1

(VF.) Kiii'töi'st Friedrich setzt vor seiner Abreise zum heil. Grabe eine Regierung

c für die '/,iiI seiner Abwesenheit ein. Köln 20. Dezember 1452.

(I..F.) Revers der Markgräfin Katharina in hetreil des ihr vom Kurfürsten Friedrich

d verschriebenen Leibgedinges. [Vor dem Datum ist der Satz eingefügt : di copien

findet man wol in den andern registern. 1 1 Köln 9. Octoher 1452.

Herzog Friedrich von Sachsen verspricht, Mark-rar Friedrich von Brandenburi

e und seine Erben für die Bürgschaft bei dem Heiratscontracte des jungensichsischen

Herzogs mit Kai'ole von Savoyen schadlos zu halten. Weissenfels 18. Mai 1443.

a Von. b) Das ganze liegest ist, wie die Tinte zeigt, nachgetragen worden. c) Vorl. : des

XV. tages im uppriln. hier hat sich der Schreiber offenbar verlesen. d) Das Regest ist

von Hand B später hinzugefügt worden.

1 Eine Abschrift dieser Urkunde steht im Registerband 11 (R. '78, 11 St. A.) fol. 465 id.

12


II

F.)

- 118 -

Keiser a Frideric/ts briff di zeit noch Römischer könig mit seinem koniylieheii

Ciii erzbischofs Dii tericl4s von Meniz Frederichs morggrufen zu flravdbury Heinrich

und Ludwichs pfalzqrave'n bi Reyn ofgedricksen i'nsiyeln versigelt, darin si

sich zusammen setzen und önder forsten mit in zuziehen woln, das ei/ich gebrechen

der hilgen kirchen magen zu. besser weiß gehandelt werden, niii] l" inhalt

einer lati'nischen meinun;e darnach folgende, di also ußwisl das di isma der

hilgen kirchen dorch nicht 'aß moge gewandelt werden, den dorcli ein hilge gemeine

concilium das gegeben und qehalden sol werden zu Cosinitcz, daru poresi

Eügenius selber komen oder sine trefflich botschaft dorzu schiqken [soll') di genughaftig

wer etc. datum Nurembergk am sondage nach Dionisii anno domini 144..

[Nürnberg 11. October 1444.]

(L.) [)er Hat zu Leipzig bekundet, dass der Kurfürst von Brandenburg ihm eine

g Quittung über 1$)QO Gulden des Ehegeldes gesandt habe, welche aber gegen eine

nur auf 70O Gulden lautende umzutauschen sei. o. 0. 8. Juli 1445.

(Q. In dieseni Hegest sind 3 Urkunden zusammengefasst

1. Kurfürst Friedrich verspricht., Fr. Hümmel, K. Baumgertuer, Peter

Steinberger für die Summe von 700 Gulden schadlos zu halten.

0. 0. o. D.

. Peter von \Vtli erklärt, dass der Kurfürst Friedrich ihm nichts mehr

schulde. o. 0. o. D.

3. Cli. Imhof erklärt, dass Nickel Itodei im Auftrage des Kurfürsten dessen

Schuld an ihn abgetragen habe. o. 0. o. D.

Disse drei hriffe sind mit cmi faden zusammen gebunden und eime h gezegent.

(BJ Vertrag zwischen den Herzögen von Sachsen und den Markgrafen von Brandenburg.

[gegen Schluss des flegests ist der Satz eingefügt der bhniniß abeschrift

findet man ieoi in den andern regislern. 1] Naumburg 48. Juli 1441.

Der Herzöge von Sachsen und ihrer Bürgen Schuldbrief für Markgraf Friedb

i'ich wegen des Ehegeldes der Herzogin Katharina. Halle 3. April 4441.

p.

Die Herzöge von Sachsen versprechen, ihre Schwester Katharina dem Markgrafen

Friedrich zur Frau zu geben. Halle 3. April 1441.

a Bei diesem Regest setzt Hand B ein, welche die nächsten Rubriken bis an den Schluss

von T im Zusamnieuhange schreibt. b Ohne die Ergäuzung ist der Satz unverstAnd

lieb.

1 Eine Abschrift dieser Urkunde sicht im Registerbaude 9 R. '8, 9. St.-A.) loL. 4.


(N.)

- -

Die Markgralen Johann und Friedrich von Brandenburg und Kurfürst Friedrich

von Sachsen verabreden eine Zusammenkunft in Lichtenfels. Naumhurg 20. Juli

1441.

(V.) Schiedsspruch des Erzbischofs voll des Herzogs von Braunschweig

u. s. w. in der Streitsache zwischen Brandenburg und Sachsen. Halle 3. April

1441.

(v.) Einigung Friedrichs von Sachsen, Friedrichs von Brandenburg und Ludwigs

von Hessen über die Hinterlassenschaft der alten Herzogin von Sachsen. Leipzig

11. April 1443.

Der Markgraten von Brandenburg Einigungsbrief mit Herzog Wilhelm von

Sachsen. Sangerhausen 4. März 1450.

(13.) Die Herzöge Friedrich und Wilhelm voll und Kurfürst, Friedrich von

lt Brandenburg u. s. w. geloben das gesclilosseire Bündnis zu halten. Halle 3 April

4441.

(S. H. Eine Abschrift der Urkunde, durch welche Markgraf Friedrich dem Kurfürsten

Friedrich von Sachsen Senftenberg und Hoyerswerda abtritt. o. 0. o, D.

(II.) Einigung des Kurfürsten Friedrich, des Markgrafen Albrecht und seines Sohnes

Johann i nit Wilhelm von Sachsen auf Lebenszeit. Schleiz 28. August 11168,9

(M.) Erzbischof Oltos von Magdeburg Revers in betrell der ihm von Markgraf

Ludwig voll verpfli.ndeten Städte Jerichow u. s. w. Tangermünde

'23. November 1351.

(M.)

Erzbischof Otto von Magdeburg Überträ gt Markgraf Ludwig die Lehen, . die

b Waldemar vom Stifte gehabt hatte. Wittenberg 28, Juni 1336.

Urkunde Erzbischof Ottos voll und seines Domkapitels in betiefl

° S;iudow u. s. w... 1 o. 0. o. D. [utiit derir Zusatz: ist nicht fortier not zu

sckriben.1

(S.) Kurfürst Bijilott von Sachsen bezeugt, dass nach Besclilirss der Kurfürsten

cl der Markgraf Ludwig voll Brandenburg die brandenburgische Kurstimme führen

soll. Nürnberg 7. Januar 1356.

a) Das Nihere aber das Blatt, nur dcin dieses Regest verzeichnet ist, siehe S. 159.

1 Weitere Angaben enthält das Regest nicht Gemeint ist wohl die Urkunde, welche der

Erzbischof Otto nach der Versöhnung mit Markgraf Ludwig dein Römer am 2. Juli 1354 aus-

.stellt, durch welche er eiklart, Sandow Plathow u. s. w. erhalten au haben 'Riedel B. Bd. 11.,

. 357.


- 180 -

(B.) Bruderschaftsbrjef des Klosters zu Rittershausen für Kurfürst Friedrich.

e o. 0. o. D.

(L) Bruderschaftsbiief des Klosters zu Windsiteirn für Kurfürst Friedrich und

seine Gemahlin. o. 0. o. D.

(L,) Herzog Wilhelm von Braunschweig verschreibt seiner Gemahlin Cecilie, der

g Tochter Kurfürst Friedrichs 1. von Brandenburg, 2000 Gulden jFihrlichie Rente

u. s. w. als Leibgeding. o. 0. 9. Juni 1423.

Fürst Wilhelm von Wenden tritt, dem zwischen Brandenburg und Pommern

h geschlossenen Frie]en bei . a Temuphin 19. Juni 1427.

Disser egescliribcn brief ist noch einer glicher ineinun j von herzog Heinrichs

wegen von Mekelnborg auch mit dem h qezeic/mend. '

(14 Markgraf Ludwigs von Brandenburg Schuldbrief für den Burggrafen Johann

von Nürnberg. Berlin 4. September 1345.

(L.) Vidirnus der Vertragsurkunde Kurfürst Friedrichs und Katharina von Mecklen -

k burg vom 6. Dezember 1421. Das Vidimnus ist ausgestellt von Probst Friedrich

Yon Ilavelherg. n. 0. o. 1).

(V.) Emklüi'ung der Herzogin Katharina von Mecklenburg über ihre Uebereinknnl't

i mit Maikgraf Johann. Wittstock 16. März '1431.

Wichard von flochow geloht, nachdem er das Schloss Golzow zurückerhalten

hat, der brand. Herrschaft ewige Treue. Berlin 12. Januar 1416.

(AB.) Hans und Jasper von Arnim bekennen Schloss und Vogtei Boitzenburg von

o der Markgrafschaft Brandenburg in Pfand zu haben. Berlin 5. Juni '1427.

(L.B.) Johanns von Buch Revers in betreff der Einlösung von Jericlmow. Kyritz 0

o 26. Dezember 1334. 1

Glusser und fesch gehen dem Kurfürsten Friedrich einen Revers über die

p im Dorfe Birkholz gekauften Güter. Berlin 1450. o. D.

Markgraf Friedrich und die llerzäge Waitislaw und Barnion von Pommern

q setzen den Tag fest, an dem sie sich vor Lydien mit ihren Heeren zum Feldzuge

gegen Heinrich von Mecklenburg treffen wollen u. s. w. Goritz 20. April 4440.

a) Neben dem Regest sind am Runde Von A noch einzelne Satzteile zur Ergänzung des

Inhalts hinzugefügt worden. b) Zusatz von A. c) Das Regest ist von A geschrieben.

Ist der Datierung dieser Urkunde der Nativittsstil zu Grunde gelegt, so wäre nach unserer

Kaleuderrechnung 1323 statt 1334 zu setzen.


(.)

dB.

(L.)

ll -

Landgraf Ludwig von Hessen tritt der Erbeinigung Brandenburgs und Sachsens

a bei. Nauniburg 30. .April 1457.

R.

Erheinigurig Brandenhurgs und Sachsens. Naumburg 27. Januar 1/i51 •1

Erbvei'trag zwischen Sachsen und Hessen einerseits und Brandenburg anderseits.

Naumburg 20. April 1457.

Elisabeth von Pommern tritt an Kurfürst Friedrich den ihr von Nürnberg

1 zu gebenden Jahreszins ab. Soldin 13. Januar '146..

(L.) Stadt Nürnberg verpflichtet sklr an Kurfürst Friedrich, die Jahresrente zu

zahlen, die ihm von der Herzogin Elisabeth von Pommern verschrieben worden

ist. o. 0. 3. April 145.

(L.I Elisabeth v. Pommern verzichtet zu Gunsten des Kurfürten Friedrich aufschloss

und Stadt Uckei'inürnle, aur den Zoll in Garz u. s, w. Soldin 13. Januar 1465.

(N.) Friedrich von Polenz ühergiebt im Auftrage des Uochmeisters des Deutschen

Ordens die Neumark an Brandenburg. Köln 22. Februar 1454.

s.

11cm: disser brief ist noch einer und leit in der schatiel, dar das X ufstei.

2 dar leit auch di erste credenz .

(N,) Der Deutsche Orden verkauft die Neutnark erblich an die Mark Brandenb

burg. Mewe 19. September 1455.

Der Hochmeister des Deutschen Ordens weist die Neumark zur Erbhuldigung

an den Kurfürsten von Brandenburg. o. 0. o. 1).

[Art kurze Inhaltsangabe ist ebenfalls von Hand B folgende Notiz angefügt:

der briff leit war in der Netveri 4farck, s eine ware Abschrift des vor-

a) Zusatz von Hand A.

1 Dieselbe Urkunde ist sptiter in Rubrik Y unter c (S. 187) noch einmal registriert.

2 Siebe, S. 186; die Vollmachtsurkunde des Hochineisters für Potenz steht ebenda sub a.

3 Das Original der Urkunde lag - wenn wir den Zusatz recht verstehen - zur Zeit der

Anfertigung dieser Partie des Verzeichnisses in der Neuizark in Verwahrung und war also nicht

in der Menge der Archivalien, die nach Brandenburg abgegeben wurden. Daher ist dieses Regest

such nicht, wie die anderen, durch einen kleinen Buchstaben am Rande gezeichnet und ist nicht

in der Zahlung der Stücke der betreffenden Rubrik mitgerechnet. Die Buchung dieses Documentes

gehört demnach gar nicht in (las vorliegende Register. Der Kanzleibeamte B) hat es,

angeregt durch die verschiedenen diesem Stücke inhaltlich nahestehenden Urkunden, welche in

dieser Rubrik verzeichnet sind, wohl nur deshalb an dieser Stelle aufgeführt, um den ausdrücklichen

Hinweis auf den Aufbewahrungsort des s elben anbringeu zu können, welcher der Verwaltung

in Erinnerung gehalten werden sollte.


- -

la.ssangs . bri/7' stet in dein ejis1er das angehoben warl, alll mein g[nediyenl

h[erre, vom Iteilgen grobe qwam. - Ani Jtaiide led der Sclrreilter C später den

Vermerk liiiizimg. setzt /iabn di von Köniysb&rg 2 gehabt, und uf begern meins

alten q[nediyen 1 herrn marqgraff Albrecht hieher yen Cola qeschickt, deß in

mein gInedigerl herre von Lubus R ein idimus vf ir ersuchen gegeben hat; ist

gelegt bi den andern briten des honzeister.]

Der Revers der Markgrafen von Brandenburg, welcher (lern Orden

c über den Kauf der Neummiark ausgestellt wurde, o. 0. o. D.

[Unter dein die Notiz: des refers abeschrift ist dorbei gebunden.]

Kurfürst Friedrich und der Hochmeister des Deutschen Ordens verpflichten

d sich zu gegenseitigem Beistande. Marienburg 1. October b 1455.

(S.) Der Huchmeister des I)eulschen Ordens weist (las Gebiet von Seliievelhein

zur Huldigun g an Brandenburg . Ma rienburg 12 August 1 ffl.

Disser brifT ist noch einer gliclis lUits och mit eim e gezejen.

(S.1 Ein gleicher Brief des Hochnieisters für Driesen [vermutlich mit demselben

Datum].

Der Ilochmeister des Deutschen Ordens erklärt, dass Jorg von Egloffslcin ohne

sein Wissen dein von Aruswalde die alten Privilegien zurückgegeben habe. Marienburg

2. Februar •1 45(;

11cm des homeisier missira ist bi diilen obgesc/iriben briff gebünden.

(A.) Jorg von Eglotfstein bekennt den von Arriswalde ihre altern Privilegien ohne

ii Wissen des Hochmeisters des Deutschen Ordens zurückgegeben zu haben. Köln

a, d. Sp. t3. Dezember 1455.

ILt Bruderschaftsbrief des Deutschen Ordens für Kurfürst Friedrich. Mai'ienburg

1 1445. o. D.

Der Hochmeister des Deutschen Ordens befiehl(Egliniger uni Schlegel dem

k Kurfürsten Friedrich Grüneberg, Königsberg u. s, w. einzuräumen. M;nrmenburg

'2. Oktober 1455.

(N.) Der Hochmeister des Deutschen Ordens befiehlt H. v. Köckeritz und Dietrich

1 Kaltenborn dem Kurfürsten Friedrich die Güter Forstenl'elnl mi. s. w. einzuräumen.

Mamienburg ‚2. October 4455.

a) Vorl. b) Im Register ist irrtümlich Inc>etag nach michael statt initvuch nach michael gesetzt.

1 Diese Abschrift ist in dem betretleadcn Registerbande R. 8, 11) n je h t zu finden.

2 Königsberg in der Neumark ist natürlich gemeint.


Dietrich Kaltenliorn (fuittiert. dein Kurfürst Friedrich den Empfan g von 300

In Neu-Landsberg 26. April 1 46.

Chr. Eglingers Quittung über 50 Gulden, die ihn) Paul von Konersiorf geil

geben hat. o. 0. o. D.

(0) Graf Jorg von llennenber g erklärt, dass Kurfürst Friedrich die ihm vom

0 Deutschen Orden zur Aufhewahrun übergebenen Privilegien ii. S. W. sämtlich

zuriirkeIiefeit habe. Berlin 26. Januar 1456.a

Item: ein abcsc/Lrift ist 1i den brif gebunden des registers der selben privilegien.

(0). Hans Voll Kotzow, Heinz von Aufsess, Hans Itahenstein vermitteln zwischen

p Markgraf Friedrich und (leni Ilochmeister des Deutschen Ordens. Frankfurt

-i:t. Auriist -1447.

(0.) 11. von Biebeistoin .hcgiebt sich mit Beeskow und Stoi'kow in (ICH Schutz

der luandenhurg. Mark grafen. Frankfurt 21. Ortober 1443.

el

W 41

Der Probst voll Franz Steger, s1ji'iclit. deni Kurfürsten Friedrich das Hecht

zu, sich ungehindert von ilitmi und seinen NacIilolgern einen eigenen 1 >fairei für

die Schlosskapelle zu Köln zu halten. o. 0. 27. September 1452.

(II.: Wenzel von Bieberstein verspricht für sich und seine Erben denn Kurfürsten

Friedrich von seinen Herrschaften Beeskow und Storkow seinen Vettern von Bieberstein

nichts verkaufen, verpfänden oder dergl. zu wollen. l3ceskow 6. Dezember

1441.

BL.) Wenzl. von Bieheislein erkennt Kurfürst Friedrich als Landvogt der Lausitz

d an. Berlin 1 b Januar 1449.

(L.) Heinrich von Maltitz erkennt Kurfürst Friedrich für Schloss und Stadt

Kalau als Vogt der Lausitz an. Cottbus 10. Dezember 1450.

(c.) Luther voll verträ gt sich mit Kurfürst Friedrich und verbrieft ihm

für seinen Anteil an Kottbus (las Vorkaufsrecht. Cottbus 3. August 1452,

(L.) Die Stadt Sonximerfeld verpflichtet sich heim Kurfürsten Friedrich zu bleiben,

g bis ihm das Geld, (las er auf die Lausitz gegeben hatte, vollständig ausgezahlt

ist. o. 0. 4. März 1459.

a Von. montag nach conversio Pauli anno domini 1456 d. h. 26. Januar 1456; bei Riedel

(13. Bd. IV. S. 4K),' die Jahreszahl 1455, darnach ist der 2. Januar 1455 anzusetzen.

h) Im Register heisst das Datum irrtümlich: mitwocli nach des newen jarstae. Der Neujahrstag

fiel mi Jahre 1-149 selbst auf den Mittwoch; das nach. ist sicherlich zu streichen, wie

es auch im Drucke bei Riedel (B. Bd. IV. S. 416 fehlt.


L.) Der Abt und Convent von Lehnin versprechen alle Jahre eine Momorie für

h die Vorfahren und Eltern des Kurfürsten zu halten. Lehnin 19. Juli 1459.

(D. Unter i sind 3 Urkunden zusammengefasst:

1. Kurfürst Friedrich sichert dem Kloster zu Dobrilugk seinen Schutz zu,

nachdem es ihn als Vogt der Lausitz anerkannt hat. o. 0. o. D.

2. Kurfürst Friedrich verspricht der Stadt Guben, sie in ihren alten Privilegien

u. s. w. ungehindert zu belassen und zu schirmen. o. 0. o. D.

3. kurfürst Friedrichs Schuldbrief für Heinrich von Torgau und seine

Schwester Margarethe über 300 Gulden. o. 0. o. D.

[Hierzu der Vermerk: sin alle drien a zu ii offen gebunden.]

(S.) Die Familie Stroban(l verpflichtet sich, die Rente, welche sie an die Kalandsk

brüder verpfändet hat, in 4 Jahren zurückzulöscn. o. 0. 12. Februar 1456.

(P4 Reinhard von Cottbus erklärt mit Schloss und Stadt Peitz vom Kurfürsten Frieda

rieh belehnt worden zu sehr und verspricht der Herrschaft stets ein treuer Lehiimann

zu sein. Frankfurt 15. April 1448.

L) König Ladislaus von Böhmen bestätigt als Kurfürst die Privilegien, welche

b die Markgrafen von Brandenburg von den Kaisern Sigismund und Friedrich erhalten

haben. Wien 8. IJezemher 4452.

(G) Lehnbrief des Königs Georg von Böhmen für Kurfürst Friedrich über

c Cottbus, l'eitz u. s. w. Guben 5. Juni 1462,

C.)

(11.)

Reinhard von Cottbus verkauft Land und Stadt Cottbus den Markgrafen Friedd

rieb d. Adt. und d. J. Cottbus 18. Juli 1 4445.

Bündnis Königs Georg von Böhmen mit Kurfürst Friedrich und seinen Brüdern.

Eger 25. April 1459.

Aussöhnung des Kurfürsten Friedrich mit König Georg von Böhmen. Guben

5. Juni 1466.

aJ Von. d yen. b) Hier setzt wieder die hand Ilowecks ein, welche die Regcstcn fortlaufend

bis an den Schluss der Rubrik X schreibt.

1 Riedel hat mit Unrecht diese Urkunde H. Ltd. IV. S. 350) auf den 15. August angesetzt. Ihr

Datum: sontag Arnolh [Usst keinen Zweifel, dass der 18. Juli gemeint ist. (Grotefend Zeitrechnung

des Deutschen Mittelalters u. s. w. Hannover 1892, Bd. 1 S. 12.) Dieselbe Urkunde ist auch in

Rubrik D unter i verzeichnet (siehe S. 165).

-


1K) -

(E.J Bündnis der kurtiirsleii I)ieirich von Mainz, Ptäizgraven Friedrich und Markg

grafen Friedrich von Branderibuig fituheig 1. März 141H

Diether von Mainz verpflichtet sieh, )ac.liileiii Kurfürst Friedrich von Brandenb111

.- seine App Ilairori unterstützt hat, eine Einigung mit giem Papste nicht eiltzugehen,

bis (1er Kuitürst in hetreff dieser 15 lorstützi.irig gesichert sei. a Nurnlei'

1 .\biiz 1461

Ktiitiirst Fiie:iiicli bekennt, dass K tiriflist Friedrich die gelngeiieii siichsiselten

Unterthanen fieigeiasseii hat. Naitinlinig 28.Jannar 1 4l

Diether von Mainz,

in dcii Kurvereiii tilgenoiniiieii, leistet dem Kuifüistrn

k Friediicli vuii Rrandeiibiirg das Gelübde üritleig 6. März 1461.

(E.) Pialzgial Friedricb, iii den Kurverein aii4anoininen, leistet dem Kurfürsten

1 'rirIrili von Ifranileiihuig las Gelübde. N ürriheig 6 März 1461.

Die Aeble.ssiii Elisabeth vii Gaiideislieiiii belehnt Kurfürst Friedrich

m erblich mit der 1-letisehatt Deinihiirg Köln . April 1451.

(S.) Keser Sigmunds brief mtl seinem an/in tojenden insiyei, der rjehewt dem Land

zu Wenden, so si ton den herren von Wenden verlediget cii £od sind, das si sich

LI erblich zu der Mar j Ire/den und m [arygrave ] l,'lridricitl oder seinem qewult.

lruldun9 tun sul/en. datum Prage an sand Lin/rarts Lag anno etc. :3i. -

[Prag 6 uveiidcr 146.

(C.) Agnes von ( ottbus quittiert dciii Kuifürsten

Friedrich den Ein iIang von 3(31)

o Schock neuer Nfeissnischer Groschen. o. 0. iJ. Juni 1 46.

Herzog \Vilhcliui von Sachsen bestätigt, lass König Georg von liühuiieii dciii

p Kurlursten Friedlich das Land Umsitz für dieselbe Sumitie mit dein Rechte des

Wiederverkauf., will, verschreiben tut die es Hans voll Potenz versi:hrjeheii war.

V--er 25. April 149.

Die t)(i(ieti •Jinoit vati I toieriz eikiflien

sich veneii tiller Ansprüche zufrieden-

‚ gestellt., die sie behelfs ihrer Rechte auf Lausitz und Senflenberg an den Ku,tüisten

L"rieilrieli gehabt. Berlin 3. Januar 1449.

x.

l3evollniächtigungssehieiben des Hochmeisters des Deutschen Ordens für Fr.

von Poienz zur Verrichtung gewisser A'ift.iäge beiiri Kurfürsten Friedrich. Marienburg

1'i. Februar 1454. 1

a) Vorl. es sei cianir das m{arggrave] F[riedrich5 versorgt. sei

1 Diese Urkunde ist im Rubrik S, in einer Notiz zu a iS. 1 8tt wo sich bereits ein ilegest

der hier unmittelbar lotgenden Urkunde des Fr. von Poleni findet, erwtthrit


18; -

tX.I Fiedricit von Puleira erklijrl im Auflra.e des Hochmeisters des Deutschen

h Ordens das Land über Oder für 40000 Gulden dem Kurfürsten Friedrich erschrieben

zu haben. Köln a. d. Sp. 22, F'ebru;ir 1454.

nden-

Graf Bothc) von Stolberg un(I Wernigerode bekennt sich als Vasallen Bra

burgs. Zeihst 1. Mai

(W) Graf Heinrich von Stolberg und Wernigerode irinimt nach denn Tode seines

1 Vaters die Grafschaft Wernigerode von Brandenburg zu Lehen. ii. 0. 1. October

Graf Bothin von Stolberg und Wernigerode verpflichtet sich die Flölfte voll

e Wernigerode in ‚ Jahren ren vom Grafen Heinrich von Schwa rzburg zu nückzulöen.

Freiburg 20. Januar 1451

(Vf.) Stadt und Stände der Grafschaft Wernigerode erkUöerr, sich in dem Falle,

(lass die Grafen ohne Manneserben verst rirljeni, für alle Zeiten zu der Mark Bra ndernburg

halten zu wollen. o. 0. 8. ()rtober 1452.:

Stadt und Stunde der C-rutscliatt Wernigerode erklären, das, sie sich hei

Lebzeit ihrer Grafn an keine andere Herrschaft, als die Markgrafen voll

weisen lassen werden. o. 0. 25. Juni 1452.

(A.L.;r Ludwig von Arnim gelobt auf die ihm von Kurfürst Friedrich verliehenen

h Hebungen aus dein Zolle zu Liebenhaig ein gehorsamer und treuer Lelrnsrnann

zu sein. Berlin tI. Mai 1456.

Hans und Bernil von Torgau geloben auf die ihnen vorn Kurfürsten Friedrich

i zu teil gewordene Belehnung irnit den liörfern Kerzendorf, Lauenburg etc. der

Herrschaft Treue und Gehorsam. o. 0. 5. Februar 1462.

(B.} Achim, Albrecht und Otto von Blankerihirrg stellen Kurfürst Friedrich

k einen Revers über die Belehnung mit Sc1ilos Wolfshagen aus, durch den sie die

Einhaltniirg ihrer Lehnspflichten garantieren. Köln a. d. Sp. 0. August 1456.

(liii.)

Hasse von Blankeul:ur'g hegiebt sich aUer Rechte aur das Schloss Ziehow, woi

für er von Kurfürst Friedrich entschädigt worden ist. Köln a. ii. Sp. 11. November

1456.

Graf Bernd von Beinstein, vorn Kurfürst Friedrich mit der lieriscliaft Dennburg

befehnt ‚ gelobt Treue und Gehorsam. Köln a. ii. Sp. 4. April 1451.

Georgs van \Valdeinfels Revers in beireff Buir\valde. Köln a. il. St r . 17. l)eo

zennber 4451

Bevers der Brüder Claus und Hans von .‚'niim wegen ihres Belehnung, mit

o Schloss Zichow. Kühn ;i. d. Si). 14. August 4456.


(L.)

(v.)

(V.)

(13.)

I1;iiis voll

nimmt den hof zu Reilershi'iijui für sich und seinen

Bruder Veit v011 der Mark Brandenburg zu Lehen. o. 0. 25. Juni 14.

hein ein pgnt brief, dorin sind etlich des Girziks' brief, di zit gubernator,

q herzog Heinrichs von Crossen und et/ich f'reintzbrief und ander missiven qese/teen

im kriqe mit dem lande zu Lusicz und herzog Heinrich etc.

Die Wilhelm Herzöge und Albrecht voll vermitteln in der Fehde

zwischen König Georg von 135)inien und Kurfürst Friedrich. Bi-fix 17 Januar

4

knig Georg versöhnt Kurfürst Fridrich mit dem Bischof Georg von Barnib

bei-. Prag '23. August 1463.

Et'ls4tiiung des sächsischen und des brandenburgischen Fürstenhauses. Naumc

J)Ill'g 27. .Tarivar 145 -1 .2

Vi Bericht des Laudgi'afln Ludwig von Hessen über (hie Einigung Friedrichs

voll Sarheii, Kurfürst Friedrichs von Brandenburg und des Grafen von Schwarzburg

eti. Naunthurg 27. Januar 1 4M.

(13.)

Ewiges Biiiidtiis des Bislhums Halberstadt b mit der Mark Brandenburg. Grillhingell

II. Oc.tober 1377.

\larkgraf Friedrich von Meissen, Herzog Magnus von Braunschweig, Graf

Dietrich von Elohetistein, Friedrich von Schönenber g bekunden, dass Schenk

AUii'erlit von Landsberg die Streitigkeit wegen 'l'rehhin, Bärwalde u. s. w. entschieden

habe. Wittenber g 1 37 (. ]).'.

Die Mat'kt'al'en von Bi'ileuhurg und herzog Wilhelm von Sachsen ver -

pihichton sich auch nach dci' zwischen Brandenburg und Sachsen erfolgten Ei nigung

ihrem früher abgeschlossenen Vertrage treu zu bleiben. Freiburg 123. Jajiwir

1 11»

o Bei \ beginnt die dritte I1snd, von welcher die Regesten bis stirn Schluss geschrieben sind;

sie ist uns in Zusätzen etc, vereinzelt bereits an früheren Stellen begegnet, auf S. i73 in L.

und in • M.. b Von. Ilavclberg ohne Zweifel irettlinlich statt Hulberst,adt. c In der Vorlage

steht die Jahreszahl 110'7, welche nur aus einem doppelten Versehen des Schreibers zu erklären

ist. Einmal hat er sich in den Jahrhunderten geirrt, dann aber hat er auch die Angabe der

Zehner im Datum weggelassen. 1) Vorl. 1455, verschrieben für 1 451.

1 König Georg von Höhnen,

- ‚2 Dieselbe Urkunde ist auch in Rubrik R unter b registriert S. 181).


188 -

((.1 DieMar'kgrafeii l"iiedi'icli ii ..\eR. und d . J . setzen eine (1nission votil

h 'k ICilen Oifl /Ul' IjlfsiIli'j(IlIiJ1,' deu in 1)0110ff (liS ilei' im

Kriege erlittenen NI:il.z lidiIeii. WiIiiark 1451.

10.

(P.) Die Cebiitdet Jacob \oJ1 loIetiz hekeiitieri, lass sie vom Kuitürslemi Friedrich

i für den Veizicht auf (110 Angetille iii Sitaiiiiund genü'4end entschädi gt worden

sind. Köln a. d. Sib. W. I"ebruai' I4)6.

Ein vidinsus einer missire di konig I"r 'drich an marqqrave Fridrich churfursten

geschr,ben hat, darinne er von im beqert dem von Ebrechstorf von wegen

k siner koiniglichen1 vwjestat das /an( zu, Lusiz abzutreten gen Jr /1s/Itj aacJ

laut keiijer Sigmunds brve ; durch ein probst zu Kemenitz' descuiti'rt.

[o. t). ii. 1).]

Fleizog UIiitli von M(Lldel1hlii viihönile! sich mit Kiti'türsI 1 'is.hicli gegert

1 die Herzöge Voll Poiiitiiiiietii-\Volast. Riiliii 1's68. (o. 1).)

IN.) Christ. Vogt Jhin.ei, dei NeUtilarIt, erkliiit, dass er die Ncutiiaik lii

m Kitilürst gewiesem haue. o. 0. Ii. April 144,

S.) ii .I,)ie Stadt Spiernberg hiuldi'I Ktifürst Friediicli. Sj)renlherg Octotiei 14,

(1..)

z.

s---.--'

Dci Probst, P)ioi u, w des kloslei's zu Lauterlierg t Ion au! Begehren

a des 1. uih'ütstemi 1"riedtich das Kloster Mieheln ah. o. 0. 1 Juli 1.166.

In der obynaneen laden liegen etlich brite das lant :u Luso'2 o r/7, u1

b margyrave Fridricht chur/urst das ingehiabt, und suntleriich zwen bruee einß

lauts .....dii Stadt Li'ihhen Inildigt Kittl'iirst Vvieilrirh und seitiCil Erben tili

ewige Zeit. o. 0. o. lt.

(Ii.! hem. IJic I,Trhuiitleti einiger 1 Berliner 13üi'gei', ihiii'cli welche .i eh iiii'li 1(111

c Uei'hiiier tJnvilIeii ileti biurilit]uiigi.cIteit _\iai'kgiitteii Versclireib(Ii

a Keinerich ? b; Verl. sunabciid v,r judica nach Christi geburt 1411 wäre der 28 März

1444. Dieses Jahr ist nicht möglich, denn zu dieser Zeit war Eg1u och gar nicht Vogt

der Neumark (siehe Voigt, die Erwerbung der Neumark, Berlin 1 Hi; S 403) Sicherlich

liegt hier ein Irrtum des Sei. rcihrs vor die Urkunde gehört wohl in hIC .Jahr 1451.

1 Das Ilogest im Archiv verzeichinsse gieht die Zahl und die Namen der Bit rger nicht an, e heisst

in demselben etiicber burger zum Berlin hrive

-- .

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