Valeria oder Vaterlist, ein Lustspiel in fünf Aufzügen (die ...

booksnow1.scholarsportal.info

Valeria oder Vaterlist, ein Lustspiel in fünf Aufzügen (die ...

M 105-107. Neue Folge No. 55—57.

Deutsche Litteraturdenkmale

des 18. und 19 Jahrhunderts

herausgegeben von August San er

VALERIA ODER VATERLIST

EIN LUSTSPIEL IN FÜNF AUFZÜGEN

(DIE BÜHNENBEARBEITUNG DES „PONCE DE LEON")

VON

CLE^.^^NS BRENTANi;

HERAUSGEGEBEN

VON

REINHOLD STEIG

< BERLIN W. 35

B. BEHR'S VERLAG (E. BOCK)

1901


Einleitung.

Das Manuscript, nach welchem Clemens Brentano's

Lustspiel Valeria oder Vaterlist hier im ersten

Druck erscheint, ist von Copistenhand hergestellt und

befindet sich in der Bibliothek des k. k. Hof-Burg-

theaters in Wien unter No. 431. Es wurde mir 1897

von der Direction gütigst zur Verfügung gestellt. Der

Druck schien deswegen geboten, weil Brentano selbst

seiner Zeit schon an eine, nicht verwirklichte, Veröffentlichung

dachte, und weil dies Lustspiel für uns

den Abschluss der auf die Bühne gerichteten Bestrebungen

Brentano's bedeutet.

Valeria oder Vaterlist ist die 1813 in Wien

hergestellte Bühnenbearbeitung von Brentano's zehn

Jahre früher hervorgetretenem Intriguenstücke Ponce

de Leon. Goethe hatte, 1800, in den Propyläen einen

Preis auf das beste Intriguenstück gesetzt, die Manuscripte

der concurrirenden Dichter vor Mitte September

desselben Jahres eingefordert und versprochen,

dass die sich zu einer Vorstellung eignenden Stücke

aufgeführt, sämmtliche Arbeiten aber in den Propyläen

recensirt werden sollten. Brentano, damals noch ein

junger Mann und in der Jena-Weimarischen Bewegung

treibend, liess sich von Goethe gern die Richtung

geben. Ohne Muster vor den Augen, folgte er allein

der Fröhlichkeit des eigenen Herzens. Er strebte, das

Komische und Edlere hauptsächlich in dem Muthwill

unabhängiger, fröhlicher Menschen zu vereinigen. Ihre

I*


V

Einleitung.

Sprache hielt er durchaus frei uud mit sich selbst iu

jeder Hinsicht spielend. Die Aufgabe, die er sich in

seinem Intriguenstücke stellte, war: die aussichtslose

Liebelei zwischen dem phantastisch tcändelnden Edelmann

Ponce de Leon und dem in ihn vernarrten

Bürgermädchen Valeria, durch die Beihülfe der An-

gehörigen, in die vernünftige Verbindung Ponce's mit

der edlen Isidora und Valeriens mit dem treuen Por-

porino überzuleiten, ßrentano's lebhafte Beschäftigung

mit spanischer Litteratuf^Tieferfe ~ den äusseren Zu-

schnitt und Sevilla mit Umgebung als Local der

Handlung. Am Rhein und Main kam das Stück nach

wirklichen und phantastischen Erlebnissen des jungen

Dichters zu Stande. Rechtzeitig wurde es niU dem

^lotto : „Lasst es euch gefallen" Goethe eingesendet.

Da die öffentliche Kritik der Stücke ausblieb, forderte

Brentano brieflich am 8. September 1801 sein Eigenthum

zurück, und erhielt es, wiederum ein Jahr später,

mit einem Schreiben Goethe's vom 16. October 1802

zugestellt. Die Briefe sind in den Schriften der Goethe-

Gesellschaft (6, 231. 14, 76) gedruckt.

Nunmehr Hess Brentano das Stück bei Dieterich

in Göttingen drucken. Die Einleitung datirt bereits

vom Januar 1803. August Winkelmann besorgte die

Correctur, griff aber wohl auch in Text und Vorwort

ein. Ich beziehe mich dafür ein für allemal auf mein

Buch über Arnim und Brentano 1894. Wir haben

im Einzelnen für die Correctheit des Textes, besonders

auch der Namen, keine Sicherheit. Die Copistenarbeit

des Bühnen-Manuscriptes stellt uns in dieser Hinsicht

nicht günstiger, so dass kleine Differenzen unbeseitigt

bestehen bleiben mögen. Der Ponce de Leon erschien

erst 1804. Seine Entstehung ging also immer in

Jahresschritten vorwärts. Diese einfachen chrono-

logischen Thatsachen standen aber Brentano selber

nicht mehr fest, als er die Einleitung zu dem Ponce

zu schreiben begann.


Einleitung. V

Diese Einleitung ist merkwürdig für uns. Sie

bereitet weniger das Yerständniss oder den Genuss

des Lustspiels vor, als dass sie des Dichters inzwischen

„sehr veränderte Ansicht von dem, was ein Lustspiel

überhaupt sein sollte", darlegen und rechtfertigen will.

Was Brentano jetzt über das Komische und Lustige

an~slch" sagt, geht eigentlich gegen Goethe's Erwägungen

über Charakter- und Intriguenstücke in den

Propyläen. Goethe hatte brieflich zu Brentano das Urtheil

ausgesprochen, das Stück vertrage eine Darstellung

auf dem Theater nicht. Dem gegenüber gab

der Dichter die Möglichkeit der Aufführung seines

Stückes nicht verloren. Zwar hatte er 1802 in Dussel'

dorf bei dem Theater, das seine lustigen Musikanten

aufführte, mit dem Ponce kein Glück gehabt; er

dachte mit Zittern, wie er humoristisch sagt, an die

Leseproben der Schauspieler-Gesellschaft und an die

dicken Rötheistifte des Directeurs zurück ; es über-

schlich ihn wohl das Gefühl, die Aufführung, sollte sie

irgend ein Theater wagen, möchte nicht ganz gelingen.

Dennoch aber erbot er sich am Schlüsse der Ein-

leitung, sein Lustspiel auf Begehreu eines Theaters

selbst für die Aufführung zusammenzustreichen oder

umzuarbeiten. Da Weimar nicht mehr für ihn in

Betracht kam, fasste er Berlin und Wien ins Auge.

Die Berliner Bühne unter Iffland, von dem,

während der preussischen Reformjahre, die Werke

Kleist's und seiner Freunde principiell ausgeschlossen

wurden, hätte sich am wenigsten für eine so schwierige

Aufführung, wie die des Ponce, bereit finden lassen.

In Wien lagen die Dinge politisch anders. Hierher

wandte sich Brentano von Prag aus 1813. Er trat in

einen ihm sehr erwünschten Verkehr mit dem Theater

und mit Schauspielern ein. Er brachte eine Anzahl

patriotischer Gelegenheitsdichtungen auf die Bühne. Es

ist mir ein ungedrucktes, mit der schlausten Gewandtheit

abgefasstes Schreiben Brentano's an den Grafen Ferdi-


VI

Einleitung.

naud Pallf^ bekannt, der 1811 k. k. Hoftheater-Director

geworden war. Der Dichter erfreute sich also hoher

Connexionen. In Brunner's Buche über P. Hoffbauer

(S. 172) findet sich die absichtslose Bekundung, Bren-

tano habe damals nach einer Anstellung in der Kanzlei

des Hoftheaters gestrebt: eine Nachricht, auf welche

die wunderlichen Versuche Brentano's, sich oder Arnim

au die Stelle des gefallenen Hoftheaterdichters Theodor

Körner zu setzen, das richtige Licht werfen (an

Arnim S. 322). In Carl Bernard's Dramaturgischen Be-

obachter begann Brentano eine stehende Theaterkritik

zu schreiben. Kein Wunder, dass sich Verhältnisse

ergaben, in denen sein alter Wunsch, den Ponce aufzuführen,

durch die Ermuthigungen vermeintlicher und

auch wirklicher Freunde neu sich regte. Die nöthigen

Anstalten wurden getroff'en. Am 18. Februar 1814 ging

das Lustspiel in Scene. Es fiel durch. Eine Zeitungspolemik

machte den Schluss.

Bevor ich auf diese Dinge eingehe, suche ich die

Frage zu beantworten, wie sich die Bühnenbearbeitung

zur Originalgestalt des Lustspiels verhält. Ich will aber

nur die Hauptzüge hervorheben.

An der ursprünglichen Anlage und dem Charakter

des Stücies' ist eigentlich nicht geändert. Auch dass,

der neuen Titelfassung nach, Valeria mehr in den Vordergrund

gerückt erscheint, bedeutet nicht einen neuen

Gang der Handlung. Von Hause aus war durch Ponce's

(oder 1813:Lope's) und Valeriens Gestalten, fehlerhaft,

das dramatische Interesse nach zwei verschiedenen

Richtungen hin getheilt worden, und ohne die ausserdem

noch stark hervortretende Vaterlist Sarmiento's

hätte der Dichter schwerlich einen Abschluss der Verwickelungen

gefunden. Brentano's neue Wiener Aufgabe

bestand darin, für die Aufführung eine Vereinfachung

der Situationen herzustellen. Das Zusammenstreichen

ist auch gründlich von ihm besorgt worden.

Man vergleiche nur den Gesammtumfang der Bühnen-


Einleitung. VIT

bearbeituüg mit dem des Ponce. Im ersten Aufzuge

z. B. sind gleich die Scenen 1 und 2 stark gekürzt;

der dritte Auftritt der „Valeria" zieht unter vielen

Auslassungen die Originalsceneu 3, 4, 5 und 6 zusammen

; die Maskerade wird so rasch abgethan, dass

das Ende des siebenten Auftrittes bereits in Scene 16

•des Originals einschwenken kann. Einzelne Scenen

von früher fallen gänzlich fort, oder werden zum Theil

auch wieder in mehrere zerschnitten. Der erste Act

des „Ponce" hat 23 Scenen, derjenige der „Valeria"

nur 14. Und so fort durch die übrigen Aufzüge. Ich

müsste die nöthige Bühnenkcnntniss besitzen, um entscheiden

zu können, wie weit diese scenischen Veränderungen

von den praktischen Erfordernissen der

Aufführung abhängig sind.

Ganz neu dagegen ist der Ausgang, insbesondere

der Schlussact, des Lustspieles gearbeitet. Der „Ponce"

enthielt keinen Vermerk über die Zeit, in der das

Stück spiele. Nur daraus, dass Sarmiento als spanischer

,.Obrister bei der Armee in den Niederlanden" steht

und vom Krieg in Flandern die Rede ist, folgte für

den Leser die Vorstellung einer ideell bestimmten Vergangenheit

spanischer Geschichte. In Wien 1813 aber

machte Brentano „unsre Zeit" zur Zeit der Handlung

seines Lustspieles. Damit war den Freiheitskriegen

und anderen Verhältnissen jener Tage die Einwirkung

auf das Stück eröffnet. Sarmiento ist jetzt ein

„spanischer Offizier in Amerika". Er kehrt in sein

vom bilden Krieg verheertes Vaterland zurück, erhebt

die jungen Männer aus lockerem Tändeln zu ernster,

treuer Liebe und entflammt sig zum Freiheitskampfe

für das Vaterland. Sie treten als Offiziere bei der

Kriegerschaar mit ein, die Sarmiento in die Pyrenäen

führen will. Der_Schhiss des Lustspieles zeigt

uns die jungen Männer in militärischer Uniform, dem

„Ehrenkleide ihres siegreichen Vaterlandes", Porporino

mit der Fahne, die er ,.zur Ehre seines Volkes,


VIII

Einleitung.

seines Stammes trägt." Von Begeisterung sind Alle

erfüllt : „Heut noch ein frohes Fest, und morgen zur

Armee!" So sollte das Stück in den patriotischen

Jubel der Freiheitskriege ausmünden.

Innerhalb dieser Stimmungen und Absichten des

Dichters ist der „Feind" (unten 8. 17.2, ^'8^- -^^nim

und Brentano S. 330) natürlich Napoleon und die

Franzosen. üeber diesen j,Feind'- hatte Wellington

am 21. Juni 1813 bei Vittoria gesiegt. Auf „unsern

allerbesten Freund, auf den Lord W ellington" dichtet

daher Porporino das Lied „Wellington, die Wellen

tönen", zu dem man die Fassung in den Gesammelten

Schriften Brentano's 2, 36 vergleichen muss. Auf

„Hispaniens Feinde" (ößgj) will Lope Feuer schlagen,

bis kein Stahl und Stein mehr an ihm ist. Und die

ist doch auch wohl

„zweideutige Allianzkuust" (3529)

als eine, etwas spöttische Anspielung auf die Zeit-

verhältnisse zu verstehen.

Aber noch andere Spuren jener Tage erkennt

das Auge. Im Februar 1814, also im gleichen Monat

mit der „Valeria", wurden in Wien gegeben: nächst

dem Kärntnerthor die komische Oper Die Strickleiter^

an der Wien das dramatische musikalische Quodlibet

Der Markusplatz in Venedig, und mehrfach Mozart's

Don Juan; nächst der Burg ein Stück mit dem Titel

Karlos. Auf diese Aufführungen gehen Brentano's-

Scherze über die Strickleiter (unten S. lOgg), die Be^,

reitung des Theriak auf dem Markusplatze zu Venedig

(25 j 3), die Erscheinung des Steinernen Gastes (83) und

die Benennung der ihrem Namen nach den Damen

noch unbekannten Bewerber als Juan und Karlos (60^3

— lauter neue Anspielungen, denen sich allein im

„Ponce" (S. 185) die Erwähnung eines Liedes aus dem

Don Juan an die Seite stellt. Dagegen kann eine

Beobachtung Heinrich Schmidt's (in den Erinnerungen

S. 216) nicht gehalten werden. Er meinte, dass die

Krankenscene Aquilar's aus dem damals viel gegebenen


Einleitung. IX

komischen Singspiele Herr Rochus Pumpernickel, in

dem der eingebildet-kranke Brautvater den Heirathskandidaten

Pumpernickel gegen den wahren Geliebten

seiner Tochter begünstigt, von Brentano in der „Valeria"

pfiffig angebracht worden sei : die Krankenscene war

aber schon im Ponce von 1804 vorhanden.

Gar manche Neuerung noch ist interessant. Brentano

hat in der Philisterabhandlung die damalige

Sprachreiniguug als philiströs verspottet: trotzdem ersetzt

er ein früheres ,,amüsirt" jetzt (SS^) unauffällig durch

„zerstreut". Den Satz im Ponce (S. 53) : „sie ist fromm

wie Maria, und hat letzthin in der Beichte gelacht,"

wandelt er, unter dem Einfluss eines geschärften reli-

giösen Gefühls, folgender Massen um (16g): „sie ist . .

fromm wie ein Lamm, und soll doch schon einmal in

der Kirche gelacht haben !" Der „Herr Reineke" wird,

verständlicher für die Menge, durch „Herr Fuchs"

(I632); ein alter General, ohne mir ersichtlichen

Grund, durch einen Admiral (269); ein Kramsvogel,

desgleichen, durch einen Turteltauber (273) ersetzt.

Die ursprünglich eingelegt gewesenen Gedichte, denen

Goethe sein Lob nicht vorenthielt, haben zum Theil

andere oder keine Verwendung mehr gefunden; selbst

die Verse im Ponce (S. 150)

Die heiligen drey König mit ihrem Stern,

Sie essen und trinken und bezahlen nicht gern —

ursprünglich wohl aus volksmässiger Tradition aufgenommen,

seit 1811 durch die Gesänge der Zelter-

schen Liedertafel als der Anfang vom Goethischen

Epiphanias -Liede bekannt, Hess Brentano in der

Valeria" ausfallen. Andererseits sind neue Verse,

z. B. die zum Ersatz für den ursprünglichen Ofen-

spruch bene bibere et laetari bestimmten (6^3), hinzugekommen.

Neu sind_auch die chinesischen Scherze

in der 9. und 11. Scene des ersten Aufzuges: die auf


X

Einleitung.

irgendwelche Wiener Localereignisse damals hindeuten

mögen. „Was ist das vor eine Welt!" ruft Valeria

in gemüthlichem Dialekte jetzt (33^, wo sie früher (1804,

S. 104), wie in anderen Fällen, sich des gewöhn-

lichen Hochdeutsch bedient hatte.

Ich mag nicht weiter in die Einzelheiten eingehen,

weil sie sich Jedem eröffnen, der das Original und die

Bühnenbearbeitung vergleichend liest. Treten wir vielmehr

an die sonderbaren Vorgänge heran, die die

Aufführung der Valeria am 18. Februar 1814 umspielen.

Ueber dieses Factum in Brentano's Leben

hat sich viel üppiges Raukenwerk geschlungen. Ich

verweise auf Stramberg's Rheinischen Antiquarius, auf

Heinrich Schmidt's Erinnerungen, auf einzelne bei

Diel-Kreiten aufbewahrte Mittheilungen. In allen steckt

ein Körnchen Wahrheit. Aber biegen wir dies Raukenwerk

rasch bei Seite, um zu den Thatsachen zu ge-

langen, die aus Brentano's und seines Gegners gleichzeitigen

Aufzeichnungen zu uns sprechen sollen. Brentano

verfügte, wie gesagt, über Bernard's Dramaturgischen

Beobachter. August Sauer hat, in freundlicher Zuschrift

an mich, über" dies Theaterjournal 1895 im Ergänzuugshefte

des zweiten Bandes seines Euphorien

gehandelt ; das einzige bis jetzt bekannt gewordene,

ziemlich vollständige Exemplar befindet sich auf der

Wiener Hofbibliothek. In dem von Sauer aufgestellten

Schema der Artikel sind die Nummern verzeichnet,

welche die Aufführung der Valeria betreifen: von denen

auch Exemplare in Brentano's Nachlasse verblieben

sind. Daneben fand ich aber noch die ersten eigenhändigen

Niederschriften Brentano's, aus denen erst,

durch fortgesetzte Verflachung des Ursprünglichen, die

Druckgestalt hervorging. Diese Niederschriften lassen

uns tiefer, als die gedruckten Artikel, in das Getriebe

der Dinge und Menschen hineinsehen, die betheiligt sind.

Die „Valeria" fiel auf dem Theater gänzlich

durch, und die Aufführung wurde nie mehr wiederholt.


Einleitung. XI

Brentano besass die ausgezeichnete Fähigkeit, alle

Menschen gegen sich aufzubringen, und hinterher mit

komischer Selbstironie sich als das unschuldige Opfer

hinzustellen. Er war 1813 in den litterarischen und

künstlerischen Kreisen Wiens schnell eine stadtbekannte

Persönlichkeit geworden. Bei dem ungeheuren Aufsehen,

das der Fall der Valeria in der massgebenden

Gesellschaft machte, musste ihm daran liegen, etwas

Geeignetes dagegen zu setzen. Er entwarf auf einem

Foliobogen zuerst die folgende Zuschrift an den

Herausgeber des Dramaturgischen Beobachters

Sie verlangen von mir, verehrter Freund! eine

kleine Nachricht, auf welche Art mein Lustspiel

Yaleria auf die Bühne gekommen, nachdem Sie mit

angesehen, wie es über Hals und Kopf herabgeworfen

worden, ich theile Ihnen hierüber folgende Nachricht mit.

Als Göthe im Jahr .... einen Preiss auf das

beste Intriguenstück setzte, arbeitete ich mit vielem

Fleiss ein Lustspiel Ponce de Leon aus und sendete

es ein, ich resignirte bei der Einsendung schon auf

den Preiss und auf die Aufführung, da meine Arbeit

ihrer Art nach nicht concurriren konnte. Ich ver-

langte nur Göthens Urtheil und Rath für die Zukunft»

Ich erhielt ihn, er dankte mir, mehr bedurfte ich

nicht. Mein__Lustspiel ward Göttingen bei Dietrich

lg . . gedruckt, es genoss in allen Rezensionen ein

vielleicht unverdientes Lob und Ihre Durchlaucht der

Herzog von Ahremberg vergönnte mir mit ungemeiner

Güte es ihm zu widmen. Ich hatte nachmals weiter

keinen Beruf, für unsre Bühne zu arbeiten, denn ich

hatte von Jugend auf keine Freude an ihr, das liegt

aber in keiner Art von Uebermuth, das liegt in meiner

Natur, welche vielleicht dramatischer ist, als manche

andre. Hier nun kam ich durch manichfaches Ge-

schick in Berührung mit der Bühne, deren Verhältnisse

jedermann kennt. Ich ward mit ungemeiner


XII

Einleitung.

Güte und so vieler geistreicher Einsicht von ihrem

trefflichen gegenwärtigen Vorsteher empfangen, dass

mir der Andrang manichfacher anderer Freunde um

so auffodernder ward, mein Heil mit bestem Willen

zu versuchen. Man wünschte ein Lustspiel, die Zeit

war kurz, und ich bearbeitete mit einer ungemeinen

Anstrengung jenen Ponce do Leon unter dem Nahmen

Valeria für die Aufführbarkeit. Die^ Direkzion ver-

gönnte mir auf die ausgezeichnetste Art, ihn vor einer

Versammlung der geistreichsten Kenner vorzutragen,

ich nenne hier allein Herrn Lange, Herrn Korn, Herrn

von Kurländer aus dieser Versammlung. Ich kann

Männern von so allgemein verehrter Gesinnung keine

Art von Verstellung andichten, die ersten vier Akte

befriedigten, ja erfreuten sie durchaus, den fünften

ersuchten sie mich zu verändern. Ich versprach es

mit der grossten Bereitwilligkeit, denn ich hielt es für

meine Pflicht. Nach etwa drei Tagen hatte ich den

fünften Akt neu geschrieben. Es ward mir vergönnt,

meine Arbeit nochmals vor allen Herrn Regisseuren des

K. K. Hoftheaters vorzulesen, nehmlich vor Herrn

Koch, Herrn Krüger, Herrn Roose, Herrn Korn, Herrn

Koberwein und Herrn von Sonnleithner. Sie nahmen

meine Arbeit abermals mit ungemeiner Güte auf, ich

fragte sie alle um ihren Rath, sie theilten mir ihn

offenherzig mit. Herr Koberwein bat mich den ersten

und zweiten Akt so zu arbeiten, dass er im Nothfall

in einem gespielt werden könnte, ich that es mit Vergnügen.

Das Stück beginnt im ersten Akt von

Abends 8 Uhr biss zum Morgengrauen, beginnt im

zweiten mit der Morgenröthe und spielt biss Mittag,

beginnt im dritten Akt mit etwa vier Uhr nachmittags

und spielt biss Abend, beginnt im vierten Akt gegen

Mittag und spielt biss in die Dunkelheit, beginnt im

fünften Akt mit dem Morgen und spielt wieder etwa

biss gegen zehn Uhr, enthält also eine Nacht und zwei

und einen halben Tag Zeit, welches durchaus erlaubt


Einleitung. XIII

ist. Herr von Sonnleithner rieht mir sehr freund-

schaftlich, den üebergang von Valeriens Neigung zu

Porporino weicher zu machen, ich that dieses mit der

grössten Bereitwilligkeit. Alle versammelten foderten

mich auf das Ganze noch mehr zu verkürzen, und ich

that es abermals mit aller der Bereitwilligkeit, die ich

so gütigen und ausgezeichneten Kennern schuldig war.

Ich schrieb dies unglückliche Schauspiel nun zum

drittenmahl in einer Zeit von vier Tagen um, und

versäumte [Essen und Trinken] darüber das gewöhnliche

Leben beinah so sehr, dass ich mehrere Tage

brauchte mich von der Anstrengung zu erholen. Aber

ich that es gern, denn ich habe es immer für meine

Pflicht gehalten den guten Willen, der mir entgegenkömmt,

beinahe noch zu übertreffen. Nun ward ich

zur Leseprobe eingeladen. Ich bat um die Erlaubniss

den versammelten Mitspielenden das Stück vorzulesen,

damit sie es alle kennen lernten, ohne welches keine

Aufführung denkbar ist. Aber es wurde mir erklärt,

dass dieses nicht gewöhnlich sei, sondern dass jeder

seine Rolle ablese, denn die Leseprobe sei nur ein

Kollationiren der Rollen, ob sie gleichlautend mit dem

Manuskript seien. Ich musste mich fügen, jeder lass

seine Rolle, kein einzelner hörte auf das Ganze, die

meisten sprachen mit einander, [oder waren] viele

blieben gar nicht da, wenn sie grade nichts zu reden

hatten. Als ich diese Leseprobe verliess, wusste ich

bereits das Geschick meines Stücks. Ich erschien auf

der ersten Probe, wozu ich eingeladen war, sonst hätte

ich mir gewiss vielen Kummer, den ich mit meiner

Gesundheit bezahlt habe, erspart. Nach vier Tagen

sollte das Stück aufgeführt werden, welches bereits

wenigstens [ein viertel Jahr] zwei Monate übergeben

war, wenige Personen hatten auch nur eine Idee von

ihrer Rolle. Herr Korn, Herr Krüger konnten sie

beinah schon perfekt, während nun die Spielenden um

den Soufleur herumstanden und ihm langsam nach-


XIV

Einleitung.

sprachen, stürmten allerlei Leute, die ich nie gesehen,

mit allerlei Mundarten, die ich nie gehört, mit allerlei

Fragen, die ich nicht verstand, zugleich auf mich ein,

man sprach mir von Talaren, von freien Verwand-

lungen, ein Hauss, das im Hintergrund gedacht war,

müsste forn stehen, einer protestirte gegen eine Statue,

ein andrer gegen eine Bank, ein andrer wüste nicht

wie dieses oder jenes gemacht oder gesprochen werden

sollte, und der Soufleur souflirte immer zu. Ich bat

eine Hauptrolle um die Erlaubniss, ihr die Rolle ein-

studieren zu dürfen, mir ward die Erklärung, dass

dies nicht angehe. Einige mahl suchte ich zu rathen,

denn ich schreibe nichts nieder, was man anders

sprechen kann, als ich es selbst sprechen würde, denn

ein Drama, wo man dies kann, ist ein schlechtes. Da

ich aber nachher vernahm, dass mein Rath von ein-

zelnen übel aufgenommen war, dass man es für süffi-

sant hielt, wenn ich grosse Künstler zurecht wiess,

schwieg ich ganz, und empfand keine Art von Zorn,

sondern nur ein bitteres Mitleid mit mir selbst, dass

alle mein guter Wille, meine Anstrengung und Bereitwilligkeit

damit erwiedert wurde, dass nur wenige

etwas von dem Gange der Fabel wussten, manche mich

auf eine beinah unerhörte Art fragten, wie diese und

jene Briefe an die Erde zu liegen kämen, da im

ganzen Manuskript doch der genauste Zusammenhang

angegeben war. Wann Tag, wann Nacht sein sollte,

wüste kein Mensch, ich habe es wohl zehnmal gesagt,

und ward in der lezten Probe doch nochmals drum

gefragt. Meine Freunde wissen, dass ich das Durchfallen

des Stücks von Anfang an vorauswuste. Jede

Probe kam mir verwirrter vor,' einzelne Schauspieler

bedurften in der lezten Probe noch ununterbrochen

den Soufleur. Als ich bei der Aufführung vor dem

Aufgang in den Coulissen stand, wüste ein Mann, den

ich nicht kenne, noch nicht, wann er in dem Schlosse

Sarmientos oben Musik machen sollte, und während


Einleitung. XV

ich es ihm mit gröstem Erstaunen sagte, hörte ich

eine Stimme, wie die Posaune des jüngsten Gerichts

hinten hervorschallen: wenn nur erst das verfluchte

Stück herunter wäre. Nun begab ich mich auf meinen

Logenplatz und hörte die zwei ersten Akte betrübt an,

mit dem Tröste in der Gesellschaft edler und geistreicher

Menschen zu sein, die mich mit einer Güte

seit meinem Hiersein behandelt hatten, die ich ihnen

nie vergessen werde. Hierauf verliess ich das Haus&

mit der grösten Achtung für Herrn Korn und Herrn

Krüger, welche sich auf . .

Hier bricht die Niederschrift ab, die beiden

Seiten des Foliobogens sind zu Ende ; weiter hat

Brentano nicht geschrieben. Er empfand wohl, dass er

dies so nicht drucken lassen dürfe. Es war Zuviel

aus der Schule geplaudert, und andererseits hatte die

Polemik gegen dieeine Hauptrolle", das war Friedrich~T{bose

als Lope, keine rechte Haltung. Brentano

wird seine Freunde, gewiss auch Bernard selber, zu

Eathe gezogen haben. Das Schriftstück wurde also

in drei Artikel zerlegt, und die beiden ersten kamen,,

der eine von Brentano selbst gezeichnet, der andere

wie von fremder Hand herrührend iu No. 24 des

Dramaturgischen Beobachters vom 25. Februar 1814

hintereinander zum Abdruck. In folgender Weise

An den Herausgeber des Dramaturgischen Beobachters

(das Lustspiel: Valeria betreffend.)

Sie begehren eine Erklärung von mir, wie Va-

leria auf die Bühne gekommen sey? Hier folgt sie.

Sie ist eine Bearbeitung von dem Lustspiele: Ponce

de Leon, Göttingen bei Diedrich 1803 (!). Göthe hatte

mir gütig für diese Arbeit gedankt. Sie war von allen

kritischen Blättern mit Auszeichnung beurtheilt, und

von geistreichen Menschen in ihre Büchersammluug aufgenommen.

Ich habe sie hier in Gegenwart der

Herren Hofschauspieler Lange, Koch, Krüger,


XVI Einleitung.

Rose, Koberwein und Korn und des Herrn S.kretair

Sonnlei thner vorgelesen; sie ward mit Beyfall aufgenommen

und alles nach ihrem Rathe gern verändert.

Sie ward aufgeführt. Ich verliess beym Anfange des

dritten Akts das Haus, mit der Empfindung, dass

dieses meine Arbeit nicht seyn oder ich mich mit

allen obgenannten ausgezeichneten Kennern sehr geirrt

haben musste. Leben Sie wohl /^ ri

An den Herausgeber des Dramaturgischen Beobachters.

Mein Herr!

Mein gestriger Theaterabend war einer der trau-

rigsten, und ich weiss nicht ob der Verfasser der unglücklichen

Valeria mehr betrübt worden seyn kann,

als ich selbst. Ich kenne ihn nicht, aber so viele

Spuren seines von mancher Seite misshandelten Stücks

verrathen ein Talent, das ein besseres Geschick ver-

dient hätte. Ich darf nur das trefliche Lied auf

Wellington anführen. Was haben wir an Kriegs-

liedern besseres? Ein Dichter, der dieses und vieles

Andre in diesem Stücke geschrieben, kann unmöglich

verdienen so empfangen zu werden! Als ich in das Haus

ging, vernahm ich schon manche Animosität, und das

Feld schien mir nicht allein nicht nur nicht rein von

einer Gegenparthey, sondern überfüllt davon, und aus

allen Aeusserungen wusste ich den Ausgang voraus;

dass von der Bühne herunter aber auch mehr, als ich

jemals erlebt, mitgearbeitet werden würde, um dies

Schauspiel zu Grunde zu richten, hatte ich kaum er-

/ wartet. Warum fehlte unser treflicher Koberwein?

jEr allein hätte den Lope spielen können, er allein

vermag das Phantastische dieses Charakters darzustellen.

I

Herr Rose kann nur in ganz realen Charakteren so

ausgezeichnet seyn, als wir ihn kennen, diese Rolle

ist seiner ganzen Natur zuwider, und er hat sich ver-

griffen, dass er sie jemals übernahm, denn heut schien


Einleitung. XVII

er uns'Hn allem das Gegentheil von dem, was er sagte;

er hat mit dem Fall des Stücks schwer gebüsst. Ich

habe, so sehr mir der Lärm des Publikums und die

gehäuften Theaterfehler erlaubten, mit Anstrengung

Acht gegeben, denn ich hatte ungemein viel Gutes von

dem Stücke aus dem Munde geistreicher Männer und

Schauspieler, die es vom Verfasser selbst vortragen

hörten, vernommen, und habe viel mehr Gutes und

Schönes in diesem Lustspiel gehört, als in irgend einem

andern. Aber das ganze Spiel war so verwirrt, so

unklar, und unsicher, alle Schauspieler ausser einigen

waren, als wenn sie zum erstenmahl aufträten ; denn

dieses Lustspiel gehört nicht auf unsre jetzige Bühne.

Es erfodert ein ganz scharfes, bestimmtes und zier-

liches Spiel, und der Soufleur darf nicht die grösste

Rolle darin haben, wie hier. Wäre Herr K oberwein

in der Rolle des Lope aufgetreten, er, der in

allem seinen Spiel am meisten Schärfe und Präzision

hier auf der Bühne hat, das Ganze wäre stehen geblieben

und hätte uns noch oft erfreut; denn Lo^e

ist der eigentliche Mittelpunkt des Stücks, und dieser

wurde so dargestellt, dass auch nicht eine Idee mehr

übrig blieb. Hätte jeder so treflich gespielt, als Herr

Korn, das Stück wäre eines der besten geworden. Ich

schreibe Ihnen dies, damit es dem Verfasser der

Valeria vor Augen kommen möge und damit er nicht

etwa im ünmuth sein ausgezeichnetes Talent ganz aufgebe.

Er hat sich nur getäuscht und ist darum auch

getäuscht worden. Möge es ihm ein Trost seyn können,

dass das Publikum einen wohlmeinenden unter sich

hatte, der dieses niederschrieb.

D— n.

Meinem Gefühle nach ist der zweite mit D—

unterzeichnete Artikel nicht von Brentano selbst ge-

schrieben. Indessen muss er, wenigstens mittelbar,

auf Brentano's Informationen beruhen, wie er denn

Litteratnrdentmale 118/120. II


XVIII

Einleitung.

natürlich nur mit seinem Einverständniss von Bernard

gedruckt worden ist. Was betreffs der Theaterfehler,

des Souffleurs, der „jetzigen" Bühne von D— n bemerkt

wird, giebt, wie man theils schon aus der ersten

Niederschrift, theils aus dem, was folgt, entnehmen

kann, Brentano 's Gedanken und Worte wieder. Ich

vermag daher der (von dem Herausgeber noch einmal

in No. 33 wiederholten) Erklärung des Anonymus, dass

er den Verfasser der Valeria nicht kenne, höchstens

eine formale Bedeutung beizulegen; und ich weiss

nicht, ob man wirklich, worauf ja an sich wenig ankäme,

unter D—n den Dichter Deinhardstein sich

denken dürfe. Liess man einen ganz Fremden scheinbar

für Brentano eintreten, so wurde der Vortheil

gewonnen, dass Brentano's Stück deutlicher gelobt,

und Rooses Darstellung der Hauptrolle deutlicher getadelt

werden konnte. Diesen „unberufenen" Vertheidiger

durfte man sodann, wenn es noth that, auch

wieder desavouiren.

Der dritte Artikel wurde anonym mit der Ueber-

schrift ,,Kurzgefasste Anweisung, ein jedes Schauspiel,

es sey von welchem Werthe es wolle, auf eine unfehl-

Von einem alten

bare Art durchfallen zu lassen. .

Praktikus" in No. 26 des Dramaturgischen Beobachters

eingerückt. Die Hauptsätze, die daraus von Sauer

(S. 78) mitgetheilt worden sind, weisen auf Brentano's

obige Schilderungen der Lese- und Spielproben zurück.

Der angegriffene Hofschauspieler Friedrich Roose

sandte auf die beiden ersten Artikel eine Entgegnung

ein, welche im Druck die ganze 29. Nummer des

Dramaturgischen Beobachters vom 9. März 1814 einnimmt.

Er behandelt den Anonymus D—n, als wenn

er auch Brentano selber wäre. Er schreibt geschickt

und ungeschickt zugleich, wie ein Mann, der nur als

Ausnahme die Feder führt. Aber was er sagt, wird

doch wieder dadurch für uns wichtig, dass er ersichtlich

auf Grund der Theateracten schreibt, und


Einleitung. XIX

darüber hinaus noch allerlei Mittheiluugen und Andeutungen

macht, die uns von seinem Standorte aus

einen Blick in die damaligen Wiener Theaterverhältnisse

ermöglichen. Roose richtet seine Erwiderung

An den Herausgeber des Dramaturgischen

Beobachters.

Wie sehr ich jederzeit vernünftige und gründliche

Kritiken zu meiner Belehrung beachtet, so hab' ich

mir es zugleich auch zum Grundsatz gemacht, einseitige

und besonders anonyme Aussprüche, die von jenem

Mittel und Zweck weder Spur noch Andeutung geben,

mit der Ruhe zu übersehen, die dem Manne von einiger

Umsicht in dem Wesen und Unwesen unserer neuern

Litteratur eigen seyn muss. Gleichwohl finde ich

mich durch zwey sehr auffallende Anzeigen in No. 24

des dramaturgischen Beobachters aufgefordert, einiges

zu berichtigen, weil es ganz falsche Angaben

betrift, mit denen Hr. C. B., der Verfasser der

Valeria, und ein Hr. D—n, als Beurtheiler der Dar-

stellung dieses Lustspiels auf dem k. k. Hoftheater,

das von dem ganzen Hergang ununterrichtete Publikum

zu täuschen suchen, und die Ehre der Regie -Mit-

glieder dieses Theaters überhaupt und mich selbst als

Schauspieler insbesondere auf eine ganz eigen possier-

liche Art verunglimpfen möchten ; ich mache bey dieser

blossen Berichtigung auf nichts Anspruch, als auf

die in der ganzen zivilisirten Welt anerkannte Ge-

rechtigkeit : dass

man auch den Beklagten hören

müsse! und bitte Sie, gegenwärtiges in eines der

erstem Blätter des dramaturgischen Beobachters ge-

fälligst einzurücken.

I. In der Erklärung des Hrn. C. B. (Verfassers

der Valeria) wie dies Lustspiel auf das k. k. Hoftheater

gekommen sey, wird unter mehreren Veranlassungen

(über deren Gültigkeit schon Jedermann

selbst am besten urtheilen kann) auch diese angeführt

n*


XX

Einleitung.

dass der Herr Verfasser dieses Lustspiel in

Gegenwart der Hr. Hr. Hof-Schauspieler Lange,

Koch, Krüger, Roose, Koberwein und Korn,

und des Hrn. Sekretär Sonnleithner vorgelesen

habe, dass Valeria mit Beyfall aufgenommen

und alles nach dem Rathe dieser Herrn verändert

worden sey, und dass der Herr Verfasser

bey der Darstellung beym Anfang des

dritten Akts das Haus mit der Empfindung

verlassen habe, dass dieses seine Arbeit nicht

sey oder Er sich mit allen obgenannten ausgezeichneten

Kennern sehr geirrt haben

müsse. — Von dieser ganzen Angabe ist mehr nicht

als das wesentlichste unrichtig.

1) Unrichtig ist, dass in dieser Vorlesung am

17. December 1813 Herr Lange gegenwärtig gewesen sey.

2) Unrichtig und unrecht ist, dass bey Erwähnung

der obgenannten Herrn nicht auch der Herr Stell-

vertreter der Hoftheater-Direction mit angeführt ist;

und dies ist deswegen wesentlich, weil auf dessen

Bescheid die Regie-Mitglieder in seinem Hause sich zu

dieser Vorlesung versammelten, und weil die Theater-

Direction sich* sowohl die xinnahme neuer

Schauspiele als auch die Rollenbesetzung derselben

vorbehalten hat; die Mitglieder der Regie

sind wohl manchmal zu Meynungen und schriftlichen

Gutachten aufgefordert worden, die Direction hat aber

eben so oft gegen dieselbe für die Annahme als

für die Rückgabe eines Stückes entschieden und bisher

in so gänzlichem Besitz ihres vorbehaltenen Rechts sich

erhalten, dass nebst dieser Valeria, auch bey dem

Lustspiele: gerechte Strafe — Hannibal —

Kolonie etc. die Regie-Mitglieder meines Wissens

weder um eine Meynung für die Annahme noch um

ein Gutachten über die Besetzung der Rollen angegangen

worden sind.

3) Unrichtig ist, dass Valeria in dieser Vorlesung


Einleitung. XXI

mit Beyfall aufgenommen worden sey. Ganz einstimmig

konnte dieser Beyfall nicht seyn, da ich wenigstens

die Vorlesung — gerade wie der Herr Verfasser

die Darstellung seines Stücks schon zu Anfang des

3ten Akts verlassen musste, mit einer Empfindung —

doch man muss nicht alle Empfindungen laut werden

lassen! — und der Beyfall der übrigen Regie-Mit-

glieder soll, wie ich nachher von diesen Herren gehört,

darinn bestanden haben, dass sie dem Herrn Ver-

fasser für die Lektüre gedankt und dabey höflich bemerkt

haben: dass unter dieser Gestalt man

sich nicht einen erwünschten Erfolg von der

Darstellung versprechen könne. Was dann mit

der Formel, die Hr. von Göthe gegen den Hrn. Verfasser

gütig geäussert, so ziemlich eins ist, mit dem

Unterschied, dass Göthe als souvrainer Intendant des

Weimarschen Theaters es bey dem gütigen Dank hat

bewenden und die Valeria nicht aufführen lassen; die

Regie-Mitglieder in Wien aber in ihren Amtsverrichtungen

zu beschränkt sind, Sie konnten dem Herrn

Verfasser nur höflich und freundschaftlich die Stellen

anzeigen, die Aenderungen bedurften. — Hat Herr

C. B. dies als Beyfall und Bedingung der Annahme

seines Stücks genommen, so haben diese

Herrn keine Schuld über den Missverstand, da die

Direction allein über die Annahme zu entscheiden

hatte. Der Herr Verfasser hat sein Stück zurückgenommen

und bald darauf der Direction — wie man

sagt — in einer verbesserten Gestalt wieder überreicht.

— Diese Veränderungen sind nicht zur Kennt-

niss der Regie gekommen — die Direktion hat es

ohne weiters zur Vorstellung bestimmt, die Rollen

ausschreiben lassen und dieselben wahrscheinlich nach

den Wünschen und mit Einvernehmen des Herrn Ver-

fassers besetzt. Dies zu meiner Rechtfertigung als

Regisseur, als welcher ich nicht den mindesten Antheil

an der Aufnahme dieses Lustspiels auf der Hof-Schau-


XXII

Einleitung.

bühne haben konnte und für jede Anmuthuug mich

hier förmlich verwahren mus, da ich zu billig denke,

um nicht Jedem das Seinige zu zuerkennen oder da

ärndtcn zu wollen, wo ich nicht gesäet habe. —

II. Was die Vorwürfe und Anklage eines Hrn.

D—n in dem zweyten Aufsatze der Nro. 24 des dra-

maturgischen Beobachters und besonders mich als

Schauspieler und meine Annahme und Darstellung der

Rolle des Lope de Leon in besagter Valeria betrift,

so bleibt mir — auf die Beurtheilung dieses Herrn

nichts zu erwiedern, als den Hergang der Sache so

wahr als einfach anzuführen und damit die Entscheidung

des Rechts dem unbefangenen Publikum zu

überlassen:

In der Besetzung dieses Lustspiels Valeria war

mir Anfangs die Rolle des Don Aquilar, und Herrn

Heurteur jene des Lope de Leon zugetheilt. Bey der

Leseprobe am 17. Jan. d. J. wurde das Stück mit

dieser Besetzung gelesen, und ich lernte hier das umgearbeitete

Stück zum erstenmal kennen. Den andern

Tag kam der Herr Verfasser zu mir, und ersuchte

mich dringend, die Rolle des Lope de Leon statt

Herrn Heurteur zu übernehmen. Ich schweige von

den maucherley angeführten Ursachen, die ihn bey der

frühem Besetzung dieses Stücks irre geleitet. Ich

erwiederte, dass mir von der Direction die Rolle des

Aquilar zugetheilt sey, und ich ohne deren Einschreiten

keine andere annehmen könne, dass aber, wenn eine

Veränderung in der Besetzung durchaus nöthig befunden

würde, ich es für das Beste des Stücks zuträglich erachtete,

wenn die Rolle des Lope an Herrn Koberwein

vßrtheilt würde. Der Herr Verfasser protestirte mit

Heftigkeit gegen diesen achtungswertheu Künstler mit

Ursachen, die mit jenen von Hrn. D— n zu dessen

Empfehlung angeführten in direktem Widerspruch

stehen. Ich blieb bey meiner Weigerung eine Rolle

zu übernehmen, die andere refusirten, und die ich


Einleitung. XXIII

selbst für sehr schwierig erkennen musste, weil sie —

leicht hingespielt — nicht verstanden würde, und —

in schärfern Umrissen gezeichnet — keinen befriedigenden

Eindruck — machen könne etc.

Der Herr Verfasser bestürmte mich mit Bitten

und Vorstellungen, dass die Direktion mit dieser Abänderung

vollkommen einverstanden sey, und wenn ich

es erlaubte. Er mir die Rolle vorlesen wolle, und

wenn ich sie so spielte, als Er mir sie vorläse, so

sey nichts leichter, als mit Ihm das ganze Publikum

zufrieden zu stellen, das mit Ihm die Vorstellung dieses

Stücks mit Ungeduld erwarte, und welchem ich mit

meiner Weigerung verantwortlich werde. Dies waren

die Worte des Herrn Verfassers. — Zu dem hatte ich

gehört, dass das Stück häufig in der Stadt vorgelesen

worden; man hatte unter bestimmten Ausdrücken

eben so ausschweifend es gelobt als getadelt : andere

fällten das sonderbare Urthoil, dass es entweder sehr

gefallen oder äusserst missfallen müsse. Die Direktion

hatte das Stück angenommen ; ich war als Schauspieler

verbunden, die mir ohne Rücksicht eines empfehlenden

oder widrigen Charakters zugetheilte Rolle zu übernehmen

; ich war als Regisseur verbunden, kein Signal

der Widersetzlichkeit zu geben; meine Ueberzeugung

musste der Achtung für das Publikum nachstehen, das

in diesen getheilten Meinungen selbst sehen musste,

um selbst zu entscheiden ; der Aufführung des Stücks

durfte und konnte ich kein Hinderniss in den Weg

legen. Ich hatte schon mancherley-vertrackte Burschen

zur Darstellung übernehmen müssen, und das einsichtsvolle

Publikum hat immer den Schauspieler von dem

Dichter zu unterscheiden gewusst; ich liess mich bewegen

den Lope zu übernehmen. Der Herr Verfasser

las mir die Rolle nun selbst vor, und hat mich auf

der Probe vor Zeugen versichert, dass ich Lope un-

übertreflich, vollendet getroffen habe. Die Vorstellung

erfolgte; das Publikum hat laut und einstimmig ent-


XXIV

Einleitung.

schieden. Ich masse mir kein ürtheil über die Dichtung

selbst an — sie ist von allen kritischen

Blättern, wie Hr. C. B. sagt, mit Auszeichnung

beurtheilt worden. — Von meiner Darstellung habe

ich das gute Bewusstseyn, genau den Winken und Bemerkungen

des Herrn Verfassers gefolgt zu seyn ; ich

schmeichle mir, dass der grössere und bessere Theil

des Publikums meine Bemühungen erkannt und —

bedauert habe. Wenn nun Herr D—n ganz allein

gegen diesen auf diesem Hoftheater noch nie so erlebten

Ausspruch des Publikums auftritt, und an dem

angeführten Orte mich anzuklagen sucht, „dass ich

zur Zugruudrichtung dieses Stücks am meisten beygetrageu

habe, weil Herr Koberwein allein den Lope

spielen könne, weil er allein das Phantastische dieses

Charakters darzustellen vermöge — dass Ich nur in

ganz realen Charakteren so ausgezeichnet sey, als man

mich kenne, dass diese Rolle meiner ganzen Natur

zuwider sey, und ich mich vergriifen habe, sie zu

übernehmen, dass ich in allem das Gegentheil von dem

schien, was ich sagte," so kann ich Herrn D—

versichern, dass diese seine äusserst naive Erklärung zu

Gunsten des Hrn. Verfassers, „den er nicht kennt,

und doch recht gut kennt", und zur sichtbaren

Animosität gegen mich, den er kennt, und doch

nicht recht kennt, eigentlich der Herr Verfasser

näher erklären müsse, der seine Unzufriedenheit über

Herrn Koberwein so laut geäussert hat, dass man sich

eigentlich schämen muss, die Zufriedenheiten und Unzufriedenheiten

des Herrn C. B. und des Herrn D—

wieder zu äussern, wenn es nicht darauf ankäme zu

zeigen, dass alles das weiter nichts ist, als ein armes

Bemühen des Herrn D—n, seinen Freund aus der fatalen

Affaire zu ziehen, um sich bey vorkommender

Gelegenheit des freundschaftlichen Gegendienstes zu

versichern. — Ich aber kann meinem Schöpfer nicht

genug danken, dass das Phantastische meiner Natur so


Einleitung. XXV

zuwider ist — und will mich gerne für dergleichen

Talentmängel trösten — aber mit desto frischerm

Leben an das Reale halten, das seit meiner nun beynahe

dreyssigjährigen theatralischen Laufbahn mich für

das Wahre, Gute und Schöne in allen Kunsterscheinungen

empfänglich erhalten hat und immer erhalten

wird, dann bin ich sicher mit keinem B'all eines

Stücks zu büssen, das nicht mein Stück ist.

Friedrich Roose.

Jetzt entstand die Frage, was auf diese eindrucks-

volle Erwiderung geschehen könne. Darüber fand

zwischen Bernard und Brentano Berathung Statt.

Man war dafür, sich mit Koose selbst in keine Fehde

einzulassen. Es wurde nun fingirt, dass der Anonymus

D—n eine Antikritik gegen Roose eingesandt

habe, welche von Bernard als Herausgeber motivirt

abzulehnen sei. Bei scheinbarer Jgnorirung Roose's

konnte man doch das Nöthige gegen ihn einfliessen

lassen. Brentano entwarf nach einander zwei Schrift-

stücke in diesem Sinne, welche, die Unterfertigung des

Namens Bernard mit eingeschlossen, ganz von seiner

Hand geschrieben sind. Das eine lautet:

Ich hatte den Verfasser der Valeria aufgefordert,

Ihnen für [Ihre] die wohlgemeinte Mittheilung Ihrer

Empfindung bei der Aufführung der Valeria zu danken,

aber er erklärte mir, dass er über diese Sache [kein]

noch mehr Worte zu verlieren nichts hervorbringen

könne, als eine erbärmliche Klatscherei, bei welcher

am Ende niemand mehr wissen Werde, wass er denken

solle (!), er könne von seiner Arbeit nichts sagen, als dass

er es gut gemeint habe, und auch keineswegs zweifle,

dass die Schauspieler, ja selbst das Publikum es auch

recht gut gemeint hätten, wäre ihm unter diesen seine

gute Meinung allein mislungen, so könnte er in der

Erklärung Ihres Wohlgefallens au seiner Arbeit keinen


XXVI

Einleitung.

besoudern Trost finden, und bedürfe überhaubt keinen.

Was Sie über das Spiel Herrn Rooses sagten, war dem

Verfasser keineswegs angenehm, er fürchtete, Sie

möchten mit Ihrem guten Willen ihm einen schlechten

Dienst gethan haben, indem Ihre falsche Ansicht von dem

Talente dieses ganz ausgezeichneten Künstlers diesen

leicht bewegen dürfte, in einer Vertheidigung seines

Spiels Veranlassung zu sehr undelikaten Auseinander-

setzungen zu geben. Er bitte Sie daher Ihre wohl-

wollende Meinung für ihn künftig in Petto zu behalten,

da niemand, selbst Ihnen selbst (!) nicht damit ge-

dient sei. Uebrigens habe er Herrn Roose anfangs

die Rolle Aquilars zugetheilt gehabt, und Herrn Heur-

teur die Rolle Lopes, Herr Heurteur habe diese Rolle

auf die bescheidenste und verständigste Art als seinem

Darstellungskreis unangemessen abgelehnt, worauf er

Herrn Roose die Rolle Lopes und die Porporinos vorgelegt,

welche Rolle der als Künstler wie als Mensch

gleich trefliche Herr Korn ihm ohne alle Aufforderung

zu diesem Zwecke angeboten, wenn er sie gleich schon

bereits einstudiert, und Herr Roose habe die Rolle

Lopes erwählt, nachdem er sie ihm vorgelesen, er

zweifle also gar nicht, dass dieser gewiss sehr brav

gespielt habe. Dies ist die Erklärung des Verfassers

der Valeria an Sie, womit ich mich genöthigt sehe,

Ihnen den zweiten Aufsatz über den nehmlicheu Gegen-

stand ungedruckt zurück zu senden. Nehmen Sie zu-

gleich [den guten Rath] die Bemerkung von mir, erst

selbst zu erfahren, dass es hinter den Coulissen [ganz

anders] alles ebenso aussieht als vornen, dass [nicht]

alle Menschen, die sich vor unsern Augen edel be-

tragen, edel sind, dass geschminkte Wangen auch rothe

Wange sind, dass ein Schauspieler einer der edelsten

Menschen auf der Welt ist, dass ein edler Mensch

unfehlbar ist, und ein hochedles Publikum auch, und

lassen Sie künftig Ihre Feder ruhn. Denn die Valeria

war gut gemeint, schlecht gedichtet, und ganz meister-


Einleitung. XXVII

haft aufgeführt, wer könnte dran zweiflen, da sie

gewissermassen schon mehrere Tage vorher aus-

gepfiffen war. ^ ,

^ ^ Bernard.

Unsicher aber in der Art des Vorgehens gegen

Roose stellte Brentano eigenhändig noch eine andere

Fassung dieses Aufsatzes her:

Der zweite von Ihnen über die Aufführung der

Valeria eingeschickte Aufsatz kann nicht in diese

Blätter aufgenommen werden, da durch denselben nur

der bereits sehr weitläufige Prozess über dieses Schauspiel

erweitert werden könnte, umsomehr da dem

Verfasser dieses Lustspiels mit Ihrer ersten Partheinehmuug

für ihn keineswegs gedient zu sein scheint.

Er hat mir nehmlich erklärt, dass er selbst keinen

Beruf fühle, die Klatscherei noch breiter zu machen.

Er selbst habe es gut gemeint, die Schauspieler und

das Publikum gewiss auch. Ihre Meinung über Herrn

Rooses Spiel hätten Sie besser in Petto behalten sollen,

denn Aeusserungen in solchen Fällen könnten leicht

zu Prozessen führen, welche einer Revision vorübergezogner

Wolkenbilder oder vor vier Wochen gemachter

Musik glichen, und es sei sehr lächerlich und undelikat,

der Welt das, wass der Wind längst dahin geführt, in

einem Brei wieder vorsetzen zu wollen. Er selbst

habe in seiner kurzen Erklärung No. 24 dieser Zeitung

Alles gesagt und nicht mehr und nicht weniger, als

sich gebühre, da er jene Worte wiederlese, finde er

nur zu erinnern, dass Herr Roose bei der Vorlesung

der Valeria nicht ganz gegenwärtig gewesen sei. Ich

selbst sage Ihnen zur Berichtigung Ihrer falschen Ansicht

über Herrn Rooses Spiel, was ich früher durch

den Verfasser wüste. Herr Roose hatte Anfangs die

Rolle Aquilars, und als Herr Heurteur diese als seinem

Darstellungsfach ungeeignet ablehnte, übergab der als

Künstler und Mensch gleich vortrefliche Herr Korn


XXVIII

Einleitung.

seine Rolle Porporino, wenn er sie gleich bereits mit

[groser] Liebe einstudiert hatte, dem Verfasser ohne

alle Aufforderung um beide Rollen Lope und Porporino

Herrn Roose zur Wahl vorzulegen, worauf Herr

Roose die Rolle des Lope, nachdem sie ihm der Ver-

fasser vorgelesen, erwählte. Wie er sie dargestellt,

das liegt ausser meinem Ansichtskreise, da ich mich

nie unterstehen werde, über eine Aufführung zu urtheilen,

welche mir keine schien, weil selbst die Kou-

lissen wankten, Lichter ausgingen, Scenen ausblieben,

manches gesprochen wurde, was ich im Manuskript des

Verfassers nie gelesen, Personen zu früh und zu spät

auftraten, Tag und Nacht sich verwirrten, Musik zur

unrechten Zeit gemacht wurde — wer kann da mit

gutem Gewissen noch urtheilen, wo sich die Bretter

selbst empörten. Wäre jezt noch eine reine und un-

befangne Aufführung dieses Lustspiels mit einiger

Veränderung der Besetzung möglich, dann wäre ein

Urtheil möglich, wie die Sache geschehen ist, kann

weder dem Verfasser, noch den Schauspielern, noch

dem Publikum Recht oder Unrecht geschehen. Das

ürtheil des Verfasseis selbst ist und bleibt. Es war

gut gemeint, ungeschickt für die jetzige Bühne gedichtet,

aber es ist nicht aufgeführt worden. Ihnen

selbst, Herr Dn., rathe ich, ehe Sie ferner urtheilen,

sich erst von der Wahrheit zu überzeugen, dass hinter

den Coulissen alles so aussieht wie fornen, dass ein

geschminktes Angesicht rothe Wangen hat, dass ein

Schauspieler, der das ganze Jahr edle Rollen spielt,

nothwendig ein sehr edler Mann sein muss, und dass

ein sehr edler Mann so ideal als real sei, und lassen

Sie übrigens Ihre Feder künftig ruhen, auch Sie haben

es gut gemeint, und drum könnte es Ihnen leicht gehn,

wie allen wohlmeinenden, welche den Weg nach dem

Parnass mit der Ordinairen Post über Meinungen

nehmen.

Bernard.


Einleitung. XXIX

Dies Schriftstück zeigt sogar schon nachziehende

Verstärkung der Buchstaben, wie wenn es für den

Satz hergerichtet werden sollte. Aber schliesslich

wurde es auch nicht beliebt, und anstatt desselben

erschien im Dramaturgischen Beobachter No. 30, vom

11. März 1814, die folgende „Erklärung des Verfasser^

der Valeria an den verehrten Leser in Hinsicht der Ver-1

theidigung des Herrn Roose gegen das, was dieser als un-i

richtig in der kurzen Auseinandersetzung über die Art,

wie dies Lustspiel auf die Bühne gekommen sey, erklärt"

Geliebter Leser! Wenn dich der grosse Prozess

über die Valeria weniger langweilet als mich, so lese

meine Worte, wie dieses Lustspiel entstanden, und

was mich auf den Gedanken gebracht: es sey nicht so

ganz schlecht, noch einmahl, und denke dir unter den

Nahmen derer, die da angeführt sind, als hätten sie es

gehört, bey dem Nahmen des Herrn Roose ein Sternchen

und unten dran die Note : Herr Roose ist wegen

Geschäften früher weggegangen. Herr Korn hat das

Stück zweymahl gehört, Herr Lange hat es bei einer

Vorlesung gehört, wo Herr Roose nicht zugegen war.

Haben diese Zuhörer dem Stücke keinen Beyfall ge-

geben, so habe ich sie nicht verstanden. Auf alles,

was Herr Roose sonst sagt, ziemt mir nicht zu ant-

worten. Ist er davon tiberzeugt, so ist es seine Pflicht,

es zu sagen. Ich habe gar nichts gegen seine Pflicht,

jeder kann denken, was er will, und will einer denken,

was er kann, so ist es auch keine Sünde; ich aber

finde bey dieser Sache gar nichts zu denken, und finde

selbst nicht einmahl den Beruf, verehrter Leser ! mich

dir bey so armer Gelegenheit zu empfehlen, da der

Gedanke: dass alle Dichter, Kritiker, Antikritiker,

Schauspieler, Zuschauer, ja sogar die ganze Welt

einstens sterben muss, mir weit interessanter ist, und ich

mache hier für mich allen Valerians mit dem Spruche

Mensch bedenke!

das Ende — 0. B. —


XXX

Einleitung.

Damit war, da Roose schwieg, das Ende der

Fehde herbeigeführt. "Wie es in solchen Dingen zu

geschehen pflegt: keine Parthei hielt sich für überwunden.

Je nach der Stellung, die man einnahm,

wurde die Schuld an dem Theaterskandale entweder

der dramatischen Mangelhaftigkeit des Stückes, oder

den Intriguen eines gewissen Theils der Schauspieler

und der Zuschauer beigemessen. Brentano gedachte

nun, sich durch den Druck der Valeria au das Urtheil

einer unbegrenzten Oeffentlichkeit zu wenden. Wieder

haben sich die Entwürfe einer Vorrede in seinem

Nachlasse erhalten. Sonderbar, wie er die Veröffent-

lichung zuerst als das Werk seiner Freunde, nicht als

sein eignes, hinstellen möchte. Es scheint, dass der

Erlös, wie üblich damals, den Kriegsinvaliden zu Gute

kommen sollte. ,,Es hat (versucht Brentano zunächst)

meinen Freunden gefallen, dieses auf der Bühne so

eklatant durchgefallene Lustspiel den Augen des Publikums

vorzulegen. Es soll interessant sein, das ruhig

anzusehen, was man in der Unruhe auspfeift, ich habe

nichts dagegen, um so mehr, da durch die Neugierde

vielleicht irgend einem armen Soldaten eine gute Stunde

vermittelt wird, dass er fröhlich auch sein Stückchen

pfeift. Ich habe bei dieser . ." Hier hört Brentano

aber auf, um eine andere Seite desselben Foliobogens

mit folgenden Ausführungen zu bedecken

„Vieles Gerede nicht sowohl, als die Bitte meiner

Freunde haben mich bewogen, dieses Lustspiel dem

Drucke zu übergeben, sie meinten, ich sei es mir

selbst schuldig, durch die öffentliche Voraugenlegung

des kleinen Dramas vielleicht manches Urtheil zu

mildern, was es zu meinem Schaden veranlasst habe,

weil es nicht eigentlich gehört worden sei. Ich selbst

fühlte keinen Beruf hiezu, so [angenehm es sein kann,

mit einer Arbeit zu gefallen, so gleichgültig muss es

sein, zu misfallen] wenig eitel es mich gemacht haben

würde, wäre dies Lustspiel ruhig angehört worden, wie


Einleitung. XXXI

sehr vieles was nicht besser ist, so wenig konnte es

mich erniedrigen, dass es nicht angehört und doch mit

Füssen getreten wurde, wie vielem andren, was un-

endlich besser war, von jeher geschehen ist, und künftig

noch geschehen wird. Ich bin von manchen Seiten

auf sehr undelikate Art provozirt worden, über diese

Arbeit mit in die Schranken zu treten, aber ich habe

unter allem, was mir über diesen Handel zu Augen

und Ohren gekommen, auch nicht eine Zeile gefunden,

auf die etwas vernünftiges wäre zu sagen gewesen.

Eine sehr vornehme Kritik, hatte das Ganze so vor-

treflich aufgefasst, dass sie den Don Lope einen

liederlichen jungen Kavalier nannte. Es thut mir leid,

für den Lope, dass er diesem geistreichen Schriftsteller

so erschienen ist, und ich freue mich für den Kritiker,

dass er eine so feinfühlige Tugend hat, in Don Lope

auch nur eine Spur von Lüderlichkeit zu finden. Ich

habe auf die Beschuldigung dieses Phisiognomikers

Don Lope genau in Beobachtung genommen, aber er

wollte sich von Liederlichkeit nichts merken lassen.

Mag ihn der Kritiker selbst drauf examiniren, wie

ich ihm auch selbst zu Diensten stehe, den er im

grosen Verdacht hat, als wolle ich Shakespeare etwas

nachmachen, ein Urtheil, welches dieser Kritiker, der

schon sehr alt ist, zu Shakespeares Zeiten gewiss

auch schon gesagt haben würde, wenn man anders

damals seine Zeitung gelesen hätte. [Ein zweiter

klagt, ich habe ihm die Rolle des Don Lope auf-

gedrungen, ich habe ihm Lope und Porporino vor-

gelegt, er hat Lope gewählt.] Eine zweite Kritik

gegen mich habe ich in allen Punkten beantwortet,

wo es anständig war. Es hilft keinem Menschen

Etwas einen andern zu beschämen."

Die von Brentano gemeinte „vornehme Kritik"

steht anonym (nach freundlichem Bescheide Karl Glossy's)

im Wiener Sammler Nr. 32, vom 24. Februar 1814,

wo es heisst: „Die älteste Tochter Isidora ist in Don


XXXII

Einleitung.

Lope, einen jungen, liederlichen Cavalier in Sevilla,

verliebt." Man sieht daraus, dass bei der Aufführung

der Charakter des Lope wirklich nicht zu rechter Geltung

gekommen war. Der Valeria wären aber auch eher Leser,

als Zuschauer, zu wünschen gewesen. Die glänzende und

geistreiche Behandlung der Sprache, die bei einer gewöhn-

lichen Aufführung fast immer ihre Wirkung verfehlen

wird, kann für den Leser niemals ganz verloren gehen.

Ich weiss , dass eine Aufführung des Ponce durch

Dilettanten in einer vornehmen Geselligkeit ungemein

gefallen hat. Ich besitze das Exemplar des Ponce, welches

für diese Aufführung hergerichtet worden ist. Brentano

hat keine zweite Aufführung seines Lustspieles erlebt,

auch nie mehr für die Bühne gearbeitet. Der Plan der

Herausgabe fiel schliesslich auch. Wer weiss, was dazwischen

kam. Die Valeria blieb ungedruckt. Brentano

war des Wiener Lebens satt. Er sehnte sich nach Berlin

zurück. Die enttäuschten Schilderungen, die er in dieser

Stimmung Arnim damals machte, muss man lesen, ohne

sie Wort für Wort zu glauben. Arnim fand für die

Vorgänge das rechte Urtheil und für Clemens den rechten

Trost, indem er, auf die Putzscene zu Beginn des

Stückes anspielend, dem Freunde schrieb (S. 337);

,,Dein theatralisches Umkippen in Wien muss Dir

nicht weiter zu Herzen gehn, noch vom Theater Dich

zurückschrecken. Als ich hörte, dass es eine Be-

arbeitung des Ponce gewesen, war mir die Sache er-

klärlich. Ein Völkchen, wie die Wiener, erträgt nichts

weniger, als wenn eine Geschichte einem Scherze unter-

geordnet wird, und dies findet sich doch gar oft darin,

wenigstens im alten Ponce, es sei denn, dass die Va-

leria ihm das alles abgeputzt hat. In jedem Falle

hast Du da keinen gescheidten Freund gehabt, der

Dir einen ersten Auftritt mit einem Stücke, das so

sehr auf gutes Spiel berechnet ist, widerrathen hat."

Berlin-Friedenau, im Mai 1901.

Reinhold Steig.


Zur Textbehandluiig.

Die Handschrift, wiewohl von Copistenhand, ist mit

möglicher Treue wiedergegeben worden. Unerhebliche An-

stösse wurden stillschweigend beseitigt. Aenderungen er-

heischten folgende Stellen des Manuscripts, unten Seite:

41 23 berfelben jutebev .... )üieber ettt)Q§

42 n fo (^e^e id), id) fürchte

54 19 bod) bod) burc^

57 2t ift mir vec^t tiax

64 n Ä'ann fie fo pbfd)

79 10. 12 auf bem ®ute einsiitieffen (der Infinitiv unconstruirbar

; aus Conjectur ^untte anstatt ®ute nach 8O26;

der Irrthum des Copisten aus 79 13)

79 16 e§ ift loäve

85 2 luie leibte


tJaleria

ober

X)atcvii%

©in £uft)>iel in 5 Stitfjügen.

Litteratnrdenkmale 11)^1120.


JJerfonen.

@armiento, ein fpanifcfier Dffijter in Hmertfa §err 9?eil.

tjfcitj, junger ßaüalier in ©eöilla,^ . , öerr 2Sotbe.

aiibor«, .

,, _,,^ 3)em. . j*rr ©tuMta.

^''^"-

iBfcl«nier"f^®"''®°'^""'°^l

SKab. L„

^uantttt, alte ©ouüernante btefer ^^räulein . Wab. Äriiger.

2opt be Seon . | ^ ,.

c^ ...w ., > tunoe ©aüaliere

g^ernanb ' 5lqutlar /

. ~ .,,

m -ijeüTlIa

^err 9?ooie.

- ^

* " §err ^eurteur.

^orporino ^err ^orn.

S^ttlcrio i^ampatto, ein 35ürger in ©eüilla . §eir Krüger.

äJttleria, feine ^oc^ter 3)em. 9lbamberger.

3faBcIIa bc loö Iorrc8, (Sbelbante au§ Saragoffa Wab. ®rüntf}a(.

Sustllo, i^re Xoc^ter Wab. äJforeau.

^ercj, ^Qu§^ofmeifter auf Sarmientog ®ut . ^err ^J^oufeul.

3)iener bei Sope ^^xx SBeibmann.

Wiener bei ^felif |)err Seifer.

8panif(^e SWili^en. (Jaöaliere unb 2)amen.

S)te Sgene ift bom erften bi§ brüten Slufgug in ©eüifla, öom britten

b\§> ©nbe auf bem öiute ©armientog. ®q§ ©tücf f|3ielt in unfrer 3eit.


^rftcr ^luftritt,

35aleria. ßope.

S8ürgcvUc()e Stube bei SßQlcvio; Salecia bcfd^äftigt an ßopc, öet im reid^en

5 33anto[tümc vi. äu pufecn.

Sope. SBirb e§ balb ein (^nbe? man barf eud§

?!}^äbc^en nur unter bie §änbe fonimen, fo tuirb man

gleirf) ober nie fertig.

^aleria. 3c^ fönnte mein Sebtag mit jubringen,

10 bid^ 5U pu^en, adj, unb ic^ mürbe nie fertig.

Sope. $u^e lieber einmal hci^ 2\d)t

35aleria. 2)u ^aft rec^t, fo fann ic^ bic^ boc^

|§u gut für ben ^att.

beffer bemunbern. C mie bift bu! bu bift orbentlid^

5 Öope. 3u gut für ben ^a(I, ju gut für micf), ju

gut für bie ganje SSelt.

^aleria. ßope, ic^ bin aurf) auf ber SSelt.

Sope. ©o! Sa freiließ! aber erjagte mir ma§ anber§,

ober noc^ beffer, mo §aft bu beinen (Spiegel?

S5ateria. ®er SSater ^at i^n mir 5erbrod)en, er

fagte, ic^ fct)aue nur ^inein, um mic^ für bii^ ju fd^mücfen.

Sope. 2)ein Spater ift ein ejemp(arifd}er Tlann,

Iunb id) §alte öiel auf feine 2öa§r§eit, gute 9^a^t. (sib.)

ättieiter miflntt,

25 ^aleria (oncin). 9^un ift er fort, für eine ^nbre

^b' icf) i§n gefd)mü(!t, bie mit i^m tanjt, aä) er i)at


4 ©lernend SSrentano. i, 2. 3.

mir widji einmal gebanft, nod) nie mar er fo r)art, fo falt,

unfel'ge Siebe, bie er mic^ gelel)rt, unb nun, nun, ha icl)

i^n lieOen !ann, üerläßt er micf), mie ein Se^rer feinen

(Scf)üler, unb ftößt mic^ in bie meite Söelt IjinauS —

a6), er liebt mid) nii^t me^r. (ste ptt tmuemt» tie §änt)e »or 5

bie ?tu0eii.)

2)rilter auftritt.

S5aIerio. ^saleria.

a^oterto tritt auf imb legt i^v üon leinten t)ic §änbe üor bie ^tiigcn.

S5aleria. M) Sope! ^u ^aft mic^ belaufd)t, nic^t 10

ma!)r? beine Mte reut bicf). {©te füMt rücf>»ärt§.) ^efu^!

SSater!

^alerio. ®a §aben mir§, nidjt§ al§ Sope, unb

lauter Sope, bu ^aft mieber gemeint, ^aleria, nimm mir

beine fingen in U^i, fie finb ha^» befte (Srbftüd beiner 15

äl^Jutter, nimm fie mir in ^c^t, unb fage ben Sope.

^aleria. ^dj liebe i§n.

SSalerio. (So jage ic^ euc!^ alle beibe!

5Sa(eria. Wli^ i^gen, ^-öater, ha§> ge^t nic§t!

SSalerio. @§ mirb fc^on ge^en, menn id}§ jage. 20

^aleria. 2)a§ meifs ic^ beffer, 53ater, menn idj

fort märe, mer foKte bann bor eud) getjen, fteljen, grüben,

mie bie liebe feiige 9}lutter?

SSalerio. §eyen!inb, bu meifet alle^, gefdjminb

mad^e fo etma§ ober id} jage bic§ gleid^. 25

^aleria (t^ie mnütt varoöiienbj. (^ütt grüf3 bid), ^äter^

d^en, fie^ nid)t fo mürrifc^ brein, bu ben!ft gemi^ mieber,

id) mottt auf ben ^anjboben getjen.

^alerio (fie umarmenb). Sliub, ^iub, mie fie leibt

-unb lebt. — ^ber id^ bitte bic^, mad)e bic^ bon bem 30

launigten Sope Io§, id) meig, e§ ift alle§ Xdnbelei, aber

bu §aft ein §er5.

^ateria a^re äRuttcr ))avobirenb). ^a, ha^ Ijab ic^,

^äterc^en, unb bu glaubft gemig, ic^ mottte gern auf ben

^anjboben ge^n.


I, 3. SSaleria.

^alerio. 3^^ K teiber (^otte§ med td) ha^. 5lber

^inb, bQ§ ge§t ntc^t, ic^ mügte jerfprtngen üor Born,

roenn ber itietteriüenbtfd)e §err Sope, bcr fid) ^ier roie

betn Q3räutigam beträgt, bid) bort tiiie ein J^ammer^

5 mäbct)en be^anbelte.

'l^aleria. 'öater, \>a^ mirb er gerot^ nic^t, o (a§

mic^ ge^n!

^alerio. ^orf)ter, ha^ ift nic^t anber§ mit folc^en

faullen^enben jungen (Sbeüeuten, bei be§ ^ürger§ fc^önen

10 ^Xöc^tern finb fie au§ Sangeroeile unb fc^Iec!)ten 5lbfi(f)ten,

mie lauter Hony soit, qui mal y

pense, auf ber Stette

aber, mo fie i§ren 9iang bebaupten, machen fie ein (^e*

firf)t mie ein SSappen, au§ bem alle milben X^iere

l^erau^fe^en.

15 ^-8aleria. ''}[d), er ift gemi^ nic^t fo, unb mär er

e§ auc^, ic^ mügte it}n boc^ lieben, irf) i)ab e§ i§m ge*

fd^moren.

l^alerio. (Sin faubrer (Scl)mur! unb er, Ijot er

auc^ gefdjmoren?

20 3?aleria. @r — ha?> mei§ id^ nicbt!

'l^aleriü. O über bie Unfd)ulb! mein .^tinb, bie

Siebe^fcbttJÜre folc^er pftaftertretenber reid)en ^afenfü^e

fommen mie bie öafenbraten fd)on gebrod)en auf bie §err^

fc^aftStafeln. ©efcboffen auf bet 3agb, gebrod)en in ber

25 .^üd)e, benafc^t bei l:ifc^e, ma§ übrig bleibt, friegen ^e^

biente, 6ounbe unb .^a^en.

'l^aleria. 3t)r fpred)t entfe^lid), !öater. 'M) fo

ift er unmöglid), o lafet mid) auf ben ^^all.

^^alerio. ^a, märe ber gute ^orporino noc^ §ier,

30 ben mir bcr ^()antaft aud) au§ bem ^aufe getrieben, ber

ginge mit un§ unb fd)(üge mobl fo einen Öaffen l)inter

bie C^ren, menn er unartig gegen bid^ mürbe; ber arme

Sd)elm fegelt nun nac^ ^merüa, ai^, üielleic^t fei) ic§ i^n

nie mieber.

35 55aleria. ^i)x benft bod) gleid) immer ba§

^ilrgfte, o \)ahi (^ebulb mit mir, lagt mid) auf bie

9J?a§!erabe.


ßlemeng SSrentano. i, 4.

agierter ^luftritt.

3)on ©armtento, maälirt als ein 9tutomate tUn__e|inefifc^eu ftoftüm

tritt ouf unb fc|t ftd^ in bcn Sc^nftu^I tieim ÄornirT^Hrö^tge/

S^alerio. (Siel) ba fommt ja bie MaMtxaht felbft

ju un§. 5

25alerta. 3Öa§ fte^t euc^ 5U ^ienft, fd^öne

iOJaSfe?

Sarmiento. Qn biefem ^^lugeitbücfe bu, fd^öneg

^nb, bie öor mir fte()enb mir i^re ^ienfte anbietet.

55aIerio. @ut geantmortet, öortrefflid) geantwortet. 10

SAhtx ma§ fd^ant i^r fo nad^ meinem äamin, fdjöne

9Ka§fe?

©armiento. 5)ort )tax\h einft ber ©priid^

ßiit 5'reunb, ein Sein, ein gut ©eroij'fen,

I

I ßin freuet SSeib, ein frommet Ätnb, 15

(Sin «Sorgenflu^I, ein I^eberfüffen

j

' 5Xni ?^'euer meine Streute ftnb.

Valerie. 5lc^ ®ott, i§r iingt meinen Sprudj —

ja, ja, a(§ ba§ treue SBeib geftorben lüar, al§_ber__ekifte

greunb mirf) üerüefe, ha Iöfd)t id) i^ au§ ; ba§ .^linb, 20

ber ©örgenjlu^t; ba§ gute (^emiffen, 'i>a§> ift a(te§, ma§

noc^ ha ift, unb ber ©orgenftu^l ift red^t t)ott ©orgen,

um bei bem fd^önen ^^inb ein gute§ ©emiffen ju be=

galten.

©armiento. Sieber S3aIerio, bu rüljrft mii^, o 25

bitte mid^ um ©tma^, aUe§, a(le§ mitt id^ eud) geben.

^al^xia. bitten, bitten! ^a mu§ ic^ bitten, haf^

mxä) mein üSater ^eute auf ben S3a(t läfjt.

8armiento. @e^e, ma^Üre bid), mein ^inb, unb

bereite auc^ beinem ^ater eine Tla^U, ii)x foEt mid^ t)in= 3o

begleiten.

barf id^?

SSaleria. O golbne 90^a§!e, !luge äRa§fe! ^ater,

S^aterio. Stod^ter, fannft bu?

^aleria. Ob id) !ann! (Ste muft ab.) 35


I, 5. S^aleria. 7

OTnfter 5luftrttt.

Valerie. Sarmiento.

ißalevio. 2öer feib t()v nur, 9}Za§!e? t()r mügt

ein alter, alter greunb fein — ja, ja — lüart i^r nic^t

5 einmal in ©aragoffa?

Sarmientü. 2)a mar ic().

S^^alerio. 2)a l)aben unr§ — feib it^r nid}t, mart

i^r nid)t einmal Stürmerjunge ? — (Clement — n)ie ^iefe

er boc^ gleid) —

10 Sarmiento. ^otala, ber bid) lehrte nüdjtern ju

luerben, bin ic^ nic^t.

S^alerio. J»ilota(a, .^otala! ben fennt i^r auc^ —

je^t t)ah \d)§> — getüig, i^r feib be§ ^offärtigen f^ä^nbrid^g

jüngerer SSruber — i§r feib gabri! — gabri! — nu,

15 nu — Sarmiento. 3tamiro, ber bie fdjöne ©c^mefter

tiatte, bin ic^ nid)t.

3_^aIerio. 5(ud) ben fennt i§r, ja bie ©d)mefter,

fie mar üerbammt fc^ön, nur ba§ SSärjc^en, ha§> einzige

20 Wäx^Q^tn an ber DZafe, ha^ fc^mi§ bie ganje @c^önt)eit

übern Raufen. Unb ber gäf)nbric^ — ber arme gä()nbric^

— ift aud) tobt — eine SO^ine beim ©turnt öon @ara=

goffa, perbaulj, fort mar bie gan^e §offartI). — ge^t

i)ah id)§ — gemift i^r feib ber ßinlenbläfer —

25 Sarmiento. dolmo, ber ift ja tobt,

55alerio. .^a, ba I)ab icft mic^ geirrt — e§ ift

mat)r, ber arme (Schelm! iijx feib be§ 53äcfer§ 33ruber —

rid)tig, ber feib i^r gemig.

Sarmiento. SDZartin, babor beiner grau D^eim,

30 bin ic^ (^ott fei ^an! auc^ nid)t, benn ber ftarb öor ga^r

unb iag. Söarum rät^ft bu benn immer auf SSer^

ftorbene?

^^alerio. (j^ott meife, bie ^abenö am nöt^igften —

ja, ja, e^ (eben menige biefer e^rlid}en Öeute me^r, meine

35 grau fanntet i^r alfo, na bie ift auc^ tobt, fie l)at ta^


8 ©lernend 93rentanp. i, 5.

(Sc|ddju(_i|rc§.5.^aterlanbe^ nid)t überlebt, nun fe^It norfj

i^aleria unb ic^, fo ftel)t bcr ©orgenftubl leer am Jilanün,

unt» ber fteinerne ^aft nu^:^ bem ®on ^mn iann fid)

barauf fe^n unb "in"^"cil" geuer fdjouen — e§ mirb mir

gan5 traurig, ler fc^aut bor fid) m-) 5

(Sarmiento (totrft ben mmtd ab). 35aIerio, mid) I)aft

bu öergeffen?

^.^alerio. .Stimmet, nein — mein ,§err — ^on

(Sarmiento, lebt i^r, feib i^r ein Ö^eift?

Sarmiento. ^lomm, füt)I an meinem .^per^en, ha^ 10

i(^ ber fteinerne ^oft nid)t bin.

95a 1er io. D id) merbe närrifd) dor greube, i'^r

feib ^ier, nid)t me§r in "illterifo, gleid) mufi ict) meine

^oc^ter rufen.

©armientü. 9iu^ig, rit^ig 5üter! id) bin noc^ is 1

gan§ intognito f)ier, bu mei^t, feit üier5et)n ^aljren bielt

mid) meine ^ftid^t in 5Imeri!a; al§ ic^ abreifte, mar mein


I, 5. iöaleria. 9

um Sereitaten, id) mu§ oft babei äBad^e fte^it, imb e§

tpirb mir mancf)mQl beinahe be§ järtlic^en (^equie!§

p uiel.

Sarmieitto. ^fui, bae mug anber§ merben, ber

5 Swnge ^nt in 0^1 feine J^ourage. 3Bo ift er je^t ?

^alerio. ißei euren ^öc^tern auf bem ©ute.

«Sarmiento. 2öa§ meifet bu ton benen?

«alerio. mä^t^.

Sarmiento. 5)a§ ift ber befte 9^uf.

10 'i^alerio. 3^r fonimt mie prüfen, lieber ."perr,

^eutc ^^(benb auf bem 53aE fommt ~^ön ^^elij in bie

©tabt. Sope bc Seon unb gernanb be ^tquilar geben

ha§> (^eft.

'Sarmiento. SBa§ ift au§ biefen Knaben ge-

15 Sorben?

'i^alerio. Ö)ute @ef'el(fd)after, reiten, tanken, fahren,

Sope mnf^ ein inunber^

fpielen, lieben, Sangeineile ^aben.

S a r m i e n 1 0. Stabtljeiben ! —

Iid)e?^ ,Sl^raut gemorben fein.

20 ^isalerio. (^ott mei^ e^^, ein inunber(id}er, metter^

menbifdjer ^lerl, ber a((e Seute unterhält unb immer

Sangeineite t}c\t, miliig unb nerlegen, ^art unb tno^It^ätig,

in alle Söeiber oerliebt, unb falt tnie ber ^ob, ic^ tnollte

er mcire, ino ber Pfeffer rcäct)ft, meiner 'i^aleria ^at er

25 aud) ben ^opf öerbrebt.

©armiento. Unb wo ift ^orporino?

; ^alerio. ^^(c^ §immel, ^a^ fällt mir rec^t auf§

§er5! .»perr, ber ift tneg, um fid) einjnfdiiffen, um euc^

aufjufudien.

30 Sarmiento. 2)a§ ift fatal, ina§ fiel bem 3un9


10 ßlcmen^ Örentono. i, 6. 7.

%^üv 'herein).

^Orporino (loirft mit bcm Schrei 58tctorto ! feinen .^ut jur

^l^aterio. $>immel, ba§ ift ^^?or)3ortno§ .Spiit, unb »

tia ift er felbft.

"^^orporino (umarmt (aarmientoj. O giiäbtcjer §erv,

tfjeurer, t^eurer ^^n^beluater!

Sarmtento. ®u lieber guter Sunge, ja 'i>a^

bin id). lo

^^alerio. ^)(ber luie fe^rft hu ]o glücflic^ fclinett

jurürfV

^orporiiiü. gd^ ferlief öorige 9kd)t in bemfelbeu

Cuartier mit euci), imfre ,^lammern trennte nur eine

^rettermanb unb au§ einem (^efpräd) mit eurem ^iöe- i5

bienten, ha^ i^r führtet, ^ört id), mer i^r feib.

Sarmiento. 3)a§ i)at fi^ fel)r glüdtid) getroffen.

^orporino. 5lber lieber S^alerio, wo ift benn eure

Xod)ter?

^^alerio. Sie fteibet fid) an, auf ben 33atl ^u 20

gelten, unb bu foEft auc^ mit, mir ge^en alle t)in,

gnäbiger §err, moKt i^r mir bie greube machen mir in

meine ©arberobe ju folgen, i^r merbet ba manc^e§ mieber-

fe^en, may if)r mir gefc^enft.

Sarmiento. S


I, 7. '^afeita. 11

2ope. 5(uf meld^er Seite fielen bie 5)amen? (S§

gtebt ein Unglücf, lüeiiu bie Manien auf meiner Seite

^inau^fommen.

^quilar. SBiefoV ber *iOionb fc^eint mieber auf

ö bein ^(ut 5U tt)ir!en.

2op^. ^a, t)or einer Stunbe mar Sbbe, unb je^t

!öntmt bie ?^IutI). — @ie§, id) ftanb beim heraufgehen

in einem SSinfel ber treppe unb a^ Slaftanien, unb mie

ic^ fo bie Senaten megfctinal^e, traf icf) eine ©ante, fie

10 fonnte mid) nic^t fe^en, unb mar bemüljt bie Schale au§

ber *oa(§!raufe 5U minben, 5(qui(ar, ha§> mar mein

Untergang.

'jJtqnilar. S)a fei ru^ig, 'i^a mirft bn nid)t untere

gef)en, ba finbeft bu (^runb.

15 Sope. (^runb, bu bift nid)t f(ug; am fdmnften

S^nlfp [jnttp fie girt JHifhff)pn Ijängeu, ein ^efid)t4en in

diamanten gefaxt, uub bie§ 33iib fc^mebt emig öor meinen

^ugen. Unb menn e§ mir mieber begegnet, bin id) öer-

loren, unb bie arme ^l^aleria flagt o^nebieö über meine

20


12 Siemens 33rentanD. i, 7-9.

2)atne uünbct jtc t^m nn). -Toii Sopc, iiiögc bte§ eurf)

bebeutenb merben.

(!I)icfc§ gefdiicfit, inöcm bic 2;an5linie ftdi feftc eiufacf) burcf)iri)Iingt imb in ben

SRittelfaal öie^t;i»ope bleibt aflcin intt fcineiu üic^te fte()cn. Da fie alle l)inein

finb, fc^liefu ec bic Zi\üvc.) 6

5l*ter mtvitt

2opt (onetn). ^te§ fei bebeutenb, fagte fie — unb

fterfte btefc ^-arfel tnieber an. iM\, id) tierfte(}e — fie

\)at \va[)x gefprüd)en. @in§ muß id) lieben, unb ic^ (iebe

biefe§ ^ilb, ein .§er5 ift uninberbar, ha^ ßeben ift ein i(v

Sotto, i(f) ^abe meine 3a(}l ne^ogen, man t'nnn nid)t mel^r

t^un auf ber ©rbe aU gen^innen, a(§ nerlieren, e§ ift

petDagt. — Stid, ba naf)en 9J?a§fen.

9kuutcr '^luftritt,

SSalerio unb ^orporino, modftrt, führen 3)on Sarniiento Herein. 15

^aleria beßteitct nc- Sope.

SBaleria (für ftd)). (^ott, ba ift er, ad) er tanjet

nic^t. (Saut äu aope.) ^rf) ne^me mir bie ^^reiljeit, lüertfter

9iitter, euc^ ben 2öal)rfager anjutünbigeu, ben mein S3ater

aufj^^ina mitgebrad}t, unb ber, menn er tnd) and) fagte, 20-

wie fe^r il)r geliebt unb üerefjrt feib, eud) bocf) nie e§

fagen mirb, mie ein $)er5, ha^ id) — ha§> id) im 33ufen trage.

Sope. ^a^f

QSalerio fju ssateria). 2öeg, [©r^ji-^f'-i • bu

mad)ft

fc^one (5i)efd)ic^ten, bu annoncirft bit^fdoft '(Sennor, fo 26

eud) gelüftet, meinen 2öa()rfager auf bie ^]>robe 5U ftetten,

er ift fo äc^t d)inefifc^ ai§ bic befte c^inefifdje S5:ufd)e unb

a(y ein nie getnmtener gaifert^ee,

£ope. 9^un, mein .S^err $)?anbarinifd}er J^alejLber,

la^t fe§en, ob i^r ein rid)tige§ ^bertaJ3männd)en fütirt, so

unb ob ifir un^t, ma§ einem .^linbe in meinem SO^onate

geboren bei)orftet)t. (Sagt mir, mer ift bie ®ame, bie id)

liebe, benn ich mei^ e§ nic^t.


1, 9. 10. 'Valetta. 13

oarmiento.

28cr ftrf) au§ Öangeiueile iet)nr,

3)Ht offnem ^Hcaul imd) ®et)iifud)t galant,

Unb melancf)ülifrf)4uftig Iact)t,

Xen Xag üerfcölnft, bie 9?ad)t burd^raad^t,

3)em ift ber f^rauen f)olb öicfc^lec^t

33ie biv, bu Xräumev, niemals rec^t.

Sope. 33ortreff(ic§ — gaiij ma^r, boc^ ba§ tüirb

anber§ werben.

10 Sehntet %i\^vxit

ä>OriC|e. 5(qut(av (au§ bem 5öaUfaolej.

5(quitar. @ie^ ba, gjZa^fen -zL-M^-S^g^"^-J^op^

mitten jinter i ^en.

Öope. (Sei ru§ig, ein vortrefflicher SSa^rfager. {gn

15 ©armtento.) 9tun fagt, mein ^^-reunb, mer ift bie ®ame

^ier auf bem ^atit, bie euc^ ^u einem Sügner machen

tann, mer ift bie 5}ame, bie bie in meiner §anb erlofc^ne

gacfelJtoürS entgünbet iyai.

^^^orporino (ju ^ßnterten). ^ieb a(f)t, nun tannft bu

20 bie bofe Söelt !ennen lernen.

33aleria. £a(3 mic^. («cgieng oortretenb.)

8armiento. Srf) jaö^ e§ nic^t, fie !önnte barüber

erröt^en.

Sope. (Srröt^en! £) §immel, märe fie unter eud),

25 märe ba§ geliebte Urbilb meinet S^erjenS —

3Saleria (äu t^m tvetenb). gc^ bin e§, lieber Sope!

51quilar. ®a§ 3timmd)en follt ic^ fennenl ®a§

finb (^onfibenjen o§ne (^leicl)en!

Sope. §immel! 8ie mären e§, o meine ^amel

30 SSalerio (ju ^orpotino). (5ül)re fie nad) öau§ —

fü^re fie nacl) §au» —

^orporino. Slomm, fomm,^^rajiofa! —

Sope. 9^ein, ^ier o^ne 59Za§fe meg ^^"nein nimmer-

mel)r


14 (JlcmenS Srentono. i, lo. ii.

3,^ a t c nci (emiovwti, !^ope

Sope. 5(rf) ^ott — mie im idj bumm, bu bift

c^, !i.^alcria — 3^/ liebet Stinb, üerjeil), bid) l)aO icf) Hid)t

gemeint.

bei bir.

95ateria (fe^r aeic^omt). Ä()t! s

^^orport^o. Siel), mie bir e§ ift, fo \mv mir oft

SBalerio. -^er Spaß ift üerborben , fomm nncf)

$)au)e, .Slinb, fiel) xf)n nn, fiel) ift b £g nid)t ein ®efid)t

mie^ein Pajjpen, fo mie icf) gefagt? — Sebet lüofi;' meine lo

§errn!

^aleria. ^f)x ^abt mir fe^r mel) get^an, ^^on $3ope!

(SSaterlo, 3SaIeiio, ^orportno gelten ob.)

Alfter mx^xiit

5lqui(ar. Sope. SarmientD. is

^Iquilar. Xa^ mar eine fe^r ungrajiöfe @efrf)irf)te

mit ber (^rajiofa SSaleria, hu macf)ft ^eute lanter Sßunber

üon Unarten, erft läßt bu bie 2)amen allein tanken, bann

öertretbft bu bie 99^^a§!en.

Sope. S)u ^aft beinah rec^t, aber ic^ fann mir nic^t 20

Reifen, ba|Jki±caiLiat micl^ nun_jinmaI-4aj04.JöexbJüi8t,—

S(^ muß eurf) rec^t furios öorfommen. ^err Jting tmc^

Öaj f)ij Xing^^fd^ifu, benn fo tjeißen bie e;(}ine(en imnterT

ote änb?fyrffl9t mir, mie ic^ eudj öoffömme, i(f) meiß,

inina lebt man ftar! nad) bem Sineal, unb mein 25

Junior bemegt fid§ etrna^ 5irf5acf mie ber ^ü^.

Sarmiento.

! (ie giebt ein unentfc6tebne§ ^ugenbleben,

I

I

gin älüifdien 2:t)ätii:ifett unb ^^aul^eit ftreben,

iöalb fliegt eg auf, balb legt c§ trag fidi nieber, 80

2)ann be'^nt e§ fid), bann fät)rt§ äufammen mieber

3nm ©Uten ober ©c^Iedöten ift bie ^Ba§I,

?(m Äteii^ireg ftanb aud) öertuleg einmal

1 2)ocö foll uor Sdilcdnem ^tebe eud) beiüa^ren,

I ^^x lebt in beii mornridicn ^legeljafjren. ^ 86


I. 11 12. ÜSaleria.

1J{quiIar. ,§errUrf)!

2opt (eritft). O uortrefflid) — t^r §abt nüd) red)t

gerülirt,

inni,

ja öor (Srf)led)ten! fofi bie

nun ift e§ mein (Srnft.

Siebe mtd) bema^ren

5 :,^ttJöIfter ^luftrttt.

S^orige. Xon geliy.

^IquiUir. SßiÜfommen gelij!

Sarmiento (tor nc^). ®ott, @ott, mein So^n!

Öope. SSiKfommen, iriüfommen ?5e%, in ben

10 ^le^elja ^ren!

""""

gelTj. ©Uten ^benb!

•iUquilar. SBa§ mac§t bie alte Xuenna ^uoit"^?

ßo^e. Unb if)re Sta^e?

^:!lquilar. Unb i^r ÜMfrod?

15 Sope. Unb i(ire gantange?

'^Jlquitar. Unb it)re !örille?

2o:pe. Unb öor altem, tior altem it)re (äleUeiv

beine fc^önen Sct)mefterny

5*eti;r. € ftnrmt nic^t fo in mid), e§ finb ber

20 (S)efüt)te \o mancherlei, bie mir l)ier entgegen fommen.

Sope. SSir empfinben ^ier teiber lauter (Einerlei.

£ fe^e bic^ ! er^ä^te üon beinen ^c^ineftern.

geliy. ^erjeilit, eble 99^a§!e, ben ^DM^mill meiner

(^reunbe.

25 Sarmiento. Stört eud) nic^t an mir, id) merbe

gern ha^ Sob ebler Xanten t»on il)rem ^^ruber l}ören, ic^

raerbe babei an meine eigenen ^inber benfen.

geliy. Sagt g-reunbe, ift meine (beliebte ÖU5il(a

fc^on f)ier?

30 Sope. Xa§ mirb bir nid)t e^er gejagt, bi§ bu mir

äfiboren irie in einem Stedbriefe bejd)rieben; b'enn "fie^,

id) lebe iiad) ben 'Xu§fprüd)en biefeS berühmten äöa^r^^

fagere in ben ü^^geljaljren, id) ftebe mie §er!ule§ am

Sc^eibemeg, brei (^üttinuen um^mic^ ^er, erften^ ^aleria,.


15 (IIemen§ Brentano. i, 12.

bann ein untnbcvid)önc§ ''^.^ortrait [)i€v unter ben Manien,

nnb luiu bcinc 3d)iucftov Sfibora, bie ki) immer au§

i^reunbjdjnft für bid) i^elieOt, of}ne [ie ju fennen — er=

5ä(j(e, erjdl^le uon iljr! benn id) Ijalie ntd}t met)r lange

3eit 5ur SSa^l!

geliy. ^(^ muß nur, fonft läf^t hu mir feine Oiu^e!

@ie Jft fanft, ftiHj, fpröbe, freunbtid), fromm inie ein

ii^amm, unb foK bod) fdjon einmal in ber fcc^e gelacht

^aben

löope. Ununberftet)Iic^ 10

^eliy. @ie (ä§t bid^ grüben, l)at micf) fe^r nac^

bir ausgefragt.

l'ope. 5lnne§ Portrait, bn 5iel)ft ben für^eren!

i^elij. UnF aÜe§ ba§ bei einer ©eftalt, einer

(5)efta(t!

15

Sope. (^efc^minbe, hk (i)eftalt, bie (^eftalt.

geüy. S


I, 12. 33Qleria. 17

f^elij- (j« ©atmieitto). (ärdiubt, eb(e Wa^ie, eine ^^-rage.

Sope. 9^etn, uid)t e()er, n(§ bi§ id) genug I)abe.

Unb fie fingt, nid)t tna^r, fie fingt fe^r fd)i.m?

(Sarmiento. ^n, unb jinar ^'oIgenbe§:

5 ^ei'U ic^ bid) neben foK,

2^u mid) nirf)t plofleii,

SiJiad) mir beit Slop'f ind)t toK

^IRit Dielen ?5^ragen.

Sope. ^a§ ift ein fatale^ Sieb. 3d) fjabe genug!

10 S^iu'- ©vlaubt, eble 9Jia§!e, fönnt if)r mir \voi)i

fagen, n)a§ meine (beliebte ^onna Su^illa abgehalten, mid}

auf biefem gefte ju fef)en, ift fie üielleidjt franf?

Sarmiento. Wm, fie ift abgereift,

^elir. Slbgereift, uuVljin? mie mißt if)r ha^ )o

15 getnig ?

©armiento (entfavut). ^^x fennt mic^ nic^t, idi bin

^on J)J?erfabo unb fomme bor inenigen ©tunben erft in

03efcl)äften au§ iDceiito. gn bem 2öirti)§^aufe, wo kf) bie

le^te '^}a6)i mar, ging ic^, bie fdjöne 9Jad)t ju geniegen,

20 auf bem 33at!t)n auf unb ob, bie Silagen einer 3)ame

unterbrad}en mid), id) fanb fie in einer Saube fi^en, fie

gemann 3Sertrauen 5U mir, unb ba fie ^örte, bafj id)

^ierl)er reifte, forberte fie mic§ auf, eud) ju erjagten, ta^

fie pUi^lid) 5U i^rer Slante nadj 8aragoffa 5U reifen I

26 ge5mungen morben fei, ha)^ man fie bermä^len tnoße, hafi ^Xu,

\\)x fie retten mödjtet, fie entfül)ren. /

^eliy. (Sntfü^ren?

©armiento. ^a, \>a^ füll id) eud) auf bie (Seele

binben, benn fie fürchtet, il)r l)ättet feinen SOtutl).

30 5fquilar. Steinen W\xi{}, pfui taufenb, ^-elij-, ent^

fü^re fie, unb bringe fie uüeber jurüd, mie neulich ^on .

Julian, ber neulid) ofjue Drbre ()inritt unb '^^^}L.^^^^^^y-^^^y.

^^^"^

feine filbernen Si:rümpeten ftal)l, fie aber ^ur ©träfe /

feiner gnfuborbination mieber biutragen mu^te. @r tt)at

35 e§ am l)ellen Xag unb tie^ fo munter barauf blafen, bafj

fid) il)m ein ganjeS ^üet 9i'eiter ergab.

Litteralurdenkmale 118/120. 2

V,


18 ßlemenS Sventnno. i, 12. 13.

Sope. So, entführe fie, bringe fie juvücf, unb ()ole

biv ein gan5c^ ^üet — id^ fpiele eine **^nrt§ie )!ß\Mi mit

unb geminne bir alle Briefe ab.

(^elij. 3I)r feib gan^^ unflug. — (Sntfü^ren! ad},

ic^ mi^d^te [ie gerne retten, aber ein einfacher SSeg muft 5

e§ fein.

©armiento. (£ine ©tricfleiter ift gen:)iJ5 ber ein-

fad^fte 2Öeg.

Sope. Dlein, eine .*pü^nerteiter ift nod^ einfad^er.

geliy. M), fie ift fo fanft, fo fdjiDad). — 10

Sope. (Sben i^re (Sanftmutf), i^re 8d)Uiäc^e faffe

red^t in§ ?Inge, id) garantire bir, fie mirb bann fo ftart,

fo mitb a(§ jebe, unb ift fie gar ju fd)Umd}, fo reite

Courier mit i^r ^er, benn 'Oa^ foH (2d)Unnbiüd)tige fc^on

oft fouriert l)aben. 15

(Sarmiento. @ntfc^lie§et eud), e§ nat)t fid) fc^on

ber Stag, eure (beliebte entartet eud) morgen 9lbenb, ic^

^aht ha^' ?Ohinige getl}an unb empfehle mid) — aber er-

laubt, 'oa^ iä) eud) umarme, i()r i)aht an ber 2-ippe einen

3ug öon eurem ^ater! (umarmt i^u.) 20

geliy. SJleinen ^ater fennt if)r, meinen S3ater?

(Sarmiento. (Sr ift mein befter greunb, id) ^ahe

manche ®efct)äfte öor i^n, er gebeutet eud) haih 5U fe^en.

^elij. O ha^ ift ^errlid), nun nertraue id^ eud)

gan^, icft reife auf ber ©teile meine ^raut 5U fudien — 25

mo treffe ic^ eud) bei meiner ÜJüd!el)r?

Sarmiento. 3d^ fud^e eud^ auf eurem fcte §eim,

lebet mo^l!

gelij, ^quilar. Sebet tüo^l, 5)on DKerfabo.

(Sarmiento (gc^t a&). so

^retje^nter 5tuftritt.

£ope. geliy. 5tquilar.

Sope. 5)a§ ift ein gewaltiger Mann jum (inU

führen, id) bin nur fro§, ha^ er fein (Stier ift, er träre


I, 13. u. SSalerta. 19

im Staube unb cntfüt)vte (Europa — aber geliy, mm

itoc^ eine C^emiffen^frage über ^lij^oren.

?5elty. SSte, tannft bu norf) immer nic^t ru^en?

benfe, baJ3 icf) jet^t üie( §u tl)un f)abe.

5 Süpe. ^ie ^-rage ift gerabe ipegen bem 9iul)en, fannft \

bu mir mo^( fctgeu, une 3)ouua ^[ibora 5U jcl[)(afeu pflegt? '

^-etij'. iocih i(f) je fold) eiueu T()oreu gefe^eu.

^Xquitar. Sie luirb fc^tafeu mie alle 93tenf(j§eu mit \

gefc^toffeuen *:}(ugeu, uub uic^t irie bu uub bie .*pafen mit

10 offeueu.

Öüpe. 3d) ^olfs ntid) uid)t abU'teifeu, ic^ triti, i^

mu§ e^^ lüiffeu.

5eliy. D Cuatgeift, fie pflegt grab au^^geftrecft auf \

ber liufeu Seite mit gefaüeueu §äubeu gu xni)tn uub 5^ ^

^^ ^

Sope. 33ortreffIic^, gute Ü?adf)t ^^eliy, idi ge{)e uub au^

15 trdumeu üon (^ott uub ber Seit. '

lege mid) red)tö uub tröume aud) bergleidjeu. (er wui a6,

b man l^ört bie SRufif in ber Olebenftuöe.) D me'^, ba fpieleu fie

beu Ue(irau§, \)a tritt mir mieber \)ci^ uertuitufd^te ^ilb^ 20 üor bie 5lugeu.

^Iquilar. Mouim %d\x, lafs uu§ beu (e|teu %an}^ ^

mittaujeu, morgeu 5lbeub taujeft bu auf ber Stridleiter. ^ f;^

Sope. ^a£> ift ein 5lugibrud, ber eiueu "betualj an§

Sc^mebeu eriuuert, Stric! uub gelter.

25 56H;r. Saubere ^rma!^uuugeu ! ^ber ic^ !anu je^t

nic^t tau^eu, id) mill g(eid) auf ber Stelle tüeg. SlÄi

U)0^(! (nb.) ,

5tqui(ar. C^tücf uub ^eil! — 9iuu Sope, fomm

uub i^wyi mit!

30 Sope. 3d), ueiu, ueiu, ic^ fürd}te "^o^^ Portrait! .__

*^qui(ar. -5)u bift ein uueutfd)iebuer ^^or. (a6 in

ben Sonäfonl.)

3Sierje^ntcr ^luftritt,

Sope (auein.) Sc^ou graut ber ^ag, ma§ fo(I ic^ T«^/^

85 5(rmer t§uu ? foü ic^ mie 3^onua ^fibora ru^eii^j'oll, id^ c^^w


X

20 Cnenicn^ üörentcmo. i, u. ii, i. 2.

bie/Xuneu auf ha^:^ ^^ruftOitb tücnben? ic() ftelje ba, ein

S^iiib mit l)o(len Rauben, ad) einei? iniif? icl) büc() luo^l

fallen Inffen, bas^ anbere befto tnnigev ju faffeti. ^-oit

'^in jum Xaii5, im ©lanj ber ^crjen t)evfct)mel5' id) Oeibe

Sieb in meinem /iper^en. (ab tu bcn ©aar.) 5

@nbe be§ elften ^(uf^ug^.

Stocitev 2tiif3ug.

iiJaleno^ SSol^nung, 93Zorgcnbänimerung.

©rftcr ^luftritt.

S5a(erta (alleln, tvttt auf mit einem 2id)t, bei?} fte auf ben Stfc^ 10

fteat). ^d) fann nidjt ruf)en, id) meine immer, Sope müfite

fommen unb mid) um ^erjeifjung bitten ; mie t()öridjt, mie

fann er um biefe @tunbe fommen, wo faum bie er fte n

©trauten ber ^D'^orgenrötlje am §immel! 5td), mie traurig

ha^ ßid^t in ben ^ag ()inein brennt, e§ ift baffelbe Sielet, is

ha^ er mir geftern fo !att 5U putzen befallt, al§ ic^ i()m freunb=

(id) raar, unb je^t, je^t nürb e§ Xag — ja ein %aQ Uor

meinen klugen, ber mic!^ fann meinen mad)en. ^er ^ater

(jat rec^t, id) bin ju meit gegangen, 2o\)t liebte mic^ nie,

nnb id) wiU mid) räd)en, act) bie Siebe einer 93?utter ju 20

il^rem ^^inbe foü bittrer fein, at§ meine d^cidjt. '^od)

ttjer fömmt? follte er e§ fein! — S)u arme§ §er§,

totid) t^öri(^te§ §offen, unb hod), e§ märe mögüd) —

ha^ §au§ mar offen biefe 9iad)t — (e§ ^oc^t) er f)ai fein

gut ®ett?iffen — !omm nur l)erein, lieber Sope, aber id) 25

bin böfe auf bi^!

3tt)citcr ^(uftritt.

SSorige. ^^orporino.

^CLrp_orino (in untform). @ei nidjt böfe auf mid),

t>a\i id) Sope nidjt~nn7


II, 2. 3Sa(erta. 21

^alerta. ^id) bu bift e§, icl) mu§ mtc^ fd)ämen.

^orportno. ©cf)äme bid^ nid^t öor mir, liebe

S5a(eria, id) fenne bein ^erj ! id) fann, id) rnitt bic^ nid)t

befrf)ämen, ba§ lonnte Sope rvoiji. Dieid) mir bie §anb,

5 id) lüiK bid) um @tU)n§ bitten.

55aleria (reicht x^m bie §anb).

^^orporino. ^uliebftmic§ir)o§(je^tmc^t,mc]^ttt)at)r?

!öa(eria (entfc^uibtgenb äörtitc^.) S^fct uoct) iiic^t, Qd§ nein!

^orporino. 5(d) nein! ad) nein! unb Sope, tiebt

10 bid) SopeV

Spulerin. SBielleic^t Jiiä)t. me(}r

^orporino. @r liebte bid) nie! ^^a finb mir nun

freilid) beibe übel baran, aber mir finb mie (^efc^mifter

erlogen, mir fennen un§, mir motten un§ l)elfen. ©ie^,

15 ic^ mitt Sope überatt auffud)en unb if)m erlabten, mie

lieben^imürbig bu bift, rebe bu mir bn§ ^oxt ein menig

bei bir.

S^aleria. ^u bift fel)r gut, lieber ^orporino!

^orporino. 3)u §aft e§ freiließ bequemer bei bir,

20 al§ ic^ bei if)m, aber ic^ mitt e§ hod) öerfuc^en, menn bu

mir einen J^lug für meine 9[JJüf]e geben mittft.

^aleria. ^uter ^orporino, aber f)aüe Söort.

^orporino. D id) mödjte fo lange ^u§ ^ölten^

25 ba^ ic^ 5U1U Söort galten ju fpat fdme.

isalcria. 2Öü daft bu benn bie fd)öne Uniform lier?

^orporino. ®er ©betmann, ber geftern un§ ;

maSürt auf ben ^^att begleitete, ^at mid) 5U feinem ;

^^(biubanten gemadjt. (^efatte ii^ bir fo nic^t beffer?

no ^aleria. 3a, menn Sope nid)t märe —

!

^orporino. ^er ^erbammte! Seb mo§I, ict) ge!^e

unb briuQe^ i^n um.

SSatefiär ^ann, ^orporino, bringftbu^jbn um

mic^, unb ha§> ift gegen atte 5lbrebe.

35 ^orporino. @§ ^itft nid§t§, ein Siebt mu§ ic^

au§b(afen, etma^i muß fterben, id) bin ganj friegerifd^

geftimmt. (erjtöft ba§ sic^t au§.) J5a§ geUe bir, Sope.


22 ßlemeu§ Brentano. ii, 2.-4.

5^alerta. 3l^a§ treibft bu? ba§ Stc^t, ha^ Sid)t

]^ätteft bu nid^t au^Iöfc^en foKen, ac^ e§ tft ba^ :^ic^t, bei

metd^eni fid^ 3)on Sope cjeftevn aiicjefleibet.

^orpovino. @ott fei ^anf, fo luottte id) benn,

bag c§ einen gan§ aparten 5(berglau6en über ein foIc^e§ 5

Siebe§lid)tcl)en gäbe. C ^.^aleria! fief), ber f)elle %a(\

kucktet jum genfter ^erein.

2)er 5J?orQen[tent, g(ei(^ luie ein ^elb,

SStK un§ beu Xag uertünben,

Söer treu unb e^rlirf) ©lauben ^ält, 10

3)ev lüirb fein 2tebd)en finben.

^aleria. 2)u bift ja red)t poetifd) getuorben, feit

bu (Solbat bift. —-^

^orporino. 3d) muB bir fagen, e$ ift mir immer

fo etma§ in ber Seele gelegen, aber id) fonnte bor Siebe is

5u bir nid)t baju fommen. §eute Dkc^t aber tjaht ic^

red^t an mein ^aterlanb unb ben~^rleg ünl) bid) geba~d)t,

unb ha fjabe i^ ha^ Qkh berfertigt, \>a^ id) bir Ijier gebe,

ber S)?orgentüinb me^te fo frifc!^ jnm genfter [)erein, unb

tc^ bin Doli Wiuti) unb Hoffnung, lie§ c§ !^eut beinem 20

^ater bor, ben tüirb e§ freuen.

^aleria (fte ftecft ba? sieb äu fic^.) ^a§ tpitt id), bu

bift gan^Jiermanbelt.

Dritter ^luftritt.

©armiento. ä^orige. 25

©armiento. Sieber ^orporino, jünbe mir ein

tt)enig_2id^an, i(^ mufs biefe S3riefe fiegeln.

$orporino. £ bon §er5en mit taufenb greuben.

©iel), ^aleria, mie fid) aHc§ trifft, ic^ mu| ba§ Siebe$:=

üd)t4eu njjeber onftecfen, hai-' bebeutet (^(üd für mid^. (a&.i 30

agierter 5(uftritt.


II, 4. 5. 93deria. 23

©armieuto. ©§ ift ein f^errlic^er 3wng«, ber

^orporino, tüte i^m bie Utüform fc^ött fte^t. — (er

abbrefiirt bie ^Briefe.)

S^aleria (fte^t aiietto. 9iec^t iimnberOnr, inie mi(^

5 5(lle§ üetiiegt, ber (Sc^evj mit bem Qidji luirb ttiir gattj

errtftt)aft. ^orporitto ift bod§ jet)r tiebenöitvürbig, fo eine

burdjtiiac^te 5^Qc^t fpannt bie @eele tinmberbar.

fünfter %n^x\it

^aicxio. i8 r i g e.

10 5}a(erio. S^oit Sope, Settnor, erfuct)t eud) um

einen frühen ^efuc^.

©armiento. Gr fattn luarten.

^aleria (für m)- Sope, Sope, tiiie fcittt ber 9Zame

mir in meine Seele!

15 ^sateriü. S^inb, ^iitb, ma§ ftet)ft hn fo ha, tnie

eine Saigfäule ! gemi§ ipieber in beinen unseligen Siebe§^

gebanfen. (^e(j, ^^deria, unb treibe @tma§, ober ic^

treibe bic^.

^aleria (t^ve SJJutter ^jorobtreub). \

20 ^DZorgenftunb ^at ®oIb im Wmib,

2Bär id) ein golbner ?(pfel runb,

3d) dB mid^ üou bem 3^^ei9c io§

Unb fiel bir, ^ater, in ben ©c^oofe.

©Uten 3)Zürgen, ^äterc^en, ma§ tnilffl bu 5unt griitj^

25 ftücf? (fie raifelt mtt ben Sc^tüffeln.)

^alerio. C bu 8cf)eltnen!inb, ba§ tueigt bu nun,

toenn bn )' o bie ]elige ä)Zutter nad)tnac£)ft, fann id) nid^t

5Ürnen, aber "e§ fc^tt bod) nun üwa^, bu fd^narrft

ni1^ genug, beine 9J^utter jd^narrte i(;r 9i leljr rafi^

so I)erau§.

^aleria. 9iic^tig, barum red)ne id^ gerabe 30 3a^re

meniger im 5üter. Sieber ^alerio 9fiobrigue§! ^tlirr!

flirr ! (fte raffelt mit ben Sc^lüffetn ititb läuft ab.)


24 6kineu§ Sßventano. H, 6. 7.

Set^fter ^hiftritt,

35aIerio. (Sarmiento.

^^alerto. flirrt fte mit ben (2d)Iüffe(n, ]o ift afle

meine ^lutorität ^iti.

©armieiito. 3)a§ ^inb i]t ein redjter (Engel. 5

Siebenter 5luftrttt.

^orporino. Vorige.

^orpovino (fömmt mit mt) - §iev, gnäbiger .S>i*^'l

©armiento (tnbem er ftegeit). 9hm ^ört meinen ^^ian,

une ^Xllen jn Reifen. Sope gefädt mir, er fann ein \)in- 10

trefflicl^er d^lann werben, feine ^^agbieberei mac^t i^n hod)

nod) melanc^oüfd). ®r fcf)eint eine Steigung ^u meiner

Xocl)ter ^fibora ju Ijaben, unb fie (olt i()m burd) hk

^efc^reiOnngen meinet @o^ne§ aud) bereite geiuogen fein,

^iefe 53erlnnbnng tt)äre mir lieb, unb ^deria mürbe 15

ganj babnrd) geseilt, benn fie fi^eint mir me{)r in i^re

Siebe aU in i)Dn Sope berliebt 5U fein, ber o§nebie§ fid)

in einer 2eibenfd)aft, mo e§ i^m nid]t fo (eic^t geboten

mirb, gänjtid) üermanbeln mirb.

*i)^orporino. liebfter (Sennor, i^r fpredit mai)r, 20

ganj öortrefflid) unb mafjr.

^aterio. !^ü^a\ bn§ ift Söaffer auf beine ^JJlüljkl

Slber, jDou (Sarmiento, mie moüt ibr bo^ 9lUe§ nn=

orbnen ?


II, 7. J^aleria. 26^

öernante ein, fuc^e bic^ redjt ^u tierftellen, eine grofte

^erücfe mxh bic^ c\em\\ unfeuntlic^ mad^en.

^orporitto. C id) iritt meine ^}^olIe öortreffü^

fpielen, irf) und ein ^efic^t jc^neiben, n(§ I)ätte id) me§r

6 Sente Blinb gentad)t al§ ber ©tanr ; id) anll bie D^ren

l^inQuf5ief)en, at§ ^dtte id) me§r ßeute taub genmi^t a\^

ber gro^e SSafferfall be§_^£L}|iö^jkome§ ; ic^ unE bie 'v^

^ü^e fe|en, a\§> iimllte id] ade boppelten C^Mieber nieber-

rennen, unb a(§ (jätte ic^ me()r ßeute gelähmt a(§ ba§

10 3ip|?erlein unb bie (Slepfjontiafi^ ; meine §änbe will ic^

§ufammenfneifen lüie 5(berla^fc^nepper, unb aU ^dtte ic^

me^r ©pannabern ^ufammengefc^rumpft al§ ein gabrüant

tum ^trmBruftfennen. 3a ic^ iperbe au?^)e^en inie ^^eriaf,

bei beffen ^^abrüation fiebrig ge]d)mürne ^(pot^efer auf

15 bem ?9tavfiböplan ,yi '^Ncncbig Derfammelt gemefen finb," f ^

unb iperbc einen ^^Jiing am ^nnger führen trie einen (^rab*

ftein \o gro^ —

©armientü. 9hm, bu f)aft e§ gut Uor. ^u aber,

^Isaleriü, reijeft fogleid) al§ mein fnnftiger §au§§Dfmeifter

20 nad) meinem (^ut, unb it)r empfangt bie jungen ^oerrn

bort unb nedt fie gef)örig.

aber taffe

33aterio. 3^r l^ergeßt aber meine ^odbterJSalerial

Sarmiento. ®u I)aft rec^t, QUter ! ^

fie immer 5mei ^age §ier adein, bonn !ann fie ^^orporino

25 ab()oIen.

^orporino. C mären bie §mei ^age erft l)erum!

Sarmiento. @ie merben (jernm fein, e^e mir e^

benfen, bie 3eit ift unenb(id) fc^ned, unb barum moden

mir rüel, Diel in ber ^ürje t^un.

30 ^^alerio. ,

^^(ber ^ope, 5(qni(ar merben mid) fennen^

ba ic^ nun fc^on feit jeljn gaf^ren if)re (^efc^äfte füljre.

©armiento. Gi, ge§e i^nen au§ bem 2öeg, unb

treffen fie bic^ bod), fo 5eige i^nen biefen meinen 53e^

ftadung^brief al?> mein §au§I)ofmeifter uor. @d)ned rufte

35 bic^, padt hiv^ 9?ött}ige ein.

35 a ( e r i 0. ^id), ha ynii^tc i^JSahxia einparfen.

^Hber ic^ ge^orcbe eud^ blinbüngS.


26 Giemen^ lörentano. n, 7.-9.

©avmieuto. 9hin fui-t, jcbev tl)ue rafd) t>a$ Seine,

^orpLU-ino befteHe bie Briefe mit reitenbeit 33oten, id)

Qtf)t bie jumien 5lbent()eurer 511 bi§poniveit, auf meinem

^ute fe(;en mir un$ inieber.

^orporino. ^? if torin I ba^ unrb ein hiftic^er g-elb^ 5

^Ug ! (9Ute ab.)

^^tcr 5luftritt.

I^Ope (allctn, legt einen SvoiterOvief, ben er gefefen, oitf hen Zx^Aj).

%n bem alten ^al^nlofen ^itular^^jtbmiral ^at fid) ber %o\>

aud) feinen ^^a^n au^gebiffen. ^d) bin Uniüerfalerbe, 10

man fann bod) entfe^ücf) reid) merben auf ber SBelt, luenn

alle Seute ftürben unb man müfjte aKeo erben, unb umrc

gan^ allein ! ®a§ ift ein ©ebanfe, ber einen ÖJei,^^a(§ 5um

S^erfc^inenber machen fönnte! — 9tun bin id) ber le^te

meinet (Stammet unb fu berliebt, baß, braudite ic^ nic^t 15

eine (beliebte ha^n, id) mie ber Stammbalter unten an

meinem Stammbaum ein gan^e^ neue§ Ö)efd)Ied}t ber l^eon

au§ meinem .Sperren Ümnte umdifen laffen. ^dj ftecfe

junfd^en jtiiei Seibenfc^aften mie ein (Sd)attenrif3 jroifiiien

ben §mei .klingen einer Sc^eere. (Sine Sdjraube, bie hk 20

klingen tierbinbet, ein g-utteral bar über, fo mirb ey eine

tragbare (Sc^eere. ^d) armer l^ope, hn eble§ freie§ üiofj,

tpirft in ber Sdjeere ge^en, mirft einen ganjen gamilien*

!arren nadjfcbteppen.

9leuuter ^üiftritt. 25

Sope. Sarmiento. 5tquilar.

Sopc. SöiUfommen, Sennor, it)r feib ber günftigfte

SübiDinb, if}r t)abt bie fct)(affen Seget be§ 5)ün g-elii'

erfüllet, ha^ er bereite ausgelaufen ift, t>a^ golbne 58lie^

5U erobern. 9^un l)elft aud) mir, mad^t mein ^aperfdjiff so

flott, ha^ auf ber Saubbant be» ä^i^eifel^ feft fi^et, unb

beffen .Slompag aii^ lauter Öangertneile fid) im .^Ireife


II, 9.-11. S5alei'ia. 27

:^evumbve^t. ^rf) üefiiibe tnid) uiat)r§afttg in ber Sage

eines dratenben ^urteltauberg, einen Spieß am §er5en

unb 5ti)ei g-ener nni mic!^!

5 ju iDerben

'jM^quilar. 80 f)aft bn §üffnnng, enbltc^ genießbar

ßope. Cber gar ju üerbrennen! ^rum, irem füll

nun bie gebratne ^aube tn§ 93^aul fliegen? Sd) tiaht

foeben bie S)ame fragen (äffen, men ha-i ^orträTf üor-

ftede, ha^^ fie f)eute S^adjt getragen; aber er ifl nod) nid)t

10 5urüc!.

8armiento. S)er anbre (^egenftanb eurer 2kb^

ift alfü J'-önna Jyftbora, be§ ^on ^clij 8d)iiiefter. (Schubert

mir biefe 5)ame.

Sope. ©Ott fei ^an!, I)abe id) fie nie gefeljen, fonft

15 märe id) gan^ Verloren. ?lber felit, e§ finb jel^t meine

fritifdjen Xage, in jmeimal öierunbjmauäig ©tunben niufj

ic^ eine grau ^aben, fonft ^ahz iä) feine. Sf^ ^'^^ tiefer

©ebnfud^t fo mübe, ha^ id) Hör 9[Rübig!eit öergeffe, fie

mir au6 bem ^'opf 5U fc^tagen, unb 'i>a§> DKH^igfte öer-

20 fäume. (füngelt.)

äeftnter 5luftritt.

Wiener. ^^ r i g e.

Sope. Söirb ber SO^a^Ier unb ber @d)neiber balb

fommen V

25 2) i euer, ^aterio mirb beibe fenben. (ab.)

Alfter ^(uftritt.

Vorige, o()ne 2)iener.

^^quilar. SSa§ §aft bu mit biefen S^ünftlern ijor?

2 p e. 2^ dte ^2(bmira(, 2^^^^ (^rofsol^eim, ift ge-

30 figrben, id) merbe nur ^^uer' mad)en taffen, unb ber

9[Ral)ler foU mir meine Öeliebte mahlen, mie ic^. fie mir


28 (Xlemeng SBvcntaito. ii, n. 12.

Sarmiento. ^a§ mirb ein umnbertic^e§ ^:|5ortrait

iDerbeiT.

^ope. ^a, ja, baf ^^ortrnit unb Sfibora burd)

einanber. C^ott fei mir gnabiq, ba !onimt bie ^^otfd)aft.

äwölfter 5(uftritt, 5

^ V i g c. Wiener.

Wiener (bviniit ein 95taet).

2opt. ^'ert! lüävft bu md)t fo lange auggeb (leben,

\>ai icf) feine 3cit J«e()v ^aOe bid) 5U prügeln, ic^ Ü)'ciiQ: e§.

5^iener {a&). 10

lUipe. ^e^t entjdjeibet e§ fid), tretet ^u tnir, id)

fönnte in OIinniad]t fnlten. (ev liefi.) „'^ai-> 33ilb, bn§ ic^

trug, Heß mir 2)ünnn ^ujiUa bei if)rer 5(breife jurüd,

iretd)e e§ bon S)on getiy §otte, e§ ift ba§ 53ilb" — nll:=

mäd)tiger §imme(! — „^[iboren» bon ©armiento !"

2öef), 15

tt)e§, bie Sc^eere gef)t 5U — e§ ift mit mir borbei, ber,

id) muß euc^ atte füffen, ha^^ Üeben ()at ein anbre§ (5)e=

1ld)t befommen. icv nmnrmt 9((|ui[or unb Savmieuto in au?gelaffener

greube.)

5(quilar. ^s^j gratuüre, greife 5U, bie ^^art§ie ift 20

bortrefflic^!

Sarmiento. ^fJun bat euer Kompaß einen ^-^.^ol,

fteuert mutf)ig brauf Io§.

Sope. O fd)mer§lic^ mar mir ha§> ©eftirn ber

3tt)iUinge, unb rei5enb gel}t mir nun bie Jungfrau auf. 25

Sarmiento. Üaßt eurem SBanfelmut^ nun feine

3eit mel^r, fort, fort nad) bem SSorgebirg ber guten

.^Öffnung, mit aüen Segeln fort, fo merbet i^r bie neue

Sföelt entbeden. 53Zorgen gebe aud) idi unter 8egcl,

^4^orporino begleitet mid), ec^ mirb eud) lieb fein, menn er so

weg fömmt.

£ope. Sieb, nein, nein — bie arme f leine

$8a(eria

9(quilar. 2öte fällt bir bie jeBt ein?


II, 12. 13. SSoIeriQ. 29

Sope. ©ie liebte mid) fef)iv tc() citaubte, ^orponna

fönnte fie tvofteu, nun tDir^ fle gan^ Derinffen fein. —

gd) bin ganj tüunberbav, gan5 lieränbert.

(Sarmiento. ©c^mer^t eud) unci(iicMid)e Siebe, ]o

ö öerbient i^r ber Siebe ^lürf.

Sope. ®ut, ja, id) üerbiene e§ cj^^ife — ^«^^nt

i!^r ? 5(ber mn§ fonnte id) nnr fo Innge an anbre Sente

benfen, l^elft mir, rat()et mir, mie füll ic!^ nur ju meiner

f(DfterI)aft üerjperrten (l^eliebten fommen. SBart, e§ fät^rt

10 mir lüie ?^euer burc^ bie (Seele, ()errüd)er ©ebanfe, icl^

ftede ha^ ©c^Iog in ^ranb, ic^ ftür^e l)inein, id) trage

fie au§ ben 3'iatnnien, unb fort, fort mit i^r in ben

Söalb, nieberfnie ic^ t)or ifjr auf ben b(üt)enben Diafen

unb bete fie an, ad) unb fie Uerjei^t mir.

15 ©armiento. DIein, §err, fie öergei^t eud) nid)t.

Sope. 9äc^tV S)a§ märe fatal!

^Iquitar. 2)u bift ein ^lavxl

Sope. ®ie Siebe folt ifire 5Zarren fjaben. Sc^

meig feine anbere~lgiilfe, ad) unb c^ preffirt gemaltig.

20 ^ommt, !ommt in§ greie, ratfjet mir auf bem 8pa5ier*

gang, aber bort f)inau§, nad) (Sonnenaufgang bin, mo fie

lüo^nt, ta^t un§ ge^en.

©armiento. 3c^ begleite eud).

5(quilar. S)u mirft bie Suft in ein ä)(eer öon

25 Seufzern öerroanbetn. (arre ab.)

iißalevioS 2öof)mincs.

SSalerio (aneiu). gc^ bin mie ein !leine§ .^'inb, ha^

aüe§ t)erfprid)t, menn e§ bitten f)ört, aber lüenn e§ enblid)

30 ben bunten 2^anb I)ingeben foK, fängt e§ an 5U meinen.

5)a§ Keine §au§ I}ier fotl tc^ berlaffen, ad) e§ ift ganj

mit mir jufammen geii)ad}fen, mie ein (Sd)nec!ent)au§,

unb id^ glaube, id) merbe anber^mo !ein SSort 5U reben

miffen.


so ©lernend ©renlano. ii, i4.

33 a 1 c r i n. 53 o I e r i o. .

^iNaleria. ^ater, wa^ fe()It euci], i()v i-;cl)t fo un=

ru()ig im i^önfe ()erum, fud)t i^r etmn^ ? nienn i()r nicijt

ruijt, fanu id) aud) iiidjt jufriebcn (ein. klommt, fe^t 5

eu^, id^ mitt eud) (Stma§ üodcfen, ha^ eud) geung er=

freuen fott!

^^alevio (regt bte ^mb auf feinen yetinitu^l). 5(c^ biejen

treuen Sorgent^eiler, and) biefen!

3SaIeria. 3{)r feib fo bang, (o geheim, o verbergt lo

mir nichts.

^alerio. ^tomm, fel^e bic^ ^u mir ^er, meine liebe

S3aleria, auf beinen. Scf)emel. jfie_ fe^t ft^ jn feinen güfjen.)

SSaleria. ^äterd^en, nun fpri(|!

3?aterio. ^enfft bn nod) ber langen 5lbenbe, al§ is

unfer ßanb juerft üon bem geinbe nberfc^memmt mürbe,

\)a fafeen mir oft ^ufammen, unb ^or|)orino, unb if)r er-

weitertet meine trüben ^lirfe mit ©efang unb @ebet! 5(dj

bu marft boc^ immer mein (^lüd altein.

^aieria. (5i, lieber Spater, ic^ mi(t ei? auc^ fünftig 20

allein bleiben, cy mirb alle§ mieber gut merben, f eljt ic^

i)aht ^orporino ]d)Dn fo öiel lieber -^ o er ift ein bor-

trefflid^er 3nnge, er Ijat ein munber^übfclje^ Sieb gemacht.

^alerio. (^in i!ieb'?!

^aleria. 3a, unb jmar auf unfern allerbeften 25

greunb, auf ben Sorb SSellington.

^alerio. £) \>a^ lie§ mir üor, ha^ ift ein red)ter

©^renmann; unb id) bete alle Stage t>or i^n, aber lie§

^übfc^ flar unb ru^ig unb beutlid), unb mad) mir nic^t

fold^e garen üor, bie i^r l^eut 5U Xage beflamiren nennt. 30

S?a(eria. 3


10

15

"Bedinctton, bie fikUen tünen

^Sogenb bid) an^ ^Uliioii,

llnb öi^pamcn, bicf) ib SSeHington.

^od) fd)on auf ben ^^l^renöen

Sud)t ber Sd)Ieubrer feinen Stein,

Unb fein g^einb bleibt uor i^m fielen,

20 'Sd)einet gleid^ ber ©egner ffein.

9Iber groii tft nid)t, mer üiele

5Sie ein .l'erye^ überfd^ifft,

(^voB ift, raer ^u ^^eil'gem Qide

^\t gerechtem 5föurfe 'trifft.

25 ®ro& ift ni(^t, mer breit unb lange

@d)atten in bie 2öelt :§inftreut,

Sßor ber ©onne Untergänge

SKäd^fl ber Sd)atten allezeit.

©e'^t, mie ^o^ua begehrte

30 Gtnft ber ©onne Stiüeftonb,

Öat ber $elb mit frommen ©d^merte

Spaniens Sonne aud§ gebannt.

Unb mie einft bie dauern fanfen

3Sor ^ofaunen ®ibeon§,

85 Se^n mir alle SSeften monfen

5Sor bem Sieg§fd^att ^Beülngtong.


S2 C£(einen^ 33rentQTio. ii, u

2;riufet, finget, ^od) \oü leben

3)aüib, ^üfun, Wibeon,

llnb bie '»Pyrenäen Ijeben

S^ir ein S)enfmQr)(, ^Selltngton.

'-l^alerio. il^ortrefflid), üovtreffücl) — aber fiel), ha^ 5

ift nod) fc^Iimnier, bn§ §ör id) morgen aud) nid)t me()v.

^aleria (mt auf). @t, mnrum nid)t, id) lefe bir e§

morgen tüieber. SBie feib if)r nur!

33alerio (fte^t). ^^(c^ bu marft fonft immer mein

geworben, [)eute muß ic^ fd)on f)in unb fann

bid) nid)t g(eid) mitne()men.

55ateria. §ier foEt iljr weg, iDir foKcn (}ier lueg?

%d) 3.^ater, fönnen mir nid)t fjier bleiben ? unb idj foK is

«Eein bleiben je^t ? — 3Sann foll id) eud) nad)fommen,

IBater?

^alerio. ^orporino f)oIt bid) in 5mei Slagen, aber

^ilf mir einpacfen. @§ ift ja unfer (^IncÜ

^aleria. Unfer (^lüd! uiofjnt e§ nidjt ijkx? so

^aierio. 9?ein — unb fie^, e§ ift and) beffer,

3)on Sope ^at bid) fo in§ ©erebe gebrad)t ! (er mt ^^n

Softer I§erelii, bcr üor ber 2;^üre ftcl^t.)

^aleria. S)er bumme Sloffer i)'t mir red)t jutniber!

^^alerio. 3)u I)aft redjt, id) glaubte auc^, id) l)ätte 25

fein (Sinpacfen me^r nötl^ig aB mein eignet (^ingeparft=

werben in ben engften Koffer 5ur emigen Ükife, ac^ in

fo einen leeren Koffer fann man gewaltig öiel Ijinein^

beuten, bi§ er öott ift, unb am ^nbe bleibt boc^ nod^

Iplal^ für einen felbft. — d}nn aber f)abe id) aEe§ nber= so

legt, ma§ icl) mitnehme, Dor allem alle (Srinnerung^s

Mc!d)en, meine ^rautfleiber, bie §emben, bie mir bie

"Butter mad)te, bie Traufen uon bir, benn id) will bort

gemifferma^en nidjt bort, fonbern immer in biefen |)emben

unb ^traufen fteden, bann frieg id) fein §eimme^. — ®ie ss

Kleiber unb (Sachen ber SOZutter fc^enle id) bir nun alle,

unb bu fann)~t in beiner Cginfamfeit alle bie alten |)auben,


II, 14.-16. SSoferiQ. 33

^^alTatine, ^(nbrtanneti unb gantangen ber Siei^e nac^

anlegen nnb Dor bem (Spiegel mit ^erumfpajieren, bieU

Iei(i)t 5ergreut_ bic§ ha^.

^aletia. ^M) lieber ^ater, feib nidjt fo freunblic^,

5 ha§> marf)t mic^ immer trauriger, ^ommt, f^elft mir nun

eure (Sarf)en orbnen ! (Oeibe ab.)

S-üttfje^ttter ^luftritt.

^OrpOrinO (arrcin, legt einen luetten diod auf ben ©tu^t).

Sope f)at einen dJlaf)kx unb einen ©c^neiber beftellt, beibeS

10 mid idt) jein, er foK mid) nic^t fennen. Unter bem 5ln=

meffcn mid id) i^m Valerien loben unb il)n babei ein

menig quälen, (äi, ©ennor, tüeldje feine 33eine, uierbe ic^

fagen, rec!)t üon ber feinften (Sorte, alle ^pL^^Dgcboljrnen

.•perren §aben foldje, ndmlic^ mie bie ©törc^e! (iM^rent

15 tiefen Söorten warf er feine Uniform an bie @rbe, entblößte feinen Segen,

beffen Sd^ärfe er neugierig an ber §anb ^jrobirte ; ba er ficfi toertteiben lüitt,

prt er «aferien fommen.) 33erbammt, man überrafcl)t mid).

— Sßart. ((fr legt iiä) in ben Koffer nnb jie^t ben 5:ecfel ju.)

20 53aleria. ^orporino (im Koffer).

S5aleria (3ie:^t einen Sorb mit SSäfc^c unb Kleiber l^erein). S)er

SBater meinte immer, ii^ arbeite nid^t, mie tt)irb er fic^

munbern, menn er bie öiele jc^öne 2Bä]d}e finbet, bie id)

it)m l)eimlic^ genäht ^aht. — 5ld), liia§ ift ha§>? ^or=

25 porinoS bloßer ®egen, (ein 9tod §ier an ber ©rbe —

(fie öffnet, «poi^orino rü^rt fic^ nic^t) $)immel, ^OrpOriuO,

erfc^red mic^ nid^t — ac^ $)immel! bift bu tobt, o ^or^

porino — a^ er ri;^rt fic^ nic^t — ac^ er ift t)ielleid)t

tobt, Ü^ott, uia§ ift ha^ öor eine Söelt!

30 ^orporino. ga, megen ber SSelt flieg ic^ auc^ in

ben Koffer, fomm liebe ^aleria, öerlaffe bie böfe Söelt,

Litteraturdenkmale 118/120, 3


34 eicmenS Brentano. ii, le.

fomm in ben guten ^loffer ober ertuede niirf) lüenigftensi

mit einem ^Tußjjon ben Tobten.

Malerin." Wder "feFavtig

^orporino aiJi-tngt ticmus). (So, nun bin ic^ üh^

bem ^rabe erftanben, mnn fann nic^t artiger, (ci- sicr^t ben

SSerflclbuiig^vocf qii.)

S^aleria (fmet »or bem Äoffcr uub pncft). ^lOer lüa§ folt

nur bie tolle !i^er!Ieibung ?

^orporino. £ope f}at einen 93tn()Ier beftedt, bn

meißt, ic^ fann ein npenig mahlen, ©cmijs mill er ein lo

i^rauenjimmer ma()len laffen.

^ateria. So? meißt bu nid)t men?

^orporino. (Sr \jat anc^ ben (Sdjneiber beftellt,

ber luerbe id) and) fein, ba merbe idj il)n unterm ^In-

meffen au^forfdjen unb itjm immer t>on bir er5af}(en. i»

Malerin. 5Iber jprid) nid^t, ha^ er etma glaubt,

kf) ^ötte eine Siebfdjaft mit bem Sdjneiberburfc^en.

^^orporino. ^el)üte ber §immet! meifst bu, bafi

id) morgen berreife, ^^aleria?

^aleria. 5(d), id) u^erbe ganj adein bleiben, e§ 20

t^ut mir red)t leib — lieber ^^orporino, icf) bin bir red)t

gut, ic^ Ijätte nie gebadet, baß bu fo )d)one S^ (eiber macl)cn

fönnteft; aber fage mir bod), tnegen mem finb aüe bie

plö^lid)en ^InftaltenV

^orporino. £ ^alevia, luenn bu fo freunblid) bift, 25

fann id) nid)t§ nerfc^meigen.' ©ie^, lOopc ift in ®onna

^fibora üerliebt, er unb 5(quilar merben öerfleibet nac^

©armientoS @ut ge()en, ^^alerio unb id) fie bort empfangen,

um fie Dor tollen (5treid)cn ^u l)üten. ^cmx ber frcmbe

(Sbelmann, mein greunb — so

^aleria. D fage, mer ift ha^ eigentlich?

^orporino. ^igentlid), eigentlich! Xon ©armiento

felbft, ber alle§ bic§ öeranftaltet, nun i^ai^ ic^ aüe& au§=

gefc^mälU, nur öerratl) mid) nid)t unb gieb mir meinen

So^n.

SBaleria. Sieber guter ^orporino! (fte mnnvmt ujn.)

^orporino. Sebe n)ol)lI


II, 16.-19. S3aleria, 35

SSnIeria. O 5ie^e mir ben fcljireren Koffer ^tnaii^.

^orportno. 31 d) tdgft bu boc^ barin, xd) trüge

i^ii fo leirf)t, fo fc^tüer, at§ mein §er§. Seb tro^l! (er

äie^t bcn Soffev ^tnau§.)

5 Siebzehnter 5hiftritt,

33aleria (nuein). 3(lle§ ba§ bre()t fic^ um micf), mic^

f)at man allein üergeffen, fo mU ii) bann baS ?[)Zeinigc

allein t^un; 5(IIe§ mill id) öergeffen unb mid) nm aÜe

(jerum bre^en, unb fie foHen mid) öermifjen, luenn fie

10 mid) l)aben. (ab.)

5l^t3e^ttter %n^ix\it

(So^eS ©tubc.)

Sope aifein, bann 2)iener.

ÖDpe (tritt ein). ^Sortreffüc^, ber öanbel fei gemagt,

15 aU ^ilger gelju mir Ijin, menn nur ber ©djueiber fdme,

flat^bcr ^rauerfleibcu inuß er iniv ^ßilgcrtleiber.. maxien.

Xicner. Sennor, ber :9Jiat}lcr unb ber 'Sd)neiber.

Sope. S)en SO^a^Ier braud) id) nic^t, ber ©d)neiber

mag fommen.

20 !5)iener. ©iner adein, ha^ ge^t nid)t, fie finb an

einanbcr gemadifen, fie finb ganj einig unb ein§.

l'ope. ©0 \(i^ ben §ermap(jrobiten §ereintreten.

2)iener (ab).

91euttje^nter ^tuftritt.

25 ßope. ^orporino.

^OrpOrinO (im Srfineiberrocf mit einer «ßerücfe, Tlaü^c, goben

om ermet ftecfen, Speere, ^tnfef, «ßotette in ber §Qnb, ©taffetci iinh ettc

^ unterm 5lrm. sperbeugt fi^ unb [teUt feine Sotten tn Drbnung).

Sope. D bu ^meibeutige ^Illianjfunl^t gefddft mir.

30 g^r feib ein ^tegenbocr, Dem man"eineh~^infei inofuUrt

l^at, entmeber meil i^r in ber 9}?aI)Ier!unft nur ^örfe

3*


36 ©lernend SSrentano. ii, 19.

madieii föniit, ober lueil il)r tu ber (Sd)ueibertunft ein

^infel feib. 3^r feib ein Wann, lüie eine ©abel mit

5tt)ei 3i"^^ttf Qut n^fP^tten, n)ie fommt i()r 5U biefer

ßtüeieinitjung, fc^neiberifdjer ^Jtal^Ier ober ma^lerild}er

©(^neiber

^orporino. 3c^ merfte al§ 9JZa()(er, baß bte

9)^en}(^en immer me'^r 5U 9töcfen mürben, ba ergriff ic^

bie @d)neiberei, i'^r glaubt uid)t, mie ha^ (}itft, ha^^ Gcfidjte

runb uub ha§> platte crt^aben 5U mnd)en. Unb ba ha§'

(^efü^l bei einem gefü^IüoKen (Sdjueiber eOenfo nou htn 10

gingerfpi^en na6) beut öer§en ftrömt, mie bei einem ge^

fü^lboöen SJia^Ier bon bem ^erjen nad) ben gingerfl^i^en,

fo meffe \


II, 19. SJoIeria. 37

Sope. dJla^t mic^ ntd^t irre! — jarte rot^e

Söangen, fleiuen 9!}hiub — etrra^ fc^tüertnüt^ig — bie

Oberlippe ettt)a§ getc^ürjt — balb fc^mollenb, ^alb füffenb

— braune ^ugen, glän^enb — üerliebt unb fromm —

5 fcfimar^e Sorten, l^o^er, bo(^ boUer §al§

^orporino. D um baran ^u (eben unb ju fterbeu!

Ü^ope (fc^neaer). ^ugeublic^er, feufd^er, 5Ücf)tig berfjüttter,

Don ber 3(^nbung be§ ipunberbarcn ßeben§ faum

belegter —

10 ^orporino (untev5i-ec^eitb). §alt, ijait, ha ift gut

meilen.

Sope (tu ber eEtofe). 33u[en ber ®iana! £) hu, grab

au^geftredt auf ber linfen (Seite, mit gefaltenen §änben,

f^lutnmernb, o alle (Sngel al§ Sträume um biet)!

15 ^orporino (anfi>rmgenb). SMu, ha ftef)en meine

fünfte am 33erg, ein Portrait, grobau^g^irMt auf.-ber

linfen (Seite, fd^lummernb, mit gefaltenen Rauben unb

träumen "imb"^Trgeln — ha?^ ift gegen alle Siegeln ber

5lnatomie

20 Sope. 3)a§ le^te geijört nic^t baju — meift ^er

—^Jia§ ift fie nid)t — boc^ tna» ift ha^, ha^^iih gleicht

tealerien^belloS ^^er^a^.

^orporino. ^^ f)aht getreu nad} meiner (SÜe nad}*

gefc^rieben raie itjr biftirtet, tagt un§ aEe§ tüiebertjolen.

25 Sope. 9?ein, nein — meffet mir ^ilgerfleiber an,

e§ ärgert mid^, ha^ iijx grab biefe getroffen.

"^rporinTT-rntii?): @§ wunbert mid), ha^ i^r fo

ungern uon S3a(eria fprec^en (jort, fonft pflegen bie

galanten §errn if]r boc^ nid)t gram ju fein.

30 Sope. Sf)r feib fe^r bermeffen!

^Orporino (fc^etnbat nic^t ßcrfte^enb).


38 ©lernend SSrentauo. ii, 19. 20.

l^Ope (äornig »üegf^jrtngenb). §i3tten!^Unb ÜOll euicm

'3d)neiber, poltet t>(i§< SOZaut.

^OVpOrinO (fic^ erfc^recft ftelteub). D id) lüOlltC CUd^

jerftreuen, bamit attc§ iiouchalanter fi^^e.

Sope. Berftreuen, geboppelter ^ieb, aik 5(bern 5

treibft bu mir auf. — g-ort, fort — ober id) reiße biti^

in 5inei «Stüden unb fc^lage beu 3d)neiber mit bem

ma^Ux 5u tobt. — '

"~

T^orporino. ^a§ tüäre gefä^rlid), öerjei^t, menn

man ^ilgerüeiber anmißt, Oerüfirt man teic^tlid) ha^ 10

©eraiffen. (ab.)

Sttanpöftcr 5üiftritt.

Sope, aaetn.

Sope (nac^ bem 33t(be fe^citb.) S5erbammt, ber 8d}e{m

^at ha^ Silb nur ^erau^gemafc^en, e§ mar mit SBaffer* 15

färbe gebedt. D SSaleria^ bu bift boc^ ein fd^öne» jierlic^e^

SSefen — aber nie mitl id} bir Ü^ec^enfcl^aft über meine

Untreue geben, benn nur beine (rlire, bcine 3^^}^ ^jabe

ic^ öerlaffen muffen. e§ ift bodj etiuaS ^eilige» um

bie i}aune, ein jogenaiinter (i;§ara!terl)elb ^ätte bid^ ber- 20

fii^rt, ber .Sjumorift ncv(äf3t bid}, um bid) Unfc^ulbige

nie äu üergeffen. — '^hi^ ift bie§, bie Unterfdjrift —

Porporino pinxit — bu ©c^elm, er mar bie falfd^e

5)ublone, bie mic^ betrogen — er rübrt fid) in feiner

Siebe — aud^ id^, aud^ id^ — fort 5U Sfiboren! (aß.) 25

@nbe be§ gtüeiten 5(uf5ug§.


iii, 1. 2. S^atena. 39

Duittet? :Huf3ug.

(Sine ?lrt (S^planate üor ©armientoS Sanbliau^, luefc^e^ überm

%f)oxe einen ^-öalfon ^at.

©rfter 5luftritt,

5 35 a 1 e r i a , artetn.

(tritt tüanöernb aii^ SJJo^rm öerfletbet mit Saute uiib einem 33ünbe[ auf, [ie

tc^ttt fid^ an einen 33aum.)

^c§, lüie fc^eK iüar id) ^ier, e§ mar al§ Verfolge

man micl), tüenn td) über einen 33acf) fc^ritt iinb mein

10 fdjtnarjeS ^i(b fal), trieb e§ mic^ mit ©etüalt öortt)ärt§,

al§ triebe micf) ein böfer Ö)eift. 5(ber fo ift§ nic^t, nein

)ü ift e§ nid)t, id) r)abe alleS lueige nad) innen

— man !ann mtd) nur noc^ am öer5en fennen.

gebref)t

(fie fie^t

in hcn 2afi^eni))teget.) gc^ bin bod) nidit fjäfjücl^er, unb

15 fomme mir jc^öner bor; bie Siebe madjt all'e§ fdjöner.

Sope, auc^ bid) lüirb fie fc^öner machen. — 5lber aud)

^orporino ift fi^öner getnorben. Sope, ic^ lüerbe beine

(beliebte ]ef)en, unb lüenn ifjr §er5 bon G)olb ift, ftefjle

id) e§ lüie ein ^lab^ unb bringe e§ bir — .Sjerrje mein

20 ^ater!

Sttietter 3luftritt.

Q5aIerio. ^aleria.

^alerio. Sßer plaubert ha —

^aleria. (Sin arme§ 9Jto^ren!inb fud)et ^ienft in

25 biefem @d)lo§. ddhim borige §errfd)aft, eine ©belbame,

berftie§ mic^, njeil fie glaubte, id) fte^e iljr bei i^rem

Sieb^aber int Sic^t.

^alerio. ^u bift freiließ fc^marj genug, eine

•iJtdtagSbame in @ct)atten ju fteden. Xu gefättft mir gut,

30 bu ipdrft mir ein angenehmer bunüer §intergrunb meiner

9J^e(and)o(ie. ge^t aber berfteHe bid) ein tuenig, e§ tt)irb


40 SIemen§ 33rentano. m, 2.-4.

ein 2eid)en5ug ^ier au§ bem §aufe fommen, iDenn ev

Vorüber ift, bringe ic^ bic^ fjinein, bu fcf)üne Strauer.

^aleria. 3ft jemanb ^ier geftorOen?

S^aterio. 9^ein, e§ ift nur jemanb t)ter fe^r alt

getrorben, e§ ift eine alte Xame, bie öerreift, unb ifjr s

grober §an§^ofmeifter, ber fie begleitet; menn fie fort

finb, bin id) mit ben jtnei lieblic^ften ?^räulein§ allein,

unb bei benen fannft bu bid) leidjt einfc^tt)är§en. — 8tiü,

ic^ ^öre bie ®Iode — öerftecfe bic^. («aiem gc^t bei scito

DvxiUx m^tvxit

SSorige. ^onna Quanna (öon smei Wienern im Xrogfcffet

^erauSfletroflen im abcntl^cucracfiftcn alten ^offoftüm). ^ere^ (cttooS

betrunfen, pit tl^r ben ©onnenfd^irm über ben ffojjf).

^uanna (gegen sBoierio). ^Imi, l)at er einen £abftorf

im D^lüden, fann er fi(^ nidjt beugen? 8inb bie ^D^^aul^ 15

tljiere am ^nhe ber @§p(anate? ift bie Senfte geräudjert?

ift ha§> Sliffen, tnorauf meine £'a|e §u ru^en fömmt, mit

^atbrian gefüttt? unb mein (Si^polfter mit Saöenbel?

55aterio. OTe§ ju @uer $errlidjfeit ©ienften öon

eurem untert^änigen ^^ned)t, welcher jet^t bero traurigem 20

5(bfc^eiben conbolirt unb bann bie 2;;^ore fd)Iie§en mirb

in biefem §aufe ber Trauer unb ber 3)unfel§eit. (er ßer=

beugt fid^, ftöfet an ^crefe, beffen ©d^irm über Snanna nteberfinfet.)

Suanna. ©§ marb mir foeben ganj bunfel au§

Xrauer öor ben klugen. $erel^, finb meine ^oufinen auf 25

bem ^alfon, meiner Slbreife bie ^flidjt finblidjen 33ei(eibg

5u entrid)ten?

^ere^. ©oeben erfcbeinen bie tugenb^aften grau-

lein auf bem ^alfon, ben STribut ber märmften ipoc^^

ad)tung ju joden. 30

agierter 5(uftrilt,

SSorige. äJlelanie, Sfibora (auf bem sBaUon).

3uanna. @e|t mir meine ^rauerbritte auf, Sträger,

menbet mic^ nac^ ber 3(nfid)t be§ ©c^Ioffe§. (mon mt bte§..

10

i


III, 4. SSalena. 41

Bios! 3fibora, mie galten ©ie fid) tt)ieber, jo o§ne alle

^n'anbe^^ci in ber ®egentt)art meiner ^bn)efen§eit — @ie

njerben einen ööcfer t)aben, lüie ein S)romebarin§, tüenn

ic^ 5nvücffe^re, bn Sie je^t j(^on anfangen, au§ ben g-ugen

5 aüer abiirf)en ©rajie ju fommen — nnb Sie, SQ^elanie,

iiiie faffen Sie ha§< ^^rdnentuc^ mit beiben Ränften mie

ein ^i§fa^er ben .§Dnigtopf. 3ft 'i)a^ eine ^ranrigfeit,

eine ^onbolenj x^on Stanbe? Sie mürben eine impitoljaOIe

9toüe bei bem 5(bfterben einer Königin grau ©rogmutter

10 ^JJajeftät fpielen. — So! — ^a§ läßt fic^ fe^en —

fjaben Sie nic^t Dergeffen, mie Sie bie ßeit bi§ ^ur

3(n!unft bero interimiflifd^en neuen Gouvernante jujubringen

§aben?

Sfibora, SJJelanie. ÜZein, mertl;e Sennora!

15 3 u an na. ^ein? fd)lecf)tuieg nein? mit mem rebea

Sie, ^aben Sie einen S)ienftboten üor fid)?

Sfibora, 9Ke(anie (fic^ tief neigenb). (Suer §errtid)!eit

erlauben ju ©naben, mir !^aben bero meife Se^ren in

getreuem 9(nben!en.

20 3uanna. ©o empfehle ic^ Sie bann in ben Srf)ut^

be§ 5(((er§öct)ften. ^la^ einer Stunbe laffen Sie S^re

Trauer getinbe abnehmen; gegen 5lbenb fönnen Sie

fic^ berfeiben mieber, bod) mit mäßiger Impetuosite,

etmay überladen. 5lud) ermahne i(i§ @ie nod}maI§,

25 § (^ ipanifct) babei ju flagen, benn erhabne Sentiment»

f ollen in jubümen (^ypreffionen au§gebrüc!t merben, bieje§

ift ha§> gunbament einer mor^loerftanbnen (Stiquette unb

jiüilen Sitteus^^olitique! — Seben Sie mo^I — 93tar)c^

(man trägt fte ob).

30 ^fibora, 3}k(anie (fic^ nctgenb, etJMS bie .^änbe ringenb)..

D Sie, 33ortreffIict)fte, öertaffen un§.

guanna an ber ©cene.) Scf)armant, fi^armant, öoK

D^obleffe, retire mu!

3fibora, SJielanie (treten surücf, erfd^etnen aber gtetc^ loieber).

35 ^alerio (äu ssoteria). Sd)ne(t fomm IjerDor, auf ben

fc^mülen ^punbStag, bu liebliche erquicfenbe 9^ad}t, unb lorf

mit ben Sautenflängen bie jc^önen S)amen an§ genfter.


42 ßlemcnS S3rentaiio. iii, 4. 5.

S8alerta (nimpert nuf bev Saute).

Sjtbora, 93?e(anie (cn'c^einen cm g-enfter).

SSaleria. £) Ö)ott, tuie ift gfibora fd)ön, \d) trete

mit greuben jurürf.

99? el ante. 2SeIcl)e artige SDZoijrin, tnnje 9Jiäbd)en.

Sfibora. ^Rein, finge lieber, bu bift gemiB in übe

t)on ber Ü^eife.

!ÖaIeria. gel) Unit fingen; aber !ommt boclj ein

tiienig !^ernnter in ben ®Linnenfc!)ein.

99?elanie. ©e^en iuir, ^fibora! 10

Sfibora. SSenn bn e§ magen tüittft, fo gefje, id}

fürcf)te, bie neue (Sjouliernante fönnte 5Ürnen un§ nnten

5u finben.

Mtlanie. ^d) fann bem Suften nic§t tüieberftetjen,

einmal Dor ber X^üre ju fein, ([ie täitft 00m miton.) 10

^aleria ([ingt jur Saute).

I

'

SBenn bie Sonne tueggegangen,

^ömnit bie 5)unfel^eit l)cran,

9lbenbvot() f)Qt gotbne SSnngen

Hnb bie 'kaä)t ijat 2;rauef an. 20

Seit bie Siebe tueggegangen,

^nöin id) nun ein IJJo^renfinb,

Unb bie rof^en, frifc^en SSangen

S)un!el unb Verloren ftnb.

g^ünftcr auftritt. 25

33orige. Sfi^ota (o6en). 9Jtelanie (unten).

SOklanie. ©ie^ bo Xnn id), aber tnie fommft bu

(jierf;er, unb roie ^eigt 't>ü?

^oleria. S


III, 5. 6. ^^alerta. 43

fd)on mit iijx ge]prod)en, fie jc^eint mir }o gut al§ fd^umrj

511 fein. — ^""

5 !ann icf).

Sfibora. 2Öa§ fannft bu benn, gtammetta?

Malerin. (Singen, tanken, nätjen, fticten, altc§, atte§

9}le(anie. Söir fönnen aber feinen 2oi)n geben.

Sfibora. Sßir moHen alle§ mit bir tljeilen.

^aleria (tor ftc^). ^d^^aud^^ S^on^Öope! — (inut) ^an!,

r)er5Uc^en S^ant!

10 älJetanie. 9Jun finge bein Sieb au»!

SSateria.

23eil bte S^ac^t muß tief öerfc^iueigeix

5(ne Sci^mer^en, alle ßufl,

9Jiüffen 9}lonb iinb Sterne geigen

15 ?Ba§ if)r luofinet in bev 33nift.

®o bie Sippen bir f>erfd)iüeigen

^eine^3 ^erjeng ftiüe ©üit,

?[IZüifen S31i(l unb X^ränen ,^eit]en,

3öie bie Siebe nimmer ru^t! i

20 ^fibora. £) 3JJelanie, gefc^tninbe Ijeraut, bie neue

2ante !i3mmt, ic^ ^öre bie 53tauttf)iere läuten. 9?imm

?^tammetta gleid) mit, al§ märe fie immer bei un§ gemefen.

90^elanie. ^omm, fomm, liebe glammetta!

^aleria. D mie feib if}r gütig, (mit ajjetanie ab.)

25 SSalerio. 2)ie üeine Scfjtiiarje gefällt mir ungemein,

icft mill fie mir abrid)ten, fie mu§ mid) tröften, bi§ ic^

meine S^aleria mieber ^abe.

Sci^fter ^luftritt.

Sfabella, ^orporino, 5^alerio.

30 ^ r p r i n (als 2(v5t tjon bei- Dteife f ömmt mit Sfaöeaen au§ bev e§))lanatc).

SSalerio. SSiUfommen, millfommen, ©ennora, e§

erfreut mid) eure gefunbe 51n!unft. —

3fabella. 31jr feib geiui^ Valerie, Pon bem mir

3)on ©armiento erjä^lte.


44 ©lernend ©rentano. iii, c. 7.

^alerio. 3u bienen, (Sennora!

^ffllJella. So triffet bann, \>a^ ic^ öon bem ganzen

$Iane (Sarmietito§ genau unterrichtet bin, fobalb id)

meinet greunbe^ Slöc^ter umarmt ^ahe, laffe id) eurf)

fogen, iüa§ in unfrer 3ntrigue üor allem §u ttjun ift. 5

^alerio. 2üU icf) bie Sennora ^inauf begleiten?

Sfabella. 5)e§ bebarf e§ nict)t, id) freue mid) bie

guten 50Mbd)en, bie id) al§ ^inber gefannt, red)t ()eimlid)

5U überrafc^en; unb i^r unb ^orporino merbet eud^ auc^

mand)e§ 5U fagen ^ben. 5(uf SBieberfefjen. (ab tn§ ©c^ioi) 10

8iekntcr 5luftrttt.

^aterio. ^orporino.

$orporino. 9cun n:)ie ge^t e§ bem §au§§ofmetfter? ^

^alerio. ^6:) ^abt fein §au§ unb §of al§ ju

©eöitta, unb baran ben! id) ben ganjen ^ag. 1»

$orporino. Unb id), ber Seibarjt, ^ah^ feinen

anbern Seib at§ meinen eignen, an tt)eld)en id^ auc^ ben

gan5en Xog benfe, auger an bie Derbammte ^erücfe, bie

mir biel ß'opfbre^en^ foftet. @§ ift aber orbentüd^ rec^t

melandjoUfc^ ^ier, nic^t tüai)x $8a(erio, fo red)t ftill. 20

^alerio. (£ine gute §au§^altung, aUe§ an feiner

(Steüe, im $)aufe pfeifen bie §au§mäufe, I)ier pfeifen bie

gelbmäufe. 9Zimm nur beine ^erüde in 5(c^t, ha% bie

§au§mäufe bir fein SOfläufe^auS barauS machen.

^or porin 0. 3a e§ mag (jier woi)i ^eif^en, uienn 25

bie ^a^e nid)t ju §aufe ift, tanjen bie 9J?äufe auf ben

2:;ifd)en ^erum, ba^» §au§ fc^eint feit 5)on (Sarmiento^

5lbtt»efen^eit rec^t öermilbert; maS ha§> @ra§ ^ier im

ß^arten fo ^oc^ fte^t.

^alerio. §eute 9^ad)t fonnte id) gar nid)t fc^Iafen, so

id) badete immer nac^ (Seüiüa, e§ pfiff ba eine )Cion ben

üielen SRäufen fo tiertraulid), grabe lüie bie in meiner

Kammer ju Seöiüa, e§ mar al§ fei fie mitgezogen, id)

mar red^t gerührt.


ui, 7.-9. 33aleria. 45

^^orporiuo. 5(c^ irf) !enne fie retfjt ipol)! — bie

unrb je^t auc^ redjt allem fein.

S5aterio. ^^akrta ^övt fie nun, bai^te i^ immer.

^^or|)orino. C bie ^ört je^t Slir(i)eumäiife — ^abe

o id) e§ euc§ beim md)t gefagt, bn§ §au§ iicit fie tierfc^I offen,

unb ift 5u eurer ^afe in§ meige ^'lofter.

^alerio. ^raö, ba§ ^at fie gut gemad)t, fd^au ma^

'i)a^ ^inb auf (£-^re ^ält. — 51ber fiel), ha fömmt bie artige

Üeine 9[)?of)rin, hk U)ir foeben in S)ienft genommen.

10 %^kt mi^xxtt

Vorige. 53a(eria.

'ilUlIeria (fömmt mit einem SBittet).

^orporino. ^er ^rief in beiner §anb ift lueig

auf fdiraarj, unb er felOft fc^warj auf \im\i

15 ^aleria. §ier, §err §au§§ofmeifter, t)on 5)onna

Sfabella.

^alerio (tieft). „2)on 2üp^ imb 5(quilar werben,

ha e§ bereits bämmert, baih anfommen, ^orporino foÜ

im ®ebüfd)e [jerumftreic^en, um fie gel}örig ju empfangen;

20 ifjr ^a(erio aber tommt ju mir Ijerauf, um nodj mand)e§

5u öerabreben. '' Söo^Ian, t^ue i)a§> 5)eine, ^orporino.

(ab iu§ Sc^toB.)

^orporino. Qd) ge^e auf ben 5tnftanb, bu fc^öne

^Dämmerung [jaft mic| barauf beorbert. (ab in bie scene.)

25 9leunter ^lluftritt.

33aleria, affein. (^ott, id) tt)ei§, ßope ift für eine

anbere, ic^ fnt)(e, bag id) i^n Don gan5er «Seele Sf^boren

gönne, unb bodj poc^t mein .^erj, balb ift er Ijier, o tüie

lieben^mürbig ift ^fibora, mie fing, tüie tief fü()(enb, mie

30 mar fie gerührt, at§ id^ if)r oben ha^^ ^er^ättniß Sope§

mit mir er5äf)lte, at§> fei e» bie (^efc^idjte einer meiner

S'reunbinnen.


%

46 eiemenö Brentano. in, lo.

geinter %\\\init

Sfiboro. glammetta!

3fiborn. ^^aleria.

53 at er in. Wtm gnäbigeS gräulein!

Sfiborn. 3Sa§ bu mir oben Don SBoIeria erjä^Iteft, 5

)^ai mid^ fo luimberlid^ gerührt — icf) imife bid) nucl) um

etuia§ fragen,

uijr!Udi?

^ag e, liebte n)o§l ;Bope ^aleria jemolg

^

^ateria. (Sie glaubte e§ feft, ja fie marb burcl)

i5n_ßari4J2£nruuibelt, fie iuar, elje fie if^n !annte, geringer, lo

unb braudjte »weniger im ^erjen nnb im lieben. Slber

nun ifL.|i£ jpieber gan^ mie Höriger, unb aufrieben, ticmt

audj_j|r l)abtlllmi^^£a^ic gan,\ uermanbelt.

^fibora. Wtm trüber muf] 5U öiel t>on mir

gefpro^en ()aben, benn id) fal) i§n nie. 1»

SJ^aleria. ^aleria jagte mir^ euer 33ilb [ei in

feine ^ruft, mie ein gun!en in ein ^unftfeuer geloireiT,

unb taufenb fd)öne glammen loberten au§ i§r empor, ble

alle^atle, euren ^f^amen in iljren Ijellen 3iigen freiften.

Sftbora. 2)ie arme gute Malerin! uia§ fotC bo§ 20

©piel mit mir? 2)a§ einige %t\xtx ®otte§ freist unb

fprü^et nid)t, e§ mar früher al§ bie ^l({&)i unb 50g

al§ ©onn unb 93ionb unb Stern am neu erfdjaffnen

§immel l^in.

SS al er in. S)od) 'ba bie SBelt aw^ ber ßiebe l^erüor^ 25

flieg, mar \ia 'b(\^ %z\\tx nid)t einem ^unftfeuer ju t)er-

gleid)en, \>({^ fid) in feiner fd)önen Drbnung in bie Planeten

entjünbete?

55fibora. 2)od§ nie Derlofd^ —

Malerin. SSifet \\)x \>(^^ ^\\i>t ber äöelt, mißt i^r 30

bn§ ßnbe öon Sope§ Siebe ju m&\? ^aleria mirb glücf-

licl), menn i^r '^d^^ liebt.

Sfibora. Söer bift bu 9Jiü§ren!inb? mir ift, al§

märeft bu eine ^fiuberin, al§ märe id) in einem 33runnen

eingefc^lummert unb eine D^tjmp^e fage mir munberfame 35

3:räume in§ D^r. SSor menig ©tunben mar idi nod)


III, 10.-12. SSaleria. 47

allein, unb — itiib jel^t betuegt firf) eine frembe Sßelt

in mir.

Malerin. Söenn man tiertraut öon lieben fingen

rebet, fo trägt oft t>a^ ©efpräd) mie ein ge^eime§ britte§

5 Seben bie ©eelen munberbar empor, ein fprecf)enber ift

nie allein, e§ lebt ha^^ Söort, unb 5tt)et, bie reben, finl>

immer fcl)on 5U brei,

immej£_ein§ ,^u t)iel.

ber beften S^% brum^ift bie britte

~^

Sfibora. 9^ein, niemals merb ic^Sope lieben, ber

10 S5alerien getäufc^t — inle !ann er aud^ je ]^ier()er ge^^

lalT^nr^— acl) i^_ mollte, ic^ tnäre hn S?aleria — an

geliy mill ic^ [^reiben, er fod mir nie me^r üon il)m

reben — aucl) id^ mit nie meljr an xijn benfen, mag iö)

mo^l 5U oft getl;nn; ic^ bin 8d)nlb an Willem.

15 Sßaleria. 3^r feib e§ nic^t, feib nicljt 2cf)ulb an

eurer 5lnmut^, unb g ope ift nic^t @cl)ulb an feiner Siebe.

Alfter mi^xxtt

33 r i g e. ^ a l e r i 0.

55alerio. SDonna Qfabelta erfncl^t eucl) l)inauf*

20 5ufommen unb einige 9)?ufifaUen, hk fie eucl) mitgebracht,

mit eurer @c^mefter 511 probireu. —

^fibora. Sebe moljl, glammetta! 2)u bift mir fe^iV

fe^r lieb!

33aleria. C ba|3 ic^ e§ uerbienen tonnte.

23 3fibora (ge^t ab).

ättiijlftcr 5lttftritt.

S5alerio. ^aleria.

S3alerio. S)u fleine 8il^ouette,__bleibft mol)l nocl>

ein menig bei mir, benn fi'el^, jel^t Tfi mein Se^nfuc^tS^

30 ftünbd)en, je^t mu§ ic^ mit jemanb plaubern.

3^aleria. 9hd) mem feljnt if}r euci^ benn?

^alerio. ^Seif^t hu mo^l, mie bie Silhouetten

entftanben finb? fiel), ein Sieb^aber unb eine (^i^eliebte


48 ©lerneng Jörentauo.

'

m, 12. 13.

logen ^la(tii^ beifammen unb follteii 5tb)cf)ieb nehmen, 'Oa

tüar ber ÖieM^aber traurig, ha}^ i^m feine Ö^etieOte foUte

geraubt werben, o^ne fie nochmals ju fe()en. ^a tjielt

1)(mor eine %add hinter i()r §aupt, ha^^ i{)x Schatten an

bie 3öanb fiel, unb er 5eicl)nete htn Debatten nacf) unb 5

ergLi|5te fid) in ber ^Ibtnefenijeit an beut Debatten.

33a(eria. ^a§ ift fe^r artig, aber meffen ©djatten?

rig foH ic^ für euc^ fein?

SSalerio. 2)er @d}atten meiner lieben Xodjter

^aleria, bei ben meifjen 9connen in 3ebit(a. 10

^aleria. (£i ber bin ic^ t)on §^^'5^"/ '^^^ ^^'"'^^

ic^, fie §at mir eine ©uppe an ber -^Nf orte gereicht.

35alerio. (Sine ©uppe? 3)ie luar geluig redjt gut,

fie giebt 'Om Firmen immer ha^» befte; aber roar bie

(Suppe nid)t ein n^enig öerfaljen? benn fie^, fie ift ein i5

bi^djen öerliebt.

S3aleria. @ie mar freiließ ein bi^c^en üerfat^cn,

ober bIo§ Don ^§ränen, bie fie über

tjergoffen, mie fie mir fagte —

eure ^Ibtnefenljeit

^alerio. Sagte fie ha^, ©ngel, fagte fie ba^3? ja 20

fie ift aud) mein ein5ige» auf (Srben.

^aleria. Söenn id) einen fo järtlic^en S3ater ()ätte,

id^ lief il)m nad), burd) bie ganje SBelt.

53alerio. Sßenn ^aleria ha^^ je^t tl)äte, märe e§

freilid) nidjt orbentlid),- aber mir ganj augerorbentlid) lieb. 25

^rcije^nter 5(uftritt.

55 r i g e. ^ r p r i n o.

^orporino. ^oxt, fort, fie fommen, fie merben

fic^ für üermuubete ^J^Ulger ausgeben, id) fdjleid) immer

um fie ber, Sope mirb mit jebem Sdiritte nä^er, aud; so

unfluger, er §ijrt unb fieljt nid^t, mau töunte i()n mit

§änben greifen, mie einen ^luer^a^n in ber Q3al5. ^Iquilar

ift immer l)unbert Schritte 'hinter i^m brein. Tladji eud^

fort, ic^ merbe iljnen Ijier al§ ^Irjt entgegenfommen. {ab, nuf

ite nnbre Seite be§ ©artend.) 85


III, 14.-16. SSalerta. 49

aL^ieraeJntcr 5(uftrttt.

^^alerio, ^aleria.

53aIerio. ^omm, ^inb, td^ mu§ auf meinen Soften,

^^alerta. Sagt mid^ ^ier, ic^ öerftecfe nttc^, o lagt

5 mid^ ben §anbel mit anfe^en!

Valerie. 2l6er nimm bid) in 3((i)t, nii^t 5U plaubern.

^ünfae^ntct 5luftritt.

3?aleria (aaein). ©r na^t, er nafjt, icf) ^öre feine

10 Sdjritte, Q^ateria, beine Siebe fte^t am ©i^eibemeg, noc^=

einmal i^n umarmen, unb bann lob motjl, o ba§ ift meine

Üiad^e, mie ift fie füg, füge

nid)t! (fic tritt auf bie rinfc Seite be§ Xf)eater§.)

15 Sope. ^aleria.

9fJact)e, üergifte mid)

Sope. ®a bin ic^ armer ^ilger nun, mie arm;

ha^ §au§, ba§ ben (^egenftanb meiner ©elübbe umfagt,

gldnjt mid) mit gelten genftern, itiie mit brennenben

Sternen, an; bie ganje Sßett ber Siebe liegt 5U meinen

20 gügen! .^fü^ß^cal

^aleria (^ouj taut). £) ©ott, er ift e§, ber lang

erfe^nte!

2o)j)Q. Wan f priest, man nennt mid) einen lang

erfe^nten — unfelige^ Söort — mic^ !ann man nid)t

25 ermarten — id) nannte i^ren Dramen — entfe|Iid)er

Ö^ebanfe, fie lauert ^ier — erwartet einen anbern!

Sfibora!

(beliebten.

S5aleria. (Sr ift§, er nennt ben 9tamen ber

30 ßope. O §immet! fie ift e§, fie liebt fd^on, fie

ermartet einen anbern, §Dtte!

Litteraturdenlcmale 118/120. 4


50 ©femenS 33rentano. m, le.-is.

35 al er ia (lauter), beliebter, tuein (beliebter, trete

nö^er!

Sope (na^t t^r). 2öer füllte foIc()em fü^en 9^uf nic^t

folgen.

glaubft.

S5alerta (umarmt i^n). D lieber, etnjig lieber, t!^eurer 5

Sope. O tt)är id} ber, ben bii in beinen ^rmen

58aleria. Mmäd^tger §immel, inef) id§ bin be^

trogen — laßt mid^! 10

2ope. 33etrogen ja, Don bem, ber bicf) umarmen foUte.

^aleria. Sagt mid^, lagt mic^ — fo mU ic^ euc^

üerjei^en.

Sope. Um biefen ^rei§ lebt nio^l. (er im fie.)

^aleria (fue^t tn§ ©c^iob, 06). 15

SicBje^ntcr ^luftritt»

£ope (attein). ©in (Schürfe ift ber, bem biefer ^ug

gegolten, ein @cl)ur!e, ben bu bier ermartet ^aft. 9^ie

foüft bu i§n lebenb mel^r umarmen, ^alt, er fönnte na§en,

ic^ mill i^m tpenigften§ fein gi^l ^ier ftecfen; ja er na^t. 20

2ope, 5lquilar.

Öope mit t^n an). Qitf), bu !ommft

Sieben, 5um Sterben eben recl)t. —

5U fpät jum

^quilar. ^ift bu toll, icl) glaube, bu raiHft mid} 25

mirflid^ öerttjunben.

ßope. ^erbammt, bu bift e§, ^(quilar — ic^ bin

rafenb. —

^quilar. ^ei @Ott, ha§> fe^ ic^. — (©cfang uub Samen«

f^ict im (Schlöffe.) 30

Sope. D mie gerfc^neiben biefe ^öne mir ha§>

©er^. —


III, 18. 19. SSalerta. 5X

^(quilar. ^ie d)lii]it tft fe^r angenehm — fei

fein ^laxx, ma(i)e ha^ mx ^eremfommen — bie Öeute

ge^n fonft fc^tafen. —

Sope. Schlafen — o fie trirb §eute nic^t fc^Iafen,

5 grab au^geftrecft auf ber Itnfeti (Seite mit gefaltenen

§änben, tüad^en ruirb fie, tüeinen lüirb —

fie.

5(quilar. SSemt bu bie gange D^Zac^t ^ier folc^eu

l^drm ju machen gebenfft, tüirb fie freiließ nic^t fd^Iafen

fönneu. 5Iber e§ mag ge§en mk e§ mU, id^Jange meine

10 5Sern:)anb(ung§::9^olle an. — §ilfe! Öilfe!

Sope (t^it brängenbj. (Stitte, fütte, ber SSerrätljer ua^t.

9lcuttje^nter ^tuftritt.

35orige, ^$ or porin o.

^orporino (fömmt »on bcr regten ©artenfeite).

15 Sope mit t^n on). 3ie§, Schürfe, bu fömmft gu fpät,

mein mu§ fein, tt)a§ bir gehörte!

^orporino. §i(fe, ^örber!

5t quitar (reifet sope aurücf). Unfinniger StRenfc^ — ^tt

ein — ma§ treibft bul

20 ^orporino. Qc^ bin ber %x^t be§ ©d^Ioffe^, ic§

fomme öom 35otanifiren, aber ^ier erft finbe ic^ ha^

ma^re ^raut ©algenmännlein, i^r raodt mir nehmen, tt)a§

mir gehört, baran gmeifte id) nic^t — ^ier ^erum giebt

e§ burc^ t)erlaufene§ ©efinbet ber feinblicljeu Gruppen

25 berlei Sieb^aber genug.

^quilar. ^M) mein .öerr, üerjei^t meinem greunb,

mir finb ^^ilger, mir mürben ^ier ausgeraubt, ic^ üer^

munbet, gemährt un§ ein £bba^, mein f^-reunb ^at euc^

für htn ^§äter gehalten.

80 Sope. ^^ergei^t, bafür i)ah^ ict) eud) geljalten. —

^orporino. ^^x feib beibe fe^r fct)nell im §aÜen,

bod) banfe id^ euc!) me^r bafür, al§ i§m, benn hättet il)r

i^n nid)t gehalten, fo ^ätte i^ ben %oh bation. S)oc^

märtet; id^ (äffe eud§ hereinbringen, (aß in§ sc^iofe.)


52 ©tentenä 33rentano. iii, 20. 21.

Stuansiöfter ^luftritt.

Vorige, o^ne ^orportno.

2op^. 2)a§ 8c^tcffa( ^ai alle§ gut geiuenbet, ad^

5tquilar, it)a§ f)üh id) erfahren.

5lquilar. 5)u l)aft bid) in ein (^emä^Ibe öerliebt 5

unb bift nun auf jeben ©d^atten eiferfü(f)tig! 3c^ ^abe

aber auc^ maS fe§r bumme§ erfahren, e§ ift ein %x^i int

(Sc^Io^, ber inirb nun immer nac^ meiner SSunbe je^en

iüoEen, bie ic^ ni(f|t ijahe.

Sope. @e^e i^m eine golbne dritte auf, ]o fie^t 10

er fie nid^t.

^Iquilar. 2)a§ 9äc^tfe^en ift feine ^unft, e§ tnäre

eine ^unft, fie mit allen ^la^brillen ber Sßelt ju feigen.

@inuttbjtt)anaigfter ^luftritt,

Vorige, ^Orporino, xmb Präger mit XxaQ^^xt unb gacfeln. 15

^orporino. 2öo ift eure Söunbe, mein §err?

5{quitar. 9)^ eine Söunbe, meine SBunbe — —

fie ift

Sope. 3n ber redeten Seite.

^orporino. ©0 gebe (^ott, ha^ i^r linf§ feib,

melcl)e§ aud^ n^o^l fc^eint, njeil i^r nic^t uii^t, ha^ eure 20

SSunbe red^t^ ift. Xräger, legt i^n auf bie ^al)re!

5lquilar. ^uf bie 33a^re? 3d) ^offe, fo toeit bin

ic^ noc^ nidl)t.

^orporino. gort, fort, inir tüollen^ mit (^ott

fc^on fo n?eit bringen. 25

2^räger (legen i^n barauf).

Slquilar. € Sope, ic^ tüerbe be§ Teufels!

^orporino, ^ommt Beit, fommt ^aÜ). —

Sope. Ütu^ig ^^ernanb, tnenn id^ nur je be§

(Sngel§ Ujerbe; bu bift ein tt)a§re§ ^ilb be§ 2eben§, ein 30

feftlid^ ^leib, ha^ fpäter tragbar iüirb, unb enblid^ ah^

getragen. — ^ ^~


III, 21. IV, 1. SSalertQ. 53

^orporino. gort Seute, tragt i|ti ah, ic^ ^ätte

in ber 3eit eine geftung unb nEe metne ©d^ulben Qb=

tragen moUen, f o langfam f eib i^r.

'

tttle iah tn§ Scftlofe).

(Snbe be§ britten ^Uifgufig.

Vicvtev 2tuf3ug.

Sopeg unb SlquilarS ©tube.

^rftcr 5luftritt.

3(qnilar, gfabella unb Sope.

10 9tqutlar (nt^t ouf einem altöätetif^en Slranfenftii^I, ein grope§ ^eberbett

auf i^m). 3 f a b e 11 a (ft^t neben il^m). S o p e (fij^t traurig auf ber anbem

©eite «nb fc^aut an ben ©oben).

5(qnilar. '^Mm ^erpfüi^tung gegen eure ©üte,

©ennora, ift fo grog, ha^ fie unter ber 3iit§at biefe§

15 ungeljeuren geberbetteö beinah erlieget. Qa meine große

Sc^ulb gegen euct), noc^ Oelaftet burd^ biefen ^fü^I,

beängftigt mic^ bermagen, ha% fic^ ber Xxud öom ^erjen

bereite gegen ben 9J^agen 5U 5ie§en f(i)eint. —

^fabeUa. (Sure SSunbe mirb fic^ mit ber §i(fe

20 (^otte§ boc^ nict)t inflantmiren?

^quilar. 3c§ glaube, mit .§ilfe eine§ S^ocj^e§ tnirb

fie nic^t affamiren.

Sfabella. S^r ^abt leiber ju öiel

5lquilar. (Sin ganjeS (Si —

gegeffen.

25 ^fabella. (Sin gan§e§ (Si, ein ^albe§ iDäre genug

gemefen, i^r ^oltet^ euc^ für hungriger al§ i§r feib —

Stquilor. ^cf) bin eigentlict) fo !^ungrig, ^a^ icf)

mic^ gar nid)t me^r ^Iten fann, ic^ merbe auffte!§en.

'

3 a b e 1 1 d.' S^o~ tnerbe irf) bie gräulein, bie eud^

f

30 befuctjen foKen, jurüdroeifen. (mtü ab.)


54 (Jlemeng Brentano. iv, i. 2.

Sope (^ött fie). bleibt, «Sennora, bleibt!

^quilar. Um biefen ^rei§ bleibe ic^ an^ galantem

junger liegen.

^weitet 5luftrttt.

35orige, Sft^oi^a, 9J?eIanie. 5

?{ q U i I a r (loin auf). ^ f a b e 11 a (Mit i^n suvücf). S p e (ger^t Sfiboi-o

entgegen unb fü^t i^r bte |)anb).

5lqnilar. £) la^t mid^ meine ^füd^t gegen bie

®amen erfüllen!

Sfabella. 9}ieine gränlein§, entjc^ulbiget ben 10

^ranfen.

3fibora )ora 1

^anie J

Sope (äu sfibora). € n)üf3tet i^r, tt)er ^ier ber

^xänffte tüäre!

3 f ab eil a uu cojje). ^iein §err, jerftreut

tperbet un§ fonft auc^ nod^ fran!. —

euc^, i^r 15

ä^elanie im gtquiror). 3^t befinbet eud) etma§

beffer!

5(quilar. SBenn gleicl) fe^r hungrig, boc^ burc^

eure gütige (Gegenwart fe^r gerührt! 20

Sfibora (ju 2ope). Sft bie SBunbe eure§ greunbe§

bebeutenb?

Sope. £) bie meinige ift töbtlic^, feit id) in euren

Firmen lag, fo glüc!lic§, fo unglücflid)!

Sfibora. S^r rafet! o 8ennora, biefer dJlamx ift 25

öon 8innen.

Sfabella. 2öo§ ift? S)er ©c^recf öieEeii^t, ein

gieber!

Sope (fa&t sfiboren). D fcl)meigt, ifjr §abt öer5ie^en,

um meiner Siebe millen fi^meigt. — 30

Sfibora. Unüerfc^ämter, la^t mic^, lagt mid^!

Sfabella (i^r äuvufenb). Um Öotte^roiUen, ben ^Irjt,

ben ^Irjt!


IV, 3. 4. SSaferta. 55

2)nttcr auftritt,

Vorige, o^ue ^fibora.

Sope. £) fUeI)t mtc§ nic^t, i|r feib bie ^ranf^ett,

feib ber ^rjt. (loia nod^.)

5 3fab eil a ma m).

Sope. £) la^t mic§, lafst, {§r üerfte^t mtd§ atfe

nii^t!

i(^ Suft!

5tqutlar abringt auf), (^ott fei 2)an!, nun ^aO

10 Sjabella. Mtiank, t)aU ben ^leffirten. §Ufe,

§i(fe!

ä)^elanie (fafet i^n fc^üc^tem). Um ^otteSroitten, ta^t

euc^ galten, tdjjielt noc^ nie einen 93^ann!

5lquilar. £) e^ ift leidet, öerfuc^t e§, jc^öneg

15 gräulein!

Sope (toor [i(5). ®rab au§geftrec!t auf ber linfen

8eUe, ßngel, ic^ birröertören!

"Sfabella. 3[c^ tüeld^e ^^antafien, a^ menn ber

Slrjt boc^ !äme.

20 SO^elanie. S)er meine ift gan^ rufjig, ic^ la§

i^n to§.

5(quilar. 2)ann mirb er ein lofer S^ogel. (umarmt fte.)

9}lelanie. §immel, er mirb amS) närrifcf). (tauft a5.)

^Iquilar (läuft uac^, oO).

25 Sfööei^Li. §ilfe, §iife, ber ^leffirte entfpringt in

Ü^aferei.

(ab.)

Vierter 5(uftritt,

Sope (attem). D lauft 5um (^udu! alte. 3" i§^

altein :^at alle Bierbe fic^ geraenbet, mie unter bem ge-

30 meinen Raufen fct)euen SSilbe§ ein tüeiger §irf(^ mit

golbenem ^emei§, ben eine gute gee beli^o^nt, ein§ertritt,

fo ragt an ftiller (^rö§e fie empor. Unb tvtl) mir, einen

5lnbern liebt fie — al§ micl), unb nennt mid^ einen

^^oren!


56 ©lemeng iörentano. iv, 5. &.

^fünfter ^luftritt.

Sope, ^OrpOrinO unb mel^ve !Diener

(brinßen 9lquitor 0cbun]?£ii.)

Slqutlar. So^t mid^ Io§, ober id) breche eud^

^rm unb S3eine. 5

ßope. Sd) bitte eud), §err 2)o!tor, lafst i^n 1ü§.

^orporiito. Söir motten i^n immer noc^ etiüafjn

getnuibciicr Diebe fprec^en laffen, feine uno[ebunbene äiebe

fönnte feljr grob profaifd) au^fatten; er p^antafirt, raitt

un§ 5lrm unb ^ein bred^en, unb fann fid) nic^t rühren. 10

ge^t lüerbe ic^ bie äöunbe unterjuc^en. (legt otient^euerric^e

Snrtrutneitte auf bem Xlfc^ au§.) Söottt i()r ru^ig fein, fo lofs

ic^ euc^ Io§.

5(quilar. 5luf meine (^§re, aber la^t bie ßeute

abtreten.

15

^orporino. (^e^t ^inau§; aber auf ben erften

$fiff iommt mir 5U §iife.

Wiener (ab).

Scc^fter 5luftntt,

SS r i g e , o^ne 2)iener. 20

5(qui(ar. S^r merbet mic§ fe^r öerbinben, lüenn

i^r mic^ nid)t

§änbe frei.

öerbinbet,

'^

fur§ unb gut, mac^t mir bie

$orporino. S)at)or fott mid^ (^ott bewahren, fo

lange i§r fo fpred)t. 25

5lqui(ar. (So bin ic^ bann 5um §ungertob öer*

bammt. D ßope, £ope, bie^golbne dritte.

^orporinp. ©olbne dritte!

Sope (ää^it ®eib ouf). 9J?ein greunb ift nic^t tier=

raunbet, fd)afft i5tn"5u ejlen, oerfte^t i(}r? so

^orporino.

garten ä'opf!

^Inx fortgefahren,

^ —

i^

""

t}ab^ einen

Sope. 9Jun!


IV, 6. 7. iBaleria. 57

^orportno. 55er(iert bie ©ebulb ttid^t, id§ fag e§unc^^er

auf einmal.

^quilar. 3^r feib bummer, al§ mir reid§ fiub. —

öope. S)ie SSuube fei gan^ uubebeuteub, trerbet

5 i^r fagen.

^orporino. ipabt i^r feine (^rünbe me^r, eure

^'eutlid)!eit ift fef)rrecLL —

5(quilar. ^oTTauter Üieajen. ©ine gute WHd^U

5eit fei bie befle §ilfe, merbet i^r fagen.

10 ^orporino. (^anj tro^I, i^r ^abt mir§ eingeprägt.

( ftecft bQ§ ®etb^ut.) Uub fo fei benn meine (^irurgifc£)e

Operation, ha^ ic^ eud) entbinbe^.^ (btnbet t^n io§.) Waii)t

guten ©ebrauc^ öon ber "^ret^eit. (ab.)

Siebenter 5l«flrttt»

15 Vorige, o^nc ^orporino.

Stquilar. 2Sa§ Reifen mir bie freien §änbe, Sope^

ic^ bin gefeffelt, n?ie bu, irf) bin üerliebt.

Sope (heftig). 3n it)en, in^ÜUi^tö? fpri^, fpric^.

^quilar. (Si ba behüte mic^ ©ott öor, ba§ ^ie^e

20 bem ^ob in ben 9tad)en taufen — nein in SJ^elanie,

aber bie (Smpfinbung ift mir uic^t red)t flar, erlläre mir

ben 3uftanb ber Söerüebt^eit ein tt)enig! id§ tritt bei bir

lernen.

Sope. C lieber greunb, menn bu noc^ lernen

25 npiaft, fo liebft bu nic^t, menn hn nic^t alle» meifet unb

a(Ie§ üergeffen §aft, fo liebft bu nic^t. ^]t bir ni(|t, al§

bätteft bu in bie Sonne gefd^aut, feit bu fie gefe^n, ift

öor beinen ^ugen nid)t ein fc^immernber glecf, i^r S^ilb,.

ha^ mit beinem ^^ituge, roie e§ fic^ fe§nfüc^tig 5um §immet

30 ^ebt, ober öer^meifelnb an bie ®rbe finft, §in unb ^er

fliegt, nie üon bir meic^enb, unb nie boct) erreicht.

SSeigt bu nic^t a(Ie§, U)a§ fie mit bir fprac§, bie nie mit

bir fprac^, bangt bir nict)t, fie ^u üerlieren, bie bu nie

unb emig boc^ befeffen — ^]t e§ nid)t fo mit bir, fD

35 liebft bu nict)t.


58 (SIemeng 33rentanD. iv, 7. 8.

5lquilar. 3c§ iDeig niä^t — aber ic^ glaube, ber

$imger meinet 9}kgen§ frigt mir bie järtüc^en ©einütp==

betiiegungen am .^erjen meg, unb mein ^erj, \vd(i)e§>

leicht 5u üerfü^ren ift, folgt bem böfen ^etfpiel be§

3[)kgen§ unb liebt mirflid) 9?lelanie jum ^ufeffen, i^ 5

fann nid)t anber§ fagen al§ ic^ §abe fie freßÜeb, ad)

tt)äre fie in eineJPaftete öerjaubert, icf) moHte fie ertöfen,

lüie ein ^^onquiyote.

mttt 5luftritt.

SSorige, S5aleria. lo

^aleria (bringt eine «ßoftete). §ier bie Verlangte ^^Irjnei

au§ ber §au§apot^e!e, auf einmal 5U nehmen.

Slquilar. §immel, meiere 3aiiberei, lebe ic^ in

einem geenmärc^en, ^ahc id) ben 2öünfd)e(§ut be§ gortunat,

ober bie (Seröiette Stifc^i^en bede bid) — tüo^Ian, fo is

fd)tt)ar5 bu bift, unb märe bie haftete au§ ber Slüd)e

$Iut0§, f)aht taufenb ®an!. (er fe^t ftc^ unterbeffcn unh i&t.)

Sope. @lüdlid)e§ 9[Rcibd)en, mt beneibe ic§ bic^,

bu barfft ber ©chatten ber Ueben§tt)ürbigen Sfibora fein. —

^alerta. 3a, fie ^at mir a(Ie§ Sid)t geraubt! 20

51 q ui ( a r. D, o rt)e5;föd§ t^uduf ift ba§ ? ein (^olbftüd

in ber haftete? — ic^ i)abt mir faft einen 3a§n au§gebiffen.

S3aleria» @§ fd^eint ©olbtinftur in ber ^rjnei

au§ ^Iuto§ ^-üc^e!

2ope. (Sage, fdimarje ^otin, liebt Sf^bora fd)on? 25

^qutlar. S)er Sleufel, au, ic^ bin ein 9}Ziba§

njorben, bie gan5e haftete ift gefpidt mit (^olb, tüie für

einen @ei§§al§ zubereitet. Sag SJiäbd^en, mei§t bu mo^l,

ob 9J?elanie nod) ein freiem §er§ ^at? ic^ erlaube bir

auc^ ^ier in meinem ©olbbergmer! ju arbeiten. .

^aleria. Ob bie S)amen bereite i^r ^er^ öerloren,

tüeig ic^ nic^t, aber i^r, i§r fc^eint mir beibe gut öerliebt,

unb rat§e eud), eure (^efü^te fc^riftüc^ au§§ubrüden; benn

tnünblid^ f}abt i§r e§ ein menig toU getrau, fc^reibt, ic^

^ole bie 33riefe ab. (ab.) 35

so


IV, 9. 10. SSaleria. 59

9lcuntcr 5luftritt.

55ortge, o^ne 5Saleria.

2o\)t. Sa, ja, wix motten fd^reiOen, ac^ \vk tütCC

lA fc^reiben.

5 ^Iquilar. 5)a§ @o(b in ber haftete foK mo^I ein

^onnette§ 3lImo)en fein, man I)ält un§ für arme ©c^elme,

fcf)öne 9D?tIbt^ätig!ett, f(^Ied)te g-reier^^^l^peften.

Sope. ^ir reicht man ^llmofen, ac^ unb \va§> mir

gemorben, läugnet man mir ab.

10 ^quilar. 9Zun lä^t micf) ber SOcagen §u Söort

fommen, unb id^ frage bic^,_^iinauc^fte()Ud}er S^ntmerer,ma§

ift bir bann befonber§ geiuorbenV ^u fü§rft feit

geftern getüaltig große Dtofinen in ber Xafd^e, icl} ^aht

eben nic^t gemerft, ha^ man bid^ befonber» begünfligt.

15 Sope. C 3fibora Ijielt mic^ in i^ren Firmen, fie

^ielt mic§ für t§ren Sieb^aber, ben fie geftern, al§ mir

anfamen, im ^unfein öor bem (Schlöffe erwartete, ict)

nannte fe^nfüc^tig i^ren DZamen, fie umarmte mic^, er-

fannte midt), unb f(o^!

20 5lqui(ar. 2)a^ ift freiließ ein beben!(idt)e§ erfte§

Rendez-vous, aber marte, ic^ milt Reifen — je^t fort unb

bie Briefe gefcf)rieben, unb ^ente ^benb gelauert, §at bie

(Snne einen ?5veunb, fo ift bie anbere auc^ nid^t o^e —

mir ge^en auf ben ^Inftanb. —

25 ^ope. Söenn e§ gleicf) ein menig gegen ben ^nflanb

ift — id^ bin babei. — 3e^t !omm in§ ^abinet ju

fc^reiben. (betbe ab.)

äc^tttcr 5luftritt.

e&planate.

30 Sfibora, SD^elanie.

Sfibora, (S§ ift etma§ fe^r eble^ unb bod^ fe^r

unt)erfc^ämte§ in bem betragen ber fremben §errn, mie

fömmt nur ber eine auf bie rafenbe S^ee, oon mir um=

armt morben §u fein?


60 ©lemenS ^örentano. iv, lo. ii.

SO^elante. gc^ glaube immer, beiner miig burd)

uugtücflidje Siebe meIan(i)otifd) fein, unb meiner begleitet

il)n, um il)n ju jerftreuen.

3fibora. 5)einer? ajJeinerV ^u fpric^ft tme Uou

Sc^oog^uuben. 5

Mtlanit. Sf^ lüeig ja i^re 9^amen nic^t.

3fibüra. gc^ inoüte, fie mären fort, unb bod)

bnuert mic^ meiner.

$0?elanie. @ie^ ha\ jupf bid) bei ber 9lafe, bu

fagft and) meiner. 3ld^ ha^ beiner unb meiner liegt boc^ 10

gemaltig in ber ^atux. 5Xber mir moUen lünftig meinen

Suan feigen, ha fönnen mir ungeftört bon il)nen reben.

:bora. Unb ber, ben bu meinen nennft, beigtSarlo^.

Alfter ^luftritt.

Vorige. S^aleria. 15

SBaleria.

Sfibora —

33i!toria, ki) f)aht alle§ ^erau§, ber eure,

3fibora. 8age ®arlo§.

^aleria. 5llfo dnrlo^ ift burd} ^offnung^lofe Siebe

melanc^olifc^, unb finbet in feinem SÖa^nfinn eud) feiner 2»

Ungetreuen fo a§nlic^, ha^ er feine gange 2eibenfd)aft auf

euc§ gemenbet, feib i§m freunblic^, milb, fo fönnt i^r

i§n feilen, ber gall ift gar eingig unb romantifc^.

Sfibora (»or ftdi). ^)lber fe^r gefä§rlid§. (raut.) ^c^

mill e§ tl)un, fo er nid)t ^eftig mirb. 2^

99?elanie. §at meiner, moUt ic^ fagen ^uan, nic^t

auc§ fo eine ^ranf^eit, bie ic^ feilen fönnte?

^aleria. ^ielleic^t, üielleid^t — left biefe Briefe —

9l)ielanie. 2lc^ ber ift fc^mer, gefdjminb 3fiboro,

öffne: ia% mic^

unb offen —

nic^t im @tid), ber meine ift Doli (^olb so

Sfibora (:^at fc^on aegieng gelefen). SÖa§ ift \)a§>, fd)On

mieber bie abfc^euüc^e ^errüdt^eit, er ^abt mid) umarmt.

äurüd mit bem S3riefe. (®iebt ben Srtef an «olerta.)


IV, 11.-13. üßoleria. 61

9J?etatiie. 3urüc! mit btefem an


62 ©lernen« Srentano. iv, is-is-

Qfibora (fc^üc^tein cintrctenb). SSer ruft?

Süpe am bcn «rtef faaen). @ott, Ö)ott, bu bift e§ felbft.

gfibora (^ebt i^n Quf). öier euer 53rief.

Sope. So gebt i^r jtüeimat i^n jurücf?

Qfibora. (Sr ift ja mein. &

Sope. £) a(le§, a(Ie§ ift euer, uur ic^ allein nic^t:

3cf) fte^e bobenlD§ unb I)immelIo§, unb fteige unb finfe

al§ ein trauriger ©ebanfe!

Sfibora, 3§r Unglücffcüger, ic!§ bin nict)t eure Siebe.

Sope (irtft fie umarmen). 5)u, bu adeiu, Uub feine 10

|Oug^ auf (Srben.

Sfibora. D ^ott, i^r werbet tüieber rafenb. (läuft ab.)

^^terjel^nter ^luftritt.

ßope (aaein). gd^ bin nic§t eure Siebe — ^a gemig,

e§ ift gemife, fie ^o^ einen greunb — o folt id§ leben, 15

ha ein anberer §at — n)a§ ict) jum Seben brauct)e!

(mirft ben Sricf fnn.)

Sünfae^tttcr ^^luftritt.

51quilar, mxb Sope.

5lquilar (mtrft idnen »rief aiid) ^in). Xa bin ic^ aud^

unb ber t)erf(uct)te 33rief.

Sope. 3c^ wollte, id) märe im §immel, unb bu

unb bie ganje äi?elt.

^2(quilar. S)iefe (Sngel bon SO^äbc^en würben un§

auc^ bort bie §D(Ie ^eig machen. 3lber je^t, Sreunb, Ia§

un§ auf unfern Soften ge^n, bie ©pröbigfeit ber 3)amen

überzeugt mic^, ba^ fie gewiß fc^on i^r @c^äfd)en im

^rocinen §aben, bie ?}räulein fct)einen gar 5U gerne, ba§

nirf)t brauchen ju fönnen, \va^ fie berebet ^aben — e§

wirb ftar! Slbenb — fomm, je^t ge^n bie §afen nad)

bem ^0^1.

Sope. 3c^ bin babei, lag un§ unfre 5)egen ]§oIen.

(beibc in ba§ Sc^Iofe ab.)


IV, 16. 17. «aleria. 6S

^nlerto, ^aleria.

Sßalerto. 9Zun motten tütr mein ®rmnerung§ftütibc£)en

feiern, bu fagteft mir :^ente, bu jötteg^ mir ein Sieb ge:=

5 mad)t, ha§^ mid) rerf)t n)ie nac^ §aufe ju meiner ^oc^ter

öerjiph fottte, finge mir e§ nun.

55aleria. ©e^t euc^ auf bie Statue, ic^ öerfterfe

mid), al§ fange 33aleria in i§rer 8tube.

35aIeriD. Söarte, ic^ tritt mir atteS rect)t beutüd§

10 mact)en. — §ier biefe ^anf atfo rodre bie ^ant öor

meiner ^f)ür in ©eöitta, ftette mir einige Blumentöpfe

auf ha^ ^oftament, fo meine ic^, e§ feien bie öor meinem

genfter. — Sid)t unb ßautenfpiel im ©c^Ioffe ftetten ba&

^au§ be§ ^anjmeifterg 3^attero öor, tüo Baleria Xan§=

15 ftunbe ^t, unb bu, fomm öon bort l^er, bu bift SSaleria.

53ateria (^jarobtrenb öoit ber ©(^topfeite ^ertretenb). (^UteU

^benb, ^öter^en!

35aIerio. (^e^ ^inein, ^inb, bu bift marm getanjt,.

fleibe bic§ um, aber finge mir ein Sieb burd^§ genfter!

20 35aleria. 2Bie bu mid) (icbft, bu guter Bater!

(tritt hinter bie Statue.)

Baterio. D beringe! mad)t e§ gar 5U natürlic^.-

Borige, ^orporino.

25 ^Orporino (tvitt 6ci bem 2tnfangc be§ Stebc§ auf, unb bejetgt.

jetnc i'teigenbe 33eiDcgung).

Baleria.

3^ad) ©eutüa, nocft Seöitta,

2Bo bie legten Käufer ftef)en,

30 @tc^ bie yiüchhaxn freunbücö grüßen,

9)lägblein quo bem ?^enfter fe^en,

S^re Blumen 5U begießen,

%d) ba fe^nt mein |)erä fic^ ^in.


64 ©lernen» SSrentano. iv, 17.

3n ©eötüa. in Setoina

^eife idf ttjo'^l ein reinem @tüBrf)en,

ipelle Äücfte, fülle Kammer,

Sn bem ^Qufe luo^^nt mein Siebc^en,

Unb am $förtc^en fliänjt ber .'Jammer,

'^oä) iijr mad^t bie ^ungfi^ci" öUf!

®uten 5lbenb, guten 5I6enb,

Spricht fie, i^ater fe^t euc^ nieber,

©i, roo fetb i^r benn geraefen?

Unb bann fingt fie frf)öne lÜieber, 10

Äann fo §üb[d) in S3ürf)ern lefen,

5Ic^ unb ift mein gute§ 5iinb.

55aterto (umarmt fie). ^a, ja, bn§ ift fie —

^orporino (umormt fie). ^tt, ja, mein SieOc^en, meine

löaleria ift fo. 15

nur (Spag.

SSaleria. §err jemine — §err 2)o!tor, e§ lüar

^alerio. §a§a, e§ tuar nur eine (Erinnerung.

1)3orporino, bu bift rerf)t breiu geplumpt.

^orporino. (Erinnerung ^in, (Erinnerung tjer, id^ 20

ge^e- je^t auf ber Stelle nac^ ©eöilla unb ^ole ^aleria.

3c| i)aht ha auä) einen ^rief an '^on gelij üon 3fibora

unb an (Sarmiento öon ®onna Sjabella.

SSalerio (gieöt t^m einen Srief). (^ut, nimm biefeu ^rief

•an Valerien mit. 25

begleiten.

53aleria. 3c^ mill hzn §errn ®o!tor ein menig

^orporino. ^ut^bu follft mic^ nac^ (Sepiita, uaTl^

Sebilta fingen.

S3alerio. ^uv nic^t ^^u toeit ^-lammetta, unb bu so

mac^e ^eute ^a^i feinen Särm an ber ^lofterpforte.

^^5orporino. SSill fd^on alle§ gut machen, (ab.)

^aleria (aud^ ab, mit qSor^orinö);

^alerio (ab in§ ©(^io&).


IV, 18. 19. S3Qreria. 65

5l^tae6ntcr 5luftritt,

Sjibora, SJlelanie.

'3{ibora. glammetta ^at ^ier gefungen, id^ ^ätte

fie gar 5U gerne gehört — aber fie ift fort.

5 SUtelanie. Unfer ^uan unb ^arIo§ fingen bod^

ganj ^errlicf), oben, unb mie fie langen — bte ^leibjsr

be§ 5)Lm gelij; fteljen i^nen rec|t ^errlic§ — adfT^lroItte,

fie mären ^ier, unb mix wären aüe rect)t einig.

Sfibora. .§ier — je^t — nein um ©otteStüitten

10 ni(^t — iä) füllte ntic^ fo alle 5lugenblicfe gu öertraut

gegen fie, burd) bie Leib er unjer§ 53ruber§ — bie

Q)out)ernante ^ätte fie i^nen nidjt geben laffen füllen,

Jomme ^inauf — Btammetta muß fcfjon oben fein.

9Jletanie. 3lc^ ^eute fe^n tt)ir fie nic^t me^r tüieber.

15 Sfibora. 9^ein!

5Kelanie (fd^etäenb). (S^ute S^ac^t bann, fc^öner ^mn\

Sfibora (eöenfo). (^ute 9^ac^t, fc^öner ^arto§. (Mhe

in§ ©d^ro^ a6.)

20 ßope unb ^(quilar (öeibe heftig ^crDorttetenb.)

Sope. (^ute D^a^t ^arIo§, gute ^la^t Suan! er=:

tappt! öerfluc^te S^a^men!

^quilar (t^nen nac^fc^veienb). @ute ^f^ad^t Sfibora, gute

9Zac^t aiZelanie!

25 ^ateria arf^lüpft »orüfier in§ §au§ unb ruft) @ute 9^ac^t!

Sope. «Sie grügen tt)ieber, !omm, !omm, bort^in

nehmen unfre geinbe h^n SSeg. (fie stehen ftc§ feitnjävt?.)

tilquitar. @ti([, ic§ I)öre ftüftern, t)ie((eid)t ftedten

fie fid) nur ^bfd^ieb ne^menb, ben §orc^er 5U täufd)en,

30 ftiai (er toufc^t rechts.) ©utfet^Ud^! öafl bu ben (Sd^lüffel?

fagte bie eine Stimme. Qu alten ^^üren bie fid§ unfrer

Siebe öffnen, fagt ber 5lnbere.

Sope. 2öe^! me§! 3)on getij, beine (Sd^tpeftern

finb S3u^Ierinnen bei Dkc^t!

Litteratnrdenkmale 118/120. 5


66 ©lemenS 93rcntono. iv, 19-21.

5tqutlar. ®öttHd)er (^ebonfe! g-ort, fort, Sope,

mir lommen ben $errelt 5ut)or, mir tütffen i^re ^a^nmi,

bte 9}?äbcf)en kffen un§ ein, mir entlarljen bie Heuchlerinnen.

ßope. SSe§ mir! ©rab au^geftrecEt auf ber Unten

©eite — e§ ift jum rafenb merben. — 5

Hquilar. Sort 9larr! (S)rab ober frumm, id^ mitt

e§ fe^en. (beibe ab.)

fi{f)er ?

3tt)anjtöftcr auftritt,

g e U y , mit ber entführten S U J i K a.

Su5ina. 5)ie ©pred^enben finb meg — ift

'

aik§> 10

gelif. ®onna 3uanna fc^Iäft mit ben «Sc^meftern

hinten ^inau§, afle§ ru^t, !omm!

Sujitla. 2)a Hingt etma^ ju meinen gügen.

i^eliy. Rapiere, Q3riefe mit @elb — einen an mid^ 15

erhielt id^ im SSalbe, !omm, morgen frü^ lefen mir 3lIIe§.

(beibc ab in§ ©d^IoBO

dtnuttbjttianjiöftcr 5(nfttitt.

3)ie ©tube Sope§ unb ^^Iquilar^. (5§ ift bunfel.

Sope (oirein, tritt auf), ^quilar ift naif) ber @tuBe ber 20

faubern gräulein, id^ i)äW e§ nidtjt gefonnt — nid)t§

intereffirt micf) me^r auf @rben — icf) bin in @i§ ge=

taudt)t— fo finb bie SBeiber. — 3d} büge fd^mer um

biet), ^aleria. — (er ge^t auf unb ob.) 3d^ ge^e 5ur ^rmee

— id^ miK fterben. (ftö^t an einen ©tul^I, hjirft i^n weg.) ^er= 25

flucht, mer tritt mir in ben 2ßeg, ha^ mar bie Siebe —

Sope, mie bift bu! id^ miti mein Xeftament mad^en —

(fc^iägt cic^t.) SSie bie gunfen

— fein 2idt)t jünbet fid^ an

fprü^en, mit mir ift e§ au§

mir — ba liegt ha§> %Q)ia^

ment be§ 5tbmirat§, ha milt ic^ bie gormein abfegen, (ge^t so

nac^ bem Kabinett.) geuer fdjlageu mit! ic^ auf Hjg panien^

geinbejig fein ©ta^I unb (Stein me§r arflmr ift. (ob

in§ Sabinett.")


IV, 22. 23. SSateria. 67

Sttjciuttbjttianaiöfter luftritt.

%tlix, unb Quinta.

gelii; (fü^rt suäiiia iicmn). §ier tft meine @tube, gletd§

§ier neben im ^'abinett fte^t ein Oiu^ebett, ha fannft bu

5 fd)(afen. ^rf) miH gleic^ ju meinen ©^meftern.

Suji Ua. tüarte bi§ SOZorgen, laffe mid^ erft ait§^

ruf)n, fd^one meiner Verlegenheit, bu §aft mic^ entführt,

ic^ ji^äme mic^ öor i^nen.

geliy. 3c^ ge^e gteic^, id) fann nic^t Reifen.

10 Su^illa. ®u bift üerbrüglic^

gelij. 3d§ bin ^Ib toll, burc^ ba§ n)a§ toix unten

im ©arten gehört.

Sujilla. 90^an fprac§ jc^Iec^t üon beinen ©d^rtjeflern.

gelij. Hnb barüber t)erfd)tafe ic^ feine ^a^t, tomm,

15 i(^ bringe bic^ inS Kabinett.

2u§iUn. Sld) §alt — e§ ift S^ntanb brinn —

man fprid)t — Sic^t fällt burc^ ha^ 8d§lüffellDd§.

gelij. §orc^!

Sujilla. 2)reitaufe_nb 2)upIonen an Valerio, t)ier^

20 taufenb für $orporino ^ur 5tu§ftattung — e§ ift ein

©terbenber, man macl)t ein ^eftament.

geliy. mix fte^t berlßerftanb ftitt!

Sugilla. §orcl) — er fpriest — o ^P^o^^fi —

3l"i^o^*flf tt)o bift bu, mein füge§ Seben.

25 Seliy. §ölle, fo mär' e§ ma^r!

^reiunbjwanpofter liiftritt.

^quilar, Vorige.

5lquilar. greunb, ma§ ^aft bu üerfäumt, bie

SJfäbc^en finb allerliebft!

30 geüj. Verfluchter S^renräuber, §ie^!

Su^illa. £) *c)immel, galtet, galtet ein.

gelij. SSa§ 2;eufet ift ha§> — Sic^t — £ic|t —

]§erau§, §err ^eftamentariuS. (tritt bie spre ein.)

5*


68 ©lemenS lörentano. iv, 24. v, 1. 2.

Sl^tcruttbjttiattstöftcr 5tuftritt.

S^orige, Sope (mit sic^t).

5(quilar. lim (^otteStüttten ! getij unb Susitta,

irf) grotuüre!

geltj. 3^r, i^r feib ^iev, 9Jienfd)en, tt)a§ ^abt t^r 5

angeftettt ?

2 p e. O (^otte§ ©egen über bid^, unb glud^ über

un§, mir ^aben beinen eblen (Sd^meftern unred^t get^ait.

@nbe be§ öterten ^ufjugg.

cSünfteu lluf3ug.

©gplanote.

irfter 5tuftritt,

©armiento auetn.

©armtento aommt »on ber rechten ©ette). 2)ie§ ift mein

§au§, ha§> öiele ^a^re id§ nic^t fa^, unb noc^ grüßt 15

freunblid§ mir bie 8d^tt)albe öor bem 2)ac^! O nieber

möd^te i^ fnien, bie (Srbe füffen, fie ift noc^ grün, nodt)

gaflfrei ift bie§§QU§, un]d)utbig meine ^inber unb gefunb. —

O &ott, mie bau! ic^ bir, mein ^aterlanb fanb ic^ öer-

^eert üom milben ^rieg — bo^ gute ©eifter ^aben meine 20

©d^mette mir gefd^ü^t.

Smiitv 5luftritt.

^onna Sfabella, ©armiento.

Sfö^C^^Ö (Ut ctnjQ tn ber 2»itte be§ öorigen 3KonoIog§ aufgetreten

unb ]^at eine 9io[e gebvod^en). ©armieutO, UUfre Df^ofeu b(Ü!^en nod^ ! 25

8armiento. ö)ott grüge bid^, üebe§ Seben

Sfabella. Unb bid^ auc^! @ief), maS ber Ütofenfloc!,

ben ic^ bort mit bir pftauäte, aU id^ nad) bem ^obe beiner

(Gattin h^x bir mar, fo fd^ön unb reid§ öoll ^lüt^en ^ngt.

^o


V, 2. 3. SJaleria. 69

(Sarmiento. (Sr läutet ben ^riump^ unfrer Siebe

ein. 5lber fag mir, mie fte^en unfere §cinbel?

Sfabeila. geliy ift ^^eute 9^arf)t mit meiner S^iid^te

angefommen. ^orporino ^at bie Briefe boc^ befteKt?

ö ©armiento. Sa, fobdb er Q5aterien geholt, !ömmt

er 5U mir bort unten in ha§> ^orf, icf) ^aht fc^on eine

fd^öne 3«^^ tüd^tiger Seute unter ben SSaffen, ftjeld^e mic^

mit ben jungen §errn 5ur 5lrmee begleiten follen.

^orporino tüirb '^ier^er fommen, al§ berfolge er Sujilla

10 al§ feine ^raut.

SfabeUa. Wit beinen Stöc^tern tt)erbe ic^ mic^

fc^einbar ()inn)eg begeben muffen, bie §errn greier merben

gar ju ungeflüm, fie hielten ^eute 9M(^t gelij für einen

9^ebenbu^ler unb mai^ten einen ^ä§Iict)en (Speftafel, a6:)

15 id^ mottte, alle§ märe erft Vorüber.

©armiento. Siebe Seele, alle§ mu^ fo fein, je

größer bie S5ertt)irrung, befto befter. Sollen mir beibe

allein bafte^, tüie bie armen Sünber, f)abt ic^ bic§ nic^t

aud^^ einft entführt, finb mir nid^t ^eimlid^^^gttraitt, id§

20 miE nid^t beff er unb nid)t fd^led^ter aU bie meinigen er^

fd^einen, mir motten feiner einen Stein auf ben anbern

merfen — bann finb mir alle öergnügt in fd^nlbiger

Unfd^ulb.

Sfabeila.

25 fterfe bie Ü^ofe

O

auf

bu liftiger lieber

beinen §ut — unb

^^i^eunb, fomm,

nimm_ben_gu§

be§ treuften 9D^unbe§.

Sarmiento. Siebe Sfül'ella —

Sfabeila. §immel — iä) pre beine Xöc^ter, bie

id^ ^erbeftellt ^ah^ — treten mir bei Seite — ha fannft

30 bu fie fe§en. (öeibe ab.)

dritter m^vxit

Sftbora, 9}Jelanie.

9}Zelanie. C Sc^mefter, ma§ \)ab^ ic^ gefe§en —

Sfibora. j^ie ^ouüernante! id^ traue meinen.

35 klugen faum.


70 dlemeng Srentano. v, 8.

9)ZeIanie. Sie umarmte einen fremben 9)Mnn!

Sfibora. 2)a§ erflärt mir aUe§, \m^ mx feit

i§rer 5ln!unft ^ier erlebt, hk ungemeffene greil^eit, bie fie

un§ lägt, bie abfd)eulid)e Sjene mit bem fred^en ^nan

^eute 9Zac^t. 5

Melanit, ^u bilbeft bir entfel^Iic^ öiel brauf ein,

't>a^ b^iner nid^t babei mar —

Sfibora. Sd^on mieber ben fatalen 5(u»bruc! meiner,

"~^

^'

ic^ milt nid^t§ miffen öon i^m.

älZelanie. Ueber ben ^u§bruc! beiner flage nid^t, 10

l^ötten mir i^nen geftern nid^t bie Dramen ^'ar(o§ unb

3uan gegeben, fo märe aKe§ gut.

Sfibora. S"^ fenne bid^ gar nidt)t me§r, bu bift

red)t frei gemorben.

SDZetanie. 5(d§ frei, nein, ha% bin ic^ nic£)t gemorben 15

— ac^!

Sfibora. 2öa§ feufjeft bu?

ä)ZeIanie. 3d^ fage e§ nicl^t e^er, bi§ bu aud§ feufjeft.

3fibora. 2)a fannft bu lange märten! — 51^!

^Zelanie. ^a ^aben mir§ — je^t mu§ idt)§ fagen 20

— aä), i^ liebe i^n, ha§> fpric^t fidC) ganj furio§, menn

man e§ mir

mug Iacf)en

gefagt, e§ ül^eit einen auf ben Sippen,

— id^ liebe i^n, ba^a^a! id^ liebe

man

i§n,

3fibora, fage e§ boc^ auc^ einmal.

Sfibora. Sft e§ benn fo Ieidt)t? 25

SJ^elanie. 5ld§ ganj entfe^tii^ leicijt, ic^ !ann gar

nic^t begreifen, mie ic^ je^t erft brauf gefommen bin.

Sfibora. Tliv !ommt e§ fd^merer öor — unb

boct) mug idt) e§ fagen — act) id§ liebe i^n — ©ott,

mid^ mad^t e§ meinen. 30

SOietanie.

Sfibora.

SSeinen?

D er liebt mid^ nic^t, e§ ift nur fein

SSa^nfinn, unb mie mar gelij -^eute !alt unb

un§, er fprad^ Don (Sittenlofigfeit —

I;art gegen

95ZeIanie. (Er ^at aud^ noc^ Urfac^e ben ©itten:= 35

prebiger §u mad^en, er bringt eine ©ntfü^rte bei S^lac^t

unb 9?ebel.


V, 3. 4. SSalerta. 71

Sfibora. (grJLein 99Zamt!

SJletanie. S)ie beiben gremben finb auc§ Wänmx,

aä) iPenn Suan iDolIte, ic^ lk% mic^ gleic^ entführen,

gtngft bu tro^l mit?

5 Sftbora. StiU, SfabeKa —

93ZeIanie. 2öir laffeu un§ nid^t merlen, tt)a§ mx

\df)tn\

mtxkx %n^nit

95orige, 3fabella.

10 ^fabella.

reifen —

SJieine ^inber, tt)tr muffen gteid^ öer-

3fibora. (So plö^lic^, tt)ir ^aben ni(i)t» in Orbnung.

93^e(anie. @o über öalS unb ^opf, ba§ ift un=

möglich

15 Sf'i^eUa. SBenn meine 9JJutter mir fagte: üer-

reifen — fo

5lu§rüflung,

maren bie «Sc^eKen ber SJlauIt^iere mir genug

ja ic^ märe gern ^n gn^e mitgelaufen —

unb i^r moKt eu(^ noc§ gieren, ba ha§> ©reignig mit eurem

53ruber, ha bie ^§orf)eit ber gremben e§ eurer @^re

20 not^menbig machen, menigflen§ furge S^it abmefenb ju

fein? ^d) mag eucC) fe^r gut f(f)einen, aber über (S§re

^alt ic^ ftreng.

93^elanie. O bie Äpeurf)lerinn!

Sfibora. Unfre @^re, 2)onna ^fabetla, mir fennen fiel

25 ^faöeUa. @in fe^r !ü^ne§ SSort, ma§ ift benn

^xt —

9Kelanie. Sie ift bie 3w(^t öon innen mie bon

au§en, meiere in ber (£infam!eit fo ergaben ift, at§ —

Sfabella. ©d^meigen — (für fic^) fie l^aben mid^

30 belaufest. (laut) 3^ ^e^fe mo^I, marum i^r eud^ giert, i^r

feib üerliebt.

SO^elanie. 3^r aber feib e§ roo^l nici^t? —

Sfabella. 2öa§ ift ba§? mie rebeft bu? ic^ merfe,

eure Seibenfc^aft mad^t eu^ fo !ü^. — 9^un aber fort,

35 gleid^ auf ber Stelle mit mir fort. —


72 dfemeng Srentano. v, 4. 5.

3fibora. 9JJit eud)? — nun fo ^aimx luir mo§(

einen 93egletter?

3fa()e((Q. ©inen Begleiter! (für ftc^) fie §aben mic^

belaufest! (laut) 2öa§ meineft bu bamit?

gfibora. O Der5ei^t, irf) frf)änte micl). — 5

Sf ab eil a. 2Ba§ §abt i^r nur, jiert \i)x euc^ — al)a

id) mer!e — o bn§ bofe (^einiffen! ^abt ifjr nod) nie

einen 33ruber, einen greunb umarmt? i^r ^abet mic^

belaujd)t.

soviel a nie. 9Zun,

belaufest, aber —

einen greunb ^aben mir noc§ nie lo

gfabeüa. S^r möd)tet e§ üon fersen gern t^un

— fo fotgt mir benn getroft, i^r foKt balb ben beften

greunb umarmen, ben i^r auf (^rben ^abt — mir öer^

reifen nid^t — i(i) moltte eucE) nur erfc^recfen — !ommt, is

mir rooHen ^'rönje tuinben unb Ü^ofen pftücfen 5U bem

frf)önften geft.

Sfibora. O liebe ^föbetta, nun folgen mir mit

greuben!

SJJelanie. ^a mit taufenb greuben! (alte bret rechts ab.) 20

g^ünfter 5(uftritt.

©rofeer aSorfoal, in Un mehrere Spren aufarantentreffcn.

geliy, unb SujiUa.

geliy. 5)ie neue (^ouöernante meiner ©djmeftern

ift unfer ®(ü(f, fie fennt beine 5D?utter, fie miß beine 25

5(u§fö^nung übernehmen. 5lber id) bin bei alle bem in

ber größten SSerlegen^eit mit meinen (Sc^meftern, au§ htn

gefunbenen Briefen fe§e id), ha^ f]kv fatate §änbel öor-

gefallen, unb bod) jiemt mir ha^ ^rebigen in meiner Sage

gar nid^t. — so

2u§illa. 2öei§t bu ma§? [teile i^nen bie

gremben fogleid) aU beine greunbe öor, fo löft fid)

atteg fc^nett!

gelif. ^a§ ift freilid) h'c[§> ^ür^efte. (fiingeit.)


V, 6. 7. SSaferia. 73

^cc^ftcr auftritt,

55ortge, 5^iener.

geüj. dJleim Sc^treftern!

Wiener, ^ie gräulein finb Joeben mit ber ©üuüer*

5 nante abgereift.

g'elij. @o rufe bie fremben §errn ^ier^er.

Wiener. 51 d^ bie finb foeben au^ bem §aufe §inau§=

gerannt, ai§> ob iljnen ber ^opf brennte. S*^ brai^te ha^

^rü^ftücf unb melbete bie 5lbrei(e ber 5)amen, ha fu()ren

10 fie mit 9^a!eten au§ ben gebern, gerrten fic^ um if)re

Kleiber, rannten mid^ mit fammt ber ©(i)o!olabe um, unb

liefen unter bem 5lu§ruf : „(Sin^olen, um ^erjei^ung bitten"

auf unb baoon. 3ömmerf(^abe um bie f(i)önen §errn, ha^

ey nirfjt ganj juft mit i§nen —

ift.

15 Seitj- ®o ift e§ bann ju fpät. Unb nun mill ic^

fogteic^ ju meinem greunbe, bem 5)ec^ant, reiten, bamit

mir f^on getraut finb, e^e bu eingeholt bift. —

tngften!

Sujilla. fe§re balb, ict) bin in taufenb

20 geliy. 3d) reite, ma§ ba§ ^ferb üerträgt! 2eb

it)o§l! fi^nett, ^urfct)e, ^inab unb gefattelt! (ab mit bem 3)tener.)

Siebenter auftritt«

Su^iUa (otrein). 5)a§ (Sntfü^rtmerben ift eine fe^r

munberüc^e (Sa(^e, e§ lieft fi^ fe^r fc^ön in ^Romanen

25 baüon, aber felbft t^e i(^ e§ mein'Sebtag

— ©0 oft ic^ in ben ©piegel fe§e, erfc^recfe

nidjt mieber.

id^, a(y märe

ict) fct)on eingeholt. ^^T^Denh bie (^ouoernante nur etma§

bei meiner ^ante auSrid^tet, bie Xante ift gut, aber in

ber testen |]eit mar fie ftet§ fo gefc^äftig unb fagte immer,

30 balb merbe fie mir einen SO'^ann geben, ber fo gut fei al^

3)on gelij. — O (^ott, ict) ^öre fommen — bieüeic^t

finb§ fd^on bie Verfolger — ic^ merbe mid) jufammen

nehmen.


74 ©(entenS S3rentano. v, s.-io.

%^Ux 5l«ftritt»

Sujina, ^ateria, S5alerto.

SSalerio. 90^etne 2)ame, enbüdf) ftnbe id) ©ie.

2 u 5t IIa. allein §err, id^ emarte, (Sie tüerben bie

1K(^tung itidjt öerle^en, tt)eld[)e Sie meinem ^efcl)led)t unb 5

(Staube fd^ulbig finb.

SSalerio. Sd) fomme nur, 8ie gegen alle fernere

tn ^u^-

gang abwarten. Se^t, lieber fdjtDarjer ^Ibjutant, fte^e

ein wenig ^ier auf ber Söac^e. Sd£) !ann e§ nid^t me^r

aushalten, id^ mug ein iüenig nad)fpüren, ob ^aleria nid)t

balb fömmt, id^ ^alte e§ nidt)t länger au§ ül)ne fie. (ab.) 25

geinter 5(uftritt.

S^aleria (airetn). ^uf SSieberfeljen! — ®er arme

^ater, mie foll ic^ i§m nur alle feine 3lngft unb «Sorge um

mid^ bergüten, tDarte, ha^ ift ^errli^ — id^ mitt i^n über^

rafc^en, bie ^oc^jeitfteiber ber SOlutter, bie er mir gefc^enft, 30

^abt id) bei mir, bie gie^ id^ an, unb feine §oc^§eit§=


V, 10.-12. SSaleria. 75

fleiber ^at er au(^ bei fic^, ha mug ftdf) ^orporino ^ineiit=

ftecfen, foBalb ber !ömmt, unb ]o faKen mx i^m §u gü§eu

unb älle§ tft gut. — (^efd^mhibe fort, a(Ie§ öorbereitet,

unb bod^ auc^ Ijier nicf)t§ üerfäumt; man mirb in Siebet-

5 §änbetu bod^ glei^ fo gefct)n)inb mie ein 2)ieb. (ab.)

dlfter ^(uftritt.

SfabeUa, Sfibora, 9}eelanie, bann öusilla.

(eommen mit asiumcngetüinbcn nnb einer ga^ne nnb mehreren ©c^ärpen.)

9)^ et ante. Söa§ foKen nur bie ga^ne, bie @(i)ärpen?

10 Sjabella. S^r jodet balb Öeute fe^en, bie i§r

gern bamit befc^enft, fommt, wir tüoHen bie alte 2öaffen==

fammer eure§ S3ater§ rec^t feftlic^ au^fc^müifen. (wm öffnen.)

Sßa§ ift ba§ — e§ ^ält brinnen ^emanb 5u! ipom.)

^:>luf, auf!

15 ßujilla. @o lange ic^ öermag, öffne id) nid^t —

SQ^etanie. 5(d) 5)on gelij' beliebte mirb brinnen fein.

Sfabella. 5lufget§an, Su^illa, mir finb gutegreunbe!

SujiUa. Scf) öffne nic§t, ^ante, bi§ Sie berjeitjen!

Sfibora. Xante — e§ ift 3^re Dächte. —

20 Sfabella. 93e^nte, in ber 5lngft lauten alte

©timmen mie bie Stimmen einer Xante — öffnen Sie,

i(i) fage S^nen, Sie fotten 3^re Xante ni^t in mir er=

fennen, nur bie greunbin, bie S^nen bie SSer^ei^ung

ber Xante bringt.

25 Sujitla. ^n ®otte§ Dramen, (fie öffnet.)

511 le (hinein, ab).

Sope, 5lquilar.

^Iquilar (^ofttg eintretenb). SSerbammt, ha^ mir fie

so nirgenb§ fanben. —

Sope. Saffe e§ un§ für ein @lücf anfe§en, fo

braud)en mir un§ nic^t §u fd)ämen.


76 ©lernend örentono. v, 12. 13.

5tquitar. 5)eiue elenbe ©ebulb, bie fe^It mir noc^,

um mid^ ganj rafenb ju machen.

Sope. 5)u ^aft aUe§ öerborbeu, bu ^aft bic^ l)eutc

9Jad}t niebrtg unb ehrenrührig betragen.

31quitar. 2)a§ finb Sßorte, X^or, auf bie maus

feinen §anbfd)u^ niebermirft. —

Sope. 3(i) ^ebe i^n nid^t auf, ic^ bin irie ade

anbre Sjienfdjen nun, id^ ^abe feine (Seljnfud^t mel;r,

mein Seben in ben eignen 53oben l^in^upflanjen, bem

erflen beften gebe id^ e§ ^in, unb mein SSaterlanb ift haf

erfte unb befle! 9^ic|t bu — idf) ge^e jur 5(rmee!

~~Hquitar imn'm- ^a§ ift erbauüd), ^aft hu fct)on

einen treuen §unb gefauft, ber fid) auf bem (^rabe be§

legten £ope be Seon§ §u Slobe hungert!

£ope. 5)en §unb, id) tnerb i^n ^aben, um hk auf 15

ba§ SJiaul 5u fd^tagen, bie t)on greunbfd)aft fprad^en —

ber le^te Sope be Seon bin ic^ burc^ bid), unb einfam

miE ic^ fterben, ja gang einfam, oljue greunb, in ber

(Sd^aar be§ beften ^ameraben —

Stquilar. D ^amerabfc^aft eine§ feigen, feierüd^en 20

Starren!

Sope. gnfamer SO^enfd^, @ott, 3fibora, marum

^at biefer Xijox bid) mir geraubt, (erjie^t, fie festen.)

mO^l.

ein ! —

Slquilar. 33raü, brat), fo mirb un§ beiben mieber

^reiae^ttter 5(uftrttt,

35orige, ^aleria.

^aleria ^ftürat mm^n fio. _0_^immel galtet, l^altet

^quilar. SSeg, falfdt)e, elenbe Briefträgerin — 30

Sope. 90^äbc^en, trete jurücf —

SSateria. (£§ Ia§ id) mid) burc^bo^ren, al§ euc§

ein £eib§ ant^un, fjabt griebe, menbet eure SBaffen

jum


Y, 13. 14. SSaleria. 77

Sope. ^quüar, ber 6treit fei aufgehoben — lag

un§ bei geüy burc^ ben (Sc^u| fetner ^raut in etma^

gut machen, nja§ tt)ir gegen feine (Sdjttjefter üerfe^^en.

3lquilar. 3c§ bin c§ aufrieben, fage, wa§> fott id§

5 t^un, giamntetta!

^aleria. @e^t ^inab üor ba§ ^^or, galtet ben

erften Anlauf ab.

^quilar. @ut, auf 2Sieberfe!^en

ßope. 5tuf SSieberfe^en! 5lquilar! SBir

'

fönnen

10 beibe bei bem §anbel fterben

5lquilar. ^a§ meig ic^!

Sope. SSir waren immer greunbe —

5lquilar. 3a, ja! S)u gute§, tPeid^eS, munber-

bare§ Öerj. (fte umarmen )id^, Siquilar ge^t ab.)

15 SSierje^ttter 5luftrttt.

^aleria, Sope.

^aleria. 3^r ^abt ben fc^merflen 8tanb, ^ier in

ber 8tube befinbet fid) Su^itta.

Sope. Sf^ur über meinen ßeib foll man ju i^r.

20 9Zun ^öre mic^, ic^ mug bir etma§ nod) Vertrauen. Qn

©eöitta lebt ein öortrefflichem SOMbc^en ^aieria be Jaam-

pa^eo bei iljrem SSater S5alerio, einem eblen rec^tfd^affenen

Bürger, ic^ ^abe gegen beibe eine große @4ulb abju^

tragen, ic^ ^aht im Uebermut^e ber ^ugenb, in ber

25 S5erfü^rung be§ SD^üBiggangS bem armen ^inbe meine

flatternbe Saune al§ Siebe öorgelogen fie '^at mir nur

5u fe^r geglaubt, icl) babe i§r .§er5 t)on ^^orporino, einem

trefflid^en Jüngling, abgezogen, ic^ ^aht bem ganjen

§aufe feine 9lu^e genommen, unb Ijabe e§ bann öer-

30 laffen — ha§> t^uen Slaufenbe — boc^ ic^ — ic^ !ann

mit ber (Smpfinbung ni(^t fterben — foÜte i^ fallen

^ier im ©treit — fo ge^e nac^ «Seöilla — bitte hk

Seute für mic^ um SSerjeiliung — giej Valerien biefeS

Xeftament — maS ift — bu meinft —


78 eiemeng ^Brentano. v, u. i5.

S5aleria. (S§ rül)rt mic^ innig, boc^ maS ift biey

— ha'o SteftQinent ift burd)ftodien — i^r trugt e§ auf

ber ^ruft — o (^ott, feib i()r üermunbet?

2opt. SSie — auc^ mein 2öamm§ ift burc^ftoc^eu

— liebet, gute§ .^inb, bu ()aft mir ha§> lieben erl)alteu, 5

al§ bu meinen Gegner jurüd^ielteft — tt)ie lo§ne id) bir!

^aleria. ^urd) t>a§> SSertrauen, 'i)a§> t§r mir gefc^enft,

bin ic^ belohnt — bod) ftift — id^ ^öre rafc^e (Schritte.

Sope. Man nal)t — id) ()bre Söaffen flirren —

tritt jurüd! lo

gfünfael^nter 5(uftritt,

95orige, ^orporino unb ©olbaten.

^OrpOrinO (in uniform, burd) einen Schnurrbart entftetlt).

Sope (i^m entgegen tretenb). @tet)t, tt?a» ift euer ^ege^r,

't>a^ it)V fo ungezogen in ein frembe§ §au§ tretet. is

^orporino. Ungezogen i^r fetbft, ic^ fomme mit

gezogener Minge, meine Q3raut ^er — mo ift meine S3raut —

£ope (entblößt ben 2)egen). 3^^ fd^möre eud), mir Idolen

beibe feine Bräute ^ier.

^orporino. SSerbammter Sope — nein i feine felbft öerloren, fann nid)t länger lügen —

Valerien mill ic^ — mo ift S3aleria — wo ^aft bu fie,

SSerfü^rer? ic§ bin ^orporino.

^aleria (tritt i^eröor). C galtet, galtet — 20

Süp^e Outr[tJett_S)e£en iüeg). ^C^ meife uic^t, WO fie ift,

burc^bo^re mic|.

$or porin 0. ^^x mifet md)t — i§r lügt —

^omjj^JQut!...

S^aleria. 3


V, 16. 17. SSoIeria. 79^

Sc^jefttiter ^luftritt.

^tqutlar mit S)onna Suanna.

Slqutlar (ganj aufeer fic^). 2öa§ fotten biefe^erlS ^ter^

bift bu gefangen — td^ bringe biefe 2)ame ^ier — fte

5 ift ganj au^er ficlf)!

Sope. ^eru^ige bid^, alle§ fte§t gut —

Suanna {aum im. €> 2)to§, tt)el(^e ©cenen, tt)eld)e

S^eriDirrung, a(Ie§ üoll ^itfurreftion, tt)o finb bie gräuletn^

fein (Empfang, feine Vorbereitung, mein SSetter S)on

10 (garmiento auf bem fünfte einzutreffen —

^Iquilar. SSa§, tüa§> fagt i^r —

ßope. 5)on (garmiento auf bem fünfte einzutreffen—

guanna. (Er ift fct)on auf ber kränze be§ fct§,

gleicf) lüirb man alte (Dioden läuten — aber tüelc^er-

15 Embarras, mer prdfentirt euc^, tt)a§ feib i§r, ^abt i^r,

lüollt i^r, mac^t i^r — o S)io§, e§ ift

jüngfte Xag, prdfentirt boc^ 8tü§(e! —

al§ tüäre ber

Sope (^räfentirt t^r ben stu^i). Sagt eud^ uteber, ©ennora;.

unfre 55er(egen^eit ift größer al§ bie eure.

20 3lquitar. Verbammt, ha fömmt ber alte §err in-

eine fc^öne (Suppe!

Sope. ^(^ bin be§ Xobe§ — e§ na^t jemanb.

Siebzehnter ^uttritt.

geüy, Vorige.

25 SeHj- S^fct gilt^, je^t gilt§, e§ fömmt mein Vater. —

Suanna. ^c^ eher Cousin, tt)a§ ^aht i^r angeftettt,

ic^ bin mie aug ben SSoIfen in eine ^Iffembtee, mie au&

einer ^(ffemblee in eine Verfct)mörung gefallen.

51quilar. gelij, ma§ ift ju t§un, mx fte^ in

30 g(eict)er 9^ot§.

geliy. SJiir §aben bie Vauern, al§ id^ nac§ bem

^rebiger ritt, meinet Vater§ 5Infunft gemelbet — id^,

bin carriere umgefe^rt — (Sott mag mirb er 5U meiner

(Entfü§rung§gefd£)id^te fagen. —


80 GJemenS Brentano. v, 17.-19.

Suanna. ©ntfü^rung — Cousin — aber C^ott

— Xüo ift meine ^a^t ^ingeJoiumen — a^ meine ^xpzxta^t

— i^r §errn — ([ie fte^t auf) ift mir im Getümmel

entsprungen. —

geliy. 2Ö0 ift SujiKa? 5

£ope. §ier in bem SSaffenfaale §at fid) bie ®nt^

führte öor ben S5erfolgern Verborgen.

3 u an na. §ier — ^ier, in meiner 9Zä§e — bie

^ntfü^rte — horreur — e§ tt)irb mir nid^t mo^t —

ad) meine ^a|e — tnenn ic^ nur meinen Chätre mieber 10

friege — id^ öertaffe fie — iä) fann bero 3>ermirrungen

nic^t t^eilen — id^ bin nnfd^nlbig — ic^ gel^e ju 33ette.

(öerbcugt [irfi unb gcl^t ab.)

^((^tjcjttter 5luftritt,

SSorige, o^ne Sua^^^ß- i5

5lquilar. ge% tnaS ift §u t^un?

geliy. 3c^ meig e§ nid^t, ber, öerbammte ©ennor

bei 9Ker!abo ift an altem 8c^ulb.

Süpe. ^ie 2öal)r^eit fagen mirb ha§> ^efte fein. —

Slquitar. ©titt man fömmt, (^eräufc^l 20

geliy. (Bx mirb e§ fein, id) üerge^e!

9leuttjejnter 5luftritt.

SSorige, (SarmientO (mtt einer ©c^aat ©oltaten).

Sope. ©Ott fei S)ant ber ^Ikrfabo!

?^eliy. ©ennor, ^elft, i^r ^abt mid^ gur (Sntfü^rung 25

»erführt, unb mein ^ater ift auf bem fünfte 5U fommen.

Sope. SBir ^aben ^ier eine böfe äRa^ferabe gefpielt.

5tquilar. ^a, burd^ euren 9tat^ — unb bei ®ott

— mx finb fing gemorben, i^r fommt ^ier nid)t meg,

ober i^r jie^t ben tarren au§ bem ^'ot§, n)o t^r itp so

bineingefü^rt. — (er jie^t.)

Sope. 35rat), ja, ja, fo t^ut i^r — (hW).


V, 19.-21. SSalerta. 81

gelty. So tl)ut il)r (äie^t).

©armiento. ®i fo t§ut i§r — ic§ ftnbe euc^ ja

nan§ öertranbelt, ganj öoll 99^ut§ — unb fo~Td|)fre

gungen tjerbienen iuoI)(, ha^ man irrten burc^^ilft — \o

5 :^Liret beim, irf) Ijabe auf ^efe^l 8nvmtento§ btefe braben

55afaUen bon t()m unter bte SSaffen gebracht, um .fie 5ur

^rmee in bte ^^^^^enäen ju . fiUjren, ne^mt alle bie Uni-

form, merbet Cffijiere bei ber ©d^aar — fo fteljt i§r unter

bem ©d^u^e ber ga^ne, unb er n)irb m(i) nod) banfen.

10 Sope. S5ortreff(ic^, id) bin babci. —

gelij. (Sin Ijerrü^er ^luSmeg — aud) id) —

^quilar. 9Jleiuetl}atben — e§ ift toll, tpir rnngen

ouf^bie greierei unb fommen in bie SSerbung.

8armiento. ©o tüar ic^ bann euer greimerber!

15 ©mpfangt bie Uniformen, tretet ah unb !el)rt in biefen

(Sljrenfleibern ll)ieber. (fie em^jfangen Leiber Don einem ©olbaten

nnb gelten ob.)

3^


82 Giemen^ ©rentano. v, 21.-23.

Ü^alcrio (lieft). Qdoü, "Otadjvifljt üon 'iWeiicu. —

„3ennov, feib (311115 ruijig über eure l:ocr}tci', fic ift I)eil

unb gefutib, unb H)x iuerbet fic in fiu*5ei ;]ett feigen." —

Sarmientu. 9iun, fo ift a((e^ gut — 3ej3t gcl)et

l)iuab — ta^t bte (^tocfeii ai^ieljcu — erljcdt ein 5

5veubenge)ct)rei über meine ^^Infunft.

!^aleiio, 3)iener {öei)on nio.

ätueiiinb^anjigfter 5tnftrttl.

Sarmientü. 33ortreff(tci^, meine .S^evru, ©avmiento

iinvb erfreut fein, eu(^ fo 5U feljen. 2fjei(et cnd} in bie

Gruppen ein. (er fteut fie.)

"

(S)rauf(cn grcuöenflefc^rci, fernes eskläut)

^DÜ (uoii auf5cn). ^iüat uiifer gnäbiger §err, öiöat 15

Ijüc^ unfer gnäbiger §err!

geliy. (Sott! mein «ater!

Üope. 2öa§ lüirb e§ Serben!

^Iquitar. 3c^ fte§e auf ^'ol)(en!

Sariniento. S^u^ig meine §errn, ii^ ge^e il)m 20

entgegen, (er gc^t at».)

(3)raii|icn üiüat nö^er.)

gelij-, 55^mmel, id^ Ijatte micf) nic()t, ict) mu^, ic^

mufe \f)n umarmen. (gegen Uc Xijüvc.)

^rciiinb^iurtii^ififtcr 5(nftritt. 25

S3Drige, SarmientO im iiiiUtärifc^cu aJJantel, einen ftatoiiHevie^

^c(m ouf mit $8aIerio nnb Wienern.

gelii* (umarmt t^n). D ^^Qter, mein ^ater!

Sarmientü. SSiEfomm, SÖirtfomm mein 3e(ij,

mel(i)e freubige UeOerrafcI}ung, hid) in bcm C^f^renf leibe 30

Deines fießrei(§.en ^ater(anbe§ ju feljen.

10


V, 23. 24. ^aUxxa. 83

geüi'. 5(d) ntlef bie[e§ jabt iJ^i felOft

greiiub bei ^\lfer!abo getf)nn. —

buic^ euren

(Sarmiento (mt bcn manta faiienj. S)uv(^ biefen?

3 e 1 1

i'. §iinmel

"

5 l'ope^. ^^iir feib eö felbft!

^tqutiar. £) meiere @d)(nu§eU!

(Stirmtento. 3a ic^ bin e§, bin Sarmiento — unb

fomit ift ja a((e§ gut — aber gelti', tno tft betne ^raut?

iL^ope. SiijiUa — ift l)ier in bem Söaffenfaale —

10 (er öffnet.) %i^ bie ?^a'äulein, o meld^er ^itnblic!! (man fielet

öfübeffa, Snätüa, Sftbora, tWcfante ölutfd^en mit t^httvlanben gefd^miicftcn

2i>affentvop^äen ftc^cn, fic Ijaltcn eine gal^ne nnb ®d^äv))cn.)

^ientttbanjanjigfter ^^luftritt»

53 r i g e , nnb bie im Sföaffenfonle. , -

15 earmientü. ^ott, meine ^inber, meiere lieber^

rafct)ung, 3(abella

gfibora. O 53ater, tljeurer ^ater! (Umarmungen.)

TltianU. D mein lieber, altertiebfter ^ater!

©armiento. 2öir I)abeu un§ nneber, lüir finb

20 glürflid) — ^ber, ^inber, ma^ I)aOe id) euc^ mitgebracl^t —

ie()t, jeber einen 53räutigam, Sfibora gieb bod) bem Sope,

bort bie~iSd)ärpc bie bu (jdUft. —

üer5ei()en ?

:liope (na^t fcfiüc^teni). £> ^üuna Sfibora! fönnt i(jr

25 Sfibora. ^i)x feib 2)Lni Sope felbft — aä) eS ift

jc^mer — hod) gürt ic^ euc^ in meinet ^i^terS 9^amen.

(gürtet i^n.)

93Jetanie (6n 9iquiiar}. C^ud) gürte id), üon ganzer

Seele, 2)on Suan —

30 5tt]uitar. ^c^ ^eige ^^f|ui(ar, Sol^anne^ mirb immer

mit einem 5(b (er gemalt — ict) bin unenbtii^ gtücftict)!

S 113 i IIa (äu Sciij). 3c^ gebe bir bie (Schärpe in

meiner Slante Dramen!

gelij. deiner Spante!

6*


84 Giemen^ 33rentQno. v, 24.-26.

iJujiUa. §ier S)onna SfabeÜa — ift bie Zank —

Seliy. ^ersei^t — öer5ei§t — (Sennora —

3 f ab e IIa. 5)a§ idüUcu luir un§ allen —

güiifmibanjttnpöftcr ^^luftritt.

53ürige. ^onnaSuauna.

Suanita (tu ^ödifter altfrönfifc^er ^rn^t, ble 3t^erfa^c itntcvm

?ivm: ftc^ neiflcnb). ©emior 5)on ©aOricl be (Sarmiento,

^ovbabilloS l) 3ennra, erlaubt eurer greunbiu ha^^ C^om^

pliment unb (Gratulation ju machen ^u glücfüc^fter

SS^ieberfunft.

10

Sarmiento. (Selb beften§ gegrü^et, ujert^e ^rajia,

Snnojentia, ©mmerenjia, ^^lorenjia, ^nna, S^ai^^f^ ^t

cetera, laffet eu(^ nieber. (fü^vt fie jum ©tui^i.)

S5aIerio (fic^ i^r im^crnb). (J'rlauben, (Surc §errM)!eit

füllen eiue .Slammerfrau §aben — is

3uauna. @§ ift mir bereite befannt, ma§ er und.

3a cgi fjat fid^ eine fe^r nnftänbige ^erfon ju mir ge^

funben ^ier in ber ^erlpirrung be§ §aufe§, tt^etd^e mir

erften§ biefen meinen Qxptx^ChktTc lüieber gefangen, unb

bann mir bei meinem Couchee unb Levee treffüd) bei= 20

geftaubeu. — ^(i) tt)ei§, fie l)at ein 5(ug auf i^n, nun,

e§ ift eine fct)öne Occasion 5U ^erbinbungeu — tnenn

©ennor ©armiento e§ ertaubet —

©armiento. 2Sa§, millft bu §eirat^en, J^alerioV

S8 a I e r i 0. Sd^ bin gauj berbu^et, id) öerfte^e fein SSJort ! 25

Suanna. 3^ur ru^ig — feine giererei — ba

!ommt fie felbft.

Se^Sunbjttianjlöfter auftritt.

SSorige, ^orporino, ^aleria.

^ r p prinp (in_§3ttlerto§ jpo(Sieit§ftetbern).

^aleria (tu ben ^oc^äcttfletbem i^ret «0lutter).

(SBeibe in aninutiliger alti^anifc^er SBürgcrttoc^t.)

"

30


V, 2«. S5alena. 85

^alerio. Mmäc^tigev §tmmet, ein ©eift — mein

SSßeib, tüie e§ leiOte unb lebte!

^aleria. SdC) bin

bin bie $D?o^rin

e§, t^eurer SSater, bin S5aleria,

5 ^alerio.

3fibora.

^Ee§, alle§, ad^ ba§ x^ bid) Uneber (jabe.

Xu bift S^^aleria, bu marft bie SJ^o^rin

S5a(eria (gteM t>a^ seftomem). So ift e§, liier gebe ic^

eucl) alle ^üter be§ 2)on Öope, enre§ ^väntigam§, bie er

mir üermadjt. — ^on ßope — feib glücftid) — mir l)aben

10 un§ öer^ie^en — unb \m^t, mid) l)abt i^r Dur bem


86 (^Iemen§ 33rentnno. v, 26.

SSalevtD. (ii ^oii Savmiento, boi? imifit id) feiber

uid^t.

Savmicuto. rsclU unfU ifjv 'IKlci^ \Hto ift jet^

gut. .stellt luulj ein ivoljc^ö ^cft, unb movßen jur ^Irmec.

9hiv tuer ^erj Ijat, l)ai cm^ 511 (jeben. ^orporiuo, ]d)\m\c\ 5

bic gcil}"^ ^)od)\

^OrpOrinO (ic^toenft Me gnfine).

(5rfl gcliebet unb gerungen,

3)anu bie 5'Q^"c iod) gefc^uniugen,

g-rifd) bann nad) beni ilvan^ gefpvuugen, 10

*?lUe^ ift ung t)eut gelungen.

^n\>t be§ iiuft[^tel§.

^crrofe & 3icmfcn, SSitteiiBerö.

Weitere Magazine dieses Users
Ähnliche Magazine