Der Platonismus und die Gegenwart

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Der Platonismus und die Gegenwart

folgende Schrift ein, die einige vorläufige Gesichtspunkte für

diese Aufgabe bieten will. Ein ganzes Forschergeschlecht hat

die letzte Periode mit ihrer Arbeit ausgefüllt. Auch das neue,

gewiß nicht geringere Ziel wird Generationen von Denkern in

Anspruch nehmen, ja bei dieser Aufgabe ist ein Ende der Natur

der Sache nach überhaupt nicht abzusehen. Diese Schrift will

einige Vorfragen klären, um uns zunächst nur wieder Mut zu

machen, dieser Aufgabe ins Auge zu schauen.

Ich habe von einer gewissen Distanz aus die philosophische

Bewegung unserer Zeit verfolgt. Durch die antiken Denker

und Nietzsche in eine philosophisch-praktische Erziehertätigkeit,

in die „Protreptik'\ Sokratisch- Platonisch gesprochen, hinein-

gedrängt, habe ich in eben dieser Praxis die unumgängliche

Notwendigkeit einer einheitlichen Weltanschauung als Grundlage

dieser Praxis und jeder Lebensgestaltung überhaupt emp-

funden, bis ich erkannte, daß auch die rein immanente Dialektik

der Theorie als solcher zu eben dieser Synthese hindrängt.

Allerdings hatte ich den Übergang von der Praxis zur

Theorie in Erwartung eines neu gesicherten, stolzen und

starken Volkes und Vaterlandes zu vollziehen geglaubt. Nun

haben wir mit Entsetzen unseren Staat, unser gesamtes Leben

zusammenstürzen sehen. Da drängt die Praxis mit ungeheuren

Anforderungen und zwar unter der zwingenden Macht des

Augenblicks und seiner beispiellosen Not mit der Anforderung

unmittelbarer Lösungen, mit noch weit stärkerer Gewalt als

ehemals an uns heran. Aber umsomehr müssen wir in

den Tiefen, in den letzten Grundlagen und Resul"

taten der reinen Theorie die Voraussetzungen für

eine gedeihliche Praxis, für die Wiederherstellung

und Erneuerung unseres Lebens schaffen. Sonst ist

alles beste Wollen zum Scheitern verurteilt. Und kein einheit-

liches Wollen wird ohne diese Gemeinsamkeit der Weltanschauung

aus dem gegenwärtigen Chaos hervorwachsen.

Diese Notlage zwingt uns Theorie und Praxis zu vereinigen,

beide zugleich auszubilden, sie in einem System und in einer

einheitlichen, innerlich verknüpften Arbeit zur Darstellung und

zur Ausführung zu bringen. Ob es uns gelingen wird oder

nicht, dürfen wir nicht fragen. Die Pflicht läßt uns die Wahl

nicht frei.

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