Der Platonismus und die Gegenwart

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Der Platonismus und die Gegenwart

zulänglich, einseitig und deshalb an ihrer Aufgabe scheiternd,

die Wiederbelegung der Metaphysik wider Willen geradezu

herausfordern müssen. Im Kontrast zu ihnen und ihrem Ungenügen

muß die Metaphysik Wieder emporsteigen. Nichts ist

für die Entwicklung der Wissenschaft gefährlicher, als wenn

irgend ein Problem für erledigt gilt, zumal in der Philosophie,

die die so problematischen Grenzfragen der menschlichen Erkenntnis

nach allen Richtungen hin zur Aufgabe hat. Da kann

irgend eine definitive Stellungnahme die hemmendsten Wirkungen

ausüben und Vorurteile schädlichster Art ausbilden, die

dann den geistigen Blick von Generationen in falsche Bahnen

zwingen. Und war die Ablehnung der Metaphysik in den letzten

Generationen nicht fast zu einem Definitivum erstarrt? Galt

das Problem, ob Metaphysik oder nicht, in der jüngsten Epoche

der Wissenschaft, in der Philosophie Wie bei den Einzelwissen-

schaften, nicht bereits als endgültig erledigt? Hier ein Frage-

zeichen zu setzen. Bedenken zu äußern, ist zwar nur ein be-

scheidener Beitrag zur Wissenschaft, dünkt mich aber durch

eben diesen Gang der Wissenschaft, als Glied in der Entwicklung

unerläßlich und zur Nachprüfung, zur Wiederaufnahme und

Auffrischung des Problems förderlich zu sein. Die Philosophie

darf kein Problem als erledigt betrachten und am allerwenigsten

das nach ihrer Aufgabe und ihrer Bestimmung.

Die wiederholten Hinweise auf Piaton und den Piatonismus

haben sich stets ungezwungen ergeben, als das unmittelbar und

ungesucht sich darbietende Gegenbild und Gegengewicht gegen

die philosophischen Zielsetzungen der Gegenwart. Es wird sich

deshalb erübrigen, diese Rückbeziehungen noch einmal in einer

einheitlichen Überschau zusammenzufassen. Auch ohne Heraushebung

dieser Momente der Darstellung dürfte der Titel der

Abhandlung, der den Piatonismus und die gegenwärtige Lage

konfrontiert, sich durch eben diese Verflechtung der gegen-

wärtigen Probleme und Aporieen mit den Grundrichtungen des

Piatonismus am ehesten rechtfertigen. Es dürfte sich von selbst

verstehen, soll aber zur Vermeidung eines immerhin möglichen

Mißverständnisses nicht unerwähnt bleiben, daß jene Rückbeziehungen

nicht bedeuten sollen, der Piatonismus wäre seinem

spezifischen Inhalte nach, in einfacher und absoluter Nachahmung

zu übernehmen. Es handelt sich hier natürlich nur um das

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