Der Platonismus und die Gegenwart

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Der Platonismus und die Gegenwart

unerreichbare und unerfüllbare Aufgaben zumuten. An sich

wäre die Vergleichung und gegenseitige Bestimmung durch die

l'eiderseitige Methodik und Zielsetzung zwischen der Empirie

und der Metaphysik durchaus nicht abzulehnen. Es ist mir viel

daran gelegen, hier bei dem Rückblick auf den Anfang und

das Ergebnis unserer Untersuchung diesen Gedanken hervor-

zuheben, da er auf das Hauptproblem unserer Abhandlung noch

einmal Licht zurückwerfen kann. Die metaphysische und em-

pirische Erkenntnis vertragen an sich durchaus die Paralleli-

sierung und mit dieser zugleich die wechselseitige Ausgleichung

nach Ziel- und Grenzbestimmung, nämlich unter der einen

Voraussetzung, daß die Gegenüberstellung die empirischen Ein-

zelwissenschaften jeweils in ihrer Totalität zum Vergleich

heranzieht, nicht nur mit ihren festen Resultaten, sondern auch

mit ihren noch ungelösten Problemen — auch die noch ungelösten

Probleme gehören zum Bereiche einer Wissenschaft —

sie zum Vergleich heranzieht, nicht nur mit dem, was sie schon

geleistet haben, sondern auch mit dem, was sie noch nicht

geleistet haben, eine Gegenüberstellung, die auch die volle

Problematik, die allen empirischen Wissenschaften eigen bleibt,

in Rechnung stellt. Das muß das ganze Bild verändern. Denn

Was uns die Einzelwissenschaften an Erkenntnissen bieten, sind

doch nur sehr vorläufige Erkenntnisse, das bildet doch nur gleichsam

eine ganz dünne Oberschicht und Oberfläche, nur die

Außenseite der Objekte, auf die sie abzielen. Gewisse äußere

Beziehungen und Zusammenhänge, gewisse Komponenten in

ihrem Aufbau und ihrer Organisation — das weiß die empirische

Wissenschaft zu ermitteln. Aber den wahren und eigentlichen

Kern ihres Daseins, daß sie sind, und daß sie so sind, vermag

die empirische Wissenschaft schlechterdings nicht zu entziffern.

Die Dinge haben neben der von der Wissenschaft erreichbaren

und erreichten Außenexistenz gleichsam noch eine Tiefen-

existenz, die in völliges Dunkel gehüllt bleibt. Alle empirischen

Wissenschaften sind aufs reichste mit unaufhebbarer Proble-

matik durchflochten und durchsetzt und von unlösbarer Proble-

matik umrandet. Dadurch aber werden ihnen die wirklich

erzielten Resultate, die gewonnenen Erkenntnisse, auch wenn

sie nur einen Teil, ein Etwas der Objekte erfassen, nicht

entwertet.

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