Der Platonismus und die Gegenwart

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Der Platonismus und die Gegenwart

gedrückt, das metaphysische System die Grundlage für eine derartige

lebens- und zeugungskräftige Weltanschauung bilden kann

Denn ohne Rechtfertigung vor der Theorie, ohne wissenschaft-

h'che Legitimation \Ä?ird jeder solcher Versuche ins Nichts zer-

fließen, wird das Tor für die wildeste Phantastik eröffnet, die

schon heute ihr Unwesen treibt.

Daß die Metaphysik aus den Aufgaben und Zielen der

menschlichen Geistesarbeit endgültig ausgeschaltet sei, daß sie

Vor allem in der Wissenschaft kein Heimatsrecht mehr habe,

war für längere Zeit die herrschende Ansicht geworden, die

mit einer Gläubigkeit wie nur je eine religiöse Überzeugung

verfochten wurde. Gerade das Schicksal der Philosophie Hegels,

der letzten metaphysischen Philosophie, die allgemeine Kultur-

bedeutung erlangt hatte, schien dies für immer erwiesen zu

haben. Aber was tat denn die Philosophie, seitdem sie nach

dem Untergange des Hegeischen Systems ihrer metaphysischen

Aufgabe beraubt war?

Sie suchte sich neben den Einzelwissenschaften mühsam

eine besondere Aufgabe und ein besonderes Recht vorzubehalten

oder erst ausfindig zu machen. Daß sie sich in die Geschichte

der Philosophie umzuwandeln, sich ganz in die Betrachtung ihrer

Vergangenheit zu verlieren schien, da sie für die Gegenwart

und Zukunft anscheinend keine eigene, schöpferische Leistung

mehr wagen durfte, war nur eine Erscheinungsform neben

anderen. Andere Vertreter bestimmten die künftige philoso-

phische Aufgabe lediglich als Erkenntnistheorie oder Wissenschaftslehre.

Das Objekt selbst sollte den positiven Wissen-

schaften überlassen bleiben. Aber die Wissenschaft ist ja selbst

eine Tatsache, die der Deutung und Grundlegung bedarf; die

Wissenschaft muß in einer erkenntnistheoretischen Begründung

ihre Rechtfertigung finden, was keine der Einzelwissenschaften

als solche zu leisten vermag. Andere Denker wollten für die

Philosophie nicht ganz auf das Objekt verzichten, wollten sich

nicht nur auf die Form der Erkenntnis oder die Behandlung

der Methode beschränken. Doch auch diese verzichteten auf

die ehemalige universale Aufgabe der Philosophie, sie wählten

ein bedeutsames Sondergebiet aus, um es für die Philosophie

aufzusparen und mit Beschlag zu belegen, damit die Philosophie

nicht völlig heimatlos, weil gegenstandslos, werde. Die einen

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