Der Platonismus und die Gegenwart

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Der Platonismus und die Gegenwart

„Vernunftkunst'' und zwar nach Form und Inhalt, als Persönlichkeit

und als Werk. Ist er dies aber, dann ermesse man

daraus seine lebendige Bedeutung für die Gegenwart. Denn

daß uns gegenwärtig „Vernunftkunst'' wie niemals zuvor

irgend einer Zeit dringend nottut, ja daß uns allein die „Ver-

nunftkunst" Rettung bringen kann, welche nichts von der ab-

strakten Kraft der Philosophie opfert, sondern zu dieser abstrakten

Kraft noch den Tatwillen, den Erzieherwillen, den lebendigen

Eros hinzugesellt, das liegt am Tage,

Es war nicht meine Absicht in dieser Schrift, die allein

der wissenschaftlichen Erkenntnis dienen soll, pathetische Töne

anzuschlagen. Klingen sie dennoch bisweilen an, so ist es

wider Willen geschehen. Aber nach meiner wiederholt ge-

äußerten Überzeugung ist der starke Affekt nicht notwendig

eine Hemmung der Erkenntnis. Aus ihm entspringt vielmehr

erst der leidenschaftliche Erkenntnis w i 1 1 e , der allein die

Wahrheit finden kann.

Wir stehen vor einem zertrümmerten Leben. Diese Tat-

sache steigert in schauerlicher Weise die Verwandtschaft, die

zwischen unserer Lage und der der platonischen Zeit besteht.

Auch damals war das glänzendste Leben, das die Geschichte je

gesehen, zerschellt und in der Auflösung begriffen. Das Beste

an Kräften, das wir zur Wiederherstellung benötigen, werden

Wir freilich in uns selbst suchen müssen. Aber auch ein großes

Beispiel kann heilsame Kräfte entbinden. Ewig neu und ewig

alt ist das Leben der Menschheit. Gerade da alles wankt und

bricht, sollten wir uns des Goetheschen Wortes erinnern

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„Das Wahre war schon längst gefunden.

Hat edle Geisterschaft verbunden.

Das alte Wahre, faß es an !

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