Der Platonismus und die Gegenwart

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Der Platonismus und die Gegenwart

dem befruchtenden Segen der großen Meister und Muster

schöpferische Aufgaben der Zukunft zu vollbringen und zu

lösen sind. Auch darüber wird an gegebener Stelle ein Wort

zu reden sein.

Nach dieser allgemeinen Orientierung über Sinn, Grund-

gedcinke und Hauptabsicht vorliegender Abhandlung treten Wir

in die nähere Betrachtung selbst ein.

Ich zweifle nicht, daß in Zukunft die verflossene Epoche

dereinst mit dem Merkmal charakterisiert werden wird: die

Philosophie unterderBotmäßigkeitderempirischen

Wissenschaften. Dies Schicksal war, wie oft hervorgehoben

worden ist, nicht unverdient. Die romantische Philosophie war

mit einer derartigen Überhebung über die Empirie hinweg-

geschritten, hatte der Empirie in einer Weise Hohn gesprochen,

daß der schwerste Rückschlag nicht ausbleiben konnte. So

großartig und tiefsinnig die Ideen dieser Philosophie waren —

was heute niemand mehr bestreitet — die Verleugnung der

Empirie, die sich damit verband, wirkt auf unser durch die

Schule der umfassendsten und erfolgreichsten Empirie hindurchgegangenes

Denken im höchsten Grade befremdend, in vielen

Einzelheiten geradezu komisch. Das Erhabene und das Lächer-

liche liegen auch hier dicht nebeneinander. Nur das außer-

ordentlich Jugendliche und infolgedessen Stürmische und Über-

schwängliche der damaligen Spekulation können derartige

Erscheinungen verständlich machen.

Aber nun fragt sich doch, ob der Rückschlag, der dagegen

erfolgte und erfolgen mußte, nicht vielleicht, wie es meist bei

Rückschlägen zu geschehen pflegt, zuweit gegangen ist, indem

die Spekulation ganz verdammt und die reine Empirie, die Em-

pirie ausschließlich auf den Tron gehoben wurde. Auf diese

Ursache ist es zurückzuführen, daß die philosophischen Sonderdisziplinen

gegenüber der Metaphysik das Übergewicht gewonnen

haben, darauf ist die ganze Methode zurückzuführen, die die

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