Der Platonismus und die Gegenwart

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Der Platonismus und die Gegenwart

die Idee die Einheit der Resultate unseres Erkennens. Jene

weist nach diem Anfange, diese nach dem Ende der Er-

kenntnisaufgabe.

Es liegt nun auf der Hand, daß die ganze Wucht des

Zweifels, seitdem überhaupt die erkenntnistheoretische Besinnung

erwacht war, seitdem der denkende Geist nicht mehr

in blindem Vertrauen auf seine Leistungskraft unbeirrt die

höchsten Probleme gleichsam spielend zu lösen wagte, daß

seit diesem Zeitpunkt der Zweifel sich vor allem gegen die

Idee, den Versuch eines absoluten Abschlusses unserer Vorstellungs-

und Begriffswelt richten mußte, wie vor allem Kant

mit seiner siegreichen Kritik die Idee in das Reich des dialektischen

Scheins verwies, mit einer wunderbar tiefsinnigen Deu-

tung, die zugleich die Notwendigkeit, die Unvermeidbarkeit der

Entstehung der Idee aufwies wie auch andererseits ihre Unvoll-

ziehbarkeit, ihre Unmöglichkeit nachwies, wodurch der tragische

Charakter der menschlichen Erkenntnis zu überzeugender Dar-

stellung kommt — ein Ergebnis, in dem ich den Gipfel der

Kantischen Philosophie erblicke, Umsomehr mußte sich das

Bestreben nach Gewißheit und Sicherheit in der philosophischen

Erkenntnis, wie es sich von der Idee, dem Verlangen nach ab-

schließender Einheit der Ergebnisse ab wandte, den kategorialen

Grundlagen des Erkennens zuwenden, in der Hoffnung, hier

wenigstens zuverlässige, dauernde, objektive Erkenntnisse zu

erzielen, hier die Philosophie als strenge Wissenschaft zu ent-

decken und auszugestalten, daß sie sich vor den exakten Einzel-

wissenschaften nicht mehr zu schämen braucht, daß sie hier

wenigstens ein Reich hat, wo auch sie zweifelsfreie Erkennt-

nisse gewinnen kann. Auch diesen Weg hatte schon Kant be-

schritten. In der Anschauung seiner Zeit von der Metaphysik

als -„Königin der Wissenschaften "" aufgewachsen, in diese

Wissenschaft nach seiner Erklärung verliebt, ohne sich aller-

dings irgend welcher Gunstbezeugungen von ihrer Seite erfreuen

zu können, also schwer enttäuscht von dem allzu kühnen Fluge

in das luftige Reich der Idee, suchte Kant als alleiniges Gebiet

für die Metaphysik das Problem der formalen Grundlagen der

Erkenntnis abzugrenzen. Die eigenen Gesetze und die Gesetzgebung

der Vernunft, kraft welcher sie überhaupt Erfahrung

erst möglich macht, meinte er, sei aus der Vernunft selbst

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