Der Platonismus und die Gegenwart

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Der Platonismus und die Gegenwart

mit vollkommener Strenge und mit weitgespanntem Arbeitsfeld

emporblühen. Der alte Traum einer der Mathematik ähnlichen

Philosophie seheint endlich der Verwirklichung zuzustreben.

Es drängt mich bei meiner ablehnenden Auffassung dieser

gesamten Zielsetzung auch die produktive Bedeutung, das hohe

Verdienst dieser philosophischen Bewegung, welche als Ziel die

Voraussetzungen und Grundlagen des Erkennens und als er-

hoffte Verwirklichung die unbedingte Strenge auch der philo-

sophischen Arbeit postulierte, hervorzuheben. Das Denken, rein

formal gefaßt, ist durch diese philosophische Arbeit in eine

äußerst heilsame Schule genommen worden. Wie anders sollte

sich das philosophische Denken nach dem Sturz der meta-

physischen Philosophie wieder erheben, sammeln, zu neuer

Arbeit kräftigen als durch höchstmögliche Strenge, daß es zu-

nächst jede traumhafte Spekulation um jeden Preis vermied,

hatte doch diese Überschwänglichkeit und Ausschweifung des

philosophischen Gedankens den ganzen Zusammenbruch der

Philosophie herbeigeführt. Nun hieß es radikal auf jede

Phantasterei verzichten, nun galt es mit Unerbittlichkeit nur

Haltbares und Zuverlässiges, das auch der rücksichtslosesten

Kritik standhält, hervorzubringen und mit tapferer Resignation

alles doch Unerreichbare fahren zu lassen, den Hang nach

solchen Zielen, der nur Verwirrung bringen könne, zu unter-

drücken, wenn nicht gar zu vertilgen. Als Epoche, als zeit-

weilige Stellung und vorübergehender Charakter der Philo-

sophie war diese Methode und diese Zielsetzung der Philosophie,

die Philosophie als strenge Wissenschaft, von höchstem Werte.

Einen anderen Weg, die Philosophie zur Gesundung zurück-

zuführen, sie von Neuem für ihre Aufgabe zu rüsten, sie aus ihrer

Ohnmacht zum Selbstvertrauen zurückzuführen, gab es nicht.

Aber auch von dieser formalen Schule des Denkens ab-

gesehen, die es in harte Zucht nahm, ist auch objektiv überaus

Wertvolles durch die philosophische Arbeit der letzten Jahr-

zehnte, die auf die Grundlagen unseres Erkennens ausging,

errungen worden, nämlich eine außerordentlicheKlärung

der Begriffe, hat doch ein Philosoph dieser Richtung und

dieser Epoche Philosophie überhaupt als Streben nach letzter

Klarheit definiert.*) Ein wunderbar durchgearbeitetes Rüstzeug

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*) H. Cornelius. Einleitung in die Philosophie, S. 7 f.

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