Der Platonismus und die Gegenwart

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Der Platonismus und die Gegenwart

für das künftige philosophische Schaffen, das die universale

Aufgabe der Philosophie wieder aufzugreifen hat, ist auf diese

Weise gewonnen worden. Mit diesem Material läßt sich bauen.

Was nur an Schärfe der Selbstkritik das menschliche Denken

aufzubieten hat, ist anscheinend hier aufgeboten worden, so-

daß mit ganz anderen Voraussetzungen, mit ganz anders ge-

schärftem Blick als in der romantischen Epoche das philo-

sophische Denken sich nunmehr wieder zu höheren, weiteren

Zielsetzungen erheben kann.

Denn das Hauptziel dieser philosophischen Bewegung, mit

der Richtung auf die apriorischen, kategorialen Grundlagen des

Erkennens — diese Bestimmung im weitesten, mannigfaltigsten

Sinne aufgefaßt, — unbedingt gewisse, dem Zweifel entrückte

Ergebnisse zu erzielen, die den Vergleich mit den Ergebnissen

der empirischen Wissenschaften aushalten können, — dieses

Ziel ward nicht erreicht. Die volle Problematik ist trotz all

der unermüdlichen und hingebenden Denkarbeit dieser Gene-

rationen auch den Grundlagen des Erkennens eigen geblieben.

Die Voraussetzungen der Erkenntnis stehen in dieser Beziehung

nicht günstiger da als die Idee, als der Versuch zu letzten

Ergebnissen und Abschlüssen der menschlichen Erkenntnis dem

Inhalte nach zu gelangen, sodaß wir uns mit demselben Rechte

wie der Kategorie so auch wieder der Idee zuwenden dürfen.

Hinsichtlich der „Exaktheit" hat die Kategorie nichts vor der

Idee voraus. Dies ist die Stelle, wo auch Kant gegenüber die

schöpferische Kritik einzusetzen hat.

Wenn diese ernsthaften, angestrengten, in ihrer Art bewundernswerten

Bemühungen um die Voraussetzungen des Erkennens

exakte Ergebnisse wirklich erzielt hätten, so müßte

doch irgend ein consensus der Forscher die notwendige äußere

und sichtbare Folge dieser wissenschaftlichen Arbeit sein.

Gewiß bleiben auch bei allen Einzelwissenschaften unzählige

Probleme ungelöst. Auch die Einzelwissenschaften werden

niemals fertig. Und doch ward hier für einen mehr oder

weniger breiten Raum tatsächlich ein consensus der Forscher

erreicht, der aller menschlichen Voraussicht nach, vorausgesetzt,

daß unsere Erkenntnismittel grundsätzlich die gleichen bleiben

und nicht ganz unwahrscheinliche Ergänzungen, Bereicherungen

und Vertiefungen unserer Erkenntniskraft eintreten, unverändert

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