Der Platonismus und die Gegenwart

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Der Platonismus und die Gegenwart

estehen bleiben Wird. Hier sind Ergebnisse erzielt ^vorden,

auf deren Bestand wir bauen können. Wie ganz anders in der

Philosophie, auch derjenigen Philosophie, die als Erkenntnis-

theorie, Wissenschaftslehre, Phänomenologie, oder wie sonst

genannt, die unbedingten Voraussetzungen des Erkennens fest-

zustellen und festzulegen sucht! Bei der experimentellen

Psychologie freilich mag es anders liegen, hier sind vielleicht

exakte Resultate mit Aussicht auf einen consensus der Forscher

erarbeitet worden oder grundsätzlich erzielbar, worüber ich mir

keine Entscheidung anmaße. Aber die experimentelle Psycho-

logie, so berechtigt ihr besonders nahes Verhältnis zur allgemeinen

Philosophie auch sein mag, da sie sich stets in

nächster Nähe des absoluten Problems nach dem Verhältnis der

geistigen und körperlichen Wirklichkeit bewegt, ist dennoch mit

ihrem methodischen Charakter als experimentelle Wissenschaft

mindestens tatsächlich zu einer Einzelwissenschaft geworden,

mit allen Vorzügen, aber auch mit der Begrenzung der Einzel-

wissenschaften. Bei den philosophischen Bestrebungen aber,

die, um die Philosophie aus ihrer absoluten Problematik zu

befreien, um ihr dieselbe Wissenschaftlichkeit wie den Einzel-

wissenschaften zu verschaffen, den philosophischen Blick Von

den letzten Ergebnissen, der absoluten Synthese, der Meta-

physik ablenkten und zu den Bedingungen der menschlichen

Erkenntnis, also ihrem Ausgangspunkte hinlenkten — bei allen

diesen so mannigfaltigen Bemühungen wird man im Unterschied

zu den nachgeahmten empirischen Wissenschaften schlechter-

dings keinen consensus der Forscher entdecken können.

Bildet sich eine philosophische Schule wie der Marburger

Kantianismus, oder übt ein einzelner hervorragender Denker

wie Husserl, Rickert u. a. einen tiefgehenden Einfluß aus —

sofort setzt von allen Seiten die schärfste Kritik ein. Und

selbst innerhalb der näheren Schule oder Anhängerschaft

tauchen sofort gegenüber den ursprünglichen Aufstellungen

des Bahnbrechers und Führers so bedeutsame Nuancen der

Auffassung auf, daß eine Exaktheit der Ergebnisse und der

Methode ein stets unerfüllter Traum bleibt. Die Individualität

des Denkers gibt auch bei diesen Fragen überall die letzte

Entscheidung, wie offen erkennbar ist. Und wie könnte noch

von Exaktheit, von unbedingter methodischer Sicherheit die

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